| 25 Apr. 71.

Lieber Mohr!

 Abermals "Herr Vogt". In: Volksstaat. Leipzig. Nr. 38, 10. Mai 1871. S. 1, Sp. 2–3; S. 4, Sp. 1–2.
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Eine Notiz betr. „Herr Vogt“ war schon geschrieben
, als ich einige Zeitungen erhielt (Nürnb. Anz. & Stuttg. Beobachter – K. Mayer!), die Bezügliches bringen. Die Notiz mußte in Folge dessen verändert werden und ging nicht mehr in  Der Volksstaat. Leipzig. Nr. 34, 26. April 1871.
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die heutige (morgige) Nr.
Mit dem Todtschweigen ist’s also nicht geglückt. Die kleine Möpse haben begonnen, die größren Köter werden nachfolgen – haltet die Hundspeitsche bereit. Jetzt gilt’s Revanche für 10 jährige Verläumdungen und Niedertracht. And now is also Mr. Blind’s time.–

Und nun einen Pack Aufträge:

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Wir werfen uns jetzt vorwiegend auf die soz. Frage, da bei der Politik nur Confisk. & Zuchthaus herauskommt. Angst haben wir drum freilich nicht, doch es wäre Unsinn, sich den Kopf an der Wand einrennen. Bald werden wir Luft bekommen – mit der Bismarckerei geht’s rasch abwärts, das zeigt die letzte Rede des „Genialen“, – die naivste Bankrouterklärung, die mir je vorgekommen. Famos, daß Bebel Gelegenheit bekam, ihm Eins auszuwischen.

In ganz Deutschland werden Vorträge nach Deinem „Kapital“ über Mehrwerth & | Normalarbeitstag gehalten: für Letztren wird eine Massenagitation ins Werk gesetzt. Es scheint mir die praktischste Fordrung.

Trotz aller Abneigung gegen Popularität wirst Du doch nach und nach „Tagesheld“ – auf der hiesigen Messe figurirst Du in einem wandernden Photographieladen zwischen Garibaldi und mir, in Gesellschaft Bebels und – Viktor Hugos (!). Flourens wird versprochen!–

Gestern wurde der Volksst. wieder konfiszirt, auf Denunziation der liberalen Presse, die den betr. Artikel 14 Tage lange den Staatsanwälten und Oberstaatsanwälten unter die Nase gehalten hatte. Von der Infamie unsrer Presse kannst Du keinen Begriff haben; sie ist nur möglich bei dem denkfaulsten und feigsten Volk, das 8 Jahre lang durch die Bismarck’sche Wirthschaft systematisch korrumpirt worden ist. Die Denkfaulheit & Feigheit Michels kennst Du wohl, aber nicht die Ausdehnung jener Corruption.–

Adieu! Tausend Dank Deiner Frau, die mich in die alte Zeit zurückversetzt & das Heimweh nach London wachgerufen hat! Es waren doch schöne Zeiten, trotz Pawnshop und oft knurrenden Magens! Ich hoffe Euch bald zu sehn! Tausend Grüße an Euch Alle und Engels, für den dieser Brief natürl. mit ist. Meine Frau schreibt der Deinen.

W. L.
| Für Mohr.

Zeugenbeschreibung und Überlieferung

Absender

Briefkontext

Zeugenbeschreibung

Soweit aus der Fotokopie zu ersehen ist, besteht der Brief aus einem Bogen weißem Papier. Liebknecht hat drei Seiten vollständig beschrieben. Schreibmaterial: schwarze Tinte. Die vierte Seite ist leer bis auf die Adressierung mit Bleistift: „Für Mohr.“.

 

Zitiervorschlag

Wilhelm Liebknecht an Karl Marx in London. Leipzig, Dienstag, 25. April 1871. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital, hg. v. der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://megadigital.bbaw.de/M0144086. Abgerufen am 25.09.2026.

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