[Inhaltsverzeichnis von
Engels]
Meyer, Politische Gründer in Deutschland|
Rudolph Meyer: Politische Gründer und die Corruption in Deutschland. Leipzig 1877.
Schließen
Dr. Rudolph Meyer: „Politische
Gründer u. die Corruption in Deutschland.“ Leipzig 1877.
I Buch. Pläne und Gründeranfänge.
1) Das französische Vorbild.
»Die Regierung bot ihren Arm u. ihre Mittel einer
verbündeten Clique der gefährlichsten und gewissenlosesten
Menschen u. führt fort noch ⦗solche⦘ zu leihen, welche dem
Volke planmässig, unter heuchlerischer Betheuerung, seiner Freiheit u.
Wohlfahrt zu dienen, Gesetze aufdrängten, deren Existenz eine straflose
Bei Meyer, S. 2:
Ausplünderung
Schließen Ausbeutung des Volks gestattete« (p. 2) Eine
Gesellschaft politischer Geschäftsleute u.
industriöser Politiker bildete sich in Deutschland, welche in
die Parlamente drang, die hohe Beamtenschaft durch
allerhand Mittel für sich gewann, überall Einfluss erlangte u. somit eine Wirthschaftspolitik schuf
Zusatz
von Marx.
Schließen (?!), welche nur ihren eigenen Interessen, u.
selbst denen in kurzsichtiger Weise diente. An diese Gesellschaft
schlossen sich kleinere Cliquen, die in ähnlicher Weise operirten, nur
weniger umfangreich u. einflussreich … Endlich entstanden hie u. da
selbsständige Ausbeutergruppen, welche die Geschäfte
der grossen Ausbeuter einfach im Kleinen copirten.
(l. c.)
Bismarck, Delbrück, Camphausen!
Juni 1875 veröffentlicht Kreuzzeitung Artikel: „Die Aera Bleichröder-Delbrück-Camphausen“, in deren zweitem es hiess: „Die intimen Beziehungen des … Bleichröder zum Fürsten (Bismarck) dürften, mindestens indirect, schon an die vorministerielle Zeit des Fürsten anknüpfen, als derselbe, um mit spärlichem preussischen Gesandtengehalte u. ohne eigenes Vermögen seinen Souverän in Petersburg, Paris u. Frankfurt repräsentiren zu können, allerdings guten Rath in financiellen Dingen haben musste.“ (3)
Die Veranlasser dieser Artikel wollten hiermit andeuten, dass Bleichröder das Vermögen des Prinzen Bismarck verwalte … in sehr vortheilhafter aber wenig ehrenvoller Weise für letztern. Sie sprachen es offen aus, dass Bismarck sogar bei verrufenen Gründungen wie die der „Preussischen Central-Boden-Credit-Actien-Gesellschaft“ durch Bleichröder „betheiligt“ worden sei. Diese Herren liessen diese Artikel in Welt setzen durch Dr. Perrot , früher Bureau Beamter der Rheinischen Eisenbahn. (l. c.)
October 1876: der conservative Herr v. Diest-Daber publicirt Brochüre: „Der sittliche Boden im Staatsleben“, macht daselbst Andeutungen über die Gründung obiger Actiengesellschaften, wodurch „Deutsche Reichsglocke“ zur Enthüllung veranlasst »Bismarck sei bei deren Gründung consortialiter betheiligt gewesen«. (4)
Bismarck sagte von seiner Politik: „Politik treibe ich wie die Entenjagd. Ich ziehe nie meinen Fuss v. einer Bülte herunter, bevor ich nicht durch Anfühlen eine andre gewonnen gefunden habe, auf die ich ihn sicher stellen kann“ – also die Politik v. Fall zu Fall. (5) Solche Bülten[-]Politik – Glückspolitik. Man muss eben stets eine neue Bülte finden. (l. c.) ⦗Besser »einen Damm durch einen Sumpf zu schütten, als ihn v. Bülte zu Bülte zu passiren« (6[)]⦘
Bis 1870 Glück beispiellos hold dem Bismarck. Wie er 1867 Frieden mit
Frankreich durch Abtretung Zusatz von Marx.
Schließen (!) Luxemburg’s
erkauft, so 1870 durch Entsagung Zusatz von Marx.
Schließen auf spanischen Thron des
Prinzen v. Hohenzollern. Nur
Bonaparte’s Verblendung
verschaffte den Krieg, da der »sich nicht mit der Bismarck
zugefügten Schlappe begnügte[«]. Bismarck
Dank Glück u. Moltke wurde Besieger
Frankreichs. (6) Dagegen von da an seine Campagne in Italien u.
Frankreich gegen die Katholiken, Rathschläge, die er durch Graf
Münster der englischen Regierung behufs
der Behandlung der irischen Katholiken geben
lässt, die belgische Kesselschmiedepisode u. sich daran
knüpfende Versuche, Sicherheitsgesetze gegen fremde Attentäter in ganz
Europa zu promulgiren, Bei Meyer, S. 8: die eilige
Schließen voreile
Anerkennung des Präsidenten der spanischen
Republik, Serrano, der sofort darauf fiel, was Gortschakoff vorhergesehn, die „Krieg-in-Sicht-Episode“ v. Frühjahr
1875, endend mit Bismarck’s damaliger Bei Meyer, S.
6: Besänftigung
Schließen „Zähmung“ durch Gortschakoff u. mit Aufhebung
des Press-Bureaus auf Befehl des Kaiser; Ausdruck von Marx.
Schließen sein Eröffnungsorakel in
der Orientalischen Frage: „das Bischen Herzegowina“,
der Krach seiner neuesten Gründung „Drei
Kaiser-Bündniss“! (6, 7) Jedenfalls seine »auswärtige Politik« nicht mehr ungetheilt ein Gegenstand
der Bewunderung. (7)
Seine
»innere Politik« vielfach eine Copie
der
Nap’s III
…
scheiterte viel schneller u. kläglicher (l. c.) Bismarck Gesandter in
Paris zur Zeit des grössten wirthschaftlichen Aufschwungs
des Nap’schen Systems. (9) Dies System … der cäsaristische
Socialismus auf St. Simonistischer Grundlage. (l. c.) Zusatz von Marx.
Schließen Nach Herrn Meyer war Grundgedanke St. Simon’s: „L’Alliance
entre la Royauté et l’Industrie“ (10) Bemerkung von Marx.
Schließen ⦗Hätte
doch bei St. Simon höchstens ein „Wahl“königthum sein können.
Abgesehn v. falscher Auffassung des Meyer von weniger
einiger Stellen bei St. Simon, hätte er doch nicht vergessen dürfe dürfen, sich die Entwicklung der St.
Simonistischen Schule, 1) nach St. Simon’s Tod, u.
|2 2) seit der Julirevolution ansehn sollen anzusehen, da die Leute mit denen es
Bonaparte
zu thun aus dieser Entwicklung hervorgegangen.⦘
1854 concessionirte die Pforte auf
Nap’s Andringen Lesseps Suez-Kanalunternehmen; 1869 passirte das erste Schiff unter
den Augen der
Madame Eugénie. Seeweg v. England
nach Indien war um 6000 engl. Meilen verkürzt.
Im Jahr 1857 begann der Bau
der
Mont-Cenis Eisenbahn, wobei Bonaparte die
piemontesische Regierung unterstützte. Jezt geht
das englische Postfelleisen v. Alexandrien über Brindisi,
den Mont Cenis u. Calais in 147 Stunden nach England. (13)
Nap. III unterstützte die
grossen Dampferlinien, die das
Mittelmeer v. fzs. Häfen aus u. durchschneiden Zusatz von
Marx.
Schließen u. bis China und
Japan fahren; u. die, die nach America die
Verbindung aufrecht erhalten. (13) Legte planmässiges Eisenbahnnetz an,
vermehrte das Canalnetz, sorgte f. Vicinalwege. (13)
Bei der Gründung des
Credit Mobilier die
Pere
ires unterstützt v. Fould
, Fould-Oppenheim
u. Salomon Oppenheim. (14) Die Pere
ires hatten die Schöpfung productiver Anlagen im Auge; ihre deutschen Nachahmer bauten
nur ausnahmsweise eine neue Bahn od. schufen
ein neues Unternehmen. Sie warfen nur „Werthe“ zusammen od. schufen Banken, die ihrerseits abermals gründeten, stets nur der Erzielung eines Gründergewinns
wegen, alles um’s „Agio“ (14) Die »verkrachte Seite«
des
Bei Meyer, S.
16: Systems
Schließen bonapartistischen
Creditsystems etc ahmte Bismarck nach. (15, 16)
Als
Bismarck Minister in Preussen wurde,
der Krach heimlich in Frankreich schon im Anzug, aber noch
vertuscht. Noch 1864 verdoppelte der
Mobilier sein Kapital Bei Meyer, S. 17: von
Schließen um 60
Mill. Niemand wusste, dass er bereits »insolvent«. Wurde 1867 ruchbar, 1869
mussten die
Pere
ires aus dem corps législatif
scheiden. (17)
Stroussberg
Zusatz von Marx. Diese Schrift exzerpierte
Marx ebenfalls im Jahr 1879 in Heft X.
Schließen in seiner Autoschrift sagt: „Der
Heiligenschein, der das Wort ‚Bankier‘ umgiebt, ist
das goldne Kalb, vor dem in unserer Zeit sich alles beugt.
Der
Staatsmann ist angewiesen, sich das Vertrauen des Capitals zu erhalten,
denn so lange der Bankier der
Trichter ist, durch den
die Gelder des Publicums fliessen müssen,
so lange das Publicum nur den Impulsen der Bankwelt folgt, so
lange wird diesem Gewerbe eine ungebührliche
Macht, ein falscher Glanz gegeben, u.
so lange wird der Bankgründer die Masse ausbeuten.“
(17) Bismarck verhalf Bei
Meyer, S. 17: den Bankiers
Schließen ihnen
Zusatz von Marx.
Schließen kunstweise
zur zu »einer Macht in Deutschland, der sich jezt fast alles u. alle
beugen müssen«. (17) Sein eignes Geschöpf, die „politische Finanzmacht“ ihm bereits über den Kopf
gewachsen. (18)
2) Die Etablierung der patriotischen Geldmächte.
Als
Bismarck
bereits »gegraft« war, boten sich
ihm Haus S. Bleichröder u. die
Discontogesellschaft als Bei
Meyer, S. 18: Finanzmächte
Schließen Financalliirte an u. nahm er an.
S. Bleichröder älteres Berliner Bankgeschäft, schon vom Vater des jetzigen Inhabers betrieben. Vor Bismarck’s Periode Gerson Bleichröder taxirt auf einige 100,000 Th. Seine Bedeutung lag darin, dass er der Berliner Agent Rothschilds war. (18)
Die Discontogesellschaft.
1850 war eine Gesellschaft mit einigen 100,000 Th. in Berlin gegründet worden nach belgischem Muster.
1856 aus derselbigen entwickelt v.
David
Hansemann
, dem Vater des
jetzigen Inhabers, die
Discontogesellschaft mit 10,000,000 Th. Capital (angeblich zur Beförderung
der
Bei Meyer, S. 18:
Erwerbsthätigkeit
Schließen Gewerbsthätigkeit), nach Muster des
Credit Mobilier
; sofort
verfiel sie auf Schwindelprojecte, debütirte mit Geschäften nach Art
des Credit Mobilier. Ausdruck von
Marx.
Schließen Hatte
Form v.
Commanditegesellschaft, weil zu jener Zeit
die preussische Gesetzgebung freier war für Commandit- als
für Actiengesellschaften.
Discontogesellschaft: Eine Tochter v.
David Hansemann verheirathet
mit Georg Marx, Sohn eines jüdischen
bankerotten Weinhändlers in Bonn. Er (der Sohn) betrieb mit
seinem Vetter August Marx
Commissionsgeschäfte; mit Vorliebe in Bergwerken; sie halsten der Disconto-Gesellschaft die
Bergwerke Bleialf u. Henrichshütte auf mit grosser
Provision für sich. A. Marx soll von ersterer Hütte fortwährend 10%
des Bruttoertrags erhalten. Die
Discontogesellschaft wollte schon 1857 ihr
Capital auf 20 Mill. Thaler bringen u. jene Bergwerke in besondre
Gesellschaften „umgründen“. Damalige Krise verhinderte beide
Geschäfte, Discontogesellschaft blieb mit den vollkommen
unrentablen Bergwerken sitzen. Bleialf soll successiv 10 Mill. Mark
verschlungen haben u. Henrichshütte kostete noch mehr. Nach einigen
Jahren zwangen die entrüsteten Actionaire Zusatz von Marx.
Schließen (?) der Discontogesellschaft
die Inhaber, Hansemann und den Juden
Goldschmidt, die Henrichshütte auf eigne Rechnung zu
übernehmen. Diese konnten der Gesellschaft den Kaufpreis
nicht bezahlen; daher Uebereinkunft für folgende Art Abzahlung:
Inhaber u. Verwaltungsrath verzichtet verzichten auf 1/5 ihrer 25% Tantième alljährlich
zu Gunsten der Discontogesellschaft. Ende 1859 kostete Henrichshütte der
Discontogesellschaft 3,327,718 Th. u. Bleialf 155,716 Th.; letzteres
Conto war 1860 erhöht auf Th. 235,815. Beide
Hütten gaben nichts zur Verzinsung ihres Capitals. So die
Dividende der
Discontogesellschaft, die v. 61/2% in 1855
heraufgeschwindelt worden war auf 131/3% in 1856, fiel auf 51/2 u. 4% in 1857, 1858 u. 1859.|
1856 entstand neben der Discontogesellschaft andre böse Gründerbank, die „Berliner Handelsgesellschaft“, woran betheiligt Conrad, Gelpcke, Zwicker, Gerson Bleichröder , Jacques Jaques , v. Diergardt, v. Magnus, Mevissen , v. Oppenheim, Warschauer, Güterbock, Mendelssohn u. a.
Diese die Helden der
ersten Gründerperiode, ditto Hansemann u. sein general staff, wozu
schon früh die hohen Beamten Scheele, Wilckens, Schumann, Wehrmann gehörten, endlich der
berüchtigte Nuland
Zusatz von Marx.
Schließen (?)
Zusatz von
Marx.
Schließen Die Sachen gingen
schlecht.
Oppeln-Tarnowitz, Minerva, die
Gruben Phönix u. Präsident, jezt Bochumer Bergwerk blieben die
anrüchigsten Ruinen jener Schwindelzeit. Staatsanwalt wollte sich
der vornehmen Gründer annehmen, diese aber
veranstalteten Massenpetitionen des Handelsstandes, die
erklärten u. entschuldigten diese »Gründereien« durch kaufmännische
Usancen. (20) Discontogesellschaft kam ungestraft u. ohne allzu
grosse Verluste aus der ersten Gründerperiode heraus.
Der Cours ihrer Commandit-Antheile stieg v. 97% in 1863
auf 121% Anfangs 1869. (20, 21)
Seit 1869 diese Bank (Discontogesellschaft)
geleitet v.
Adolph
Hansemann
, David’s Sohn[,] u.
dem jüdischen Mitinhaber Meyer
Goldschmidt. Da 1860 Parlament in
Preussen noch ziemlich einflusslos, interessirte man vornehmliche vornehmlich
active u. ehmalige Beamte für das
Institut. Dazu 2 Wege: Ordnungsziffer von Marx.
Schließen 1)
Betheiligung bei Emissionen u. Geschäften
i. e., directe Bestechung u. Ordnungsziffer von Marx.
Schließen 2)
Aufnahme in den Verwaltungsrath u.
Versorgung v. Familiengliedern in gut dotirten Stellungen,
Zusatz von Marx.
Schließen i. e. indirecte Bestechung.
Der
Gewinn der Bank Ende jedes
Geschäftsjahrs so vertheilt, dass vorweg
abgehoben auf das Capital 4%. Vom Ueberschuss
erhielten die Inhaber 25%. Der Rest fällt auf Reserve- u. Superdividende. (21)
Schon 21. Mai 1860 wählten die Commanditäre den damaligen Geh. Ober-Reg. Rath Wehrmann in den Verwaltungsrath. 1869 wurde er erster Rath im Staatsministerium mit Vortrag beim König; musste die reichdotirte Sinecure, die ihm mehr einbrachte als das Staatsgehalt, niederlegen. Disconto-Gesellschaft machte seinen missrathnen u. bereits ohne Erfolg nach America exportirten Sohn zum hochbesoldeten Chef der Depot-Verwaltung; erregte Gelächter seiner Untergebnen; darauf schickte sie ihn an die Börse; auch hier compromittirt, gemacht zum „Director“ eines Filialinstituts, ist heute noch versorgt durch sie bei der Aachner Disconto-Bank. (21)
1868 zog die Discontogesellschaft
- 1) v. Geschäftsleuten an sich: Baswitz, Bauendahl, Breest, Hartmann-Chemnitz, J. Kaufmann, E. Lampson, W. Puscher, G. Reimer, C. Winckelmann, R. Hardt, v. Diergardt u. endlich L. Schäfer Schäffer.
- 2) v. polit. Agenten: Wilckens geh. Oberfinanzrath, Schumann, Excellenz, wirkl. Geh. Rath; Wehrmann, geh. Oberregierungsrath, sämmtlich in den Berliner Ministerien;
- ad 1 u. 2 Freiherr v. Eckardstein-Prötzel, jüdischer Abkunft, Geschäftsmann, blutiger Gründer u. Abgeordneter. (12)
Der jetzige Inhaber A. Hansemann hat folgende Verwandtschaft: General v. Kusserow heirathete eine Tochter des banquier Oppenheim, genannt Salloppenheim aus Cöln, hatte 3 Kinder mit ihr: Legationsrath v. Kusserow, jezt vortragender Rath im auswärtigen Amt, Frau A. Hansemann u. die jezt geschiedne Frau des Eisenhändlers Ravené in Berlin. So A. Hansemann durch die Verbindung mit Oppenheim mit der reichen Judenschaft verwandt. (22)
V. 1867–69 nur liberale doctrinäre Manchesterpolitik; 1867 Freizügigkeitsgesetz, Aufhebung der Wuchergesetze ( Lasker-Miquel ), 1868 Handelsvertrag mit Oestreich, Uebergang zum Freihandel. Seit Bismarcks Allianz mit Bleichröder u. Discontogesellschaft, 1869 inaugurirt die capital-liberale Interessenpolitik. (22)
Noch August 1869 die nationalliberale Partei noch doctrinär, noch nicht ihre Führer angekauft. Die v. Lasker , Miquel , Wehrenpfennig inspirirte „Liberale Correspondenz“ (L. C.) plaidirte für Privat- gegen Staatstelegraphen, gegen die Eisenbahn-Prämien-Anleihe, gegen die grossen Capital-Associationen, wie sie sich namentlich durch Fusion v. Eisenbahngesellschaften bilden „weil sie einen Staat im Staat bilden, dem Staat nicht zum Vortheil“ gereichen etc[.] Waren gegen Postregal, begünstigten die Kühnemann’sche Packetbefördrungsanstalt; wollten Veräusserung der Kgl. Seehandlung u. der Domänen, Verwandlung der Staats- in Privat-eisenbahn, für Herabsetzung der Eisenbahntarife etc[.] Ueberall manchesterlicher Doktrinarismus. (Sollte bald zu End kommen.) (p. 23)|
4Früher bereits hatte Discontogesellschaft sich mit Emission v. Eisenbahnpapieren beschäftigt, sich schon seit 1862 um Eisenbahnconcessionen beworben. Z. B. bei Gesuch um Concession v. Berlin-Lehrte vom Handelsminister auffallend begünstigt, er wies die concurrirende Berlin-Magdeburger Bahndirection an „sich mit der Discontogesellschaft zu verbinden“; letztre erhielt die Concession, übertrug sie an die Magdeburger-Halberstädter Gesellschaft unter Bedingungen, die ihr rund 2 Mill. Th. einbrachten. Das Verfahren des Handelsministers um so kurioser, als der Justizminister officiell schrieb: „es ergebe sich die Vermuthung, dass es dem Comité Hansemann nicht sowohl um eine Anlage zur Förderung des öffentlichen Wohles, als lediglich um ein Privatinteresse zu thun sei“. ⦗Dies war Graf Lippe⦘ (22 23)
Nach so „vortheilhaft“ Geschäft beschloss die Discontogesellschaft mehr u. mehr Bahnen unter ihr Clientel zu bringen, fasste folgenden Plan: Sie übernahm für 26 Mill. Thaler Prioritäten der Oberschlesischen, [für] 281/2 Mill. Th. der Kölner-Mindner, [für] 351/2 Mill. Th. der Bergisch-Märkischen u. [für] 10 Mill. Th. der Magdeburg-Halberstadtschen Bahn fest u. wollte diese Prioritäts-obligationen in ihren Trésor legen, dafür aber 100 Mill. Th. Prämienanleihe zu 41/2% emittiren, die mit 4% verzinst u. mit 1/2% ausgelost werden sollten. (24)
Man berechnete, dass die Discontogesellschaft durch
Speculation auf Spielwuth des Publicums, das ein 41/2%
Prämienpapier höher bezahlt als ein 41/2% Zinspapier v. derselben
Sicherheit[,] gleich bei Emission
10 Mill. Th. „verdienen“ werde, abgesehn
v. den Vortheilen einer Verwaltung v. 100 000 000 Th. durch
so viele Jahre; Stücke u. Coupons gehn immer verloren; Capital u.
Zins wird nicht sofort nach Fälligkeit Bei Meyer,
S. 24: behoben
Schließen erhoben etc
Dies dem Crédit mobilier nachgeahmt. Aber Presse noch nicht hinreichend bestochen; nur „Berliner Börsenzeitung“, „Spenersche“ u. „Elberfelder Zeitung“ traten offen f. das Geschäft ein. Auch Parlament noch nicht zu „Syndikat in der Leipziger Strasse“, zu „Börse No. II“ gesunken. Im Herren[-] u. Abgeordnetenhaus Interpellation an die Regierung, gegen das Geschäft; Im ersteren vertheidigt Wilckens, im 2t Eckardstein die Discontogesellschaft. Auch Miquel hatte sich „für“ einschreiben lassen, kam aber durch Schluss der Debatte nicht zu Wort. Auf dem volkswirthschaftlichen Congress Bamberger , der berüchtigte Gründer der »Deutschen Bank, Erfinder des Nickelgelds u. der Reichsjudenbank«[,] für die Prämienanleihen, die weder „monströs noch unsittlich“ seien. (l. c.)
Kam bei den Debatten heraus, dass Finanzminister v. d.
Heydt
u. Handelsminister Graf
Itzenplitz
der Discontogesellschaft bereits »bindende«
Versprechungen gemacht. Wuth der Discontogesellschaft
grenzenlos. Veranstaltete an der Börse allgemeine Baisse in den preussischen
Staatspapieren, sie liess die Volkswirthe
angreifen. „Wir leben in einer praktischen Welt … Uebrigens vergesse
man nicht bei der Schilderung der Natur des Bankiers, dass
in der Welt grade der Bankier die
Principien der Freiheit vertritt.“ (Börsenzeitung, 4 Sept. 1869) Selbe
Zeitung warnt Wähler vor den Abgeordneten die „dem Volk den Credit
vertheuerten“. (14 Oct. 1869) Droht (selbes
Blatt) am 18 Oct. 1869 den Grundbesitzern,
die im Herrenhaus sich besonders energisch gegen
die Prämienanleihe ausgesprochen, mit Rache
der Börse; fällt bes. her über v. d.
Heydt, droht ihm 15 October ’69 mit
„Enthüllungen“. Heydt war schon früher
bei Börse in Ungnade gefallen, durch Vorlage des Börsensteuerprojects; alle Hebel gegen ihn in Bewegung
gesetzt, musste am 28 Oct. ’69 seine
Entlassung geben, erster pr. Minister, den die Börse offenkundig stürzte.
Itzenplitz fügte sich, that v. nun an
alles was Discontogesellschaft u. Genossen verlangten, stürzte um so
Bei Meyer, S. 25:
ruhmloser
Schließen öklicher
1873. Gross Triumph der Börse als
zu Heydt’s Nachfolger ernannt
Camphausen
, damals Präsident der Seehandlung. (25)
Camphausen seit 1848 mit Hansemanns Familie intim befreundet; ebenso sein erster Rath bei der Seehandlung, Scheidtmann, welcher stehende Mittagsgast Hansemann’s noch activ. (l. c.)
Jezt Regierung der Börse unbedingt ergeben; Präsident des Reichskanzleramts, Delbrück , stand ihr auch nah als Verwandter des grauenhaften Gründerhauses Leo Delbrück et Co; ditto der Unterredacteur der „Nationalzeitung“, Michaelis ; er hatte noch vor seinem Avancement zum Geheimen Rath u. Factotum Delbrücks, erklärt: „Der Moralist sei der geschworene Feind aller wirthschaftlichen Vorgänge“ ⦗Uebersetzung v. Ofenheim in Wien: „Mit Moral baut man keine Eisenbahnen.“⦘ Delbrück fand später dem Gründungsschwindel gegenüber: „die Regierung kann Leute nicht schützen, die ihr Geld los sein wollen.“ Camphausen’s Princip bei Verwirthschaftung der Milliarden: „Keine Zinsen verlieren“, ohne Rücksicht auf Sicherheit des Capitals; sein Mittel gegen die Crisis: „Herabsetzung der Löhne.“ Michaelis war schon erster Rath u. rechte Hand Delbrücks u. Bismarck’s vertrautester Rath. Lothar Bucher alter Protégé des Hansemannschen Hauses. Als er Anfangs der 60er Jahre v. London rückkehrte, beschäftigte ihn Hansemann mit publicistischen Arbeiten, zog ihn an seinen Tisch, empfahl ihm Bismarck; noch jezt Sommergast auf Hansemann’s Besitzung auf Rügen, Schloss Lanken. Ein Freund im |5 Cabinet seiner Majestät, wie Wehrmann u. Schumann, kann einer Bank, die u. a. auch Concessionen v. Hypothekenbanken, Bahnen etc nachsucht, Millionen einbringen. Bessere Regierung konnte sich Börse nicht wünschen als die nach v. d. Heydts Sturz zusammengesetzte. (26)
Der Einfluss der Börse bis ins Cabinet eingedrungen; andrerseits durch den einflussreichsten Geheimenrath Berlins, G. Bleichröder , hatte sie beständigen Zugang zu Bismarck , was nicht einmal fremde Botschafter. Galt noch die Volksvertretung gründlich zu corrumpiren. (27)
3) Die politischen Gründeragenten.
A. Hansemann
unpassend für Parlament; heisst auf der Börse: der „gebildete Hausknecht“ (28) Ersah sich als
„seinen“ Parlamentarier Consul G. Müller
, Geschäftsmann,
Banquier, viel Einfluss im Parlament in „geschäftlichen“ Fragen,
correcter Liberaler, Vertreter v. Stettin, See- und Handelstadt (l. c.)
Aber G. Müller hatte »zu viel Character« für Hansemann. H.
wollte seinen einzigen, zumal erkrankten, Mitdirector
Meyer Goldschmidt loswerden; während der Erkrankung
Goldschmidts zog H. die
Bei Meyer, S. 29: Entscheidung über alle
Geschäfte
Schließen Selbstherrschaft an sich; als G. wegen seiner Krankheit
resigniren musste, fasste H. den Plan den G. Müller in die
Direction zu nehmen, aber ohne geschäftlichen Einfluss. Dieser aber
wollte »gleichberechtigt« mit H. in der Direction sein, nicht
einfach dessen Dekrete mit unterzeichnen. Sache zerschlug sich. Meyer unternahm Müller übernahm dann die Vertretung der
Meininger Credit-Bank in Berlin, gründete
heftig; sah aber die Unvereinbarkeit dieser Thätigkeit mit
der Rolle eines Gesetzgebers ein, trat v. der
politischen Bühne ab. (29)
Miquel
nun von H. gewonnen.
Dieser Miquel sagte im Februar 1875 im Reichstag
in seiner oratio pro domo er habe später als „Inhaber“ nur das juristische Ressort bearbeitet,
später als „Aufsichtsrath“ gar keine Kenntniss
v. den Operationen der Discontogesellschaft gehabt,
das besorge fast alles die Direction. Miquel hatte in
der That auf den Gang der Geschäfte so
wenig Einfluss wie seine Mitdirectoren Hecker u.
Salomonsohn. Die Leitung des Ganzen
behielt Hansemann, die Börse Hecker,
das juristische Fach der Hauptsache nach Rechtsanwal Rechtsanwalt a. D. Salomonsohn, auf dem
Gebiet der financier-Juristerei viel gescheuter als Miquel. Als
„Inhaber“ musste M. doch scheinbar etwas
thun, ihm daher unbedeutendere juristische Arbeiten anvertraut. Aber
dafür zahlte ihm H. nicht so grausses Geld. 1873, als Miq. ausschied als »Mitinhaber«,
machte ihn jedoch H. wegen der parlamentarisch v. ihm geleisteten
Dienste zum Vorsitzenden des
Aufsichtsraths, wofür er in der That eine fürstliche
Besoldung erhielt. Seiner schönen Augen weg wegen erhielt Miquel nicht die 100 000de,
die H., nach Goldschmidts Ausscheiden, selbst in die Tasche
stecken konnte.
Strousberg
sagt hierüber: „Man kann solchen
Vertrauensposten nicht v. sich auf andere übertragen u. … im
Aufsichtsrath u. gleichzeitig Gründer sein etc.“ (p. 30, 31) Als
vielfacher Aufsichtsrath 100 000de
einstreichen u. nachher erklären man habe als solcher nichts gethan, sei
also am Krach der beaufsichtigten Gesellschaften unschuldig,
ist albern. (31)
Lasker
selbst hat nach
Herrn v. Diest’s
Aufzeichnungen diesem am 4 März 1874 gesagt:
„dass auch in die Parlamente hinein die Hydra immer
mehr einzudringen versuche“, bezeichnete dabei Braun, Miquel,
Kardorff
, Adickes, v. Eckardstein
etc als solche „die sich in eigenthümlicher Weise bei der
Förderung einiger Gesetze ⦗Prämienanleihe. Anmerkung des v. Diest.⦘
betheiligt erwiesen hätten.“ (31) Darauf antwortet Lasker u. a.: Sowohl Diest als andern Freunden gegenüber: „Ich
sprach mein Bedauern darüber aus, dass immer mehr
Abgeordnete in geschäftliche Stellungen sich begeben, welche sie bei der Förderung v. Gesetzen als
betheiligt erscheinen lassen. Möglich, sogar sehr
wahrscheinlich ist, dass ich dabei auf die 1870
im Reichstag geführten Verhandlungen über die Zulassung von Prämienanleihen u. die
preussische Centralbodencreditactiengesellschaft
exemplificirt habe, weil ich auch dessen mich erinnere ausgesprochen zu
haben, dass in dem
Verwaltungsrath dieser Gesellschaft eine erhebliche Zahl v. Reichstagsmitgliedern verschiedner
Parteien sassen; ich bedauerte ferner, dass einzelne dieser
Mitglieder den Antrag die Ausgabe v. Prämienanleihen unter
gewissen Normativbedingungen zuzulassen, in
den Reichstag einbrachten od. unterstützten,
während in den öffentlichen Blättern mitgetheilt war dass jene
Gesellschaft (Disconto-Gesellschaft) mit dem Plan umginge eine
Prämienanleihe auszugeben. Ferner möglich,
dass ich … im Verlaufe der langen Unterhaltung eine Aeusserung gethan,
dass ‚die Hydra‘ immer mehr auch in die Parlamente hinein zu
dringen versuche.“ Zusatz von
Marx.
Schließen Lasker läugnet
aber „als ob ich (Lasker) die genannten Personen
besonders angeklagt u. mit der ‚Hydra‘ in Zusammenhang gebracht
hätte … Es ist gerade diese Notiz u. die ihr gegebene Fassung, welche
Herr v. Diest zur Basis des Operationsplans gemacht hat, um mich zu zwingen, dass ich
gegen Mitglieder der nationalliberalen Partei als öffentlicher
Ankläger auftreten sollte … In dem
Brief v. 16 Februar 1876 erklärt v. Diest … dass ich gerade Herrn Miquel in
dem Gespräch v. 6 März 1874 ihm als
Gründer genannt hätte.“ Es sei dies unmöglich. „Denn ich erinnere mich
aus jener Zeit genau, auf anderweitige hierüber gemachte Bemerkungen
erwidert zu haben, dass mir die Geschäfte
der ‚Berliner Disconto-Gesellschaft‘ u. die
Art der Mitwirkung des Herrn Miquel bei derselben
völlig unbekannt ⦗Er hat 1872 ein
Gutachten für die Disconto-Gesellschaft über die
Gründung der rumänischen Eisenbahn-Actien-Gesellschaft gemacht,
auf Ansuchen Miquel’s u. zwar gegen
Honorar.⦘ wären, u. dass ich besonders jede wegen ‚Gründergeschäfte‘
gegen Herrn Miquel gerichtete Verdächtigung, bis zur Bezeichnung
bestimmter Fälle zurückweisen müsste, weil ich Herrn M. für durchaus
unfähig hielte, an einer schwindelhaften Gründung sich zu betheiligen.“
(32, 33)|
Zusatz von Marx.
Schließen Biedermann
Lasker lügt! 1873 erzählte er im Parlament angeblich der Welt alle
seine Kenntniss über Schwindel u. Gründungen u. findet als Sünder bloss
Strousberg, Wagener, Putbus u. Biron.
Jezt gesteht er zu, hat schon 1870, bei
Prämienanleihe u. Centralbodencredit die Erfahrung gemacht,
dass einzelne Mitglieder des Parlaments diese für die
Disconto-Gesellschaft vortheilhaften Anträge einbrachten od.
unterstützten, d. h. als politische Gründer-Agenten u. nicht als
Volksvertreter operirten. Diese Erfahrung unterschlug er 1873 in seinen
Enthüllungen, giebt sie seit 1876 erst zu, also
nach 6 Jahren, wenn von
Diest gedrängt. Sucht jezt noch
den
Miquel weiss zu waschen, obgleich
der[,]
1870 schon Geschäftsinhaber der
Discontogesellschaft, den Hauptnutzen, grösseren als
die anderen Gründeragenten, die nur Verwaltungsräthe waren,
von jenen Gesetzen haben musste. Der
stenographische Bericht über die
Verhandlung im Abgeordnetenhaus zeigt, dass Miquel sich für die Prämienanleihe zu Wort
gemeldet, also an der „Hydra“ betheiligt war. Lasker hält
den Miquel f. unfähig der Betheiligung an
Schwindel-Gründungen, wahrscheinlich weil Miquel u. a. Director der Provinzial-DiscontoGesellschaft, der Dortmunder Union, der
St. Gotthard-Eisenbahn u. s. w. war, lauter
Schwindelgesellschaften. (33, 34) Jedenfalls giebt Lasker zu, dass sich
seit 1870 – in fact aber seit 1869 – ein Ring v.
politischen Agenten, die „Hydra“ [genannt,] constituirte, der solche Gesetze machte, wie
sie die Börse brauchte um Publicum zu plündern. (34)
Hansemann verstärkte seine Position noch mehr. Schon Juli 1869 trat Geh. Rath Scheele aus Staatsdienst, um sich vollständig dem Dienst der Discontogesellschaft zu widmen, wurde Vorsitzender des Verwaltungsraths. V. Geschäftsleuten traten successive ein Moriz Moritz Reichenheim, Gustav Hansemann; als politische Agenten: Präsident u. Abgeordneter v. Rönne , Geh. Oberfinanzrath a. D. Scheller, Geh. Rath Wehrmann seit 1873, Staatsminister a. D. von Bernuth . (34)
Bleichröder , damals Hansemanns Bundesgenosse, fing an Lasker’s juristischen Rath zu benutzen; gewann ferner dessen Freund, nationalliberalen Abgeordneten, Bürgermeister von Gera, Weber, der ganz in seine Dienste trat, u. den freiconservativen Abgeordneten v. Kardorff , durch Betheiligung bei Gründungen. Eugen Richter hat sich später auffallend den Interessen der Finanzdioskuren angenommen, jedoch so vorsichtig, dass seine Motive bisher nicht entschleierbar; ditto Herrn von Benda. (35) Die zahlreichen successiven Beziehungen beider Bankchefs zu andern Finanzconsortien u. Bahngesellschaften, führten ihnen noch andre politische Kräfte zu, v. Bennigsen , Adikes etc. (35)
Zusatz von Marx.
Schließen Rudolph Meyer sagt, dass er in
der
„Schlesischen Volkszeitung“ v. 18 Oct. 1876 ⦗Vgl. übriges Glagau 2. Band⦘ eine Liste von noch im Reichstag od. Abgeordnetenhause sitzenden Verwaltungsräthen, resp.
Directoren veröffentlicht, weist 80 Nummern auf, u. 20, die
früher in diesen Häusern sassen. Jezt bereits
ausgeschiedne, hervorragend durch ihre geschäftlichen
Betheiligungen bekannte Abgeordnete
, sind: Marquard-Barth, Graf Buchholz Bochholz, v. Carlowitz, Guido Graf Henckel v. Donnersmarck, Meyer v.
Bremen, Consul
G. Müller
, v. Rothschild, v. Sänger-Grabowo, Schön,
Strousberg
,
Wagener
.
V. activen Abgeordneten hervorragend:
Bamberger
,
˟)
v. Bennigsen
,
Berger
, ˟)
v. Bernuth, ˟)
v. Bethmann-Hollweg-Runowo, ˟)
Graf Bethusy-Huc
, von Bonin
, ˟)
Dr.
K. Braun
, Braun
(Hersfeld), Buhl,
Bunsen
,
Chevallier, ˟)
v. Eckardstein,
Friedenthal
, Hagen,
Hammacher
, Handjery,
Prinz Karl zu Hohenlohe
,
Kapp
, ˟)
v. Kardorff
,
Kieschke,
Koch,
Laporte,
Löwe-Calbe
, Graf Maltzahn-Militsch, Minckwitz, ˟)
Miquel
,
Mosle, Müller (Stuttgart),
Graf Pückler
,
Herzog v. Ratibor
,
Richter (Tharand),
Reinike
(Halle), ˟)
v. Rönne
,
v. Schauss, Schöttler,
Schulze-Delitzsch
, Scipio,
Siemens
,
v. Unruh
(Magdeburg),
˟)
v. Wedell-Malchow, ˟)
Wölfell, ˟)
Wolfsohn, ˟)
v. Winter. Die 13 mit ˟)
Ausdruck von Marx.
Schließen angekreideten haben mit
Gründungen v. Disconto-Bleichröder zu thun. Unter obigen Gründern nur
ein Conservativer u. Bei Meyer, S. 36: kein
Schließen nur ein
Ultramontaner. (35, 36)
Nachdem die Börse ihre Freunde in Regierung u. Parlament
placirt,
Bei Meyer, S. 36: begann sie die
Presse auf ihre Seite zu bringen
Schließen Presse
.
Die
nationalliberale Correspondenz bis heute
theilweis in den Bureaux der Discontogesellschaft od.
in ihrem Haus in der Charlottenstrasse gefertigt; sie steuerte
freigebig f. die nationalliberale
Wahlagitation [bei]. Grosser Theil
der Presse direct bestochen. Sehr zugänglich die
„Nationalzeitung“. F. die
Börsenzeitungen versteht sich die
Gefolgschaft v. selbst. (36)
Liberale Partei giebt v. jetzt ab Doktrinarismus auf, wird sehr »praktisch«; 1869: Gewerbeordnung; 1870 das neue »Actiengesetz«, gab die „Gründungen“ ganz frei; das Strafgesetz von gefährlichen Paragraphen befreit. Um das Actiengesetz machten sich bes. verdient Graf Renard , berüchtigter Gründer, Lasker u. Miquel . (36, 37)|
4) Ans Geschäft! Eisenbahnen.
Frankreich Muster für die deutschen Reichsjuden. Haus Rothschild zu Paris kaufte zunächst die Oestreichische Südbahn v. österreichischem Staat, ruinirte sie durch financielle Praktiken, verkauft sie eben wieder an die italienische Regierung.
Zu Braunschweig (Herzogthum) befürchtet Annexion an Preussen bei Tod des Herzogs; man wollte die Bahnen zu Geld machen, um deren Capital dem Land zu erhalten. Discontogesellschaft gemeinsam mit S. Bleichröder, M. A. v. Rothschild , Eltzbacher, Meininger- und Darmstädter[-]Bank in März 1870, kaufte die Braunschweig’schen Bahnen, nachdem die Verhandlungen fast ein Jahr gedauert, u. gründete daraus eine Actien-Bahn, in deren Verwaltungsrath Bleichröder seinen Compagnon Schwabach, die Discontogesellschaft den Miquel delegirte, wodurch sie die Bahhn Bahn unter ihrer Herrschaft behielten. Dies System der Reichsbanquier, Reichsbanquiers: setzten einige „ihrer Leute“ in den Verwaltungsrath oder Direction einer abhängigen Gesellschaft, [machten] durch deren Vermittlung financielle Geschäft mit derselben, d. h. eigentlich mit sich selbst, zum Schaden der bewirthschafteten Gesellschaft u. Vortheil für sich selbst. (37, 38)
[In] „Dr. Strousberg u. sein Wirken“ (von Strousberg) heisst’s: „Hansemann hat den Grundsatz dass er und die Discontogesellschaft sich bei industriellen Angelegenheiten … nur betheiligt, wenn die Verantwortlichkeit für den Betrieb od. die Ausführung auf andre Schultern gelegt werden kann … schliesst … seinen Einfluss auf die Verwaltung nicht aus … Bei Dortmunder Union Grillo und v. Born die verantwortliche Aufsicht, bei Görlitz Geheimrath Wilckens et Consorten u. s. w. … Discontogesellschaft verschafft sich unzählige Beziehungen, wobei [sie] alle möglichen Vortheile [geniessen] u. über enorme associirte Capitalien unbeschränkten Willen ausüben kann, ohne verantwortlich, u. sogar in der Lage [zu sein], ihre Speculation in den betreffenden Papieren, neben vollster Kenntniss, mit einer Unbefangenheit zu handhaben, als ob sie der Sache ganz fern, u. dass wer auch verliert, sie sicherlich gewinnen muss … Anders verhält es sich mit den Mündeln der Discontogesellschaft … leiden schwer.[“] (38)
Discontogesellschaft hatte Anzahl von ihr Abhängiger – Salomonsohn , Wilckens, R. Hardt, Levinstein und Hansemann’s Schwager Ravené gebracht in Verwaltungsrath der Berlin-Görlitzer Eisenbahn u. dirigirte durch diese die Bahn. Strousberg, als Erbauer der Bahn, auch im Verwaltungsrath sag sagt: „wir waren eigentlich gar keine selbsständig selbstständige Körperschaft, die Parole wurde v. der Discontogesellschaft ausgegeben. Der Vorsitzende u. andre Personen von dort waren Mitglieder des Aufsichtsraths, ein Geschäftsinhaber u. Schwager u. sonstige Beamte waren gleichfalls dabei …“ (39)
Nun erzählt Strousberg wie
der Mündel geplündert durch Vormund. „Es handelte sich um
die
Begebung v. 4 od. 6 Mill. Thaler Obligationen,
die zu Bauzwecken im Lauf v. 1 od. 2
Jahren erforderlich … Kam auf die
Tagesordnung; der betreffende Geschäftsinhaber (Salomonsohn)
entfernte sich; der Vorsitzende u. sonstige (bei
Discontogesellschaft) Betheiligte blieben aber; nun ein Contractsentwurf mit Disconto-gesellschaft bezüglich
Uebernahme der Obligationen vorgelegt, wonach u. a.
selbige dieselben zu 4 od. 6% unter dem
Cours für ähnliche Papiere kaufte u. ihr
freies Ermessen bezugs Abnahme gegeben werden sollte, ausserdem
Verzinsung des Erlöses bis zur
Verwendung
niedriger als die
Obligationszinsen sein sollten sollte. Ich machte darauf aufmerksam, dass hierdurch sehr grosse Summe in Coursdifferenzen involvirt,
dass Zinsverluste entstehn würden, u. dass eine
Gesellschaft, die ihre Obligationen, Prioritätsactien ganz u. selbst Stammactien
theilweis verzinst habe u. selbstständige
Direction besitze, der Vermittlung der Bankenwelt hier
nicht bedürfe, da die Gelder nicht auf einmal nöthig,
die Effecten nach Bedarf ausgebbar. Herr Lewinstein – bei diesem Geschäft in irgendeiner Weise
interessirt, plaidirte eifrigst für Annahme des Contracts.
Wilckens schloss sobald als thunlichst die Debatte. Contract angenommen … Geheimrath Wilckens,
Mitglied des Aufsichtsraths eines Bankinstituts, beziehend aus dem Profit dieses
Intituts
eine Tantième, präsidirt bei der
Sitzung eines Aufsichtsrath Aufsichtsraths u. leitet die Debatte in Frage, wo es sich darum
handelt seiner Bank, die ihm
im Verhältniss zu ihrem Profit zahlt, Hunderttausende zu
verdienen zu geben, u. dies in einem Aufsichtsrath, wo die
Majorität notorisch aus ihm in dieser Beziehung gleichgestellten
Personen besteht … durfte ein solcher Contract überhaupt unter diesen
Verhältnissen abgeschlossen werden ohne andere
Institute zur Concurrenz aufzufordern?[“]
Zusammenfassende Bemerkung von
Marx.
Schließen ⦗Meyer bemerkt: dies gegen § 263 al. 4, § 266
des Strafgesetzbuches⦘ ⦗Herr Miquel war damals noch »Geschäftsinhaber«⦘ (39–40)
In ähnlicher Weise vollzieht sich die Plünderung der
anderen Bahnen. Das Braunschweig’sche
Eisenbahngeschäft u. das mit der verschacherten Concession v. Berlin-Lehrte hatten schon bei
der Gründung guten Nutzen abgeworfen u. fuhren fort Nutzen
bei der dauernden Bewirthschaftung der Bahnen
abzuwerfen. Hence im Disconto-Bleichröder-Ring
der Gedanke alle deutsche deutschen Staatsbahnen anzukaufen, sie in abhängige
Actiengesellschaftsbahnen Bei
Meyer, S. 41: zu „gründen“
Schließen umzu„gründen“, alle bestehnden
Privatbahnen |5a durch Uebernahme neuer
Emissionen u. Besorgung ihrer Bankiergeschäfte unter ihre
Botschaft zu bringen u. so den
gesammten Eisenbahnverkehr Deutschlands zu
monopolisiren. Die
liberale Partei von jeher für
das Privateisenbahnsystem. Killisch v. Horn, Leibjournalist der
Discontogesellschaft, gab den Impuls, schreibend am 20 November 1869 in der
Berliner „Börsenzeitung“: „Man hat eben einsehn
gelernt, dass der Staat sich möglichst von allem
fernhalten soll, was Private so gut wie er, u. erwiesner Massen häufig
besser zu leiten im Stande sind.“ Die politische
liberale Presse biss auf den Köder. V. November 1869 verlautete, [dass]
Disconto-Bleichröder mit Aussicht auf Erfolg um
den Ankauf der
Staatsbahnen des Königreichs Sachsen
verhandelten. Später bewarben sie u. verbündete Finanzmächte sich um
Ankauf der bairischen, badenser, u.
elsass-lothringer Staatsbahnen; gelang nur die
Erwerbung der
mecklenburgischen Friedrich[-]Franzbahn, die sie umschmiedeten in Actien-unternehmungen. Glücklicher operirten sie
Betreffs vieler Privatbahnen.
Herr Bleichröder veröffentlicht nicht, wie die Discontogesellschaft, Geschäftsberichte; doch weiss man, das dass er mit Landau u. Consorten die Concession für Weimar-Gera u. Posen-Kreuzburg erwarb.
Die Berichte der Disconto-Gesellschaft ergaben folgende Geschäfte:
- 1869 nur betheiligt bei der Emission von 1) Rheinischen Actien.
- 1870 emittirte sie: 2) Oberschlesische, 3) Magdeburg-Halberstädter, 1. Rheinische Bahnpapiere.
- 1871 4) Cöln-Mindner. 2. Oberschlesische. 3. Magdeburg-Halberstädter. 5) Thüringische. 6) Nordhausen-Erfurter. 7) Bergisch-Märkische. 8) Rechte Oderufer. 9) Halle-Sorau-Gubener. 10) Berlin Görlitzer. 11) Hannover-Altenbekener Bahnpapiere.
- 1872 7. Bergisch Märkische. 2. Oberschlesische. 9. Halle-Sorau-Gubener. 11. Hannover-Altenbekener. 10. Berlin-Görlitzer 12) St. Gotthard Bahn. 13) Berlin-Potsdam-Magdeburger. 14) Görlitz-Reichenberger Bahnpapiere
- 1873 4. Cöln-Mindener. 7. Bergisch-Märkische. 3. Magdeburg-Halberstädter. 10. Berlin-Görlitzer. 11. Hannover-Altenbeken. 9. Halle-Sorau-Guben. 15) Pfälzische Ludwigsbahn.
Auf fast allen diesen Bahnen die Disconto-Gesellschaft v. massgebendem Einfluss, so dass Hansemann einige seiner Agenten in deren Verwaltungen dirigirte. So sassen od. sitzen im Verwaltungsrath von:
- 1) Halle-Sorau-Guben: v. Bernuth, Hardt, Goldschmidt, v. Eckardstein, Herrmann.
- 2) Bergisch-Märkische: Reinhardt, Russel, Windhorn, u. Weber v. der Anti-Consorteria, oder Bleichröderring.
- 3) Berlin-Potsdam-Magdeburg: Reinhardt, Reimer, Wilckens.
- 4) Berlin-Görlitz: Wilckens, Hardt, Salomonsohn, Schwager Ravené, Lent.
- 5) Braunschweigische: Miquel u. Schwabach vom Bleichröderring.
- 6) Berlin-Anhalt: Scheele.
- 8) Hannover-Altenbeken: Miquel, Lent.
- 9) Magdeburg-Halberstädter Lent u. mehre andere, ausserdem von Nathusius-Althaldensleben u. Kaufmann Nathusius, noch nicht geadelt.
- 10) Dortmund-Gronau-Enscheder. Hardt, Reinhardt, Lent.
- 11) Märkisch-Posener: Reinhardt, Goldschmidt, Hardt, Herrmann.
- 12) Rechte Oderuferbahn: Salomonsohn.
- 13) Rhein-Nahebahn: Reinhardt.
- 14) Mecklenburgische Friedrich-Franzbahn u.
- 15) Marienburg-Mlawa ist ganz unter der Schutzherrschaft der Discontogesellschaft. (41–43)
Man wäre so weiter fortgegangen, aber nun „Krach“ u. nun wurde in der Consorteria der Gedanke wach »die übernommenen Obligos auf den Staat abzuwälzen[«].
1869
Zusatz von Marx.
Schließen ⦗u. namentlich noch mehr 1870–71⦘ wollte man
die
Ausdruck von Marx.
Schließen Productionsentwicklung, die unter
Bonap. mit den
Pere
ires etc sich gemacht, nachmachen. Canäle sollten gebaut werden – Nordsee mit
der Ostsee verbunden [werden], durch Canal bei Kiel; schönsten Projecte in
den Mappen des Ministeriums; Ostsee v. Uckermünde mit Berlin durch
Canal verbunden werden, Adjacenten u. Communen erklärten sich zu
den grössten Opfern bereit, aber angeblich fehlten auch
hier der Regierung die Mittel zu ausreichender
Beitragsquote; Plan liegt im Handelsministerium ausgearbeitet vor zur
Verbindung v. Berlin u. Dresden durch Canal, aber die Macher
wollten Concession der Berlin-Dresdener Bahn (nun verkracht) u.
Herr Weisshaupt, bei Vortrag über die Frage zur
Concessionsertheilung konnte nicht verhehlen, dass die
Berlin-Dresdener Bahn „vortheilhafter“ |6a als der
Canalbau (44) Zusatz von
Marx.
Schließen So wurde aus alldem
nichts. Die
Eisenbahnbauten selbst wurden »planlos
angegriffen u. von reichsfreundlichen Gründern mittelst enormen
Schwindels nur theilweis ausgeführt«. (44, 45)
1869 Bahn durch den St. Gotthardt sollte Theil des indischen Handels wieder in die deutsche Rheinstrasse leiten, im Mittelalter so belebt von diesem Handel. Italien ging auf den Plan ein; aber da Deutschland am meisten bei der Sache interessirt, überliess man ihm die Ehre der Ausführung; Schweiz geneigt das Unternehmen zu fördern. Bismarck – statt die Bahn in Regie für die 3 Staaten bauen zu lassen – überliess die Angelegenheit d. den bewährten Reichsfreunden, die zu „grossen u. patriotischen Geldmächten“ herangefüttert werden sollten; sie sollten Actiengesellschaft gründen mit »Staatssubvention«. Krieg verzögerte die Sache. (45)
October 1871 Consortium zum Bau der St. Gotthardtsbahn gestiftet. Chef Hansemann, als sein Vertreter fungirend Miquel. Er schloss Vertrag mit dem Vertreter der Schweizer Cantone, A. Escher, dessen Hauptpunkte:
„Zum Zweck der Ausführung des Gotthardbahn-Unternehmens übernehmen die Direction der Discontogesellschaft, die Bank für Handel u. Industrie, der A. Schaafhausensche Bankverein u. S. Oppenheim jun. und Comp. die Bildung eines internationalen Consortiums, welches aus einer Gruppe von Schweizerischen Eisenbahngesellschaften, Bankinstituten u. Bankhäusern, einer Gruppe v. italienischen Bankinstituten u. Bankhäusern u. einer Gruppe v. Deutschen Bankinstituten u. Bankhäusern bestehen soll.
„Die deutsche Gruppe betheiligt sich bei dem Consortium mit einem Drittheile des ganzen Geschäfts u. behält jeder der beiden andern Gruppen eine gleiche Betheiligung vor.
„An der Betheiligung der deutschen Gruppe von einem Drittheile des ganzen Geschäfts participiren: Die Direction der Discontogesellschaft mit 50%, die Bank für Handel u. Industrie mit 20%, der A. Schaafhausche Schaafhausensche Bankverein mit 15%, S. Oppenheim jun. und Co. mit 15%. Sie behalten andrerseits der Generaldirection der k. Seehandlungssocietät in Berlin, so wie den Bankhäusern M. A. v. Rothschild u. Söhne in Frankfurt a/M u. S. Bleichröder in Berlin den Eintritt in diesen Vertrag vor. Das Consortium wird die Gotthardeisenbahngesellschaft errichten. Das Consortium verpflichtet sich zur Uebernahme der 34 Millionen Franken Aktien zum Course von 95% abzüglich 3% Provision . Bei der hierauf zu leistenden ersten Einzahlung von 20% werden der Coursabschlag von 5% u. die Provision von 3% in Anrechnung gebracht. Durch Einzahlung der 2ten Rate, nach welcher 40%ige auf den Inhaber lautende Interimsscheine ausgehändigt werden, sind die Verpflichtungen des Consortiums bezüglich der Uebernahme der Aktien erfüllt. Die Gotthardgesellschaft wird Prioritätsobligationen im Betrag v. 68 Mill. Franken ausgeben. Das Consortium verpflichtet sich zur festen Uebernahme dieser Obligationen zum Course v. 97% abzüglich 2% Provision. Bei jedesmaliger Abnahme v. Obligationen werden der Coursabschlag u. die Provision nur von dem abgenommenen Betrage in Abrechnung gebracht.“ (p. 45, 46)
Hansemann
tritt hier als der
einzige finanzielle Entrepreneur
[auf]. Aus erstem Jahresbericht
der Gesellschaft, datirt „Luzern den 9.
Juni 1873“ Seite 23 erscheint als sein Stellvertreter wörtlich
„Reichstags-Abgeordneter Miquel in Berlin“, also nicht Inhaber der Disconto-Gesellschaft“. Also seine
Bei Meyer, S. 46: Vertrauensstellung als
Reichstagsmitglied
Schließen Reichtstagsqualität
sollte die
Ausländer beschwindeln helfen. (46)
Dieser erste Jahresbericht v. 9 Juni 1873 führt als deutsche Verwaltungsmitglieder wörtlich auf:
„Die Herrn Geheimrath
A. v. Hansemann in Berlin
(Stellvertreter: Reichstagsabgeordneter
Miquel in Berlin), Freiherr
Karl v.
Rothschild
in Frankfurt a. M. (Stellvertreter:
Geheimrath
Gerson v.
Bleichröder
in Berlin), Geheimrath
Mevissen
in
Köln (Stellvertreter: Präsident Dr. Parcus in
Darmstadt), Geheimrath Freiherr
Abr. v. Oppenheim
in Köln
(Stellvertreter: Freiherr Albert v. Oppenheim in
Köln) u. Commerzienrath V. Wendelstadt in Köln
(Stellvertreter: Director Movius in Köln); also
Hansemann-Bleichröder-Rothschild-Miquel,
Zusatz von
Marx.
Schließen u. die Clique, der wir auch sonst
als zusammenklebender Gründerverwaltungsclique
begegnen: so neben A. v.
Oppenheim u. Wendelstadt der Mevissen im Verwaltungsrath
der Rheinischen Bahn, Wendelstadt, Movius,
Mevissen im Schaafhauschen Schaafhausenschen Bankverein, Mevissen, Abr. v. Oppenheim in der
Kölner Privatbank, selbigte mit Wendelstadt in
der
Feuerversicherungsgesellschaft Colonia,
der
Lebensversicherunggesellschaft Concordia,
der
Cölnischen Rückversicherungsgesellschaft u.
der
Cölnischen Hagelversicherungsgesellschaft; den
Wendelstadt im Cölner
Bergwerksverein, im Cöln-Müsener, in
der
Cölnischen Maschinenbaugesellschaft mit A. v. Oppenheim; beide zusammen mit Mevissen u. der Cölnischen
Baumwollspinnerei, alle 3 in der
Darmstädter Bank, endlich Wendelstadt
verurtheilt u. andre jener Mithelfer als Zeugen hart gravirt im Process der Rheinischen
Effectenbank (47)|
Erstaunliche Provisionen die sich das deutsche Bankconsortium sichert, dazu noch von vorn herein abgezogen. Mit Bezug auf die Actien: Verpflichtet sich 40% von 34 Mill. fcs einzuzahlen = 13,6000, 13,600,000 fcs. u. davon 5 + 3 = 8% = 2,720,000 fcs zu behalten, so dass nur 10,880,000 fcs in die Gesellschaftskasse fliessen; d. h. die Gesellschaft erhält 32%, das Consortium an Provision ca 8% od. 1/4 dessen, was das Publicum der Gesellschaft zahlte. Faktisch verdiente das Consortium noch mehr, denn die Actien wurden in Interimsscheinen am 22 Januar 1872 zwar al pari aufgelegt, aber nur an „Freunde“ abgelassen, sofort auf 104–105 getrieben u. so successive verkauft.
V. den Obligationen wurden die ersten 3 Serien v. 48 Mill. fcs nominal eingezahlt. Mithin beträgt die Provision 2,400,000 fcs, der Gewinn mehr, da man die Obligationen zu 101% auflegte u. dann in die Höhe trieb.
Dieser Gesellschaft nun, die sich verpflichtete 102 Mill. fcs nominal aufzubringen, bewilligte das deutsche Reich 20, Italien 40, die Schweiz 20 Mill. fcs. [und] die deutsche Reichsregierung sicherte sich nicht einmal eine Vertretung im Rath der Gesellschaft!
Die Gesellschaft operirte mit grösstem Leichtsinn od. betrügerisch. Die Ausgaben für Beschaffung des Baukapitals, Provisionen, Coursdifferenzen (d. h. Profit des Consortiums) betrugen bis ultim. 1872 = 3,200,000 3,320,000 fcs; in 1873 = 900 000 fcs; in 1874 = 202,710 fcs; in 1875 = 700,000 fcs, Summa = 5,122,170 5,122,710 fcs, während erst für 20,400,000 fcs Actien u. für 48,000,000 fcs Obligationen nominell eingegangen waren. Die Gesellschaft hat nur den Tunnel in Accord bauen lassen; die andern Arbeiten baut sie in eigner Regie u. hat z. B. bei den tessiner Linien den auf 181/2 Mill. fcs lautenden Anschlag um das 3fache überschritten, indem sie 51 Mill. fcs depensirt hat. Aber auch die Schienenlieferung für die Bahn hat Hansemann als St. Gotthards Verwaltungsrath dem selben Hansemann als Director der Dortmunder Union übertragen ⦗wie die Schienenlieferung für die Rumänischen Eisenbahnen seinem Schwager Ravené, natürlich nicht zum billigsten Preis⦘. Jezt, wo Sache schief geht, will das Consortium weder die noch nicht eingezahlten 40% auf die 34 Mill. Frs Actien im Betrag v. 13,600,000 fcs, noch die IV Obligationen[-]serie mit 20 Mill. fcs einzahlen. ⦗Herr Hansemann will sich zurückziehen, wie einer der Verwaltungsräthe der rumänischen Bahnen sagte, sie hätten jezt – wo nichts mehr zu verdienen – am liebsten nichts mit der Sache zu thun.⦘
Die Direction der St. Gotthard hat
dem
Schweizer Bundesrath Rechnung aufgestellt wonach
Deficit schon = 102,4
Mill. fcs, will nun Einberufung internationaler Conferenz von
wegen Bewilligung neuer Conventiren Subvention
. Zusatz von
Marx.
Schließen ⦗Schweiz musste Dran, so
deutsches Reich⦘ italienische Regierung
erklärte dies nicht thun zu wollen. Vorläufig St. Gotthardbahn
Pleitebahn, aber Hansemann,
Bleichröder, Miquel u. Consorten bereichert u.
Bismarck durch die
Thaten der Reichjuden den deutschen Namen im Ausland nicht
popularisirt.
5) An’s Geschäft! Hypothekenbanken.
10 Dec. 1869 brachte die Berliner „Börsenzeitung“ Nachricht,
Bleichröder
u. andre
Banquiers in Berlin wollten Bodencreditanstalt
nach Muster des frz.
Crédit foncier
gründen. ⦗Schon März 1869 hatte Schwindel, den Haussmann mit dem Foncier
getrieben in der fzs. Kammer Sturm erregt; also nun sollte
das im Ausland verkrachte Institut in Deutschld Preussen nachgeahmt werden⦘ (p. 50)
Wagener
hatte Bismarck nahe gelegt, dass
die »kündbare Capitalhypothek«
Reformen der Grundschuldverhältnisse im Weg stand« (51) Zusammenfassende Bemerkung von
Marx.
Schließen ⦗damals „zu Bismarck’s Lassalle-Wagnerschen
Periode“ herrschte die
„Hypothekennoth“ der
Grundbesitzer, die jezt wieder da.⦘
Durch
Lothar
Bucher
liess sich Bismarck v.
Rodbertus
Reformplan ausarbeiten, geschah, Plan
gedruckt unter Titel: „Zur Erklärung u. Abhülfe
der heutigen Creditnoth des Grundbesitzes.“
Rodbertus empfahl sein Rentensystem Zusatz von
Marx.
Schließen ⦗wo nur
Rente nebst %theil für Amortisation legal
abzuzahlen⦘ u. Gründung eines Landrenten-Instituts (52) Zusammenfassende
Bemerkung von Marx.
Schließen ⦗Agrarier,
Niendorf etc dagegen;
die post Tod des Rodbertus ihn als den „ihren“
reklamirten⦘ Bismarck’s Gesetzgebung
arbeitete in ihrer »Hypotheken- u.
Subhastationsordnung« direct der Absicht des
Rodbertus entgegen, nicht für »Erhaltung der
Grundbesitzer« Bemerkung von Marx.
Schließen (braver Meyer!), sondern
»erleichternd« ihre »Herauswerfung aus dem Besitz«
Der Moniteur der „Consorteria“ ⦗er bezeichnet so die Discontogesellschaft mit ihrem Rattenkönig im Gegensatz zur Anti- |8 consorteria, dem Bleichröder-ring⦘, die „Börsenzeitung“ brachte am 20 October 1869 heftigen Angriff auf die Landschaften, die von Friedrich dem Grossen gegründeten Creditinstitute für Grundbesitzer, die auf dem Princip der Gegenseitigkeit, nicht des Actienkapitals als Garantiefonds beruhn. Sie sagte: „Gegenwärtig liegt keine Veranlassung mehr vor, einzelnen Corporationen auf Kosten der Rechtsgleicheit Rechtsgleichheit eine so eximirte Stellung zu gewähren. Die Privilegien der Landschaft schädigen heute den Credit der Grundbesitzer. Der Grundbesitz würde sein Interesse besser wahrnehmen, wenn er sich zeitgemässe Creditinstitute schafft etc.“ (53)
Hence 21 März 1870 die „Preussische Central-Bodencredit-Actiengesellschaft zu Berlin“
concessionirt, u. zwar wider
die „Rechtsgleichheit“ gegenüber den schon bestehenden Hypotheken-actienbanken u.
auch den »Landschaften« mit unerhörten »Privilegien« sowohl anlangend [»]
Beweglichkeit
des Zinsfusses, die Taxen u.
Beleihungsgrenzen« als auch den
Geschäftsumfang. Copie der einen schon
enthüllten Pariser Schwindelbank (crédit
foncier). Unter den Concessionären Disconto-Gesellschaft (Hansemann-
Miquel
)
Bleichröder
, Rothschild,
Oppenheim etc (53) Der
Creditmobilier
erfand
Zusatz
von Marx.
Schließen (?!) die
Nichtvollzahlung der Actien, das
„Jungen“ derselben, die künstliche Hausse derselben mit Hülfe der
bestochenen Presse bevor das gegründete Institut noch in’s
Leben getreten, also Hausse rechtfertigen konnte, das
Vorbehalten der Gründer, bei neuen Emissionen „Junge“ zu pari zu beziehen
etc. Bei der preussischen Copie 12,000,000 Th. Actien
bei nur 40% Einzahlung ausgegeben; nominell zu 106 Procent an der Börse aufgelegt; in
der That hatten die
emittirenden Häuser sie unter sich vertheilt u. einflussreichen
Personen welche al pari überlassen. Erster Fall in Berlin dieser Art
der Corruption politischer Leute
durch „Betheiligung“. Die Actien bald auf 130% hinaufgeschwindelt, d. h. für den Interimsschein, auf den man 40 Th. gezahlt, erhielt man an Börse 70 Th, verdiente also in wenigen Wochen 70% Bemerkung von
Marx.
Schließen ⦗soll heissen 75%, da
30/40 =
75%⦘. Die Conservativen, die den
Dr. Perrot zu den „AeraArtikeln“ in Kreuzzeitung veranlasst, u.
ebenso neuerdings
Diest-Reichsglocke behaupten, Bismarck sei selbst mit 1 od. 1/2
Million in Actien al pari „betheiligt“ worden u. habe somit 150 – 300 000 Thlr „Banhans’sche Trinkgelder“
eingesteckt. Dies wäre strafrechtlich zu verfolgender Amtsmissbrauch u.
hätte ihn in die Hände der „Betheiliger“,
Bleichröder’s, Hansemann’s, Rothschilds etc gefesselt geliefert.
Die Verwaltungsräthe erhielten officiell »Betheiligung« von
je 10,000 Th., einige auch höher. Hierunter folgende Männer „politische“ Männer: Minister a. D.
v. Bernuth
,
v. Bethmann-Hollweg
, Graf Bochholz, Braun-Wiesbaden, v. Heyden-Cartlow, v. Kardorff
,
Miquel
, v.
Sänger-Grabowo, v. Wedell-Malchow,
Scheele, v. Nathusius-Hundisburg, Kennemann-Klenka, von
Simpson-Georgenburg, Wilckens, v. Eckardstein-Prötzel, Geh.
Oberfinanzrath Mölle, Graf Arnim-Boytzenburg. ⦗»Letzterer trat sehr bald aus, weil ihm
das Geschäft „nicht reinlich“ schien«, Bemerkung von
Marx.
Schließen
Meyer sagt nicht, dass er
die Beute, die er mitgemacht, dem Vaterland
opferte⦘; diese Leute, überdem noch später mit
Tantièmen bedacht v. der Discontogesellschaft u. ihren
Freunden[,] haben also under all
circumstances im Parlament u. sonstwo das „Interesse
des Bleichröder-Discontoring“ zu wahren, however it come
into collision mit „Interesse des Landes“ (54, 55)
Die Wirksamkeit dieser Bank jetzt über Deutschland erstreckt.
Schon 1870 zeigte Bei Meyer, S. 55: Verfasser
Schließen R. Meyer
in „Berliner Revue“, dass das Statut den bestehenden
Gesetzen widerspricht ⦗Decernent des Finanzministeriums, Wollny, soll darauf ausdrücklich aufmerksam
gemacht haben⦘, dass dessen Zweck: Bereicherung der Bankiers u.
ihrer Helfershelfer auf Kosten der Grundbesitzer, schliesslich
Expropriation des Grundbesitzes durch Finanzclique.
Die Bank wollte alle bestehenden Hypothekenbanken u. auch
die Landbanken durch ihre Conkurrenz dahin bringen, dass
sie sich ihr unterwürfen u. in ihr aufgingen. (55)
Dies der
Pere
ire’sche Plan. Mobilier kauft Actien, Obligationen etc
der von ihm gegründeten od. ihm unterworfnen industriellen
Unternehmungen, legt sie in seinen Tresor, giebt auf Grund dieser
Sicherheit eigne zinstragende Obligationen aus
bis zur 10 fachen Höhe seines Grundkapitals,
so dass dies eine 10 procentige Deckung gewährt. Vortheil dieser
Operation für professionelle „Gründer“. Z. B. Pereire gründet 100
verschiedne industrielle Actienunternehmungen mit Durchschnittscapital
v. je 1 Mill. Th. Einzelne Emission derselben fordert Reclame für jedes
einzelne Papier, um Public auf Bei Meyer, S. 55:
den Leim
Schließen lime zu locken; kostet viel, manches
Unternehmen „scheint“ dem Publicum nicht, ist auch als „faul
bekannt“ etc. Aber: Pereire hat für 100 Mill. Thaler Fonds |9
v. Unternehmungen übernommen, alle nach sorgfältiger Prüfung u.
Zuziehung v. Staatscommissair solid befunden. Für diesen, wie
Staatscommissair bescheinigt, in seinem Tresor vorhandne vorhandnen fonds giebt er 100,000,000 Th. verzinsliche Obligationen
des
Mobilier aus, wofür ausser jenem ⦗papiernen⦘ fonds,
sondern das
ganze Actiencapital des Mobiliers, 10%
des fonds, garantiren. Mit Emission v.
solchen 100 000 000 Obligationen was zu machen
Schließen mache. Das „Papier mit der grossen
Firma“ leicht placirbar, weltmarkfähig weltmarktfähig, kann Spielpapier aller Börsen werden. Aber wer garantirt,
dass Credit Mobilier nur solide Fonds ankauft? u. hat Bei
Meyer, S. 56: unsolide
Schließen „faule“ gekauft, Zusatz von Marx.
Schließen wie „faule“ entreprises „gejungt“. (55/56)
Sache v. der Consorteria nachgemacht unter „Concession“
Bismarcks. Schon die
Hundert-Millionen-Prämienanleihe schon Copie des damals bereits „verkrachten“ Mobilier ⦗Die Discontogesellschaft
wollte f. 100 Mill. Th. Obligationen v. 4 Eisenbahngesellschaften in
ihren Kasten legen u. dafür 100 Mill. Prämienscheine unter ihrer
Garantie emittiren.⦘ So das Statut der
[„]Preuss.
Central-Bodencreditactiengesellschaft“ das Recht, bei baar eingezahlten 12 Mill. Th. Grundcapital für 240 Mill. Thaler Pfandbriefe der
einzelnen Landschaften u. Actienhypothekenbanken
in Deutschland, ferner Communal-
[,]
Kreis- u. andre
Obligationen zu erwerben u. für denselben Betrag „Central-Pfandbriefe“ zu emittiren. Sind unter
den angekauften „Fonds“ „faule“, so
beträgt die
Garantie der Centralbank nur 5% Zusammenfassende
Bemerkung von Marx.
Schließen ⦗u. sogar die
10% des Mobilier erwiesen sich
als Lug u. Trug, i. e. als keine Garantie, gegen das
„Faule“.⦘ (56) Der Schwindel
riss trotzdem ein. (57)
Diese »Geistesproletarier«, sklavisch das fzs. Muster nachahmend, ohne
irgendwelchen eignen Einfall, deren sinnlos aufgebaute
Schwindelunternehmen wie Dortmunder-Union keine Spur v. Werth in Taschen
Bei Meyer, S. 57: der
Ausgebeuteten
Schließen
[des]
Publics zurückliessen – diese Juden wie
Bleichröder, Oppenheim, Landau
od. christliche Bankiers, meist rheinischer
Abkunft, wie
Hansemann
,
Camphausen
,
Mevissen
, Rautenstrauch, Wendelstadt,
Delbrück
(dieser kein Rheinländer) (57) Unsere
Pere
ires können nur den Schwindel vergröbern, statt 10%
Deckung, 5%! (58)
Aus dem Buch v. Strousberg über sich selbst citirt: „Diese (die Berliner Banken) … sämmtlich nur Comissionsgeschäfte für Fonds ⦗keine wirklichen ‚Banken‘⦘ u. den grösseren od. kleinerem Grade Gründungshäuser od. Gründungsgesellschaften, Speculanten u. in jüngerer Zeit mit wenigen Ausnahmen, Wucherer … . Hohe Dividenden sind heute das Kriterium der Prosperität“ … Nur zu erzielen durch „Speculation u. Wucher“ (59 60)
Giebt Beispiel, betreffend eine „der grössten, anständigsten u. feinsten Banken“, wie sie im Börsenjargon heisst“ , charakteriktisirt charakterisirt sie »als eine Wucheranstalt par excellence«. Erzählt er habe »für 2,700,000 Rubel Aktien der von ihm gebauten Bahn Brest-Grajewo verpfändet bei einem Consortium Capitalisten, geleitet von der Berliner Handelsgesellschaft für 20% mit monatlich 1% Zinsen auf die Nominalsumme, also für 20 Rubel 1 Rubel monatlich oder 12 jährlich, d. h. Zins auf Zins nicht gerechnet, 60% pro anno!« Die Berliner professionellen kleinen Pfandleiher u. Wucherer nehmen etwas mehr, v. Thaler u. Monat 21/2 Sgr. Das Strousberg’sche Pfandgeschäft wohl 1872 gemacht. Damals Geschäftsinhaber die Berliner Handelsgesellschaft: Geh. Commercienrath F. Gelpcke, sen; Commercienrath Wilhelm Conrad, Fr. Gelpcke jun.; Verwaltungsräthe: die geheimen Commercienräthe Gerson v. Bleichröder , Alex Mendelssohn, A. Borsig, H. Zwicker, Mevissen (Köln), Commercienrath R. Brook, Generalconsul V. v. Magnus, die Bankiers J. Jacques, Ad. Meyer, Heinr. Wolff, Gustav Güterbock, Geh. Regierungsrath Windhorn, Freiherr Albr. v. Oppenheim. (Köln) (61)
Hauptsächlich „beerbte“ die
Discontogesellschaft den
Strousberg. (62) Solche Wucherer
erhielten die Concession der „Cent. Bodencred.
Actiengesellschaft“. Der „Ring“ würde die
Actien der
„Central-Bodencredit-Gesellschaft so hoch zu treiben wie später die der
Dortmunder Union, Laurahütte, so aber kam dazwischen der fzs. Krieg.
(l. c.) Diese Bank fing sofort an den Grundbesitz mit
Halsabschneiderei zu retten. Sie forderte hohe
Provisionen, damno, Verwaltungsgebühr u. concurrirt mit den Landschaften
nur durch höhere Beleihung, d. h. auf Kosten der Sicherheit der von ihr emittirten
Pfandbriefe. So ihr Geschäft schnell ausgedehnt, indem sie ult.
August 1876 für 131 Mill.
Mark Pfandbriefe emittirt hatte. Da aber ihre Geschäftspraxis
bekannt wurde, gelang es ihr nur eine kleine
Hypotheken-Actien-Gesellschaft aufzusaugen. Die
Landschaften retteten sich vor ihr durch
Gründung einer »Central-Landschaft«. (63) Die
Gunst der Regierung blieb ihr, so dass man ihren Wirkungskreis
auf ganz Deutschland Bei Meyer, S. 63: incl.
Schließen u.
Elsass-Lothringen ausdehnte. (l. c.)|
Der damalige (Reichs) Minister Delbrück Vetter v. A. Delbrück in Firma v. Leo Delbrück et Co., einer der gefährlichsten Gründer; gründete die deutsche Bank („eine klassische Gründung“. Glagau ) mit Abgeordneten L. Bamberger , G. Müller, v. Magnus, E. v. d. Heydt , A. v. Rath, Hardt, Wendelstadt u. s. f.; gründete ferner die „Deutsche Baugesellschaft“ mit dem von einem Ausgebeuteten durchgeprügelten Abgeordnet Abgeordneten u. Geh. Rath Kieschke, Stadtrath Risch, E. v. d. Heydt, Levien, B. Oppenheim; die „Actiengesellschaft für Bauausführungen“ mit E. v. d. Heydt, geh. Baurath Hitzig, B. Oppenheim; die „Donnersmarkshütte“ „Donnersmarckhütte“ mit Graf G. Henckel v. Donnersmarck, G. Müller, Friedländer; ferner den „Hamburger-Barmer-Berliner-Bankverein[“] , worin seine Verwaltungrathgenossen u. a. Graf G. Henckel, Goldschmidt, Abg. Dr. Kapp , B. Oppenheim, Kieschke , in der „Deutschen Bank“ Zwicker (Gebrüder Schickler[)], Hardt (Discontoring), v. d. Heydt (des Ex[-]Minister’s Sohn), G. Müller, Abgeordneter Mosle, v. Rath, Wendelstadt (wegen Betrug in Köln verurtheilt[)]. (63, 64)
Auch ein hochliberaler, financieller Rattenkönig. Dieser „Nebenring“ des Delbrück – neuerdings noch durch Gründung des Hotel’s „Kaiserhof“ unvortheilhaft bekannt – wurde März 1872 mit Concession der „Actiengesellschaft für Boden-u. Communal-Credit in Elsass-Lothringen“ von der kaiserl. Reg. begnadigt u. die kaiserl. Reg. jener Reichslande (Elsass-Loth.) benutzt diese Bank als – Depositenkasse. Eingezahltes Actienkapital ult. 1875 nur 4,800,000 M.; Hypothekengeschäft nicht ausgedehnt, hat erst für 9 Mill. Mark Hypotheken erworben; ult. 1874 besass die Bank – ihrem winzigen Kapital gegenüber – für 15 Mill. fcs, ult. 1875 für 10 Mill. Mark Effecten, die nicht specialisirt sind u. woran wohl schon erheblich verloren. Trotzdem die Bank der ks. Regierung sicher genug, dass sie ihr zu 21/2% folgende Gelder anvertraute: 1874 gingen ein = 28,587,244 fcs, aus = 38,435,778; Bestand: 36,232,103 fcs öffentliche Gelder; Guthaben der Regierung im Contocorrentverkehr ult. 1874 = 17,127,500 fcs; also hatte Regierung zu fordern ult. 1874 = 53,300,000 fcs. Die Depositen der Regierung betrugen ult. 1875 = 7,493,069 Mk, ausserdem lagen bei der Bank = 34,216,113 M. Staatsgelder zu einem verschwindenden Zins. Die Regierung vertraut der Bank also das 10 × von deren Grundcapital an. Ist das keine Staatssubvention? (64)
Andere mehr schädliche als nützliche Hypothekenbanken in Deutschland, aber ohne bes. politischen Einfluss:
1) „Preussische Boden-Credit-Actienbank“, bekannt als die „Jachmann’sche“; rief entsetzliche Gründungen mittelst ihrer »Tochter« der „Preussischen Creditanstalt“ ins Leben. Unter ihren Verwaltungsräthe Verwaltungsräthen liberale Abgeodnete, an Spitze der Exminister v. Bonin; aber ohne skandalöse Geschäfte mit Staat; kann Grundbesitz weniger ausbeuten wie die „Central-Boden-Credit-Actien-Gesellschaft“, da ihre Statuten gleich deren aller übrigen Hypotheken-Aktienbanken weit engere Grenzen gezogen. V. namhaften Leuten noch in ihrer Verwaltung: George Beer, v. Puttlitz, v. Carstenn, v. Prillwitz, Ritter-Muskau, General v. Witzleben, Julius Alexander[,] Helfft, F. W. v. Krause, die Exabgeordneten Dr. Engel, Ahlmann u. den Abgeordneten Grafen v. Witzingerode. V. Bonin 80jährig; hatte Unverschämtheit auf den Trümmern des Lindenbau-Vereins sich um neues Abgeordnetenmandat zu bewerben. Die Bank 1868 concessionirt, hatte ult. 1875 f. 60 Mill. Mark Pfandbriefe emittirt. (65)
2) [„]Braunschweig-Hannöversche Hypothekenbank“ gegründet v. dem Delbrück’schen Nebenring mit Hilfe des Berliner Bankvereins (Guido Graf Henckel, Dr. Kapp , A. Delbrück , B. H. Goldschmidt, M. Frege, B. Rensemann, Graf Salm-Reiferscheid); in Verwaltung Frensdorff (Hannöversche Disconto Gesellschaft), F. Gelpcke jun. (Berl. Handelsgesellschaft), F. Kayser (Norddeutsche u. Internationale Bank); Ad. Levien (Berliner Bankverein), Abgeordneter Laporte, Wallich (Deutsche Bank: Bambergers Gründung: Siemens, Kapp u. Consorten); verdankt ihren politischen Connexionen wohl ihre 1872 erfolgte Concessionirung. Hatte ult. 1875 für 28 Mill. Mk Pfandbriefe emittirt. (65, 66)
3) „Deutsche Grund-Credit-Bank“ zu Gotha, entstand 1867, hat nach Hofluft riechende Verwaltungsräthe, wie Fürst Hatzfeld-Trachenberg, Graf Maltzahn-Millitsch, Graf Pourtalès, Freiherr v. Cohn-Dessau. Sie steht mit dem „Schlesischen Bankverein“ in Beziehung (Graf Joseph Hoverden, Guido Graf Henckel, Prinz Carl Hohenlohe, Lehfeld, |11 Graf Schaffgotsch), dirigirt v. dem früheren Staatsanwalt v. Holtzendorff, gedrängt aus Staatsdienst wegen auffälligen Liberalismus; machte durch seinen berüchtigten Agenten Bauer in Berlin sehr zweifelhafte Geschäfte. Die Bank hatte ult. 1875 f. 78 Mill. Mark Pfandbriefe emittirt.
„Schlesische Boden-Credit-Actien-Bank“, seit ult. [1875] f. 25 Mill. Mark Pfandbriefe emittirt; darin nur der ehmalige Abgeordnete Elsner von Gronau bekannt. (65, 66)
Ohne politischen Einfluss im Deutschen Reich
die
kleineren Hypothekenbanken u. die
süddeutschen. Zu ersteren [gehören] u. a. zwei in Schwerin,
wovon die
Boden-Credit-Actienbank u. a. Herrn
Hagen
(v.
der
Fortschrittspartei) ihre Existenz verdankt,
während die zweite, – Hypotheken- u.
Wechselbank – dem
unvermeidliche unvermeidlichen
E. v. d.
Heydt
und Siemens. In der Rheinischen Hypothekenbank zu Mannheim
sitzen der Parlamentarier Prof.
Bluntschli,
Scipio
, Dr. Buhl. Die
bayrische Hypotheken- u. Wechselbank zu
München hat f. 195 Mill. Mark Pfandbriefe
emittirt, ist aber ohne Vertretung im Reichstag. Dagegen die
Süddeutsche Boden-Creditbank (auch in München) hat ihren Director, Dr. v.
Schauss
[,] u. Verwaltungsrath, Graf Arco-Valley, in Reichstag geschickt. Von der
Würtemberg’schen Württemberg’schen Hypothekenbank mit 37 Mill. Mark Pfandbriefen, ist
Herr Sarwey in Berlin. Zusatz von Marx.
Schließen (als Deputirter?) Ohne Parlament-Vertreter:
Deutsche Hypothekenbank zu Meiningen mit 46 Mill. Mark
Pfandbriefe, Frankfurter Hypothekenbank mit 26
Mill. Mark Pfandbriefe. Im Ganzen etwa 30 solcher Anstalten in Deutschland, wovon in Preussen nicht eine vor
1864 entstand; alle verdankt der v. Bismarck inaugurirten Wirthschaftspolitik. (66, 67)
Diese Hypothekenbanken ruiniren nicht nur Grundbesitzer; müssen
schliesslich selbst grossentheils pleite gehn; sie
beleihn zu hoch; Grundcrisis muss sie haufenweis insolvent
machen. Die neue Subhastationsordnung ermöglicht schleunigen Verkauf
verschuldeter Grundstücke. (67)
Stroussberg
in seinem Buch: „Wenn
man Geld gegen Hypotheken sucht, nur Frage der Zeit, wie bald
man ruinirt sein wird. Hypothekenbanken haben sich
der für Hypotheken bestimmten Capitalien grossentheils
bemächtigt u. treiben einen abscheulichen Wucher … Pupillengelder, so
wie die Mittel anständiger Privatleute fast sämmtlich v.
Hypothekeninstituten in Anspruch genommen. Für die ersten[,] sicheren Hypotheken werden Quasi-Pfandbriefe gegeben, die nicht geliefert
wurden, sondern wofür eine geringere Summe Bei Meyer, S. 68:
als
Schließen al pari ausgezahlt wird; wehe dem, der Hypotheken
verkaufen muss, die nicht in die erste Kategorie gehören … Um
das Immobile zu mobilisiren (flüssig zu machen) sind Klage,
Subhastation u. alles darauf Bezügliche so wie als thunlich durch
die neuen Hypothekengesetze beschleunigt worden. So jeder Hypothekenbesitz, der nicht die
erste Stelle einnimmt, oder wo der Besitz der 2ten Stelle nicht unter allen Umständen seinen
Vordermann zahlen kann, absolut unsicher geworden … Grade weil für ein
Haus od. Gut nicht immer gleich Käufer oder … Liebhaber zu finden, muss
in Land, wo die Verhältnisse einen
verschuldeten Grundbesitz bedingen, Zeit vorhanden sein, um im Nothfall die gekündigten Gelder zu
suchen. Früher schritten schritt der Gläubiger nicht gleich zum Aüssersten Äussersten, weil er viel Zeit verlieren musste, während welcher er nur einfache Zinsen liquidiren konnte; kam
es aber dazu, so hatte der Schuldner oder der Besitzer späterer Hypotheken meist Zeit
genug, das Geld anderweitig zu finden. Heute kurzer Process,
Subhastation ruinirend für Besitzer u. Schädigung der
Hypothekengläubiger … höchstens dürfte
die
gekündigte Hypothek fällig werden u. nicht gleich
alle andern Kapitalien … Ich (Stroussberg) kenne scheinbar
anständige Leute, die nur gute Hypotheken auf kurze
Zeit kaufen u. dann kündigen, um v. neuem
ein grösseres od. kleineres Damno zu fordern; bei nicht pünktlicher Zinszahlung wird die
Schraube in gleicher Weise gedreht, gekündigt u.
gegen Damno erneuert. Der Wucher
frisst Haus- u. Grundbesitzer vollständig auf … Kein
Gesetz kann einer Hypothek den Verkehrswerth eines mobilen Pfandes
geben; der Versuch hat die Sicherheit … verringert u.
den Wucher zur vollen Blüthe gebracht.“ (68, 69)
Auf dem
6. Congress deutscher Landwirthe ging Antrag
durch v.
Rodbertus, Prof. A.
Wagner u. R.
Meyer
⦗Rodbertus Urheber des Antrags⦘,
der eine Untersuchung landwirthschaftlicher
Verhältnisse bezweckte zur Reform der Agrargesetzgebung.
Bismarck hielt dem
Kaiser Vortrag darüber, der befahl dem Antrag Folge zu geben.
Darauf 15 Juli 1875 schreibt der
Minister f. landwirthschaftliche Bei Meyer, S.
70: Angelegenheiten
Schließen Anträge
Friedenthal
(15 Juli, 1875) an Rodbertus
(„General-Landschaftsrath“), worin er ihm anzeigt, dass die
„Absicht bestehe“ die Petition
deutscher Landwirthe an das Reichskanzleramt „auf Veranstaltung
einer Enquête, betreffend die
wirthschaftliche Lage der arbeitenden Bei Meyer, S.
70: Klassen
Schließen Klasse auf dem Land sowohl an sich,
wie auch in ihrem Zusamenhang mit der wirthschaftlichen Lage
des Grundbesitzes u. des Kapitals näher zu
treten.“ Rodbertus solle auseinandersetzen sowohl den Sinn der in „in dem Antrag näher specificirten Fragen“ als auch
wie er sich „im Detail die
Zusammensetzung einer solchen Commission,
den
Gang u. die Ziele ihrer Untersuchungen,
zumal in Bezug auf Frage IV
gedacht“ habe. Rodbertus antwortet: Man habe nicht die
„Veranstaltung einer Enquête“ |12
beantragt, sondern „Einsetzung einer Comission“.
Enquete „in der technischen Bedeutung u. Form“ meine
„Einzelvernehmung von Sachverständigen“; solche wäre „etwa anwendbar“ in
Punkten I, II, u. IV, während Punkte III, V, VI sich nur „durch
statistische Ermittlungen erledigen“ liessen. Ferner müssten er, Wagner u. Meyer jedenfalls „Mitglieder der Commission sein“ u. zwar die
„Majorität“ derselben bilden, ihnen also durch Ernennung des
Reichskanzleramts nur noch „2 Mitgliederc zuzufügen sein von wegen „der
notorischen Abneigung der Mitglieder des
Reichkanzleramts gegen eine ernste
Inangriffanahme der socialen Frage“. Die Commission müsse „mit
der Befugniss auszurüsten sein … über Specialfragen
Sachverständige vernehmen, aber hauptsächlich auch die statistischen
Bureaux des Reichs requiriren zu dürfen“. „Der Gang
der Arbeiten liege in der Reihenfolge der
6 Fragen.“ Punkt II, führe (u. ein „
Doder
habe
in dieser Art die Vertheilung des englischen
Nationaleinkommens beleuchtet“) auf Schätzung des
Jahreslohns „nach der
Zahl der wirklich vorgekommenen
Lohntage. Die Multiplication dieses Jahreslohns mit
der statistisch ermittelten Zahl der
wirklichen Arbeiter ergäbe dann die
Ziffer des jährlichen nationalen Arbeitslohns. Dieser Summe“
gegenüberzustellen nicht blos die Zahl der
wirklichen Arbeiter, sondern auch ihrer Angehörigen, die v. jener nationalen
jährlichen Lohnsumme leben müssen; „Wenn diese Gegenüberstellung
erfolgt, giebt einfaches Divisions-exempel, wie gross der
Unterhalt ist, der durchschnittlich auf jeden zum Arbeiterstand
gehörigen Kopf fällt.“ Zu Punkt VI ist der „Begriff des verhältnissmässigen Arbeitslohns“ festzuhalten;
ferner dass „wenn in Folge einer Zunahme der nationalen Produktivität u.
Production der auf Grund- u. Kapitalbesitz fallende
Theil dieser Zunahme sich anders beim Grundbesitz ässert äussert als beim Kapital, beim Grundbesitz
als Steigen der Grundrente od. Erhöhung des
Reinertrags pro Morgen, beim Kapital …
nicht als ein Steigen der Kapitalrente od. Erhöhung
des Gewinns resp. des Zinsfusses per
Cent, sondern als eine Vermehrung der
Kapitalrente, weil bei solcher Zunahme der
nationalen Production sich auch stets das Kapital
entsprechend vermehren muss u. also der
Gewinn resp. Zinsfuss sehr leicht auf demselben Procentsatz stehn bleiben kann. …
Der Begriff des
verhältnissmässigen Arbeitslohn“ gehört an
„einer neueren nationalökonomischen Auffassung“
Zusatz von Marx.
Schließen (
Ricardo
); dagegen ist
„auf die verschiedene Form der
Rentenzunahme beim Grund u. Boden u. Capital sogar erst von mir
(Rodbertus) in meinen socialen Briefen aufmerksam
gemacht worden … Auf eine positive
Staats-Intervention, sei es in einzelnen Beziehungen, auch nur
durch Erlass einzelner Gesetze – wie beim Grundbesitz durch Einführung
des Rentenprincips – wird zuletzt doch
eine ehrliche u. erfolgreiche Inangriffnahme der socialen
Uebelstände hinauslaufen müssen.“ (69–73) Bemerkung von Marx.
Schließen ⦗Damit aber auch die Verhandlungen des
bescheidnen Rodbertus mit
Reichskanzler zu Ende; man wollte sich unter keinen Umständen
weder das
Triumvirat Rodbertus-Wagner-Meyer
noch Rodbertus „Doktrin“ als
officiell octroyieren lassen⦘
Das durchschnittliche Damno, das sich eine der solidesten Hypotheken-Actien-gesellschaften, die „Preussische Boden-Credit-Actien-Bank zu Berlinc zahlen lässt, beträgt 11%; so weitergewirthschaftet bis der in die v. den Consorterien ausgeplünderten Eisenbahnen gefahrne Krach auch über die Hypothekenbanken hereinbricht.
II) Buch. Gründerperiode.
1) Krieg, Milliarden u. Kulturkampf.
Norddeutsche Bund, bei Ausbruch des Kriegs nahm 5% Kriegsanleihe auf v. 100 Mill. Th. zum Cours v. 88%; die Berliner Börse zeichnete in allem 3 Millionen; die Anleihe bei weitem nicht ganz gezeichnet. Sagte Lasker , »dieser scheinheilige Advokat seiner gründerischen Stammesgenossen« später im Reichstag: den Bankiers könne man keinen Vorwurf machen; bei so »unsicherem Geschäft« konnte konnten sie sich mit ihrem „Geschäftscapital“ nicht betheiligen; mit ihrem „Privatcapital“ hätten sie es reichlich (die »3 Millionen« – also ihr »Taschengeld«) gethan. (75)
Dennoch Bismarck, als er die
5 Milliarden Kriegscontributionen den
Franzosen auferlegte, liess „Gerson Bleichröder“ nach Paris kommen, der auch
für Ausdruck von Marx.
Bei Meyer, S. 75: seinen Rath für das Vaterland
Schließen diese Heldenfarth Heldenfahrt
das „Eiserne Kreuz“ erhielt. (75–76)
Neuerdings enthüllt
Jules
Favre
in „Gouvernement de la
Défense nationale“
Bleichröder’s Thätigkeit in
Versailles. Der
Zusatz
von Marx.
Schließen Idiot
„R.
Schramm“, in seinen zu Mailand ⦗wo er Generalconsul war⦘
erschienenen „Glossen“ verdächtigt Bismarck auf Grund v. Favreschen Schrift.
Bismarck habe ursprünglich 6 Milliarden verlangt
u. gefordert, die fzs. Reg. solle sich |13 bei deren Abzahlung
der
Hilfe Bleichröders u. des Grafen Henckel von
Donnersmarck bedienen; diese hätten ihren Finanzplan
Thiers
,
Favre
u.
einer parlamentarischen Commission vorgetragen; machte „peniblen“
Eindruck u. wurde aus Gefühl „nationaler Würde“ v. den
Franzosen abgelehnt. Die financiers hätten ausser den
6 Milliarden „noch 3 Milliarden“ – wohl an „Garantie-Provisionen“ sichern wollen. Darauf habe Bismarck
abgesehn v. der Betheiligung der pr. Financiers,
Contribution dazu noch auf „5“ Milliarden
herabgesetzt. Schramm behauptet nun, das sei geschehn, weil Bismarck mit
1 Milliarde Nachlass Schweigen der Franzosen über die „peniblen“ u. „unwürdigen Vorschläge“
die pr. Financiers erkaufen wollte. (76) Bleichröder’s Schmutz bekannt; Donnersmarck blutiger Gründer; sitzt im
Verwaltungsrath des
„Schlesischen Bankvereins“, des
„Berliner Bankvereins“ mit
A. Delbrück
, B.
Oppenheim, Dr. Kapp – zwei
entsetzlicher Gründerbanken. Er gründete mit A.
Delbrück u. Genossen die
„Donnersmarckhütte“, der er 6% Dividende garantirte, aber nicht
leistete, ferner die „Schlesische
Actien-Gesellschaft für Bergbau- u. Zinkhüttenbetrieb“ etc.
(77)
Ueber die „Fructificirung“ der 5 Milliarden ruht noch dichter Schleier. (l. c.) Camphausen that was er wollte unter Vorwand: „Keine Zinsen verlieren“ (78)
Die
Masse des der Reg. zufliessenden Kapitals wurde
in fehlerhaftester Weise schnell nach Deutschland geschafft durch die v. Bismarck durchgesetzte schnelle Abzahlung
Frankreichs; so dass der Finanzmann des Reichs,
Delbrück
od.
vielmehr
Camphausen
in Verlegenheit, was damit thun. Sie
warfen das Geld massenhaft auf den
deutschen Geldmarkt durch Rückzahlung v.
Staatsanleihen u. durch Vorschüsse an grosse
Banquiers. Dieser
Bei Meyer, S. 78: Capitalzufluss
Schließen Capitalüberfluss
, der
sich namentlich über die Berliner Börse ergoss, ermöglichte den Gründungsschwindel von 1872 u. 1873. Die Börse
behandelte die 5 Milliarden als »ihre«
Beute. (78)
⦗Kurz vor seinem Tode gestand
Schweitzer
dem Bei Meyer, S. 80:
Verfasser
Schließen R.
Meyer, er habe sich im Sommer 1871 überzeugt, dass Bismarck antisociale Politik verfolgen werde, daher
der Lassalleanismus einem radikalen, auf Revolution nur
lauernden Communismus Platz machen werde. Desshalb habe er sich
vornehmlich v. der Agitation zurückgezogen. p. 80.⦘
Culturkampf:
Bismarck wollte früher keinen Streit
mit Pabst; schätzte seit 1848 die Katholiken als Conservative.
Wollte unter
Wagener’s Einfluss Bischof
v. Ketteler zum Erzbischof v. Köln machen; kathol. Kirche
sollte Stellung einer privileg. Corporation in Deutschland erhalten;
Reg. würde durch den Primas (v. Ketteler) mit dem Pabst
einerseits, mit deutschem Episkopat andrerseits verhandeln. 1871 fand, zu
Versailles, der v. Bismarck eigens zum Erzbischof v. Posen
beförderte Graf Ledochowsky ersteren schon sehr kühl. Nicht der
Grund die Infallibilitätserklärung des Pabsts, da mit
Bezug hierauf Bismarck früher abgelehnt die
Ausdruck von Marx.
Schließen kriegerischen Vorschläge
des Grafen Harry Arnim
u. Fürsten Hohenlohe. Beim Zusammentreten des ersten deutschen
Reichstags sprach Bismarck noch die Absicht aus mit Centrum zusammenzugehn, nachdem Rom wider seinen Willen durch die Italiener
occupirt war. Wurd aber zornig, nachdem die
antipreussischen Elemente des
Centrums, wie Windthorst, durch
die
bayrische Patriotenpartei verstärkt worden. Wie
immer, von rein persönlichen Einflüssen instigirt, machte er dafür ganze
Centrumspartei verantwortlich in Brief an Graf v.
Frankenberg vom Juni 1871; wurde fortan auch von ihr als Feind
behandelt. War ihm nicht unangenehm; dachte seit
Kaiserproklamation in Versailles an Nachbildung der
russischen Kirche mit Kaiserpatriarch an Spitze; vielleicht
der
Altkatholicismus geeignet dies Ziel zu erreichen
durch Verschmelzung v. Katholicismus u. Protestantismus in deutsche Nationalkirche. Bismarck dazu
weitergetrieben durch
Bennigsen u. Miquel
; ersterer als Mitglied der Kaiserdeputation in Versailles. Dazu
Abneigung Bismarck’s gegen selbstständige Parteien u. Leute; hence
den
Führern des Centrums Windthorst u.
Savigny. Hier was f. die Liberalen; ohne Centrum
konnte Bismarck keine conservative Majorität stiften. Den Culturkampf
schüren hiess das liberale System in Deutschland kräftigen u.
in der Herrschaft halten. Unfehlbarkeits-Skandal dazu ausgebeutet. (80–82)
⦗
Wagener
war
persönlicher Eigenthümer der v. Bei Meyer, S. 83:
Verfasser
Schließen Meyer redigirten „Berliner
Revue“, die Wagener geerbt hatte u. Baron
Hertefeld nach Keip’s Tod. p. 83.⦘ Dass
Miquel u.
Bennigsen
den Bismarck weiter trieben auf Weg
des Culturkampfs: Miquel hat das einmal ausgeplaudert (in
Discontogesellschaftlokal, wo auch
katholische Beamte) u. Bennigsen, in unbewachtem
Augenblick in Reichtstag erklärte, das Centrum „wüsste“ gar nicht, „wie
schwer es der Regierung gefallen sei,
den kirchlichen Kampf aufzunehmen“. Aber er, Benningsen Bennigsen, als Hauptdrängler dazu, wusste es. Kulturkampf den Herren so
gelegen, weil man mit ihm das
Volk beschäftigen u. so die v. Bennigsen,
Miquel, Bamberger etc im Schild
geführten Plünderungspläne unvermerkt ausführen konnte. Kulturkampf war die
spanische Wand hinter der sich die „Gründer“ versteckten. Sie heftigste Schürer
desselben. Anzettler antikirchlicher |14 Hetzartikel etc. (84,
85)
Bismarck wurde wider seinen Willen
Culturkämpfer; gefiel sich aber bald in
dieser wohlfeilen u. v. der bestochnen od. versimpelten Presse
bejubelten Rolle Zusatz von Marx.
Schließen ⦗als Culturherkules⦘ Als im Frühjahr 1871 Bismarck erbost durch die Opposition
einzelner Centrumsglieder, warnte Herr v.
Keudel, damals Reichstagler, ein ihm befreundetes Centrumsmitglied:
„Sie werden sich wundern, welche Massregeln der Fürst Bismarck gegen die Katholiken ergreifen
wird.“ Je mehr Bism. die katholische Kirche bekämpfte,
desto Zusatz von Marx.
Schließen hündisch ergebner
ward ihm die liberale Majorität des Reichstags, desto mehr
gefeiert v. der liberalen Presse. Zusatz von
Marx.
Schließen Zweierlei Hauptcharaktere des
Kulturkampfs:
Zusatz von
Marx.
Schließen N. 1) preussisch; Ausweisungen, Gefängniss u. s. w. neudeutsch
Zusatz von Marx.
Schließen preussische
Gewohnheit
überhaupt – sieh die 6000
politischen u. pressprocesse, worunter 19% wegen Bismarckbeleidigung. Zusatz von
Marx.
Schließen N. 2) liberale Gründeridee, Culturkampf zu
führen – da Geld alles in allem – durch „das Höherhängen des Brodkorbs“. Diese Idee hat der Gründer Hammacher Herrn Falk apportirt. Gründerei war
keine Folge des Culturkampfs; Zusatz von Marx.
Schließen ⦗sie hatte hübsch vor ihm begonnen⦘ aber diente
trefflich als „Coulisse“. Fast alle Gründer Culturkämpfer u. Liberale, haben
geculturkämpft »um unter dem Schutze der Regierung zu
gründen« (85–87) Jetzt wo Katzenjammer der Liquidation
verrauscht die wüthigsten Kulturkämpfer u. Gründer, wie
Miquel, im (religiösen) Büsserhemd. (87)
2) Der Leichenraub an Stroussberg.
„Disconto-Gesellschaft“ Schöpfung des liberalen Ministers a. D. Hansemann, blieb liberal, aber Liberalismus der höheren u. „gebildeteren“ Bourgeoisie. Die „Disconto-Gesellschaft“ entnahm bis 1869 ihre polit. Agenten der hohen liberalen Büreaukratie, drang in die Ministerien u. durch Wehrmann in’s kgl. Cabinet. V. 1869 an, als Schwerpunkt polit. Macht mehr ins Parlament sank, engagirte sie mit Vorliebe liberale Parlamentler, Miquel , Bennigsen , v. Rönne , v. Bernuth , u. s. w.
Bei Meyer, S. 88:
plebejisch-demokratisch
Schließen Plebejisch
liberal:
„Deutsche Genossenschaftsbank“, auf Volksmänner
angewiesen als Parrisius, Sörgel,
Schultze
Delitzsch
, Halske, Soltmann, Reichenheim –
leistete recht faule Gründungen wie „Rheinisch-westphälische Genossenschaftsbank“ – Cours: 43; „Brauerei Königsstadt“ – Cours 23; „Zuckerfabrik Körbesdorf“ – Cours 29 B; „Admiralsgartenbad“, Cours: 8 B; „Hallesche Maschinenfabrik“, Cours nicht mehr
notirt; „Stadtbank“, in Liquidation u. s. w.
Schultze’s Freund,
Löwe-Calbe
, ebenfalls Gründer,
Bergen-Witten u.
Hagen
auch.
Zwei „conservative“ Gründungsbanken; „Schuster’sche Gewerbebank“ berechnet auf denselben Kundenkreis wie Schulze’s „Deutsche Genossenschafts-bank“; ihrem Verwaltungsrath gehörten an: v. Olfers, Graf Solms-Sonnenwalde, Geh. Rath Wagener , Quistorp-(Stettin), von Hülsen (Magdeburg), von Werdeck, von Sprenger, die Handwerker Kafka, Neuhaus, die Fabrikanten Reimann u. O. Krause. Die Bank gründete heftig, doch zur Gründerzeit (1871) Wagener, Quistorp, v. Werdeck, v. Sprenger, v. Olfers bereits ausgetreten, ersetzt durch Baron v. Czettritz-Neuhaus auf Colbenitz, Schlittgen, P. Kahle, v. Ohlen, Adlerskron u. Oder. Wagener machte mit der Bank nur das Geschäft der Pommerschen Centralbank Centralbahn .
Die
Henckelschen Institute
auf den Stand der
Grundbesitzer berechnet. Henckel
Zusatz von Marx.
Schließen ⦗nicht der v. Donnersmarck⦘ schlauer
Patron niedrigster Abkunft, wusste Anzahl Aristokraten für die
Idee der Gründung einer conservativen Geldmacht
u. zur Emancipation der
Bei Meyer, S. 89: Grundbesitzer
Schließen Krautjunker v. den
Juden zu gewinnen. Henckel bereicherte sich rasch, verwickelte
schliesslich in seine Geschäfte Theil seiner aristokratischen
Statisten. Gefunden bei den
Henckel’schen Banken als Verwaltungsräthe: Graf Eberhard
Stolberg, Graf zu Solms-Barnth, Graf
Kleist-Juchow, Graf
Schaffgotsch-Koppitz, Herzog v. Ujest,
v. Treskow-Grocholin,
Fürst Putbus
, v.
Brand-Lindau, Graf Praschma, v. Krause-Schwartzow, General v. Derenthal,
Graf Lehndorf-Steinort, v. Meding, v.
Ruffer,
von
Seydewitz
(Görlitz, Zusatz von Marx.
Schließen
jeztt jetzt 1879 Reichstagspräsident
),
v. Plötz Gr. Weckow, Engelken (Potsdam), Geiling (Tresorier des Wilhelm I); Iffland (Bückeburg), General-Lieutenant
Fürst zu
Hohenlohe
, Rechtsanwalt
Munckel.
Aus ähnlichen Gründen gewann Director Langheinrich für eine „Lebens-Versicherungsgesellschaft Friedrich Wilhelm“ den Herzog v. Ratibor, Prinz Karl zu Hohenlohe , Graf Maltzahn (Mililitsch Militsch), Graf Schulenburg (Filehne), |15 v. Wedell (Cremzow), Graf Johannes Renard, Graf Pourtalès, Graf Hagen (Möckern), v. Wallenberg-Pachaly.
Nur geringe Anzahl davon unter die »professionellen Gründer« zu
rechnen u. diese gehörten nie zur altconservativen Partei od. traten aus
ihr aus. Aber die Ausdruck von Marx.
Schließen Gründerseelen darunter
schlossen sich späterhin alle an an:
Stroussberg: es handelte sich zunächst um Herstellung v. Eisenbahnen für die vernachlässigten östlichen Provinzen. Ostpreussische Magnaten hatten endlich einen Engländer gefunden, der die Ostpreussische Südbahn zu bauen begann. An ihn kam schliesslich Stroussberg heran u. drängte ihn endlich heraus. Stroussberg trat hier in Beziehungen zu Graf Lehndorf, Baron Romberg, Baron v. d. Goltz (Kallen), Kanzler v. Gossler, v. Mirbach (Sorquitten), Präsident Maurach, Graf Schwerin (Sandau)[,] Graf Schwerin (Parlese), v. Simpson (Georgenburg)
- Bei der Rechten-Oder-Ufer-Bahn seine Verwaltungsräthe: Herzog v. Ujest, Geh. Rath Heise (conservat. Abgeordneter), v. Muschwitz, v. Ruffer, v. Rother, v. Ysselstein, Herzog v. Ratibor, v. Schmackowsky, v. Krenski.
- Bei „Berlin-Görlitz“ Eisenbahn: Geh. Rath Reichsteig Richtsteig , Geh. Rath Dulon, Graf Solms-Baruth, von Seydewitz u. Jacques Jaques .
- Bei „Märkisch-Posener“ Bahn: Geh. Rath Ambronn, Landrath Wocke, Assessor Plewe, v. Unruhe (Bomst)
- Bei „Halle-Sorau-Groben Guben“: Ambronn, Graf Solms-Sonnenwalde, Herzog v. Ujest, Fürst Putbus , Graf Eberhard zu Stolberg-Wernigerode.
Endlich erwarb Strousberg noch die Concession der „Rumänischen Eisenbahnen“ für sich, die Herzöge v. Ujest u. Ratibor u. den Grafen Lehndorf-Steinort.
Alle diese Bahnen nach dem in Frankreich üblichen
System [gebaut], in Deutschland System-Strousberg genannt. Das ganz
veraltete pr. Eisenbahngesetz v. 1838 verbot Actienausgabe unter Pari; ward umgangen, indem
gegen Provision Scheinzeichnungen v.
angesehnen u. solventen Leuten beigebracht wurden. Die
Actien übernahm dann der Generalunternehmer in Zahlung u. gab sie
seinerseits theilweis an Unternehmer in Zahlung, liess sie
theilweis durch Bankiers versilbern. Als solche
dienten dem
Stroussberg namentlich Henckel und
Jacques Jaques
. Mit Scheinzeichnungen wurde eine
Anzahl der oben genannten Herrn bedacht u. sollen 5% des Baucapitals in der Regel für
dergleichen
Bei Meyer, S. 91:
Gründungsunkosten
Schließen Gründungskosten
aufgegangen sein.
Gebaut wurde so schlecht wie möglich, die Anschläge so hoch wie
möglich gemacht; aber Erlös der Actien,
bei der Pressbestechung u. der verschwenderischen Bureauhaltung
u. Lebensweise Strousbergs [reicht] nicht hin zur
Erbauung der Linien, wozu
die resp. Actien bestimmt waren[.] Stroussberg suchte sich dann eine »neue Concession« zu verschaffen; hierbei ihm
behilflich die oben genannten Verwaltungsräthe älterer
Unternehmungen; er emittirte nun Actien für
die neuconcessionirten Linien u. bauten baute die alten Eisenbahn aus diesen
neuen Actien tant bien que mal fertig; Ausdruck von Marx.
Schließen so ein Loch immer durch ein andres gestopft. Alte
ehrliche sehr unfähige Handelsminister v. Itzenplitz
durchschaute
endlich den Schwindel; wollte nur noch mehr
Bahnen concessioniren unter ausdrücklicher Vorschrift, dass sie
nicht in Generalentreprise gebaut werden
dürften. Solche Bedingung gingen auch ein v.
Bennigsen
, Adikes,
Graf Münster u. Genossen bei Erhaltung der Concession für Hannover-Altenbeken;
brachen das Versprechen, übertrugen Stroussberg den Bau; dabei
sofort 300,000 Thlr Gründerspesen „gemacht“.
Stroussberg gerieth immer mehr in Verlegenheit; kaufte unsinnig Güter, Häuser, Bergwerke, belastete sie ungeheuer mit Hypotheken; endlich um 1871 am Rand seiner Hilfsquellen; Bankerott in Sicht; damit wären alle seine Helfershelfer compromittirt worden. (88–92)
Nun hohe Intervention. „Man“ ersuchte
„Disconto-Bleichröder“ den Stroussberg
»auszulösen«; sie liquidirten ihn im Stillen ab;
schlossen mit der
rumänischen Regierung besondre Convention,
wonach sie Actiengesellschaft zur Vollendung
des Baus dieser Bahn gründeten; dieser
Gesellschaft übertrug rumän. Regierung alle criminal- u. civilrechtlich
zu betreibenden Ansprüche an Stroussberg u. seine
Mitconcessionäre, die beispielsweis f. viele
Millionen Thaler mehr Obligationen ausgegeben als wozu sie
berechtigt. Weder verfolgte die Hansemann-Bleichröder’sche Verwaltung Stroussberg u. Co.
gerichtlich, noch regte sich trotz Notorietät jener
Unterschlagung pr. Staatsanwaltschaft. Die neue Gesellschaft
einigte sich mit Stroussberg zum grossen Schaden der Actionäre u.
schädigte deren ihr anvertrauten Interessen durch Bei Meyer, S. 92: ihr Geschäftsgebahren
Schließen ihre Geschäftsführung noch
weiter. Die deutsche u. preussische Regierung
unterstützte diese ungetreuen Verwalter fremder Gelder. Herr
Delbrück
(der Reichskanzler) lieh der
|16
rumänischen Eisenbahn-Actien-Gesellschaft 3 Millionen
Thaler aus Reichshauptkasse, d. h. aus Steuergroschen, wovon eine nach einem Jahr, zweite nach 2,
letzte nach 3 Jahren zurückzahlbar zu 4% Zinsen. Ebenso lieh ihr
Camphausen durch
die Seehandlung 2 Millionen Th. zu Bankzinsfuss;
beide Geschäfte gegen Hinterlegung v. von rumänischen Prioritäten u. Garantie von
Disconto-Bleichröder. Diese Garantie liessen sich die
Verwaltungsräthe v. ihren Actionären mit 4%
jährlich bezahlen, indem sie 8% v. der
Eisenbahngesellschaft nahmen. Machten also mit den
5 Mill. Th. Staatsgeldern Profit v. 200,000 Th. jährlich. Ferner bot Hansemann seinem Verwandten Oppenheim
ein fundirtes Darlehn an die
Eisenbahngesellschaft zu 6% Zinsen u. 4% vornweg
(vierteljährlich mit 1%), abziehbarer Provision
an. Er übertrug seinem Schwager Ravené die
Schienenlieferung f. die rumänische Eisenbahn, ohne öffentlich öffentliche Ausschreibung einer Lieferung! Diese u. andre
skandalöse Dinge veröffentlicht v. Redacteur der
„Eisenbahnzeitung“, jetzt
„Reichstagsglocke“ „Deutschen Reichsglocke“
(i. e. von
Joachim-Gehlsen
) Gegen ihn, statt gegen
die Verwaltungsräthe nun, v. Staatsanwalt wegen
»Beleidigung« eingeschritten. Er erzielte
Verurtheilung. Sagte Staatsanwalt „Simon v.
Zastrow“, der Staatsanwalt habe sich in den
„häuslichen Zwist“
zwischen Actionären u. Verwaltungsrath nicht
einzumischen. Der Gerichtshof erkannte an, dass Hansemann-Bleichröder in „schiefe Stellung“ gerathen, als sie mit
sich selbst in der Eisenbahngesellschaft zum Vortheil ihrer
Banken Geschäfte machten, erklärte aber 8%
für einen billigen Zins, 4%
Garantie-Provision für ganz correct, u. begründete sein hartes
Urtheil gegen Gehlsen, weil die Angegriffnen „Leute in hochachtbarer socialer Position“ seien. Ein Wiener Blatt nannte dies Geschäft „einen
Eisenbahnscandal, wie ihn noch nie die Welt erlebt habe“,
bezeichnete Berlin als „Eldorado der
Spitzbuben u. die Metropole des Schwindels“, wo man
nur „einige Grafen oder noch höher geborne Spitzbuben
zu betheiligen brauche“ um eine Freiprämie auf den
frechsten Schwindel zu haben. (92–94)
Die rumänische Eisenbahn-Actien-gesellschaft angeblich geleitet v. 2 Strohmännern Nitsche (früherern Weinreisenden) u. Ottermann (ehmaligem Unterofficier) als „Directoren“. Die eigentliche Direction übt Hansemann durch den »Verwaltungsrath«, wo neben ihm noch sitzen: v. Bleichröder, Scheele, Lent, Miquel, Wiener, Wölffel, Reinhard, Riem. (94)
Die Disconto-Gesellschaft löste Strousberg auch bei den v. ihm gebauten deutschen Eisenbahnen aus, trat in seine contractlichen Verpflichtungen ein; wden wurde so Bankier dieser meisten meist schon halbbankerotten Bahnen, machte sie in wenig Jahren ganz insolvent, indem sie sich zahlen liess Provisionen, Zinsen, Unterparicourse u. andre benefices, bis nichts mehr zu lukriren war. Strousberg klagt über solche Interesseschädigung der Actionäre v. Hannover-Altenbeken. Bei Abschluss eines einzigen Geschäfts liess sie sich ausser Zins u. Provision eine „Gewinnbetheiligung“ v. 400,000 Th. für sich u. v. 200,000 Th. für die ebenfalls unter ihrer „Protection“ stehende Magdeburg-Halberstädter Bahn vom Bauunternehmer garantiren. Hence reicht das Geld bei Hannover-Altenbeken nie aus trotz immer neuer Obligationen-Creirung u. Bennigsen, der als Verwaltungsrath den Schwindel gut hiess, immer noch als Beamter möglich. (94)
Ausser von Seydewitz u. einigen andern zogen sich die aristokrat. Verwaltungsräthe v. den Strousbergschen Bahnen zurück. Dagegen übernahm die Disconto-gesellschaft Strousberg’s liberale Gründungsgenossen Bennigsen , Adikes u. s. w. (95)
Die Disconto-Gesellschaft liess sich ferner vom pleiten Eisenbahnkönig seine Dortmunder Hüttenwerke abtreten, gründete sie um in „Dortmunder Union“, trug eine Collectivhypothek auf alle seine Häuser u. Güter ein, in Folge wovon sie selbe schon z. Th. in Subhastation erstanden hat. So schon Anfangs 1872 Strousberg in die böhmischen Wälder nach Sbirow verstossen u. Bleichröder , mehr noch Hansemann (Disconto Gesellschaft) hatten ihn beerbt. Für diese Dienste, die Hansemann-Bleichröder einigen hohen, compromittirten Edelleuten erwiesen, wurden sie geadelt. Aber Strousberg’s Actionäre beschädigt. Brach Bankerutt 1871 wirklich aus, so hätten sie gewonnen. Die rumän. Obligationen standen ult. 1871 noch 703/4, die Aktien im Oktober 1872 nur noch 50%, u. August 1876 auf 15% herabgekommen. So haben Hanseman Hansemann-Bleichröder-Miquel „deutsches Capital gerettet“, wie sie frech im Gelhsenschen Gehlsenschen Processe behaupteten. Die Discontogesellschaft nahm den Börsenantheil der Strousbergschen Beute u. bei diesem »Leichenraub« geriethen sich die Börsenwölfe Bleichröder u. Hansemann in die Haare. (95)|
17Mit Strousberg’s Sturz hörte die Gründerthätigkeit der bei ihr betheiligten hohen Aristocratie auf. Heute noch im Herrenhaus noch Anzahl aritstokr. Schwindler, »Gründer v. Profession«; in der altkonservativen u. klerikalen Partei fast gar keine Gründer, selbst die gründerischen hohen Aristokraten der freiconservativen Partei treten beim Beginn der eigentlichen Gründerperiode, v. 1871 u. 1872, bereits v. der Bühne ab, während die liberale Partei nun alles im Gründen übergripfelt (96)
3) Gründungs-Wahnsinn.
Mit 1872 beginnt in Deutschland 2jährige Gründungsraserei; viele Gründergruppen, operirten in der Regel für sich, vereinigten sich aber auch mit mit andern ad hoc, um bes. grossen Schwindel loszulassen; meisten, ohne polit. Agenten, konnten nur das Privatpublicum ausbeuten, nicht auf Gesetzgebung u. Verwaltung im Interesse ihrer Geschäfte einwirken. Je mehr aber solche Gruppen Politiker gewannen, desto erfolgreicher. (97)
Haus Leo Delbrück et Co direct v. Reichsregierung
unterstüzt durch die Concessionirung der
„Actiengesellschaft f. Boden[-] u. Communalcredit für Elsass-Lothringen“, S. Abel jun durch den
„Welfenfonds“, ebenso „Bleichröder“.
Welfenfonds bestand aus den Capitalabfindungen v. der
Krone Preussen an die Exfürsten v. Hessen u. Hanover Hannover für Confiscirung der Domänen u.
Schlösser selbiger zu zahlen; damit aber der
Capitalstock nicht zu Unternehmungen gegen Preussen missbraucht, sollte
er vorläufig v. besondrer Behörde in Berlin
verwaltet werden; 1868 ⦗auf Vorwand v. ihr
feindlichen Umtrieben⦘ beantragte die Regierung 1868, dass sie vorläufig die
Einkünfte aus diesen Fonds einziehn u. als Reptilienfonds gegen die Agitationen
der Welfen u. Hessen verwenden könne. Man müsse, sagte
Bismarck
„deren Reptilien bis in ihre Höhlen verfolgen“.
Landtag genehmigte, entband Regierung v.
Rechnungsablage über Verwendung der Einkünfte aus diesen
Fonds; verwandt z. Th. zur Bei Meyer,
S. 98: Beeinflussung
Schließen Corruption
inländischer u. bes. auch ausländischer Presse.
Vor etwa 1 Jahr das hessische Vermögen an die Erben
des verstorbnen Kurfürsten ausgezahlt; dagegen hat
die Regierung noch die
Verfügung über die 16 Millionen Th. des
„Welfenfonds“. Die durch das
Gründungsgesetz derselben angeordnete
Verwaltungsbehörde nie gebildet worden. Sommer 1876 kam’s heraus, dass der
Finanzminister die Einkünfte verwalte, Bleichröder aber
den Capitalstock nutzbar mache; er placirte sie
grösstentheils ⦗„Reichsglocke“!⦘ in ganz faulen Papieren, meist fundirt auf seine
eignen Gründungen, wie
[„]Posen-Kreuzburger-Eisenbahn“, zum geringren
Theil in den v. S. Abel financirten Berlin-Dresdener-Eisenbahn-Actien. Dies Staatshülfe für Gründer! Bismarck substituirte seinen Gerson v.
Bleichröder der gesetzlich angeordneten Verwaltungsbehörde! (97, 98)
Die Disconto-Gesellschaft bis heute protegirt v. Camphausen ; er schoss ihr nicht nur mehre Millionen Thaler zu 21/2 23/4 % ohne Sicherstellung vor, sondern stellte die Pr. Seehandlung – eine Staatsbank – ganz zu ihrer Verfügung; sie ist selbst Gründer- u. Jobbergesellschaft geworden, [»]hat auch den Mittelsmann u. das Aushängeschild f. anrüchige Geschäfte der Discontogesellschaft gemacht«. (99)
S. Bleichröder ursprünglich allein mit
der
Berliner Agentur des Hauses Rothschild
betraut. Je mehr politischer Einfluss der
Discontogesellschaft wuchs, desto mehr näherte
sich ihr Rothschild; Neid daher des Bleichröders; noch mehr Bei
Meyer, S. 99: Grund zur Unzufriedenheit mit Hansemann erhielt
Bleichröder
Schließen erbost er durch ihr Benehmen bei Leichenraub
Strousbergs. Um für die
Abtragung der Entschädigungssumme, die
Strousberg an die Rumän. Eisenbahngesellschaft wegen
unvollendeten Baus zu zahlen, die erforderlichen Geldmittel
flüssig zu machen, Strousberg gezwungen einen Theil
seines Besitzes zu verkaufen. Hansemann aber, als Begriff von
Marx.
Schließen Obmund der Rumän. Actionäre, statt den Verkaufswerth der v. Strousberg
angebotnen Werke seinem gesammten Betrage nach zur
Deckung von Strousbergs Schuld an die Rumän.
Eisenbahngesellschaft zu verwenden, kaufte die Werke
Strousberg’s für sich u. die
Discontogesellschaft, verwandte nur einen
Theil des Erlöses zur Abtragung jener Schuld, liess
den
Restbetrag der Schuld auf das sonstige Eigenthums Eigenthum Strousbergs hypothéciren, so dass die
Rumänische Eisenbahngesellschaft jetzt mit
dieser Forderung ausgefallen. Nach andrer Version liess er
den
Rest v. 2 Mill. Th. für die Discontogesellschaft eintragen u. ersteht
jezt die Strousberg’schen Herrschaften für sich persönlich, so
dass die Disconto-Gesellschaft ausfällt. Welche dieser beiden
Versionen (eine ist jedenfalls richtig) die richtige bei
dem künstlichen Dunkel der Berichte beider
Gesellschaften nicht zu entscheiden. Pr. Staatsanwaltschaft, trotz aller
Denunciationen, lehnt beharrlich Einschreiten gegen Hansemann ab. (99,
100)
So hatte Hansemann persönlich oder die Discontogesellschaft v. Strousberg die Dortmunder Hütte, Glückauf-Tiefbau u. Othfresen für den enormen Preis v. 6 Mill. Th. übernommen. Hansemann benutzt’s, um sich zu entledigen seines sehr kostspieligen Privatbesitzes – Henrichshütte ⦗die er, sieh oben, mit Goldschmidt persönlich hatte übernehmen müssen, u. schuldete der Disconto-Gesellschaft 1863 hieraus 1,200,000 Th. zu tilgen durch Einbehalten v. 1/5 der Tantième der Inhaber u. des Verwaltungsraths zu Gunsten der Discontogesellschaft⦘; 1863 verwandelte Hansemann die Henrichshütte in eine Commandite, 1869 in eine Actiengesellschaft mit 2,250,000 Th. angeblichem Actiencapitalwerth, blieb jedoch mit seinen Actien sitzen, denn pro 1870 hatte man mit Ach u. Krach 31/2% Dividende vertheilen können.
Der
Verwaltungsrath dieses Hansemannschen
Familienbesitzes war: Scheele,
Miquel
, Bauendahl, v. Hansemann
, |18 J. Kaufmann Kauffmann, Salomonsohn, Peters u. C. Waldthausen
(Aachen). Auf dies Conto schuldete Hansemann der Discontogesellschaft am 29 Oct. 1872
noch 902,131 Th. An diesem Tag beschloss Generalversammlung der Discontogesellschaft 5 Mill. Thaler neue Actien der
Discontogesellschaft auszugeben. Verwaltungsrath u. Direction
verzichteten auf 1/5
ihrer Tantième von dem vergrösserten Capital für die
Zukunft; dafür übernahm der Reservefonds der
Discontogesellschaft die Hansemannsche Schuld v. 902,131
Th., d. h. die Actionäre der
Discontogesellschaft schenkten sie ihm dafür, dass er sich in Zukunft
mit 20% Tantième v. dem erhöhten Grundcapital v. 20 Mill. Thaler begnügen wollte, während er
bisher 25% von nur 15 Mill.
Thaler bezogen hatte. (100, 101) Zusatz von
Marx.
Schließen ⦗25%
od. 1/4 v. 5
= 33/4 u.
20% od. 1/5
v. 20 = 4!⦘ Also Hansemann
»erhöhte« das
Capital der Henrichshütte nun auf
2,500,000 Th., i. e. erklärte sie solle v. jetzt ab so viel werth sein,
kaufte das
Unternehmen Neuschottland für 2,500,000 Th.,
schmiss beide mit den
Strousbergschen Gruben u. Hütten
zusammen, die geschäzt wurden = 6 Mill. Th. Aus den zusammengeschmissnen
3 Unternehmungen gegründet die
„Dortmunder Union“; ihr Actien-kapital zuerst festgesetzt auf 11
Mill. Thaler; für je 100 Th. Henrichshütte
u. Neuschottland erhielt man 100 Th.
„Union“. Schon October 1872
das Capital auf 13,200,000 Th.
erhöht. Hiermit nun enormer Schwindel getrieben. Zum Schein hatte man zu
jenen Objecten noch ein paar kleine Hütten u. Terrains gekauft. Rentabel war nur Neuschottland. Der
Werth des Ganzen damals v. Kennern auf
3–4 Mill. Th. geschätzt. Die
Actien angeblich emittirt auf zu 108%, schwindelte sie aber successiv auf 180%, was einen fiktiven
Werth v. 232/3
Mill. Th. repräsentirt. Und Hansemann konnte die
Henrichshütte, die im J. 1870 Zusatz
von Marx.
Schließen nur an Bruttogewinn
185,000 Th. eingebracht hatte, wovon 171,000 Th. Abschreibungen
abgingen, u. worauf er der Discontogesellschaft 902,000 Th.
schuldete, jetzt zu 4,500,000 Th. verwerthen!
Diesen Bei Meyer, S. 101: fluchwürdigen
Schwindel
Schließen Maximalschwindel nannte
Miquel
im Reichstag ein „correctes Geschäft“, das bloss durch „verkehrte Massregeln der Direction u.
die schlimme Lage der Eisenindustrie überhaupt in
hoffentlich vorübergehende Schwierigkeiten gekommen sei“. Und dieser
Bursche hatte selbst im Verwaltungsrath v. Union u. Henrichshütte gesessen mit v. Hansemann, W. Bauendahl,
W. v. Born, C. v.
Born,
v.
Bernuth
, J. M.
Frensdorff (Hannover); H. Gericke
(Mühlheim) G. Hansemann, J. Loeb, Russell, Geh.
Rath Dr. Esse, Fr. Grillo, Kauffmann, A. v.
Oppenheim, W. Peters, C. M. v. Rothschild, Scheele, R. Schulte (Gevelsberg), C. Waldthausen, Geh. Rath
Wehrmann. 1873 vertheilte die
Gesellschaft = 12% Dividende, von da ab – keine. Die Tantième der Herrn
v. 1873 = 141,555 Th., wovon sie 1/2 – zum „Wohl der Arbeiter“ verwandten.
Die Directoren erhielten 12,000 Th. Gehalt u. 3000 Th.
Tantième. Man hatte deren 3 u. 2 Stellvertreter. Director später der frühere Unterofficier Ottermann, der auch als Director der
Rumänischen Bahnen fungirte! Schon 1873
beschloss man 6 Mill. Th. 6% Prioritäten auszugeben wovon aber nur 5
Mill. Th. emittirt, d. h. in die Kästen der Gründer gelegt
wurden. Die Discontogesellschaft Bei Meyer, S.
102: übernahm
Schließen unternahm hiervon 3,333,000 Th; die
kgl. pr. Seehandlung betheiligte sich an der
Uebernahme dieser Prioritäten. Die Actien
der Union stehen jetzt 6–8[%]
, aber völlig
werthlos. (101, 102)
Dies die schwindelhafteste Gründung, im grossen Styl, dieser Periode. Folgende schamlose Stelle im Bericht der Discontogesellschaft für 1875: „Die Errichtung der Gesellschaft war das correcteste u. loyalste Geschäft. Sie fiel in eine Zeit wo die Eisenpreise noch normal waren u. keine Ueberspannung in der Schätzung industrieller Werthe vorhanden war. Nicht in der Bildung, sondern in der Entwickelung der Union lag die Ursache des nachherigen Uebels. Als die Eisenconjunctur plötzlich u. stark in die Höhe ging, aus den Actien der Union unter fortwährender Steigerung des Courses ein Spielpapier wurde, gingen mit dieser Bewegung in der unmittelbaren Leitung das objective Urtheil u. die Zügel der Ordnung verloren. Was im Zusammenhang mit den allgemeinen Leiden der Eisenindustrie folgte, ist aus den Berichten der Dortmunder Union v. den Jahren 1874 und 1875 bekannt. Thatsächlich u. urkundlich steht fest, dass die Discontogesellschaft ihre Pflicht als abmahnender Bankier nicht versäumt, u. lange, ehe Herr Russell die Reorganisation in die Hand nahm, Alles aufgeboten hat, um dem Uebel der financiellen Ueberbürdung der Union Einhalt zu thun. Schon jetzt ist in dieser Beziehung mit der erfolgreich durchgeführten Reorganisation eine Wendung zum Bessern eingetreten, u. dürfte die Erfahrung lehren, dass die Discontogesellschaft in ihrem Verhalten hierbei, ebensowohl dem eigenen Interesse, wie hiermit verbunden dem Interesse der Union entsprechend richtig gehandelt hat.“ (102, 103)
Dagegen facts: Hansemann u. Complicen rechneten die Objecte der Union weit über den Werth an; trieben selbst durch ihre Börsenagenten die Actien u. machten sie zum Spielpapier, konnten die Verwaltung der Union von unsinnigen Geschäften abhalten, da ja Discontogesellschaft und Union dieselbe Verwaltung hatten. (103)|
19Strousberg bemerkt: „Die Agiotage in diesem Falle so unberechtigt … dass unmoralisch. Was würde Lasker sagen, wenn die Discontogesellschaft diese Fabriken f. 11 Mill. Thaler gekauft u. für 15 Mill. Th. Actien ausgegeben hätte? Und doch geschah dies … im Course nämlich, zu dem diese Aktien auf den Markt gebracht … lag mehr als diese Differenz. Zeiten waren günstig, Emissionscredit der Discontogesellschaft gross (man versah sich v. ihren Verwaltungsräthen keines Schwindels), man hat beides benutzt, u. damit war der Process lange noch nicht fertig; zu den Emissionscoursen bekam das Publicum die Actien noch lange nicht … hätten [sich] diese Anlagen vollständig rentirt, wären die Actien eventuell pari gewesen, so hätte Publicus doch immer schon, abgesehn von Speculationsverlusten, über 13 Mill. Th. an Agios verloren.“ (103, 104)
Disconto-Gesellschaft hatte Bleichröder „Betheiligung[“] bei der Gründung der Union
versprochen; hielt nicht Wort; als Bleichröder sich beklagte, bot
Hansemann ihm „Entschädigung“
an; Bleichröder wies Bei Meyer, S. 104: Indignirt
Schließen „grauss“
das „Trinkgeld“ ab; nun helle Feindschaft zwischen beiden Häusern.
(104)
Zwist zwischen Hausfreund v. Bismarck u. Hausfreund v. Camphausen, weil erstrer nicht am grossartigen Raubzug gegen das Publicum betheiligt. (l. c.)
Gerson v.
Bleichröder
rächte sich an Hansemann durch mindestens eben so unter-
u. überfaules Unternehmen; nahm sich als Spiessgesellen zum Beutezug
gegen die deutsche Nation den Grafen Hugo v.
Henckel-Donnersmarck. (104) Dieser schlesische Ritter hatte 1870 vom pr. Staat die
Königshütte für 1,300,000
Th. gekauft u. hierzu noch das
Laurawerk erworben. Hieraus schwissten schweissten
Henckel-Bleichröder unter Assistenz v. Landau, v. Kardorff
u. A. die
Actiengesellschaft „Königs- u. Laurahütte“
zusammen, packten darauf Actienkapital v. 6
Mill. Th., bereits 1873 erhöht auf 9 Mill. Th. Reeller Werth
angeblich 2 Mill. Th. Da Hansemann „Union“ auf 180%
hinaufgetrieben, „poussirte“ nun das
Bleichröderconsortium „O Laura-Actien“ auf 2613/4%. Heute
stehn die Actien 57, u. dies noch um die Hälfte zu
hoch! An Dividenden vertheilt: 1871–75 = 121/4, 29, 20, 10, 2%; Tantièmen
berechnet f. die getreuen Verwalter fremder Gelder 1871 = 44,100 Th., 1872 = 271,000.
Generaldirector:
Richter
, an der
Spitze der Schutzzöllner, die die
Aufhebung des Eisenzolls bekämpfen. „Reichsglocke“ fragte: „Wie hoch muss
der Eisenzoll sein, damit ‚Laura‘ bei 9 Mill. Th.
Actiencapital rentirt?“
Verwaltungsrath:
Gerson v. Bleichröder,
v. Kardorff
, J. Landau, v. Westenholz (Hamburg), H. Heimann, Geh. Rath v. Carnall (Breslau), Geh.
Rath Krienes (Breslau), F. Friedensburg (Breslau) L. Behrens (Hamburg),
Egells, Bergrath Ficenus, Wirk. Legationsrath Graf P. Hatzfeld
Zusatz
von Marx.
Schließen (!), L. Ravené.
(104–105)
Diese beiden Schwindelunternehmungen v. Hansemann u. Bleichröder beeinträchtigten ausserdem die soliden Industriellen der Eisenbranche; ihre Directoren unterboten bei Lieferungen principiell alle Concurrenten um sie bankerott zu machen, auszukaufen, u. sich so Monopol in ihrer Gegend zu verschaffen; zogen dazu die geübtesten Arbeiter aus den Werkstätten ihrer Concurrenten durch enorme Lohnerhöhung, werfen jetzt die Arbeiter zu 1000enden auf Strasse. Sie schädigten die soliden Unternehmer, erreichten ihren Zweck nich nicht, erlitten selbst ungeheure Verluste. (105)
In Verbindung mit Laurahütte entstand die Posen-Kreuzburger Bahn [,] von Bleichröder , J. Landau, v. Kardorff , Graf Bethusy-Huc u. Friedenthal gegründet; ward unterstützt durch Welfenfonds; diese Bahn nur bestimmt, der Laurastätte den Weg bis auf den Stettiner Markt um ca 5 Meilen zu verkürzen – ohne jedes seitliche Verkehrsgebiet; solche sinnlose Bahnen diesen „Reichsfreunden“ concessionirt, u. sollen jezt vom Staat theuer angekauft werden, weil, ewig unrentabel v. Natur, sie ihre Bauer, Bleichröder u. Consorten pleite zu machen drohn. Ist Bleichröder bankerott, so Welfenfonds pleite, und? (105, 106)
Nun musste auch Hansemann seine Bahn haben, baute die Münster-Enscheder Bahn, woran Discontogesellschaft jetzt hart laborirt. (106)
Um Posen-Kreuzburg zu bauen u. Laura-Hütte-Eisen zu verwerthen, gründete
Bleichröder
mit Rothschild in Frankfurt,
Friedenthal
(Breslau), J. Landau u.
v. Kardorff
die
„Deutsche Reichs- u.
Continental-Eisenbahn-Bau-Gesellschaft“, sollte den
ganzen Eisenbahnbau in Deutschland an sich reissen, kam aber nach
Uebernahme einer Anzahl v. Bauverpflichtungen arg in Klemme. Auf
das
Grundcapital v. 10 Mill. Th. wurden 40%
eingezahlt, die
Actien auf 123 getrieben, so dass Interimsschein 63 kostete, jetzt hat man ihn für
25. Sie übernahm auch den Bau der „Weimar-Gera-Eisenbahn“, deren Gründer Bleichröder u. Landau. In dieser
Gesellschaft macht nun Bleichröder als
Eisenbahnbauer Geschäft mit Bleichröder als
Vertreter der Eisenbahnactionäre. Bleichröder, Landau,
v. Kardorff u. Genossen
übertrugen obiger Gesellschaft, d. h. sich selbst den Bau. Die Actien, abzüglich 1,164,000 Th., welche
die Adjacenten nahmen, der „Deutschen
Reichs- u. Continental-Eisenbahn-Bau-Gesellschaft“ von
den Bankiers zu 78% abgenommen u. diese bezogen |20 ausserdem 650,000 Th. Provision, so dass für
10,836,000 Th. Actien nur 7,800,000 Th. der Baugesellschaft zum Bau disponibel blieben.
Dazu gerechnet die v. den Adjacenten aufgebrachte Summe, so zum
Bau statt 12 nicht voll 9
Mill. verbaubar bleibend. Die Bahn ist eröffnet, aber
nicht fertig. Solche Bei Meyer, S.
107: Geschäfte mit sich selbst
Schließen Geschäfte häufig bei beiden
Häusern; zusammen machten sie Hansemann u. Bleichröder bei den
Rumänischen Bahnen; bei Gotthardtbahn lieferte Hansemann sich selbst die
Schienen aus der Dortmunder Union etc.
(106, 107)
Strousberg
nennt dies Geschäfte, die der Commissionär „in sich“ macht, sagt über den Fall bei Kreuzburg-Posen, u. den ganz ähnlichen
bei Berlin-Dresdener Bahn:
„Die Baugesellschaften wurden General-Unternehmer u. Capitalzeichner, u. die
Mitglieder der Aufsichtsräthe der
Baugesellschaft bildeten den ganzen od. einen wesentlichen Theil
des Aufsichtsraths der Bahnen, bei denen
die ‚Baugesellschaft‘ ‚Bauunternehmer‘ war … also im
wesentlichen … Bauherr u. Bauunternehmer eins, u. die
Gelegenheit u. das Interesse war vorhanden, die Actionäre zu Gunsten der Baugesellschaft zu
schädigen … Der Baucontract zu günstig
u. die Aufsicht lässig.“ So fällt
der Erdkörper der kaum eröffneten
Posen-Kreuzburger Bahn wieder ein. „Diese Identität
des Unternehmers u. Bauherrn – sagt Strousberg – ist der
Regierung (welcher die Aufsichts u. Bauabnahmepflicht
obliegt) wahrscheinlich nicht aufgefallen.“ (107)
Zwischen beiden rivalisirenden Häusern nun förmliche Rivalität im Gründen (l. c.)
Bleichröder schuf: Bergwerk „Hibernia-Schamrock“ mit Conrad („Handelsgesellschaft zu Berlin[“]), Mulwani u. A. Director wurde Bürgermeister u. Abgeordneter Weber (Lasker’s Specialfreund u. Fraktionsgenosse) Die Actien bei Einführung an Börse 13 März 1873 gleich v. 130 bis 150% getrieben, stehen jetzt 37. Dividende pro 1873 = 13, 1874 = 6, 1875 = 21/2%. (107, 8)
Bleichröder betheiligt an: Gründung u. Erweiterung von „Mende Menden und Schwerte“, „Messener Bergwerke“, „Phönix“. (108)
Ordnungsziffer von Marx.
Schließen 1)
Leistungen v. Disconto Gesellschaft auf
Bergwerkgebiet:
Bergwerk „Gelsenkirchen“ ⦗zus. mit der
Norddeutschen Bank in Hamburg (Godeffroy, Westenholz),
Bankverein Schaafhausen (Wendelstadt),
Movius, Königs, Mevissen, vom Rath,
Wittgenstein), Provinzialdisconto: Rothschild
(Frankfurt), Sal. Oppenheim, Eltzbacher, J. Landau, Bauendahl, Grillo,
Frensdorff⦘;
Grduncapital Grundcapital
41/2 Mill. Th. Die Actien sofort am ersten Tage auf 133%
getrieben, stiegen auf 172, jetzt about 88. Dividende f. 1873 25%, 1874 17%, 1875 10%. Auch v. diesen Actien übernahm kgl. pr. Seehandlung; ferner „Betheiligung“
der Discontogesellschaft an den Bergwerken:
„Bensberg-Gladbach“ „Bochum“ „Vereinigter Bonifacius“ „Phönix“.
Ordnungsziffer von Marx.
Schließen 2)
Bleichröder:
Industriegesellschaften: betheiligt an: „Deutsche Spiegelglas Gesellschaft“ „Nordstern, Lebensversicherungsgesellschaft“,
„Tivoli-Brauerei“, „Central-Telegraphen Co.“, „Oeffentliche Wasseranstalten“ u.
„Zoologischer Garten“ ⦗letztre beiden als Betheiligung zur
Genügeleistung „bürgerlicher Wohlthätigkeit“.[⦘]
„Berliner-Immobilien-Actien-gesellschaft“, worin
auch
Hansemann
, der sonst in dieser Categorie weniger
leistete.
Ordnungsziffer von Marx.
Schließen 3)
Bankbetheiligungen u. Gründungen:
Bleichröder
,
bei: „Berliner Handelsgesellschaft“ ⦗im
Verwaltungsrath auch Güterbock, [»]wegen
Zeichnung auf die französ. Anleihe während des Kriegs als
Landesverräther verurtheilt, aber begnadigt«; ⦘ „Preuss. Central Bodencredit“; „Sächsische
Bank“ ⦗worin Plaut wegen Betrug verurtheilt⦘; „Internat. Bank zu Luxemburg“ ⦗mit Mevissen, A. v. Oppenheim, R. v. Erlanger,
D. Oppenheim (Cöln) Wendelstadt, „Breslauer
Discontogesellschaft Friedenthal et Co“, „Braunschweigische Creditanstalt“, „Provincial-Actien-Bank zu Posen“; In den meisten
dieser Bleichröder Verwaltungsrath; den andern half er beim
Entstehn u. Gebären junger Actien.
Hansemann-Disconto auf diesem Gebiet weniger extensiv, aber desto intensiver. Um der kgl. pr. Hauptbank Concurrenz zu machen, geschaffen die „Provincial-Disconto-Gesellschaft“, die in allen bedeutenden Städten Deutschlands eigne Banken errichten od. sich bei bestehnden Bankhäusern betheiligen sollte u. v. der Disconto-Gesellschaft in Berlin einheitlich geleitet [wurde]. Die Direction dieser Bank waren ipse Hansemann , Miquel , Salomonsohn u. Reinhardt, also dieselben wie die des Mutterinstituts, nur dass Hecker durch Reinhardt ersetzt. In den Statuten schon auf fortwährendes „Jungen“ abgesehn, was verhindert wurde durch den Krach. Die 10 Mill. Th. Actien wurden vertheilt unter die Gründer; darauf am 22 Nov. 1871 eingeführt bei Börse zu 120%, d. h. für Interimsschein v. 60 Th. nominell gezahlt 146 Th. baar. Jezt diese Actien 79%; d. h. gezahlt für denselben Schein 39 Th. Die Bank (die „Provincialdisconto“) etablirte sich nun selbstständig in Hannover, Bernburg, Elberfeld, Strassburg, Hamburg, Ludwigshafen, Aachen, Duisburg, Braunschweig, Halle; wollte dadurch der zu schaffenden Reichsbank vorweg die Kunden nehmen. Den Berliner Leitern ging die Uebersicht um so mehr verloren, als sie kreuz u. in die queer das Tochterinstitut d. Tochterinstitut bei ihren eignen Discontogesellschaftsgründungen betheiligten; die junge Bank hätte längst liquidiren müssen, wenn Liquidation bei der Verwicklung u. Verquickung der Geschäfte durchführbar wäre. (108–110) |
21Auf Gebiet der Eisenbahnen, die sie successiv alle unter ihre Herrschaft bringen wollte, [lag das] Hauptgebiet der „Hansemann-Disconto-Gesellschaft“. Hatte sich desshalb Concession geben lassen für „Dortmund-Gronau“, „Marienburg-Mlawa“ u. kaufte fast alle Prioritäten auf, die zu jener Zeit auf Markt kamen. Um den Ankauf eines Postens solcher Fonds der „Breslau-Schweidnitz-Freiberger Bahn“ kam sie in heftigen Conflict mit Darmstädter Bank für Handel u. Industrie, obgleich in deren Verwaltung Hansemann’s Freunde: A. v. Oppenheim, Wendelstadt, Mevissen, Königs etc. (110) Kauft noch 1873 die „Mecklenburgischen Staatsbahnen“
So Ende der Gründerperiode, d. h. 1873 die beiden feindlichen Instituten Gruppen Bleichröder-ring u. Disconto-Hansemann an der Spitze einer Reihe v. abhängigen Instituten, wetteifernd immer mehr dergleichen unter ihre Führung zu bringen. (l. c.)
Bleichröder disponirt über die 16 Mill. Th. [des] „Welfenfonds“ wovon er nur Kleinigkeit an S. Abel jun. abgiebt für Berlin-Dresden, Disconto Gesell. schöpft aus Seehandlung. Bei den rumänischen Bahnen haben beide gemeinschaftl. zu Disposition Seehandlung u. Reichshauptkasse. Beide besitzen affiliirte Banken durch ganz Deutschland, beide grosse eigne Eisenwerke, jede 2 eigne Bahnen. Höchsten Staatsbeamten geben Staatsdienst auf für den lukrativern der beiden Gesellschaften; ein Parlamentarier nach dem andern geräth in Abhängigkeit v. den Bankhäusern u. mit den wichtigsten u. geheimsten Staatsangelegenheiten betraute Beamte des Auswärtigen Amts. Bismarck u. Familie verkehren in Bleichröders Haus; Camphausen u. Scheidtmann (Seehandlungsrath) sind die Intimi Hansemann’s, so Lothar Bucher ; Delbrück begünstigt offen das verwandte Haus Leo Delbrück et Co. Hammacher , vielfacher Gründermillionair u. stiller Hauptfaiseur der nat. lib. Partei, ist Freund u. Rathgeber v. Delbrück u. Falk u. befördert schliesslich seinen guten Freund Achenbach zum Ministerposten. Lasker arbeitet f. Haus Bleichröder. Das auswärtige Amt wimmelt v. Halb- u. Ganz-Semiten. Die ganze Presse den Gründern dienstbar. Die conservative Kreuzzeitung, seit October 1872 unter Leitung des Herrn v. Nathusius-Ludom, Neffe von Scheele ⦗Hansemann-Agenten⦘ u. seine Verwante Verwandte, v. Nathusius-Hundisburg u. andre Nathusiusse ebenfalls Verwaltungsräthe v. Disconto-Ablagerungsstätten – cultivirt im Theil „Gewerbe, Handel u. Industrie“ u. in „Eingesandt“ über dem Inseratenstrich die verschämte Reklame u. nimmt alle Gründerannoncen auf. (110, 111)
III Buch. Liquidation.
1) Vorboten des Krachs
Discontogesellschaft hatte ihr Capital auf 20 Mill. Th. gebracht u. die
Provincial-Disconto mit 6 Mill. zur Verfügung.
Doch konnte sie nicht alle aufgenommenen Fonds
der Eisenbahnen u. industriellen Unternehmungen im
Tresor halten; wollte ja auch eigentlich nur den
Commissionär machen. Mit den
Milliarden, u. der Abzahlung der Staatsschulden
dadurch, kam viel Geld in’s Publicum, geneigt dies Ausdruck
von Marx.
Schließen „Papiercher“ zu kaufen, wenn nur emittirt v. „grossem
Haus“, das seine Kinder nicht im Stiche lassen dürfe“; aber, indem diese
grossen Häuser andauernde „Hausse“ machten,
konnte Publicum die
so geschwollnen Werthe nicht absorbiren, u.
die
Discontogesellschaft behielt riesige Summen v. Actien
im Kasten. Camphausen half
durch Anleihen erst v. 3 Mill. Th. zu 23/4% ohne Hinterlage aus der pr.
Staatskasse. Andrerseits discontirte u.
lombardirte er durch Seehandlung. Herr v.
Dechend
, Präsident der kgl. pr. Hauptbank, bedenklich über das
Gründertreiben; die
Gründer zogen Rittwechsel auf einander u.
discontirten sie bei der Bank; die
»Wiener Gründer«, die mit den Berlinern
zusammen „arbeiteten“
[,] setzten für 50 Mill. Th. solche
Wechsel nach Berlin ab. Schon September 1872
erhöhte von Dechend den Discont; im December 1872
refüsirte die kgl. Hauptbank
Wechsel, die offenbar nur zum „Geldmachen“ v. Gründern in Umlauf gesetzt, ohne dass „legitimes Geschäft“ zur Grundlage. Die Breslauer Handelskammer sendet nach Berlin
dagegen Beschwerdecommission bestehend aus
den blutigen Gründern
Friedenthal u. v. Ruffer. V. Benda der neben
Eugen Richter
, stets am offensten
im Parlament die Partei der Börse nahm, interpellirte
v. Dechend im Abgeordnetenhaus. Dann solcher
Druck auf letzteren geübt, dass er am 20 Dec.
1872 die
Breslauer Filiale anwies wieder Gründerwechsel
zu discontiren! Die Disconto-Gesellschaft aber schickte ganze Körbe voll
Wechsel u. Fonds nach der
Camphaus’schen Seehandlung, holte Geld dafür.
Camphausen
so direct verantwortlich für grossen
Theil der vom September 1872 ab noch in Scene
gesetzten Gründungen. In einer Wahlrede v. August
1876 sagte v. Kardorff
, seinen Angriff auf Camphausen im
Parlament rechtfertigend: „Ich hatte die Vernehmung des Bankpräsidenten Herrn Dechend beantragt, weil
während der Berathung über das Bankgesetz der
Minister
Zusatz von Marx.
Schließen ⦗Camphausen⦘
dem Bankpräsidenten darüber Vorwürfe gemacht,
dass die Bank die Ueberspeculation
begünstigt habe u. grade zu derselben Zeit
Millionen von der Seehandlung
Zusatz von Marx.
Schließen ⦗Camphausen⦘
an Handelshäuser zu billigem Zinssatze abgegeben
wurden.“ (112, 113)
Am interessantesten Miquel’s Verhalten; hielt nach Herrn v. Dechend ⦗Herbst 1872⦘ im Abgeordnetenhaus Rede über das Verwerfliche der Gründungen, warnte vor »ausländischen, rumänischen Werthen«. Das Publicum sollte lieber „hiesige industrielle Fonds kaufen“. Die „Rumänier“ waren indeed schon meist abgesetzt; wollte Publicum auf die demnächst zu emittirenden „Gelsenkirchner“ aufmerksam machen. (114)
Anfangs 1873 kracht’s jedoch an allen Ecken. Nun Spectakelstück in Scene gesetzt, um das Publikum zu beschäftigen, während man gleichzeitig ein noch nie dagewesnes Attentat auf die Staatskasse plante ⦗die „Invalidenfonds“ Campagne⦘ (114)|
22Da Wirklicher Geh. Oberregierungsrath Wehrmann, der Vortrag bei Kaiser hatte, krank u. dienstunfähig, musste ihm den Rang nach Wagener folgen; Wehrmann war Agent Hansemanns im kaiserl. „Cabinet“; er sollte den v. der Discontogesellschaft geplanten u. der Regierung „apportirten“ Plan der Gründung v. „Invalidenfonds“ dem „Herzen Sr. Majestät“ nahe legen. Schon Anfang Februar 1872 erzählte Sonnemann durch seine „Frankfurter Zeitung“, die Disconto-Gesellschaft habe 16 Mill. Th. Bergisch-Märkische u. 5–6 Mill. Th. Magdeburg-Halberstädter Prioritäten „für einen zu lösenden Invalidenfonds“ angekauft. Niemand wusste damals noch v. „Invalidenfonds“, der in fact eine »Gründung« der Discontogesellschaft ist, u. schon kaufte sie für ihn Prioritäten, die sie ihm später aufgehalst hat! Ganzes Jahr brauchen die politischen Agenten Hansemann’s um die Regierung zu gewinnen für den horrenden Plan eines sich selbst successive aufzehrenden Staatsfonds, woraus die Invalidenpensionen bezahlt werden sollten! März 1873 brachte Delbrück die Vorlage im Reichstag ein; vorher musste aber Wagener beseitigt werden, der dem König „den eigentlichen Zweck“ dieses Fonds“ enthüllt haben würde. (114, 115) Daher:
Angriff Lasker’s im Reichstag – diesem mit Gründern gespickten Haus – auf Wagener, Fürsten Putbus u. Prinz Biron v. Curland , v. wegen Gründung u. Bau der „Pommerschen Centralbahn“ u. „Berliner Nordbahn“. 1869 war Wagener Verwaltungsrath der Schuster’schen Gewerbebank, die so lang er dabei betheiligt, wirklich Förderung des Credits der Handwerker hatte. Sie hatte bis 1870 nur 1, bis 1872 nur 2 Mill. Grundkapital. 14 Aufsichtsrathmitglieder kamen pro 1869 ca 11,800 Th. Tantième. Vgl. damit Miquel-Wehrmannsche Tantièmen! Die Gründerthätigkeit der Bank begann erst 1872, das Grundkapital ward v. 1871 ab auf 6 Mill. Th. successiv erhöht. Die Bank vertheilte pro 1871 an nur noch 12 Aufsichtsräthe – unter denen Wagener nicht mehr war – 50,126 Thlr Tantième; pro 1872 erhielt der Verwaltungsrath – nur noch 9 Mitglieder – 90,000 Thlr Tantième. (115, 116)
Wagener gründete die „Pommersche Centralbahn“. Seit Jahren bemühten
sich die Kreise Dramburg-Neustettin um
Eisenbahn, wandten sich vergebens an »Financiers«, bombardirten ihren
Abgeordneten Wagener, ihnen durch Staat- od. Actienunternehmung zu
Eisenbahn zu verhelfen; 2 Landräthe theilten ihm endlich mit, ohne
solches habe er nicht auf Wiederwahl zu rechnen. Entschloss sich 1870
mit Hilfe der
Schusterschen Bank eine Bahn zu gründen.
Das
Capital bemessen auf 7,360,000 Th, halb Actien, halb Prioritäts-Stammactien für 146.5 Kilometer, d. h. auf 50,000 Th. pr.
Kilometer; viel weniger als Berlin-Görlitz,
73 000 Th. per Kilometer, Halle-Sorau-Guben
83,000 Th., Hannover-Altenbeken für die
gebauten Strecken 112,000 Th. wobei ausserdem alle 3 Bahnen ca.
die
Hälfte des Capitals
durch höher zu belegende Obligationen deckten.
Dennoch, selbst nach Lasker’s
Enthüllungen, wäre die Bahn fertig geworden, wenn die
Regierung die
Ausgabe [von] 1 Mill.
Th. Obligationen gestattet hätte. Die Bahn, wie alle
jene andern, nach dem für Privatbahnen
[,] wegen des Gesetzes v. 1838, allein
möglichen System Strousberg gebaut. Aber die Gründer
bescheidner; sie hatten sich, ihrer 3, nur 40,000 Th.
Entschädigung für ihre Mühe bewilligen lassen, Lumperei die
die Börse mit Recht als „Schädigung des
Geschäfts“ verspottete. Kgl. Untersuchungscommission
eingesetzt; Günther, Präsident
der Seehandlung an der Spitze; Ankläger Lasker
erhielt Sitz in der Commission als Richter; er greift im Commissionsbericht die
Gründerdilettanten an, schonend die
liberalen Gründer. Der Commissionsbericht über die
„Pommersche Centralbahn“ füllt 51 Seiten, der über 25 andre Bahngründungen u. Projecte nur 100! Bei
der
Wagener’schen Bank wurden alle Scheinzeichner mit Namen u. Zeichnungsbetrag
genannt, bei keiner andern wo vielmehr stets auf „Specialacten“ verwiesen, die dem Publicum niemals
zugänglich gemacht. Skrutinialverfahren gegen Wagener ergab keinen
Anhalt f. Einleitung des Disciplinarverfahrens, trotzdem musste
er aus Staatsdienst scheiden u. legte sein Mandat zum Reichstag nieder.
Bennigsen,
Kardorff, Prinz Handjery, Braun u. A. mehr
compromittirt durch den Commissionsbericht
allein, abgesehn v. ihren andern Gründungen, noch [heute] Abgeordnete od. Beamte. (116, 117)
Niemand wagte Lasker entgegenzutreten, der
Bleichröder’sche Geschäftsbücher
⦗vermittelst seines Freundes Weber⦘ kannte. „Dieser Schuss ging dicht an
meinem Rücken vorbei“, soll ein hoher Herr Zusatz von Marx.
Schließen (
Bismarck
) gesagt
haben. Elende Conservative Partei: verlangte nicht Untersuchung aller
»liberalen Gründungen«. Bismarck besuchte Wagener u. hat ihn 1874
in officieller Sendung nach Eisenach verwendet; machte ihn, durch
Verheissung von u. Aussicht auf spätere Rehabilitirung mundtodt.
(118)
Die noch unbegebnen Actien der „Nordbahn“ u. „Centralbahn“ seit
dem Skandal zu keinem Preis loszuschlagen; Regierung
versagte nach wie vor Erlaubniss zur Ausgabe von
Prioritäts-obligationen, was sie Hannover-Altenbeken u. allen übrigen
Bahnen fast ausnahmslos gewährt hatte. Sie unterstützte die
Altenbekener, Magdeburg-Halberstädter, Halle-Sorau-Gubener etc durch
Ankauf ihrer Prioritäten für die „invaliden
Staatsfonds“ noch später nach den
Laskerschen Enthüllungen;
die Posener-Kreuzburger Actien hatte schon der
„Welfenfonds“ aufgenommen; auch keine Staatsgarantie – wie später für Halle-Sorau-Guben – bewilligt;
man kaufte auch die halbvollendeten Bahnen nicht für
den Staat, liess sie in Concurs gerathen u. erstand sie
endlich aus dem Zwangsverkauf für
den Staat. Dies Präcedenz hinderte die Regierung
nicht, 1876
|23 eine Garantie f. Halle-Sorau-Guben zu geben, sondern auch
im selben Jahre den Ankauf v.
Berlin-Dresden zu beantragen. Wagener musste Parlament räumen; Prinz Biron u. Fürst Putbus blieben im Herrenhaus, obgleich letztere
geschäftliche Gründer waren, Wagener nicht.
⦗Biron nur noch bei Breslau-Warschauer Bahn betheiligt. Putbus dagegen
professioneller, wenn auch unerfahrener Gründer.⦘ Biron u. Putbus
erscheinen noch bei Hof. ⦗Putbus betheiligt bei
den
Henckel’schen Gesellschaften u. der
Halle-Sorau-Gubener Bahn; machte mit
dem geadelten Bankier F. W. von
Krause, dem Hauptimporteur der „Russen“, dem Polizeipräsidt. Berlin’s, v. Wurmb
u. a. die Schwindelgesellschaft „Flora“, jetzt in Concurs. Bei Gründung
der Nordbahn hatten Biron u. Putbus als 3ten im Bund Herrn v.
Bülow, heute pr. Staatsminister u.
alter ego Bismarck’s. Bülow wusste das factum bisher auf
unerklärliche Weise geheim zu halten, wurde auch
nicht von Lasker denuncirt.
Bemerkung von
Marx.
Schließen ⦗Dies deutet darauf hin, dass Lasker in
geheimem Einverständniss mit Bismarck gegen Wagener
vorging.⦘ (121, 22)
Strousberg sagt offen, er habe Grund zu glauben, dass die grossen Bankiers die Lasker’schen Angriffe grösstentheils veranlasst hätten. Sie erreichten ihren Zweck. Unter dem v. Lasker aufgewirbelten Staub ging „Gelsenkirchen“ in Scene u. am 22 Mai 1873 wurde der „Invalidenfonds“ – gegründet. (122)
Daneben noch gegründet ein: „Reichstagsgebäude- und ein Festungsbaufonds“. Invalidenfonds u. die 2 andern erhielten 247 Mill. Th. Capital. Sollte besondre Behörde zur Verwaltung dieser Gelder eingesetzt werden. Als sie 1 Oktober (’73) in Funktion trat, fand sie, in Widerspruch mit den klaren Worten des Gesetzes, den Fonds fast vollständig angelegt u. zwar hatte die Seehandlung auf Anordnung des Reichskanzleramtes den Ankauf besorgt; der erste Ankauf datirt v. 1 Febr. 1873, als noch gar kein Gesetz über die Stiftung des fonds vorlag! (122)
Von ungarantirten Eisenbahn-Prioritäten hatte Reichskanzleramt angeschafft 92,658,300 Th. nominell. Die zur Verwaltung der fonds eingesetzte Behörde kaufte noch für 1 Mill. Th. dazu. Preise sehr hoch, durchschnittlich 991/2% für 41/2% ungarantirte Prioritäten. Man kaufte solche Papiere noch mehr, so dass die 3 Fonds deren besassen im October 1875 für 3221/2 Mill. Mark. Das Geschäft wurde gemacht nach dem bei allen Gründungen beliebten Schema ⦗Sieh Glagau I, Seite 47⦘ Die Disconto-Gesellschaft besitzt 242 Mill. Mk. Prioritäten verschiedner Bahnen, die sie successiv u. ziemlich wohlfeil, sage durchschnittlich zu 95% erworben; sie setzt sich in Verbindung mit der kgl. pr. Seehandlung, die ihr diese fonds zu 991/2% abkauft; diese schmiert selbige Papierchen an – dem Reichskanzleramt, welches einen Invalidenfonds placiren soll u. wie Geheimrath Michaelis sagt, nicht wusste, wo es Papiere herbekommen sollte. Diesem Fonds nun lässt die Seehandlung die für 991/2% erworbnen Prioritäten zu 995/8% u. dann kann Minister Delbrück im Reichstag „wahrheitsgemäss“ erklären, die Fonds seien alle v. der Seehandlung gegen sehr mässige Provision erworben! (123)
April 1873 noch ein 4t fonds gegründet durch Gesetz zur
Dotation der preussischen Provinzen in
Höhe v. 18 Mill. Mark vorläufig unter Verwaltung des Herrn
Camphausen
. (123) Bei
den Debatten über die 3 Reichsfonds [hatte man] vor allem betont die
Sicherheit der Anlage, schloss jedoch landschaftliche Pfandbriefe v. der Ankaufsfähigkeit
aus, gestattete „vorläufig“ Ankauf v.
Eisenbahnprioritäten. Für den
Provincialfonds war »gesetzlich« die
Belegung in solchen fonds nicht gestattet; er hätte also v. Camphausen
„pupilarisch pupillarisch sicher“ angelegt werden müssen. Passte Hansemann’s Freund nicht; er holte sich
einige Abgeordnete, die Juden
Lasker
u.
Friedenthal
u.
einige andre Freunde derselben, consultirte mit ihnen, wie man diese
Millionen am besten „fructificire“; sie hatten
Prioritätcher zu kaufen
Schließen kofe. Geschah. Disconto-Hansemann lieferte:
-
an die 3 Reichsfonds:
- 961/2 Mill. M. Prioritäten der fusionirten Hannover-Altenbekener u. Magdeburg-Halberstädter Bahnen,
- 93 Mill. M. Köln-Mindener, 46 Mill. M. Bergisch-Märkische
- an Provincialfonds: 3 Mill. M. Hannover-Altenbekener u. 3 Mill. M. Berlin-Görlitzer; ⦗für diesen fonds hängte noch auf 1.8 Mill. M Halle-Sorau-Gubener die „Berliner Handelsgesellschaft[“] (Conrad, v. Bleichröder )⦘
Bei einem Posten v. 66 Mill. M. Magdeburg-Halberstädter „verdiente“ Discontogesellschaft nachweislich 1,800,000 M. Ihr ganzer Profit auf Staatskosten an diesem 4 fondshandel muss kolossal sein. Die mit solcher Staatsunterstützung – weiter ist zu theurer Ankauf der Prioritäten nichts – begnadeten Bahnen schon z. Th. v. Strousberg u. seinen aristokratischen Helfershelfern geplündert, z. Th. v. Discontogesellschaft, meist v. beiden. Zeit musste kommen u. kam wo Regierung ihre Verluste an den Papieren dieser faulen Bahnen nicht mehr vertuschen konnte. (124)|
2) Krach u. Staatshülfe.
Mai 1873 Wiener Krach, ohne grossen Einfluss auf
»Berliner Börse«. „Viel solidere Verhältnisse“
Bei Meyer, S. 125: daheim
Schließen im neudeutsch-pr. heiligen Reich.
Die gegründeten Unternehmungen liefern den
Actionären nicht nur nicht die landesüblichen Zinsen; klar,
weil grosser Theil dieses Capitals nicht in
den Gründungen „arbeitet“, sondern in der
Tasche der Gründer; andrerseits die Objecte
der Gründung meist zu leichtsinnig u. kostspielig
verwaltet; aber das ist keineswegs limit der misère, gar kein
Zins. Geschäft schlechter u. schlechter seit 3 Jahren; Zusatz von Marx.
Schließen ⦗Verlust des Capitals massenhaft
obendrein f. die Actionäre⦘ (125)
Die grossen Gründerhäuser, deren Tresors voll „industrieller Werthe“ aber v. sonst nichts, empfinden
die Krisis schwer. Publikum verarmt v. Monat zu Monat u.
Vertrauen fort selbst in die „feinsten u. grössten Häuser“.
(127) Letztre konnten trotz der riesigsten Opfer den
Cours ihrer eignen Papiere nicht hoch halten.
Disconto-Commandit-Antheile sanken v. 350
auf 110%; die in Tresor der Gründerhäuser liegenden „Werthe“ unverkäuflich, brachten dazu meist
keine od. geringe Dividende; einige Unternehmungen, bes. Eisenbahnen mit
Bankerott drohend. Bei Meyer, S. 128: Eine grosse Anzahl von
Gründern, nämlich solche, die keine politische Macht hinter sich
hatten
Schließen Die nicht „politisch“ gedeckten Gründer
u. nicht aus Staatskasse
subventionirten schon pleite. Die Millionäre schrien
nur noch Staatshilfe, wurde gewährt.
Ausdruck von Marx.
Schließen Börsensocialismus!
Gewährt freundlichst
v. Reichskanzleramt, pr.
Ministerium, v. Landtag u. Reichstag. Ueberall da Freunde, Agenten,
Complicen der Gründer! Reichsregierung kam
der Börse zu Hilfe durch Münzgesetz; Silberentwerthung u. Treibung
des Goldagio’s. Bankiers, namentlich die
patriotischen Häuser Plaut, Warschauer u. A. kauften die
so eben geprägten neuen Goldmünzen auf,
schickten dafür Silber in die Staatskassen, schmolzen
die Goldmünzen ein u. verkauften die Barren
theurer an die Münze, als sie die geprägten Münzen
gezahlt hatten. Viele Millionen Thaler so hängen geblieben an
den Händen dieser „Arbitrageurs“, Dank der
Münzpolitik Delbrücks u. Camphausens. (127, 128)
Dann Aufhebung der kgl. pr. Hauptbank , die z. Th. mit Privatmitteln, z. Th. mit Staatsmitteln dotirt war; dafür Deutsche Reichsbank nur auf Actienkapital gegründet. Wieder grosse Agiotage getrieben v. denen, denen es gelang mit Reichsbankactien bedacht zu werden. Grosse Summen dabei verdient. Man kennt noch nicht die Liste der mit Antheilscheinen Begnadigten. Bei der Reichsbank der Haupteinfluss gegeben den Grosscapitalisten. Der »engere Ausschuss« verfügt über die Geschäftsführung. Er besteht aus:
1) Gerson v. Bleichröder . 2) Gelpcke (Berliner Handelsgesellschaft) 3) Zwicker (Gebrüder Schickel Schickler) 4) Warschauer; 5) Plaut; 6) A. Meyer (E. J. Meyer) 7) S. Behrend (Gebrüder Behrend et Co.) 8) Arndt (E. N. Engelhard) 9) A. Borsig; 10) Mendelssohn; 11) A. v. Hansemann alle in Berlin. 12) M. C. v. Rothschild (Frankfurt) 13) Th. Stern (Frankfurt) 14) Rauers (Hamburg. Norddeutsche Bank) 15.) Abr. v. Oppenheim (Köln)
Sachsen, Hessen u. Süddeutsche klagen, dass der Hauptbank, mit so bedeutenden Monopolen in ihren Landen, nur Berlin-Frankfurt-Hamburger Finanzmagnaten vorstehn. Die Bank selbst in That Monopol einer engbefreundeten Gründerclique. Bleichröder , Zwicker, Borsig, A. Meyer, Mendelssohn, Gelpcke, Warschauer, Oppenheim sitzen in Berliner „Handelsgesellschaft“; Warschauer, Gelpcke, Mendelssohn, Zwicker, Arndt, Behrend, Meyer im Berliner „Kassenverein“; Bleichröder, Hansemann , Gelpcke, Henoch, Zwicker, in Berliner „Immobilien-Actien-Gesellschaft“; Hansemann u. Bleichröder sind abwechselnd Agenten v. Rothschild; Hansemann ist verwandt mit Oppenheim; Bleichröder u. Hansemann sind durch viele Geschäfte in der v. Rauers geleiteten Bahn Bank verbunden; 10–12 v. diesen 15 Herren – Juden.
Die 15 Stellvertreter sind: 1) L. W. Simon (im Kassenverein); 2) Liebermann; 3) Schüler (F. M. Magnus) 4) Julius Bleichröder (Neffe v. Gerson Bleichröder) 5) R. Hardt (Discontogesellschaft) 6) Ravené (Hansemann’s Schwager) 7) G. Keibel. 8) v. Eckardstein (Semit, Disconto-Gesellschaft) 9) Th. Sarre; 10) B. Simon (Veit et Co.) 11) Meyer-Cohn. 12) E. Riess (Kassenverein) 13) S. Simonsohn. 14) Helfft (Discontogesellschaft u. Cassenverein) 15) Henoch. Lauter Berliner, darunter 9 Semiten od. Vertreter jüdischer Bankhäuser. Diesem Rattenkönig die Kaiserl. Deutsche Reichsbank ausgeliefert, das Geschöpf von Bamberger - Delbrück - Camphausen . Diese Berliner Juden u. Judengenossen haben nicht nur selbst jeden Credit bei der Bank, als Inhaber vieler Antheilscheine den höchsten Nutzen v. ihren Geschäften, sondern machen für’s ganze Reich den „Preis des Credits“, vertheuern od. verwohlfeilern ihn nach Bedürfniss, da Bankdiscont normalen Preis |25 des Credits angiebt. (128–30)
Nun nackter Börsenlassalleanismus, i. e. unverschleierte Subvention grosser Speculanten (wie in den letzten Jahren des Empire) mit Staatsmitteln. „Berliner Stadtbahn“: Abg. Hammacher die Seele der „Deutschen Eisenbahnbaugesellschaft“; sollte namentlich Eisenbahnen in grossem Styl bauen; für Concessionen durch ihre Verbindungen gesorgt. Strousberg erzählt, dass Hammacher u. Paderstein ihm eine Concession, die Hammacher durch seinen Einfluss sich verschaffen wollte, um einen grossen Preis hätten verkaufen wollen. Gegründet die Gesellschaft 1872 v. der „Deutschen Union-Bank“ (fortschrittl. Abgeordneter Stadtrath Hagen, nationallib. Abg. Dr. Hammacher, W. v. Krause, nationallib. Abg. Dr. Braun etc), der „Internationalen Bank“ zu Hamburg (Godeffroy, Westenholz), der Mitteldeutschen Creditbank (Oberländer, nationallib. Abg. G. Müller ), dem schlesischen Bankverein (Graf G. Henckel von Donnersmarck, Prinz Carl Hohenlohe , Graf Hoverden, Graf Schaffgotsch, Schweitzer), Henoch und Goldschmidt u. G. Müller. Die Neue Gründung geleitet u. berathen v. Consul G. Müller, Wirk. Geh. Oberregierungsrath u. vortragendem Rath im Reichskanzleramt Hartwig, der seinen Dienst quittirte aber Einfluss behielt, Baurath Mellin, Sohn des früheren Generalbaudirectors v. Preussen, Herrn Hammacher u. verschiednen Bankiers. Actiencapital wurde gebracht auf 6,100,000 Th. Gesellschaft übernahm den Bau verschiedner Bahnen, die sie aber nicht fertig stellen konnte, erwarb die Concession zur Berliner Stadtbahn; sollte vom Ostbahnhof nach Charlottenburg durch ganz Berlin od. vielmehr drüber wegführen. Hierbei colossal „gemacht“. Man kaufte zu fabelhaften Preisen für ca. 12 Mill. Th. Grundstücke in Berlin. Einige Commissionäre wurden allein hierbei durch die bewilligten 2% Provision zu reichen Leuten. Die II. Emission v. Baubankactien, durch die das Capital auf 20 Mill. Th. gebracht werden sollte, scheiterte. Gesellschaft konnte ihren Verpflichtungen nicht nachkommen, stand vor Bankerott. Wandte sich an den Staat um Hilfe; er gewährte sie; namentlich Miquel im Parlament für das Project. Bahn sei militärische Nothwendigkeit, bei Krieg mit Russland könne die Armee v. Westen 4 Tage schneller durch Berlin befördert werden als ohne diese Bahn etc[.] Patriotisches Mäntelchen für’s eigne Geschäft. Miquel betheuerte, f. den Staat sehr vortheilhaft zuzugreifen, würde ihm sonst sehr theuer kommen bei der steigenden Grundstückconjunctur. ⦗Staat hätte es kurz nacher nachher zu halbem Preis haben können; Grundstückconjunctur, dass v. Woche zu Woche 53 Subhastationen v. Berliner Stadtgericht ausgeschrieben.⦘ Kam durch Gesetz eine neue Actiengesellschaft „Berliner Stadt-Eisenbahn“ zu Stand, wobei sich Staat als Actionär betheiligte. Staat Preussen sollte geben 7, die Berlin-Potsdam-Magdeburger Bahn 2, die Magdeburg-Halberstädter 2, die Berlin-Hamburger 1, die deutsche Eisenbahnbaugesellschaft 4 Mill. Th. Die Grundstücke wurden der Gesellschaft zu 10% unter Buchwerth, d. h. zum 3 × etwa des heutigen Werths abgenommen. Schon jezt evident, dass weder die Magdeburg-Halberstädter Bahn noch die Baugesellschaft ihre Quote zu zusammen 6 Mill. Th. zahlen können, dass der Anschlag viel zu niedrig ist, u. der Staat wohl noch 15–20 Mill. Th. wird zahlen müssen. Die Baugesellschaft aber so grundliederlich verwaltet, dass ihre Actien trotz dieser enormen Staatshilfe – 9% notiren. (130–32)
2) 3) Die feindlichen Brüder.
Discontogesellschaft constatirt in ihrem Geschäftsbericht für 1873: Eisenbahnprioritäten „traten um so gesuchter“ im Laufe des Jahrs „in den Vordergrund, als sich zur Anlage gewisser Categorien dieser Effecten durch Errichtung des Reichsinvalidenfonds u. ähnlicher Fonds ein grösseres Absatzgebiet eröffnete“. Die grösseren Posten Prioritäten ausschliesslich v. der Discontogesellschaft geliefert; keine Bleichröder’schen „Werthe“, weder Posen-Kreuzburger, noch Weimar-Geraer im Invalidenfonds“. (133) Bösest nun Gerson, der schon sehr bös gewesen wegen Hansemann’s Eindrängung in die Rothschild’sche Agentur u. alleiniger Ausbeutung des Publicums bei der Dortmunder Union, u. nun erhielt er fast nichts vom Raub an den „4 invaliden Staatsfonds“? (133)
Die
Disconto Gesellschaft war intim mit
Camphausen
;
das Haus Leo Delbrück u. Co.
natürlich mit Minister Delbrück;
die beiden Gründerhäuser näherten sich; Camphausen und Delbrück sehr befreundet;
Bismarck
, für seinen
Gerson
Bleichröder
, hatte auch mehr Sympathie für
den
Chef der parlament. Cohorte
Bleichröder’s, v. Kardorff
, der freiconservativen, Minister- u.
Botschafter[-]Fraction angehörig, |26 als für die national-liberalen u. gar die
uneingestandnen fortschrittlichen Stipendiaten
Hansemann’s. Schon dem
Bismarck die Coterie Delbrück-Camphausen, die eigne parlament. Partei besass,
unbequem, diese jedoch noch zu mächtig zur öffentl. Bekämpfung. Krieg begann hinter den
Coulissen. Zunächst die Disconto-Gesellschaft noch siegreich u.
voll mit grössren Hoffnungen. Je fühlbarer sich Crise machte im Verlauf v. 1873, desto
mehr begriff Discontogesellschaft, dass Plan für
jetzt gescheitert Staatsbahnen in Actienbahnen
zu verwandeln. Auch Haus Rothschild strebte
seine enormen Bahnengagements los zu werden; beide befreundete Gruppen
kamen auf Gedanken diese Verpflichtungen auf Staat
abzuwälzen. Rothschild hat inzwischen
die lombardischen Bahnen an den Bei Meyer, S. 134:
italienischen
Schließen italischen Staat verkoft. (133,
134)
Hansemann
beschloss der Reichsregierung allmälich allmählich die Idee des
„Reichseisenbahnsystems“ »apportiren« zu lassen.
Also Reich sollte alle Bahnen kaufen, aber theuer, damit was zu »verdienen« an das Geschäft. Plan also geheim
gehalten. Erst „reichsfreundlich“ agitirt, Macht
des Kaisers in Vasallenstaaten müsse vergrössert werden;
namentlich „Reichseisenbahnamt“ zu schaffen mit
strenger Oberaufsicht über alle Eisenbahnangelegenheiten im ganzen
Reich; Bei
Meyer, S. 134: Der Gedanke fand bei der centralisationslustigen
Reichsregierung Beifall.
Schließen der Köder lockte den
„centralisirenden“ Bismarck
; Mitte 1873 das
„Reichseisenbahnamt“ geschaffen u. übertragen
dem 1869 aus Staatsdienst getretnen Scheele, betheiligt bei allen schwindelhaften Gründungen
der Discontogesellschaft. Die Zeitungen rühmten
den Patriotismus Scheeles, der auf mehr als 60,000 Th. jährl. Einnahme bei
Discontogesellschaft u. affiliirten Instituten verzichtete, u.
sich mit 5000 Th. Reichsgehalt begnügte. Er
hatte indeed so viel „verdient“; war Verwaltungsrath in: „Disconto
Gesellschaft“, „Dortmunder Union“,
„Erste Pr. Hypotheken Aktiengesellschaft“, „Pr.
Central-Bodencredit-Actiengesellschaft“, „Provinzial
Discontogesellschaft“, „Rumän. Eisenbahnactiengesellschaft“,
„Berlin-Anhalter“, „Magdeburg-Halberstädter“ u. einigen andren Bahnen.
Diesen blutigen Gründer stellte die
Reichsregierung mit Ministerrang an. (134, 35)
Nach diesem Sieg plante Hansemann
den Staat ganz unter seine Gewalt zu bringen:
Miquel
an
Stelle Delbrück’s sollte werden Präsident des Reichskanzleramts u. v.
Bennigsen
Minister des Innern! Erster Rath im Staatsministerium, nach Wehrmann’s Abschied war Schumann, früherer Verwaltungsrath
der Discontogesellschaft; als der 1876 [abtrat,] sollte
Lothar Bucher
Understaatsekretär Unterstaatssekretär u. vortragender Rath bei Bei Meyer, S. 135: Sr.
Majestät
Schließen
Wilhelmchen
werden. Am Sturz
Delbrück’s arbeitete das feindliche
Brüderpaar Disconto-Bleichröder wieder
gemeinschaftlich. Bleichröder sass auch fest mit
Weimar-Gera u. Posen-Kreuzburg, konnte also Ankauf aller Bahnen durch’s Reich
gut gebrauchen. Ausserdem hatte er seinen kleinen Privatplan. Als Hauptbesitzer v. Laurahütteactien lag ihm am Steigen der Eisenpreise. Delbrück war
Freihändler u. setzte 1873 im Reichstag den Beschluss durch,
dass v. 1 Jan. 1877 ab jeder Eisenzoll fallen
solle. Geschah dies, so musste Eisenpreis noch tiefer sinken.
Laurahütte, etwa 2, höchstens 3 Mill. Th. werth,
ist mit 9 Mill. Actiencapital belastet, diese
mussten fast werthlos werden; Bleichröder wurde
plötzlich Schutzzöllner, sein politischer Macher,
v. Kardorff
,
studirte
Carey
u. debütirte 1875 mit
der schutzzöllnerischen [Broschüre]: „Gegen den Strom“,
griff fortan wiederholt Delbrück u.
Camphausen
im Parlament an, Bleichröder that dies in „seinen Vorträgen“ bei Bismarck u. der v. ihm
abhängigen Presse. Delbrück, als Stockbüreaukrat, hatte in Parlament weniger Anhang als Camphausen, der liberale
constitutionelle Musterminister. Auch Delbrück, womit Bismarck öfter zu
thun hatte als mit Camphausen, ihm noch unangenehmer geworden; also
leichter zu stürzen; gegen ihn die ersten Angriffe. Bleichröder als Geh. Rath Zusatz von
Marx.
Schließen (Geldrath) u. polit. Vertrauter Bismarcks u. Verwalter
des Welfenfonds viel Einfluss in
auswärtiger Presse, die vornehmlich gespeist aus den Revenuen des Welfenfonds; benutzte
das, um 1874 über Delbrück folgendermassen in
Wiener Blatt herzufallen:
„Man fängt (im Reichskanzleramt) an einzusehen, dass Deutschland v. seinem wachsenden Geldreichtum Geldreichthum bisher keine Früchte gezogen, sondern nur bedauerliche Folgen verspürt hat. Man erlaubt sich die Verwendung der Entschädigungsgelder einer Kritik zu unterwerfen … Man fragt sich ferner, ob die letzten Massnahmen, statt auf rein kameralistischem, nicht lieber auf kaufmännischem Wege hätten versucht werden sollen ⦗ Bleichröder würde die Milliarden ganz anders ‚fructificirt‘ haben⦘. Man hat auch die handels- u. verkehrspolitischen Massregeln, die Herabsetzung der Eisenzölle, die Tariferhöhungen der Eisenbahnen in’s Auge gefasst, u. die Dinge von einem andern als dem bisherigen Standpunkt zu beurtheilen versucht. An diese sachlichen Gründe reihen sich persönliche. Von den Differenzen zwischen Bankpräsidium (Dechend) u. dem financiellen spiritus rector ( Camphausen , Delbrücks Freund) der Reichsregierung ist schon Manches in’s Publicum |27 gedrungen. Auch über die Spannung des letzteren (Delbrück’s) mit dem grössten deutschen Bankhause (Rothschild) wusste man viel zu erzählen. Gleichzeitig ist aber gerade der Berliner Vertreter jenes Bankhauses (der geheime Rath Gerson v. Bleichröder) eine persona gratissima an maassgebender Stelle. Dass sich aus alledem ein Dekorationswechsel anbahnt, kann als Thatsache angenommen werden.“ (135–37)
Miquel
präparirte sich auf die Delbrücknachfolge; legte November
1873 seine Directorstelle in der Discontogesellschaft nieder,
blieb nur noch Verwaltungsrath, um nicht direct vom Gründer- auf
den Ministerstuhl zu steigen. Ausserdem kam ihm status
der Bank „faul“ vor, wollte bei Krach als persönlich
haftender Gesellschafter nicht sein so schnell erworbnes fürstliches
Vermögen riskiren. Zog sich in den weniger verantwortlichen
Verwaltungsrath zurück. Scheele aber ging an
Bei Meyer, S. 137: seine eigentliche
Aufgabe
Schließen die „Arbeit“. Nach preuss.
Eisenbahngesetz hat Staat, wenn er eine Bahn kauft, wozu er
nach gewissen Jahren das Recht hat, 25 × den
Durchschnittsertrag der letzten 5 Jahre der Bahn baar
zu zahlen. Einzige That Scheele’s nun, eine Frachttariferhöhung von 20% durchzusetzen. Die
Brutto-Eisenbahn-Einnahme betrug 1873 = 610 Mill. M., wovon 65% auf Güterverkehr. Der
Nettoertrag war 180.9
Mill. M. Man rechnete, dass die
Tariferhöhung den Ertrag des
Güterverkehrs um 15% u. die
durchschnitl. durchschnittliche Reineinnahme aller deutschen Bahnen von 4.1 auf 5.5,
also um 1.4 erhöhen würde. Dadurch also Preis für Reich od. Staat, wenn
er die Bahnen nach dem pr. Eisenbahngesetz kauft, um
35% erhöht; nun konnte Scheele schon 1874 sein Amt wieder niederlegen, brauchte nicht
weiter sich »persönlich« zu opfern durch
exchange v. 5000 Ministergehalt gegen 60,000 Hansemanngehalt. Die
Leo Delbrück’sche Coterie wünschte ihren Director der
„Deutschen Eisenbahnbaugesellschaft“
Hartwig zu seinem Nachfolger zu machen. Nischt!
Ein Beamter, Maybach, trat an Scheele’s Stelle. (137, 38)
Die Eisenbahnen müssen Postsachen gegen mässige feste Gebühr befördern. Um Einnahmen der Eisenbahnen zu erhöhen, daher den vom Staat zu fordernden Preis dabei[,] forderte man liberaler Seits im Parlament die Post solle wie jeder andre Frachtgeber zahlen. Stephan rief: „das Reichsfass solle wieder einmal angezapft werden“ ⦗Ganz wie Itzenplitz gesagt: „Er habe keine Actien, aber die Börse wisse recht gut, welcher Minister solche besitze“⦘. Trotz Eugen Richter’s heftigem Plaidoyer dafür scheiterte dies neue Experiment. Dagegen Bismarck ganz gewonnen für Ankauf aller Bahnen an Reich; da dabei heftigster Widerstand im Bundesrath, beschloss er zunächst die pr. Privatbahnen für den Staat Preussen zu kaufen, um später diese „für den Kosten u. Erwerbspreis“ ans Reich zu überlassen. Auch dieser Gedanke war „apportirt“. (138)
Der Ring convenirte den Erwerb nach dem pr. Eisenbahngesetz, nachdem er den rechnungsmässigen Reinertrag durch Scheele »emporgeschraubt«. Börse discontirt schon den Raub; anders die Hausse in „Hannover-Altenbekener“ u. andern Bahnactien nicht erklärlich. Der Haupteisenbahnbesitzer Flau (Disconto-Bleichröder) will seine Bahnen an das Consortium Fuchs u. Wolf (Deutsches Reich) los sein. Flau verkauft sie an den Gründer Bär (Staat Preussen) zum 25 × des künstlich erzeugten Reinertrags, macht hier seinen „correcten“ Schmu. Bär überlässt grossmüthig das Gründungsobject an das Consortium Fuchs u. Wolf (Deutsches Reich) zum Selbstkostenpreis. So idem war beim Invalidenfonds. (139)
Die Seehandlung beim Invalidenfonds u. Staat Preussen beim Reichsbahngeschäft spielen die Rolle des Gründercommissionärs u. Scheinkäufers. (l. c.)
⦗Staat heute schon Krupp’s u. Grüson’s Gläubiger“ (142[)]⦘
Das
„Reichsbahneisenproject Reichseisenbahnproject“ im September Zusatz von
Marx.
Schließen (1876?) dem Reichskanzler in andrer Gestalt »apportirt« v.
der reichsfreundlichen Handelskammer zu Elberfeld; nämlich:
Gründung einer „Reichs-Eisenbahn-Actien-Gesellschaft“, der alle
Privatbahngesellschaften u. auch die Staaten u. das Reich als
Actionäre beitreten. Reich garantirt
den Inhabern der
unificirten Eisenbahn-titres Rente v. 3% u.
theilt den
Ueberschuss über 41/2% mit den Actionären. (143)
Die unificirten Reichseisenbahntitres wieder die Obligationen
des
Credit mobilier. Aber neu: das Reich selbst der grösste Actionär,
garantirt den übrigen Actionären Minimum v. 3% Rente. Ganz neue
Form v. Actiengesellschaft u. Crédit mobilier zugleich! (144) Diese Idee
kam auf, weil die
misslungene 100 Millionen Staatsanleihe Preussens für
Eisenbahnzwecke v. Sommer 1876 den Bankiers
den Beweis geliefert, dass der
Staatscredit Preussens Dank der „genialen“
Politik Bismarcks seit 10 Jahren bereits im Versagen u. Versiegen ist.
Denn keine gewaltige Reichsanleihe v. 6 Milliarden Mark mehr möglich,
jedenfalls nur mit enormem Coursverlust placirbar, so thunlich noch für
Reihe v. Jahren jährlicher Zuschuss, eine Garantiesumme, beschaffbar wenn nicht auf Weg
der Steuern, so durch alljährlich
wiederkehrende Staatsanleihe. Oesterreich zahlt bereits
jährlich 26 Millionen Gulden Garantiesubvention f. Privatbahnen. Dabei
in diesen neuen „Werthen“ (Titres der Reichsgesellschaft) noch
nicht dagewesne Agiotage in Sicht! (144, 45)|
Nach Hübner’s Tabelle pro 1876 hatte Deutschland 12,063 Kilom. Staats- u. 15,894 Kilom. Privatbahnen; die letztren hatten nach Ausweis des Reichseisenbahnamtes u. mit Abrechnung einiger kleinren Strecken ult. Juni 1876 schon 16,393 Kilom. Länge. Also rund 17,000 Kilom. Privat u. 13,000 Kilom. Staatsbahnen. Nach Bericht desselben Amts kosten die dort in Rechnung gestellten PrivatBahnen durchschnittlich pro Kilom. 263,000 M. Nimmt man diesen Preis auch für die Staatsbahnen an, so ein Actiencapital von 7,890 Mill. M., wovon 3,439 Mill. M. Staats- u. 4,451 Mill. M. Privatactien sein würden. Die Garantieverpflichtung des Reichs wäre dann = 133.5 Mill. M. jährlich. Diese intressante „Reichsbahn-actiengesellschaft“ würde ein Gegenstück zur „Reichsbank“ sein. (144)
4) Die „deutsche Eisenbahnzeitung“.
Zuwendung grosser Inserate war ein Modus der Pressbestechung, wurden blos gegeben bei »directer Reclame« in »redactionellem Theil[«]. Speciell Reclame in den „Börsenartikeln“, Verzeichnung jeder Hausse v. Disconto, Laura, Dortmunder Union etc. Einflussreiche Blätter verlangten u. erhielten mehr, „Betheiligung“ am Gründergeschäft; man überliess ihnen Actien al pari, ohne dass sie Einzahlung zu leisten. Wickelte Gründerconsortium Geschäft ab, so erhielt der Betheiligte das „Agio“. Scheiterte die Gründung, so nahm der Pressmensch die Actien nicht ab, hatte also keinen Verlust. Endlich „Revolverpresse“ presst den Gründern Subvention ab durch Drohung mit Enthüllung des Schwindels etc. (146, 147)
Aus unbedeutendem Localblatt Charlottenburg’s
entstand Blatt unter Titel: „Deutsche
Eisenbahnzeitung“; Redaction siedelte 1874 nach Berlin über; geleitet v.
Joachim
Gehlsen
, hatte früher als Buchdrucker die
Welt durchwandert; stellte sich offen zum Zweck das Geheimniss
der
Lasker’schen
Enthüllungen zu enthüllen. (147) Erster Fonds zur Begründung
des Blatts geliefert v. 2 jüdisch
liberalen Gründern, S. Abel jun. u.
Bankassessor Löwenfeld. Abel
jun. „financirte“ die
Berlin-Dresdener Bahn; niemand kaufte fonds
junger Bahnen nach der Ausdruck von Marx. Bei Meyer, S. 148:
Laskers Enthüllungen
Schließen Laskeriade; Abel sah Bankrott vor Augen
trotz Unterstützung aus Welfenfonds, wenn Lasker nicht »enthüllt«, half
daher die
„Eisenbahnzeitung“ gründen. Redaction begann
damit Lasker’s Anklagen auf ihren Gehalt zu reduciren, wies nach
die in gröberm Massstab (v. Lasker
getadelten) Praktiken bei allen Bahnbauten
des letzten Jahrzehnts; verübt v. den
liberalen Gründern mit Vorwissen der Regierung.
Andrerseits lenkte sie Aufmerksamkeit des Publicums auf
die eigentliche Gründerei v. 1874. Nun seit December 1874
Otto Glagau in „Gartenlaube“. 90% aller Gründer seien Juden. Auch die von
Agrarier „Niendorf“ geleitete „Deutsche Landeszeitung“ Feldzug gegen die Juden u.
Gründer ⦗was jedoch einschlummert seit Begründung der
„deutsch-conservativen Partei[“]⦘. Die
Staatsbürgerzeitung hin u. wieder sehr gute
Artikel über die
„Plünderung“ des Invalidenfond,
Corruption in der
„Redaction der Nationalzeitung“ u. Feilheit v. „Sonnemanns“ Frankfurter Zeitung. (147–49)
Eisenbahnzeitung beschränkte sich bis Frühjahr 1875 auf die jungen Bahnen,
enthüllte Lasker’s Freunde u. Parteigenosse Parteigenossen, Ausdruck von Marx. Bei Meyer, S. 149:
Braun-Wiesbaden
Schließen „Unser
Braun
“,
v. Bennigsen
, Adikes, die Freiconservativen Graf Münster, v. Kardorff
. Darauf untersuchte sie
die
Hypothekenbanken, gelangte endlich zur Disconto-Gesellschaft u. die ihr v.
Staatsregierung u. Parlament geliehne Unterstützung. Juni 1875 veröffentlichte
Gehlsen
einen Artikel „Camphausen-Hansemann“, der das
skandalöse Verhältniss offenbarte. Am 1 August
(’75) publicirte er den ersten Artikel einer ganzen Serie mit
Ueberschrift: „Der
Schwindel en gros u. die Rumänische Eisenbahn-Actien-Gesellschaft“;
dabei deren Gründer Hansemann, Bleichröder, Miquel,
Scheele etc rücksichtslos angegriffen; sie wagten ihn nicht zu
verklagen; statt dessen verklagte Staatsanwalt
wegen „Beleidigung“; Verurtheilung des
Redacteurs in 2 Instanzen, aber Gehlsen beantragte ein Criminalverfahren gegen die
Denuncianten. Der Versuch der
„Discontogesellschaft“ seine Artikel als Erpressungsversuch darzustellen
scheiterte gänzlich vor Gericht. Gleich nach erstem Termin in diesem
Skandalprocess brachte „Nationalzeitung“ einen
Artikel über den
„politischen Wahnsinn“; jetzt herrsche
Verfolgungs- od. Denunciationswahnsinn. (148–50)
Später die
„Eisenbahnzeitung“ umgetauft in „Reichsglocke“; als diese die
Enthüllungen über die Plünderung der Staatsfonds
brachte, brach ganze Meute los von „Norddeutsche
Allgemeine“ bis „Tribüne“, officiöse u.
nationalliberale Blätter. Alles das druckte die
„Eisenbahnzeitung“ ab. Die Artikel über
die Staatsfonds mit Absicht so geschrieben, dass sie Minister u.
Abgeordnete beleidigten u. sogar dem Staatsanwalt gedroht mit
Verfahren des Journalisten Mandt in
Brüssel gegen den Oberprocurator, als er (Mandt) Lagrand u. das ihm günstige Ministerium stürzte. Bei Meyer,
S. 151: […] es ist dem Blatt, trotz einer wahrhaft kynischen
Schreibweise, bisher nicht gelungen, „die Beraubung des Staats
durch die Disconto-Gesellschaft und Bleichröder“ in irgend einer
Form vor die Gerichte zu bringen.
Schließen Konnte mit allem „Cynismus“ jedoch(?) nicht „vor
Gericht“ bringen.
Bei Meyer, S. 151: Verfasser
Schließen
R. Meyer
unterstützte literarisch den
Gehlsen v. October 1875 ab. Desswegen er vom „klassischen Gründer“, Abg. L.
Bamberger
(für Bingen Abg.) im Reichstag als
„Revolverjournalist“ denuncirt. |29 Kniff aus, als Meyer ihn
auf Pistolen forderte. Meyer wegen der Herausforderung
verklagt, erklärte Bamberger vor Gericht als „satisfactionsunfähig“. So schon „geohrfeigt“ Pr. Geh. Oberregierungsrath u. Oberbürgermeister a. D. Kieschke
, Director der „deutschen
Baugesellschaft“ (
A.
Delbrück
, G. Halske, E.
v. d. Heydt, B. Oppenheim), Gründer des
Kaiserhofs u. Hauptunterstützer Lasker’s bei Angriff auf Wagener. (151–53) ⦗Dieser geohrfeigte Gründer (Glagau I, p. 212) declamirte in Reichstag gegen
„Staatshülfe u. Schädigung des
Nationalvermögens“⦘
Vom October 1875 Artikel in der „Eisenbahnzeitung“ v. anonymen Personen aus den höchsten Gesellschaftsschichten theilweis der Diplomatie angehörig. Gegen Bismarcks auswärtige u. Wirthschafts Politik. Ditto R. Meyer’s Artikel 3/4 Jahr seit October ’75, namentlich die Kritiken über die Belegung der Staatsgelder in faulen Papieren u. das System Delbrück-Camphausen-Hansemann. (153) ⦗hatte die Arbeit schon 1870 in der Berliner Revue begonnen.⦘
Herbst 1876: v. Diest Daber erschien Broschüre: „Der sittliche Boden im Staatsleben“, enthüllte namentlich auch den Lasker, auf Grund dieser Broschüre beschuldigte die „Deutsche Reichsglocke“ Bismarck offen einer Consortialbetheiligung in gewinnsüchtiger Absicht bei Gründung der „Pr. Central-Boden-Credit-Actien-Gesellschaft“, provocirte Verleumdungsklage desselbigen. (154)
5) Blossstellung der Regierung
Schon Mai 1875 machte die „Eisenbahnzeitung“ aufmerksam auf die auffällige Begünstigung v. Hansemann-Disconto mittelst Seehandlung durch Camphausen . Bleichröder liess durch v. Kardorff am 10 Juni 1875 bei diesem wunden Fleck einsetzen. Von da ab arbeitete Bleichröder mit seinem Anhang offen am Sturz Delbrück-Camphausens.
Sofort Gegenhieb v. andrer Seite. Anzahl conservativer Adliger nahmen
Anstoss an den Beziehungen des Ministers zu
den Banquiers, suchten Mai 1875
schon Mann um dies Verhältniss zu beleuchten, fanden hierzu Dr. Perrot
geneigt; ihm dann „Kreuzzeitung“ geöffnet; Bei Meyer, S. 155:
Welche Proceduren mit den Artikeln vor dem Druck erfolgten,
entzieht sich noch der Oeffentlichkeit.
Schließen
wie(?)
die Artikel dort umgefickt, nicht
nachweisbar; jedenfalls
Neffe des Scheele, v. Nathusius-Ludom
damals schon Redacteur der
Kreuzzeitung, zugleich Neffe von v. Nathusius-Hundisburg (Pr. Central-Boden-Credit) u. Verwandter v. 2
andern Nathusius bei der Magdeburg-Halberstädter Bahn – also
Disconto-Hansemann sehr nah; dem konnten
die Artikel nicht gelegner kommen, wenn v. Miquel selbst geschrieben. Hiessen: „Aera
Bleichröder-Delbrück-Camphausen
“ Artikel; Bismarck habe diesem Consortium die
norddeutsche Wirthschaftspolitik völlig in Entreprise gegeben;
Bleichröder sei der spiritus familiaris des deutschen
Reichs, dessen Politik eine Judenpolitik.
Lasker
,
Bamberger u. Oppenheim
seien die eigentlichen Führer der
nationalliberalen Partei. „Miquel repräsentirt
dabei die christliche Minorität des Bankierliberalismus“
Kardorff’s Angriffs auf
Camphausen wegen der
Seehandlung sei Bleichrödersches Manöver. etc Ausser letzterem lauter
Fabelei in den Artikeln; sie fanden
nur im Interesse v. Hansemann-Disconto in
der Kreuzzeitung Platz, wessen sich die
conservativen Veranstalter nicht bewusst waren,
vielleicht Bemerkung von Marx.
Schließen (?? M. meint das Gegentheil) auch Perrot nicht.
Disconto-Hansemann ward nur genannt bei Gelegenheit des
Kardorffschen Angriffs. Dem wirklichen
Consortium „
Hansemann
(Miquel, Scheele) Dellbrück, Camphausen“ ward
das nichtexistirende „Bleichröder-Delbrück-Camphausen“ etc untergeschoben, während Bleichröder-Kardorff in heftigster Feindschaft
damals mit ersterem, u. Bismarck sich ihm mehr u. mehr zuneigte. Consortium I für Freihandel; Consortium II an Spitze der Agitation für hohe
Eisenzölle (Laurahütte)[;] eben so
Invalidenfonds grad zum Aerger Bleichröders allein v. Disconto-Hansemann
1872 erfunden u. allein 1873 geplündert. Bleichröder daher konnte »späterhin die
ersten zuverlässigen Enthüllungen über diesen
Schwindel machen«. Bismarck klagte
nicht; erklärte im Reichstag später die
Artikel seien „so geschickt“ geschrieben, dass eine Verurtheilung darauf
nicht erfolgen könne; das hätten ihm die grössten juristischen
Autoritäten erklärt; hat er je zuvor Juristen consultirt bevor er
die 19% der Pressprocesse alle wegen
»Bismarckbeleidigung« erhob? Die »Richter« der Ansicht
des
Staatsanwalt Simon, dass Bismarck, mehr als »Durchschnittsmensch«, auch nicht sogar schon
„hypothetisch“ zu beleidigen ohnstreirige ohnstreitige Sühne; Meissner, Präsident
des Berliner Stadtgerichts, motivirte strenges Urtheil
gegen Majunke, weil „Fürst Bismarck an der Spitze des
Staates stehe“ – Majestätsbeleidigung gegen Wilhelm I dies! Bei
dieser notorischen Fürsorge des in Rede kommenden Berliner Dreimännercollegiums
“ , der „
Stadtrichter Reich, Osowski, Makomaski
zeigte Bismarck’s Schweigen wie er Ursache zu scheuen
vor einer gerichtlichen Untersuchung seiner Beziehungen zu
Bleichröder. (155–58) ⦗Dass die „Kreuzzeitung“ später
erklärte »sie habe verdächtige Geschäfte Bismarcks nicht andeuten
wollen[«] – diese Erklärung ist
»notorische Lüge«. (p. 58 158
[)]⦘
Bleichröder blieb Dank nicht schuldig auf die Aera-Artikel.
Unmittelbar nach Kardorff’s Rede Hindeutungen in „Eisenbahnzeitung“, „Deutsche Landeszeitung“ u. „Volkszeitung“, auf Unterstützung des Disconto Hansemann von Camphausen nicht nur durch Darlehen zu 23/4%, sondern ihm auch die Anlegung der Staatsfonds zugewandt. Da, Ende Juni |30 erklärt die v. Lasker-Bennigsen-Miquel inspirirte „Berliner Allgem. Correspondenz“, die allgem. Correspondenz der liberalen Partei, nicht Disconto, sondern Seehandlung sei mit Belegung v. Geldern für diese Fonds beauftragt gewesen. Ende September liess Bleichröder durch die damals von ihm („Welfenfonds“) subventionirte „Neue Freie Presse“ in Wien die erste authentische Nachricht über das Invalidenfondsgesetz in die Welt setzen, verrieth, die Disconto-Gesellschaft habe für 74 Mill. Mk. Magdeburg-Halberstädter u. für 71/4 Mill. M. Hannover-Altenbekener (Bennigsensches Papier) für die Fonds geliefert. Anfang October dies nochmals energisch widersprochen v. „Berliner Börsenzeitung“, Hauptorgan v. Hansemann, es drohte unverblümt dem Bleichröder. „Eisenbahnzeitung“ deckte die Verlogenheit dieser Behauptung am 3 October auf, bezeichnete die Aeraartikel als Coulisse, wohinter sich die eigentlich Schuldigen: Miquel, Scheele, Disconto-Hansemann verkröchen. (158, 59)
Das Invalidenfondsgesetz hatte die Belegung von Geldern für die 3 Reichsfonds in ungarantirten Priorität Prioritäten „nur vorläufig“ zugelassen; sollten bis 1 Juli 1876 durch andre namentlich bezeichnete Fonds ersetzt werden; aber die Discontogesellschaft hatte zum Theil unsichre, z. Th. völlig werthlose Prioritäten aufgehängt, die die Regierung nicht verkaufen konnte; sie beantragte also bei Reichstag Gesetz für Fristverlängrung von 4 Jahren für die Veräusserung. Das „Reichseisenbahnproject“ war lancirt. Das Reich sollte alle Bahnen, also auch die kaufen, deren faule Papiere die Fonds besassen; so wurden diese Prioritäten »Staatspapiere«, damit wieder „fein“. Dieser Plan ging natürlich v. Disconto-Hansemann aus; von den um ihre Verantwortlichkeit bangen Ministern späterhin bereitwillig acceptirt. Späterhin auch Bleichröder beitretend, weil er den Welfenfonds ebenfalls mit Eisenbahnmakulatur gespickt hatte.
Am 9 November (1875) kam die Vorlage zu erster Lesung in Reichstag. Bismarck noch in Varzin. Windthorst wollte die Angelegenheit in Commission verwiesen haben, da er sonst sofort „concret“ werden müsste; Delbrück suchte nochmals „Disconto“ mit „Seehandlung“ herauszulügen. Ein Mitglied der Verwaltungsbehörde des Invalidenfonds, v. Nostitz-Wallwitz erklärte, die Prioritäten seien fast alle vor Zusammentritt der competenten Behörde „auf Befehl des Reichskanzlers“ angekauft. Eugen Richter behauptete der abwesende Bismarck trage allein die ganze Schuld, die anwesenden Minister Schwiegen dazu. Um Windthorst’s „Enthüllungen“ vorläufig abzuschneiden, die Sache an Budgetcommission verwiesen, deren Vorsitzender Bennigsen , dessen faule „Altenbekener“ im Besitz der Staatsfonds! „Eisenbahnzeitung“ brachte nun Artikel über diese Sitzung, voraussagte dass das Corruptionssystem der liberalen Consorteria jetzt enthüllt sei u. vor Bankerott stehe, frug: ob „Bismarck die Liquidation selbst in die Hand nehmen … oder wird er mit in den Bankerott verwickelt u. liquidirt werden? …“ Für den Artikel erhielt Redacteur 14 Tage Gefängniss – wegen Bismarckbeleidigung! Das Blatt bewies nun in Reihe v. Artikeln aus den gedruckten Geschäftsberichten der Disconto-Gesellschaft selbst, welche horrenden Summen fauler Papiere die Discontogesellschaft den Reichsfonds geliefert; sie berechnete bei einzelnen Posten sogar den von der Disconto-Gesellschaft hierbei gemachten Gewinn; während die Regierungsvertreter sogar in der ersten Commissionssitzung verweigert hatten den Ankaufspreis und die Modalitäten des Kaufs mitzutheilen. Damit weiteres »Verschleierungssystem« über die schamlose Plünderung der Staatskasse durch Disconto Gesellschaft unmöglich gemacht. (159–61)
Nun Spiel hinter der Coulisse.
Bismarck kehrte zurück.
Lief das Gerücht, er wolle Frieden mit Rom
machen. Bei 2ter Lesung des
Invalidenfonds-Gesetzes wird Windthorst „nicht
concret“; Schorlemer-Alst griff die
Reg. nur schüchtern an, den Miquel,
Bennigsen gar nicht, u. als v.
Ludwig dies später that desavouirte ihn
öffentlich der Führer seiner Fraction – Windthorst.
Delbrück
so unklug die ganze
Verantwortlichkeit für die Belegung der fonds von
den Schultern Bismarcks auf seine zu nehmen, liberale
Majorität des Reichstags gab dem Delbrück
Vertrauensvotum, Zusatz
von Marx.
Schließen aber bald darauf ward er –
aus seinem Amt „ausgeschieden“
. Die Dotation des
Disconto-Hansemann mit den Geldern für den Invaliden
verstimmte Kaiser, Generalität etc[.] So verlor
Delbrück Stütze Zusatz von
Marx.
Schließen ⦗u. Bismarck konnte ihn entfernen zum Dank, dass er für
ihn den
Curtius
gespielt⦘ (161)
Im Abgeordnetenhaus kam später der von
Camphausen
eben so „fahrlässig“ angelegte „Provinzialfonds“ zur Sprache. Zusammenfassende Bemerkung von
Marx.
Schließen Aehnliche Farce. Diesmal hatte war plötzlich das Gerücht aufgetaucht Bismarck wolle
wieder conservativ wden. V. Below-Saleske“
Zusatz von Marx.
Schließen (sieh Glagau.) (161,
62)
Noch frecher Schwindel mit „Provinzialfonds“. Provinzen mussten die Fonds, die in ihm lagen u. 1876 zur Vertheilung kamen, zum Course vom letzten December 1875 abnehmen; plötzlich trat in der letzten Decemberwoche Hausse in diesen Fonds an der Börse ein; Anfangs Januar sanken die künstlich getriebnen Fonds wieder auf ihr altes Niveau. Diese Curstreiberei konnte nur den Zweck haben, die Schädigung der Provinzen durch Camphausen zu decken. Im Abgeordnetenhaus interpellirt erklärte er: Feinde der Regierung hätten das in Scene gesetzt, um die Regierung in Verlegenheiten zu bringen! Darauf Hohn der „Eisenbahnzeitung“; sie nannte die Namen der Makler, die die Scheinkäufe an der Börse notirt hatten u. forderte in einem v. Ministerbeleidigungen strotzenden Artikel staatsanwaltliches Einschreiten gegen die Schuldigen. Aber keine Anklage gegen das Blatt erhoben; Regierung wagte nicht die schmutzige Sache gerichtlicher Untersuchung Preis zu geben. (161, 62)
In den Provinciallandtagen kamen kam die Sache nochmals zur Sprache. Im Brandenburgischen Provinziallandtag griff v. Winterfeld-Menkin scharf die Regierung an. Commission zur Prüfung der Sache eingesetzt. Im August (1876) erklärte selbige die Regierung tadelsfrei; mit tiefem Schweigen nahm Provinciallandtag diese Resolution des Grafen von |31 Kleist-Tschernowitz an. Dies der erste Liebensdienst den die junge deutsch-conservative Partei der Regierung that. (163)
Noch ein grosser Skandal in Wintersession (1876) des preussischen Landtags. Der „Provincialfonds“ besass »Prioritäten« der „Halle-Sorau-Gubener“ Bahn; diese vor Insolvenzerklärung stehend. Die Berliner Handelsgesellschaft, deren Verwaltungsrath Bleichröder , hatte die letzte Emission Prioritäten der Bahn mit Hilfe der Seehandlung beliehn; die Discontogesellschaft hatte dem „Invalidenfonds“ Prioritäten dieser Bahn aufgehängt, u. besass selbst noch dergleichen in ihren Tresorn. Der Betriebsüberschuss der Bahn betrug pro 1873 = 106,000 Th, pro 1874 227,000 Th.; zur Verzinsung der Prioritäten waren in jenen Jahren erforderlich 325,000 Th. u. 447,000 Th.; die Bahn wirthschaftete also mit colossaler Unterbilanz; musste zum Concurs kommen; dann verloren die Discontogesellschaft, Handelsgesellschaft u. der Provinzialfonds das ganze Geld, das sie hier investirt, von zusammen ca. 41/2 Mill. Th. „Provincialfonds“ besass ungefähr ca für 600,000 Th. solcher „Ladenhüter“. Regierung brachte daher Vorlage ein, wonach sie die Garantie für 380,000 Th. Prioritätszinsen übernahm, d. h. jährlich präsumtiv 150,000 Th. zuschiessen wollte. Herren- u. Abgeordnetenhaus willigten ein: Conservative u. Liberale waren bei dieser Bk Bahn compromittirt; sie war eine Bahn Strousbergscher Gründung, deren erste Verwaltung v. Henckel’schen Aristokraten geleitet, wobei viele »Hochtories«, namentlich „Freiconservative“ als Scheinzeichner „verdient“ hatten. Später war die Bahn in Hände der Discontogesellschaft gerathen, endlich in die der Handelsgesellschaft. Alle Parteien Interesse die Sache still zu schweigen, nur Centrum nicht, abermals sehr zahm, nur Schröder (Lippstadt) nicht. Centrum von der ersten Berathung des Invalidenfonds bis zur letzten über Halle-Sorau-Guben konnte deutsche Reichs- u. pr. Staatsregierung stürzen; that’s nicht, aber hinter den Coulissen spielende Ausgleichsversuche zwischen Bismarck u. Rom. Auch die Eisenbahn Berlin-Dresden vor Bankerott stehend, gegründet v. Prinz Handjery mit Hilfe v. Bankhaus S. Abel jun., nach System Strousberg. Hier wollte Regierung nicht aus Concurs kaufen wie bei Pommerscher Central- u. „Berliner Nordbahn“; brachte Gesetzvorschlag; Staat sollte die Pleitebahn kaufen u. zwar nicht auf Grundlage einer sachverständigen Werthtaxe; fiel im Abgeordnetenhaus wo Abel nicht hinreichende Zahl polit. Agenten hatte. Camphausen in Rede dafür machte sogar darauf aufmerksam, wie wichtig es f. Preussen sein müsse eine Bahn zu besitzen „die direct ins Herz des Königreichs Sachsen führe“. Eine officielle Zeitung Sachsens machte auf dies merkwürdige „Wohlwollen“ Preussens gegen einen 1870 so bewährten Bundesgenossen aufmerksam. Aber gegenwärtige deutsche Reg. riskirt alles, um ihre skandalösen Beziehungen zu Berliner Financiers zu verschleiern. (163–65)
Ein Freund Bismarck’s, der Jude Behrend (von Cöslin) besass zu Berlin eine Papierfabrik; gründete in Varzin eine Holzstofffabrik, trat dazu mit Bismarck in Vertrags- und Geschäftsverhältniss, das letzterem eine vortheilhafte Verwerthung der Varziner Wälder ermöglichte. Unwidersprochen behauptet in „Reichsglocke“, Bismarck habe den Behrend auch Betriebscapital zu 8% jährlich geliehn. Aus dem Holzstoff der Varziner Wälder wurden in der Cösliner Fabrik Papiere für die deutsche Reichspost, Telegraphie u. die Staatseisenbahnen zu Depeschen, Couverts, Billets, Postkarten etc gemacht. So trat Bismarck durch Behrend in Geschäftsbeziehungen mit der ihm untergebnen Reichsverwaltung. Behrend soll ihn auch vermocht haben, dass er die Papiere der Berlin-Dresdner Eisenbahn in den Welfenfonds ankaufte, u. dass er später für den Ankauf der Berlin-Dresdener Bahn wirkte, um das in solchen faulen Papieren belegte Capital Georg V zu retten, dessen Verwaltung er u. Camphausen dem Bleichröder anvertraut haben. Nach Ablehnung des Ankaufs durch den Staat u. daher Nichtverkäuflichkeit der Berlin-Dresdner Fonds – die Actien standen ult. August 18%, die Prioritäten 36%, – machte S. Abel jun. bankerott u. geriethen sowohl die Norddeutsche Papierfabrik zu Cöslin wie Behrend selbst in Concurs, denn Abel jun. der bankier des Behrend. ⦗Reg. hat dem neuen Landtag den vom alten abgelehnten Vorschlag wieder zugehn lassen um Welfenfonds auf Kosten der Steuerzahler zu decken⦘ (165–66)
Die
„deutsche Reichsglocke“ ging caput in Folge
einer Mystification. Wegen Verurtheilung zu 5 Monat Gefängniss wegen Bismarck-Bleichröder-Hansemann-Beleidigung, nicht Verleumdung hatte Joachim Gehlsen die verantwortliche Redaction
niedergelegt, sie einem gewissen Talchau
übertragen; dieser plötzlich verhaftet (im November), ohne bis dahin verurtheilt od. auch nur angeklagt
zu sein. An seine Stelle trat junger Mann, Schellenberg, ohne alle Redactionserfahrung. Am 6 December
Zusatz
von Marx.
Schließen (76?) erhielt Gehlsen
unter der Hand die Nachricht er solle verhaftet werden v. wegen
Zeugnisszwang, um v. ihm eine Aussage zu
erzwingen, ob der Legationssekretär Otto v.
Loë einige Bismarck unangenehme Artikel für „Reichsglocke“ geschrieben; Gehlsen entzog sich durch Flucht
nach Schweiz; der
Schellenberg fand nun einen heftigen Artikel
gegen
Stadtgerichsdirector Stadtgerichtsdirector Reich ⦗wahrscheinlich Schellenberg selbst v.
Discontogesellschaft od. Bleichröder dahin geschmuggelt⦘ gesetzt vor,
nahm ihn auf; räthselhaft bis jezt, wie der Artikel in
die Redaction gelangte. In einem Artikel erklärt sich
die „Reichsglocke“ über die Mystification. In 5
Tagen Schellenberg verurtheilt ⦗er erschien auf
der Anklagebank ohne Vertheidiger⦘
u. alles zu Ende! (166–171)|
6) Der Schwindler Noth u. letzte Hoffnung
Trotz aller Mogelei »in Mitte der Crisis« Bleichröder-Hansemann »so mit unrealisirbaren Werthen belastet, dass Bankerott, wenn sie nicht wenigstens alle Eisenbahnfonds ihrer Tresors in Staatspapiere verwandeln.« (172)
Bleichrödergruppe, wozu gehören namentlich v. Kardorff u. der „unorthographische Jude“ J. Landau ⦗sagt v. sich selbst: „Ich bin die Geldmacht!“⦘[,] hat gebaut die Eisenbahnen Posen-Kreuzburg mit 12 Mill. Capital u. Weimar Gera mit 61/2 Mill. Beide Bahnen unfertig, jedenfalls unrentabel u. ihre Papiere so gut wie unverkäuflich; nur Actien der letzteren Bahn an die Börse gekommen u. stehen 58 b., haben also auch nur einen „gemachten“ Cours. Diese Finanzgruppe tief engagirt bei der „Deutschen-Reichs- u. Continental-Eisenbahnbau-Gesellschaft[“] mit 4 Mill. Th. Capital u. nominellem Cours v. 68%; bei Königs- u. Laurahütte mit 9 Mill. Th. Capital, Cours 66 b; bei St. Gotthard- u. Rumänischen Bahnen sehr tief. Abgesehn v. der öffentl. Kenntniss sich entziehenden kleineren engagements, die aufgezählten weit über Vermögen dieser financiers. Nimmt ihnen der Staat nicht mindestens die deutschen Eisenbahnfonds [ab], so pleite, selbst wenn sie den Welfenfonds dauernd zur Verfügung hätten. (172, 73)
Die Geschäfte der Disconto-Gesellschaft besser übersehbar trotz des absichtlichen Dunkel ihrer Jahresberichte. Riesenhafter Aufschwung, dann furchtbarer Zusammenbruch seit 1873, wie Cours zeigt. Die Disconto-Commandit-Antheile standen bei Beginn der Schwindelperiode ult. 1868 = 121%, hinaufgetrieben dann über 350%, notiren Sommer 1876 ca. 108–118% [,] niedriger als vor dem Aufschwung. (173)
| In je 1000 Th. | Tantième in je 100 Th. | Dividende in je 1000 Th. | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Capital der Bank | 1) der Inhaber | 2) des Verwaltungsraths. | Summe. | Proc. | |
| 1869 = 10,000 | 162 | 32 | 950 | 91/2 | |
| 1870 = 10,902 | 265 | 53 | 1,300 | 13 | |
| 1871 = 13,282 | 702 | 140 | 2,880 | 24 | |
| 1872 = 20,000 | 982 | 196 | 4,320 | 27 | |
| 1873 = 20,000 | 519 | 106 | 2,800 | 14 | |
| 1874 = 20,000 | 370 | 84 | 2,400 | 12 | |
| 1875 = 20,000 | 138 | 31 | 1,400 | 7 | |
| durchschnittlich = 16,300 | Summe = 3,138 | 642 | 16,050 | 151/6 | (p. 173) |
Der Reservefonds enthielt ult. 1868 847,000 Th.; ult. 1875 = 4,238,000 Th., also mehr: 3,391,000 Th. Wäre der Stand der Gesellschaft 1876 noch so solid als ultim. 1868, so hätte das durchschnittl. arbeitende Capital v. 163 Mill. Th. in 7 Jahren die Summe von 23,321,000 Th. od. jährlich 3,331,000 Th. = 24% gebracht, welche Summe unter alle Betheiligte vertheilt wurde. Enorm der Verdienst der Geschäftsinhaber, seit 1869 vier an Zahl. Miquel bezog seinen Antheil v. November 1869–1873 u. dann als Vorsitzender des Verwaltungsraths bis Frühjahr 1876. Freilich flossen 4,300,000 Th. aus dem Agio bei Begebung neuer Actien, d. h. die Actionäre haben den ganzen gegenwärtigen Reservefonds aufgebracht.
- Depositen der Discontogesellschaft ult. 1872 = 5,575,000 Th., 1873 21,596,000 Th. 1874 = 12,167,000 Th. ult. 1875 = 3,067,000 Th.
- Bei dem Sinken der Deposits, Eignes Effectenconto = 1872 = 10,186,000 Th. 1873 = 15,846,000 Th. 1874 = 11,807,000 Th. 1875 = 13,721,000.
- Debitorenconto: 1872 = 26,912,000 Th. 1873 = 31,626,000 Th. 1874 29,702,000 Th. 1875 = 21,005,000 Th.
Bei diesen colossalen Engagements in Effecten u. Debitoren hat sich die Reserve nicht erhöht, sondern etwas vermindert.
- Reservefonds 1872 = 7,328,000 Th. 1873 = 7,813,000 Th. 1874 = 7,621,000 Th; durch Verluste ult. 1875 = 4,238,000 Th.
Wegen absichtlicher Verdunkelung u. Verschleierung ihrer Berichte diese Bank bereits bei Staatsanwaltschaft denuncirt. Sie specialisirt die Effekten nicht u. hat sogar seit 1869 ihre Betheiligung bei den Bahnen Dortmund-Gronau-Enschede u. Marienburg-Mlawa mit keinem Worte in ihren Berichten erwähnt. Ihr Engagement bei diesen beiden Bahnen, deren Fonds, weil unverkäuflich, gar nicht an Börse verhandelt, wohl an 6–8 Mill. Th. Sie sitzt ferner auf bei „Provinzial-Disconto-Gesellschaft“, sehr stark bei „Gotthard u. Rumän. Bahn“, |33 bei Dortmund-Union allein mit 3,300,000 Th. Prioritäten, ohne die Actien zu rechnen; bei dem „Gelsenkirchener“ Bergwerk u. bei sehr vielen Eisenbahn Eisenbahnen. Jetzt kauft sie, resp. Hansemann, eine Strousberg’sche Herrschaft über die andre, um ihre „Hypothek zu retten“, die sie darauf eintragen liess. Nach Sachverständigen tragen jene Herrschaften durchschnittlich 11/2% der darauf lastenden Schulden. (173–75)
In den 3 guten Jahren 1871–73 kamen auf Kopf des Inhabers fast 200,000 Th. jährliche Tantième, auf den des Verwaltungsraths mehr als pr. Ministergehalt. Und die Getreuen mit Cumulation einträglicher Aemter bedacht. Miquel war u. a. auch noch Director od. Verwaltungsrath bei Dortmunder Union, Provinzial Disconto Gesellschaft, Pr. Central Boden Credit Gesellschaft, Bochumer Bergwerk, Rumänischer Bahn, St. Gotthard (Stellvertreter Hansemanns), Braunschweiger Bahn etc[.] Und dieser „correcte Ehrenmann“ erzählte dem Parlament, er habe bei Uebernahme seiner Stellung in Discontogesellschaft auf 6–8000 Th. jährlich gerechnet, obschon doch bereits im Jahr seines Intritts Eintritts die Inhaber der Disconto Gesellschaft zusammen 162,000 Th. Tantième erhielten u. er die Inhaberstelle sehr gut mit andern lukrativen Posten zu vereinigen wusste. Scheele verdiente weniger als Miquel, nur ca 60,000 Th. jährlich. Der Verwaltungsrath der Discontogesellschaft nahm mehr Geld aus dieser Sinekure wie Miquel sie selbst schildert ein als das gesammte pr. Staatsministerium an Gehalt bezog. Diese Tantièmen ein schändlicher Corruptionsfonds, gegen den der Reptilienfonds verschwindet. Und welche Gelegenheit hatten diese Verwaltungsräthe zu gewinnbringender Speculation auf Börse! Sie in der Lage v. Spielern, die alle Karten kannten, das Publicum nur einige. (175, 76)
Diese mit solchen Corruptionsmitteln ausgestatteten Finanziers zogen einen Beamten u. Abgeordneten nach dem andern in ihr Netz. (176) Zum Dank »subventionirt« die Regierung sie immer noch auf Kosten der Staatsbürger. (l. c.)
Hannover-Altenbekener Bahn: Sie ward concessionirt dem Grafen Münster (pr. Gesandter in London), v. Bennigsen ([dem] Präsidenten des Abgeordnetenhauses u. Landesdirector v. Hannover), dem nation. lib. Abgeordneten Adikes u. andern. Verpflichtete nicht in Generalentreprise zu bauen; trotzdem übertrug sie Bau an gewissen Cohn. Strousberg sagt: „Derselbe hat, unter Stellung der Actienzeichner meinerseits u. gegen eine Entschädigung “ mir seinen Contract cedirt.“ Es verschwand Gründertantième v. 300,000 Th. Die Berichte u. Bilanzen wimmeln v. Unregelmässigkeiten u. Gesetzverletzungen u. sind Gegenstand einer Denunciation bei der Staatsanwaltschaft. Die Bahn fusionirte sich mit der ebenfalls ganz faulen Magdeburg-Halberstädter. Beide bewirthschaftet von Discontoring. (176, 77) ⦗Näheres bei „Strousberg“⦘
⦗ Zusatz von
Marx.
Schließen Folgendes die Jammergeschichte
Strousberg’s
darüber:
„Nach Regelung der Rumänischen Angelegenheit … darauf angewiesen
… mich mit … Discontogesellschaft auf guten Fuss zu
stellen“[.]
Hannover-Altenbekener „nur
verzinsbar wenn ihr die Concession nach dem
Kohlenrevier gegeben. Diese aber einer Unternehmergesellschaft
ertheilt, wobei ausser Geheimrath Hartwig noch ein
Assessor aus dem
Handels-Ministerium als Director fungirte.“ Strousberg weiss nicht, ob bei dieser Lahmlegung v. Hannover-Altenbeken nicht auch
der Einfluss der Discontogesellschaft benutzt wurde. Damit
verhält’s sich nämlich so: Disconto-gesellschaft
beherrschte damals die Magdeburg-Halberstädter
Bahn ⦗Scheele war Vorsitzender
des Verwaltungsraths der letztren⦘; die
Hannover-Altenbekener Bahn „in ihrer Gestaltung so unrentabel“ konnte
der Halberstädter Bahngesellschaft grossen Vortheil bringen, „um durch
sie für die Berlin-Lehrter gewisse Zwecke zu erreichen“. Aber „kaufen“
wollte sie nicht. Konnte es billiger haben. Sie
„veranlasste“ die Discontogesellschaft – i. e. Scheele veranlasste im geheimen Auftrag seines
Meisters Hansemanns denselben
Hansemann-Disconto mit Strousberg „wegen Uebernahme einer Summe Prioritäts-Stamm-Actien in Unterhandlung
zu treten“, wenn er den Disconto-Hansemann u. die Halberstädter Bahn an
seinem „Bau betheiligen“ wollte. „Ich“, sagt Strousberg, „war
kampfunfähig u. musste mit schwerem Herzen einen Vertrag eingehn, der seinem Character nach
fast als unmoralisch zu bezeichnen ist u. in der
Ausführung mich auf’s Aüssserste Äusserste geschädigt hat.“ Zusatz von Marx.
Schließen Er ging nämlich
folgenden blödsinnigen Vertrag ein: Strousberg
verkauft der Disconto-Gesellschaft u.
Halberstädter Bahn eine Anzahl Millionen
Stamm-Prioritäts-Actien der Hannover-Altenbekener Bahn zu einem
dem damaligen Course angemessnen Preise u. betheiligt
die beiden Institute als Theilnehmer an seiner
Bau-Entreprise; Sie übernehmen keine
Verpflichtungen nach aussen u. zahlen keine
Zuschüsse, wenn sich Verlust herausstellte.
Dagegen verpflichtet sich der versimpelte Strousberg
ihnen „den Gewinnantheil
|34
mit 600,000 Th. positiv als Minimum zu
garantiren“ u. verpflichtete sich à Conto dessen „monatlich von den à Contozahlungen, die ihm
die Bahn leistete, einen gewissen Procentsatz zu zahlen“.
In der Art wurden effektiv „200,000 Th.“ v. ihm „gezahlt“. So
entzogen ihm seine „socii die Leistungen für
baar“, worauf der Narr eben „gerechnet“ hatte, wie er
albern zahlt, damit keine „Verluste“ sich
herausstellen sollten. Hansemann
stellte also durch die
monatlichen Abzüge auf den von ihm „positiv“
ausbedungenen „Gewinnantheil“ selbst die „Verluste“ Strousbergs, i. e. der Bahn her. Die Actien brauchte Bei Meyer, S. 178: die
Magdeburg-Halberstädter Bahn
Schließen nur
Hansemann, unter dem Namen der Magdeburg-Halberstädter
Bahn, um mit der
Hannover-Altenbekener einen Contract abzuschliessen,
d. h. um deren eigentliche Actionäre auf der Generalversammlung zu
majorisiren. Handelte sich nun darum, „die
Genehmigung zur Ausgabe v. Obligationen für
Hannover-Altenbeken zu erwirken[“]. Wegen
des „Einflusses der Disconto-Gesellschaft“ u.
der v. ihr beherrschten „Magdeburg Halberstädter Blan Bahn“ beim Ministerium, wurde „ein Betriebs-Uebernahme-Contract“ nominell mit
der Magdeburg Halberstädter, Zusatz von
Marx.
Schließen in
fact mit Hansemann geschlossen. Die Direction der
Magdeburg-Halberst. Bahn, Zusatz von Marx.
Schließen i. e. Scheele, der
Sous-Hansemann[,]
wurde auch
Direction der Alten-Bekener, und
„Mitglieder der Disconto u. Halberstädter traten
in den Aufsichtsrath von Hannover-Altenbeken. Das geforderte Privilegium wurde bereitwilligst
ertheilt (Ha Laskerchen!)
u. die Bahn damit fertig gebaut.“ Aber der Strousberg durch
„Vorenthaltung“ seiner „Gelder“ (in „Gewinnantheil“ Hansemanns et Co verwandelt) sass fest; er
musste die „Discontogesellschaft um Hülfe angehn“. Sie lieh ihm
350,000 Th., weil er sich noch nicht mit der Bahn bezüglich
seines „Baucontracts“ geeinigt hatte, sonst ihr Profitantheil verloren
u. bei weiterer „Verlegenheit“ Strousbergs auch die andern
Zwecke vereitelt worden wären. Als Sicherheit hatte er zu „verpfänden“
der Discontogesellschaft „verschiedne Objecte“, auch seine
„Forderung gegen Hannover Altenbeken“. Und sie
(Discontogesellschaft[)]
verpflichtete sich diese Pfänder herauszugeben, sobald „sie in Besitz
des Rests ihres Profitantheils v.
400,000 Th. gelangt sein würde“. Bemerkung von
Marx.
Schließen ⦗Also Hansemann verschlingt den ganzen
Strousberg zur Sicherung eines nicht existirenden fiktiven „positiven Gewinns“ der
Bahn⦘ Strousbergs „Forderung an die Bahn“
wurde nun geprüft u. zu Recht befunden; er übertrug alle Rechte daraus
an die
Discontogesellschaft mit der
Verpflichtung für ihn klagbar zu werden od. ihn dazu zu bevollmächtigen.
Nun aber neues Spiel der socii. Sie
prätendirten „das
Privilegium“ ⦗f. die
Obligationsausgabe⦘ würde nicht ertheilt ⦗ausgefertigt?⦘ werden, bevor
Strousberg „die Bahn aufgegeben“. So musste er „einen Contract
schliessen, wonach“ er „auf den Weiterbau verzichtete. A conto
der letzten Monatsarbeiten war“ ihm eine gewisse Summe zu
zahlen; seine Forderungen sollte er später liquidiren u. „für seine
Lieferungscontracte wurden ihm 400,000 Th. baar gezahlt“, Zusatz von Marx.
Schließen aber, aber,
„diese von der Disconto-Gesellschaft für sich u.
Halberstadt als Rest des garantirten Gewinnes von 600,000
Th., der somit voll bezahlt wurde, behalten“. Zusatz von
Marx.
Schließen Strousberg, so beschissen fährt
fort: „Selbstverständlich wird die Bahn
⦗die Hannover-Altenbeken⦘ nie
prosperiren; denn obgleich die Baugesellschaft
(Hartwig), welche die
Concession nach Westphalen (dem Kohlendistrict)
hatte, dieselbe nicht mehr besitzt ⦗diese Baugesellschaft ist
verkracht!⦘, so liegt es nicht im Interesse
der Halberstädter Bahn, Hannover-Altenbeken unabhängig zu machen. Verträge werden mit
angrenzenden Bahnen geschlossen werden, die dem Verkehr im
Interesse der Halberstädter Bahn zu Gut kommen; auf jeder
andern Seite wird die eigenthümliche Gestaltung der Hannover
Altenbekener zu demselben Zweck benutzt werden, u. wenn auch die Aktien, die Halberstadt besitzt u. trotz ihres
niedrigen Courses in ihrer Bilanz al pari aufführt
⦗ungesetzlich! geschieht, um Dividende für Halberstadt bezahlen zu
können, obschon bereits Unterbilanz dort herrscht⦘ nichts bringen sollten, so wird der indirecte
Vortheil für Halberstadt dies weit aufwiegen; die übrigen Actionäre bei Hannover-Altenbeken werden
aber nie etwas bekommen.“ (177–79)
So mit Hilfe der Discontogesellschaft Alten-beken geplündert; erst nimmt Cohn für sich u. Helfershelfer 300,000 Th., dann Disconto-Halberstadt 600 000 Th., also about 1 Mill. Th., dann schneidet man der Bahn den Verkehr ab zu Gunsten v. Halberstadt u. dabei bleibt Bennigsen stille in Verwaltungsrath v. Altenbeken! (180)
Beide Bahnen ⦗Magbedurg Halbstadt u. Hannover Altenbeken⦘ liessen sich
stets neue Concessionen geben u. bauten mit dem für die neuen Linien gelösten
Geld alte Linien aus. Jetzt kann Magdeburg-Halberstadt die Linie Magdeburg-Erfurt aus Geldmangel nicht bauen, obschon die hierauf fundirten Actien Lit. C im Betrag v. 10 Mill. Th. emittirt sind u.
das gelöste Geld verschwunden ist. |35 Ebenso kann
Hannover-Altenbeken die Linien Goslar-Grauhof u. Hildesheim-Braunschweig nicht bauen, obschon die
2,225,000 Th. Prioritäten, auf diese Strecken
fundirt, bereits ebenfalls verschwanden. V. diesen „Luftbahnactien“ hat sogar das
Ministerconsortium Delbrück-Camphausen-Bismarck
welche in die invaliden Staatsfonds
aufgenommen! Solche Verwendung v. Geldern zu Zwecken wofür sie nicht
bestimmt, „Untreue“ im Sinn des Strafgesetzbuchs. Trotz
Notorietät dieser Verbrechen schreitet Staatsanwalt gegen die
Gründer nicht ein.
Bennigsen
präsididirt präsidirt nach wie vor in Abgeordnetenhause u. Zusatz von Marx.
Womöglich Anspielung auf Marcus Porcius
Cato Censorius (der
Ältere).
Schließen Cato-
Lasker nach wie vor sein Freund! Und diese Leute wollen
nun die von ihnen selbst ausgeplünderten Bahnen theuer an Staat verkaufen u. selbst das betreffende
Gesetz als Volksvertreter machen helfen! Herr
Achenbach, als pr. Handelsminister,
direct verantwortlich dafür dass die Verwaltung jener Bahnen
die für Magdeburg-Erfurt u. Goslar-Grauhof
bestimmten Gelder veruntreuen konnten. (180)
7) Augenblickliche Situation u. Aussichten.
Disconto-Camphausen erklärte den Rückgang der deutschen Industrie aus zu hohen Arbeitslöhnen, schlug vor sie herabzusetzen. Handelsminister Achenbach setzte dann auch die fiskalischen Löhne bei Bahnen, Bergwerke u. s. w. herab, log auch, die Arbeiter leisteten weniger als früher. Professor Nasse wies aus den Berichten des Handelsministers selbst über bergmännische fiskalische Betriebsresultate dem Lumpen Unkenntniss seines Ressorts u. Lügen nach (181, 82)
Die
Lasker-Miquelsche Aktiengesetzgebung
beschleunigte die Entstehung grosser Fabrik; Handwerker machten
den Fabrikarbeitern Platz. (l. c.) Bemerkung
von Marx.
Schließen ⦗„Mehr Schluderarbeiter“ sagt Meyer; vergisst dass
„wohlfeil u. schlecht“ Concurrenzparole der deutschen
Fabrikanten, dass sie gute Arbeit weder zahlen noch brauchen.
Tout au contraire!⦘
Die industrielle Production u. Grosshandel gelangte immer mehr in Abhängigkeit v. Banken, v. Grosscapitalisten, meist Juden. (183)
»Wir haben bereits mehr als die 5 fzs. Milliarden über Grenze gesendet um unser wirthschaftliches Deficit auszugleichen.« (l. c.)
»Die Regierung sucht bereits Anleihen in Amsterdam zu placiren.« (184)
Bismarcks Finanzkunst: Verminderung der directen, Vermehrung der indirecten Steuern! »Standpunkt des Finanzpächters«, der fragt wie er am unmerkbarsten u. uncontrolirbarsten »gewissen Steuerbedarf aus Volk« auspumpen könne. »Schon hat man v. einer Staatsanleihe zu productiven Zwecken im Betrag v. 100 Mill. Mark nur 1/4 gezeichnet; u. nun Anleihen zur Bedeckung v. Deficits.« In Sicht das Perennirendes perennirende Deficit; wachsende Staatsausgaben, namentlich f. militairische Zwecke; Abnahme des Volkseinkommens. … Perspective auf Staatsbankerott. (l. c.)
Noch rascher nimmt die Wohlhabenheit ab, die Zahl kleiner u. Selbstständigkeit verleihender Vermögen. Durch Gründerei, Actiengesetz, laxes Strafgesetzt Strafgesetz , Deplacirung der Capitalien durch Schwindel an der Börse. In dem „sittlich verkommnen Frankreich“ wird „Vertrauensbruch“ strenger bestraft als Diebstahl. Miquel Millionär geworden durch »professionellen Vertrauensbruch«; er hat hervorragenden Antheil am deutschen Strafgesetz, war Vorsitzender der Reichsjustizcommission! Bock als Gärtner! Unser code pénal kennt keine Strafe für Vertrauensbruch, sonst sässen seine Väter ja im Zuchthaus. (185)
Als „Hoffmann“ zu Dellbrück’s Nachfolger ernannt, sagte die „Reichsglocke“: »Bismarck müsse ihn erst anstreichen, bevor man seine Farbe erkennen könne.« (186)
V. den Parteien auch nichts zu hoffen. Das Princip der liberalen Partei – der »Courszettel«. Schutzzöllnerische Partei verheisst hohe Curse, u. Löwe, Berger, Hammacher, Kardorff, Miquel ditto dies schnappend. (186)
Schutzzöllner haben „Central Verband“ für die Industrie geschaffen, an Spitze die 2 Gründer: Kardorff u. Reimann. Will für jede Industrie 10% vom Werth. Diesem „Verband“ schliesst sich nicht an ⦗damals⦘ „Verein der Eisenindustriellen“ mit Generaldirector Richter v. Bleichröder’s „Laurahütte“ an Spitze, weil er durch Bleichröder leichter aus Bismarck Eisenzölle als die für alle Industrie durchzudrücken hofft. (l. c.) Beide Parteien wollen für Arbeiterstand »straffe Zucht u. Ordnung, Contractsbruchsstrafen« (l. c.)
Die
Grundbesitzer – Kern der
Agrarier
– u. Deutsch-Conservativen
[–] auch gegen die Arbeiter.
(187) Wollen »ihre Interessen« politisch geltend
machen. (l. c.) Zusatz von
Marx.
Schließen ⦗Krautjunker
partei.⦘ ⦗ Zusatz von
Marx.
Schließen Meyer selbst
klagt: er arbeitete hin 1871
auf Zustandekommen des
jetzigen Hauptorgans der Partei, der
„Deutschen Landes-Zeitung“, welche
die Vertretung des vom 15 Mai [1869] datirenden „Breslauer
Programmes“
Zusatz
von Marx.
Schließen ⦗Rodbertus!⦘ sich zur Aufgabe machte.
Niendorf drückte
bald den Bei Meyer, S. 187:
Verfasser
Schließen Meyer aus der ihm übertragnen Leitung
des politischen Theils des Blatts u. aus
der neuen Partei heraus. »Der politisch geschäftliche Umgang mit den
meist adligen Grundbesitzern hat seine Härten, wenn man nicht
die Stellung acceptirt, welche sie den Inspectoren auf ihren Gütern einzuräumen
pflegen.« Zusammenfassend von Marx.
Schließen Aber Meyer kam ihnen zudem
schlecht an mit seinem „normalen Arbeitstag“
|36
Zusatz von
Marx.
Schließen (Handelt sich hier um Osten
Preussens) Der
hochconservative u. adelige Vorstand
intervenirte, erklärte „der Normalarbeitstag werde Angesichts
des Gesetzes von Angebot u. Nachfrage stets eine
theoretische Fiktion bleiben“. (187, 88) »Die Agrarier
beherrschen den Congress der Landwirthe u. haben durch die geradezu gefährlichen Umgangsformen
einiger Führer die dem Conservatismus zuneigenden Gelehrten
A.
Wagner
,
v. d. Goltz
u. a. aus demselben verdrängt, so
dass in ihren Versammlungen eine Opposition nicht weiter laut wird.«
(188)⦘
Die Agrarier bilden den Kern der deutsch conservativen Partei. Seit 1874 schon Gerücht, Bismarck, der Liberalen satt, wünsche Neubildung grosser conservativer Partei. (189)
Die (Ende 1875 u. 1876) zunächst durch Wagener’s Vermittlung v. dem Grafen Finckenstein u. Udo Stollberg mit Bismarck gepflognen Verhandlungen wurden schliesslich mit Umgehung Wagener’s zu Ende geführt. Im Sommer (1876) erschien die deutsch-conservative Partei auf Bühne, 1/3 altconservativ, repräsentirt durch „Kreuzzeitung“; 1/3 agrarisch („Deutsche Landeszeitung“ [)] u. 1/3 bismarckisch („Norddeutsche Allgem. Zeitung[“] ). Ward Friede geschlossen mit Regierung u. „Gründer“. „Keine unangenehmen Enthüllungen mehr“! war Parole. Dann Anfangs September wurde v. ersten Versuchen gesprochen durch Cardinal Hohenlohe den Pabst zum Frieden zu bewegen: „Course v. Hannover-Altenbeken“ fingen darauf an zu steigen (190–91)
Programm für neue conservative Partei ausgegeben v. Landrath des Posenschen Kreises Samter, den von Knobloch, das Princip: Bismarck (p. 191)
Katholische Partei (das Centrum) wird sich in Parteien, i. e. Interessegruppen theilen, sobald ecclesia gerettet. (192)
Die Besitzenden scheiden sich in 2 Gruppen, Capital-Liberale u. Agrar-Conservative. Der Kampf beider ist eigentlich der des verschuldeten Grundbesitzers gegen seine Hypotheken- und Wechselgläubiger. Der Erfolg kann nicht zweifelhaft sein. Letzterer wird seinem Schuldner den Hals abschneiden u. sich an seine Stelle setzen.“ (192) Politisch die Agrarier: nach hinten u. vorn – gegen Capital und Arbeit – zugleich ausschlagen. (193)
⦗ Bemerkung von
Marx.
Schließen Meyer verhöhnt sich selbst ohne es zu wissen,
wenn er sagt: »Wir hatten die
Absicht zwischen Herrn von Subhastanski
Zusatz von
Marx.
Schließen ⦗i. e. die verschuldeten
Grundbesitzer⦘ und den Arbeitern auf
Klein-Bankerotten ein besseres Verhältniss, ein Bündniss gegen
den Herrn Itzig, herzustellen. Aber der Pleite-Baron ist
dazu noch zu vornehm« Zusatz von Marx.
Schließen u. vorher: »Die Tagelöhner, Knechte u. Hofgänger auf
Kleinbankerotten denken: „Es ist uns ganz egal, ob der
gnädige Herr v. Subhastanski od. Itzigsohn im Schlosse wohnt. Arbeiten
müssen wir für beide gleich lange u. Lohn giebt uns der Eine
keinen Groschen mehr als der Andere.“ Auf Klein-Bankerotte Klein-Bankerotten denken diese „Leute der schwülen Faust“ an die
Auswanderung. Auf dem benachbarten Grossbankerotten sagen sie, wenn sie
unter sich sind: „Wäre doch erst die Zeit da, in der wir
das Schloss anstecken, Herrn v. Subhastanski neben
Itzigsohn an die beiden Thürpfosten aufhängen u. uns in das
Land theilen könnten, wie es die Franzosen vor 80 Jahren
thaten[.] Wir haben dort im J.
1870–71 wohl viele Bauern aber keine Rittergutsbesitzer gesehen u. es
geht in Frankreich doch auch ohne diese.“[«] (193)
» Strousberg richtete sich, als das Adelige Casino ihn nicht aufnehmen wollte (in Berlin) einen besonderen Adelsclub ein, an dem seine aristokratischen Protégé’s sich betheiligen mussten« (194) Der „Millionairclub“ (in Berlin) vereinigt nicht nur die Haute Finance, sondern auch Minister Camphausen ist Stammgast „am Tisch der Karpfenköpfe“ in demselben. Camphausen, Delbrück, Falk, Achenbach, Hammacher, Miquel u. a. regelmässige Gäste Ravené’s u. seines Schwagers Hansemann . (l. c.) Das Haus des Herrn v. Bleichröder darf von den Officieren des Regiments Garde du Corps ⦗also auf kaiserl. Befehl⦘ nicht betreten werden, bewirthet dafür Bismarck u. Familie u. die vom Diplomatischen Corps (Gesandte etc) speisen bei Bleichröder – dem Bismarck zu Gefallen. (l. c.)
8) Nachrede.
„Reich“, „Staat“, [„]Autorität“ – alles »Umschreibung« von – Bismarck – »und der Kanzler – gehört den Juden u. Gründern«. (204)
Inhalt:
Zitiervorschlag
Karl Marx: Heft XI (1879). In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital, Bd. IV/25, bearb. v. Timm Graßmann, hg. v. der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://megadigital.bbaw.de/M0012511. Abgerufen am 08.08.2026.