| Lieber Mohr!

 Siehe Marx an Liebknecht, 6.4.1871.
Schließen
Der Blind wird besorgt
– aber erst in der nächstfolgenden Nr. Ich habe mich nemlich von der Haft und namentlich der Gefängnißkost, die ich aus ökonomischen Gründen studirte, noch nicht ganz erholt. – Schreibe mir nur recht oft, und völlig ungenirt. Am besten setzst Du Deinen Namen außen aufs Couvert – man muß den Ochs (Stieber) bei den Hörnern packen. Beiläufig figurirt in der Untersuchung kein Brief von Dir als belastend, da Du skrupulös den ✢ deutschen Vereinsgesetzen Rechnung getragen hattest. Compromittirend (natürl. auch nur in puncto der Vereinsgesetze) waren bloß die im Copirbuch sorgfältig bewahrten Briefe des Ausschusses mit Anträgen an den Generalrath. Mehr Werth ward von der Anklage auf  „Confidentielle Mittheilung“ an den Braunschweiger Ausschuß der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Zwischen dem 24. und 28. März 1870 bzw. Circulaire du Conseil Général de l'Association Internationale des Travailleurs au Conseil Fédéral de la Suisse Romande du 1 janvier 1870.
Schließen
das vertrauliche Rundschreiben des Generalraths in Sachen Bakunin’s gelegt.
Ich hatte davon bloß den auf B. bezüglichen Theil gekannt. In dem Cirkular kommt eine Stelle vor: die I. A. A. wirke wesentlich durch ihre unterirdische Thätigkeit ( Siehe Circulaire du Conseil Général de l'Association Internationale des Travailleurs au Conseil Fédéral de la Suisse Romande du 1 janvier 1870. (MEGA² I/21. S. 162). Siehe auch W. Liebknecht an Engels, 8.12.1871.
Schließen
activité souterraine
). Dieses Souterrain (der andren Ausdrücke entsinne ich mich nicht genau) schien sehr bedenklich – ein Beweis, daß die I. A. A. eine zwieschlächtige Organisation habe, eine öffentliche und geheime. Ich erklärte diese Stelle könne nicht von Dir geschrieben sein, da sie Deiner ganzen wissenschaftlichen Auffassung der Verhältnisse widerspräche. | Außerdem lieferte namentlich meine Correspondenz den positiven Beweis des Nichtkonspirirens, und der Nichtbeeinflussung von Außen. In letztrer Beziehung sogar sehr drastisch – Ladendorf hatte ganze Bände gegen mich geschrieben und schreiben lassen (wegen meiner unnationalen & kommunist. Haltung) und war dafür kurz aber genügend von mir abgefertigt worden. Apropos L. steckt noch mit Blind zusammen. –

Nun einige Bitten & Aufträge.

Dein „Kapital“ habe ich im Gefängniß durchgepeitscht und sollst Du by and by die Früchte sehn.

Daß Du einige Fonds für das Blatt in Aussicht stellst, hat mich sehr gefreut – an ein Untergehn des V. ist übrigens nicht mehr zu denken. Nur daß wir verwünscht sparen und zwacken müssen.

Sollen die 80 reichstaler, welche Du mir im November für die Verwundeten (Parteigen.) schicktest, öffentlich annoncirt, oder privatim, unter Controlle des Ausschusses von mir verausgabt werden? Ich erinnre mich nicht mehr, was Du schriebst. Famos wär’s, könnten wir das Geld für das Blatt nehmen. Doch das wird wohl nicht gehn.

Du hast von Deiner Frau nichts geschrieben. Sie ist doch wohl?

Grüße von uns allen an Dich, die Deinen & Engels.

Dein W. L.

Bebel wird Dir  Siehe Marx an N. Liebknecht, 2.3.1871, N. Liebknecht an Marx, 16.3.1871, Marx an W. Liebknecht, 6.4.1871.
Schließen
die sten. Ber. von Berlin
aus besorgen.– Apropos: Du hast doch Briefe des Miquel? War er im Bund? Antworte umgehend!

Zeugenbeschreibung und Überlieferung

Dieser Brief wird hier erstmals veröffentlicht.

Zeugenbeschreibung

Soweit aus der Fotokopie zu ersehen ist, besteht der Brief aus einem Bogen grauweißem Papier. Liebknecht hat drei Seiten vollständig beschrieben, die vierte Seite ist leer. Schreibmaterial: schwarze Tinte.

Von unbekannter Hand: Jahresvermerk „1870“ auf der ersten Seite mit Blaustift; Notiz kopfüber am oberen Rand der ersten Seite mit Bleistift: „Marx [?] ist nicht d. Antwort betr. d. Miquel!“. Zusätzliche Unterstreichungen mit Bleistift, vermutlich nicht von Liebknecht, sondern später eingefügt („recht oft“, „völlig ungenirt“, „aufs Couvert“, „Generalrath“, „Rheinischen Zeitung (Revue)“, „öffentlich annoncirt“, „privatim“), ebenso wie die Bleistiftkorrekturen:

„es ärgert mich schändlich, daß es nicht zur Verhandlung kommt!“ > es ärgert mich schändlich, daß wir nicht zur Verhandlung kommen!“

„Doch das wird wohl nicht gehn. > Doch das wird wohl nicht gehn?“

Anmerkungen zum Brief

Zur Datierung: Die Datierung beruht auf der Anfrage an Marx, ob Liebknecht einen alten Artikel aus den Deutsch-Französichen Jahrbüchern abdrucken dürfe. Engels antwortet darauf direkt an Liebknecht, ca. 15.4.1871.

 

Zitiervorschlag

Wilhelm Liebknecht an Karl Marx in London. Leipzig, vor Donnerstag, 13. April 1871. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital, hg. v. der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://megadigital.bbaw.de/M6814222. Abgerufen am 25.09.2026.

Download

Dieses Dokument als TEI-XML herunterladen