Curtius, Ernst. Griech.
Geschichte. 3 Aufl. Berlin Weidmann 1868
Ernst Curtius: Griechische Geschichte. Bd. 1. Bis zum Beginne der Perserkriege. 3. umgearb. Aufl. Berlin 1868.
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[I. Band]
Sklaverei
I, II Der Handel & die Schiffahrt in Griechenland v.
den Phöniziern begründet — Purpurmuscheln im
griechischen Meer häufig, die Phönizier hielten 6 Tage
lang Märkte am Strand, lockten auch wohl schöne Mädchen vor der
Abfahrt an Bord sie zu verkaufen. Ständige Stationen auf vorliegende,
unbewohnte Inseln ( Bei Curtius: Kranae
Schließen Kranä) errichtet.
Schiffsbauholz nicht in Hellas. Die Kermeseiche lieferte Wurzelrinde zum
Gerben, Beeren zum Rotfärben. Dann kam die Ausbeutung der Kupfer, Silber
& Eisenerze. Alles dies lernten ihnen die Griechen bald ab, sie traten
als fertiges Seevolk in die Geschichte ein. Unter Rhamses I seit
1443 Dardaner, Leka, Lykier, Tursa, Tyrrhener, Achäer als die Nilmündung
beunruhigend genannt.
I, III. Der Seehandel & Seeraub zusammen „von den Phöniziern hatte man gelernt, wie Knaben & Mädchen, auf dem Felde aufgegriffen, mehr als alle anderen Marktwaaren Gewinn einbrächten[«]. In diese allg. ägäische Räuberei brachte Kreta (Minos) zuerst Ordnung.
Die Thessalier brachen in der Heroenzeit aus Epirus ins Peneiosthal,
ein Reitervolk, & unterwarfen die Aeolischen Bewohner. »Die
Einwohner wurden gemeindeweise einzelnen Häusern des thessal. Kriegsadels
zugewiesen; sie wurden die Stützen dieser Adelsmacht die im
eroberten Lande mächtig anwuchs; sie schafften als Zinsbauern … im Kriege
wurden sie aufgeboten um als Dienstleute ihre ritterl. Herren zu begleiten;
im öffentl. Leben blieben sie ohne Berechtigung … es gab neben dem ritterl.
Adel nur eine unterworfene Volksmenge welche … häufige
Erhebungsversuche machte« aber stets erfolglos. 90. Bemerkung von Engels.
Schließen Hier also Ansatz zu feudalen Verhältnissen, weil die
Bauern dem Einzelnen, nicht dem Staat zinspflichtig. Blieb aber
isolirt & ohne Bedeutung.
Bei Homer phönizische Sklavinnen zur Weberei v. Teppichen bei Priamos & beim Vater des Eumaios. Die kyklopischen Bauten setzen einen hohen Grad von Kunstfertigkeit voraus – in Mykenai am s. g. Schatz des Agamemnon ein Thor mit einem Querstein v. 27 Fuss Länge. (wahrscheinlich ein Grabbau) 122. – Die Könige zugleich Oberrichter, doch mit Beisitz der Geronten – Blutrache der Familie gewahrt. »Wer aus seinem Stamm herausgetreten ist, befindet sich in einer ganz anderen Welt, & keine rechtlichen Satzungen reichen aus einem Staat in den andern hinüber.« 126. So gleichartig Lebensart &c. aller Stämme ist.
Aber schon bei Homer zeigt sich die fürstliche Macht (der alten Kriegsfürsten, denn so müssen sie entstanden sein), »die Centralmacht der heroischen Welt ist erschüttert; es hat sich neben der kgl. Gewalt eine andre Macht erhoben, die des Adels.« 129. Ditto die Priester & sogar die Volksmassen regen sich auf den Märkten & man muss sie überreden. Mentor appelirt den Freien gegenüber ans Volk in Ithaka, denen niemand Schranken setze, »den Wenigen, Eurer so viele«. Das Aufkommen des Adels sei mehr bei den erobernden Doriern, das des Volksbewusstsein bei den Handeltreibenden, marktlebenden Joniern. 130.
»Der Handelsverkehr ist im Wesentlichen noch ein Tauschhandel wie er im ägäischen Meer wegen der ungemeinen Mannigfaltigkeit der Produkte sehr lange diesen Charakter behalten hat.« Doch schon früh Vieh Wertmesser & Geldwaare, Rinder & Schafe sind Lösegeld für Gefangene, Kaufpreis für Sklaven. Kupfer wurde von Kleinasien gegen hellenisches Eisen eingetauscht. »Die edlen Metalle haben bei Homer schon allg. Gültigkeit. Um Goldschmuck verrathen sich Freunde & Gatten & der Könige Goldreichthum wird nur desshalb so hervorgehoben, weil das Gold eine Macht war, weil man für Gold alles haben kann. Die Jonier sind es welche das Gold in den griechischen Verkehr gebracht haben … auf der Wage wurden die Goldstücke zugewogen, ταλαντον bezeichnet die Wage so wie das Gewogene; auch muss das homerische Talent schon eine bestimmte Gewichtseinheit bedeuten. 131.
II Buch. I. In Sparta besetzten die Dorier zuerst nur das obere Thal & Amyklai blieb als Achäerstadt Jahrhunderte lang Sparta gegenüber; die Landtheilung muss durch Verträge geordnet worden sein 141 & die Dorier nicht alle in einer Masse sondern nach & nach in den Peloponnes gekommen sein, & nach langen Kämpfen erst gesettled. 149.
In Kreta hatten die Dorier die alte Verfassung nicht umgeworfen. Die kretischen vordorischen Patriziergeschlechter behielten die Herrschaft & das ausschliessliche Wählbarkeitsrecht zu Senat, zu den 10 κοσμοι (Oberste Regierung v. Kreta) & ihre privilegirte Stellung in den Städten. Den Doriern gab sie Staatsland gegen Verpflichtung zum Kriegsdienst & mit dem Recht »als die waffentragende Gemeinde zu allen wichtigeren Beschlüssen, namentlich wo es sich um Krieg & Frieden handelte, ihre Zustimmung zu geben.« Daher die herangewachsenen Knaben vom Staat zur Gymnastik, Waffenübung & Abhärtung in Masse erzogen. Die einzelnen Unterabtheilungen des Heeres (xxxx. Züge, Korporalschaft) assen & schliefen zusammen, & zwar auf Staatskosten. »Jeder lieferte von seinem Besitz den 10. Theil des Fruchtertrags an die Genossenschaft, der er angehörte & diese wiederum an die Staatskasse. Dafür übernahm der Staat die Beköstigung der Krieger sowohl wie auch der mit den Kindern & dem Gesinde das Haus hütenden Frauen, im Krieg wie im Frieden. 152. Damit die Krieger stets üben & jagen könnten, wurde ihr Land von einem Stand Leute besorgt »welche durch Kriegsrecht in ein unterthäniges & bürgerlich rechtloses Verhältniss gerathen waren.« Wann & wie? Unbekannt. Es gab ihrer 2 Klassen: 1) die Mnoïten bebauten die ager publicus gebliebenen Staatsgüter, 2) die Klaroten, die in den Erbbesitz der dorischen Einwanderer übergegangenen Länder. Die Dorier forderten v. ihnen den Ertrag der Felder ein & waren nur verpflichtet zu sehn dass sie ordentlich wirthschafteten; sonst ist ihr Loos in dem Spruch eines v. ihnen, Hybrias des Kreters, ausgesprochen: „Hier ist mein Schwert, Speer & Schild, mein ganzer Schatz; damit pflüg’ & erndte ich, damit keltre ich meinen Wein.“ Dafür hielt der Adel sie aber auch dumm, p. 153.
Lakonien v. jeher gemischte Bevölkerung, vorherrschend archäisch bis die Dorier kamen. Das Doppelkönigthum muss schon vor ihr Bestand haben oder wenigstens die Seehsherrschaft (in 6 Städten) aus der es hervorgegangen; noch deutliche Spuren in Sparta dass früher noch eine 3te Familie (Agiaden) Thronrechte neben den beiden andern besass. 161. Zu Lykurgs Zeit Zwist zwischen den Doriern & den auf die achäische Bevölkerung sich wieder stützenden Königsfamilien – daher sein Eingreifen. Die bestand (ca. 880) 1) in Herstellung des Landfriedens zwischen Dorier & Achäer, 2) Ausgleichung & Feststellung der Rechte & Pflichten beider Stämme, 3) Dorische Gemeindeordnung. Natürlich wurde nach griechischer Weise die ganze weitere Ausbildung dieser Grundlage auch dem Lykurg zugeschrieben. – Die ganze lykurgische Gesetzgebung wesentlich ein Vertrag, also nicht exklusiv dorisch. – Die im ganzen Land zerstreut lebenden dorischen Militärkolonisten wurden im Eurotasthal um Sparta neu angesiedelt, (4500, 6000 oder 9000 Ackerloose? wahrscheinlich erste, die höheren Zahlen wohl spätere Zustände bezeichnend) von Pellana & Selasia an das Land zwischen Parnon & Taygetos erfüllend. Sie waren eingetheilt in Phylen à 1500 & Oben à 150 Hausstände. Die Ackerloose unveräusserliche Majorate die bei Mangel an Söhnen an den Staat zurückfielen. – Um das Spartiatenland herum wohnten die Periöken d. h. alt Lakedämonier, deren Landverhältnisse unberührt blieben. Sie waren mehr als 3 mal so zahlreich, hatten das schlechtere Gebirgsland, trieben Ackerbau, Viehzucht, Bergwerke, Handel & Schiffahrt, waren freie Eigenthümer, aber steuerpflichtig. – Das Spartiatenland wurde bebaut von Heloten, wohl grossentheils bereits v. den Achäern dienstbar gemachten früheren Einwohnern Lelegern, &c. Die Spartiaten |[2] wurden so zu sagen mit Weib & Kind bei den Heloten auf deren früheren Acker einquartirt, die Helotenfamilien unter den Spartiaten vertheilt & bebauten deren Ackerloose. V. jedem dieser Loose hatten die Heloten 82 Scheffel Gerste & ein festes Mass Wein & Oel an die Spartiaten abzuliefern; was mehr war gehörte ihnen selbst. Die Heloten waren Staatsknechte, durften nicht verkauft oder verschenkt werden, glebae adscripti, gehörten zum Inventar des Ackerlooses. – So hatten die Dorier freie Zeit für Kriegsübung, Jagd & Politik. Alle Monate wenigstens Eine Volksversammlung, wo nicht debattirt, bloss gestimmt wurde, keine Amendements aus dem Volk, nur Ja oder Nein. Auch nur die wichtigsten Angelegenheiten dem Volk vorgelegt, so dass die Politik nicht viel Zeit wegnahm.
– Übrigens konnten auch Unebenbürtige, Periöken oder Helotenkinder, wenn sie die Uebungsschule durchgemacht, mit Bewilligung der Könige von einem Dorier adoptirt & auf einem erledigten Loose als Spartiate angesiedelt werden. – Die Knaben vom 7t. Jahr öffentlich erzogen, in Abtheilungen eingestellt. – Gemeinschaftliche Syssitien zu je 15 Mann, durch Ballotage gewählt, one black ball rejecting, & 300 solcher Kameradschaften machten die dorische Gemeinde aus. – Auswanderung eines Spartiaten – Desertion mit dem Tod bestraft. Ditto Verbot bei Todesstrafe andres als eisernes Geld zu haben, daher Reichthum fast unmöglich für Spartiaten. Daher die Abgeschlossenheit der Spartiaten, ihre Abtrennung vom übrigen Griechenland. – Jagd im Taygetos (θῆραι zwischen Taleton & Euoras) galt auch als Kriegsübung. – Die Frauen hatten als Hausvorsteherinnen & durch Ueberwachung der Helotenarbeit eine weit verantwortlichere Stellung als im übrigen Griechenland – wegen der häufigen Abwesenheit der Männer. Wo mehrere Brüder 1 Ackerloos zusammen hatten, hatten sie oft auch 1 Frau zusammen. – Das Achäergebiet durch Vögte regirt. – Das Ephorenamt stieg an Bedeutung seit die Könige sich den lykurgischen Gesetzen widersetzten, aber erst nachdem Sparta erobernder Staat geworden, wurde es das mächtigste im Staat. – Übrigens dienten in jedem lakedämonischem Heer auch Periöken als Hopliten, v. den Spartiaten, geborenen Offizieren, eingeübt. (als Leichtbewaffnete gingen Periöken & Heloten in den hinteren Gliedern mit.) So war für die Spartiaten der Friede = langweiliger Garnisondienst.
Der messenische Krieg beruhte auf der sehr unvollständigen Dorisierung des Landes, die nun durch Sparta vorgenommen. Die Messenier blieben auf ihren Ländereien sitzen, steuerten aber an Sparta den halben Ertrag, & waren allen Kriegs- & Friedensverpflichtungen der Periöken unterworfen. Doch wurde ein Theil des Landes zu Spartiatenloosen vermessen (die jetzt wohl auf 9000 stiegen) & damit die alten, v. mehreren Familien besetzten Loose entlastet. Auch wohl dorische Messenier in die Spartiatengemeinde aufgenommen. Nach dem 2t. messenischen Krieg das ganze Land in (überhaupt im ganzen Staat neue Landtheile) Spartiatenland & die Einwohner in Heloten verwandelt. – Um diese Zeit oder bald darauf kam auch die Angst der Spartaner vor den Heloten auf, gegen die plötzliche Mordzüge veranstaltet gewöhnlich beim Antritt der neuen Ephoren, um ihre Zahl niederzuhalten. – Bis 560 die Ephorenmacht die entscheidende im Staat: Beaufsichtigung der achäischen Könige durch dorische Beamte.
Von Engels an den Rand des folgenden Absatzes
geschrieben.
Schließen Das Silbertalent = 1570 Th.
Geld. Das
babylonisch-chaldäische-assyrische Talent =
60 Mana & diese wieder in 60 Thalern. Dabei schweres Gewicht, 1/60 Mine = 16.83 gr.,
& leichter, = 8.4 gr. in Ninive. Gold : Silber = 1 : 131/3. – Die Griechen
nahmen diese Einheit an, theilten die Mine aber in 100 Thaler statt 60 &
prägten das Stadtwappen auf die Metallstücke,
als Bürgschaft des richtigen Gewichts. In Phokaia der Stater = 1/60 Mine schwer = 16.83 gr. Gold mit den Plural von phōkē,
altgriech. für Robbe oder Seehund. Die Robbe war das Stadtwappen von
Phokaia; auf dem Stater der Stadt wurde das Wappen
geprägt.
Schließen Phoken geprägt, ca. 3 Friedrichsd’or, & bald auch 1/6 Stater, &
Silbermünzen. Also war ein Goldstater = 224.4 gr. Silber, bei leichterem
Gewicht (8.4 gr. Gold) = 112.2 gr. Da dies zu gross für ein Stück, schlug man entweder 1/10 = 11.22 gr. ode 1/15 = 7.48 gr. Silber. Ersterer, der Zehnstaterfuss
galt in Mesopotamien & Lydien, der andre, der 15 Staterfuss im
kleinasischen & phönizischen Küstenland. – Im Peloponnes schlug
man einen Silberstater von 12.40, um noch besseres Geld zu haben als das
kleinasiatische. Die Hälfte des Staters
war die Drachme, also 6.20 gr. = 5 à 6 ggr. gr. = 62 à 75 Mkpf.(?)
& diese hatte 6 Obolen. Diese zuerst in Aegina
geprägt unter König Pheidon v. Argos, der die erste Münze in Europa
errichtete & bald auch Gold schlug. Auch die asiatischen Maße
(Längen & Raum) gleichzeitig angenommen & genau geregelt.
II, 2. Attika. Anfang des 7. Jhdts die Eupatriden im Besitz von Regierung & Gericht, dabei auch den besten Ländereien in Pediäa, der Ebene um Athen & besonders die zuletzt eingewanderten Familien unter ihnen bauten Schiffe & bereicherten sich durch Seehandel. Dazu kam die Einführung der Geldwirthschaft an Stelle der Naturalwirthschaft, Geldsteuern, Geldstrafen, &c. – & hiermit kamen die kleinen Bauern & Bürger mehr & mehr in die Schuld der Eupatriden & bei dem hohen Zinsfuss & wenigem Geld wuchsen diese Forderungen enorm rasch. So verfielen die Ländereien der freien Eigenthümer der alten Geomoren mehr & mehr den Eupatriden, die die alten Besitzer als halbfreie Hektemorioi (die also bloss den sechsten Theil des Ertrags behielten) darauf sitzen liess oder sie in Hofgesinde verwandelte. Dass die Eupatriden dabei noch allerhand Rechtskniffe kraft ihrer regirenden & richterlichen Standesgewalt anwandten, geht aus dem allgemeinen Verlangen hervor, nachdem Einer v. ihnen, Drakon, das Gewohnheitsrecht aufschreiben musste, & gleichzeitig wurde auch die Gerichtsverfassung fürʼs Blutgericht geändert. Trotzdem dauerten die alten Uebel fort, bis endlich durch den kylonischen Burgfrevel veranlasst, der Unwille zum Ausbruch kam & Solon – der selbst auf eignem Schiff Handelsreisen gemacht – berufen wurde zu schlichten.
Solon beschränkte das Pfändungsrecht & verbot den Schuldner oder seine Familie als Pfand in Sklaverei zu nehmen oder zu verkaufen. Dann reduzirte er die Schuldsummen. Man hatte in Athen die äginatische Drachme = 6.20 gr. Silber angenommen, daneben galt auch Gold, das Goldtalent hiess das euböische. Um nun Gold & Silber neben einander zu haben & leicht nach der feststehenden Proportion reduziren zu können, schlug Solon eine Drachme = 1/4 des Gewichts des phokaischen Goldstaters also = 4.36 gr. Silber & 100 dieser Drachmen machten eine neue Mine, sodass diese sich zur alten Mine verhielt wie 100 : 137. In dieser neuen Währung konnten nun die in der alten gemachten Schulden bezahlt werden & zwar in bestimmten Fristen & der Zinsfuss war auch auf eine Zeitlang gesetzlich beschränkt für diese Schulden. Dann wurde ein Maximum an Landbesitz festgestellt, das Niemand überschreiten durfte. – Der Werth eines Grundstücks damals = 12 × den durchschnittlichen Ertrag. Der Werth einer Medimne Gerste = 1 Drachme. Also die Pentakosiomedimnen hatten ein Vermögen v. 6000 Scheffeln oder Drachmen = 1 Talent = 60 Minen. Die Ritter (300 Medimnen) von 3600 Drachmen die Zeugiten (150 Medimnen) von 1800 Drachmen die Pentakosiomedimnen zahlten für volle 6000 Drachmen, die Ritter nur für 3000, die Zeugiten nur für 1000 Drachmen Steuern. – Also Proportional-Steuern. Der Rest war steuerfrei, Theten & nicht wählbar. – Solon verbot den Bürgern den Betrieb unwürdiger Gewerbe, z. B. Bereitung & Verkauf von Salben, als freier Männer unwürdig. Durch die solonische Reform das kleine Grundeigenthum des Bauernbürgers wiederhergestellt & lange erhalten, als Gegengewicht gegen die Händler. Für diese handelte Solon durch Regelung von Münze, Maß & Gewicht. Das alte Talent blieb auch im neuen Münzfuss als Handelsgewicht in Galtung, sodass die Handelsmine 138 Münzdrachmen wog.
Bei den weitern Reformen des Kleisthenes nach dem Sturz der Pisistratiden wurde eine Masse Schutzverwandte & Freigelassene |3 (Gewerbeleute & Handwerker) zu Vollbürgerrecht zugelassen. Schon unter Solon war bei der Zulassung des Demos zu den politischen Rechten ähnliches geschehen.
507 im Krieg gegen Sparta, Theben & Chalkis, das letztere genommen, die Patrizier (Hippoboten) vertrieben & ihre Ländereien an 4000 Athener ausgetheilt, die sich in Chalkis niederliessen.
Kolonien am Pontos, wahrscheinlich durch die Thunfischer zunächst veranlasst die aus dem asowschen Meer, ganz klein, herausschwärmen, der Südküste zu & entlang treibend wachsen & bei Sinope schon den Fang lohnen, dann im Frühjahr in Massen durch den Bosporus einströmen. – Die Pontosufer bald die Kornkammern Griechenlands, lieferten Holz, Leder, Pech, Wachs, Honig, Flachs, & die Kaukasier schon damals verkauften Gefangne als Sklaven – sie waren auch Seeräuber. Sinope, am Ende der grossen assyrischen Reichsstrasse von Ninive an den Pontus 785 v. den Milesiern gegründet, unzweifelhaft durch Vertrag mit der assyrischen Regierung. Hier Thunfischfang aus erster Hand, Oelbau, Erzberge wo Eisen & Stahl seit lange verarbeitet, Sklavenzufuhr aus dem Innern. – Bei der grossen klimatischen & Boden Verschiedenheit der Nord- & Südküste des Pontos der Handel zwischen den Colonien beider Küsten sehr bald lebhaft. Besonders Oel & Wein nach Norden.
In Aegypten hatten die Milesier wahrscheinlich schon
im 8t. Jhdt eine Faktorei à la Bei
Curtius, S. 389: Canton. Gemeint war also nicht Macau, sondern
Guangzhou.
Schließen Macao & Nangasaki, am canobischen Nilarm. Seit
den assyrischen Theilfürsten & Psammetichos Naukratis
& Freihandel, der Aegypten enorm hob – bald 20,000 blühende Städte im
Land – (aber auch das altägyptische Wesen untergraben) 200,000
Krieger wanderten aus nach Nubien weil sie nicht mit Psammetichosʼ
griechischer Söldnergarde dienen wollten.
Ernst Curtius: Griechische Geschichte. Bd. 2. Bis zum Ende des Peloponnesischen Kriegs. 3. Aufl. Berlin 1869.
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II. Bd.
Persien. Als Dareios Hystaspes
das Reich
wiederherstellte, wurden die Vasallenstaaten in Satrapien verwandelt,
eine nach Rangklassen geordnete Büreaukratie gebildet, die am
Hof den služba lernte. In allen Provinzen (nach Art der Ägypter wo
Dareios dies gelernt) das Land vermessen & abgeschätzt,
ein vollständiger Kataster entworfen & danach den Provinzen
der Zins zugemessen. Indien zahlte Gold, die
andern 19 Satrapien in Silbertalenten – zusammen ca. 23
Millionen Th. Geldzins. Daneben Naturaltribute der besten
Produkte jeder Gegend, sowie eine Menge
andre
Einkünfte z. B. für Benutzung der kgl. Wasserwerke – Bemerkung von
Engels.
Schließen also Staatsirrigation so alt
mindestens – & Domäneneinnahmen. Geld: Nachdem v. Krösus eingeführten Münzfuss (Goldstück à 1/60, Silber à 1/45 der leichten
babylonischen Mine, daneben Goldstatern auf Silbergewicht, 1/3, 1/6, 1/12 Statern, ein
Anschluss an den ionischen Silbercourant) der Dareikos à
8.40 gr. Gold = 1/2
phokäisch Stater = 1/60
der leichten babylonischen Mine. Aber 50 Einheiten, nicht 60
für die Mine, so dass das Goldtalent = 3000
Goldstater, & das war zugleich das euböische
Talent. – Bemerkung von
Engels.
Schließen (Diese Einführung der
Geldwirthschaft neben der Naturalwirthschaft & die
letztere mehr & mehr verdrängend muss wesentlich zur
Unordnung & Unzufriedenheit & zum Verfall des
persischen Reichs beigetragen haben, da hier
unzweifelhaft noch viel Gemeinde Eigenthum das
in Verfall kam.) Daher heissts: Kyros habe regirt wie ein Vater, Kambyses wie ein Herr,
Dareios wie ein Wucherer. Daher auch die
Nothwendigkeit einer ausgebreiteten geheimen Polizei &
allgemeine Spionage.
Thasos (Colonie der Parier 720) hatte zur Zeit der Perser Kriege von seinen eignen & den thrakischen Bergwerken (Gold & Silber) & den Zöllen ein Einkommen v. 100 Talenten = 450,000 Th., ohne dass die Berggrundstücke besteuert zu werden brauchten. Dies am Ende seit Mardonios die Insel unterwarf.
Um dieselbe Zeit die Aegineten auf der Blüte ihres Handels, erste Seemacht des Archipelagus, handelte v. Umbrien bis Aegypten & ins schwarze Meer, hausirten mit ihren Thon- & Erzwaren &c. überall herum, folgten den Heeren & kauften Beute wohlfeil auf (Platäer) bis sie aus Eifersucht gegen Athen & Korinth & aus Furcht ihren Handel zu verliren, auf persische Seite traten & dafür später v. den Athenern gezüchtigt wurden.
Piräus durch Themistokles 492 angelegt.
Laurion Silberbergwerk, damals in voller Entwicklung & Ertrag, Tausende von Sklaven arbeiteten drin für Rechnung v. Staatspächtern, die ca. 4% des Bruttoertrags an den Staat zahlten, & dies wenn sonst nicht gebraucht, wurds unter den Bürgern vertheilt, so dass 10 Drachmen auf den Kopf kamen, als Themistokles dies Geld zum Flottenbau zu verwenden vorschlug: 10 × 30,000 Bürger = 300,000 Drachmen = 50 Talente = 75 000 Th.
Die griechischen Städte verhältnissmässig klein angelegt, selten mehr als 40–50 Stadien Mauerlänge; wurden sie zu voll, dann Auswandrung. In Italien schon grössere Städte & Zubau, z. B. Syrakus. Nach den kleinen Städten misst sich die ganze griechische Geschichte & Sparta, das keine Mauern hatte, konnte sich frei ausdehnen & war mehr idealer Mittelpunkt des ganzen als strategischer. Dies erklärt Manches. – Die Griechen die einzigen Kleinstädter die in der Geschichte Grosses geleistet. Schon die römischen & mittelalterlichen Städte weit grösser, ebenso die alten orientalischen Handels- & Königsstädte. – Neben der freien Bürgerschaft bestanden Schutzgenossen, vor allem aber Sklaven in Attika mindestens 4 × als zahlreicher als Bürger, in Korinth (460,000 Sklaven) & Aegina (470,000) mindestens 10 × so stark (II p. 49 48 & Anmerkung p. 741 731). Diese jedoch auf den Schiffen & in den überseeischen Faktoreien mehr oder weniger zerstreut. In aristokratischen Staaten strenger Standesunterschied, in demokratischen mehr gemüthliches Verhältniss zum Sklaven. Dabei diese meist Barbaren, Phryger & Syrer, Pontiker &c. die die Überlegenheit ihrer griechischen Herren fühlten. Der beste Beweis dass die Sklaven sich mehr oder weniger mit der Gemeinschaft ihrer Herren verwachsen fühlten, ist dass man sie in der Phalanx in den hinteren Gliedern als Leichtbewaffnete verwenden konnte ohne Verrath zu fürchten. Ebenso die Spartaner ihre Heloten, & dies beweist eben wieder dass obiger Beweis sehr wenig beweist. Dies zur Zeit der Perserkriege.
(Nach 467) Perikles um das Übergewicht über den spartafreundlichen Kimon (der sein Vermögen durch Freigebigkeit auch zum Popularitätsmittel machte) zu erhalten, führte den Theatersold ein. Die zuströmenden Reichthümer & der wachsende Verkehr mit Asien hoben Festeslust & Hang zum Wohlleben, & so hiess es, an den Festen sollten alle gleich sein, & da der Staatsschatz doch allen gehöre, müsse den Armen die 2 Obolen für das Theaterentrée an den Dionysosfesten ausgezahlt werden. Das Entrée ging an den Theaterbaumeister, der davon das Theater im Stand hielt & eine Pacht an den Staat zahlte. Bald neben dieser Diobolie Geldaustheilung an ärmere Bürger auch an andern Festen um sich einen guten Tag zu machen, damit sie nicht v. der Freigebigkeit der Reichen abhingen & in eine Art Klientel geriethen. p. 140. (II)
Bald nahm dies zu: »Man fuhr fort (d. h. Perikles) in immer ausgedehnterer Weise den öffentlichen Schatz zu benutzen, um die armen Bürger von dem Einfluss welchen die Freigebigkeit der Reichen ausüben konnte, frei zu machen, sie durch Spenden & Kornvertheilung zu gewinnen & durch Geldentschädigung zu einer allgemeineren Betheiligung an den öffentlichen Angelegenheiten heranzuziehen. Denn in der Menge der ärmeren Bürger lag die Macht der Bewegungspartei.« 150. Daher auch Verlegung der Bundeskasse von Delos auf die Akropolis. Diese Bundeskasse stets bedeutender werdend, weil die kleinen Staaten lieber Geld f. Mannschaft stellten & die v. ihr gestellten Schiffe durch athenische Bürger besetzen liessen. Mangel an Schutz in Delos war Vorwand, der Bruch mit Sparta 461 gab die Gelegenheit diesen Vorwand geltend zu machen, weil sonst eine besondre Flotte stets Delos schützen müsse, & so wurden die 1800 Talente nach Athen gebracht & jetzt erst das Bürgerfüttern aus den Ueberschüssen recht entwickelt.
Nach den Umtrieben des Pausanias, der im Tempelasyl eingeschlossen verhungerte, grosse Grausamkeit in Sparta gegen die Heloten, die sogar aus den Tempeln geholt & ermordet wurden, weil man glaubte sie seien darin betheiligt. Darauf das Erdbeben von Sparta 464, als Götterstrafe für den |[4] Frevel angesehen, & allgemeiner Aufstand der Heloten & Messenier durch Archidamos unterdrückt.
Die Geldspenden in Athen immer reichlicher »damit die Armen sich Lebensgenuss verschaffen konnten, ohne sich dafür Einzelnen ihrer Mitbürger verpflichtet zu fühlen.« Ausserdem sei der Demos jetzt Herr & müsse am Glanz der Herrschaft theilnehmen; eine zurückgesetzte Klasse, in der sich Gährungsstoff & Unzufriedenheit entwickle & die die Majorität ausmache, sei undenkbar, & so votirte sich das Volk „Zulage“ über Zulage. Dabei waren die Summen nicht so übermässig: »Nur Wenige waren so arm dass sie sich ohne Sklaven durchhelfen mussten, während wir attische Familien über die peinlichsten Einschränkungen klagen hören, wenn sie nicht mehr als 7 Sklaven halten können.« 196. Also mit wenig Geld war viel Zufriedenheit herzustellen. Daher 1) Beförderung aller Erwerbszweige die das Volk bereicherten, 2) wohlfeile Lebensmittel, niedrige Kornpreise, Gesetze gegen Kornwucher, Staatsmagazine woraus wohlfeil Korn & Brot verkauft wurde; 3) unentgeltliche Lebensmittelvertheilung, anfangs nur bei Festen, Volksspeisungen in den Tempelhöfen, & Hekatomben des Staats waren Fleischmahlzeiten fürs Volk. »Die Feste wurden aber immer zahlreicher, die Opferschmäuse immer häufiger & reichlicher. Das Volk gewöhnte sich daran beim Staat zu Gast zu gehn, sich v. ihm unterhalten & bewirthen zu lassen, & fand immer mehr Geschmack daran ohne Arbeit & Kosten zu geniessen.« Die Feldvertheilung aus Ueberschüssen schon zu Themistokles Zeit. Dann die Diobolie. Dann diese Theorika oder Theatergelder auch an Festen gezahlt wo keine Schauspiele stattfanden, bloss zum Verjubeln, & wo die Feste mehrtägig, da auch Zahlung für jeden Extratag. 197. Dann der Kriegersold, der an Löhnung & Verpflegung 4 Obolen täglich betrug. 198. Dann der Richtersold an die 5000 Geschworenen & 1000 Ersatzgeschworenen die aus der Bürgerschaft jährlich ausgeloost wurden & in Sektionen von je 500 die 10 Gerichtshöfe bildeten. Je nach Wichtigkeit der Sache fast nur ein Theil der 500, oder wurden mehrere Sektionen in einem Gerichtshof vereinigt; jedes Gericht mit den 10 Phylen das Loos gemischt das unmittelbar vor der Sitzung ausgeloost & so das Gericht gebildet. Je zahlreicher die Geschworenen, desto sicherer vor Bestechung. Der wachsende Verkehr & andre Umstände, darunter die Prozessucht der Athener machten mit dem Wachsen der Demokraten die Stellung der Volksgerichte immer wichtiger & mächtiger, bes. seit mit der Hegemonie Athens über die Bundesgenossen alle wichtigen Civilsachen, alle Kriminal- & politischen Prozesse vor die athenischen Volksgerichte kamen. Seit dieser Zeit die athenischen Heliasten mit Geschäften überladen, fast nur an Festtagen nicht, & so 1/4 der Bürger allein mit Richten beschäftigt. Das bei armen Bürgern nur möglich wenn bezahlt, & so der Richtersold wahrscheinlich bald nach dem Sturz des Areopag (460) eingeführt. – Dann der Volksversammlungssold, 1 Obolus, eingeführt auf Antrag des Kallistratos & Ratsherrensold, 1 Drachme pro Sitzung. Durch alle diese Mittel kam Perikles dahin, Führer von Athen zu werden, & wenn auch sein Name nicht bei jeder solcher Neuerung erscheint, so ist er doch verantwortlich dafür. 15 Jahre führte er den Staat, v. jetzt an, nach erreichtem Ziel, die demagogischen Mittel verschmähend.
Aspasia: Perikles war v. seiner Frau geschieden als er Aspasia zu sich nahm »eine hohe und reichbegabte Natur, voll Sinn für alles Schöne, harmonisch & glücklich entwickelt. Zum ersten Mal sah man den Schatz hellenischer Bildung im Besitz eines weiblichen Wesens, v. weiblicher Anmut umflossen, & betrachtete voll Erstaunen diese wunderbare Erscheinung«. 209. Aber damit Aspasia dies werden konnte, musste sie Hetäre werden. Dies bezeichnet die Stellung der Weiber in Griechenland.
Finanzen unter Perikles . Einkäufe 1) von Domänen & Bergwerke, die durch die Hegemonie & Unterwerfung v. Theseus[,] Aegina &c. bedeutend vermehrt, so waren die thrakischen Bergwerke damals ohne Zweifel attisches Staatseigenthum, 2) Zölle die auch mit dem Aufschwung des Handels sich enorm hoben. 3) Kopf- & Gewerbesteuer der Metöken, die Sklavensteuer – diese 3 verpachtet. 4) Gerichtsgebühren & Strafgelder die auch sehr gewachsen. Damit »konnte Athen bestehen« p. 220, ohne die Bürger direkt zu besteuern. – Aber die Reichen doch stark herangezogen durch die Liturgien oder Staatsleistungen. Die Liturgien aus den 10 Stämmen gewählt & hatten nach der Reihe die in ihr Jahr fallenden Ausgaben zu leisten. 1) Für Einübung & Unterhalt der Chöre (Choregie)[;] 2) Vorbereitung der Wettkämpfe auf den Rennbahnen, Ringplätzen & Regatten; 3) Festgesandtschaften zu auswärtigen Heiligtümern[;] 4) Anordnungen feierlicher Prozessionen; 5) Speisung der Stammgenossen usw. usw. Dies die ordentlichen; zu den ausserordentlichen Liturgien gehörte die Trierarchie (Pflicht die Staatsschiffe in Kriegsstand zu setzen, Mannschaften zu werben & auch Unkosten & Vorschüsse dabei für den Staat zu leisten, wobei in der früheren Zeit der Trierarch auch sein Schiff kommandirte[)]. Diese Liturgien sehr alt, aber erst unter Perikles & durch die Seeherrschaft hoch entwickelt. – Dann die Bundeskassen, die Matrikularbeiträge alle 5 Jahre revidirt; sie betrugen um 470 : 460 Talente, zu Perikles Zeit schon 600 Talente jährlich, weit mehr als in Friedenszeiten gebraucht, & so der Ueberschuss in den Staatsschatz, der erst von Perikles bedeutend wurde, seit Ueberführung der Kasse (die ihm übergeben wurde) & dessen Bedeutung für eine unabhängige Politik er erst recht einsah. Der Schatz bei der Athene auf der Burg. Ein Theil der bewegliche Schatz, bloss bei ihr deponirt. Ein anderer ihr dedicirt, & konnte nur von ihr gegen Zinsen & Rückzahlung entlehnt werden; davon ein Theil nur in gewissen, äussersten Nothfällen, z. B. bei einem Seeangriff auf Athen verwendbar. Die Zinsen, die Athene nahm, nur 11/5 & flossen dazu in den Staatsschatz zurück. Endlich der eigentliche Tempelschatz der Göttin, aus Leihgaben, Zehnten, &c. bestehend. Und da Athene Schutzgöttin des Staats, mit ihm identificirt war, so blieb der Schatz vollständig unter Staatskontrolle, wobei die obigen Formen durch die Bürgerschaft in ihren willkürlichen Dispositionen beschränkt. – Die Bundeskasse blieb unter Verwaltung der Hellenotamien die den 10ten (die erste Monatsrate im Jahr) & die Ueberschüsse an die Athene ablieferten. Übrigens hatte man sich schon daran gewöhnt, die Kosten für Bauten, Feste & Geldvertheilung vorher aus dieser Bundeskasse zu nehmen.
Fernere Vortheile für Athen: die Kleruchien.
Wegen Bundesbruch, wie früher Chalkis, so jetzt Naxos, Skyros, Lemnos, Imbros geknechtet. Ein Theil des Landes eingezogen & in Loosen, Kleroi, an unbemittelte, lusthabende athener Bürger ausgeloost. Wer einen Gewinn zog, wurde auf Staatskosten bewaffnet & mit Geld versehen & sowie alles bereit, zog die neue Gemeinde ein. Sie blieben Athener Bürger, obwohl sie ein besondres Gemeinwesen bildeten. Sie konnten ihre Loose entweder selbst |5 bebauen oder an die früheren Besitzer verpachten & das Geld in Athen verzehren. So wurde es athenisches Staatsinteresse, Bundesbrüche zu haben, um Kleruchien zu errichten & nichts hat die Athener verhasster gemacht als dies System. In Euböa wurden allmählich, nachdem 445 Histiaia wegen Bundesbruch durch 2000 Athener & treue Euböer umkolonisirt, 2/3 des Lands attisches Bürgereigenthum. In Naxos 500, in Andros 250 attische Bürger als Kleruchen angesiedelt. Im thrakischen Chersones hatte Perikles 452 100 Athener Bürger angesiedelt. Ebenso wurde Brea in Makedonien in eine attische Bürgergemeinde verwandelt, & in Sinope 600 Athener auf die Grundstücke der vertriebnen Tyrannen Timesilaos durch Perikles angesiedelt. 443 gründete er neben den Ruinen v. Sybaris Thurioi aus Kolonisten aller hellenischen Stämme, & 437 Amphipolis am Strymon, ebenfalls eine gemischte doch an Athen tributäre Kolonie. So eine Menge armer Athener untergebracht & gleichzeitig Athens Macht gehoben.
Zusatz von Engels.
Schließen Nach Curtius
unter
Perikles
noch der
Müssiggang in Athen ein Laster [(p.
]231[)], & die
Athener arbeitsam & vorurtheilsfrei, doch allerdings die
Arbeit der Freien bloss Aufsicht über die ausführenden Sklaven.
Ebenso waren sie Kaufleute.
445/4 führte Perikles eine Revision der Bürgerschaft herbei um Halbbürtige & unbefugte Eindringlinge auszuschliessen. Es wurden 4760 ausgestossen, aber schon im 2t. Peloponnesischen Krieg wieder aufgehoben.
Die attische Industrie in Erz- & Tonwaaren exportirte stark. Der Thonwaarenmarkt war einer der grössten Jahrmärkte Griechenlands & die attische Waare ging durch phönicische Händler an alle Mittelländischen Küsten & bis Aethiopien nilaufwärts.
Seehandel bedeutend – aber was für Athen am nöthigsten war: Korn, Holz, Pech, Flachs ff. durfte nicht ausgeführt werden & Oel erst nach Sicherstellung des inländischen Bedarfs. Die attischen Rheder die Korn vom Pontus holten, durften es nur in Athen löschen; die Händler oft nur 1 Obolus vom Med. nehmen, bei Strafe des Majestätsverbrechens.
Die Zölle waren 2% ad val.
So Athen einer der wichtigsten Handelsplätze & das Zentrum des ostmittelländischen Handels. Handelsgerichte, v. den Aegineten entlehnt, sassen im Winter, & waren zu rascher Entscheidung verpflichtet.
Peloponnesischer Krieg. Athen hatte bei Anfang des Kriegs 300 kriegsbereite Triere, nebst Transport & andern Hilfsschiffen, 1200 Reiter, 13 000 Feldinfanterie, 16 000 Besatzungsinfanterie, Schiffsmannschaft & Heer aus Bürgern & Metöken bestehend & in guter Ordnung. 6000 Talente im Schatz, nachdem alle Kunstwerke, Propyläen &c. bezahlt, ausserdem die Weihgeschenke, wovon allein der Goldmantel der Athene 400 Silberthaler werth. Einkünfte v. Athen mindestens 400, v. den Bundesgenossen 600 Talent Tribut; ihre Zahl offiziell über 300, in Wirklichkeit vielleicht 2–3 mal so viel besondre Städte.
Gleich im ersten Kriegsjahr 431 Attika von den Spartanern unter Archidamos verwüst, Häuser verbrannt, Weinreben & Fruchtbau abgehauen &c. – 4–5 Wochen lang, nur der Süden nicht erreicht. Während dessen lebte die Bevölkerung v. Attika in Athen – auf Staatskosten? – Im 2ten Jahr 430 ditto, & dazu brach die Pest in dem überfüllten Athen aus, 40 Tage blieben die Peloponnesier & frassen das Land aus.
Sittenverfall trat sehr rasch ein. Die Söhne der alten Geschlechter verschwendeten ihr Vermögen mit Huren, Sophisten & Schmarotzern, die Pest hatte vollständig demoralisirt & dies blieb. Dazu die erleichterte Zulassung fremder Elemente zur Bürgerschaft aus Noth; die gymnastischen Plätze standen leer, das Volk schwatzte auf dem Markt v. morgens bis abends; besonders der Bauerbürger war verbummelt durch die Ernteverwüstungen & das Stadtleben, (woher der Feldbau – das hiesse ja die Spartaner heranlocken!) & bildeten einen Pöbel der früher nicht existirte. So schwach waren die Grundlagen der perikles’schen Herrlichkeit dass 2 Kriegsjahre sie vernichten konnten! Die jetzige Bürgerschaft der wahre Boden der Demagogie, die sich jetzt zur Blüthe entwickelte.
Nikias,
der der gemässigten Partei angehörte, war der reichste Mann in
Athen & hatte Silbergrund am Laurion Zusatz von
Engels.
Schließen (Staatspächter?)
wo über 1000 Sklaven für ihn arbeiteten.
Die Geldmacht immer noch so gross in Athen dass
Feldherren wie Lamachos zu nichts kommen konnten, weil sie arm
waren. »Nikias selbst betrachtete sein Vermögen als das Fundament
seiner Pacht … er verschmähte keinen Gewinn & vermiethete seine
Sklaven um Taglohn Andern zur Arbeit.« 383.
Pissuthnes der Persische Satrap in Kleinasien hatte 430 schon arkadische Söldner. 384.
427 nach der Einnahme v. Mitylene Mytilene, bereits der ganze Schatz der Athener, mit Ausnahme des Reservefonds, vermöbelt, & eine Vermögenssteuer v. 200 Talent zum ersten Mal auf die Bürger gelegt. 396. Gleichzeitig oder kurz vorher auf Kleons Vorschlag der Richtersold von 1 auf 3 Obolen erhöht, ganz ein gefundnes Fressen für tradesmen without orders, peasants unwilling to plough their fields &c. Mit dieser Wuth zu richten & zu processiren die Sykophanten im Zusammenhang. Je mehr denunzirt wurde, je mehr Sitzungen, je mehr Obolen, sodass jetzt für den Gerichtssold jährlich 150 Talent = 225,000 Th. ausgegeben & dem Krieg entzogen & zwar war dies Geld aus den Tributen genommen! Die ganze Bundesgenossenschaft ein Vorwand Athen zu füttern!
Als Mytilene genommen, beschloss die Bürgerschaft v. Athen in ihrer ersten Wuth die sämtliche waffenfähige Mannschaft, also auch die demokratisch-athenische Partei, zu tödten & den Rest als Sklaven zu verkaufen; aber am nächsten Tag besann man sich & stiess die Beschlüsse wieder um. Dennoch gleich nach der Einnahme über 1000 hingerichtet – die sämtliche oligarchische engere Bürgerschaft. Dann wurden die Mauern geschleift, die Schiffe konfiszirt & die Ländereien aller Inselstädte mit Ausnahme des treugebliebenen Methymna in 3000 Enklaven getheilt, 300 als 1/10 den Göttern, 2700 aber an athenische Bürger gewiesen. Die alten Besitzer blieben jedoch als Pächter sitzen & zahlten pro Kleros 2 Minen = 50 Th. Pacht.
Als Platäa übergeben an die Spartaner unter Zusage dass Keinem wider Recht ein Leid geschehn sollte, wurden alle 200 gefangenen Platäer & die 25 Athener die da waren, hingerichtet, weil Krieg gegen Sparta = Landesverrath an Hellas angesehen & die Weiber verkauft.
427 neuer Ausbruch der Pest in Athen.
425 der fünfte Verheerungseinfall der Spartaner in Attika (in 7 Kriegsjahren!), 14 Tage, die Einnahme v. Pylos durch Demosthenes rief ihn zurück.
Enormer Nachtheil der Athener dass sie ihre Diplomatie auf offener Volksversammlung machten, was rein unmöglich – die Spartaner machten das zwischen König & Ephoren ab, & sagten der Volksversammlung nur was sie wollten.
425 auch grosse Angst der Spartaner vor den Heloten, 2000, die kriegstüchtigste junge Mannschaft, wurden »durch den schändlichsten Verrath bei Seite geschafft«. Die Angst stieg als die Athener in Pylos & Kythera sich festgesetzt, & die Küste beunruhigten.
421, April, Friede des Nikias. Dauerte bis 419 wo wieder etwas Krieg, die Spartaner siegten bei Mantineia, dann schlief er ein.
416, als der sicilische Krieg in Athen beschlossen, hatte Athen jährlich 1300 Talent Tribut v. der Landesgemeinde zu erhalten: Einerseits durch Erhöhung der Beiträge, andererseits durch Strafgelder bei jedem Anlass & unter jedem Vorwand v. Treubruch, bes. durch Schinden derjenigen Bundesstaaten, für die Sparta beim Frieden sich bes. verwendet.
Geheime Klubs in Athen um diese Zeit v. der Reaction gestiftet. |
[6]415 Juli. Zug nach Sicilien: 60 Kriegsschnellruderer & 40 Soldatenschiffe, 1500 Hopliten in eigner, 700 in Staatsrüstung, dazu Kavallerie & 750 Peloponnesier Fusstruppen. Mit den Kerkyräern &c. 134 Trieren, auch 119 Mann Besatzung = 25,640 Mann. Die Hopliten jetzt 5100 , dazu 1400–1500 Bogenschützen, Schleuderer &c., womit Nautische Abtheilung &c., ohne Besatzung der Frachtschiffe, an 36 000 Mann. 413 noch 10 Schiffe mit Truppen v. Athen nachgeschickt, später im selben Jahr Demosthenes mit 73 Trieren, 5000 Hopliten & vielen leichten Truppen, die auf den ionischen Inseln & der italienischen Küste sehr verstärkt waren. Alle diese waren verloren. 7000 Gefangene am Asinaros gemacht & nach Syrakus gebracht, viele starben in den Steinbrüchen. Der Rest verkauft. Ueber 60,000 Mann & 200 Trieren hatte dieser Krieg gekostet.
413. Dekeleischer Krieg. Die Spartaner hatten Einfall in Argos gemacht, dafür verwüsteten athenische Schiffe die Felder bei Prasiai & Epidauros Limera, & 414, & 413 fiel ein spanisches Heer in Attika ein, machte Dekeleia zu ihrer Operationsbasis, verschanzte sich da, & verwüstete v. da aus Attika; zugleich war damit der Überlandweg nach Euböa abgeschnitten; 1/3 v. Attika gehörte den Spartanern ganz, & die Bauern drängten sich wieder in die Stadt, während die Sklaven den Spartanern zuliefen zu Tausenden, sodass die Athener anfingen die Sklaven milder zu behandeln, weil sonst nichts zu machen war. – Jetzt fielen auch die Prozesse weg, weil keine Parteien mehr nach Athen kamen, & damit der Richtersold, dazu viele Domänen, Zoll, Marktgebühren, Einkünfte &c. Dazu waren die Finanzen & grossentheils auch die Einzelkräfte durch den siegreichen Krieg erschöpft – das letzte war für die Expedition des Demosthenes eben draufgegangen – & die Bundesgenossen zu drücken fehlte die Macht, man war ja nicht einmal der regelmässigen Tribute sicher. – Choregie & Trierarchie mussten jetzt v. mehreren in Compagnie betrieben werden. Einzelne konntens nicht mehr.
412. Der erste Subsidienvertrag zwischen Persien & Sparta, worin Sparta die kleinasiatischen Städte opferte, nachdem es sich lange dagegen gesträubt. Im Winter der 2te, worin die Perser für je 5 Schiffe pro Monat 3 Talente zahlten, = 36 Minen pro Schiff, = 33/5 Obolen pro Mann bei 200 Mann Besatzung. Bisher nur 3 Obolen üblich. Die Spartaner verlangten hohen Sold, weil dann die Ruderer der Athener zu ihnen desertiren würden. So sehr wurde Athen durch persisches Geld niedergeworfen, & so sehr war das Söldnerwesen als nothwendige Folge der gegenseitigen Erschöpfung dieser kleinen Gemeinwesen an Geld & waffentragenden Bürgern in den Vordergrund getreten. Auch eine „Gewalt.“ Kyros jr zahlte an Lysander später sogar 4 Obolen pro Mann.
Als Alkibiades wieder an den Oberbefehl kam, wurde der Krieg sofort dahin verlegt wo die Entscheidung war: an das Thor der Kornkammer Athens, das Pontus. Durch Erbauung einer Festung bei Chrysopolis, die 30 Trieren zur See schützten, war er in Stand gesetzt, den 10t. als Zoll v. allen vorbeifahrenden Schiffen zu erheben (selbst von Chalkedon mussten die Schiffe sich am Strand bis Chrysopolis heraufarbeiten, um dann mit der Strömung herüber nach Byzanz zu fahren.) Da Pharnabazos das Land mit Uebermacht hielt, konnte er nichts weiter erobern, bloss plündern. 410. Dann eroberte er das noch wichtigere Byzanz selbst. 409. Herbst.
Durch Alkibiades die Athener ebenfalls in Verhandlungen mit Persien um Geldhilfe verwickelt, & von nun an ward die Königsstrasse nach Susa nicht leer, von griechischen Gesandten aller Staaten & Parteien, die den Basileios um Geld anbettelten, um sich damit unter einander zu zerfleischen. Und meist reisten sie – die Repräsentanten feindlicher Staaten & Parteien – ganz gemütlich zusammen. Dabei Persien machtloser als je, & die entfernten Satrapien oft praktisch unabhängig & sich mit dem Gedanken der Losreissung tragend!
Gylippos wie Lysander waren nur hellbärtige, in der Gemeinde adoptirte Spartaner, ihre Mütter wahrscheinlich Helotinnen.
In den letzten Jahren des Kriegs die Athener nur noch zu Spotts fähig; sie vernichten eine Flotte der Spartaner nach der andren, werden dann geschlagen, verliren ihre Flotte, die nächste fällt schwächer aus, während die Spartaner mit persischem Geld in Asien stets neue bauen & mit Miethlingen bemannen, bis 405 Lysander die letzte athenische Flotte bei Aigospotamoi vernichtet, die 5000 Gefangenen massakrirt, Byzanz, Chalkedon, Sestos nimmt & dadurch die Herrschaft über den Pontushandel & Athens Kornzufuhr erhält; die Bundesgenossen, wo er mit den oligarchischen Parteien in Verbindung stand, zum Abfall & Verfassungsumsturz brachte, im Herbst den Peiraieus blockirte & 404 April im theramenen Frieden kapitulirte. Damit erreichte die in der letzten Zeit stark vorangeschickte Oligarchie den schliesslichen Sieg & die 30 wurden eingesetzt.
Beide Staaten waren kaput.
Athen fehlte das Landgebiet als Basis des Großstaats so sehr dass »die eigne Landschaft war zu einem unwesentlichen Bestandtheil des weiteren Herrschaftsgebiets geworden; sie war auch für die nächsten Bedürfnisse der städtischen Bevölkerung durchaus unzureichend.« Daher die Nothwendigkeit der Einfuhr fremden Korns, die Abenteuerlust neue Hilfsquellen in Ägypten, Sicilien &c. aufzutreiben, die Seefahrerei die es dem Ackerbau entfremdete, & Dekeleia 9 Jahre lang angegriffen vor der Nase der Stadt in den Händen der Spartaner liess, während man alle Leere zu beherrschen versuchte. Andererseits konnten die Bundesgenossen nicht zu Athenern werden, »an eine Aufnahme der Bundesorte in die athenische Staatsgemeinschaft konnte bei der Beschaffenbeit gleicher Bürgerrepubliken nicht gedacht worden.«
Kupfergeld aus Italien, wo es ursprünglich der allgemeine Werthmesser. Das Pfund Kupfer, libra, litra, zu 12 Unzen war Geld- & Gewichtseinheit, woneben in den griechischen Kolonien die griechischen Münzen & Gewichte cursirten, beides durcheinander. Besonders der korinthische Silberstater mit seiner 1/6 1/3 1/12 Theilung bei den Grossgriechen eingebürgert. Um hier Einheit zu schaffen, setzten die Korinther ihren Stater = 2 Drachmen = 10 Pfund Kupfer & schlugen 1/10 Stater in Silber, = 1 Kupfer (νόμος, nummos) So also in Korinth das Geld in allen 3 Metallen & die auf ihrer wechselseitigen Geltung begründete Werthrelation in Münzen hergestellt, Babylon & Italien verschmolzen.
Ernst Curtius: Griechische Geschichte. Bd. 3. Bis zum Ende der Selbstaendigkeit Griechenlands. Berlin 1867.
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III. Band.
Sparta hatte früher mit den Abgaben der unterthänigen Bevölkerung einen kleinen Schatz gebildet & in Arkadien, Delphi &c. deponirt, damit das Metall nur aus den Augen der Spartaner gehalten werde. Der peloponnesische Krieg & das Flottenbedürfniss bewiesen auch ihnen, dass Geld der nervus belli & so musste Sparta das Geld v. den Persern erbetteln, & mit der Ehre ging auch das Ehrgefühl verloren. Massen von Silber kamen nach Sparta & nun brach die Habgier mit Einem Mal durch. Lysander selbst nahm noch kein Geld für sich, desto mehr aber, von ihm angereizt & dann befriedigt, seine Unterfeldherren, & nur der eine Thorax, der als Vogt v. Samos sich bereicherte, wurde desswegen hingerichtet. Auch ein Mann wie Gylippos, syrakusischen Andenkens, vergriff sich an öffentlichen Geldern. Sowie das Geld in die spartanische Naturalwirthschaft – die das eiserne Geld kaum verdeckte – hereinbrach, allgemeine Desorganisation, die Preise der Lebensmittel stiegen, die Masse der Bürger – es waren ohnehin nicht viele mehr – konnte die Syssitienbeiträge nicht mehr erschwingen, da diese erhöht, & wurden von den Syssitien & damit vom Volksgericht ausgeschlossen, während die Reichen, nach vollendetem Scheinsuppenfrass, sich zu Hause an guter Küche labten. – Die Zahl der Bürger durch Aussterben, besonders in Folge der Kriege, & durch Verarmung sehr vermindert; weder Fremde noch hinreichend Halbbürtige waren zugelassen worden. Man hatte zwar die Unterthanen & Heloten im Dienst angewandt & Lysander hatte ihnen sogar Befehlsposten über eroberte Städte gegeben, selbst Leuten helotischer Abkunft; aber in Sparta liess man sie zu nichts zu obwohl Massen v. Landloosen erledigt dalagen. – Die Gleichheit der spartanischen Bürger war dahin, ein Geld & Beamtenadel beherrschte |7 den Staat unter den unveränderten Formen der alten lykurgischen Verfassung, die damit vollständig gefälscht. Dabei allgemeiner Kampf unter den Staatsgewalten. Könige, Ephoren, der neugebildete Kriegsrath, die Nauarchie, alles lag sich in den Haaren so sehr dass die Könige am Ende des Kriegs ein Heer aufboten um den ihnen verhassten, erfolgreichen Lysander zu bekämpfen! Die unter dem Einfluss der Reichen gewählten Ephoren dabei noch die Mächtigsten, sie wechselten jährlich & waren jetzt keineswegs der Bestechung unzugänglich. Auch die beiden Königsfamilien stets im Streit unter sich. Nur die Überwachung & Niederhaltung der Unterthanen & Sklaven durch die Ephoren wurde ordentlich & eifrig befolgt. Dabei aber blieb in der Masse doch noch die alte militärische Tüchtigkeit & Disciplin, & der 1zelne Spartaner in der Fremde imponirte noch immer mehr als jeder andere Grieche.
Nach Dariusʼ Tod rüstete Kyros jr. & vermehrte seine griechischen Soldschaaren. Kunaxa Sept. 401. Der Rückzug der 10,000 der erste schlagende Beweis welche Macht auch ein mäßiges griechisches Heer in Mitte des grossen Perserreichs. Acht Monate zogen sie bis Trapezund, diese gemischte Freischarr, meist aus Peloponnesiern besonders Arkadiern & Achajern bestehend, aber dennoch Ordnung haltend, im schlimmsten Winter durch hohes Gebirge & die wildesten Völker Asiens, & kamen noch 8000 stk. in Trapezund an. Welche Aufforderung für Philipp, Griechenland unter Macedonien zu einigen & dann Persien zu erobern!
Als Agesilaos König wurde 399, Sparta äusserlich mächtiger als je, herrschte im Archipelagus, am Hellespont & in Jonien wie auf dem Festland. Aber im Innern Gährung, die Masse der Bürger verarmt & ihrer Rechte beraubt, die Periöken & Heloten waren nach tapfrem Kriegsdienst für Sparta wieder in die alte Knechtschaft geführt. Ausser den Königen, Geronten & Ephoren sollten damals nur an 40 vollberechtigte Spartiaten auf dem Markt gewesen sein gegen 4000 Unberechtigte oder Unterthänige (so antwortete einer dem Kinadon, der dagegen: Nun wohl, diese Vielen sind deine Bundesgenossen, & diese Wenigen deine Feinde) Kinadon selbst ein heruntergekommener Spartiat, organisirt eine Bewegung, die durch seine Unvorsichtigkeit den Ephoren verrathen. Man verhaftet ihn, erpresste mit der Folter die Angabe seiner Genossen v. ihm, & richtete dann die ganze Bande hin ehe es zum Aufstand kam.
In Athen brachte Euripides (lequel, unbekannt) ein Gesetz ein wonach 500 Talente durch eine Kapitalsteuer von 21/2% aufgebracht werden sollte. Danach also das steuerfähige Vermögen der Athener auf 20,000 Talente geschätzt (393.)
Agesilaos übertrug die Kriegsweise die v. Barbaren & auch Griechen gegen Barbaren angewandt, auf die inneren Kriege in Hellas, »sengte & brannte, liess die Fruchtbäume entwurzeln & trieb mit hellenischen Volksgenossen schamlosen Menschenhandel«[.] So wurde der Krieg mehr & mehr »eine Art Räuberfehde der das Volk verwilderte & die Landschaften unheilbar verwüstete«. Dies auch mehr oder weniger Folge des Söldnerwesens das mehr & mehr einriss. »Während die Staaten verfielen, hatte die kriegerische Tüchtigkeit des Volkes nur an Ruhm gewonnen; seine Überlegenheit war v. allen Barbaren so anerkannt dass diese nicht über sie & nicht ohne sie siegen zu können glaubten. Daher hellenische Männer überall gesucht wo es Krieg gab.« Früher meist nur Leute aus den Staaten, die keine Rolle spielten, Kreter, Arkader, Karer Karier, Thessaler, sowie Heimathlose & Vertriebne. Jetzt aber, besonders seit dem Kyroszug, das Söldnerthum mit neuem Glanz umgeben, dabei die Verhältnisse der bürgerlichen Staaten zerrüttet, so dass mehr Glück für Ehrgeizige & Energische im Ausland. Die griechischen Söldner bei den Persern fingen an sich als die eigentlichen Herren dort zu fühlen & mehr & mehr trat das Gefühl hervor, griechische Tapferkeit sei berufen den Orient der griechischen Bildung zu erobern.
In Griechenland selbst das Söldnerwesen auf den Flotten längst v. selbst entstanden. Auf dem griechischen Festland war der korinthische Krieg der Anfang der Einführung des Söldnerwesens in die Landesheere; Polystratos warb mit dem von Konon gesandten persischen Geld Söldner für Athen mit ab. Isthmus & Iphikrates waren ihre Führer. Die geringe Zahl von Bürgern die noch hinreichend Vermögen besassen um Hopliten Rüstung anzuschaffen, waren auch am unlustigsten selbst Hoplitendienst zu leisten, die Söldner in Asien waren zwar Hopliten & Peltasten, aber auch die Hopliten sicher leichter bewaffnet als die alten Bürgerhopliten, & nun schuf Iphikrates seine Peltasten die nach Rüstow mit Wurfspiessen & Degen bewaffnet, nach gegebner Speersalve mit dem Degen einbrachen & den Spartanern wirklich eine Niederlage bei (bei Korinth 390.) Indess wurde aus diesen Peltasten doch keine rechte Mittelinfanterie & die Phalanx blieb das Entscheidende.
Aus:
W[ilhelm] Rüstow, H[ermann] Köchly:
Geschichte des griechischen Kriegswesens von der ältesten Zeit bis
auf Pyrrhos. Nach den Quellen bearbeitet. Aarau
1852.
Schließen (Rüstow:
die alte Phalanx der Perserkriege, die
Hopliten in den ersten Gliedern, die Gymneten (arme
Bürger, Schutzgenossen, Sklaven) in den hinteren Reihen, Fernwaffen
& Schwerter führend. – Bald aber – peloponnesischer Krieg –
die spartanische Phalanx aus lauter Hopliten
(Spartaner & Periöken) während die Heloten nur
noch als Diener
mitzogen)
Dies mehr oder weniger v. den anderen nachgeahmt, die aber
besondre leichte Truppen fürs Ferngefecht neben der
Phalanx anwandten, Bogenschützen, Speerschützen & Schleuderer – diese
sehr bald aus Miethlingen – doch schon Ende des peloponnesischen
Kriegs Heloten in die Phalanx gestellt, ja ganze Phalangen aus
ihnen & Periöken gebildet)
So hörte der athenische Bürger auf zugleich Krieger zu sein & damit war die antike Tradition gebrochen, der Übergang zum modernen Bürger eröffnet. Das antike Gemeinwesen konnte weder Bürger vertragen, die keine Soldaten, noch Soldaten, die keine Bürger waren.
Nach Leuktra 6 Juli 371 nur noch ca. 2000 spartanische Vollbürger. Als Epameinondas v. Peloponnes Winter 370/69 vor Sparta erschien, erhoben sich die Periöken & die Heloten, v. denen 6000 bewaffnet & organisirt worden waren, waren auch unsicher. Aber wenn auch die Thebaner hier abziehen mussten, so insurgirten sie doch Massen, wo die zu Heloten insurgirten Bauern sich mit thebanischer Hülfe auf immer v. den Spartanern befreiten.
In Thessalien zu Jasons Zeit (374) Unterthanen & Zinsbauern 1) der einzelnen Stadtgemeinden, 2) der Gesammtheit der herrschenden Städte, 3) solche die nur scheinbar & wenn sie mussten die Herrschaft der Städte anerkannten & zinsten.
Bezeichnend für das antike Leben: Epameinondas, nach Leuktra, nicht wieder zum Feldherrn gewählt, dient 369 als gemeiner Krieger unter Kleomenes gegen Alex v. Pharä Pharai; das Heer geräth in solche Noth durch schlechte Führung dass es den Epameinondas einstimmig zum Führer wählt & dieser rettet es. (So auch Xenophon gemeiner Freischärler bei Cyrus, erst auf dem Rückzug zum Feldherrn gewählt.)
Juni 362 erste Barrikadenschlacht in Sparta [,] über die Brücke kamen die Thebaner. »So wie sie (die Thebaner unter Epameinondas, vor Mantineia) in die Straßen vordrangen, fanden sie wider Erwarten Alles zur Abwehr bereit. Archidamos war in der Stadt. Auf seine Anordnung waren alle engeren Wege durch Verschanzung versperrt; auf den Dächern standen die Greise, Weiber & Kinder um mit Steinen & Wurfgeschossen die Feinde zu überschütten; man hatte die Wohnungen & Gartenmauern eingerissen, man hatte die heiligen 3 Füsse nicht geschont, um Alles zu benutzen, die Zugänge zu versperren. Agesilaos« (den der Abzug der Thebaner auf Sparta verrathen & der sogleich mit all seinen Truppen auf dem kürzeren direkten Weg dorthin marschirt) »vertheilte die Mannschaft auf dem wichtigsten Punkte & wetteiferte |[8] mit seinem Sohne Archidamos. Es war das 2te Mal dass die Spartaner für den eignen Herd fochten & von neuem musste Epameinondas die Erfahrung machen, dass es in manchen Rücksichten schwieriger sei eine offene Stadt zu bezwingen, als eine ummauerte … in einer offenen & weitläufigen Stadt wie Sparta musste sich der Kampf in eine Reihe v. Einzelgefechten auflösen« – schwer zu übersehn & schwer zu leiten, die Einzelerfolge schwer auszunutzen. Epameinondas drang bis auf den Markt vor & besetzte selbst einige Höhen des rechten Ufers, aber an anderen Stellen wurden die Thebaner v. den Spartanern mit Verlust gegen den Fluss gedrängt, die Unterthanen & Heloten standen nicht auf; dagegen mussten die arkadischen Verbündeten Spartas jeden Augenblick erwartet werden – kurz Epameinondas brach ab & ging nach Arkadien zurück (S. 369–70.) Die zweite Barrikade schliesslich worin auch zuerst Abschnitte hinter einer Bresche vorkommen (soviel bekannt, doch muss dies sicher schon früher geschehen sein) bei Pernithos Perinthos 340. Nachdem die Bresche in die Mauer gelegt, beim Sturm die Häuser & Barrikaden (Steinwälle) so kräftig vertheidigt dass Philipp in den Strassen umkehren & abziehen musste (S. 682).
Philipp verwandelte das Wehrrecht des freien Makedonien in Wehrpflicht, wofür er ihm Rüstung & Sold gab.
Nach der Erobrung v. Amphipolis 357 & Gründung von Philippi das vielumstrittene thrakische Goldland endlich pacificirt & nun die Bergwerke so exploitirt dass sie dem Philipp jährlich 1000 Talent eintrugen p. Jahr.
Phokis bis Ende 5 Jhdts v. Bauern & Hirten bewohnt die selbst ihre Arbeit thaten; das Halten von Sklaven war verboten. Aber im 4 Jhdt kam der Grundbesitz in die Hände weniger grossen Familien, & das Haus des Mnaseas allein hielt 1000 Sklaven.
Der Tempelraub der Phokeer im ersten heiligen Krieg betrug 10,000 Talente die in die Präge wanderten. Muss von enormen Einfluss auf Preise & Handelsentwicklung gewesen sein (von 354 an[)]
Athen. Als 357 die Bundesgenossen Kos, Chios, Rhodos abfielen &
eine Flotte gegen sie gerüstet werden sollte, reichte selbst
die schon früher eingeführte, zu 2en gemeinschaftlich übernommene
Trierarchie nicht mehr aus. Nun war schon 378/7 die Bürgerschaft behufs
Vermögenssteuer in Steuervereien getheilt (die Vermögenslosen, d. h.
wahrscheinlich die unter 25 Minen = 655 Th. besassen, allein
ausgeschlossen), nämlich 20 Genossenschaften v. je gleicher
Gesammsteuerskraft; die 300 Höchstbesteuerten also 15 in jedem Verein,
hafteten für die Zahlung, schossen sie allenfalls vor, &
trieben die Steuern ein. Bemerkung von
Engels.
Schließen (sehr schön für
die Reichen! sehr bezeichnend für die
Zeit!) Dies jetzt auf die Trierarchie
übertragen, auf Periandrosʼ Antrag. Die 1200 Reichsten wurden in 20
Symmorien getheilt, & ein Gesammtausschuss von 300 (15 p. Symmorie)
leitete die Eintreibung der Beiträge & Leistungen. Da auch hier
die 300 aus den Höchstbesteuerten bestanden, so schonten diese sich selbst,
& drückten auf die übrigen ämeren 900. Die Reichsten verpachteten sogar die ihnen zufallenden Trierarchien an die Mindestfordernden;
nicht nur nicht fechten & kommandiren, auch nicht einmal
bother
wollten sie haben. Die Bürger fingen an ihr Verögen zu
verstecken. – Dagegen wurden die
Feste die Hauptsache im
öffentlichen Leben & mit der grössten Wichtigkeit
behandelt. Das Religiöse Politische & Künstlerische
der Feste aber wurde Nebensache, es handelte sich wesentlich um
Aufzüge & Schmäuse & allgemeine Volkslustbarkeit, & um
diese nicht zu verpassen, entzogen sich die Bürger dem auswärtigen
Dienst & lösten sich die Truppen auf um nach Hause zu
gehen. Störung der Festfreunde war der größte Frevel & Verrath
am Vaterland.
Bei einer solchen Bürgerschaft ganz natürlich dass eine Masse Gesetze fabrizirt wurden, meist mit Verletzung der Gesetzform daß sie nur auf Senatsantrag gegeben werden sollte, meist Gelegenheitsgesetze, um über einen einzelnen Fall wegzuhelfen, ja persönliche d. h. die darauf berechnet, einen Einzelnen, z. B. einen Schuldner, aus der Klemme zu ziehen, & Gesetze mit rückwirkender Kraft in Parteiinteressen. – Die Verwaltung fiel in die Hände & unter den Einfluss der Schreiber, Sklaven & Freigelassnen, die sich mit Lesen, Abfassen, Aufbewahren schriftlicher Dokumente befassten, wodurch sie sich jedem Amt unentbehrlich machten, käufliche Menschen, zu Allem zu gebrauchen & mit allen Ränken vertraut. Corruption & Unterschleif kamen mit ihnen an die Tagesordnung. Die Anklage auf Unterschlagung öffentlicher Gelder wurde stehende Parteiwaffe, um die Gegner wenigstens temporär unschädlich zu machen & ihren Ruf zu beschädigen. Wie entwickelt ausserdem schon die Rechtskniffe waren, zeigt u. a. der Prozess des Demosthenes gegen seine Vormünder. Käufliche Zeugen waren zu haben. Prozesse wurden v. den Logographen oder Redenverfertigern geschmirt, & all dieser Stadtklatsch wurde den Athenern wichtiger als die wichtigste Staatsangelegenheit oder was draussen vorging. Fortwährende Anklagen wegen gesetzwidriger Vorschläge in der Volksversammlung, Aristophon rühmte sich deren 75 durchgefochten zu haben. Die Volkskontrolle wurde nicht nur ein Schindluder & eine Lotterie, sondern auch rein vom Erfolg abhängig, besonders gegenüber Gesandten & Feldherren, & damit war Diplomatie & Kriegsführung, d. h. die ganze auswärtige Politik, im Arsch. Dabei die Heerverfassung selbst! Die Reiter figurirten bloß bei Festparaden & Aufzügen, aber nicht im Feld, & das Fußvolk bestand nur noch aus den ärmeren Bürgern die sich mit Sold & Beute wieder aufhelfen wollten; selbst zur Heerschau wollten Sie nicht ohne Löhnung vors Tor rücken. Neben ihnen die Söldner, die Reisläufer die Jedem für Geld dienten, & da oft kein Geld vorhanden war, so wurden Tempelschätze genommen & der Krieg dahin gelenkt, wo am ersten cash zu holen war. – Die Bürger zahlten die Steuern nur höchst widerwillig, aber auch in der Heerverwaltung war Corruption, die Feldherren steckten die Solddifferenz des Soll & Istbestands in die Tasche, & selbst die jetzt zur Kontrolle ernannten Exestasen Exestasten, die die Zahl der vorhandnen Söldner kontroliren sollten, wurden oft bestochen. Im besten Falle aber hatte man nur Geld zur Anwerbung nicht zur dauernden Soldzahlung, & so sollte auch hier schon der Krieg den Krieg ernähren. Die Feldherrn verwilderten mit den Truppen, es lag ihnen mehr an diesen als an den Bürgern, sie thaten was sie wollten, machen keinen Unterschied zwischen Freund & Feind, verprassen die Gelder, brandschatzen die Bundesgenossen, gehn sogar mit allen Schiffen & Truppen in fremde Dienste sodass die Athener oft gar nicht wissen, wo sie ihre Flotte suchen sollen. So besonders |9 Charidemos, der Typus des griechischen Condottiere, ditto Chares.
Der Bund mit den Bundesgenossen so verfallen, dass gegen 355 nach Ende des Bundesgenossenkriegs die Bundesbeiträge nur noch 45 Talent !
Das Theorikon längst in ein Schmausgeld verwandelt oder diesem untergeordnet, indem es verdoppelt oder verdreifacht. Eine Zeitlang abgeschafft, aus absolutem Geldmangel, wurde es durch Agyrrhios 395/4 wieder eingeführt, der auch den Volksversammlungssold wieder eingeführt oder auf 1/2 Drachme erhöht hatte; was früher nur aus den Überschüssen zur Vertheilung kam, wurde jetzt Hauptposten & Hauptzweck des ganzen Budgets. Die Beamten der Festkasse erhielten durch Eubulos die Kontrole Kontrolle des ganzen Budgets, & da der frühere Brauch die Überschüsse der Jahresverwaltung zunächst der Kriegskasse zuwies, so wurde jetzt ein besondres Gesetz erlassen daß mit dem Tod bestraft werde Jeder der Verwendung von Festgeldern zu Kriegszwecken beantrage. Und dies geschah mitten im Krieg, 350, als Phokion in Euböa so gut wie abgeschnitten war; bloß weil plötzlich momentan bessere Nachrichten von ihm einliefen. Dafür aber mussten die Athener nachdem Phokion sich durchgeschlagen hatte, & die in Zaretra auf Euböa zurückgelassene athenische Besatzung, die an die Euböer verrathen wurde, mit 50 Talenten auslösen & verloren ganz Euböa = halb Attika.
Um dieselbe Zeit (354) wenn eine Flotte ausgerüstet werden sollte, wurde Alles verschleppt theils durch die vielen Kommissionen & besonders die damit zu thun, theils durch den Widerwillen der Bürger gegen die Leistungen selbst. Die angedohten Strafen waren meist nur Schein[,] man durfte sie nicht eintreiben, weil sonst neuer Verzug & Ausflüchte, denn viele Verpflichtete erhoben Prozesse gegen den Staat als nicht verbunden dazu seiend, & über 1/3 der verpflichteten Bürger wusste sich den Lasten zu entziehen, & von denen die dies nicht thaten, veraccordirten die meisten ihre Lasten an mindestfordernde Kontractors die sich so wohlfeil wie möglich herauszogen & schlechtes Zeug lieferten. Demosthenes setzte durch dass die 1200 Steuerpflichtigen auf 2000 erhöht wurden, damit immer 1200 wenigstens unter ausser Stand Einspruch zu erheben & genöthigt gleich zu zahlen, & jede Symmorie in 5 Abtheilungen vertheilt, aus Bürgern verschiedener Vermögensstufen bestehend, & zur Stellung von 3 Kriegsschiffen (Normalzahl 300) verpflichtet. Dann sollte die Vermögenssteuer zur Besoldung & Unterhaltung der Flotte nicht erst in den Staatsschatz fließen sondern von der Abtheilung der Steuerzahler sofort selbst verwandt werden. Das Steuerkapital daher 2000 auf 6000 Talente geschätzt (wozu noch das Vermögen der Ärmeren das zusammen das Doppelte & mehr ausmache (Euripides oben) & das steuerfreie Staatsgut). Die Bemannung wurde in streng geregelter Weise den 10 Phylen aufgelegt.
Als Olynth in Philipps Hände gefallen, wurde es verbrannt & rasirt (dies auch mit dem Rest der chalkidischen Städte) die Einwohner verjagd verjagt, & was in Philipps Gefangenschaft fiel, als Sklaven verkauft. Hellenen wie Anaxandrides & Satyros hatten den Muth den Sieg der Barbaren über Hellenen zu verherrlichen; Griechen zogen Handelsvortheil aus dem Unglück v. Olynth, kauften Beute, ja zogen mit gebundnen olynthischen Frauen & Kindern, die ihnen Philipp geschenkt, nach Hause. Selbst in Athen wurden sie nicht freigesetzt die man hinbrachte, sondern »die Gerichte verurtheilten diejenen Bürger die gefangene Olynthierinnen misshandelten«
Nach Ende des heiligen Kriegs 346 Juli, erhielt Phalaikos mit seinen 8000 Söldnern, den wahren Tempelräubern, freien Abzug v. Philipp, damit diese Räuberbande sich über ganz Griechenland verstreuen sollte.
Die Silberbergwerke v. Laurion wurden um diese Zeit auch immer ärmer. Und doch sagt Demosthenos noch seinen Bürgern, sie dürfen mit Vertrauen auf ihre Stadt blicken, denn in ihr sei ein Reichthum so gross, seiner Ansicht nach wie in allen andern Städten zusammen.
Aus:
Otfried Schambach: Der
italische Sklavenaufstand 74–71 v. Chr. Halberstadt
1872.
Schließen (Otfried
Schambach, italienischer Sklavenaufstand: in Athen
317 waren 26,000 Bürger, 10,000 Metöken (= eine freie Bevölkerung
von ca. 130,000) & 400,000 Sklaven. – In Lakonika war 479 das
Verhältniss von Spartiaten zu Heloten = 1 : 7. Korinths freie Bevölkerung
betrug um die Zeit des peloponnesischen Kriegs 40,000
Köpfe gegen mindestens 60–70,000 Sklaven (?)
339 hatten die Reformen im Flottenwesen noch nicht geholfen. Die Vorsteher der Steuersymmorien vertheilten die Lasten willkührlich & die ganze Ausrüstung blieb in den Händen der speculirenden Unternehmer, die ihr Profitchen machten; & den Reichsten, die im Stande waren eine ganze Triere zu stellen, zahlten nur als Mitglieder der Symmorie einen Theil, & doch war Diphilos, der 160 Talent besass, noch nicht der reichste Mann in Athen. Demosthenes setzte also ein neues Gesetz durch worauf nach dem Vermögen pro rate beigetragen werden sollte, & wer das Nöthige zahlen konnte für Ausrüstung eines Schiffes (50–60 Minen = 1300–1570 Th) musste Trierarch werden. Denoch Dennoch kamʼs vor dass Bürger die bisher nur 1/16 eines Schiffes ausgerüstet, jetzt 2 ganze Schiffe ausrüsten mussten. Komischer Weise hörten mit diesem Gesetz auch die Klagen der Bürger auf dass man sie überbürde!
Nach der Schlacht von
Bei
Curtius: Chaironeia
Schließen Chäronea 338, August,
Hypereidesʼ
Vorschlag in Athen beschlossen, dass alle kampffähigen
Einwohner zu den Waffen gerufen werden, die
Verbannten heimkehren, alle mitkämpfenden Metöken zu
Bürgern gemacht, alle ditto Sklaven besonders auch die
Bergwerkssklaven freigelassen werden sollten, & dies sollte, rechnete
man, ein
Heer von 150,000 Mann
zusammen
bringen.
Philipp schuf allgemeinen Frieden, freien Verkehr zu Wasser & zu Lande, daneben Vergeltungskrieg der Griechen gegen Persien als Zweck der Herrschaft angegeben. Dies aber, nach all den Kriegen, solch ein Glück dass Lykurgos in Athen sogleich die Jahreseinkünfte auf 1200 Talente (1,886,000 Th.) erhöhte, wieder 400 Kriegsschiffe hatte, Schiffshäuser, Arsenale, Theater, Stadion, Odeion, das Gymnasion im Lykeion erbaute, & in dieser Beziehung mehr gethan als je seit Perikles. Der antike Bürger ging in den modernen über, & die Freiheit des Erwerbs & Genusses erschien wünschenswerther als die alte Freiheit & die alte πόλις.
Zitiervorschlag
Friedrich Engels: Exzerpte aus Ernst Curtius: Griechische Geschichte. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital, Bd. IV/23, bearb. v. Timm Graßmann, hg. v. der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://megadigital.bbaw.de/M9662406. Abgerufen am 08.08.2026.