[Inhaltsverzeichnis von Engels]

April 1876.

Ranke, Physiologie des Menschen Heft II (Fortsetzung)|

[0]

Heft VI) Heft X

⦗Heft B. (1876) April.⦘

Fortsetzung v. Ranke (Physiologie)|

1

Aus:
Johannes Ranke: Grundzüge der Physiologie des Menschen mit Rücksicht auf die Gesundheitspflege. Für das praktische Bedürfniss der Ärzte und Studirenden zum Selbststudium bearbeitet. 3. umgearb. Aufl. Leipzig 1875.
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Fortsetzung v. Ranke. (v. Heft A März 1876)

[Allgemeine Physiologie. Die Physiologie der animalen Zelle (Fortsetzung)]

[Drittes Kapitel. Die Physik der Zelle. (Fortsetzung)]

β) Die Bewegung der Flimmerzellen. (Näheres p. 105) (100) Nach Kühne entziehn die Flimmerzellen dem Oxyhämoglobin den Sauerstoff u. können auf dessen Kosten ihre Wirkung fortsetzen; Protoplasma hat sehr kräftige Anziehung für O, das es nicht nur frei aufnehmen, sondern auch aus schwachen Verbindungen f. seine Zwecke frei machen kann. (106) Verhalten der Flimmerzellen u. des andern animalen Protoplasma stimmt ganz überein mit dem der contractilen Fasern u. Nerven; auch regelmässige Electricitätsentwicklung an denselben. (l. c.) Bei einigen Thieren Cilienbewegungen freiwillig, stehn unter dem Einfluss des Nervensystems. (näheres 107) (nicht bei den Wirbelthieren) Amöben. Rhizopoden. (l. c.) Protoplasmabewegungen in Pflanzen; Staubfadenhare Staubfadenhaare der Tradescantia virginica; die Protoplasmaströmungen zeigen sich abhängig v. der Contractilität des Protoplasma, das sich gegen chemische Einflüsse, Electricität u. Wärme ganz dem animalen Protoplasma entsprechend verhält. (107)

 Gliederung von Marx.
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e)
Molekularstruktur organisirter Gestalten.

Feste Massentheilchen, umgeben v. einer v. denselben angezognen „Wasserhülle“, bilden die organisirten Theile (des Molekularbaus); sie ziehn einander an; zwischen ihnen „Molekularinstertitien Molekularinterstitien“, molekulare Räume, die auch durch Wasser (Flüssigkeiten) erfüllt werden können; diese festen Massentheilchen unendlich klein; sehr complicirte chemische Gebilde, z. B. ein Eiweissmolekül. (bestehn aus den durch die rationelle chem.  Bei Ranke, S. 108: Formel
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Form
angegebnen Elemente). Diese Einzelmoleküle treten wieder zur Bildung grösserer fester Massentheilchen od. zusammengesetzter Moleküle zusammen in sehr verschiedner Anzahl; trotz ihrer Unsichtbarkeit können sie daher sehr verschiedne Grössenunterschiede zeigen; diese zusammengesetzten Molekule Moleküle crystallinisch, bei den Pflanzengeweben stets doppeltbrechend, liegen lose in regelmässiger Anordnung neben einander; im befeucheten befeuchteten Zustand jeder mit Wasserhülle umgeben, im trocknen berühren sie sich. (108)

Also im Innern eines organisirten Gebildes 3erlei Art Cohäsion:

  • 1) Durch die Cohäsionskraft, die sie in der anorganischen Natur zu Crystallen zusammentreten lässt, werden die Einzelmoleküle zu zusammengesetzten, für Wasser undurchdringlichen Molekülen.
  • 2) Anziehung unter den mit Wasserhüllen umgebnen zusammengesetzten Molekülen u. Versuch sich einander zu nähern.
  • 3) Anziehung der Oberfläche (oder Masse) des zusammengesetzten Moleküls auf das imbibirte Wasser; diess Molekül bildet dadurch seine Wasserhülle um sich, wodurch dem Anziehungsbestreben der Nachbarmoleküle entgegengewirkt wird. (108)

Die Form der organischen festen Massentheilchen polyedrisch, weil das in dem organischen Gebilde imbibirte Wasser sich nicht nach allen Richtungen gleichartig einlagert; Volum- u. Formveränderungen der organisirten Theile, indem mehr Wasser in sie eindringt od. ihnen Theil desselben durch Austrocknung entzogen wird. Bei der Quellung – die im Allgem. Volumzunahme bewirkt – einzelne Dimensionen verkürzt, andre vergrössert. Auch polyedrisch (die zusammengesetzten Moleküle), weil die Molekularkräfte im Innern der organischen Bildungen nach verschiednen Richtungen hin verschiedne Intensität haben. Die Erscheinungen, die die organischen Theile der Pflanzen im polarisirten Licht zeigen, nur erklärbar wenn die Moleküle crystallinische Form u. Struktur. Die zusammengesetzten organischen Moleküle sind optisch zweiaxig. (109)

Zwischen den Molekülen labiles Gleichgewicht, das beständige Molekularbewegung voraussetzt zum Ausgleich der beständig eintretenden Störungen. Bei chemischer od. physikalischer Veränderung der Moleküle, wesentliche Modifikation in den Anziehungen der einzelnen Moleküle gegen einander u. gegen ihre Wasserhüllen. Vergrössern sich die zusammengesetzte zusammengesetzten Moleküle, so verringert sich die Kraft, womit sie auf das sie umgebende Wasser wirken; dadurch kommen die festen Moleküle einander näher zu liegen, die Wirkung der sie nähernden Kräfte verstärkt, Dichtigkeit der Substanz nimmt zu, Wassergehalt entsprechend ab. Zersplittern die festen Moleküle durch mech. od. chem. Einflüsse zu kleineren Massentheilchen, so umgekehrt: Wasserhülle um jedes Theilmolekül nimmt zu, im Verhältniss zu der Menge, welche das grössere Massentheilchen um sich binden konnte; die Wirkung der kleineren, weit v. einander getrennten festen Massen auf einander wird geringer, Cohäsion u. Dichtigkeit des Körpers nimmt ab. Die grössere od. geringere Dehnbarkeit sonst gleicher organischer Gebilde in direktem Verhältniss zu ihrem Wassergehalt. (109)

Noch reichlicher tragen die chemischen Veränderungen zur beständigen Molekularbewegung bei; beständige Stoffumbildungen treten ein durch die Nothwendigkeit der Sauerstoffaufnahme f. das organische Leben; damit Veränderungen in der Wirkung der Moleküle auf einander u. deren Anziehung auf ihre Wasserhüllen; so dass nur durch eben so |2 beständige Ausgleichung der Wirkungen der Molekularkäfte das labile Gleichgewicht aufrecht erhalten werden kann. Die äussere Ruhe der lebendigen Gebilde entspringt nur aus ununterbrochner molekularer Veränderung, die das beständig gestörte innere Gleichgewicht beständig wiederherstellt. (109, 110)

Wachsthum u. Ernährung beruhn auf ganz analogen Vorgängen. In die Molekularinterstitien dringen Lösungen fester Stoffe u. Gase ein ein aus den die organischen Gebilde z. B. die Zellmembran umgebenden Flüssigkeiten nach den modificirten Gesetzen der Endosmose für lebende organische Theile. ⦗Die Gesetze der Diffusion umschliessen Endosmose u. Gasdiffusion

 Zusatz von Marx.
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1)
Entweder lagern sich die in der Lösung enthaltnen kleinen Moleküle an schon vorhandne zusammengesetzte an, ihre Wasserhüllen durchbrechend, so dass diese durch Apposition ihren durch Stoffwechsel verursachten Verlust wieder ersetzen od. überkompensiren.

 Zusatz von Marx.
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2)
Die einströmenden Moleküle können sich in den mit Wasser erfüllten Molekularzwischenräumen auch zu neuen zusammengesetzten Molekülen vereinigen, die eine gemeinschaftliche Wasserhülle um sich bilden u. sich wie die schon früher eingelagerten durch Apposition vergrössern. Durch diese Einlagrung v. neuen Molekülen werden andre Moleküle aus ihren alten Verbindungen gedrängt, weichen auseinander, es findet Umfangszunahme des organ. Gebildes statt, es wächst in die Dicke u. Länge.

Indem Lösungen u. Gase in das Innere der Gewebsbestandtheile eindringen od. dort sich durch chemische Umsetzung (Stoffwechsel) bilden, Störung des Molekulargleichgewichts, sie entfalten u. erfahren Einflüsse nach verschiednen Seiten. (110)

Die Ernährungsflüssigkeiten, so lange sie sich zwischen den Molekülen eines organisirten Gewebes befinden, nehmen direkt Theil an der Erzeugung der Kräfte: Molekularbewegung, Wärme, Electricität; sie sind integrirende Bestandtheile des lebenden Gewebes, worin sie eindringen. Ein Haupttheil des Gesammtstoffwechsels eines Organismus findet beim Durchpassiren v. Ernährungsflüssigkeiten durch die organischen Gebilde statt. (110) (wobei wesentlich auch die Kräfteeinwirkungen, welche v. Seiten der in ihrer Lebensbewegung befindlichen Moleküle auf die durchpassirenden Lösungen statt findet.)

Gross der Kraft bei der Cöhäsion Cohäsion der Moleküle in organischen Theilen, z. B. Imbibitionskraft ⦗Kraft womit Wasser angezogen wird⦘ durch Stärke od. Holz; bei trocknen Substanzen (Stärke z. B.) dabei nachweisbare Wärmeerzeugung. (Weiteres 110)

Brücke’s Entdeckungen über den optischen Bau des Muskels. (111)

Der Wassergehalt der Gewebe vermittelt die gesammten Lebensvorgänge. (l. c.) ⦗den Molekularbau, die chemische u. physikal. Einwirkung der Moleküle auf einander, den Stoffaustausch für Stoffwechsel, Ernährung, Wachsthum; f. Entstehung u. Verbreitung electrischer Ströme, da trockne organische Substanzen die Electricität nicht leiten.[⦘] Zur Vereinigung v. Stoffmolekülen muss zuerst die Wasserhülle der Moleküle durchbrochen werden, die anziehende Kraft der Moleküle gegen ihre Wasserhüllen paralysirt werden. (111)

 Gliederung von Marx. Im Folgenden nicht fortgeführt.
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α)
Hydrodiffusion, Lösung, Endosmose.

In grösseren Gewebspartien neben den mit Flüssigkeiten erfüllten Molekularinterstitien noch gröbere ebenfalls mit Flüssigkeiten angefüllte Gewebslücken, die feine od. weitere Canäle bilden, welche die Gewebe u. Häute durchziehn. Bei Zellmembran zwischen Flüssigkeiten als Scheidewand dieselben physikalischen Vorgänge der Mischung wie bei zwei od. mehreren sich mischenden aber nicht chemisch zersetzenden Lösungen ⦗gleichartige Mischung trotz des Gesetzes der Schwere⦘ – Hydrodiffusion; Ursache – gegenseitige physikalische Anziehung der Moleküle der gelösten od. flüssigen Körper. (111)

Lösung: Wärme nöthig zur Ueberführung fester Stoffe in den flüssigen und gasförmigen Zustand. Diese Wärmemenge wird der Umgebung, zum grössten Theil dem Lösungsmittel selbst, entzogen, worauf die Kaltmischungen beruhn. Die Wärmemenge wenigstens =, meist > als die zum Schmelzen desselben Stoffs erforderliche. Gehört Aufwand v. lebendiger Kraft dazu, die Moleküle weiter u. weiter v. einander zu entfernen. Für verschiedne Stoffe die Fähigkeit sich in Flüssigkeiten, besonders in Wasser zu lösen, sehr verschieden; sie geht v. dem Gewicht 0 bis zu sehr bedeutenden Werthen. Manche Stoffe lösen sich nur in heissen Flüssigkeiten; die Menge Stoff, die in einer gewissen Flüssigskeitsmenge Flüssigkeitsmenge sich löst, steigt bei vielen Stoffen mit Erhöhung der Temperatur; manche in höheren Temperaturen weniger löslisch löslich (Eiweiss z. B.) Sind verschiedne Stoffe in der LösungsFlüssigkeit zugegen, so wird unter Umständen das sonst für reine Flüssigkeiten constante Gewichtsverhältniss, in welchem sich ein Stoff zu lösen vermag, verändert, meist er- |3 niedrigt. Dadurch verändern die Flüssigkeiten, welche Stoffe in Lösung enthalten, ihren Gefrier- u. Siedepunkt. Das Wasser in Lösungen gefriert bei einer niedrigeren u. siedet bei einer höheren Temperatur als das reine Wasser. Durch die Veränderung des Aggregatzustands der Lösungsflüssigkeit werden die Moleküle des festen Stoffs u. der Lösung getrennt; beim Gefrieren scheidet sich der gelöste Stoff analog ab, wie er bei der Verdunstung zurückbleibt. (113)

Der Verbrauch der Organstoffe mit Verflüssigung verbunden; sie werden zum grossen Theil in wässriger Lösung ausgeschieden, als Harn, im Schweiss. Mischung v. Lösungen verschiedner Stoffe durch Diffusion – ohne dass sie durch Zellenwand getrennt – findet nur im Zelleninhalt selbst statt. In grösseren Flüssigkeitsmengen, wie Blut, Lymphe, Harn Mischung durch mechanische Beihilfe, unterstützt, wie z. B. bei der Blutbewegung. (l. c.)

Endosmose: Diffusion durch eine f. beide Flüssigkeiten durchgängige gegen beide indifferente Membran. Endosmotische Aequivalent (= endosmotischen Diffusionswiderstand) (um ein Mass f. den ungleichen Werth der verschieden gerichteten  Bei Ranke, S. 112: Ströme
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Flüssigkeiten
zu erlangen) gemessen durch die Verhältnisszahl zwischen den Gewichten der nach der einen u. der andern Seite (der Membran) übergegangenen Flüssigkeitsbestandtheile. (112, Weiteres, Zahlenangaben p. 113) Nach Graham gehn gewisse Substanzen – Kolloidsubstanzen v. ihm genannt – die sich meist durch Mangel der Krystallisirbarkeit, Grösse der Moleküle auszeichnen ⦗aber auch das krystallisirbare Hämoglobin⦘, wie Eiweiss, Gummi, nicht endosmotisch durch Membrane hindurch; die entgegengesetzten Substanzen nennt er Krystalloidsubstanzen. Er gründete darauf eine Trennungsmethode: Dialyse. (113) Je grösser die Anziehung (der durch die Membran getrennten Stoffe), je grösser die Poren der Scheidewand u. je kleiner die Molekule Moleküle des gelösten Körpers, desto schneller die Endosmose, desto grösser das endosmotische Aequivalent, desto geringer der endosmotische Diffusionswiderstand. (l. c.)

Auch Verschiedenheit in der Anziehung, die verschiedne Flüssigkeiten v. den Bestandtheilen der Scheidewand erfahren; alle trocknen thierischen Stoffe stark hygroskopisch. (l. c.) Humöse Scheidewände, z. B. Ackererde, (Liebig) halten die zur Pflanzenahrung Pflanzennahrung nöthigen Substanzen, z. B. Kalisalze, zurück, lassen unnöthige, z. B. Natronsalze, passiren. (114)

Quellungsmaximum ⦗Anziehung der todten thierischen Stoffe f. verschiedne gelöste Stoffe verschieden u. nehmen v. bestimmter Flüssigkeit nur bestimmte Menge auf⦘, Punkt wo der thierische Stoff keine weitere Aufnahme v. Flüssigkeit untergeht. (l. c.)

Der überwiegend grösste Theil der thierischen Stoffe während Lebensdauer in gequollnem Zustand; alle Häute u. Membranen im Thierleib mit wässerigen Salzlösungen imbibirt; verwehren allen mit Wasser nicht mischbaren Flüssigkeiten den Eingang in ihre Poren. (114)

Die für todte Membranen u. Gewebe gefundnen Werthe f. Endosmose u. Imbibition lehren nichts für die Vorgänge im lebenden Gewebe. Die eigentliche (anorganische) Imbibition, gegründet auf die allgemeinen Gesetze der Hydrodiffusion, nie rein auftretend im lebendigen Gewebe. Der Vorgang der Stoffaufnahme u. [-]Abgabe [ist ein] aktiver, beruht im letzten Grund auf den Lebenseigenschaften der Gewebe. (l. c.) (Weiteres 114 u. 115)

Die lebenden Gewebe imbibiren sich nicht mit indifferenten ⦗f. sie harmlosen⦘, sondern mit differenten Stoffen u. zwar je differenter diese Stoffe sind, d. h. je rascher alle Lebenseigenschaften derselben in diesen Lösungen geschwächt u. vernichtet werden; z. B. mit Kalisalzen der verschiedensten Säuren (Weiteres 115) (Kalilösungen) Imbibition tritt auch ein, wenn durch übermässige Thätigkeit (Tetanus bei Muskeln u. Nervensubstanz) die Lebensenergie der Gewebe physiologisch aus inneren Gründen herabgesetzt ist.

Säurewirkungen. (115 wo näheres) (116) Destillirtes Wasser eines der heftigsten Gifte, das Erregbarkeit v. Muskel- u. Nervensubstanz sehr rasch vernichtet. (116)

Kali u. Natron v. derselben Concentration können sich in der anorganischen Natur wechselseitig ersetzen; in der organischen [Natur sind] die Salze des einen vollkommen indifferent in einer Concentration worin das andre als das heftigste Gift wirkt; daher v. Natronlösungen noch nichts aufgenommen, während bedeutende Menge v. der gleich concentrirten Lösung des Kalisalzes. (116)

Imbibitionsgesetz lebender Gewebe (Zellen): Sie nehmen nur durch Imbibition auf in sich Stoffe, wenn ihre Lebensenergie geschwächt ist. Gleichgültig, ob diese Schwächung durch die zur Imbibition dargereichten, v. aussen eindringenden Stoffe selbst erzeugt wird (Aufnahme v. alkalischen u. sauren Flüssigkeiten, Lösungen v. Kalisalzen u. destillirtem Wasser etc) |4 od. ob Lebensenergie alterirt durch innere physiologische Zustände (saure Reaktion des Zellinhalts durch gesteigerte Thätigkeit des Protoplasma – Tetanus bei Muskeln u. Nerven – od. durch beginnendes Absterben. (116) Die lebensfrische Zelle lässt nur Stoffe in sich eintreten, die primär ihre Lebensenergie herabsetzen; wenn auch z. Th. f. das Zellenleben unentbehrlich, verdanken sie ihre Aufnahme nur ihrer ersten schwächenden Wirkung. (l. c.) Die in ihrer Lebensenergie aus physiologischen Gründen herabgesetzten Gewebselementen Gewebselemente, imbibiren sich auch in indifferenten Lösungen. Dann lebhafter Diffusionsverkehr zwischen Zellinhalt u. der äussern Flüssigkeit. Schädlichen Substanzen treten so wieder aus dem Zellinhalt heraus; ihre Lebensenergie hebt sich wieder, Flüssigkeitsaufnahme dann sistirt; überschüssig aufgenommene Flüssigkeit (wie bei Muskeln) aktiv ausgeschieden. (116) (⎰ u. 117) Sind einmal die Gewebspore Gewebsporen aus aüsseren od. inneren Ursachen geöffnet, so dass überhaupt das Eindringen v. Flüssigkeiten stattfinden kann, dann erst treten die Vorgänge der Hydrodiffusion in ihrer anorganischen Gesetzmässigkeit ein. (117)

Porenverschluss u. Porenöffnung aus der Bewegung v. Protoplasma erklärt. (117 ⎰)

In den Gewebsflüssigkeiten: Blutserum, Lymphserum, Galle (die Auscheidensflüssigkeit Ausscheidungsflüssigkeit der Leber) finden wir fast nur Natronsalze; dagegen in den Geweben u. Zellen: Blutkörperchen, allen Organen, vorwiegend Kalisalze. Die Gewebe haben ein aktives Aufnahmestreben f. Kalisalze, die sie zurückhalten (wie der Humus); Natronsalze dagegen werden nicht v. ihnen gebunden (wie nicht vom Humus)[.] Der geringe Kaligehalt in den Gewebsflüssigkeiten rührt theils v. der Nahrung, theils v. den zerfallnen Gewebspartien her. (117)

Aehnlich wie gegen Kali, verhalten sich die Gewebe gegen Phosphorsäure. (117) (daselbst ⎰)

Raschheit, womit gewisse Stoffe auf sie einwirken u. v. ihnen aufgenommen werden, f. die verschiednen lebenden Zellen u. Zellenderivate verschieden. (118) Manche Stoffe daher f. gewisse Gewebe indifferent, f. gewisse schädlich. (l. c.) (Kohlenoxyd gegen alle Gewebe indifferent; bewirkt aber Tod durch eine Verbindung mit Hämoglobin, wodurch dieses gehindert wird O aufzunehmen) (Harnstoff wirkt primär nur erregend auf die centralen Hirnpartien) ⦗Die anorganischen u. krystallisirbaren organ. Stoffe, so betheiligt an der Erregbarkeit, Stoffaufnahme u. -Abgabe⦘

Filtration: stets mit den Diffusionsvorgängen gemischt. Endosmose v. aüsserem Druck unabhängig; Filtration presst durch aüsseren Druck gelöste Stoffe durch Membranen, Scheidewände. Ursachen der letzteren: Schwerewirkung; dann positive u. negative Spannungen, die auf den flüssigen Inhalt von Zellen, Blut- u. Lymphgefässen etc meist durch die umschliessenden Membranen ausgeübt werden. Filtration erheischt, dass der Druck auf der einen Seite geringer sei als auf der andern, von welcher der Strom der filtrirenden Flüssigkeit ausgeht. (118) (Weiteres daselbst ⎰, ⎰) Im Allgemeinen steigt die Menge der filtrirenden Flüssigkeit mit der Zunahme des Druckunterschieds u. umgekehrt. (119)

Die Filtration insofern analog der Imbibition u. Hydrodiffusion, dass auch hier zunächst nur Flüssigkeiten der Durchgang gestattet, in welchen sich die betreffenden Membranen, durch die filtrirt werden soll, imbibiren. (119) ⦗Bei lebenden Membranen also dasselbe Gesetz f. Filtration, wie für Imbibition⦘ (Vgl. 119 ⎰) ⦗Durch die unverletzten lebenden Epithelien passiren nur Flüssigkeiten, welche die Lebensenergie ihres Protoplasma herabsetzen; durch abgestorbne Magen- od. Schleimhaut filtriren indifferente Flüssigkeiten mit grosser Leichtigkeit⦘

Durch die Filtration können gewisse Stoffe wie durch Diffusion v. einander getrennt werden; bei geringerem Druck filtriren nur wahre Lösungen (Lösungen v. Krystalloloidsubstanzen Krystalloidsubstanzen), während die unechten Lösungen gequollner Substanzen (Kolloidsubstanzen wie Eiweiss, Stärke, Gummi) erst unter steigendem Druck, doch nur in geringen Mengen, durchtreten. (119)

Zu diesen Complicationen der Diffusions- u. Filtrationsvorgänge kommt noch der verschiedne Bau der thierischen Membrane hinzu, in Folge dessen der Durchtritt den Flüssigkeiten nur nach bestimmten Richtungen gestattet. (Weitres 119, 120)

Es kann in keiner Zelle sich abnormaler Weise ein gelöster Stoff aufhäufen, ohne dass er durch gesteigerte Diffusion zwischen der betreffenden u. den nachbarlichen Zellen od. Gewebsflüssigkeiten ausgewaschen würde. (120)|

5

Gasdiffusion u. Absorption im Organismus:

Sauerstoff theils los gebunden an Hämoglobin, theils gasförmig, im lebendigen Organismus, in die Zelle zugeführt; ditto Kohlensäure (die durch die physiologische Oxydation entsteht) beständig zu entfernen, da sie für die Gewebe ein Gift; ferner Entfernung v. Wasserdampf, Aus- u. Eintreten v. Stickstoff. (120)

Gasdiffusion: das Ineinanderströmen mehrer in freie Verbindung gesetzter Gasarten; ihr schliessliches Resultat gleichmässiges Gemenge. Ein Raum, der v. einem indifferenten Gas erfüllt ⦗d. h. das andre nicht chemisch beeinflussendes⦘ verhält sich zu einem andern als wäre er ein Vacuum. (l. c.)

(Unter Gasdruck u. seiner Höhe versteht man die grössere od. kleinere Menge eines Gases in einem gegebnen Raum) ⦗je nachdem v. einer Gasart mehr, v. der andern weniger in einem gegebnen Raum enthalten, steht sie unter einem grösseren od. geringeren Druck ihrer eignen Masse; z. B. der Sauerstoffdruck in der Atmosphäre grösser als der Kohlensäuredruck. Alle Gasen streben danach in einem gegebnen Raum, z. B. in der ganzen Atmosphäre unter dem gleichen Druck zu stehn, überall also, wo momentan eine zufällige Anhäufung eines Gases stattfindet, tritt das Diffusionsstreben in Wirksamkeit, welches nach längerer od. kürzerer Zeit zu einer vollständigen Ausgleichung des Drucks des betreffenden Gases, zu einer gleichmässigen Mischung desselben mit den übrigen Gasen führt. Gesetz: Die Geschwindigkeiten, womit verschiedne Gase unter gleichen Umständen (gleichem Druck) durch eine sehr feinporöse Scheidewand in’s Leere oder in andre Gase diffundiren, verhalten sich umgekehrt wie die Quadratwurzeln aus den specifischen Gewichten der Gase. (120, 121)

⦗Ebenso Einströmen v. Gasen in die Molekularinterstitien v. Flüssigkeiten, auch ohne chemische Verwandschaft zwischen Gas u. Flüssigkeit. Wie ausserhalb, üben auch innerhalb der Flüssigkeiten die Gase keinen Druck auf einander aus, so dass in dieselbe Flüssigkeit beliebige Anzahl v. Gasen einströmen kann. (121)⦘

Absorption (Lösung der Gase in Flüssigkeiten) analoge Gesetze wie bei der Lösung fester Körper in Flüssigkeiten. Bei constanter Temperatur absorbirt jede Flüssigkeit v. bestimmtem Gas bestimmtes Volumen, sehr verschieden für verschiedne Gase. Das absorbirte Gasvolumen wechselt mit Temperatur der absorbirenden Flüssigkeiten u. zwarumgekehrt wie bei den Lösungen der meisten festen Körper in Flüssigkeiten – wird die Absorptionsfähigkeit der Flüssigkeiten fast immer geringer mit der steigenden Temperatur (theilweise Ausnahme bei höheren Graden fast nur der Wasserstoff)[.] Bei Temperatur von 100°C kann das Wasser kein Gas mehr in sich halten, sein Absorptionsvermögen dann = 0.⦘ (121)

Absorptionscoefficient, die Menge Gas, die eine frei mit dem Gas communicirende Flüssigkeit aufzunehmen vermag. Weiteres 121) Mit Bleistift geschrieben.
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 ⎰)
(verschieden für jedes Gas u. jede Temperatur)[⦘]

Unter jedem Druck nimmt dieselbe Flüssigkeit das gleiche Gasvolumen auf. Nach dem Mariotteschen Gesetz steigt die Dichtigkeit – das specifische Gewicht – der Gase direkt mit dem auf ihnen lastenden Druck. Folgt nach dem Absorptionsgesetz, dass die aufgenommenen Gasgewichte direkt mit dem Druck, unter welchem die Absorption geschieht, wachsen. Die aufgenommenen Gasvolumina bleiben sich unter jedem Druck gleich; aber das gleiche Volumen hat höheres Gewicht unter höherem Druck. (121, 122)

In Flüssigkeiten absorbirte Gase behalten ihr Diffusionsstreben. Eine Flüssigkeit, z. B. Wasser, gesättigt, bei einem bestimmten Gasdruck, z. B. mit Kohlensäure. Bringen wir das so mit Kohlensäure gesättigte Wasser in einen geschlossnen Raum, der mit einer andern Gasart z. B. Wasserstoff gefüllt, so diffundirt die Kohlensäure aus dem Wasser in den vom Wasserstoff eingenommenen Raum. Kohlensäure geht so lang aus dem Wasser weg, bis ausserhalb u. innerhalb der Flüssigkeit die Vertheilung der Kohlensäure ihrer Gesammtmenge, dem Kohlensaüredruck entspricht. Dafür dringt andrerseits Wasserstoff in das Wasser, bis auch er dem Wasserstoffdruck entsprechend ausserhalb u. innerhalb der Flüssigkeit vertheilt ist.

Ein absorbirtes Gas entweicht, wenn die Spannung desselben (z. B. der Kohlensäure) in dem über der Flüssigkeit befindlichen Raum vermindert wird. Gas wird abgegeben, wenn die Flüssigkeit, welche bei einem bestimmten Gasdruck, z. B. Kohlesaüredruck, sich gesättigt hatte, mit einem Raum in Verbindung gebracht wird, worin das absorbirte Gas unter einem geringeren Drucke steht als der war unter dem die Absorption stattfand. (123 122)|

6

In dem thierischen Organismus, in der Zelle, findet der Gasverkehr meist durch Scheidewände statt, durch Zellmembranen, Wände der Kapillargefässe. Diese organischen Scheidewände mit Flüssigkeit getränkt setzen dem Gasstrom vom Gas in die Flüssigkeit u. umgekehrt keinen merklichen Widerstand entgegen. Die animalen Flüssigkeiten communiciren durch die zarten feuchten Membranen fast direct mit den Gasen der Atmossphäre. (Weiteres 122. Wasserthiere athmen eine relativ an O reichere Luft als die Luftthiere ⎰ ib.) ⦗Das Verhältniss v. Sauerstoff zu Stickstoff in Atmossphäre = 21 : 79 (mit blossen Spuren v. Kohlensäure); aber der Absorptionscoefficient v. O fast doppelt so gross wie der v. N. (u. die thierischen Flüssigkeiten verhalten sich ungefähr wie das Wasser zu diesen Gasen); also wird sich Ogehalt zu Ngehalt in der Flüssigkeit verhalten = 34.91 : 65.09⦘

Von der Kohlensäure der Atmossphäre könnte unter normalen Umständen in die kohlensäurefrei gedachte Zellenflüssigkeit nur entsprechend der minimalen in der Luft enthaltnen Menge aufgenommen werden. Aber Zellenflüssigkeit sowie Blut sind Heerde der Kohlensäureproduktion; die in der Zellenflüssigkeit verbrannten kohlenstoffhaltigen Substanzen häufen primär ihre gebildete Kohlensäure in dieser auf. Also unter normalen Verhältnissen der Kohlensäuredruck – entsprechend der Kohlensaüremenge – in der Zelle weit grösser als ausserhalb derselben. Daher normal keine Kohlensäure aus der Luft in die Flüssigkeit aufgenommen, sondern die Kohlensaüre diffundirt aus der Flüssigkeit, um sich mit der Kohlensaüre der Luft ins Gleichgewicht der Spannung zu setzen. Dasselbe gilt vom Wasserdampf. (122)

Der Gasverkehr der Flüssigkeiten des Organismus mit der Atmossphäre also doppelt:

  • 1) Der Organismus nimmt aus der Luft: Sauerstoff u. Stickstoff;
  • 2) Er scheidet dafür aus: Kohlensäure u. Wasserdampf.

Nur die Aufnahme des Stickstoffs u. die Abgabe des Wasserdampfs sind ganz reine Gasdiffusionsvorgänge.

Die Abgabe der Kohlensäure – die sich manchmal, wenn die Atmossphäre mehr Kohlensäure als die betreffende thierische Flüssigkeit enthält, in Kohlensäureaufnahme verwandelt, woran der Organismus rasch zu Grunde geht – nur zum Theil (?) reiner Gasdiffusionsvorgang.

Die Aufnahme des Sauerstoffs, z. B. in das Blut, geschieht nur zu verschwindend kleinem Theil aus diesem Grund, die grösste Menge des aufgenommenen O zunächst durch Attraktion des Farbstoffs der Blutkörperchen herbeigezogen. Die Oaufnahme daher v. Absorptionsgesetzen unabhängig u. viel grösser in den thierischen Flüssigkeiten, die sauerstoffanziehende Substanzen (z. B. Blutkörperchen) enthalten[,] als er ohne diese sein würde.

Auch die Ausscheidung der Kohlensäure erfolgt nicht allein nach den Gesetzen der Gasdiffusion; chemische Einflüsse dabei betheiligt, die sie als eine aktive Austreibung darstellen. (sieh Athmung) (p. 122, 123)

 Gliederung von Marx.
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f)
Wechselwirkung der Kräfte im Organismus.

Wirken:

  • 1) Form u. Molekularstruktur der Zelle;
  • 2) Ihre chemische Mischung;
  • 3) die physikalischen Eigenschaften ihrer Stoffe. (123)

1) Einflüsse der Zellenform auf das Zellenleben: Meist, wenigstens in späteren Lebensstadien rundliche Zelle, mit einer rings geschlossnen Membran umgeben, in Thätigkeit, wo es gilt an einem bestimmten Ort chemische Lebenswirkungen zu entfalten: Stoffe zu lösen, chemisch zu verändern, um sie für die Zwecke des Organismus verwendbar zu machen, oder (wie in den Drüsen) unbrauchbar gewordne Substanzen lokal zu entfernen. (123, 124)

Nichtrundliche, nicht abgeschlossene Form; Nervenzellen, mikroskopisch klein, ihre Verbindungsfäden v. mikroskopischer Feinheit, makroskopischer Länge, Netz herstellend: wo die Lebensthätigkeit der Zelle nicht direkt auf den v. ihr eingenommenen Ort beschränkt; wo Wirkungen auf weit abgelegne Organe von Centrum aus. (124)|

7

Auf Gestaltveränderungen (Contractilität des Protosplasma) beruhn die mechanischen Kraftleistungen der Zellen. Diess Vermögen der aktiven Gestaltveränderung allgemeine Eigenschaft des Protoplasma, kommt zu viel mehr Zellen ⦗die elastische Membran, wenn vorhanden, schmiegt sich diesen Gestaltsveränderungen des Inhalts an⦘ als früher angenommen. Diess Vermögen der Contraction wird Grund bedeutenderer Gestaltveränderung der Gewebe od. gar zur Ursache der Ortsbewegung des gesammten Organismus nur bei den Zellen, deren Gestalt solche, dass durch ihre Veränderung nach irgendeiner Richtung bedeutendere Effecte erzielt werden. Gestalt der Muskelzellen; langgestreckt, bandartig, verändert durch die Contraktion in eine annähernd kugelige – best geeignet für Zug- u. Druckwirkungen in weiterer Ausdehnung. Muskelprimitivcylinder. (124)

2) Beziehungen der chemischen Mischung auf das Zellenleben: Primär chemische Zusammensetzung in allen aus der Eifurchung hervorgegangenen Zellen gleich; wird erst differenzirt – Gegensatz in den chem. Verhältnissen der verschiednen Zellen gesetzt – dadurch dass der entstehende Organismus sie zu verschiednen Zwecken benutzt. Je nach ihren Leistungen andre Oxydationsprodukte in den Zellen; sie wirken ähnlich (diese Oxydationsprodukte) wie die anorganischen Bestandtheile der Zellen; verändern die Reaktion des Zellsafts, machen ihn alkalisch, sauer od. neutral. Die wahren Gährungserscheinungen v. ganz verschiednem Verlauf, je nach der Reaktion der Flüssigkeit worin sie stattfinden, verändert in Qualität u. Intensivität.

Die Lebensenergie der Muskelzelle in umgekehrtem Verhältniss zu der in ihr enthaltnen Milchsäure, einem Zersetzungsprodukt des Zelleninhalt. Wirkung der Kohlensäure, dem allgemeinsten Produkt der organischen Oxydation, lähmt, in grösserer Menge gehäuft, die Thätigkeiten der Nervenzellen u. setzt Intensität der Lebensvorgänge in den Muskelzellen herab. Harnstoff, sonst f. alle Zellen ganz indifferenter Stoff, wirkt nur auf ganz kleine Gruppe v. Nervenzellen im Gehirn, welche die Uebertragung sensibler Reize auf die Muskeln (Reflexe) hemmen.

Mit wesentlicher Aenderung in der chemischen Mischung des Zellensafts ändert sich die Intensität der Lebenseigenschaften der Zellen. (124, 125)

Verschiedne Reaction der Zellen gegenüber verschiednen Stoffen. (Weiteres 125, Harnstoff, Hippursäure, Gallensäure)

3) Lebenseigenschaften der Zellen as determined durch die physikalischen Eigenschaften der sie zusammensetzenden Stoffe: Gasdiffusion, elektrische Ströme, Wärme.

Die specifischen chemischen Lebensthätigkeiten der Zelle meist an die Anwesenheit des Zellkerns geknüpft.

Diffusionsvorgänge verändern beständig die Gestalt der Zelle. Diffundirbare Stoffe treten aus ihr aus, nimmt dafür meist zuerst ein bedeutenderes Quantum Wasser auf, quellt auf; quellende Gewebe suchen sich möglichst der Kugelgestalt zu nähern; dann die Gestalt der Nachbarzellen verändert durch gegenseitigen Druck; diese Ausdehnung der Zellmembranen wirkt wieder auf Veränderung der Flüssigkeit in den Zellen; der auf den Zellinhalt ausgeübte Druck presst direkt Flüssigkeit heraus, filtrirt. (125, 126)

Dann wieder die chemischen Veränderungen des Zelleninhalts Einfluss auf die Zellengestalt; durch die Oxydation in den Zellen leicht diffundirbare, krystallisirbare Substanzen gebildet, die durch Diffusion ausgewaschen werden u. damit primär Wasser in die Zellen hereinziehn etc. (Weiteres 126)  Mit Bleistift geschrieben.
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(⎰)
(Die anorganischen Substanzen vielfältig in der Zelle mit organischen gar nicht od. schwer diffundirbaren Stoffen chemisch verbunden, z. B. mit Eiweiss; aus dieser Verbindung werden sie erst frei durch die Zersetzung u. Oxydation u. können erst dann ihr Diffusionsvermögen entfalten)

Auch in Bezug auf Leistung mechanischer Arbeit die chemische Zusammensetzung bedingend. (Weiteres 126) Ebenso Electricitätsentwicklung abhängig v. den chemischen Stoffen im Zelleninhalt (Weiteres 126, 127)

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g)
Der Tod der Zelle.

Im Allgemeinen die Mehrzahl der einzelnen Zellen od. vielmehr Zellenformen im Organismus v. bedeutender Lebensdauer. Ausnahme davon: Epidermis- u. Epithelzellen. (Weiteres 127) (Auf Schleimhäuten die chem. Verändrung, die schliesslich zur Mucinbildung in ihren ihrem Inhalt u. dann zur Zerstörung ihrer Zellmembran führt. Auf der Mucinmetamorphose der Zelle beruht alle Schleimbildung)

Ein Theil der in bestimmten Geweben gebildeten Zellen dort losgestossen, in die Säftecircirculation Säftecirculation gebracht, wo die freien Zellen nach verschiednen Metamorphosen zu Grunde gehn, indem immer neue Zellennachschübe geschehn. So die in den Lymphdrüsen |8 gebildeten farblosen noch kernhaltigen Lymph- od. Blutkörperchen, werden im Blut zu rothen Blutkörperchen, gehn dann zu Grund. Theilweis wandern sie in andre Gewebe wieder ein, gestalten sich hier um u. betheiligen sich an der Gewebsbildung. Periodische Eireifung im Ovarium, Losstossung, führt beim menschlichen Weib in den meisten Fellen Fällen zum Absterben der Eizelle. Ein Theil der Drüsensekrete entsteht aus Zerfall der Drüsenepithelzellen; ein andrer Theil entsteht durch Ausschwitzung aus den Zellen. Haben die Zellen eine Membran, z. B. Hodenzellen, diese durch Druck v. innen od. Auflösung chemischer Art gesprengt, u. die Inhaltsmasse wird damit frei. (127, 128)

Durch massenhafte Anhäufung v. Fett im Protoplasma die Zellenthätigkeit gelähmt u. die Zelle endlich vernichtet. Fettmetamorphose kann alle Zellen jeder Gegend (im Körper) in pathologischen Fällen vernichten. (128 weiteres) Ditto Anhäufung grösserer Mengen v. Pigmentstoffen in den Zellen (l. c.) Ditto Einlagerung v. Kalksalzen, phosphorsaurem u. kohlensaurem Kalk (l. c.)

Leichenerscheinungen ⦗nach dem Tod des Gesammtorganismus, nach dem Ausschneiden v. Organen u. Organtheilen⦘ (sieh 128–129) (i. e. Veränderungen in den Zellen) Leichenstarre. Fäulniss (ib.) Leichenwachsbildung. (l. c.)

 Gliederung von Marx.
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h)
Der animale Organismus eine Kraftmaschine.

Wie die kalorischen Maschinen, bei denen auch chemische Spannkräfte, durch Verbrennung v. Kohle u. kohlenreichen Stoffen geliefert, in mechanische Arbeit umgesetzt werden. (130)

Die mechanischen Einrichtungen des menschlichen Knochengerüsts entsprechen den bei einer Maschine passiv bewegten Hebeln, Rädern u. anderweitigen Uebertragungsvorrichtungen. Bei den Dampfmaschinen die Kraft, die das Getriebe ihrer speciellen Arbeitsvorrichtungen in Gang setzt, eine linear wirkende Druck- u. Zugkraft; die lineare Auf- u. Abwärtsbewegung eines Stempels setzt sich in die verschiedenartigsten Bewegungen um. Durch die Hebelmechanismen des menschl. Körpers werden einfach linearwirkende Zugkräfte, die lineare Verkürzung u. Wiederverlängerung der Muskeln, in die mannigfachen Bewegungen umgesetzt, die er auszüben auszuüben vermag. Durch Röhren der gespannte Wasserdampf dem Kolben zugeleitet u. dadurch derselbe in Bewegung gesetzt. Bei dem menschlichen Organismus durch den Nerven der Bewegungstrieb analog dem eigentlichen Arbeitsorgan, dem Muskel, zugeführt. Die Zuführung des Kraftmaterials erfolgt auf einer zweiten Bahn durch die Ernährungsgefässe. Im Unterschied v. den kalorischen Maschinen vermag der animale Organismus durch Zersetzung seiner Arbeitsapparate selbst sich Arbeitskraft zu liefern. (129, 130)

Bei der kalorischen Maschine wird die bessere od. schlechtere Ausnutzung der durch die Verbrennung erzeugten lebendigen Kräfte bedingt durch Heizmaterial u. Heizvorrichtung. Die Abnutzung der Maschine durch die Arbeit erfordert Reparaturen, Neueinsetzung ausgebrochner Stücke etc. Im menschlichen Organismus dienen dazu die Ernährungs- u. Stoffwechselvorgänge. (131) (Grosse Anzahl der wichtigsten Organe des menschl. Körpers mit Stoff-Aufnahme-Abgabe- u. Umsetzung beschäftigt)

Eintheilung in

  • 1) Physiologie des Stoffwechsels (die s. g. vegetativen Vorgänge der Stoff-aufnahme-Abgabe-Zersetzung- u. Austausch) (Physiologie der Spannkräfte.) Dieser Stoffwechsel liefert dem Organismus die Möglickeit Möglichkeit der Arbeitsleistung; also
  • 2) Physiologie der Arbeitsleistung (s. g. animalen Lebensvorgänge) Physiologe der lebendigen Kräfte. |

9

I) Die Physiologie des Stoffwechsels.

A) Die Ernährung.

Viertes Kapitel: Die Nahrungsmittel.

1) Das Wasser.

Körper der Menschen u. der höheren Säugethiere zu 58.5% aus Wasser. (135) Wasser löst fast alle Stoffe auf; ohne die Mineralbestandtheile, wie in Quell- u. Flusswasser, das Wasser nicht zum Genuss tauglich. (Regenwasser, Destillirtes Wasser, wo sie mangeln, erst durch Zusatz v. Salzen (Kochsalz) zum Trinken brauchbar. (135, 136)

Wechselnde Menge v. Luftbestandtheilen je nach dem Zustand der Witterung; fast gar kein O im Wasser der Quellen. Zu 1 Kubikfuss Wasser 331/3, 40–50 Kubikzoll Luft. (136) (Luft im Wasser weit sauerstoffreicher als die atmossphärische. Sieh Gasdiffusion) (ibid. über den Sauerstoff, Stickstoff, Kohlensaüre in 100 Kubikfuss Wasser) An Kohlensäure Quellwasser stets ziemlich reich. (l. c.) Die Verhältnisse der Luftbestandtheile des Wassers, das der Atmossphäre frei ausgesetzt, eben so gleichbleibend wie in der Atmossphäre. Desto wechselnder die Mineralbestandtheile, je nach dem Boden den es durchsetzt. (l. c.) TrinkWasser führt den Menschen schon die meisten nothwendigen anorgan. Bestandtheile zu. (137) ⦗besonders kohlensaure u. schwefelsaure Salze u. Chlorverbindungen, namentlich v. Erden, bes. Kalk; die Salze der Alkalien treten zurück. Kohlensaurer Kalk, schwefelsauer Kalk, kohlensaures Natron, Bittererde etc⦘

Hygienische Bemerkungen (137–141) (Verunreinigungen des Wassers: organische Stoffe u. salpetersaure Salze \ salpetersaures Ammoniak) (137 ⎰) (⎰⎰) (138 ⎰ u. ⎰⎰) (Kaligehalt des Wassers Ende 138 u. Anfang 139) Einfluss guter Wasserleitung. (139 ⎰)

Kochen des Wassers zerstört die schädlichen anorganischen Beimischungen, treibt aber auch alle Luft heraus, macht es unschmackhaft. (139) Die erdigen Bestandtheile des Flusswassers zu unterscheiden v. den Mineralbestandtheilen, bestehn der Hauptmasse nach aus Thon; ohne gelöst zu sein, sind sie im Wasser suspendirt u. setzen sich aüsserst langsam ab. (l. c.) Quellwasser rein v. angeschleimten erdigen Beimischungen, reich an gelösten Mineralbestandtheilen. (140) (Folgen seines Filtrationsprocesses bei seinem langsamen Durchsickern durch den porösen Boden. Bei dem Wasserreinigungsprocess ahmt man diesen natürlichen Filtrationsprocess nach.) (Reinigung des Regenwassers in Venedig, des Flusswassers in Paris) (London ⎰) (Desinfection durch Kohle) Für den Kopf bedarf man etwa f. den Wasserverbrauch im Hause 25 Maass in 24 Stunden. (140)

Nicht nur das Trinkwasser, sondern auch das im Boden enthaltne [hat]  Zusatz von Marx.
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schädlichen
Einfluss auf Gesundheit; auf sumpfigem Boden Wechselfieber, Malaria etc[.] Der (beständig wechselnde) Wasserstand im BodenGrundwasser – messbar an dem Wasserstand in Brunnenschachten. „Bodenkrankheiten“. Typhus, Cholera, Wechselfieber stehn in Wechselverhältniss mit Steigen od. Fallen des Grundwassers. Maximum der Sterblichkeit bei Typhus soll mit tiefstem Stand des Grundwassers zusammenfallen, bei Wechselfieber mit höchstem. (141)

Für Wasser u. Luft nicht od. nur sehr wenig durchgängiger Boden (z. b. compakter Felsboden) nicht od. nur sehr wenig f. epidemische Entwicklung empfänglich. (141) Ueber Cholera (141 ⎰)

2) Die Milch.

Milch Sekret der 2 Milchdrüsen. (Weiteres 142) Kolostrum (143) Reife Milch (144) Milchbildung – fettige Metamorphose der Epithelzellen der Milchdrüsen. (l. c.) Die reife Milch besteht aus Flüssigkeit – dem Milchplasma ⦗die Flüssigkeit [ist] eine Lösung einer geringen Menge anorganischer Salze, vorugsweise vorzugsweise phosphorsaure Verbindungen v. Kali u. Kalk, mit einer grössern Menge Milchzucker, Caseïn u. Albumin; ausserdem Gase: Kohlensäure, O u. N)⦘ u. den Licht starkbrechenden Milchkügelchen (Gemisch v. Eiweissstoff u. Fetten) (145) Fette der KuhMilch (145 ⎰) Die Milch ist nicht Transudat Transsudat, sondern eigentliche Zellenproduktion – ein verflüssigtes Organ; daher ihr Reicthum Reichthum an Kali u. Phosphorsäure; kein Zweifel, dass das Eiweiss |10 u. Casein der Milch aus dem Eiweiss der Zellenprotoplasmen stammen. (145)

Je mehr  Bei Ranke, S. 146: Flüssigkeit
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Flüssigkeiten
die Thiere (Frauen) zu sich nehmen, um so reichlicher der Milchertrag. Jede Wasseraufnahme wirkt in diesem Sinn; wasserreiches Futter (Grünfutter, Schlempe etc) od. indem man durch Zusatz v. Salz in der Nahrung den Durst zu Wasser steigert. (146) Bei Fleischnahrung (Nhaltiger) nimmt im Vergleich zur vegetabilischen die Milchmenge bedeutend zu u. der Gehalt an festen Stoffen, namentlich Fetten. (l. c.) Palmkuchen, reich an Fettsäuren, Futter zur Buttervermehrung. (146)

Racenunterschied: Shorthorns liefern absolut mehr Butter, Holländer mehr Käsestoff, Milchzucker, Salze. (l. c.)

Milchmenge durch körperliche Bewegung u. andere Veränderungen in den Lebensbedingungen u. Sinneneindrücken (z. B. Stallwechsel) vermindert. Fettgehalt der Milch stärker bei reichlicher Stallfütterung u. Ruhe als bei starker Bewegung auf der Weide; Vieh auf armer Weide herumsuchend, um Futter zu finden, liefert käsestoffreichere Milch. (147)

Die erste Milch, die man im Euter findet, bevor das Kalb gesaugt hat, das Kolostrum 5 × reicher in Casein als die nachfolgende. (l. c.)

Zusammensetzung der Milch gesunder Frauen (147 ⎰) Milch der Säugethiere ibid. (⎰)

Anorganische Bestandtheile der Milch (Kali[-] u. Natronverbindungen bedeutend, ziemlich viel phosphorsaurer Kalk. Zahlen. p. 147 ⎰) ⦗Chlornatrium (Kochsalz, ) viel Phosphorsäure, einige Schwefelsäure etc⦘ (Phosphorsäure bes. bedeutend in Kuhmilch 29% der Gesammtmenge der anorgan. Bestandtheile. 148)

Gasgehalt der Milchflüssigkeit (148) (⎰)

In dieser Kindernahrung (Normal f. ihr Alter) Fette u. Kohlehydrate reichlich vertreten neben Eiweissstoffen, etwa 10 Theile Albuminate auf 10 Th. Fett u. 20 Th. Zucker. (l. c.) Phosphorsaurer Kalk (die Milchasche) an das Casein gebunden, das selbst eine Alkaliverbindung ist; sie machen (die Alkalien) das Casein, das sonst in Wasser wenig löslich, leicht löslich. (148)

Freiwillige Milchveränderungen (149) Milchsäure (l. c.) In Folge dieses Auftretens einer freien Saüre in der Milch Zersetzungen ihrer Bestandtheile; die Alkaliverbindung des Casein getrennt, Casein scheidet sich als dicke Gallerte, Käse, ab, die nach einigem Stehen eine helle, durchsichtig, grünlich gefärbte Flüssigkeit – Molken – auspresst. Die Milchkügelchen werden v. dem geronnenen Casein eingeschlossen. (l. c.) Aufbewahrung der Milch. ⦗Unterbrechen der organischen Zersetzung⦘ (ib.)

Milchverfälschung, Milchanalysen (149, 150) (Verschleppung des Typhuscontagiums, wie durch Wasser so durch Milch.)

Perlsüchtige (Tuberkulose) Kühe: Uebertragung der Krankheit auf den Menschen 150 (⎰) (städtische Milchwirthschaften)

Künstliche Milchveränderungen zu Nahrungsmitteln. (150, 151)

Milchzucker im Handel in der Schweiz. (151) (Hirten lassen ihn aus der vom Käsestoff abgeseiten Molke durch Eindampfen herauskrystallisiren. Tartaren versetzen die Milch in alkoholische Gährung, wobei der Milchzucker zuerst in Lactose u. dann in Alkohol umgewandelt wird – Kumiss.[)] (Sieh über Ueberbleibsel bei Butterbereitung (150 ⎰), bei Käsebereitung (151 ⎰)[)]

Entwicklungsgeschichte der Milchdrüse (151) Ihre vergleichende Anatomie (151, 152)

3) Das Fleisch.

Muskelfleisch ausgezeichnet durch Reichthum an Eiweiss, Kreatin, Kreatinin, Phosphorsäure u. Kali; neben den Extraktivstoffen bestimmt den Werth des Fleisches sein Gehalt an Eiweiss, Bindegewebe (Leim), Fett u. anorganischen Salzen. (152) 75% Wasser im frischen Fleisch. (l. c.)

Fleisch verschiedner Wirbelthiere (153, 154) Stickstoffgehalt des Fleisches schwankt aus 3 Ursachen: dem wechselnden Gehalt an Wasser, Fett u. Bindegewebe. (153) Fleischasche, Kalisalze überwiegen bedeutend die Natronsalze. (Unten ⎰ 153 u. oben 154) Asche des gesammten Fleisches (154) Gesammtmenge der Asche bei Mensch u. Säugethier etwa 4%, bei den Vögeln 5% (l. c.)

Der Haupteinfluss, den die Zubereitung des Fleisches (Kochen, Braten, Dämpfen) ausübt[,] ist die Umwandlung des Bindegewebs in Leim. (154 ibid. weiteres ⎰) Auch 155 ⎰.|

11

Fleischpräparate (156–160)

4) Getreide u. andere vegetabilische Nahrungsmittel.

Aschenbestandtheile v. rothem u. weissem Weizen. (161) (Kali ersetzt bei weissem Getreide das Natron, während bei Thieren u. ihren Organen die Wirkung der verschiednen Alkalien ganz verschieden.)

Kleber (Pflanzeneiweissstoff) mehr in der Kleie des Mehls als bei dem Mehl v. dem Kerninneren. (161) Zusammensetzung f. 100 Theile trocknes Mehl v. Weizen, Roggen, Gerste, Mais, Reis, Buchweizen (p. 161) (⎰) (Eiweissstoff am wenigsten in Buchweizen, dann in Reis, dagegen desto mehr Stärkemehl) Ueberwiegender Gehalt v. Eiweissstoffen in den Hülsefrüchten ⦗an Legumin od. Pflanzencaseïn⦘ wie Erbsen, Bohnen, Linsen. (l. c.) Chinesischer Pflanzenkäse (aus Erbsen bereitet) (p. 162) Zucker, der bei allen Getreidearten, nicht bei den Leguminosen, except Zuckererbsen; dagegen wie im Getreide Gummi, Schleim u. Fett. Ihre Zusammensetzung aus Eiweissstoffen u. Stärkemehl (162 ⎰)[;] ihre Asche weniger Phosphorsaüre, mehr Schwefelsäure als die der Getreidearten u. reichlich (4%) Chlornatrium. Kastanien (ib. immer noch eiweissreicher als die Kartoffeln)

Kartoffel: grosser Wassergehalt. Bei den früher erwähnten Samen meist 14% (schwankend zwischen 9–19%)[,] bei der Kartoffel 70–81%, so dass nur 19–30% feste Theile (Weiteres 162) Stärkegehalt zwischen 16 u. 23% der frischen Kartoffel; der Eiweissgehalt about 2.5%. Auf trockne Substanz berechnet Eiweissgehalt zu 8%, Stärkegehalt zu 70.80%. In der Kartoffelasche wiegen Alkalien vor, 60% Kali; Phosphorsäure tritt zurück 13%; die Asche enthält Schwefelsäure 8%, bildet sich erst beim Verbrennen des Eiweiss der Kartoffel (ist nicht in ihrer Zellenflüssigkeit). (162, 163) Zusammensetzung der Kartoffelasche (163 ⎰)

Stärkemehlgewinnung, Branntweinbrennerei u. Bierbrauerei; Schlempe u. Trebern (Rückstände) f. Viehfutter. (163) (sie enthalten fast noch alle Eiweisskörper u. Theil der stickstofflosen Bestandtheile) (163)

Schwarzes od. Roggenbrod (Deutschland u. Russland; dem Mehl wird nur Wasser u. Kochsalz zugesetzt, neben dem Stückchen alten Melteig Mehlteig (Sauerteig), der die Gährungserregung übernimmt.) [Bei] Weissbrod (aus Weizenmehl) wird die Gährung oft durch Hefe hervorgerufen. (163, 164) ⦗herrscht in England u. Frankreich

Stärkemehl der verschiedensten Früchte v. derselben chemischen Zusammensetzung. (164)

Für die pflanzenfressenden Thiere auch die Cellulose verdaulich. (164) Obst. Zusammensetzung. (⎰. l. c.) (Zucker darin vorherrschend. Ihre Salze die bekannten Blutsalze. Verschiedne organische Säuren etc) In Citronensaft viel Kalisalze. (165)

Grüne Gemüse. Zusammensetzung (p. 165) Runkelrübe (ib.) (In Kohlrabi viel Salze (5%)[)]

In den grünen Pflanzen Salzgehalt sehr bedeutend; ihre Bestandtheile dieselbe dieselben wie die der Blutsalze (165) ⦗Gesalznem Fleisch, für Seereisen, sind die Blustsalze Blutsalze entzogen. Daher Skorbut davon. Nur darf man – als Mittel dagegen – dem Gemüse nicht durch Kochen den Hauptgehalt an Nahrungstoffen – nämlich fast alle löslichen Bestandtheile, Salze, Zucker etc entziehn.[⦘]

Analyse v. verschiednen  Bei Ranke, S. 165: Gemüseasche
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Gemüsaschen
.
(165, unten)

Köche übertreffen Chemiker u. Physiologen. (Liebig) (p. 166) (⎰)

Freiwillige Veränderungen der vegetabilischen Nahrungsmittel. (166, 166)

Beimischung metallischer Stoffe zu den Nahrungsmitteln (p. 167–169) (Blei, Kupfer, Zink schädlich; Eisen u. Zinn sehr wenig)

(Messing, i. e. Kupfer mit Zink legirt) Bleikrankheiten. (167 ⎰) (168 ⎰) Grünspan = essigsaures Zucker. (168)

5) Die Genussmittel.

Bedeutend für Wohlbefinden u. Arbeitsfähigkeit (169 ⎰) Enthalten alle mehr od. weniger physiologische Nervenreize, geeignet ein aus Arbeit hervorgegangnes Schwächegefühl der Nerven u. Muskeln zu vertreiben. (169) Fleischbrühe, Fleischextrakt (l. c.)

Im thierischen u. menschlichen Organismus bedeutende zur Arbeit zersetzbare Stoffmasse aufgespeichert. Lang eh die Zersetzung höheren Grad erreicht hat, treten durch den veränderten Chemismus der Bewegungsorgane Hemmungen der Bewegungsmöglichkeit ein, machen sich fühlbar als Ermüdung, Unfähigkeit zur Arbeitsleistung. Durch die Genussmittel diess Ermüdungsgefühl in seinen Anfängen beseitigt, so dass die Arbeit, verbunden mit Stoffverbauch fortgesetzt werden kann über die v. der Natur gezogne Grenze, jenseits deren sie Erholung durch Ruhe u. Wiederersatz des verbrauchten Körperstoffs durch Nahrung verlangt. Wirkung des Caffee auf vermehrte Zuführung des Bluts zu Muskeln u. Nerven, |12 den zur mechanischen Arbeit erforderlichen Organen. (170 ⎰)

Diese Genussmittel werden schädlich, wenn der durch sie ermöglichte gesteigerte Kräfte- u. Stoffverbrauch nicht durch entsprechende Nahrungssteigerung wieder ersetzt wird. Liebig sagt, dass wer in dieser Weise seine Arbeitsfähigkeit durch Branntwein steigert[,] zehrt längere Zeit v. seinem Kraftvorrath, seinem Kapital, während die Natur ihn nur auf den Zinsgenuss desselben beschränkt halten will, auf den Verbrauch des kleinen Stofftheils, dessen Zersetzung hinreicht die Chemie des Muskels soweit zu ändern, dass er objectiv ermüdet. Er ist ein Hungernder. (170)

Die erste Gruppe der Genussmittel der Fleischbrühe analog (vgl. p. 161), enthält, abgesehn v. den Nährsalzen, stickstoffhaltige organische Basen, denen die Hauptwirkung zuzuschreiben. Kaffee u. Thee (in ihnen derselbe wirksame Stoff Theïn od. Kaffeïn); dann Cacaobohnen (enthalten den jenen sehr verwandten Stoff: Theobromin [)]. (170)

Diese Stoffe gehören zu der Classe der organ. Basen, die grösseren od. geringeren Einfluss auf Nervensystem, Muskeln u. Blutcirculation haben. Nach ihren Wirkungen bilden sie eine Reihe; beginnend mit den organ. Basen der Fleischbrühe, dem Thein u. Theobromin, wirken die Endglieder derselben – Strichnin, Brucin als furchtbare Gifte. Chinin in der Mitte; Opium in kleineren Gaben Arznei, in grösseren Gifte; Nicotin, sehr giftige, organische, nicht krystallisirbare  Bei Ranke, S. 171: Basis
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Base
des Tabacks
. (171)

Weiteres über Thee u. Kaffee als Getränke. (171) (Ihre anorganischen Bestandtheile)

Zweite Gruppe: Alkoholische Getränke:

Alkohol: kann als solcher noch weiter oxydirt werden, hat somit vielleicht noch Werth als Nahrungsstoff. Ausser dem Alkohol im Wein noch anorganische Salze v. Nahrungswerth. Alkohol hat ganz analoge Wirkung auf Nerven wie die bisher besprochnen Narcotica. Bei dem Branntwein kommt Wirkung des Alkohol allein in Frage. Ausser der Nervenwirkung, direkten Einfluss auf die Magenschleimhaut, wodurch er das Hungergefühl herabsetzt. (171)

Beim Wein – ausser dem Weingeist – die Blutsalze (vorwiegende Bestandtheile seiner Asche). Die Wirkung des edlen Weins in seiner belebenden Wirkung beruht auf demselben chemischen Grund wie bei Fleischbrühe. (172)

Bier enthält verhältnissmässig nur wenig Alkohol; ausserdem Kohlensäure, Zucker, Gummi, die die grösste Menge der gelösten Stoffe ausmachen, dann Bitterstoffe u. die aromatischen Bestandtheile des Hopfens, Rest v. Kleberbestandtheilen, Fett, Milchsäure, Ammoniakverbindungen u. die mineralischen Bestandtheile, die aus Gerste u. Hopfen ins Bier übergehn. Daher eine gewisse Nahrhaftigkeit (Weiteres p. 172)

Mitscherlich fand in 100 Theilen Asche eines untergährigen Biers: Kali 40.8. Phosphor: 20. Phosphorsaure Bittererde 20, phosphorsauren Kalk 2.6, Kieselerde 16.6 Gewichtstheile. Grosser Gehalt an phosphorsaurem Kali wie bei Fleischbrühe. Die Kalisalze gehn durch das Blut in den Harn über. Bier = Malzextract. (172)

Gewürze: wirken steigernd auf die Absonderung der Verdauungssäfte. (172)

Fünftes Kapitel. Die Gesetze der Ernährung.

Nur Nahrungsgemische, nicht die einfachen Nahrungsstoffe; ⦗wenigstens f. Mensch, der weder blosser Pflanzenfesser, noch blosser Fleischfresser⦘

Eier noch das vollständigste Nahnungsmittel f. sich selbst genommen; ein Mensch bedürfte davon zu vollkommner Ernährung etwa 40 Stück p. Tag; v. Milch wäre 9 Pfd nöthig f. Erwachsnen, da sie 88–90% Wasser enthält, so dass in 1 Pfd Milch nur etwa 3–4 Loth feste Stoffe. (177)

Ferner die Körperzustände in Beziehung auf die quantitativen Verhältnisse der Organe individuell sehr verschieden. Sieh die Organwiegungen f. verschiedne Alter, Geschlecht etc v. Bischoff (177 ⎰) (178)|

13

Körper soll in leistungsfähigen Zustand versetzt od. darin erhalten werden; die Leistungsfähigkeit der Organe hängt v. ihrer normalen Zusammensetzung ab; Ernährung hat den Körper daher in seiner chem. Zusammensetzung zu erhalten od. diese in einer bestimmten Weise zu verändern. Zunächst der fortwährende sensible od. insensible Wasserverlust durch directe od. indirekte Wasserzufuhr zu decken; ditto zum Aufbau der Organe u. zur chemischen Mischung der Organflüssigkeiten nothwendigen anorganischen Stoff (Aschenbestandtheil) in die Nahrung aufzunehmen;

Gegen Fettverarmung – Aufnahme v. Fett, v. Kohlehydraten; auch mit Eiweiss kann man Fett selbst zum Ansatz bringen, da bei der Zersetzung des Eiweisses Fett als Spaltungsprodukt auftritt. Fettersparend wirkt auch Leim.

Organismus zersetzt beständig Eiweiss; kann es aus andern chem. Stoffen nicht bilden; muss also direkt zugeführt werden; Eiweissverbrauch wird beschränkt, wenn neben Fleisch (u. genügenden Salz- u. Wassermengen) Fette, Kohlehydrate od. Leim verzehrt werden. (178)

 Zusatz von Marx.
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a)
Entwicklung der Ernährungslehre.

Aristoteles: Abgesehn v. der Nahrung, die zum Wachsthum nöthig, zwei Zwecke derselben – Stoffabgabe (Abgabe v. Flüssigkeiten durch die Haut) zu ersetzen u. Wärmeabgabe (bes. in der Athmung) zu deren Unterhalt die aufgenommenen Nahrungmittel dienen sollen. In Ausscheidungen durch Nieren u. Darm das Unbrauchbare (Bittre) der Nahrungsstoffe aus dem Organismus entfernt. Hippokrates an Aristoteles sich anschliessend; spricht v. Flüssigkeitsabgabe durch die Haut u. ihren insensiblen Ausscheidungen; als Hauptursache des Verbrauchs des Körperstoffs bei mangelnder Nahrung betrachtet er die Wärmeabgabe des animalen Organismus. Dieser Verbrauch an Wärme-(bildenden)-Stoff durch Nahrung zu ersetzen. Er sucht in den Nahrungsstoffen ein specifisch Nährendes – das „Aliment“ (suchte es in einem od. mehren der s. g. 4 Elemente[)]. (179) Aristoteles [nennt] statt den gewöhnlichen 4 Elementen (die er als Elemente der ersten Ordnung betrachtet) als erste Grundlage des Leibes 4 Eigenschaften der Materie (Kräfte): Kälte, Wärme, Trockenheit u. Feuchte. Aus den 4 Elementen erster Ordnung bilden sich als Elemente der 2ten Ordnung die gleichartigen Theile der organischen Körper: Knochen, Fleisch etc u. aus diesen entstehn als Bildungen der 3t höheren Ordnung die verschiednen Glieder. (180) Die Nahrung, wenigstens animalische, führt dem Körper solche Elemente 2t Ordnung zu. (l. c.) Bei Aristoteles erkannt Analogie zwischen Athmung u. Verbrennung. (l. c.) Herz der heisseste Theil – Herd, wo das Feuer des Lebens ernährt wird; v. ihm geht die Wärme aus, nothwendig f. das Hauptgeschäft der Seelezu ernähren u. zu bewegen; Tod entsteht hauptsächlich durch das Erlöschen der Wärme. (l. c.) ⦗Die Beziehung der Athmung, Lunge, zur Wärme hat er erkannt.⦘

Claudius Galenus mit Bezug auf die chem. physikal. Vorgänge nach Aristoteles, nur ins Bürgerliche übersetzt. (180) (500 Jahre später)

An die Lehre v. den 4 Elementen od. „Müttern“ schloss sich bald die Lehre der Alchymisten v. den 3 Grundstoffen od. Grunddingen: Schwefel, Salz u. Quecksilber (f. die beiden letztern auch Arsenik u. Erde genannt[)]. Werden, in gewissem Sinn unsern „Kräften“ analog als Hauptbedingung aller körperlichen Formung aus den 4 Elementen betrachtet; jedes Metall hatte seinen besondren Schwefel, sein besondres Salz etc. (181) (Zusammensetzung des menschlichen Leibes wie der Metalle aus den 3 Grunddingen; daher das grosse „Arcanum“, gesucht nicht nur um schlechte Metalle in edle zu verwandeln, sondern auch als Universalmedicin) So das erste Eingreifen u. die Fortschritte der Medizin scheinbar mit Rückgang in den wissenschaftlichen Fragen verbunden. (l. c.) Chemische Vorgänge, bei denen sich Wärme ohne Feuererscheinung zeigte, zur Erklärung der animalen Wärme. Nannte alles Gährung wo diess der Fall, wie bei der Gährung zuckerhaltiger Flüssigkeiten, Gasentwicklung u. Wärmebildung ohne Feuererscheinung. Zu dieser Gährung gezählt auch alle Processe, wo Zersetzung ohne Anwendung höherer Wärmegrade, wie bei der Einwirkung v. Säuren auf kohlensaure Alkalien u. Erden od. auf Metalle. (l. c.) Archäus des Paracelsus . (l. c.) (der Archäus im Magen zerlegt die Speisen in die Essenz (das Gute) u. in das Böse, Giftige, ausgeschieden in Harn, Koth u. Athem)

Für die Iatrochemiker die Essenz des Paracelsus u. das Aliment des Hippocrates der gährungsfähige Schleim, den alle Nahrungsstoffe enthalten sollen. (l. c.)

Daneben die Iatromathematik (Mechanik) – kunstreichen Automaten ( Archytas v. Tarent 408 v. Ch.) ( Albertus Magnus etc) Stellten neben die v. den Chemikern angenommene Ursache v. Substanzverlust durch Gährung die Abnutzung, die Reibung der arbeitenden, bewegenden Organe als 2te Ursache; sollte in der menschlichen Maschine erfolgen wie bei ihren Automaten u. jeder andern Maschine. Die aus chem. u. physik. Ursachen erfolgten Verluste durch die eingeführten Nahrungsmittel zu decken. (181, 182)

Also aufgefunden die beiden Hauptprincipien: Wärmebildung u. Organerhaltung (resp. Organbildung) (182)

Robert Boyle (Irländer) in his „Sceptical Chemist“ 1661: Grundansichten der neueren Chemie; nahm grössere Zahl einfacher Stoffe an, deren Verschiedenheit versursacht durch die Gestalt der Atome. (183)|

14

Becher u. Stahl nahmen in den 3 Naturreichen die gleichen Elemente an, die sich nach Becher in den organischen Substanzen verwickelter verbinden als in den anorganischen. Nach Stahl wiegen in in den Pflanzen u. Thierstoffen wässerige u. brennbare, in den Mineralien erdige Bestandtheile vor. Masse v. Salzen hatte man schon aus den organischen Körpern isolirt u. als Bestandtheile erkannt. (182)

A. Haller: Die thierische Wärme entsteht vor allem aus chemischen Processen im Körper selbst; die Nahrung deckt die unter Einwirkung v. Wärme und Abnutzung der Organe entstehenden Verluste. Durch die beiden Einflüsse entstehn scharfe Stoffe, die als schädliche Exkrete ausgeworfen werden müssen. Hier zuerst Begriff des Stoffwechsels (im modernen Sinn); ein Theil der Auswurfsstoffe des Körpers entspringt aus demselben. Faser f. ihn Organisationseinheit der thierischen Bildungen (deren Stoffverluste durch die Nahrung zu ersetzen) besteht aus Wasser, Erdigen (Aschen) Bestandtheilen ⦗unter den neben salzigen Stoffen (thierisches Alkali) das Eisen speciell bekannt war⦘, aus Oel u. luftförmigen Bestandtheilen. Aus Fleisch (als Nahrung) u. mehligen Nahrungsstoffen gebildet eine gallertige Lymphe, setzt sich an in den Lücken, welche die abgeriebnen Theilchen gelassen u. gleicht so die Verluste aus. Der sonstige, aus Pflanzennahrung hervorgehende Nahrungssaft dient zu den dem Organismus nöthigen andren chemischen Zwecken; ertheilt dem Blut den nöthigen Salzgehalt; mildert durch seine Säure die alkalische Schärfe des Bluts, bringt so einen jener „Gährungsvorgänge“ hervor, aus denen ⦗Zeit der Iatrochemiker⦘ die Erzeugung der thierischen Wärme abgeleitet. (182)

Priestley – 1774 – (grad 113 Jahre nach Bayle’s Boyle’s Buch) 1 August entdeckt Sauerstoff ( Scheele ziemlich gleichzeitig.) Lavoisier gründet darauf die moderne Chemie. Verwerthet die Wärmebildung bei Oxydation f. den Procss der thierischen Wärmebildung bei Athmung. O aus der Luft aufgenommen, um Verbrennungsprocess zu unterhalten, die Quelle der thierischen Wärme. Die Zersetzungsvorgänge im Thierorganismus unter Einfluss der Luft – den früheren „Gährungen“ – durch die Oaufnahme beim Athmen erklärt. Diese Zersetzungen zu ersetzen durch Aufnahme v. Nahrungsstoffen, fähig Sauerstoff aufzunehmen u. mit ihm Kohlensäure, Wasser, stickstoffhaltige Verbindungsprodukte zu bilden. Stellt das Abhängigkeitsverhältniss der Thiere v. Pflanzenreich dar. Lavoisier nahm an f. die Erklärung der Athmung, dass aus dem Blut eine kohlen- u. wasserstoffreiche Flüssigkeit in die Lunge schwitze, die dort verbrannt würde zu Kohlensäure u. Wasser. (183)

Dagegen Magendie (zu Paris) ⦗bedeutendste Experimental-Physiolog der Zeit⦘; zeigte wenigstens f. Wasser die ältere Ansicht  Bei Ranke, S. 183: als begründet experimentell
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als mehr begründet nach experimentell
, dass das durch die Lunge abgegebne Wasser nicht aus der Oxydation, sondern aus dem im Säftekreislauf eingeführten Wasser stamme. Magendie der Begründer der experimentellen Forschung in der Ernährungslehre. Theilt die NahrungsStoffe in stickstoffreiche u. stickstofffreie (od. stickstoffarme). Seine Versuche zeigen, dass die stickstofffreien Nährungstoffe: Rohrzucker, Gummi, Olivenöl, Butter etc unvermögend die animalischen Organismen zu erhalten (durch Versuche an Thieren[)]. (Bestätigt ditto durch Versuche v. Tiedemann u. Gmelin an Gänsen) (183) Leim dagegen (nach den Versuchen v. Magendie) allein nicht im Stande für länger zu nähren (am Leben zu erhalten), wohl aber Käse u. harte Eier, obgleich mangelhaft. Also Ergebniss dieser Versuche, dass unter den einfachen Nahrungstoffen nur die eiweisshaltigen, unter diesen vor allem das Muskelfleisch zur Unterhaltung des Lebens diene; zeigte zugleich, dass bei den Versuchen mit einfachen stickstofffreien Stoffen, Inanition, Verhungrung, obgleich Verdauung u. Chylusbildung. (183)

Zwei Schlüsse aus diesen Versuchen gezogen:

1) Nährungstoffe, allein unfähig Leben zu erhalten, erhalten Nährungsfähigkeit, z. B. Leim gemischt mit andern Nahrungsstoffen. (184) Nach Prout muss alle Nahrung

  • 1) aus Sacharina (Zucker, Stärke, Gummi etc) u. Oleosa (Oel, Fett) u.
  • 2) Albuminosa (er braucht diesen Namen statt stickstoffhaltigen bei Magendie) bestehn (animalische u. vegetabilische Albuminate)[.] Gräser u. Kräuter bestehn wenigstens aus Eiweiss u. Oel (Fett). (184)

2) Eiweiss (Albuminate) nimmt unter den Nahrungsstoffen den höchsten Rang ein. (es galt f. das frühergesuchte „Nutriment“, die Essenz.) An die Stelle des früheren „gährungsfähigen Schleims“, der „gallertartigen Lymphe“ treten die Albuminosen, Stoffe, die im Körper in eigentliches Eiweiss umgewandelt werden sollten. Magendie zeigte, dass die frühere Ansicht falsch, wonach der Organismus die Fähigkeit haben sollte Eiweiss aus einfacheren Nährungssubstanzen zu bilden. Er schloss, dass d. Stickstoff, dass der Stickstoff der Organe nur aus der Nahrung [stamme] u. Körper nicht stickstofffreie Substanzen in stickstoffhaltige umwandle; hob die stickstoffhaltige Substanz |15 in Reis, Mais, Getreide, Kartoffeln, Zuckerrohr hervor. (184)

Davon ausgehend Boussingault hob den Nahrungswerth (Heuwerth) der vegetabil. Nahrungstoffe besonders zu landwirthschaftlichen Zwecken hervor (nach ihrem Gehalt an stickstoffreichen Einweissstoffen) Thaer hatte Heuwerth berechnet nach der Menge aller löslicher Stoffe, die aus der Nahrung in das Blut übergehn können. (l. c.)

Liebig: Albuminähnlichen Stoffe im thierischen Organismus fertig dem Pflanzenreich entnommen. Aus dem Albumin entstehn die stickstoffreichen krystallinischen Zersetzungsprodukte, vorfindlich in Organismus, wie in seinen Sekreten u. Exkreten. Aus den Eiweissstoffen können sich im Thierkörper bilden den Fetten u. Kohlehydraten nahstehende Produkte oder diese selbst. Aus Kohlehydraten der Nahrung scheint sich im Körper Fett bilden zu können; jedenfalls das Fett der sich mästenden od. Milch liefernden Pflanzenfresser diesen nicht direkt in der Nahrung zugeführt. (185)

Stickstoffhaltigen Zersetzungsprodukte der Albuminate gehn im Harn ab; sie können (vor allem ihr Hauptrepräsentant der Harnstoff) können als Mass der Eiweisszersetzung im Körper dienen; als weiteres Mass die in der Athmung ausgeschiedne Kohlensäure, die die Hauptmasse des oxydirten C aus dem Körper entfernt; ebenso das zur Oxydation aufgenommene O. (l. c.) Unter Rücksichtnahme auf Harn- u. Respirationsausscheidung (durch Haut u. Lunge) Grösse des Stoffverbrauchs (Stoffwechsels) bei Thieren u. Menschen unter den verschiednen Bedingungen v. Ernährung, Ruhe, Arbeit, Klima, Lebensalter etc bestimmbar. (l. c.) ⦗Magendie hatte sich bei seinen Versuchen über Nahrungsmittel auf Gewichtsbestimmungen der gefütterten Organismen beschränkt⦘ Liebig theilt den verschiednen Nahrungsstoffen ihre feste Rolle zu.

Er theilt die Nährungsstoffe – abgesehn v. dem nöthigen Wasser u. anorganischen Salzen in:

  • 1) Plastische (Organbildende) und
  • 2) Respiratorische Nahrungsmittel (Wärmebildende) (l. c.)

Plastischen allein die Albuminate. Respiratorischen im Verhältniss ihrer Fähigkeit O aufzunehmen: Fett, dann Kohlenhydrate, endlich auch Eiweissstoffe. (186) (vgl. ibid. ⎰)

Nach Liebig’s Theorie angenommen, dass Eiweissverbrauch der Organe nur bei ihrer Thätigkeit erfolge. Die Untersuchung ergab, dass bei gesteigerter Eiweisszufuhr in der Nahrung auch der Eiweissverbrauch steigt. Man nahm daher an, s. g. Luxusconsumtion (dass der in der Nahrung über das Minimalmass, nöthig zum Ersatz der im Hunger zerstörten Eiweissmasse, Theil des zugeführten Eiweisses im Blute verbrenne; aber die Liebig’sche Theorie hatte diess als besondren Fall stets in sich geschlossen; ausserdem die alte Ansicht über die strenge Scheidung der organisirten u. nichtorganisirten Bestandtheile des animalen Organismus als unhaltbar erwiesen; die flüssigen Körperbestandtheile, so lange sie das Organ passiren, Bestandtheile desselben, treten wirklich in die Organisation ein, betheiligen sich an der Lebensthätigkeit des Organs, ihr Zerfall steht mit diesen in direkter Beziehung. Diess gilt ebenso f. Fette u. Kohlenhydrate wie f. Albuminate)

In neuerer Zeit in dieser Richtung noch 2 Fortschritte: Was Liebig postulirt u. fast alle Experimentatoren bestritten hatten, durch Versuche nachgewiesen: dass aller aus dem Stoffumsatz der stickstoffhaltigen Körperbestandtheile stammende Stickstoff im Harn wiedererscheint, also bei Gleichgewicht der Eiweisszufuhr in der Nahrung mit der Eiweisszersetzung im Organismus aller aus der Zersetzung stammende Stickstoff im Harn wiedererscheine (Unten 186 ⎰) (Also kein Stickstoffdeficit) Im Stickstoff des Harns also wirkliches Mass des Umsatzes der stickstoffhaltigen Körperstoffe. (l. c.) Zweitens: die Ermöglichung der Bestimmung der Respirationsverluste durch Pettenkofer’s Respirationsapparat. (186)

 Zusatz von Marx.
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b)
Das dynamische Gleichgewicht der Organe.

Lebender Organismus nur in scheinbarer Ruhe; beständiger Wechsel der Stoffe; Gleichgewicht nur durch beständigen Ersatz der abgenutzten. Ein dynamisches Gleichgewicht; regulirt v. den Zellen; die Gesammtthätigkeit des Organismus Summen der Zellenthätigkeiten. Jede Zelle wirkt chem. u. physik. durch ihre Aenderungen wieder auf die andern; alle Zellen zu Einheit verknüpft vermittelst des Nervensystems u. des Kreislaufs; daher rufen Veränderungen in den Zellen u. Organen sofort Veränderungen im Gesammtverhalten des Organismus hervor, welche regulatorische Einrichtungen in entsprechende Thätigkeit versetzen. Zelle durch Steigerung der Lebensthätigkeit zersetzt mehr Stoffe u. bildet dadurch chemische Körper, die O rasch u. leicht binden; entzieht so mehr O dem umströmenden Kapillarblut, Blut verarmt so an O. Bei jedem Kreislauf schon bei den Verbrauchsbedingungen der Organe in Ruhe ihm etwa 1/3 seines O entzogen; Kreislauf beträgt etwa 20 Sekunden; bei gesteigertem Verbrauch in gleichbleibender Aufnahme v. O in der Athmung genügt |16 daher sehr kurze Zeit zur Verarmung des Gesammtbluts an O. Gleichzeitig Eintritt von Vermehrung den des Kohlensäuregehalts, des Gehalts an Zersetzungsprodukten der Zellenstoffe im Blut. Beides beeinflusst die Lebensthätigkeiten aller Zellen des Organismus; namentlich reagiren diese Verändrungen auf gewisse Zellengruppen in den nervösen Centralorganen; sie gerathen durch diese Reize in erhöhte Thätigkeit, deren Resultat Steigerung der Athemintensität u. Beschleunigung des Gesammt-Blutstroms ist. Das Blut, welches in dem in seiner Lebensthätigkeit gesteigerten Organe sein O rascher verliert, strömt nun in der Zeiteinheit öfter durch die Lungen, wo es seinen Verlust ausgleicht, u. kann nun, dem gesteigerten Sauerstoffverbrauch in dem Organ entsprechend, diesem in derselben Zeit durch die Beschleunigung seiner Stromgeschwindigkeit mehr O zuführen. Die gleichzeitig gesteigerte Lüftung in den Lungen scheidet die mehr an das Blut abgegebne Kohlensäure aus, während gleichzeitig auch die andern Ausscheidungsdrüsen unter der gesteigerten Circulationsgeschwindigkeit in erhöhtem Masse arbeiten. (187, 188)

So tritt ein neuer Zustand des dynamischen Gleichgewichts im Gesammtorganismus ein, sofort wieder modificirt bei Veränderung der Bedingungen in einem Organe. Analoge Regulirungen zeigen sich in vielfältigster Weise. Bei Störung des Gleichgewichts tritt Lufthunger ein od. Hunger nach fester Nahrung, od. nach flüssiger (Durst). Diess subjektive Gefühl begleitet die Veränderung in dem Reizzustand jener centralen Nervenzellen, welche an sich automatisch wie ein Regulator am Uhrwerk jene Bewegungen u. Thätigkeiten einleiten, die der Organismus zur Wiederherstellung des durch die Lebensbedingung beständig gestörten Gleichgewichts bedarf. (187, 188)

Je nach der Steigerung der Lebensintensität der Zelle, d. h. des Organs verbraucht sie mehr Stoffe u. eignet sich entsprechend mehr an aus dem Blute, der circulirenden Säftemasse; gleichzeitig treten mehr Zersetzungstoffe der Organe (Kohlensäure, Phosphorsäure, Kalisalze, Harnstoffe etc) in das Blut ein. Diese chemischen Veränderungen des Bluts wirken in ihrer Verbindung od. einzeln auf regulatorische Centren ein u. diese zwingen mit steigender Gewalt ⦗und unwillkührlich⦘ den Organismus seine Verluste durch Luft- u. Nahrungsaufnahme auszugleichen u. besorgen selbst die Entfernung jener störenden Gewebsschlacken. (l. c.)

Der Stoffverbrauch findet im Organ, in der Zelle, statt; das Organ, die Zelle regulirt den normalen Stoffverbrauch des gesammten Organismus. Der der Intensität der Lebensthätigkeiten in der Zelle entsprechende Stoffverbrauch zunächst aus den die Zelle umspülenden Säften, vor allem aus dem Blut durch Diffusion ersetzt. (188)

Es ist nicht, wie man früher glaubte, die Menge des in der Athmung aufgenommenen O, die die Stoffzersetzung im Organismus regulirt, so dass, je mehr O vorhanden, desto mehr verbrannt wurde; umgekehrt sind es die Zersetzungen in den Zellen, welche die Menge des in der Athmung aufgenommenen O bestimmen. Durch energisches Lufteinblasen in die Lungen kann man den Ogehalt des arteriellen Bluts bis zur vollkommnen Sättigung des Hämoglobins steigern, aber der Overbrauch des Organismus ändert sich nicht dabei. Die Lebensenergie der Zellen wächst mit der vollkommenen Befreiung v. ihren Zersetzungsprodukten – den ermüdenden Stoffen. Diess Hauptgrund, warum mit Steigerung der Circulation der Stoffverbrauch des Organismus sich steigert. Daher mit Vermehrung der im Organismus u. den Organen kreisenden Flüssigkeiten – des Bluts u. der Lymphe – mit einer Steigerung des intermediären Kreislaufs – Stoffzersetzung im Organismus wachsend; nicht weil vermehrte Blutmenge den Organen nun mehr O zuführt, nicht weil diese nun reichlicheres zersetzbares Nährungsmaterial erhalten, sondern weil die Lebensthätigkeit der reichlicher umspülten Zellen u. damit ihr Stoffverbrauch gesteigert ist. Verminderung des Säftestroms v. Herabsetzung der Lebensthätigkeit der Zellen u. daher des gesammten Stoffverbrauchs des ganzen Organismus begleitet. Die aufgenommene Omenge daher Mass für die Energie der im Organismus verlaufenden Lebensvorgänge in den Zellen. (189)|

17

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c)
Die Gesetze des Stoffwechsels.

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α)
Mit gesteigerter Muskelthätigkeit nimmt der Gesammtorganismus mehr O auf, giebt mehr Zersetzungsstoffe ab. Bei Muskelruhe Overbrauch u. Gesammtstoffverbrauch herabgesetzt, doch nicht in so hohem Grad wie es scheinen könnte – weil die Ruhe immer nur relativ u. in allen scheinbar ruhenden Organen stattfindet fortwährende mit Stoffverbrauch verbundne Kraftentfaltung: Wärmebildung, Electricitätsentwicklung etc (189) Was v. stärkerer Arbeit der Muskeln, gilt v. der aller andern Körperorgane. Werden die Verdauungsorgane durch den Reiz der eingeführten Nahrungsmittel zu gesteigerter Thätigkeit angeregt, so steigen Oaufnahme u. Stoffverbrauch ⦗noch mehr als bei gesteigerter Muskelarbeit⦘; alle Nahrungsaufnahme vermehrt daher den Gesammtverbrauch des Organismus. Die verschiednen Nahrungstoffe beeinflussen mit verschiedener Intensität den Stoffverbrauch des Organismus. Nimmt man zur Ernährung mittlere genügend reichliche Nahrungsmischung; setzt man ihr nun mehr Fett od. Kohlenhydrate zu, so im Allgemeinen Oaufnahme u. Gesammtstoffumsatz herabgesetzt ⦗Fett wirkt hierzu stärker als Kohlenhydrate⦘; setzt man mehr Eiweissstoff zu (auch Peptonen od. Leim), so umgekehrt Oaufnahme u. Gesammtstoffumsatz sehr gesteigert. Etwa 1/3 des gesammten Stoffumsatzes bei Muskelruhe fällt auf Thätigkeit der Verdauungsorgane, namentlich der Leber ⦗die unter ihnen die hervorragendste Rolle spielt⦘. Bei Fleischnahrung Thätigkeit der Leber, Magen- u. Darmdrüsen, des Pankreas sehr bedeutend gesteigert; dagegen herabgesetzt bei Nahrung mit Kohlehydraten u. namentlich bei Fettnahrung. In Folge der gesteigerten Zellenthätigkeit u. der dadurch gesteigerten Thätigkeit der Verdauungsdrüsen wächst die Menge der im Körper circulirenden Flüssigkeiten, Blut u. Lymphe, die Circulation wird intensiver u. zeigt ihren die Lebensenergie aller Körper-Organe hebenden Einfluss durch reichlicheren Stoffverbrauch (namentlich Eiweissumsatz) in allen Organen. Durch Fettnahrung u. in geringerem Umfang bei Nahrung mit Kohlehydraten sinkt der Gesammtumsatz u. namentlich der Eiweissumsatz. (190)

Wirkung des vollkommnen Hungers: Zur Anregung ihrer Thätigkeit bedürfen die Verdauungsorgane des Reizes der aufgenommenen Nahrungstoffe; fehlen diese, so sinkt die Thätigkeit der Verdauungsorgane mehr u. mehr, endlich kein Speichel, keine Galle, kein Pankreas- u. Darmsaft mehr abgesondert. Der mehr od. weniger vollkommne Ausfall der Thätigkeit der Verdauungsorgane reducirt an sich sehr die Thätigkeit d. Verdauungsorgane den Stoffverbrauch; indem zudem kein Nachschub neuen Materials f. das verbrauchte v. aussen erfolgt, verarmen endlich die Reservoirs v. Nahrungsstoffen, die der Organismus namentlich in Blut u. Lymphe besitzt; Blut- u. Lymphenmenge mehr u. mehr absolut vermindert; objektive u. subjektive Schwäche der muskulösen u. nervösen Arbeitsorgane aller Organe; Herabsetzung – in höherem od. niedrigerem Grad [–] der Lebensenergie aller Zellen des Organismus; Spiegel davon der heraufgesetzte O- u. Gesammtstoffverbrauch. Stoffverbrauch sinkt auf sehr geringe Grösse herab, auf die der er sich, da die reducirten Organthätigkeiten zunächst constant bleiben (wie z. B. an den Herz[-] u. Athembewegungen erkennbar)[,] eine Zeitlang erhält. Man kann den Organismus nicht dadurch vom Hungertod retten, dass man ihm so viel Nahrung reicht, als zum Ersatz seines Verbrauchs in den späteren Hungerstadien ausreichen würde. Aber Nahrungsaufnahme steigert an sich die LebensThätigkeit der Organe, zunächst die der Verdauungsorgane, u. die Zersetzungen steigen entsprechend über das Mass des Hungerverbrauchs an. Der Körper verbraucht immer noch v. seinen Körperstoffen zur Erhaltung seines Lebens, bis die Menge u. Qualität der Nahrung der bei der Nahrungsaufnahme gesteigerten Thätigkeit der Organe aequivalent ist; dann erst tritt Gleichgewicht zwischen Verbrauch u. Einnahmen ein. (191)

Lebensthätigkeit der Zellen zeigt sich aber nicht nur in Stoffzersetzung, sondern auch in Stoffansatz, Wachsthum u. Vermehrung. Bei Gleichgewicht zwischen Verbrauch durch Stoffzersetzungen u. Einnahmen kann Stoffansatz im Gesammtkörper, resp. in seinen Zellen, seinen Organen, erfolgen. Aber Steigerung der Nahrungsmenge steigert die Thätigkeit der Verdauungsorgane u. daher des Stoffumsatzes, bes. bei Eiweissnahrung. Dagegen bei Ueberwiegen der Fett- u. Kohlehydratnahrung relative Herabsetzung des Stoffverbrauchs; daher begünstigen sie Stoffansatz (die Kohlenhydrate also auch abgesehn davon, ob Fett od. nicht aus ihnen im Organismus entstehn kann.) (191)

Ein Organ, i. e., Zellenreicherer Körper als der andre verbraucht absolut mehr Stoffe als ein Organärmerer. Davon scheinbar sehr oft Ausnahmen, da die verschiednen Organe in der Energie ihrer Lebensthätigkeit u. daher im Stoffverbrauch wesentliche Unterschiede zeigen u. die Organgewichte in ihrem Verhältniss bei verschiednen Individuen schwanken, auch Schwankungen in der Energie des Gesammtorganismus unter scheinbar ähnlichen aüsseren Verhältnissen. (l. c.)|

18

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β)
Funktionswechsel der Organe: Unter den regulatorischen Einrichtungen f. den Stoffverbrauch: abwechselnde Steigerung und Verminderung in der Thätigkeit der Organgruppen. ⦗Das arbeitende Organ wird absolut blutreicher; die andern Organe verarmen relativ an Blut, was nicht ganz ausgeglichen durch die simultane Beschleunigung der Blutbewegung. Daher bei der gesteigerten Thätigkeit der Bewegungsorgane (Centralnervenorgane u. Muskeln) relatives Herabsinken (Ermüdung) der Leistung der Verdauungsorgane u. vice versa. Bei gesteigerter Leistung der Verdauungsorgane Anhäufung v. ermüdenden Zersetzungsprodukten in Nervensubstanz u. Muskel (in Folge geringere Energie des Diffusionsstroms zwischen diesen Organen u. der sie in verminderter Menge umspülenden Flüssigkeiten). So bei gesteigerter Muskelthätigkeit die Verdauung verhindert. Im Allgemeinen – entsprechend den relativen Blutmengen, die sie erhalten – vertheilt sich der Stoffumsatz bei den Säugethieren zu 1/3 auf die ruhenden Muskeln, 1/3 auf die Leber u. 1/3 auf alle übrigen Organe⦘ p. 192.

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γ)
Geschmacks- u. Geruchssinn gehören zu den regulatorischen Einrichtungen f. die Nahrungsaufnahme. (p. 192 weiteres)

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δ)
Verbrennung im Blut: Pflüger nachgewiesen, dass das lebende Blut selbstständige Athmung hat, analog der Gewebsathmung; nimmt geringe Mengen v. O auf, die es verbraucht, giebt dafür Kohlensäure ab (192) Normal die Verbrennung im Blut in engen Grenzen, verschwindet fast gegen die Oxydation in den Geweben; in ihnen, in den Zellen findet die Verbrennung statt; die Zelle der eigentliche Sauerstoffconsument im Organismus; das Blut enthält in geringer Menge wahre Zellen (die weissen Blutkörperchen) u. betheiligt sich ihnen entsprechend am Gesammtstoffwechsel, ebenso die Lymphe. Die rothen Blutkörperchen nehmen im Blut selbst nur sehr geringen Theil am Stoffverbrauch (anders scheint ihr Verhalten in den Blutdrüsen). Abgesehn vom Imbibitionsgesetz, sind die Kapillarwände selbst Protoplasmaschläuche; ferner viele Zellen des Organismus nur Protoplasmagebilde ohne Membranen, z. B. die Leberzellen [,] u. das Protoplasma kann nicht nur Lösungen, sondern auch aktiv Körnchen oder Fetttröpfchen u. noch leichter also Kolloidsubstanzen, wie z. B. Eiweiss in sich aufnehmen. Ausserdem die einzelne, bes. die junge Zelle hat wie der Gesammtorganismus die Fähigkeit, Stoffe zu verdauen, d. h. zu lösen u. chemisch so umzuändern, dass sie leichter der Diffusion unterliegen. (z. B. Verdauungsfermente, Säureproduktion der Gewebe.[)] (l. c.)

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ε)
Circulirendes u. Organeiweiss: Die Oxydationen finden in der Zelle statt u. zwar während die in der Säftemasse gelösten Stoffe die Zelle durchsetzen. Was Steigerung des Säftestroms bewirkt, bewirkt auch Steigrung des Stoffverbrauchs. Steigerung od. Verminderung des Säftestroms zunächst nur ein Zeichen der gesteigerten od. verminderten Thätigkeit namentlich der Verdauungsorgane u. beeinflusst erst sekundär den Gesammtstoffumsatz. (193)

Voit statuirt Unterschied in der Leichtigkeit, womit geformtes u. ungeformtes Eiweiss dem Stoffumsatz unterliege. Geformtes od. Organeiweiss nennt er das in das Zellenprotoplasma u. seinen Derivaten geformte; ungeformtes das in dem intermediären Säftestrom durch den ganzen Organismus v. Zelle zu Zelle circulirende. Circulirender Vorrath, Vorratheiweiss (193. Näheres 193, 194) (Nach Voit wird das circulirende Organeiweiss ungleich schneller verbraucht, täglich, als das Organeiweiss) ⦗Erklärt sich aus der gesteigerten Thätigkeit u. dabei gesteigerten Stoffverbrauch der Verdauungsorgane, wodurch grössere Menge Verdauungsflüssigkeiten (Speichel, Magensaft, Galle, Bauchspeichel, Darmsaft) abgesondert wird, die den intermediären Säftestrom anschwellen lassen, der dann die seckundäre Wirkung auf die Lebensthätigkeit u. damit Stoffverbrauch aller Zellen u. Organe des Körpers entfaltet. (194)⦘

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d)
Fleischnahrung.

Stoffverbrauch bei Körper gesteigert, der viel Eiweiss in der Nahrung erhalten; auch die andern Nahrungs- u. Körperstoffe, z. B. Fett, unterliegen dann gesteigerter Zersetzung. Bei sehr reichlicher Fleischnahrung nebst beschränkter Zufuhr v. Fett u. Kohlehydraten wird daher der Körper fettarmer, abmagert; während bei geringer Fleisch(Eiweiss)menge in der Nahrung u. reichlichem Zusatz v. Fett od. Kohlehydraten allgemeine Verminderung der Zersetzungsgrösse (Oaufnahme) u. damit ein Ansatz v. Fett (u. Fleisch) – Mästung. (195)

Kohlensäure-Ausscheidung des erwachsnen ruhenden Menschen etwa 760 Gramm od. 207 Gramm Kohlenstoff. (l. c.)

Warum Mensch nicht allein mit Fleisch genährt werden kann. (195 ⎰, ⎰⎰) u. (196 ⎰ [)]Harnstoffausscheidung, d. h. Ausscheidung des N aus dem zersetzten Eiweiss ist enorm bei Fleischkost.⦘

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e)
Hungerzustand.

Hungerzustand v. dem Zustand der Ernährung nicht wesentlich verschieden. Bei der Ernährung wird Ein Organ, der Darm, |19 künstlich v. aussen her mit Nährstoffen überladen, so dass er plötzlich dem Blut eine so grosse Säftemasse übergeben kann, dass man übersieht, dass die Lymphgefässe fortwährend die in den Organen vorhandnen flüssigen Nährstoffe einsaugen u. sie dem Blut zuführen, dass also fort u. fort Ernährung des Bluts aus den andern Organen stattfindet. (197) (Weiteres ib. ⎰, ⎰)

Verlust eines Hungernden an Organstoffen in 24 Stunden sehr geringer, kaum 1% (abgesehn v. der ununterbrochnen Salz- u. Wasserausscheidung) (198) Hungertod erfolgt daher erst Ende der 3t Woche, wenn Wasserzufuhr u. Salzaufnahme (wegen der im Trinkwasser enthaltnen anorganischen Salze) nicht gehindert ist. (l. c.) Tod tritt ein, nachdem das Körpergewicht etwa auf 1/2 gesunken. (l. c.)

Die Organe werden bei dem Hunger wasserreicher (198) ⦗die festen Bestandtheile der Organe bedeutend vermindert⦘ (sieh ib. ⎰ am Ende)

Gehirn – bei Thieren u. Menschen – bleibt am längsten frei von den Störungen des Gesammtorganismus durch Ernährungsstörung. (199) Aber auf gewissem Punkt nimmt auch die feste Substanz des Hirns u. Rückenmarks ab (sieh oben 198 ⎰ Tabelle am Ende der Seite)

Tod tritt bei dem Verhungern viel früher ein als die Organstoffe zerstört sind; Hauptgrund davon schon in der zunehmenden Wasserbildung, die Nerven u. Muskulatur ermüdet (halb lähmt) ⦗sie lässt die nöthigen Oxydationen nicht mehr in vollem Mass eintreten⦘ Solche fortgesetzte Ermüdung od. Halblähmung der gesammten Muskulatur beeinträchtigt wesentlich alle Organfunktionen, bes. die Herz- u. Athembewegungen. (199)

Alles was die Lebensthätigkeit wichtiger Organgruppen erhöht, ruft auch im Hungerzustand grösseren Eiweisszustand hervor, z. B. Genuss v. Salzen, reichliches Wassertrinken, Muskelarbeit etc. (l. c.) (Vgl. ib. Hungerversuch)

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f)
Fettnahrung.

Fett, das aus der Nahrung in die circulirende Säftemasse kommt, setzt den Eiweissverbrauch im Allgem. herab u. begünstigt gleichzeitig den Ansatz des Eiweisses. Aber ein gewisser Verbrauch des Eiweisses des Organismus nicht zu vermeiden (durch Fett), muss also wieder ersetzt werden. (200)

Die Ernährung mit Eiweiss unterscheidet sich nicht principiell von der mit Eiweiss u. Fett, da sich Eiweiss im Organismus in eine od. mehre stickstoffhaltige Substanzen u. in Fett (u. Zucker, u. andre Kohlehydrate, z. B. Glycogen) spaltet; Eiweiss kann bei seinem Umsatz ( Pettenkoffer Pettenkofer u. Voit) im Organismus 51–55% Fett liefern; es kann sich unter Umständen aus Eiweiss abgespaltnes Fett im Körper ablagern; nach Voit können die Kohlenhydrate im animalen Organismus nicht (wie diess in der Pflanze der Fall) in Fett umgewandelt werden. (200) ⦗Sieh Voits Erklärung ibid. (⎰ 200) über die Wirkung des Fetts, Eiweiss der Nahrung zu ersparen. Vorrathseiweiss geht in Organeiweiss über⦘ ⦗u. 201 ⎰⦘ Ein fettreicher Organismus viel blutärmer als fettärmerer, muskelreicher; daher bei ihm Abnahme des intermediären Kreislaufs; durch Fettnahrung sinkt der Säftestrom durch die Verdauungsdrüsen, namentlich die Leber (die Gallebildung), ebenso der Säftestrom (Milchabgabe) in die Milchdrüse. (201)

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h)
Ernährung mit Zucker, Stärke u. Leim.

Auch Zucker kann Eiweiss ersparen, in demselben Sinn wie Fett; ⦗nach Voit : verbrennen Stickstofffreie Substanzen im Körper schwerer als das circulirende Eiweiss; wird Eiweiss allein zur Nahrung geliefert, so erstens „Vorratheiweiss“ (circulirendes) zu erzeugen, zweitens der Verlust an Organeiweiss u. Fett zu decken; bei Zumischung einer bestimmten Menge stickstofffreier Substanzen, wie Fett, wird dagegen das aus der Nahrung ins Blut gelangte Eiweiss zu gutem Theil zu Organeiweiss u. es genügt daher eine viel geringere Menge davon das abgegebne Organeiweiss zu ersetzen. Nicht die absolute Menge stickstoffloser Substanzen bedingt den Uebergang ins „Organ“ oder den „Vorrath“, sondern die Relation zum Eiweiss. In einem fetten Körper bildet daher eine gewisse Gabe v. Eiweiss fast nur Organeiweiss, während in einem fettarmen vor allem der „Vorrath“ vermehrt wird u. zulezt auch die grösste Menge Eiweiss nicht mehr zur Deckung des Organeiweissverlustes hinreicht.⦘

Zucker kann auch Fett des Körpers ersparen. Doch bedarf es grösserer Mengen v. Zucker als v. Fett dazu, dass der Zucker den Umsatz so weit herabsetzt, dass der Ersatz durch die stickstoffhaltige Nahrung ausgeglichen u. kein Fett vom Körper mehr verbraucht wird. Zwei Theile Stärke od. Zucker leisten im Körper des Fleischfressers das Gleiche wie ein Theil Fett. Es entsprechen sich f. die Wärmearbeit des Organismus: 100 Fett, 240 Stärkemehl, 249 Rohrzucker, 263 Trauben- u. Milchzucker, 770 frisches fettloses Muskelfleisch. (201) |20 Diese Zahlen zu modificiren f. die Ernährungslehre, da die Bedingungen des Zerfalls f. die genannten Stoffe im Organismus verschieden. (201) Stärkemehl in der Nahrung dieselbe Bedeutung wie Zucker; wird durch die Verdauungsorgane in Zucker verwandelt, kommt also im Organismus nicht als Stärkemehl, sondern als Zucker [zur Wirksamkeit]. (201)

Leim u. Leimgebende Gewebe spielen eine den Fetten u. Kohlehydraten ähnliche Rolle. (Weiteres 201) ⦗Der Leim zersetzt sich zu Harnstoff, erspart andre Stoffe: Eiweiss, Fett, Kohlehydrate; ist im Stand statt des circulirenden Eiweisses sich zu ersetzen u. dadurch dieses zu ersparen u. auch den Untergang v. Organeiweiss zu beschränken; kann kein Organeiweiss bilden, daher ohne Eiweiss zur Nahrung untauglich⦘

Alle andren oxydirbaren, in der Nahrung u. den circulirenden Säften vorkommenden organischen Substanzen haben analogen Werth[,] dienen mit zur Ersparung andrer oxydablen Materien im Organismus, doch ihre Wirkung geringer ihres verhältnissmässig grossen Sauerstoffgehalts wegen. ⦗Extraktivstoffe des Fleisches; nicht giftige stickstoffhaltige Pflanzenbasen, organische sauerstoffreiche Säuren in Verbindung mit Alkalien⦘ ⦗Cellulose für Wiederkäuer⦘ (202)

Zur Aufnahme der stickstofffreien Substanzen in Organismus u. ihre Ausnutzung, überhaupt ihre Ausnutzung im Organismus gewisse Menge einer an Eiweiss reichen Substanz nöthig. (202) ⦗Weiteres f. landwirthschaftliche Anwendung ib.⦘ (ib. ⎰) Zunahme an Gewicht nicht Zeichen v. Zunahme wesentlicher Organbestandtheile. (203 ⎰)

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i)
Einfluss anorganischer Stoffe u. der Muskelarbeit auf die Ernährung.

Kochsalz vermehrt den Eiweissumsatz im Organismus, weil es die Thätigkeit der Verdauungsorgane u. dadurch den intermediären Stoffkreislauf, die Geschwindigkeit des Diffusionsstroms v. Zelle zu Zelle steigert. Leitet die Bewegung der Flüssigkeit v. Zelle zu Zelle, v. Organ zu Organ ein. (Hydrodiffusion) Dasselbe gilt f. alle krystallisirbaren anorganischen, die Diffusion anregenden Körper[-] od. Nahrungsbestandtheile. (203)

Auch die leicht diffundirbaren Zersetzungsprodukte des Eiweisses (Harnstoff, Kreatin, Kreatinin etc) od. die Kohlehydrate (Milchsäure u. die andern mit Muskelsaft gefundnen organischen Säuren etc) spielen dieselbe Rolle; steigern, wenn in grösserer Menge, den Diffusionsstrom in den Organen. Dasselbe leisten indirekt mechanische Arbeitsleistungen der Muskeln u. Nerven. Energische Muskelarbeit steigert den Stoffumsatz, namentlich den Umsatz stickstofffreier Stoffe; mit derselben Steigerung des Diffusions-Säftestroms. Durch angestrengte Arbeit beladet sich Muskel mit Zersetzungsprodukten seiner Substanz, pumpt aus den ihn bei seiner Thätigkeit reichlicher umspülenden Flüssigkeiten Wasser in sich ein u. wäscht dadurch die ihn ermüdenden Substanzen aus. (203)

Wasserzufuhr wirkt analog auf die Steigerung des Umsatzes, wenn es den Diffusionsstrom auf höhere Stärke hebt. Gegentheilige Wirkung, wenn Wasser stagnirt in den Organen; so dass sie an Wasser reicher, ohne gleichzeitig genügende Salzmenge zur Bewegung desselben in sich zu enthalten. So nach ermüdender Muskelbewegung der Muskel wasserreicher. Wasser hindert dann die Stoffzersetzung u. wirkt als Hemmungsvorrichtung gegen dieselbe. (l. c.)

Die Anregung der Diffusion im thierischen Organism nur eine der wichtigen Wirkungen der anorgan. Bestandtheile der Nahrungsmittel. Kalisalze in der Fleischbrühe bedeutenden Einfluss auf Organ- zunächst Fleischbildung. (Näheres ⎰ 204)

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k)
Nahrungsmenge.

Mass durch die Bestimmung der täglichen Ausscheidungsprodukte (205) ⦗wo das nähere⦘ ⦗Ranke fand ib. tägliche Ausscheidung bei ruhendem Menschen, i. e. bei geringer Muskelleistung = 200 Gramm Fett neben 122 Gramm Eiweiss⦘ (ib. ⎰) ⦗N : C = 1 : 12; die Eiweissmenge in der gewöhnlichen Nahrung, nur durch den gesunden Appetit geregelt, grade das Doppelte des Eiweissverlustes des hungernden Organismus, der Fettverbrauch in beiden Fällen ganz derselbe; doch ein Theil des CO2 auch v. andern kohlestoffhaltigen Materien der Nahrung geliefert als Fett⦘ In den Exkreten der Nahrung immer ein Theil derselben unverdaut wiedererscheinend. (205) ⦗Ranke fand für sich 15.22 Gramm N u. 228.7 Gramm C hinreichend bei Ruhe⦘ (l. c. ⎰) (N : C hier = 1 : 15) Genau so viel Stoffe im Körper verbrannt als in der Nahrung aufgenommen. (207) ⦗bei Ranke’s Experiment⦘

Ausreichende Nahrung f. erwachnen erwachsenen Mann v. 74 Klg. bei geringer Körperarbeit:|

21
Albumin (15.5 N) = 100 Gramm.
Fett = 100
Stärkemehl (Zucker) = 240
Salz = 25
Wasser = 2535
= 3000 Gr. = 6 Pfd. (500 Gr. = 1 Pf.), wovon 1 Pfd. fester Nahrungsstoff (207)

Bei der Nahrungszufuhr im Einzelnen ist sie den jedesmaligen individuellen Bedingungen anzupassen. (l. c.)

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l)
Verschiedne Ernährungsweisen.

1) Früher nach Liebig die Kohlensäureausscheidung zu hoch angenommen. (207 ⎰) Im Hungerzustand bestreitet derselbe Organismus seine Bedürfnisse mit 50–60 Gramm Albumin; etwa 200 Gramm Fleisch u. 200 Gr. Fett, N : C = 1 : 20.5 (208)

Voit f. den Kostsatz des Arbeiters:

N C
118 Eiweiss 18.3 63
56 Fett 43
500 Stärkemehl 222
18.3 N. 328 C. N : C = 1 : 18. (208)

Man kann nicht v. Einem constanten Kostsatz sprechen, wo bestimmte Menge [von] Albumin u. stickstofffreien Substanzen eintreten müsste. Bei bestimmter Arbeitsgrösse der Muskeln verschiedne Combination. (208)

2) Verschiedne Art der Volksnährung in den verschiednen Ländern:

Die gesunde Volksnahrung strebt im Allgemeinen den Körper auf einem ziemlich hohen Organstand – Muskel u. Fettmenge – zu erhalten; ist stets Erhaltungs-nahrung. (210)

Englischer Landarbeiter. (208) Aermste Volksklasse in Norddeutschland. (l. c.) Bauer des bairischen Gebirgs (209) Fettmengen in den Polargegenden. (209) (Darwin in den Pampers l. c.) In den Tropen Stoffe v. geringerer Verbrennungswärme als Fett; Kohlehydrate, Pflanzensäuren etc möglichst wenig Eiweiss, um den Stoffumsatz u. damit die Stoffaufnahme niedrig zu halten. Hindu lebt v. Reis, Südäjyptier v. Datteln, Mexikaner v. Mais u. Bananen, der südamerik. Neger v. Zuckerrohr; in allen diesen Substanzen Albumin. (l. c.) Es steht noch nicht fest, dass die Wärmeabgabe in den Tropen geringer als in den gemässigten [Klimaten]; in Wärme steigt Wasseverdverdunstung Wasserverdunstung aus dem Organismus bedeutend u. Schweissbildung der Tropenbewohner gross. Chinesischer Arbeiter (ib.) Japanesischer. (210) Brauknechte in München. (210) Navvies (ib.) Ueber die Pfiffigkeit der Erfahrung in dieser Beziehung. (ib. ⎰)

3) Ernährung der Truppen im Frieden (210, 211) ⦗Mengen der Eiweisssubstanz im Verhältniss zu den stickstofffreien Stoffen in der Truppenkost schwankend. Für Erhaltung eines kräftigen Mannes auch bei mässiger Arbeit jede Modification der Nahrungsstoffe verwendbar, die auf 15–18 Gramm N aus Albuminaten 230 Gramm C aus 2/3 Stärke u. 1/3 Fett enthält. l. c.⦘ (Am kostspieligsten Fleisch; wo seine Menge beschränkt, durch Schwarzbrod, Bohnen, Linsen ersetzt.) Die Ernährung der Soldaten im Frieden Art v. Hungerkost.

Truppen im Krieg (211–13) (Gilt Erzeugung möglichst grosser Körperkraft bei möglichst geringer Körpermasse, um die Bewegungen bei möglichst geringem inneren Widerstand ausführen zu können.) (Hier handelt es sich nicht um Erhaltungsnahrung, sondern, wenn nöthig, den Körper in muskulösen u. arbeitsfähigen umzuwandeln) (Erbswurst) (kann nur geschehn durch reichliche Zufuhr v. Albuminaten) ⦗bes. Fleischspeise mit Zusatz v. Fett u. Kohlenhydraten, da diese den Fleischansatz ermöglichen, bei anfänglich magern Körpern.⦘ (Der ursprünglich fettreiche Körper wird durch fettarme Fleischnahrung an sich fettärmer u. muskelreicher: stärker u. beweglicher) (da bei der Muskelarbeit die Respirationsausscheidung sehr gesteigert[,] muss bei der Arbeitsleistung selbst auch die Zufuhr der Kohlehydrate u. Fette gesteigert werden. Ersbstwurst Erbswurst eiweiss- u. fettreich.) Spirituosen, bes. Branntwein als Zusatz der Soldatenkost im Krieg. (213)

4) Ernährung in Anstalten (Gefängniss etc) u. Familien. (213–15) (213 ⎰ u. 214 ⎰)

5) Ernährung als Krankheitsursache. Ernährung der Armen. (215–216) (Uebermass v. Kartoffeln, Brod u. ähnlichen stickstoffarmen Nahrungsmitteln ohne genügenden Eiweisszusatz macht den Körper verarmen an Einweiss u. Fett u. häuft Wasser in ihm an.) (Wasserreichthum der Gewebe disponirende |22 Ursache f. Erkrankung an Cholera p. 215) (Cholera daher Krankheit der Armen. l. c. ⎰) (rein vegetabilische Nahrung macht den Körper wässerig. l. c.)

Die ärmere Klasse der Bevölkerung muss bei vegetabilischer Nahrung u. Hungerleiden höheren Wassergehalt der Organe erkennen lassen. Auch die Muskelanstrengung erhöht den Wassergehalt des Muskels, der die Hauptmasse des Körpers ausmacht, beträchtlich – also übermässige Arbeit u. Anstrengung; am verderblichsten, wenn sie zu den 2 obigen Punkten hinzukommen. (216) ⦗Bei Beginn des Fleischgenusses durch solche Wasserreiche geht das angesammelte Wasser in Strömen aus dem Organismus im Harn weg, so dass die reiche Ernährung im Anfang Gewichtabnahme verursacht. Der Hunger, der die Gewebstoffe verzehrt, bereichert diese procentisch an Wasser.⦘ (Gegen das hauptsächliche Kartoffelessen, ditto das Kleienbrod 316 216 ⎰, ⎰)

6) Fettleibigkeit u. Magerkeit. (216, 217) (Sieh über die Fettbildung beim Mästen 217 ⎰)

(Durch die reichliche Eiweisszufuhr bei der Banting-kur sucht man möglichst viel „circulirendes Eiweiss“ im Körper anzuhäufen, unter dessen Einfluss die Zersetzungsgrösse wächst, aufgespeichertes Fett verbrannt wird; daher Fettverlust, anfangs langsam, später immer rascher, während der Säftestrom sich beständig steigert. Neben dem Fettverlust erfolgt Muskel(Fleisch)ansatz 216)

7) Krankenkost. (216, 217)

8) Lebensalter u. Ernährung. (218, 219) Schlickbildung im Meer (Helgoland, p. 219) (Nahrung der Tiefseethiere ib.)

9) Nahrungsbedürfniss, Hunger, Durst.

Oertliche Hungerempfindung zunächst auf Magen beschränkt, scheint v. Nervus vagus angeregt zu werden. Grund in Veränderungen der sensiblen Magennerven, wahrscheinlich bedingt durch mangelnde Blutzufuhr zum Magen. Jede stärkere Anfüllung mit Blut, welche die Magengefässe ausdehnt, unterdrückt das Hungergefühl. (219) Alles was die Blutmenge des Körpers überhaupt vermindert, erzeugt normal auch Hunger. (l. c.)

Alkohol wirkt zugleich darum hungerstillend, weil er den Blutzufluss zum Magen steigert; sein Missbrauch führt zu chronischer Kongestion der Magenschleimhaut. (220)

Grund der Erregung der Durstnerven (in den Schleimhautabschnitten im Schlund, weichen Gaumen u. Zungenwurzel) ist Wasserentziehung aus der Nervensubstanz. (221)

10) Untersuchungsmethode (p. 222 sqq.) ⦗Der aus Zersetzung stickstoffhaltiger KörperBestandtheile entstammende N erscheint im Harn wieder; er zeigt also den Eiweissverbauch im Körper; ein geringer Theil Kohlensäure verlässt den Körper im Harn. Der grösste Theil des in dem zersetzten Eiweiss enthaltnen C geht als Kohlensäure in der Respiration weg. Aus der Menge v. C in der Respiration (aufgefangen in Respirationsapparaten) ⦗Athemapparat v. Pettenkoffer Pettenkofer ⦘, im Vergleich zu dem gleichzeitig ausgeschiednen N, kann man sehn ob die Menge C allein v. Eiweissstoffen od. noch v. andern stickstoffhaltigen Körperstoffen herrührt. (222)

Zusammensetzung der wichtigsten Nahrungsmittel (p. 224, 225) (sieh dort das Nähere)

(Vergleich zwischen Brod u. Zwieback, das erstere viel mehr Wassergehalt.

Wasser Eiweiss Fett Kohlenhydrate ⦗Stärkemehl u. Zucker⦘
Schwarzbrod: 36.3 8.5 1.3 52.5
Zwieback aus Roggen: 12.3 13.1 1.1 71.6
Weissbrod: 36.5 7.0 0.5 55.0
Zwieback aus Weizen: 8.0 15.6 1.3 73.4. (l. c. p. 225)
Hühnereier: 71.1 15.4 12.5
Kalbfleisch: 78.0 15.3 1.3
Wildpret: 77.0 18.0 1.0 (p. 224)

100 Gramm frisches Fleisch geben nur 56.7 gesottnes; daher 100 gesottnes = 176 frischem; im gesottnen: 37.7 feste Stoffe. (225)|

23

Sechstes Kapitel. Veränderung der Nährungstoffe in der Mundhöhle.

1) Verdauung im Allgemeinen: Organernährung v. allem aus Blut; [die in der Nahrung aufgenommenen Stoffe] müssen erst seine Bestandtheile werden; treten dann aus aus Blutgefässröhrensystem; wandern als intermediairer Luftstrom v. Zelle zu Zelle (durchdringen vornehmlich nach den Gesetzen der Diffusion die Zellenwände). Ein Theil verwandt zur Neubildung verloren gegangner Organbestandtheile, wird also zu gewissem Grad in dem Organ gebunden zurückgehalten u. dem lebhafteren Stoffkreislauf entzogen; andrer Theil von den in den Zellen wirkenden oxydirenden Momenten ergriffen, zersetzt u. dient so zur Kräfteproduktion des Organs; ein dritter Theil tritt in die Anfänge der Lymphgefässe ein u. kehrt v. da zum Blut zurück, um wieder v. ihm den Säftekreislauf v. neuem zu beginnen. (226)

Wasser u. ein Theil der in wässriger Lösung aufgenommenen organ. u. anorganischen Salze, Alkohol, Zucker, organische Basen etc können sofort u. unmittelbar zu Blutbestandtheilen werden; werden direkt v. den Blut- u. Lymphgefässen an jeder Stelle des Verdauungscanals aufgesogen. (l. c.)

Andrer Theil der Lösungen gebunden u. verändert durch die chemischen Bestandtheile der Körpersäfte, denen sie nach ihrer Aufnahme begegnen; diess keine eigentlich physiologische Lebenswirkung. Die alkalische Mundflüssigkeit verhält sich zu den aufgenommenen Säuren u. sauren Salzen wie andre Flüssigkeit derselben Reaktion ausserhalb des Organismus; der saure Magensaft neutralisirt alkalische Salze. (227) Manche in Lösung aufgenommne Stoffe – wie das Casein der Milch – ehe sie den lösenden Einwirkungen der Verdauungssäfte unterliegen – werden erst durch den Magensaft aus ihrer Lösung gefällt. (l. c.)

In fester Form aufgenommene Nahrungstoffe: Salze u. die meisten krystallinischen Stoffen Stoffe lösen sich direkt im Wassergehalt der Verdauungsäfte, meist schon im Speichel; so dasselbe als wären sie gelöst aufgenommen. (l. c.) Andre: Stärkemehl, Eiweiss, das leimgebende Gewebe u. Fett an sich im Wasser u. daher auch in den Verdauungssäften unlöslich; müssen erst löslich gemacht werden, um in die Blutmasse einzugehn. Für die Fettaufnahme entstehn auch Veränderungen der aufsaugenden Organe – der Darmschleimhaut – als Wirkung der Verdauungssäfte, wodurch die Aufnahme ermöglicht. (l. c.)

Wie wäre diese Sorte fester Stoffe löslich gemacht, d. h. verdaut? Verdauung beginnt schon in der Mundhöhle. Kauwerkzeuge verkleinern u. zerreiben die festen Speisen, dann vermischt mit dem alkalischen Sekret der Drüsen der Mundhöhle. Muskelmechanismus dient die gekauten Speisen zu verschlucken u. weiter zu bewegen; durch willkührliche Bewegungen übergeben die muskulösen Organe der Mundhöhle, v. allem Zunge u. Wangen, dem Schlunde den Bissen, weiter befördert durch unwillkührliche Muskelactionen zu den weiteren Verdauungsorganen; Stoffe wandern, so weit sie nicht aufgesaugt werden, aus Magen in Darm; am Ende des Dickdarms ihre Entleerung (die der ungelösten u. unlöslichen Rechte Reste) in gewissem Grad wieder willkührliche Action. (l. c.)

Bisher galt ziemlich allgemein die Ansicht, dass die Nahrungsstoffe aus dem Nahrungskanal ins Blut durch Diffusion aufgenommen werden müssen; Verdauungssäfte müssten also kolloide Substanzen in leichter diffundirbare Lösungen, Eiweiss z. B. in Pepton, Stärke in Zucker umwandeln. Aber in Darmschleimhaut theilweis offne Wege vom Darm in die Säftemasse des Körpers; andrerseits tritt das Fett als feine Emulsion, also nicht durch Diffusion, aus dem Darm. Eiweisslösungen können auch ohne vorherige Verwandlung in Pepton aus dem Darm aufgenommen werden. (Weiteres 228 ⎰)

2) Bau der Verdauungsorgane: Hauptgrundlage: Schleimhaut, unter einem geschichteten Epithel aus verschieden gestalteten Zellen componirt, die eigentliche Schleimhaut, Mucosa, aus Bindegeweb u. elastischen Fasern, reichlich durchzogen mit Blut- u. Lymphgefässen u. Nerven; in ihr eingelagert Drüsen, in die Tiefe eingehende Ausbuchtungen des Epithel. Dienen hauptsächlich als Flächenvermehrungen des Epithel; ebenso die zotten- od. fadenförmigen Auswüchse aufgesetzt auf die Schleimhaut: Papillen oder Zotten. Grössere Drüsen senden ihre Sekrete in die v. der Schleimhaut ausgekleideten Höhlungen. (l. c.)

In Mundhöhle liegt die Schleimhaut den Knochen u. den Muskeln straff auf. Im Schlund – dem Anfange des Darms – beginnt mehr regelmässige Muskellage, Muskelhaut, sich unter die Schleimhaut zu lagern; Anfangs aus quergestreiften, dem Willenseinfluss dienenden Fasern, noch in getrennte Muskelindividuen zerfallend; treten wieder auf in dem Afterschliessmuskel. Ausserdem bestehn die Muskeln des Darms aus glatten Elementen (meist 2, am Magen 3 Lagen, eine in der Länge, andre in Querrichtung verlaufend) Zwischen Schleimhaut u. Muskelhaut Lage v. lockrem Bindegeweb: Unterschleimhautsgeweb (Submucosa). |24 An dem Theil des Darms, der in Bauch- u. Beckenhöhle liegt, (u. auch den grössten Theil der übrigen Bauch[-] u. Beckenorgane überziehend) die seröse Hülle noch befindlich – zarte, nerven- u. gefässarme, an der freien Oberfläche mit einem Epithel überzogne Haut. (l. c.)

3) Anatomie der Mundhöhlenschleimhaut u. ihrer Drüsen (228–232)

Mundhöhlenschleimhaut direkte Fortsetzung der aüssern Haut. (228) (Uebergangsstelle an den Lippen) Mit grosser Zahl neben einander gedrängter Papillen besetzt, zwischen diesen zahlreiche Drüseneingänge; in den Papillen Kapillarzweige emporsteigend, bilden Geflecht; reiches Netz v. Lymphgefässen durch die ganze Schleimhaut; mit ihnen in Verbindung die zahlreichen Balgdrüsen (als einfachste Lymphendrüsen zu betrachten)

An der Zungenwurzel bilden sie beinah zusammenhängende Schicht, oberflächlich liegend; die einzelnen Drüsen mit blossem Aug als rundliche, hügeliche Erhebungen erkennbar – linsenförmig. (Weitere Beschreibung der Balgdrüse; Drüsenbälge od. Follikel p. 229) Mandeln oder Tonsillen [sind] Haufen v. 10–20 Balgdrüsen mit gemeinsamer Hülle. (229) Im rothen Theil der Lippen Talgdrüsen. (l. c.)

Epithel der Mundhöhle (l. c.) Geschmackswärzchen auf der Schleimhaut der Zunge. (l. c.) Direkt unter Schleimhaut des Mundes Schleimdrüsen der Mundhöhle; Lippendrüsen, Gaumendrüsen, Zungendrüsen (Glandulae linguales) (230) (traubenförmige Drüschen, jedes mit einem kurzen graden Gang in die Mundhöhle [sich] öffnend, liefern ein schleimiges Sekret) Drüsenbläschen od. Acini (l. c.)

Speicheldrüsen (Glandulae salivales) (p. 231) Nervenendigungen in denselben (l. c.)

4) Absonderung der Speicheldrüsen. Die Drüsenzellen die Endorgane der Drüsennerven. Die Absonderung der Zellen Effekt einer direkten Nervenreizung, wie die Contraction der Muskelfaser; primärer Erfolg der Nervenreizung in Muskelfaser u. Drüsenzelle ein elektrolytischer. (232) Unter der elektrolytischen Einwirkung der Nerven aus den Zelleninhaltsstoffen sauer (u. alkalisch) reagirende Zersetzungsprodukte gebildet. Erst die Wirkung dieser Zersetzungsprodukte, Reize auf die u. in der Zelle, ist die Drüsenabsonderung od. Muskelaction. (l. c.) Die Zersetzungsprodukte des Zelleninhalts vor allem Säuren: Milchsäure, Phosphorsäure; wirken theils f. sich, theils in Verbindung mit Kali als Reize auf die contractile Substanz, wie durch künstliches Zusammenbringen dieser Stoffe mit dem Muskel Contraction hervorgerufen wird. (l. c.) ⦗Aehnliche Zersetzungsprodukte, andre nach der andern Zusammensetzung der Zellen, unter Nervenreiz auch in den Drüsenzellen gebildet⦘. (Protoplasma nimmt bei seiner Thätigkeit saure Reaction an) Unter der Einwirkung, bes. v. Säuren, aber auch v. Alkalien, die Diffusionsverhältnisse der Zellen auf’s wesentlichste verändert; lassen nun Stoffe durch – hinein u. heraustreten – denen sie bei ungestörter Lebensenergie den Durchtritt verwehren od. nur spärlich zulassen (l. c.) Reichliche Drüsenabsonderung kann nun aus den Drüsenzellen beginnen, eben so ihnen das Blutgefässsystem reichlicheren Stoff abgeben. (l. c.) ⦗Dasselbe gilt f. den Muskelschlauch⦘ (Sieh 233 ⎰ weiteres)

Die Zelle geht bei der Sekretion nicht zu Grunde, sondern presst ihren Inhalt aktiv aus. (234)

5) Reizung der Speicheldrüsennerven. Verhältnisse des Blutlaufs in der ruhenden u. der secernirenden, arbeitenden Drüse. (l. c.) Die reichlichen Blutgefässe stehn unter doppeltem Nerveneinfluss; Sympathicus (durch seine Reizung) bewirkt Verengerung ihres Gefässlumens; durch seine Lähmung Erweiterung desselben. Auf elektrischen Reiz des Sympathicus verengern sich die BlutGefässe u. es fliesst in Folge davon das Blut spärlicher durch sie hindurch u. gelangt sehr dunkel in die Venen. Die zweite Nervengattung – verlaufend im Facialis u. Trigeminus – die in die Drüse tritt, bei Reiz erweitert die Gefässe, das Blut strömt sehr rasch u. reichlich, noch hellroth in die Venen ab etc. (l. c.) Die Reizung dieser Nerven, z. B. auf elektrischem Weg, ruft ausser der Gefässerweiterung auch eine Speichelabsonderung der Drüse hervor. Dasselbe  Zusatz von Marx.
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(?)
geschieht auf Reizung des Sympathicus (l. c.)  Bemerkung von Marx.
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(nicht vielmehr das Gegentheil? Sieh das weitere l. c.)
Beide Nerven scheinen gegen einander als Hemmungsnerven zu wirken. (l. c.)

Die Gefässlumensveränderungen u. die Drüsenabsonderungen in gegenseitiger Wechselbeziehung. Der auf Reizung des Sympathicus abgesonderte Speichel[,] „der Sympathicus-Speichel“ zäh u. dickflüssig, der Trigeminus Speichel reichlich u. ärmer an festen Bestandtheilen, was mit den Circulationsverhältnissen der Drüse während der Reizung einstimmt. Reichlichere Blutzufuhr liefert reichlicheres Material zur Absonderung; es muss aber zu dem Material noch die Veränderung in der Drüsenzelle durch den Nervenreiz hinzukommen. (l. c.)

Im normalen lebenden Organismus erfolgt die Speichelabsonderung stets nur unter Nerveneinfluss |25 reflektorisch vom Magen u. der Mundhöhle aus; geschieht meist durch Geschmacksreize, welche die Mundhöhlenschleimhaut treffen; dasselbe bewirken an der gleichen Stelle alle Nervenreize: Kitzeln mit Federfahne, chem. Reize durch saure od. alkalische Stoffe, Alkohol, Aether, Pfeffer. Die durch Säuren reflectorisch erregte Speichelabsonderung liefert dünnflüssigen Speichel; Alkalien u. scharfe Gewürze einen zähen, dickflüssigen. Künstlich „ermüdete“ Drüse secernirt nicht mehr auf Nervenreiz, obwohl die Steigerung der Blutzufuhr durch die Reizung noch erfolgt. Die Drüse wird dann ödematös; es häuft sich in ihr seröse Flüssigkeit. (235)

6) Bestandtheile des Speichels u. seine Menge:

Speichel im gewöhnlichen Leben der gesammte Mundsaft, der allen grossen u. kleinen in die Mundhöhle ihr Sekret ergiessenden Drüsen entstammt. ⦗Der eigentliche (aus den Speicheldrüsen) Speichel normal frei v. geformten Bestandtheilen; bekommt nur abgestossne Epithelzellen aus den Drüsen u. der Mundhöhle beigemischt.⦘ In diesem gemischten Mundsaft rundliche kleine Zellengebilde: Speichelkörperchen, Schleimkörperchen ähnlich der weissen Blutkörperchen. Diese Zellen kuglig, gekörnt, kernhaltig. (236)

Speichel der Submaxillardrüse. (l. c. weiteres) ⦗Trigeminus- od. Chordaspeichel

Sympathicusspeichel. (237) Vergleich über die verschiedne Wirkung v. Sympathicus u. Trigeminus auf die Absonderung der Speicheldrüse ib. (⎰). Sublingualspeichel (238)

Speichel der Parotis normal hervorgerufen durch reflektorische Uebertragung des Reiszustandes der sensiblen Mundschleimhautnerven auf den Drüsennerven in der Drüse. Hier namentlich Einfluss psychischer Momente greiflich. (l. c.)

Nach Unterbindung aller Ausführungsgänge der grösseren Speicheldrüsen kann man das spärliche Sekret der Schleimdrüsen der Mundhöhle gesondert erhalten: den reinen Mund-schleim. Enthält viele geformte Bestandtheile: Epithelzellen u. Schleim- od. Speichelkörperchen. Enthält neben Wasser 10% feste Bestandtheile, 6% anorganischer Natur, wovon 5.3% Chlorkali u. Chlornatron; der Rest phosphorsaures Natron, Kalk u. Magnesia. Fehlt der f. den eigentlichen Speichel (Absondrung v. Speicheldrüsen) charakteristische kohlensaure Kalk. (238) ⦗unter den organischen Bestandtheilen v. Submaxillar ⦗Trigeminus- od. Chorda[-]Speichel⦘ charakteristisch das Ptyalin, der Speichelstoff, das Speichelferment, geringer Gehalt an Eiweiss und Mucin (Schleimstoff) Unter den Speichelgasen (beim Hund untersucht) O 0.6. CO2 auspumpbare 22.5% u. durch Phosphorsäure ausgetriebene 42.2% (zusammen = 64.7%) N 0.8%⦘

Menge des gemischten Mundspeichels schwankt zwischen 200–1500 Gramm ⦗durch Umrechnung v. Hund auf Mensch herauskalkulirt⦘ in 24 Stunden, nach Valentin zwischen 216–310 Gr.; nach Bidder u. Schmidt 1000–2000 Gr. Jedenfalls entziehn die Speicheldrüsen dem Blut fort u. fort bedeutende Menge Flüssigkeit; gelangt durch das Verschlucken des Speichels wieder in den Blutkreislauf, d. h. in den „intermediären Säftekreislauf“. (238)

7) Physiologische Wirkungen des Speichels.

Speichel löst die in Wasser löslichen Stoffe u. durch seine alkalische Reaktion manche in reinem Wasser unlösliche Substanzen. Sein Schleim macht Bissen schlüpfrig, zum Verschlucken geschickt, ist vielleicht Grund, dass Speichel stark schäumt u. viel Luft einschliesst, mit in den Magen hinabgeschluckt, daselbst vielleicht am Verdauungsprocess betheiligt. Seine wesentlichste Aufgabe: Verdauung des Stärkemehls, d. h. Ueberführung desselben in löslichen Zustand. Der frische Speichel verwandelt Stärkemehl in Dextrin und Traubenzucker. (238)

Aus rohen Stärkekörnern löst der Speichel bei 35°C die Stärkegranulose auf, während die Stärkecellulose ungelöst bleibt; also Mittel um den mit Jod sich sofort bläuenden Antheil der Stärkekörner (Stärkegranulose) v. der Stärkecellulose zu trennen, die erst bei Temperatur v. 55°C gelöst wird. Dagegen verwandelt er bei Bluttemperatur Stärkekleister (mit grosser Raschheit gekochte Stärke) in Zucker, ebenso |26 alle Stärke (wie diess bei der Zubereitung unsrer aus Stärkemehl bestehnden od. damit vermischten Speisen stets der Fall) einer höheren Temperatur ausgesetzt war. (239)

Diess geschieht durch das – nicht eiweissartigen Fermentkörper – Ptyalin (Speichelstoff) ⦗aus allen Speicheldrüsen diess zuckerbildende Ferment mit Gliceryn Glycerin von Wittich ausgezogen. In geringerer Menge fand er solche Fermente in den meisten Organen: Magen- und gesammten Darmschleimhaut, Pankreas, Leber, Nieren, Gehirn, Blut u. Blutserum, Galle; findet sich auch in Schleimhaut der Trachea, Harnblase, Gallenblase u. des Mastdarms⦘ Ptyalin wirkt als Ferment, d. h. es soll seine verdauenden Eigenschaften entfalten, ohne selbst dabei zersetzt zu werden, so dass eine verschwindend kleine Ptyalinmenge immer neue Quantitäten Zucker zu bilden vermag. Die Ptyalinwirkung verschwindet wie alle Fermentbildung durch Kochen. Das Ptyalin u. damit die Zuckerbildung kommt allen Speichelarten des Menschen zu. (239)

Diese Einwirkung des Ptyalins auf Zucker auch dann noch, wenn die Flüssigkeit schwach sauer ist; so kann sich die Wirkung des Speichels zunächst auch noch im Magen fortsetzen (l. c.) (Weiteres, die Bedeutung des Ptyalin im Magen verneinendes 239 ⎰⎰)

Von der Diastase, einem im keimenden Malz wie Ptyalin wirkenden Stoff unterscheidet sich letztres dadurch, dass es schon bei 60° zerstört wird, während Diastase bei 60° seine stärkste Wirkung. (l. c.)

8) Zur historischen Entwicklung der Verdauungslehre (239–241) OhrspeicheldrüseParotis (bedeutet ursprünglich eine Erkrankung derselben. 239) Nach Galen der Speichel der einen Thierart f. die andre specifisch giftig (l. c.) Magendie noch schrieb dem Speichel nur physikalische Eigenschaften zu. (240) ⦗sagte schon dass der Speichel wegen seiner Klebrigkeit Luft aufnimmt⦘ Ende des 18t Jahrhunderts doch schon gewisse Ansichten über die chemischen Einwirkungen des Speichels auf die Nahrungsstoffe; Pringle (antiseptische Kräfte habe er)[;] Gährung fördern nach andern z. B. Siebold (1797) (sollte Substanzen, bes. Metalle oxydiren); nach seinen u. Fourcroy’s Untersuchungen schon ziemlich genau in seinem chem. physiol. Verhalten erkannt. (l. c.) (⎰⎰) 1831 entdeckte Leuchs die Eigenschaft des Speichels aus Stärkemehl Dextin u. Zucker zu bilden, bestätigt v. Schwann (240) (daselbst weiteres ⎰)

9) Entwicklungsgeschichte der Drüsen der Mundhöhle. (Sieh 241) (+)

10) Zur vergleichenden Anatomie u. Physiologie (241–243) (Sieh daselbst)

11) Krankhafte Veränderungen des Speichels. (p. 243)

Siebentes Kapitel. Der Verdauungsvorgang im Magen.

1) Schlund u. Speiseröhre.

Aus dem Mund, wo schon die Verdauung des Stärkemehls – einem der wichtigsten Nahrungsmittel begonnen – gelangt die Nahrung in Schlund, von da in Speiseröhre. Beide zeigen keine verdauende Einwirkung auf Nahrung. Die Contractionen der quergestreiften Muskeln des Schlunds dienen dem Schluckact. Obere Abschnitt des Schlundes – [der] respiratorische (hat nichts zu thun nach der Beförderung des Bissens) [–] hat Flimmerzellen, wie die Respirationsorgane; die Schleimhaut des unteren Theils des Schlundkopfs hat Plattenepithel u. wenig entwickelte, sparsame Papillen. Zu der Schleimhaut des Schlunds traubenförmige kleine Schleimdrüsen u. Balgdrüsen, in ihrem Bau dem der Mandeln entsprechend. (244)

An der Speiseröhre tritt der Darmcharacter mehr u. mehr hervor; im obern Theil Muskelhaut noch quergestreift u. in einzelne Muskeln individualisirt; je näher der Magen, desto mehr glatte Fasern. Schleimhaut, wie die des Schlundes, noch mit Papillen in ziemlich festem Pflasterepithelium, u. traubenförmige Schleimdrüsen. (l. c.) Kropf bei den Vögeln Erweiterung der Speiseöhre vor Speiseröhre; seine Schleimhaut zeigt charakteristische Modificationen des Drüsenapparats. (l. c.)

2) Der Magen. Die Magenschleimhaut: Nicht das Centralorgan der Verdauung. Speisen verweilen in ihm längere Zeit u. Theil des in ihnen aufgenommenen Eiweisses wird in Zustand übergeführt, worin er leichter zu einem Bestandtheil der Säfte des Organismus werden kann. Sie werden verwandelt in einen BreiChymus, nicht bedeutend verschieden v. der Zusammensetzung der genossenen Nahrungsmittel, aber verändert in physikalischer Beziehung. (45 245)|

27

Die verdauende Flüssigkeit des Magens – Magensaft, auf die Oberfläche der Magenschleimhaut ergossen v. den Magendrüsen. (245)

Die Schleimhaut des Magens besteht fast nur aus den Magensaftdrüsen; weich u. locker; bei leerem Magen blauröthlich; während der Verdauung lebhaft roth, da dann alle Blutgefässe wie bei allen abgesonderten Drüsen, z. B. den Speicheldrüsen, erweitert u. stärker gefüllt sind. Am dünnsten die Schleimhaut in der Nähe des Magenmundes, am dicksten in der Nähe des Pylorus. Die Oberfläche des Magens mit Cylinderepithel bedeckt. Zweierlei Art Drüsen: Magensaft- oder Labdrüsen (nur diese hält man f. den chemischen Act der Verdauung wichtig) u. Magenschleimdrüsen. (245)

Das alkalische Sekret der Magenschleimdrüsen überzieht im nüchternen Zustand die innere Magenoberfläche, bes. dick am Pylorus(Pförtner)theile. Es betheiligen sich an der Schleimproduktion auch die Cylinderepithelien der Magenoberfläche. (l. c.) Die Magenschleimdrüsen schlauchförmig, reichlich verästelt; ebenso gebaut die Magensaftdrüsen, doch diese nur manchmal reichlich verästelt. Letztere dicht neben einanderstehend, durchsetzen die ganze Schleimhautdicke bis zur Muskellage, daher v. verschiedner Länge je nach der Dickenausdehnung der Schleimhaut. (246) Nach Entfernung des Schleims v. der Magenoberfläche zeigt sie Grübchen, mit Cylinderepithel tapezirt –; in jedes solches Magengrübchen (den gemeinsamen Drüsenausgang) mündet eine Anzahl v. Labdrüsen. (246 u. 247 weitere Beschreibung)

Die Drüsen in der Magenschleimhaut so dicht, dass nur wenig Raum f. das Bindegewebe; am entwickeltsten dieses am Grund der Drüsen untermischt mit zahlreichen glatten Muskelfasern, kreuzend zwischen den Drüsen, deren Entleerung sie besorgen. Ausserdem zwischen den Drüsen zahlreiche Gefässe; Arterien schon zu sehr zarten Stämmchen geworden, bevor sie die Schleimhaut erreichen; zwischen den Drüsen spalten sie sich zu Kapillaren. Alle Drüsenmündungen mit Blutgefässringen umgeben, die zu Maschennetz sich vereinigen. Die aus diesem Netz entspringenden Venen ziemlich weit u. durchlaufen ohne viel Verzweigung die Schleimhaut. Unter den Magensaftdrüsen liegt Netz v. feinen Lymphgefässen, ein andres liegt in der submucosa; aus ihm sammeln sich die grösseren Stämmchen, die schliesslich die Muskelschichte in der Gegend der Curvaturen durchsetzen. Geschlossne Follikel v. Lymphdrüsen – linsenförmige Drüsen – in unbestimmter geringer Anzahl. (247)

3) Nerveneinfluss auf die Magensekretion: au fonds noch unbekannt; ihr Verhältniss zu den Absondrungszellen. Die Nerven der Schleimhaut stammen v. Vagus u. Sympathicus, führen in ihrem Verlauf zahlreiche kleine Ganglien. Ebenso wenig erkannt die Wirkung der sekretorischen Nerven. (247) (Sieh ⎰) Wie alle Drüsen, secerniren auch die Magendrüsen nur auf nachweisbare Reizung. (l. c.) Die sensiblen chemischen Reizungen der Magenschleimhaut scheinen auf sekretorische Fasern durch Reflexe in Ganglienzellen, vielleicht in der Magenschleimhaut selbst gelegen, übertragen zu werden. (l. c.)

4) Das Sekret des Magens: Magenschleim im nüchternen Magen, sehr schwach sauer, neutral od. selbst alkalisch reagirende, schleimige Flüssigkeit; enthält ausser strukturlosem Schleim viel halbzerfallne Cylinderzellen v. der Epithel des Magens u. den Schleimdrüsen. Wird die gesunde Magenschleimhaut sensibel gereizt, so tritt sofort starksaure Reaktion der Magenflüssigkeit ein. (p. 248)

Verändrung der Magendrüsen durch ihre Sekretionstätigkeit Sekretionsthätigkeit (sieh 248 ⎰) ⦗Durch die Nervenwirkung zunächst chemische Umgestaltung (Säurebildung) im Protoplasma der Drüsenzelle erzeugt. Diese kann nur Flüssigkeiten in sich u. den umspülenden Parenchymsäften aufnehmen u. schwillt an; die aufgenommene Flüssigkeit durch Contraction des Protoplasma mit der „Ladung“ der Drüsenzelle, d. h. ihrem specifischen Secret ausgepresst.⦘ ⦗In den Labzellen entsteht Säure; ob die grossen Zellen der Labdrüsen besondre Funktionen haben, unermittelt.⦘

Reiner Magensaft kann aus Magenfisteln gewonnen werden. (248) Specif. Gewicht des Magensaft fast nicht grösser als der das des Wassers, also wenig concentrirt, hat „sauren“ Geruch u. Geschmack, röthet blaues Lackmuspapier nachhaltig; die saure Beschaffenheit ⦗im Gegensatz zur alkalischen Sekretion der Magenschleimdrüsen⦘ rührt v. freier Salzsäure her; die Menge der freien Säure normal nur gering; doch: hinreichend um manche nur in Säuren lösliche Körper, z. B. kohlensauren Kalk aufzulösen u. aus ihm Kohlensäure zu entwickeln. (249) (sieh ib. ⎰) Im reinen Saft rührt die saure Reaktion nur v. Salzsäure her; aber an der Hervorbringung der sauren Eigenschaft des Safts u. dem Verdauungsvorgang betheiligt: Milchsäure, Buttersäure, Essigsaüre, die sich während der Verdauung durch Zersetzung der Speisen im Magen bilden. (l. c.)

Ausser der Salzsäure enthält der Magensaft Pepsin – das Magenferment, worauf die energische Wirkungsfähigkeit des Magens beruht. Er wirkt auf die Eiweissstoffe u. leimgebenden Gewebe, die im Magen in Peptone übergeführt werden. (249)|

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5) Pepsin und Peptone. (249–251) ⦗Zwischen den Peptonen u. den Eiweisskörpern (worin letztere durch Magensafte, resp. sein Pepsin, übergeführt werden) nur physikalische, nicht chemische Differenz. Fibrinpepton, im Gegensatz zu Eiweisspepton, schon weitergehend verändertes Eiweisszersetzungsprodukt.⦘ ⦗Wirkung des Pepsin erforfordert erfordert Gegenwart einer freien Säure, die aus den Albuminaten die in Säuren lösliche Modifikation Parapepton od. Syntonin = Acidalbumin bildet. Unter der Einwirkung des Magensaftes entsteht zuerst aus allen Eiweissstoffen eine dem Syntonin analoge Lösung. Auch die in Wasser gelöst aufgenommenen Stoffen Stoffe, wie rohes Hühnereiweiss, werden zuerst in diesen syntoninähnlichen Stoff übergeführt. Casein gerinnt erst im Magen; erst das geronnene Casein unterliegt dann der verdauenden Wirkung⦘ ⦗Auch ohne Pepsin, unter der Einwirkung der Säure allein Albuminate (Fibrin) in Peptone umwandelbar. 250 + ; aber Pepsin beschleunigt ungemein die Peptonbildung; mit demselben nur Minuten erheischt, wo ohne dasselbe Tage. Peptone u. Peptonartige Körper ausserdem gebildet durch Kochen u. Fäulniss, ditto durch Ozon⦘

⦗Das leimgebende Gebild Gewebe im Magensaft gelöst, erst unter Bildung v. Leim, geht dann in Leimpepton über, das nicht mehr gelatinirende Lösung ist. Die Säure des Magensafts löst die thierischen Gewebe: Knochen, Knorpel, Sehnen etc zu Knochen- od. Knorpelleim auf. Der Leim verliert in jeder Säure – rascher unter Mitwirkung des Pepsin – seine Eigenschaft zu gelatiniren.) (Vgl. über die Menge v. Eiweissstoff, die durch eine bestimmte Menge Pepsin gelöst werden kann 251 ⎰) ⦗die Wirkung beginnt stets wieder durch weiteren Zusatz v. Wasser, resp. verdünnter Salzsäure. Daher Pepsin für Ferment erklärt. Wie bei andern Fermentwirkungen hemmend od. zerstörend f. die das Pepsin: Concentrirte Säuren, Metallsalze, starker Alkohol, Kochen, ebenso Alkalien⦘ ⦗Das Pepsin vorzüglich in dem Drüsengrunde gebildet, wo der Inhalt der Labdrüsen alkalisch, Pepsin also nicht wirken kann; die zu seiner Thätigkeit nothwendige Säure tritt erst an der Oberfläche des Magens auf.⦘

6) Entstehung der Säure des Magensaftes: (man weiss nichts sichres über den Urspung v. Pepsin u. Salzäure Salzsäure im Magen.) (p. 251, 252) (Näheres 251 ⎰. Aschengehalt des Magens – wo viele Chlorverbindungen der Alkalien u. Alkalischen Erden – f. die Entstehung der freien Salzsäure wichtig) (252 ⎰)

7) Selbstverdauung des Magens: Nach Tod – Leben erloschen u. Blutcirculation –, wenn Absonderung des Magensafts noch vor dem Tod statt hatte, Magen in lebhafter Selbstverdauung; ganze Dicke der Schleimhaut, ja alle Magenhäute werden sauer, Magen wird brüchig, Magenerweichung. Aber auch während des Lebens fortwährende Selbstverdauung. Da nur die Magenoberfläche sauer reagirt, keine Selbstverdauung im Drüsengrad möglich, das dort vorhandne Pepsin kommt nicht in Wirkung; dagegen Epithel der Magenoberfläche wird in geringem Grad selbst gelöst. Beweis davon die zahlreichen Zellenrudimente im Magensaft u. die stets in ihm vorhandnen Peptone. Während des Lebens diess nur in engen Grenzen wegen der beständigen Neutralisation der zur Verdauung nöthigen Säure durch die alkalischen Gewebsflüssigkeiten, vor allem durch das Blut; sowie dessen Nachschub aufhört, beginnt die Selbstverdauung in gesteigertem Maasse. (252 Auch ⎰ daselbst)

8) Hilfsvorgänge der Verdauung. Chymus: Regelmässige Contractionen der Magenwände; durch sie werden die Speisen an immer neue Schleimhautstellen vorübergeführt u. die mechanische Reizung gibt Gelegenheit zu reichlicher Absonderung des Saftes. (253) Im Magen schon stattfindende Resorption der Peptone, die ⦗die Wirkung des Pepsin⦘ störende Anhäufung derselben hindert. (254) Wirkung des mit der Nahrung verschluckten Speichels im Magen. (ib.) (vgl. ib. 4)

Umwandlung der Stärke in Dextrin u. lösliche Stärke im Magen durch den Process daselbst der Milchsäuregährung. (253 ⎰) Speichel führt Stärke nur in Zucker über, stets gering im Magen; abgesehn v. seiner Wirkung [wird] durch die Milchsäuregährung im Magen [das] Amylum in Zucker, Milchsäure, Dextrin u. lösliches Amylum umgewandelt, welche beiden leztern in den Dünndarm gelangt dort der rasch sacharificirenden Wirkung des Pankreassafts leichter unterliegen können als noch nicht so weit umgewandelte Stärke. Daneben im Darm die sacharificirenden Wirkungen des Darmsafts u. der Galle; auch im Darm geht die Milchsäuregährung fort, im Dünndarm nur in ihrem Erfolg (saure Reaktion) verdeckt durch die alkalischen Darmsäfte; kommt im Dickdarm wieder zum Vorschein; die Milchsäuregährung verbindet sich also mit den Wirkungen aller Verdauungsorgane. (253)

Lösliche, in Speichel noch nicht gelöste Stoffe, bes. Salze, im Magensaft in Lösung übergeführt. (l. c.) (auch ⎰ ib.) ⦗kohlensaure u. phosphorsaure Salze z. B. die in Wasser allein unlöslich⦘|

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Die aus dem Mund (wo Umwandlung der Stärke in Dextrin u. Zucker beginnt) kommende Speisemasse hat in den meisten Fällen durch den Speichel schwach alkalische Reaktion; diese im Magen in saure verwandelt; der in so grossen Mengen (möglicherweise in 24 Stunden 16–30 Pfd) abgesonderte Magensaft verdünnt die Mischung, bildet aus ihr den Speisebrei od. Chymus. Durch die Einwirkung des Safts verflüssigen sich die Eiweissstoffe; das Bindegewebe, viele Hüllen der thierischen Zellen etc lösen sich. Ein Theil der im Chymus enthaltnen Eiweissstoffe noch ganz unverändert; andrer in die in verdünnten Säuren lösliche Modification (Parapepton, Syntonin) übergeführt; bei einem 3ten Theil die Veränderung schon zur Bildung des eigentlichen Pepton fortgeschritten; v. ihm im Chymus stets nur geringe Mengen, da es im Magen schon grösstentheils resorbirt wird; dasselbe gilt v. dem Zucker, aus dem aufgenommenen Stücke gebildet. (254) ⦗Wirkung des Dextrin im Magen. ib. ⎰⎰⦘

9) Magengase: Mit dem Speichel verschluckte Luft. (N diffundirt fast gar nicht im thier. Körper, weil alle Gewebe ihre der Luftmischung entsprechende Nmenge bereits aufgenommen). Magenathmung: Das aus der Luft eingeathmete O, in Berührung mit den feuchten Blutdurchtränkten Membranen des Magens [wird] vom Blut absorbirt u. an seine Statt tritt Kohlensäure aus dem Blut. Diese Magenathmung beim Menschen sehr untergeordnet gegen Lungen- u. Hautathmung. (255)

10) Verdaulichkeit: Im Magen kommt nur Theil der verdauenden Wirkungen zur Geltung, welche im ganzen Darmkanal die Speisen verbinden. (255) (Näheres 255 u. 256 ⎰⎰)

Vermehrte od. verminderte Säurebildung die Ursache v. Verdauungsstörung. (256) ⦗Wo den Thieren in der Nahrung längere Zeit kein Kochsalz zugeführt, so hört die Salzsäurebildung im Magen ganz auf. Verdauung kann bei 10% Salzsäure ganz aufhören, beim Verdünnen der Säure erst beginnen od. nach theilweiser Neutralisation durch Zusatz v. Alkalien od. alkal. Erdarten, z. B. gebrannter Magnesia. An zu starker Säurebildung vor allem betheiligt die milchsäureliefernden, zuckerähnlichen Stoffe. (l. c.)

Da die Anhäufung der Petone im Magensaft die Wirksamkeit des Pepsin unterbricht, so leicht Verdauungsbeschwerden nach grossen Mahlzeiten. Je mehr gleichzeitig auf einmal Fleisch genossen, umso geringer procentisch die wirklich verdaute Masse; das andre geht im Koth ab. (l. c.)

Zumischung v. Galle hindert die Magenverdauung, indem die Gallensäuren das Pepsin niederschlagen u. das mit Galle getränkte Eiweiss seine Quellbarkeit verliert. (257)

11) Entwicklungsgeschichte der Magen- u. Darmschleimhaut. (257 weiteres)

12) Vergleichende Physiologie u. Anatomie der Magenverdauung (257–258) ⦗Quantitative Zusammensetzung des Magensafts bei Mensch u. verschiednen Thieren. 258 ⎰⦘

13) Historische Entwicklung der Verdauungslehre (p. 259–262) ⦗1752 Réaumur: beweist, dass der Magen eine Flüssigkeit absondert, der auf die Speisen lösend wirke. Seine u. später Spallanzani’s Versuche besonders gegen die Theorie v. den mechanischen ⦗Zerreibung durch die Magenwände⦘ Einflüssen des Magens auf die Verdauung. R. u. S. stellten zuerst Verdauungsversuche mit Magensaft ausserhalb des Magens an.

Nach Spallanzani (1783) Magensaft Universalauflösungsmittel f. alle Nahrungsmittel. (259) Carminati fand 1785, dass Magensaft ⦗Magenschleim, der immer die Hauptmasse des bis dahin gefundnen Saftes bildete⦘ fastender fleischfressender Thiere nicht sauer, bei verdauenden starksauer reagire. (259 u. cf. 260 ⎰). 1812 Montegre läugnet die Wirksamkeit des Magensafts; 1824 Prout beweist die Säure des Magensafts wieder u. dass sie primär nicht v. einer organischen, sondern v. einer anorganischen bedingt sei, der Salzsäure; Tiedemann u. Gmelin finden im Magensaft aus leerem Magen viel Schleim u. ausser Salzsäure auch Essigsäure u. Buttersäure; Berzelius Milchsäure. (260)

Von den 1830er Jahren an rasche Entwicklung: 1836 erst gefunden die Absonderungsorgane des Magensafts. (260 ⎰) Dann Beobachtungen der Magenabsondrung im lebendigen Menschen. (261 ⎰ weiteres) Ueber die Pepsintheorie. (261 ⎰⎰) Dann über die Peptone. (262)

Achtes Kapitel. Verdauungsvorgänge im Darm.

1) Dünndarm das Hauptverdauungsorgan: Der saure Speisebrei, der noch bedeutende Speisemengen unverändert in sich enthält, gelangt stossweiss in kleinen Partien durch den Pförtner in Dünndarm. Theilweis dauern die früher beschriebnen Veränderungen fort; Eiweissstoffe u. Stärkemehl noch möglichst vollständig gelöst u. diffusionsfähig gemacht, in Pepton u. Zucker; die im Magen eingeleitete Milchsaüregährung geht ebenfalls fort. Andrerseits im Darm die Fette verdaut, was bisher noch nicht; geschieht durch Darmschleif Darmschleim oder Darmsaft (v. der Darmschleimhaut u. den in ihr enthaltnen meist schlauchförmigen Drüsen geliefert); ausserdem ergiesst sich in den Zwölfingerdarm das Sekret des Pankreas (der Bauchspeicheldrüse[)] u. die Galle (Produkt der Leberabsonderung). Die Sekrete, die sich im Darm dem sauren Chymus zumischen – alkalisch; v. aussen nach innen schreitet daher im Chymus Umwandlung v. Reaktion in eine alkalische vor, die schon vor Mitte des Dünndarms vollendet ist. (262)|

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2) Darmschleimhaut u. Darmsaft.

Darmschleimhaut dünner als die des Magens; in ihr dichtgedrängt einfach schlauchförmige Drüsen – die Lieberkühnchen Drüsen –, sie senkrecht auf ihrer Oberhaut ⦗die Schleimhaut⦘ durchsetzend; wie in den Magenschleimdrüsen setzt sich in sie das Cylinderepithel der  Bei Ranke, S. 264: Darmoberfläche
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Darmfläche
fort u. kleidet sie vollständig aus; innere Darmoberfläche erhebt sich in Darmzotten. Rings um letztere öffnen sich die Lieberkühnschen Drüsen; im ganzen Darm verbreitet; jede Drüse zarte, v. Membrana propria gebildete Hüllen Hülle; Blutgefässe umpsinnen umspinnen sie. Nerven verfolgt bis in das submuköse Bindegewebe des Darms, wo sie reiche Geflechte bilden, worin grosse Anzahl v. Ganglienzellen – nervöse Bewegungs- und Sekretions-Centralorgane des Darms. Im obersten Abschnitt des Darms, auf das Duodenum beschränkt, auch noch traubenförmige Drüsen: Brunnersche Drüsen, in ihrem Bau, Gestalt, Grösse u. alkalischem Sekret analog den traubenförmigen Mundschleimhautdrüsen; stehn vom Pylorus an bis zur Einmündungsstelle des Gallenganges; bilden am Magen zusammenhängende Lage; sitzen unter der eigentlichen Schleimhaut, senden ihre Ausführungsgänge durch diese hindurch. Ihre Blutgefässe verhalten sich analog wie die der Schleimdrüsen der Mundschleimhaut. (264, 265)

Ausserdem noch reichlich „geschlossne Follikel“; den in den Schleimhäuten beschriebnen entsprechend gebaut, hier wie dort einfachste Lymphdrüsen, an welche die Lymphgefässkapillaren aus der Darmschleimhaut u. besonders aus den Zotten derselben herantreten u. von denen dann weitere Lymphgefässchen wieder abgehn. Solitäre Follikel od. zu Haufen vereinigte Preyersche Follikelhaufen. Im Dickdarm die geschlossnen Follikel zahlreicher als im Dünndarm, bes. gedrängt im Wurmfortsatz. (265)

Die Absonderungsflüssigkeit der Lieberkühnchen DrüsenDarmsaft od. Darmschleim. Wahrscheindich die Ganglienzellen des Darms selbst, welche die Absonderung anregen. Mechanische Reize od. chemische, z. B. Salzäure od. elektrische Reize durch Induktionsschläge auf die Schleimhaut selbst bringen ziemlich reichliche Sekretion hervor. Normal die abgesonderte Darm-Saftmenge sehr gering. (265) ⦗Oberfläche des Darms betheiligt sich auch an Bildung des Schleims; Lieberkühnchen Drüsen als Oberflächenvermehrung der Schleimhaut durch Einstülpung zu betrachten. 266⦘

Darmsaft wirkt bei alkalischer Reaktion verdauend auf Fibrin, Albumin, frisches Casein, gekochte u. frische Muskelsubstanz, vegetabilische Albuminate; es entstehn dabei wahre Peptone. Der Darmsaft verwandelt Stärke in Zucker, Rohrzucker in Traubenzucker. Oele werden emulgirt. (266)

3) Das Pankreas (Bauchspeicheldrüse); ihr Sekret das wichtigste. Es ist traubenförmige Drüse. Ihre Lappen u. Läppchen lösen sich in mikroskopische Drüsenbläschen auf, mit Membrana propria, im Innern mit Pflasterzellen ausgekleidet, ausgezeichnet durch Fettreichthum. Ausführungsgänge der Bläschen besitzt Cylinderepithel, ebenso der Hauptausführungsgang der Drüse: Ductus Wirsungianus. An seinen Wändchen kleine Drüschen, im Bau vielleicht auch Funktion, übereinstimmend mit der Bauchspeicheldrüse. (Weiteres p. 268) (⎰) Ausser dem Wirsung’schen Gang noch kleinerer Ausführungskanal aus dem Kopfe der Drüse entspringend, verbündet sich mit dem Hauptgang durch Seitenkanal, ergiesst über od. unter die Einmündungsstelle desselben seinen Inhalt in den Darm. Reichliche Blutgefässe im Pankreas; sehr reichliche Nervenstämme vom Sympathicus treten an den feinen Ausführungsgängen in zahlreiche Ganglien. Reichliche markhaltige Nervenfasern im Pankreas, die in den ausgebildeten Alveolen desselben endigen, wie in denen der Speicheldrüsen. (268)

Wenig bekannt über den Nerveneinfluss auf die Bauchspeichel-Absonderung, die etwa 5–6 Stunden nach der Nahrungseinnahme auftritt; scheint durch sensible Reize der Magenschleimhaut (z. B. Aether) reflektorisch angeregt zu werden. Nahrungsaufnahme, am meisten eiweissreiche, steigert sie; zeigt bei ihrer Thätigkeit in der Verdauung gesteigerten Blutzufluss. Im nüchternen Zustand schlaff u. weichlich, schwillt während der Verdauung an u. bekommt v. den gefällten Gefässen ein rothes Ansehn. Rohmaterial f. die Drüsenabsondrung also vom Blut geliefert; aber die Drüsenzellen verarbeiten das an sich indifferente Material zu dem eigenthümlichen Drüsensekret. (269)|

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4) Der Bauchspeichel: starkklebrige Flüssigkeit, ohne morphologische Bestandtheile, klar, farblos, alkalisch, v. salzigem Geschmack; festen Bestandtheile zwischen 10–12%. Natronsalze überwiegen in der Asche wie in der des Blutserums. (Nähere Analyse p. 269) Der Saft gibt alle Reaktionen einer alkalischen Lösung der Eiweissstoffe, enthält durch Essigsäure fällbares Kalialbuminat; coagulirt durch Erhitzen. (l. c.) Absonderung bei Menschen bei 64 Kilogramm Mittelgewicht soll etwa 150 Gramm Bauchspeichel mit 15 Gramm fester (organ. u. anorgan.) Stoffe betragen. (l. c.) ⦗aber scheint zu hoch, da die Drüse nur während der Verdauung stark absondert.⦘ An Stoffen fanden sich im Gewebssaft des Pancreas: Wasser, lösliches Albumin, Leucin ⦗mehr als in irgend einem andern drüsigen Organ⦘, Guanin, Xanthin, Milchsäure, flüchige flüchtige Fettsäuren (?), Inosit (?), Fette, anorganische Salze. Grösste Theil der organischen Salze besteht aus Eiweissen u. Fetten. (l. c.)

5) Wirkung des Bauchspeichels: 2 Pancreasfermente (v. Wittich) ein diastatisches (Zuckerbildendes) u. peptisches (Peptonbildendes) – Funktionen des pankreatischen Sekrets: 1) Umwandlung v. Stärkemehl in Zucker; 2) Verdauung der Eiweisssubstanzen, der leimgebenden Gewebe u. des Leims zu Peptonen; 3) Vorbereitung des Fetts zur Aufnahme in die Chylusgefässe. Die Wirkung des Bauchspeichels analog den Veränderungen, die man durch Kochen (mit Mineralsäuren) hervorrufen kann. Bauchspeichel verdaut nicht nur gekochte, sondern auch rohe Stärke; bei 35°C. Die Wirkung fast momentan; diese Zuckerbildung geht fort, uneinbeträchtigt unbeeinträchtigt durch Gegenwart v. Galle u. saurem Magensaft. ⦗bei Carnivoren in wildem Zustand, wo sie keine stärkemehlhaltige Nahrung geniessen, kann das Pancreas kein Zucker bilden; Beweis dass die Verdauung v. Eiweisskörpern in alkalischer Lösung eben so wichtig.[⦘] (270) Wie wird das Fett in die Lymphgefässe aufgenommen, durch die mit Wasser getränkten Gewebe hindurch, mit denen es sich ebensowenig mischt, wie Oeltropfen in mit Wasser befeuchtetes Papier eindringt? Pankreas bildet aus einem Theil des Fetts Seifen (eine mit Wasser mischbare Modifikation, welche das Gewebe durchsetzt), deren Eigenschaft es ist sich gleichzeitig mit Fett u. Wasser zu mischen, so müssen diese Seiflösungen, indem sie die Darmschleimhaut u. ihre Poren durchtränken, dem Fett den Durchgang durch diese Hautschichten ermöglichen ⦗ Brücke fand an der Darmoberfläche Zellen ohne Membran. Die Substanz der BauchBeicheldrüsen Bauchspeicheldrüsen, auch der blassen[,] u. das Sekret derselben zerlegt die neutralen Fette unter Bildung v. Fettsäuren, wodurch also Gelegenheit zu einer Verseifung der Fette gegeben, also ihr Vermögen sich mit Wasser zu mischen. Doch die Hauptmasse der Fette ohne Zerlegung resorbirt; aber die Seifenlösungen ermöglichen dem nicht zerlegten Fett den Durchgang durch die mit ihnen durchtränkte Hautschichte. Andrerseits – C. Bernard – bildet jeder Bauchspeichel mit Fett geschüttelt feine Emulsion, Fettstaub, aus dem sich die minimalen Fetttröpfchen nicht wieder abscheiden, könnten also als solche v. Darm aufgenommen werden.⦘ (p. 271)

Nach einiger Zeit der Einwirkung des Bauchspeichels die Peptone weiter gespalten in Leucin u. Tyrosin u. unbekannten Extractivstoffen, von denen einer (Indol) fäcal riecht. Das Leimpepton liefert bei weiterer Zersetzung Glycin u. Tyrosin anstatt des Tyrosins Glycin neben Leucin und Ammoniak. (272)

6) Die Leber: Neben dem Pankreassekret wirkt hauptsächlich das Sekret der Leber, die Galle, bei der Fettverdauung. Leber die grösste Drüse des menschlichen Organismus. Unterscheidet sich v. den übrigen Drüsen mit Ausgangsgängen Ausführungsgängen dadurch, dass sie sich nicht in v. einander getrennte Läppchen scheiden scheiden lässt, jedes mit eignem getrennten Ausführungsweg, unter einander durch Bindegeweb vereinigt. Das absondernde Gewebe sowie das Netz der Capillargefässe [stehen] in der menschlichen Leber überall in direkter Verbindung. (273) Nirgends Bindegeweb in derselben so reichlich, um Sonderung in Läppchen od. Inselchen zu stande kommen zu lassen. Dennoch in ihr kleine Gewebsabschnitte v. gewisser Selbsständigkeit, die man auch Leberläppchen od. Leberinselchen nennt. Die Individualisirung der Leber liegt vor allem in der Anordnung ihrer Gefässe. (l. c.)

Ihre Blutzufuhr aus Arteria hepatica, die vor allem zur Ernährung des eigentlichen Leberparenchyms (Gefässen, Gallengängen, Nerven etc) dient, sondern auch aus dem Venenstamm der Pfortader, die sich aus den Kapillargefässen des Magens, der Milz u. der Gedärme etc bildet. Sie löst sich in der Leber zu einem zweiten Kapillarnetze auf, so dass der Blutstrom in ihr |32 ungemein langsam. Ausser den 2 zuführenden Gefässen (Arteria hepatica u. Vena portae) die abführenden Gefässe, venae hepaticae, Lebervenen. Um die Läppchen herum feine Pfortaderzweige: Venae interlobulares, welche ein reiches Kapillarnetz in das Innere der Läppchen senden. Dort verbinden sie sich mit den arteriellen Kapillaren, deren feinste Stämmchen auch im Umfang der Läppchen verlaufen u. ergiessen ihr gemischtes Blut in ein grösseres Aestchen der Lebervene : Vena centralis od. interlobularis, regelmässig in der Mitte jeden Läppchens. Also die kleinsten zu- u. abführenden Gefässstämmchen durch die ganze Leber hindurch in regelmässigen Abständen von einander, während die Gefässe der einzelnen Läppchen überall in direkter Verbindung mit einander stehn. (273, 274) Die feinen gallenabführenden Gänge schliessen sich an die Pfortaderstämmchen, die Venae interlobulares an u. betheiligen sich damit an der schärfsten Abgrenzung der Läppchen, so dass jedes derselben v. einem reichen Gefässnetz rings umsponnen ist. Zwischen diesen Gefässen, die, von den Lymphgefässen abgesehn den übrig bleibenden Raum ausfüllen, befindet sich das absondernde Drüsengeweb der Leber zusammengesezt aus Leberzellen u. Gallenkapillaren. (273, 4)

Keine Membran der Leberzellen nachgewiesen; unregelmässig geformt, durch Druck abgeplattet; mit feinkörnigem sehr eiweissreichen gelblichen Protoplasma mit 1 od. 2 Kernkörperchen; im Inhalt grössere u. kleinere Fetttröpfchen u. gelbröthliche Farbstoffkörnchen. (274) Die Zellen liegen dicht neben einander, solides Netzwerk; besonders regelmässig um die Centralvene, wo wirklich strahlenförmige Anordnung. (274) Feinste Gallenkapillaren treten in die Läppchen zwischen die Leberzellen; sind Canälchen v. aüsserster Feinheit u. bilden kubische Maschenräume v. der Grösse der Leberzellen; verlaufen zwischen den Scheidewänden der Leber, so dass ihr Hohlraum meist v. 2 Zellen gebildet wird. (275) Weitere Lebergallengänge. (275, 276) In den Gallenwegen (od. Gallenkapillaren) Menge kleiner traubenförmiger Schleimdrüsen: Gallengangdrüsen (kommen auch in der Gallenblase vor) Lymphgefässe in der Leber. (Weiteres 276) Nerven der Leber stammen vom Sympathicus – Plexus coeliacus – und Vagus; reichlich; enthalten viel Ganglienzellen. Mit den Leberzellen treten theils markhaltige Nervenfasern durch feine in die Zellen eintretende Fibrillen in Verbindung, theils Bündel feinster Fasern. (l. c.)

2) Chemische Bestandtheile der Leberzellen: Viel Glycogen in ihr, das sich unter analogen Bedingungen wie Stärke in Zucker verwandelt. (276) Dann Eiweiss. (l. c.) Blassen Körnchen, bei starker Vergrösserung stets in allen Leberzellen wahrnehmbar; Glycogen diffus im Zellinhalt ⦗färbt sich tiefroth mit Jod⦘; daneben kleine Bestandtheile v. wahrem Zucker  Zusatz von Marx.
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; specifische Gallenbestandtheile; Leber enthält ein sacharificirendes Ferment, das auch in der Galle. (277) Glycogen ein wahres Kohlehydrat = C6 H10 O5 (wie Stärke) (Scheint verschiedne Wassermengen chemisch binden zu können, da man auch findet: C6 H12 O6 u. C6 H14 O7)

Lösung des Glycogen im Wasser milchig trüb; reducirt Kupferoxyd in alkalischer Lösung nicht, wodurch es sich v. Traubenzucker unterscheidet. Kochen mit verdünnter Schwefelsäure od. Salzsäure, der Speichel, pankreatischer Saft verwandeln Glycogin erst in Dextrinähnlichen Stoff, dann in Traubenzucker. Dasselbe thut kaltgewonnenes wässriges Leberextrakt u. Blutserum, so dass in diesen zuckerbildendes Ferment wie in den Speicheldrüsen u. Pankreas anzunehmen (auch isolirt worden durch Wittich) (277) Der im Leberextrakt gewonne gewonnene Zucker also ableitbar aus der Umwandlung des Glycogin. (l. c.) ⦗Pfortaderblut enthält kein Zucker, wohl aber Lebervenenblut; ein Beweis f. die Abstammung des Zuckers aus der Leber.⦘. Die Glycogenmenge der Leber steht unter Beeinflussung der Nahrungsmittel (Näheres 277 ⎰⎰) ⦗Nahrung mit Kohlehydraten wie Zucker bewirkt Fettansatz im Organismus, setzt daher den Eiweissverbrauch in der Ernährung herab, daher Aufspeicherung seiner Zersetzungsprodukte, worunter das Glycogen. So käme der Zucker nicht direkt aus der Nahrung, sondern aus der Zersetzung des Eiweiss u. der Umwandlung des gebildeten Glycogens innerhalb der Leber in Zucker. (Aber Stärke od. Zuckerreiche Nahrung erlaubt diese Zersetzung, indem sie Aufsammlung der Zersetzungsprodukte in der Leber bewirkt.) (277)[⦘]Glycogen kommt auch in den Organen, namentlich den Muskeln der Embryonen vor; auch in denen erwachsner Individuen; in vielen jugendlichen Zellen neben wahrem Zucker⦘

Eiweiss z. Th. in den Leberzellen als Kalialbuminat enthalten; fällt beim Ansäuren mit Essigsäure heraus. ⦗Der Gewebssaft der Leber alkalisch im Leben; säuert nach dem Tod; Säurung geschieht wie in den Muskeln |33 durch Auftreten der Milchsäure, die in Lebern v. Menschen u. Thieren nachgewiesen⦘ Durch die Gerinnung des Albuminats wird die Leber todtenstarr wie der Muskel, wodurch sie fester erscheint; an der Erstarrung auch betheiligt das bei der Abkühlung festwerdende Fett der Leberzellen. (278) Neben noch unerforschten Fetten finden sich in der Leber Olein, Stearin, Palmitin; Spuren v. Choleristin Cholesterin im Leberextrakt. (l. c.)

Harnstoffbildung in der Leber: Harnsäure, Sarkin u. Xanthin stets in der Leber; auch ziemliche Menge v. Harnstoff von dem sie eine Hauptbildungstätte im Organismus zu sein scheint. (278) ⦗Harnstoff auch in Milz, Lunge, Gehirn

Zusammensetzung der Leber (278 ⎰) In der Asche: Phosphorsäure 50.18%, Kali 25.23, Natron 14.51, Kalk 3.61, Chlor 2.58, Eisenoxyd 2.34 u. dann unter 1% in folgender abnehmender Reihenfolge: Schwefelsäure, Kieselsäure, Magnesia, Manganoxyd, Kupferoxyd, endlich Bleioxyd (v. letztem nur 0.01%) Nur ein Theil der in der Leber gefundnen Stoffe geht in die Galle über u. kommt dadurch f. die Verdauung in Betracht. Ein nicht unbedeutender Theil (Zucker) geht aus den Leberzellen in das Blut zurück, woher die Leber das Material ihrer Produkte bezogen. (278, 279)

3) Galle: normal vollkommen flüssig, ohne geformte Beimengungen; als zufällige Bestandtheile [findet man] abgestossne Cylinderzellen der weiteren Gallengänge, hier u. da Pflasterzellen aus den Gallenkapillaren. In der Menschengalle, bei Sektionen, hier u. da kleinere od. grössere Fetttröpfchen u. Farbstoffkörnchen, selten Gallenfarbstoff in röthlichen Nadeln ausgeschieden. (279)

Frische Blasengalle reagirt auf Pflanzenpapier neutral od. schwach alkalisch. Letztere Reaktion ertheilt ihr die ziemliche Beimischung v. Schleim, dem Absonderungsprodukt der in den Ausführungshohlräumen befindlichen Schleimdrüsen. Farbe in der Gallenblase gelb, grün, braun bis schwarzbraun. (l. c.) (In der Luft färbt sich gelbe Galle grün)

In der wässrigen Flüssigkeit der Galle folgende sie charakterisirenden Stoffe gelöst: Gallensäuren, nämlich: die stickstoffhaltige Glycocholsäure u. (ausser Stickstoff auch Schwefel in ihrer Zusammensetzung besitzende) Taurocholsäure. (Glycocholsäure = C26 H43 NO6; die Taurocholsäure = C26 H45 NSO7 in der Galle gebunden an Alkalien, namentlich Natron. Die gallensauren Alkalien verhalten sich wie Seifen = fettsaure Alkalien, lösbar in Wasser, aber auch mischbar mit Fett u. Oelen, wodurch sie ihre Hauptbedeutung f. Fettresorption im Darm erhalten) Beide Stoffe gepaarte Verbindungen der Cholsäure, die selbst stickstofflos. Cholsäure gepaart mit Glycin giebt der Glycocholsäure das N, gepaart mit Taurin (worin N u. S) giebt Taurocholsäure. Das Glycin (auch Glycocoll od. Leimzucker) kommt in der Galle nicht nur an Cholsäure gebunden vor. Gepaart mit Benzoësäure in Blut u. Harn als Hippursäure; ist Zersetzungsprodukt des leimgebenden Gewebs u. des Eiweisses. ⦗künstlich dargestellt worden⦘ Durch Erhitzen der Cholsäure bei 200°C bildet sich, so wie durch Kochen mit Säuren, das Dyslysin. In den Gallensäuren nur spurweis Kali; die Gallensäuren geben der Galle den bittern Geschmack. (279, 280)

Bilirubin (Gallenfarbstoff) (sieh 280) ⦗kann durch Oxydirende Einwirkung in Biliverdin u. Bilifuscin übergehn⦘

Ausserdem in Galle geringe Mengen v. Fett, theils als solches, theils mit den Alkalien verseift; ferner Cholesterin in Lösung gehalten durch die Salze der Gallensäuren; auch Zersetzungsproducte des Lecithin, als da: Cholin (Neurin) u. Glycerinphosphorsäure. Allgemeine Zusammensetzung der MenschenGalle (280 ⎰) Aschenbestandtheile der Ochsengalle (Chlornatrium 27.70% Natron 36.73, dagegen Kali nur 4.80%. Phosphorsäure 10.45, Kohlensäure 11.26, Schwefelsäure 6.39, Kalk 1.43 etc l. c.)

Das Verhältniss zischen zwischen Natronsalzen u. Kalisalzen in der Leber grade umgekehrt. (l. c.) ⦗Die Schwefel-säure ganz erst durch die Verbrennung zur Asche gebildet, die Kolensäure Kohlensäure theilweis.⦘

8) Gallenabsonderung: Stetig, geschieht unter geringem Druck. Steigt der Druck in den Gallengängen z. B. durch Verschliessung des Ausführungsgalls Ausführungsganges, so tritt die Galle in das Blut zurück; Gallenstoffe (Farbstoff u. Gallensäuren[)] treten dann im Harn auf, Schleimhäute u. Haut färben sich gelb. (Icterus). Nerveneinfluss direkt auf Gallenabsondrung nicht nachgewiesen. Der Vagus einige indirekte Bedeutung; verändert momentan die Ausscheidungsweise auf mechanischem Weg, indem er die Athembewegungen insgesammt, also auch die Bewegungen des Zwerchfells beeinflusst. Zwerchfell steigt herab bei Einathmung, übt Druck auf Baucheingeweide mit Leber aus; so wird ihr Sekret mechanisch |34 herausgedrückt. Ebenso wirkt der nach Nahrungsaufnahme gesteigerte Druck in der Bauchhöhle, herrührend v.  Bei Ranke, S. 281: Anfüllung
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Ausfüllung
v. Magen u. Darm, auf die mechanische Entleerung der Gallengänge. Keine Muskeln zu dieser Auspressung in der Leber wahrnehmbar. (281 sieh ⎰ ib.) Ausser diesem aüsseren Druck „Nachrücken“ der fort u. fort in den Leberzellen sich bildenden Galle, die die schon in den Ausführungsgängen angehäufte vor sich herschiebt. In der Gallenblase sammelt sich die secernirte Galle, wird da durch die Wasserresorption etwas concentrirt u. während der Dünndarmverdauung in grösseren Mengen in den Darmkanal ergossen, worin sie sonst stetig in kleineren Mengen abfliesst. Die Entleerung der Gallenblase erfolgt durch Contraction ihrer Muskulatur, künstlich herbeiführbar durch Rückenmarksreizung. (282)

9) Die Gallenbildung. (Näheres 282, 283)  Mit Bleistift geschrieben.
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(⎰ etc)

10) Einfluss der Nahrung auf die Leberthätigkeit: Gallenabsonderung (feste Stoffe) steigt v. der dritten bis achten Stunde v. der Zeit der reichlichsten Verdauung der Eiweissstoffe, von da sinkt die Absonderungsgrösse stetig. Gallenmenge wächst mit der procentischen Menge v. Eiweissstoffen, in der Nahrung gegeben; Fett (in der Nahrung) vermindert sie, wie es überhaupt den Eiweissumsatz im Organismus herabsetzt. (l. c.) Menge der in gewisser Zeit entleerten flüssigen Galle unter Einwirkung der in den Leberblutgefässen circulirenden Flüssigkeitsmenge. (l. c.) Oertliche Blutverminderungen in den Lebergefässen vermindern od. sistiren die Gallenabsonderung; dasselbe wenn durch gesteigerte Arbeitsleistung der Muskulatur den Drüsen u. vor allem der Leber Blut entzogen wird, das dem arbeitenden Organ in gesteigerter Menge zuströmt. (284) Umgekehrt kann durch Vermehrung der Flüssigkeitsmenge in den Leberblutgefässen die flüssige Gallenabsonderung gesteigert werden. (l. c.)

160–1200 Gramm in 24 Stunden v. Menschen Galle geliefert in Durchschnitt. (284)

Mittlere Zusammensetzung v. Lebersekret u. Blasengalle. (p. 284) ⦗bei Mensch⦘ Die Asche des Lebersekrets 14.8% im Mittel, die Blasengalle nur 6%; scheint also neben Wasser auch anorganische Salze in der Gallenblase resorbirt zu werden. (285)

Zucker- u. Gallenbildung der Leber [gehen] nicht Hand in Hand; durch verschiedne Vorgänge geliefert; bei niedern Thieren können es sogar 2 verschiedne Organe sein, die Zucker u. Galle liefern. Glycogenbildung (im Gegensatz zu Gallenbildung) steigert sich nach Aufnahme der Nahrung, sinkt zur Zeit des Maximums der Gallenabsonderung. (l. c.) (Sieh weitere Zahlen über tägliche Gallenauscheidung Gallenausscheidung beim Menschen (feste u. flüssige[)] 285, 286)

Gewicht der Leber eines erwachsnen Mannes 1600 Gramm (ausgeschieden in 24 Stunden 20.62 Gramm feste Galle. (286)

10) Nutzen der Galle f. die Verdauung: Einwirkung bes. auf das Fett; Galle hat auf die neutralen Fette keine chemische Einwirkung; Fettsäuren kann sie lösen, indem sie dieselben an Alkalien bindet u. verseift, aber nur wenig Fettsäuren im Darm (hervorgehend aus der Fettzerlegung durch Bauchspeichel) (286) Galle – wie Bauchspeichel u. Darmsaft – hat die Fähigkeit zur staubförmig feinen Vertheilung der Fette, aber weniger wie jene Sekrete. Wichtigste Eigenschaft derselben f. die Fettverdauung – dass sie sich mit Fett sowohl als Wasser zu mischen vermag. Dadurch, dass sie in den Darm ergossen, in die Schleimhaut eingesaugt wird u. die feinen kapillaren Oeffnungen der Darmzotten erfüllt, bahnt sie den Weg für den Fetteintritt. So lange die Zellenmollekuleröffnungen Zellenmolekularöffnungen nur mit Wasser od. wässrigen Lösung durchtränkt, wie es sonst alle thierischen Gewebe sind, so lange kann Fett sich nicht in sie einsaugen, da es sich nicht mit Wasser zu mischen vermag. Erfüllt aber statt Wasser eine Gallenlösung die Zellenmolekularöffnungen, so kann das Fett, da es sich mit Galle mischt, eindringen. Experiment nachzumachen an 2 Papierfiltren, eins mit Wasser, das andre mit Galle getränkt; erstes f. das Oel ganz undurchgängig, zweites lässt es durch. Die Galle erleichtert auch den Durchgang des Fettes durch Kapilarröhren Kapillarröhren . Wirkung der Galle auf das Fett also vorwiegend mechanisch. (p. 286, 287)|

35

Für die Eiweissverdauung die Galle indirekte Nutzung; sie fällt Syntonin od. Parapepton (Lösungen v. Eiweissstoffen in sehr verdünnter Salzsäure) so wie die eigentlichen Peptone u. Pepsin. Es schlägt die Eiweissstoffe an der Darmwand nieder, die hier angeklebt den verdauenden Einwirkungen des Bauchspeichels u. des Darmschleims für längere Zeit ausgesetzt bleiben, so dass sie besser verdaut ausgenützt werden können. In schwachen Alkalien löst sich der Niederschlag durch Gallen wieder auf. Diese füllende Wirkung kann die Galle also nur im Magen u. obern Theil des Darms, wo noch saure Reaktion herrscht, ausüben. Pepsin schon durch Spur von Galle niedergeschlagen; ihr Eintritt in Magen unterbricht dort ganz die Verdauung f. längere Zeit. (287)

Sacharificirende Wirkung der Galle: kann aus Stärke Zucker bilden. (l. c.)

Nur kleiner Theil der Galle, die so reichlich in Darm gelangt, in Koth ausgeschieden; die Galle also im Darm grösstentheils wieder resorbirt od. umgewandelt u. zerstört. (l. c.)

Im Kothe verhindert die Galle die faulige Zersetzung. Ins Blut aufgenommen (bei Icterus) stört sie bes. in Nerven u. Muskeln die normalen Stoffwechselvorgänge, worauf die mechanischen Leistungen der Organe beruhn; Zuerst Herzbewegungen verlangsamt. Frische Lebersekret zeigt im Blut keine solche Einwirkung. (287)

12) Historische Bemerkungen. (287–289)

13) Zur Entwicklungsgeschichte (289–290)

14) Zur vergleichenden Anatomie u. Physiologie. (289–293)

15) Verdauung im Dickdarm: Unter der Einwirkung v. Bauchspeichel, Darmsaft u. Galle legt der sich immer mehr verändernde Speisebrei seinen Weg durch Dünndarm zurück u. gelangt in den Dickdarm – das Coecum. Secret der Coecumschleimhaut alkalisch, nicht wesentlich unterschieden v. der sonstigen Darmschleimhaut. Die saure Reaction im Coecuminhalt hat Ursache in Milchsäuregährung, der vegetabilische Stoffe hier wie wahrscheinlich im ganzen Darm unterliegen. ( Brücke ) Daher Säure im Coecum am stärksten bei rein vegetabilischer Nahrung. Ferner gelangen beim Menschen ins Coecum: unverdauten Reste aller aufgenommenen Speisen; in seinem Inhalt noch unveränderte Eiweissstoffe, Fette, Stärkemehl etc. Abgesonderte Darmsaft mit der Milchsäuregährung wirkt hier noch auflösend. Stets hier sich findend Buttersäure u. Milchsäure als Zersetzungsprodukte des Zuckers. Aufsaugung in Dickdarm noch sehr lebhaft ⦗zeigt darauf auch sein Reichthum bes. in seinem Wurmfortsatz an geschlossnen Follikeln⦘ Wasserverlust des Speisebreis, der ihn in Koth umwandelt, geht hier z. Th. vor sich. (294) Liefert geringe Quantität Darmsaft; stammt auch hier aus den Lieberkühnschen Drüsen. Der künstlich abgesonderte, filtrirte Saft versetzte (bei Versuchen) Stärke in Zucker, der unfiltrirte, noch abgestossne Cylindercellen u. Pflanzenreste aus der Nahrung enthaltend, setzte den entstandnen Zucker noch weiter in Milchsäure u. Buttersäure um durch Gährung. (295)

16) Der Koth: im Rectum der Koth endlich fertig. Rest des Speisebreis verliert an Wasser; die Farbe, v. den veränderten Gallenfarbstoffen herrührend wird immer dunkler, Gestank meldet sich. Die Reaktion wird durch die mittelst Gährung gebildeten Säuren (Buttersäure u. Essigsäure) fast immer wieder sauer, nachdem sie im Dünndarm durch den Zusatz v. alkalischen Sekreten v. aussen nach innen fortwährend alkalisch geworden. Flüchtige Fettsäuren, gemischt mit den übelriechenden Produkten der Pankreasverdauung, erzeugen den Kothgeruch. Neben unverdaulichen im Koth auch unverdaute, an sich verdauliche Stoffe. Besteht aus gelbgefärbten, zerstückelten Muskelbündelchen, Bindgeweb, elastischen Fasern, Käsestückchen, Stückchen v. hartem Eiweiss; Pflanzenresten als da sind: Spiralfasern, Zellen mit Chlorophyll, Stärkekörnchen etc; dazwischen Nadeln v. Fettsäuren, manchmal die charakteristischen Tafeln der Cholesterincrystalle; im flüssigen Koth mehr od. weniger zerstörte Cylinderzellen. (395 295)

Ausser den abgestossnen Epithelzellen mit ihrem Inhalt in ihm auch die Ueberbleibsel der in den Darm ergossnen Verdauungssäfte, die z. Th., aber nicht vollständig wieder resorbirt werden. Schleim fehlt niemals in ihm; Gallensäuren zersetzt. Die Glycocholsäure u. Taurocholsäure unterliegen Spaltung, deren Produkte freie Cholsäure u. deren Umsatzprodukte Choloidinsäure u. Dyslysin. (296)|

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Zusammensetzung des Koths wechselt natürlich mit Nahrung; nach sehr reichlicher Fleischkost z. B. fast ganz v. der Zusammensetzung des Fleisches mit unverdauten Fleischfasern, theils erhalten, theils in den verschiedensten Formen der Maceration u. des Verfalls. (296)

Von den darin enthaltnen Salzen Hauptmasse: Magnesia- u. Kalksalze; Kali u. Natronsalze zurücktretend. Viel Phosphorsäure. Wassergehalt im normalen Koth etwa 75%. Täglich v. Mensch etwa 30 Gramm fester Stoffe im Koth abgegeben; anorganische Kothstoffe meist unlöslich in Wasser; in der Nahrung genossene organisch saure Salze im Koth in kohlensaure Salze verwandelt. (296)

Pathologisches Verhalten des Menschenkoths. (296, 297) (10 Liter Wasser allein aus den Verdauungsäften (Speichel, Magensaft, Galle, Bauchspeichel, Galle, Darmsaft) in 24 Stunden in den Darm ergossen.) Darmkatarrhe (übermässige Abgabe der Schleimhaut) (296, Alloxan 297 ⎰⎰)

Die Salze des Kothes: Kalk, Magnesia u. Phosphorsäure vorherrschend. Die löslichen Salze werden aus Darmsaft völlig absobirt. Die unlöslichen Aschenbestandtheile der organisirten Stoffe sind mit diesen in inniger Verbindung. Fast alle Eiweisssubstanzen der Pflanzen u. Thiere liefern bei der Veraschung neben phosphorsaurem Kali die unlöslichen Verbindungen des Kalks u. der Magnesia mit Phosphorsäure, die an sich nur in Säuren löslich sind. So innig verbunden mit den organischen Substanzen, dass sich diese z. Th. in Wasser, z. Th. in alkalische Flüssigkeiten auflösen, ohne ihre Phosphate auszuscheiden; ebenso wenig findet das statt bei Lösung derselben im alkalischen Pankreas- od. Darmsaft. Durch die Verdauung werden diese Salze v. den organischen Stoffen getrennt mit denen sie verbunden waren; Resultat der Verdauung also Bildung freier nicht mehr löslicher Salze, die sich nun z. B. als phosphorsaure Ammoniak-Magnesia ausscheiden können. Soweit sie aufgenommen werden, treten sie noch mit den verdauten Eiweissstoffen verbunden in die Säftemasse ein, so dass das Eiweiss zu ihrer Verdauung bes. wichtig. Die meist saure Reaction des Dickdarminhalts begünstigt eine theilweise Aufnahme derselben, wie die Reaction des Magensafts. (298) Aehnlichkeit mit der Fäulniss l. c. ⎰) ⦗in der Abtrennung durch die Verdauung der phosphorsauren Salze v. ihren organischen Bestandtheilen⦘

17) Gase im Darm. (298–301) ⦗Im ganzen Verdauungskanal Gase, z. Th. aus der Luft stammend (mit dem schäumenden Speichel in den Magen herabgeschluckt) u. v. da in Darm⦘. Der verschluckte O im Magen zu chemischen Aktionen verwendet od. v. den Blutkapillaren aufgesaugt. Magenathmung. Für 1 Vol. aufgenommenes O im Magen 2 Vol. Kohlensäure. In den Gasen der Gedärme fehlt O ganz od. im Dünndarm höchstens in Spuren vorhanden. Die Magengase (Kohlensaüre u. Stickstoff) mischen sich dem Darminhalt bei, der zunächst in Folge v. Buttersäuregährung noch Kohlensäure u. H, etwa in gleichem Volum, zumischt. Ausser diesen 3 Gasen findet man im Dickdarm noch s. g. Gruben- od. Sumpfgas, d. i. den leichten Kohlenwasserstoff CH4 u. zuweilen Schwefelwasserstoff; letzterer tritt nur nach dem Genuss v. Fleisch auf, scheint so aus der Zersetzung der Albuminate im Darm zu stammen. Wasserstoff u. Kohlenwasserstoff rührt v. den im Darm vorgehenden Gährungsvorgängen her. (298, 299)

Ruge u. die Dickdarmgase (299 ⎰) Menschliche Faeces, der freiwilligen Zersetzung an der Luft überlassen, fahren fort CO2, H, CH4 u. Spuren v. SH zu entwickeln. (299)

Die im Organismus entstehenden aus der Verbrennung stammenden Gewebsschlacken zeigen sich fast alle als starke Gifte, möglichst rasch aus dem Körper durch Athmung u. Harn zu entfernen, um die Lebensvorgänge nicht zu beinträchtigen beeinträchtigen od. vernichten. (299)

Neuntes Kapitel: Die Mechanik der Verdauung: Chylus u. Lymphe.

I) Bewegung der Nahrungsstoffe im Nahrungsschlauch.

1) Allgemeine Uebersicht: Reihe mechanischer Vorgänge; theils dazu bestimmt, die chemischen Aktionen zu ermöglichen u. unterstützen; theils um die gelösten Nahrungsmittel aus dem Darmkanal in die Säfte des Organismus überzuführen. (302)|

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2) Mechanik der Mundverdauung.

Aufnahme der Nahrungsstoffe: Oeffnen des Mundes durch Herabsenken des Unterkiefers. (p. 303) Einsaugen u. Einschlürpfen v. Flüssigkeiten beruhn auf einer Luftverdünnung innerhalb der Mundhöhle. Beim Saugen (bei Säuglingen z. B.) wird der Luftabschluss durch Erweiterung der Mundhöhle erzeugt, indem der ganze Mundhöhlenboden sich senkt; die möglichen Luftzugänge in der Nasen- u. Rachenhöhle durch die vorderen Gaumenbogen u. die Zunge abgeschlossen. Die Mundspalte geschlossen durch bestes Anlegen der Lippe um das die Flüssigkeit haltende Gefäss, z. B. Flaschenmündung. Beim Einschlürfen der Luft innerhalb der Mundhöhle verdünnt durch rasches Einziehn eines Luftstroms. Beim gewöhnlichen Trinken die Mundspalte mit der Flüssigkeit selbst verschlossen u. der Brustraum erweitert bei vollkommnem Abschluss aller Zugänge zur Mundhöhle; durch die dabei entstehende Luftverdünnung in der Mundhöhle die Flüssigkeit angesaugt. (l. c.)

Speisen verkleinert durch die Kiefer mit ihren Zahnreihen. Durch die Muskulatur der Lippen, Wangen u. Zunge die Speisen zwischen diese Schneide- u. Quetschapparate hereingepresst, gehalten u. wieder daraus entfernt, um nach inniger Mischung mit Speichel zum Bissen geformt zu werden. (l. c.)

Zunge das wichtigste dieser Organe; ihre Bewegungsfähigkeit ermöglicht durch Netzgeweb vielfältig getheilter quergestreifter Muskelfasern. Beschreibung der Zunge (303–304) ⦗Theil der Muskelfasern verläuft ausschliesslich in der Zunge, wo das dünne, die Zunge in zwei seitliche Hälften spaltende Fasergewebe des Septum linguae (Zungenscheidewand) Ansatzpunkte f. sie schafft u. auch an Schleimhaut der Zunge zahlreiche Muskelfasern mit mikroskopischen Sehnen angeheftet; grösste Menge der Fasern aber entspringt von Unterkiefer, Zungenbein u. Schläfenbein; nur an der Zungenspitze kaum mehr v. einander unterscheidbar verwebt. Im Allgemeinen 3 Verlaufsrichtungen der Zungenmuskulatur: der Länge nach, quer u. senkrecht. Innere Kern der Zungenmuskelmasse vor allen die beiden Kinnzungenmuskeln (Genioglossi) u. der quere Zungenmuskel (Transversus linguae)[.] Zu beiden Seiten des Septum linguae verläuft in fächerförmiger Ausbreitung der Genioglossus, die Mitte des Organs v. der Spitze bis zur Wurzel einnehmend. Seine Bündel direct aneinanderstehend an ihrem Ursprung am Kinn u. in der Mitte des Organs, spalten sich aber dann in viele senkrecht neben einander zur ganzen Oberfläche der Zunge aufsteigende u. dort endende Blätter, zwischen die sich [die] querlaufenden Fasern des Transversus ganz regelmässig einschieben u. die überbleibenden Zwischenräume ausfüllen. Auch der Transversus zerfällt, da er jederseits v. dem Septum entspringt, in zwei getrennte Hälften; seine oberen kürzesten Bündel enden an den Seitentheilen des Zungenrückens an der Schleimhaut; die übrigen Fasern inseriren sich an den eigentlichen Zungenseitenrand. Der Genioglossus u. Transversus linguae gleichsam eingehüllt v. Hyoglossus, Styloglossus, dem Longitudinalis inferior u. superior. Complicirte Verlaufsrichtung der Zungenmuskeln noch verwickelter durch die vielfältige Theilung der einzelnen  Bei Ranke, S. 304: Muskelprimitivbündel
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Muskelprimitivfasern
an ihren Enden
.⦘ ⦗Nach Kölliker : die senkrechten Fasern stammen v. Genioglossus in der Mitte jeder Zungenhälfte, an den Seiten v. dem Longitudinales Longitudinalis u. dem Hyoglossus, an der Zungenspitze kommen noch die selbstständigen Fasen des Perpendicularis hinzu. Diese Fasern spalten sich alle in senkrecht stende stehende Blätter in deren Zwischenräume sich die querlaufenden Fasern v. Transversus u. Styloglossus einschieben. Meist unter der Schleimhaut liegen die Längsfasern v. Longitudinalis superior, Long. inferior u. Styloglossus stammend⦘

Da die Zunge mit dem Zungenbein u. dem Unterkiefer durch ihre Muskeln verbunden ist, muss sie passiv allen Bewegungen dieser Knochen folgen. (305)

Durch die Zusammenziehung der senkrechten Fasen Fasern wird die Zunge breit u. glatt; die Contraction der Querfasern verlängert sie bei erschlafften Längsfasern; bei gleichzeitiger Thätigkeit der Längs- u. Querfasern wird sie rundlicher, dicker Zapfen; Verkürzung wird erzeugt durch die contrahirten Gesammtlängsfasern. (l. c.) (weiteres ib.)

Die Muskelfasern erhalten ihre Bewegungsantriebe vom Nervus Hypoglossus, auf dem die Bewegungsfähigkeit, vor allem beim Sprechen beruht. (l. c.) Beim Kauen der Speise v. der Zunge u. der übrigen Muskulatur der Mundhöhle einfache Dienste verlangt, indem sie den Mundhöhleninhalt nur in der Mundhöhle umher zu bewegen, einzuspeicheln (i. e. mit Speichel zu mischen) u. zwischen die Zähne zu bringen haben. Beim Kauen vor allem die Kiefer thätig. (l. c.)

Zur Entwicklungsgeschichte: Die Mundhöhle ist nicht v. Anfang an in Verbindung mit der Darmhöhle; sie entsteht als buchenförmige buchtförmige Einstülpung des Hornblatts, die erst später in den Darmkanal durchbricht. (306) (Weiteres ib. ⎰)|

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3) Die Zähne: Krone (frei über dem Zahnfleisch hervorragend), Hals (v. Zahnfleisch bedeckt) u. Wurzel (eingekeilt in den Kiefer (Alveole)[)]. Im Innern Höhlung, ausmündend in die Wurzelspitzen, erfüllt mit Pulpa (nerven[-] u. gefässreiches Geweb; durch feine Kanälchen, die den Zahn durchziehen u. in die Zahnhöhle ausmünden, geschieht die Zahnernährung. Wurzel v. Cement überzogen (zeigt den Bau der Knochensubstanz); Krone bekleidet v. Schmelz; das innere Zahngewebe als Zahnbein od. Elfenbein bezeichnet. (307) Die Zahnkanälchen haben besondre Wand. Zahnbein ist modificirte Knochensubstanz. Pulpa dentis (Zahnkeim) Art Bindegewebe mit vielen runden od. ovalen kernhaltigen Zellen. Zwischensubstanz ist faserig. Das eintretende arterielle Stämmchen spaltet sich mehrfach, zerfällt erst im Zahnkeim in Kapillaren. Die Aussenfläche des Zahnkeims besetzen cylindrische Zellen mit länglichem Kerne, die feine weiche Fortsätze in die Zahnkanälchen aussenden, welche letztere ganz ausfüllen – Dentinzellen. (307, 308) Der Cement beginnt an der Grenze der Schmelzschicht mit dünner Lage, erreicht seine grösste Dicke an der Wurzel. Zu ihm ästig verzweigte Knochenzellen, verbunden theils unter einander, theils mit einzelnen Zahncanälchen. Schmelz od. Email besteht aus langen, dicht zusammengefügten, meist sechseckigen Fasern od. Säulen (Schmelzprismen od. Schmelzsäulen); wird noch v. sehr hartem homogenen Häutchen überzogen, Schmelzoberhäutchen. (308) (Höhlungen f. Ernährungsflüssigkeiten bilden im Schmelz nur unregelmässige Spalten)

Zahnbein u. Cement dieselben Mineralbestandtheile wie Knochen, sind eingelagert in eine organische leimgebende Grundmasse. (Chem. Zusammensetzung p. 109) (Im Schmelz bis 4%  Bei Ranke, S. 309: Fluorcalium
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Fluorcalcium
, mehr als in den Knochen) (Wassergehalt des Zahnbeins bis 10%) Nerven sehr entwickelt; in jede Wurzelöffnung dringt ein dickerer Theil der nervae nervi dentales u. noch mehre (bis 5) feinste Reiserchen, bildend im dickern Theil der Pulpe reichliches Netz, worin Nervenröhrentheilungen. (l. c.)

Zur Entwicklungsgeschichte der Zähne. (309 ⎰) (310) Die Papillen der Schleimhaut der Mundhöhle können zu Zähnen umgebildet werden 1) durch Verhornung ihres Epithels (z. B. die Hornzähne des Ornithorhynchus), 2) durch Verkalkung der Bindesubstanz (zuerst an den Fischzähnen erkannt) (310) ⦗Die Zähne der Fische, Amphibien, Reptilien nur verknöchertes Bindegeweb, bestehn also nur aus Elfenbein u. Zahnbein; bei vielen Fischen der ganze Zahn solid, ohne Pulpa. Schmelz u. Cement mangeln den Zähnen der niederen Wirbelthiere; kommen nur zum Zahn, wenn dieser sich in Zahnsäckchen (sieh 309 ⎰) bildet. Auch den Stosszähnen der Elefanten fehlt der Schmelz. 311⦘

4) Bewegung des Kiefer u. Schluckact: Nur der Unterkiefer frei beweglich; seine Bewegung erzeugt durch die Wirkung des Pterigoideus externus jeder Seite. Die Kaumuskeln vom Trigeminus – vor allem vom Nervus crotaphyticobuccinatorius des Ramus maxillaris inferior versorgt. (311)

Schluckakt. (312, 313) Alle übrigen Oeffnungen geschlossen bleibt dem Bissen nur der Weg in den Schlundkopf, der ihm entgegenkommt bei gleichzeitiger Hebung des Kehlkopfs; aus dem Schlundkopf übergiebt ihn eine Zusammenziehung des Schlundschnürers an die Speiseröhre, die sich oberhalb um den Bissen zusammenschnürt, so dass er durch die Contraction v. oben nach unten fortgeschoben wird. Sobald er fortgerückt, erweitern sich die vorher contrahirten Partien der Speiseröhre wieder, während die direkt über dem Bissen liegenden sich zusammenziehn, so dass die Bewegung des Bissens „wurmförmig“, wie die Bewegung eines Wurms v. oben nach unten. Ganz ähnliche Bewegungen in Magen u. darm Darmperistaltisch; ganz regelmässig folgt auf die Zusammenziehung eines höher gelegnen Stücks die eines tiefer gelegnen. Wenn die Bewegung – krankhaft – umgekehrt, so antiperistaltisch. (312, 313)

5) Nervöse Einflüsse auf Kauen u. Schlucken: Kauen u. Schlucken sind, soweit sie vom Willen eingeleitet werden, coordinirte Bewegungen; Centrum der coordinirten Kaubewegungen in der Medulla oblongata, Sitz der Mehrzahl der unteren Bewegungscenten ⦗im Gegensatz zu den oberen im Gehirn⦘; dort sitzt der die Kaumuskeln direkt u. regelmässige beeinflussende nervöse Apparat, der vom Gehirn aus durch einen einzigen Willensanstoss in Thätigkeit versetzt [wird], wie das Abschieben einer Hemmungsvorrichtung ein ruhendes oder aufgezognes |39 Uhrwerk zu seinem mannigfaltigen Spiel veranlasst. (313, 314)

Bei dem Schluckakt grosstheils quergestreifte Muskelfasern betheiligt; deren automatisches Centrum ebenfalls in der Medulla oblongata – den Oliven. Ausser den f. Lippen, Kieferbewegung u. Zunge wirkenden Nerven, agirt f. den Rachen der Plexus pharingeus pharyngeus gebildet durch Vagus, Accessorius u. Sympathicus. Der Trigeminus setzt den Tensor palati mollis u. den Mylohyoideus in Bewegung. (314)

Schluckakt tritt unwillkührlich ein, wenn irgendwie der Kehldeckel oder die hintere Fläche des Gaumensegels berührt wird. Auch wenn das Schlucken scheinbar mit Willen, immer ein erregender Reiz nachweisbar, ohne den es unmöglich; es muss eine Erregung jener Scheimhautpartien Schleimhautpartien stattfinden, z. B. durch Scheim Speichel; ebenso wenig gelingt’s bei verschlossnem Mund. Schluckbewegungen daher reflektorisch, da sie nur auf nachweisbaren sensiblen Reiz stattfinden. Speichel, noch mehr Schleim macht den Bissen schlüpfrig (catches Scheim Schleim beim Vorbeigleiten an den Mandeln u. der dortigen an Schleimdrüsen reichen Gegend). Die Bewegung der Speiseröhrenmuskulatur erfolgt durch den Vagus. (314)

6) Die Magenbewegungen: Im Magen müssen die Speisen allseitig mit Schleimhaut in innige Berührung gebracht werden, um die verdauenden Wirkungen des Magensafts zu erfahren. Mageninhalt im Magen zurückgehalten durch den Verschluss der beiden Oeffnungen, welcher bei dem ventilartig gebauten Pylorus aktiv auf Reiz der Magenschleimhaut durch die berührenden Stoffe erfolgt. Die Cardia (Magenmund) ausser durch stark entwickelte Ringmuskulatur auch noch durch eine passive Magenbewegung geschlossen; doch Cardiaverschluss weniger fest als der des Pylorus (314, 315)

Die Muscularis des Magens u. der Därme (315) Die allgemeine peristaltische Contraction der Magenmuskulatur drückt gegen den Pylorus, dessen fester Verschluss anfänglich den Durchtritt vollkommen verwehrt. Ziemlich bald treten in kleinen Mengen flüssige Stoffe durch; nach einiger Zeit pausenweise Ermüdung der Klappenmuskulatur, die auch den festweichen u. festen Stoffen den Durchtritt gestattet. Der Verschluss der Cardia v. Anfang an nicht so fest als der des Pylorus; in kohlensäurehaltigen Getränken z. B. hinabgeschluckte Gase können hier als an dem höchstgelegnen Ort wieder entweichen; geringe Flüssigkeitsmengen dabei oft mit aus dem Magen in den Oesophagus gerissen; geben durch ihre saure Beschaffenheit zu brennendem Gefühl in der Speiseröhre Veranlassung, das meist das „Aufstossen“ begleitet. (315, 316)

Bewegungen des Magens sowie Verschluss des Pförtners reflektorisch erzeugt. (316) ⦗durch den Reiz der in den Magen gelangenden Stoffe⦘ ⦗Diese Bewegungen u. Verschluss des Pförtners um so stärker, je intensiver die reizende Ursache einwirkt. Flüssigkeiten reizen die sensiblen Magennerven meist nur in geringem Grad, so dass also auch der v. den Gefühlsnerven auf die Bewegungsnerven reflectirte Bewegungsanstoss nur gering ist u. geringe Muskelcontractionen hervorruft; oft schon nach wenigen Minuten verlassen verschluckte Flüssigkeiten den Magen durch den Pförtner. Umgekehrt bei festweichen u. festen Stoffen; sie rufen kräftigere Contractionen der Magen- u. Klappenmuskulatur hervor, so dass feste Stoffe mehre Stunden lang im Magen verweilen können, während zugleich der sensible Reiz den sie durch Reiben auf die Schleimhaut ausüben den Magensaft massenhafter hervorruft. 316⦘

Die Nervenmechanismen der Magenbewegung: Magen hat in sich selbst seine nervösen Bewegungscentralorgane. – Ganglien in der Bindegewebschicht des Magens; ausserdem hat er noch Zweige v. Vagus u. Splanchnicus. Befinden sich seine eignen Ganglilien Ganglien in erhöhter Erregbarkeit (bei gesteigertem Blutdruck u. Anfüllung der Magengefässe mit arteriellem od. venösem (dyspnoischem[)] Blut) – er also schon einige Zeit im Zustand der Verdauung begriffen – dann erfolgt auf Vagusreizung einfache peristaltische Contraction od. Contraction, die v. der grossen Curvatur zur kleinen Curvatur herüberläuft. (Sieh 316 ⎰) Zur Erregung der Magenganglien gehört, wie bei allen Nerven eine bestimmte Temperatur. (317)

Der Darmkanal der Wirbelthiere zerfällt im Allgem. in Anfangsdarm ⦗mit Schlund u. Magen⦘, Mitteldarm od. Dünndarm u. Dickdarm mit Coecum u. Rectum. (l. c.)

7) Die Dünndarmbewegungen: Bewegung bietet den Anblick vieler durch einander kriechender dicker Würmer. (319) Die Kerkringschen Falten der Schleimhaut, klappenförmig gestellt, erschweren ⦗wie die Weise der peristaltischen Bewegungen selbst⦘ das Rücktreten des gepressten ⦗Speise⦘inhaltes nach oben. Ist der Inhalt bis an den Dückdarm Dickdarm vorgerückt, so verhüthet die Bauhinsche Klappe am Coecum den Rücktritt. (319)|

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Darmbewegungen erfolgen normal auf reflektorischem Wege, indem die Muskeln in Thätigkeit versetzt werden v. der sensiblen Darmschleimhautanregung, erfolgend durch den reizenden Inhalt u. den vom Inhalt ausgeübten Druck; diesen Vorgängen stehn vor die im Darm selbst gelegnen Ganglien – nervösen Central-Organe (319). Vagus scheint jedoch, wie die Speiseröhre u. der Magen, auch den ganzen Darm in Bewegung setzen zu können. (l. c.) Splanchnicus ist ein Hemmungsnerv f. die Darmbewegung. (320) Colon u. Rectum erhalten motorische u. sensible Fasern von dem die Art. mesent. inf. umspinnenden Plexus, aus dem untern Theil des Rückenmarks. (l. c.)

Die Arterien der Eingeweide (Magen, Milz, Leber, Pankreas, Nieren, Darm) werden empfindlich durch die sie umspinnenden Nerven; die übrigen Arterien des Körpers sind unempfindlich. (321)

Die chemische Ursache der Darmbewegung. (320, 321) ⦗Gewisse chemische Veränderungen des Bluts (das Venöswerden desselben) u. damit der Gewebsflüssigkeit, in den Muskelnerven od. Muskeln selbst einer der letzten Gründe der Darmbewegung, abgesehn v. der direkten Reizung der Darmnerven. Während der Verdauung wird das venöse DarmBlut venöser, mehr Kohlensäure im Gesammtblut enthalten. (cf 321 ⎰) Die nervösen Einflüsse des Vagus u. Splanchnicus auf die Darmbewegungen treten erst ein, wenn die reizbaren Gebilde des Darms durch die Einwirkung v. venösem Blut erregbarer geworden sind. Die hemmende Wirkung des Splanchnicus auf die Darmbewegung vielleich vielleicht herrührend v. Einflüssen der Rückenmarks- u. Splanchnicusreizung auf die Gefässmuskulatur des Darms; so dass die Arterien des Darms ihr Lumen verengern od. verschliessen; häufen sich dann gesteigert die „reizenden Zersetzungsprodukte“ an, da sie durch den Blutstrom nicht mehr entfernt werden. In geringer Quantität wirken diese reizend, in grösserer aber ermüdend (Bewegung hemmend). Nikotin im Taback sehr starkes Erregungsmittel f. die Darmbewegungen, befördert dadurch die Darmentleerung. (321)⦘ Grenze zwischen Dünn- u. Dickdarm der Blinddarm (Coecum) (321)

8) Das Rectum: Die Entleerung des Kothes (des Dickdarmsinhalts) erfolgt durch die peristaltischen Contractionen der sehr entwickelten Muskulatur des Mastdarms, unterstützt durch die Wirkungen der Bauchmuskulatur der sg. Bauchpresse. Durch die kräftige Einathmung dabei das Zwerchfell herabgepresst u. alle Bauchmuskeln verkürzt, wodurch allgemeiner Druck auf den Bauchinhalt ausgeübt. Die den Koth auspressenden Kräfte haben den Widerstand der für gewöhnlich geschlossenen Sphincteren des Mastdarms zu überwinden. Durch die Contraction des Levator ani wird das Ende des Mastdarms über den festen in ihm befindlichen Inhalt hinaufgestülpt; gleichzeitig verhindert sie das Herauspressen des Mastdarms aus der Anus-Oeffnung. Die Austreibungsbewegungen des Mastdarms reflektorisch hervorgerufen durch Reize auf seine Schleimhaut. (322)

II) Resorption der Nahrungsstoffe in’s Blut.

1) Endosmose u. Filtration im Darm: In gewissen pathologischen Zuständen des Darmlebens keine od. fast keine Stoffe aus dem Darm aufgesaugt. Bei diesem Zustand kann der Organismus verhungern, da die Speisen, wie sie im Magen umgewandelt, noch untauglich sich an den Lebensvorgängen im Organismus direkt zu betheiligen. (323) Schreibt man wie jezt, dem Protoplasma der Zellen eine aktive, d. h. vitale Aufnahmsfähigkeit f. Stoffe zu, so heisst das, dass man die mechanischen Bedingungen dieser Aufnahme noch nicht kennt. (l. c.) Entdeckung unter Saugdruck im Darm stattfindender Filtration. (Sieh 323 ⎰) ⦗A. Heller Haller hat bei den Meerschweinchen rythmische nach den Stämmen fortschreitende Contractionen der durch Klappen getrennten Abschnitte in den Lymphgefässen des Mesenteriums wahrgenommen, wodurch der einmal eingesaugte Inhalt v. der Peripherie aus dem Centrum aktiv zugepresst wird.⦘

Die Rolle, die Diffusion bei der Aufsaugung im Darm spielt[,] beweist schon Umstand, dass alle Nährstoffe durch Verdauung in leicht diffundirbare verwandelt werden. So die Eiweissstoffe nach ihrer Umwandlung in Pepton, Amylum nach seiner Umwandlung in Zucker. (324)

Die im Darm befindlichen Lösungen müssen mit den in Schleimhautparenchym, in Lymph- u. Blutkapillaren befindlichen Flüssigkeiten andrer Concentration in osmotischen Verkehr treten. In der Darmschleimhaut überall gequollne Membrane, in Molekularzwischenräumen mit wässerigen Lösungen gefüllt, die der Stoffaustausch der durch sie getrennten Flüssigkeiten nicht verhindern. Durch die molekulären Wasserstrassen, welche die Darmgewebe durchsetzen, muss das Bestreben der Flüssigkeiten, auf der einen u. der andern Seite sich gleichmässig zu mischen, hindurchwirken. Für einige Fälle diess nachgewiesen. Membranen besitzen verschiednes Quellungsmaximum in |41 salzsauren u. schwefelsauren Lösungen; die Diffusionsgeschwindigkeit der salzsauren u. schwefelsauren Salze bedeutend verschieden. Demgemäss bewiesen dass in den lebenden Darm gebrachte Lösungen v. salzsauren Alkalien in der gleichen Zeit viel rascher aufgenommen werden als die schwefelsauren. Folgt daraus nicht, dass die Osmose der bedeutungsvollere Vorgang bei der Osmose Resorption. Durch die mit der Schleimhaut in Berührung gebrachten verschiednen Lösungen wird ihre Durchlassungsfähigkeit, vielleicht ihre Porenweite in verschiedner Weise beeinträchtigt. (324)

Filtrationsströme müssen entstehn, wenn auf der einen od. der andern Seite die Flüssigkeiten Druckverschiedenheiten ausgesetzt sind; diese im Darm stattfindend. Darminhalt unter dem pressenden Einfluss der peristaltischen Bewegungen der ihn fortschaffenden Darmmuskulatur, also unter positivem Druck. Diesem positiven Druck gegenüber auf der entgegengesetzten DarmSeite zeitweilig negativer od. Saugdruck erzeugt durch die Contractilität der Zotten des Darms u. der Lymphgefässe. So konkret hier Diffusionsvorgang hier stets mit Filtrationsvorgang verbunden. Auch Kapillarattractionen u. direkte Aufnahme in Zellenprotoplasma scheinen wirksam zu sein. Steht jezt schon fest, dass auch wahre Eiweisslösungen, ohne in Pepton umgewandelt zu sein, die Darmwandung durchsetzen ⦗was f. direkte Aufnahme in das Zellenprotoplasma der Darmwandzellen spricht, wenn nicht bisher unbekannte weitere Gewebslücken im Darm befindlich.⦘ (p. 324)

2) Bau der Darmzotten: Darmzotten – zottenförmige Schleimhautvorragungen der Darminnenfläche. Mit Schicht derselben Cylinderepithelien überzogen, die auch sonst den Darm auskleiden. Der freie, obere, verdickte Rand jener Zellen – Zellendeckel – lässt vielfältige Durchbohrungen durch feine Canälchen erkennen. An ihrem untern Ende, womit sie in der Schleimhaut sitzen, verengern sie sich mehr u. senden (vielleicht) feine hohle Ausläufer in das eigentliche innere Zottengewebe hinein, selbst welche Ausläufer (vielleicht) sich mit den Ausläufern der das Zottengewebe durchsetzenden Bindegewebskörperchen sich zu einem zarten Canalnetz vereinigen. Diese Bindegewebshohlräume nach Heidenhain die eigentlichen Kapillaren der in den Zotten befindlichen Lymphgefässanfänge. Danach also offene Verbindung zwischen dem Darmlumen u. den Lymphgefässen. (325) (Andre Ansichten ib. ⎰) ⦗wie Fortbewegung der Lymphe in wandungslosen Hohlenräumen⦘

Die Zotte ist ein reichlich mit Blut- und Lymphgefässen u. organischen Muskelfasern versehner Schleimhautfortsatz. (325) Im Centrum der Zotten Anfänge der grösseren Lymphgefässe, od., wie sie im Darm heissen, Chylus- od. Milchsaftgefässe. Zotten mit einem centralen od. mit mehren Chylusgefässen. ⦗Weitere Beschreibung der Zotten sieh ib.⦘ Die Bindegewebskörperchen ⦗Fasern, worin reichlich rundliche, kernhaltige Zellen, v. der Gestalt u. Grösse der Lymphzellen eingelagert sind⦘ – netze (wenn mehre Chylusgefässe in der Zotte) ⦗od. kolbig angeschwollne Ausbuchtungen wenn nur ein centrales Chylusgefäss wie beim Menschen meist in den schmäleren Zotten⦘ münden in die Chylusgefässchen. Sie haben erkennbare Membran u. führen direct in die grösseren Lymphgefässe, die besonders an ihren feinsten Anfängen mit reichlichen Klappen versehn sind, welche den Flüssigkeitsstrom nur in centraler, v. den Zotten abgekehrter Richtung gestatten. (325, 326)

Schicht organischer Muskelfasern um die centralen Chylusgefässe der Zotten herum ( Brücke ); verfolgt zwischen die Lieberkühnchen Drüsen in der Tiefe, zusammenhängend mit den Muskelfasern der Muscosa Mucosa . ( Kölliker ) (326) Zwischen Epithel u. Zottengrundgeweb ⦗Netz v. Bindegewebskörperchen od. Fasern⦘ ein zarter heller zarter Gewebssaum, der als stärkere Entwicklung der ungeformten Zellenzwischensubstanz, nicht als eigentlichle eigentliche Grenzhaut erscheint. Fast direkt unter diesem hellen Grenzsaum gelegen reiches Netz v. Blutgefässen (bei jeder Zotte), die ein Gerüste f. das übrige in sie eingeschobne Gewebe darstellen. Ein bis 3 kleine Arterienstämmchen führen den Zotten das Blut zu, steigen unter reichlicher Kapillarverästlung in ihnen bis an die Spitze empor u. sammeln ihre Kapillaren wieder meist in ein grösseres Venenstämmchen. (326)

3) Der Mechanismus der Aufsaugung durch die Zotten: Die Muskelfasern der Zotten bewirken eine Zusammenziehung derselben, die sich als Verkürzung und Dickenzunahme zeigt. ⦗Galle soll nach Schiff als Reiz auf die Zottenmuskulatur fungiren⦘ Durch diese Zusammenziehung, wahrscheinlich unterstüzt durch die Contractionen der Chylusgefässe, wird sowohl der Inhalt der Blut- als der Lymphgefässe Chylusgefässe aus der Zotte herausgepresst (326) Die Resorption, soweit sie wirklich in Ansaugung besteht, ist abhängig vom Functioniren der Zottenmuskulatur. (327) Sowie die ⦗durch Contraction auspressenden⦘ Zottenmuskeln wieder erschlaffen, strömt das Blut wieder reichlich in die Zotten ein u. die Zotte dehnt sich wieder zu ihrem Umfang im ruhenden Zustand aus. Die durch die Contraction entleerten Chyluswurzeln können sich v. den grösseren Chylusgefässen her wegen der Klappen nicht mehr durch Rückfluss anfüllen. Sie werden durch die Erection der Zotten ausgedehnt, es entsteht dadurch ein negativer Druck in ihnen, dessen unmittelbare Folge Ansaugen v. Flüssigkeiten aus dem Darmrohr durch die Wege der Epithelzellen in die Chyluswurzeln herein hat. Eintritt noch durch den gleichzeitigen Druck im |42 Darmrohr erleichtert. Eine zweite Contraction entleert die gefüllte Zotte wieder u. macht sie von neuem zum Ansaugen geschickt. (326)

Vacuolen zwischen den gewöhnlichen Cylinderzellen der Zotten u. der Lieberkühnschen Drüsen aller WirbelThiere (auch des Menschen) befindliche grosse runde od. birnförmig deutlich contourirte Gebilde. (Weiteres darüber 327–28) ⦗die Vacuolen haben eine nach dem Darmlumen gekehrte scharf umschriebne Oeffnung, so dass hier die Cuticula (Zelldeckelschichte) der Cylinderzellen unterbrochen erscheint.⦘ ⦗ Schulze beschreibt sie als Becherzelleneinzellige Drüsen, die der Schleimabsonderung vorstehn.⦘ ⦗So dass Darmschleim theilweise aus diesen Organen stamme.⦘

4) Fettresorption: Die Chylusgefässe am Darm etwa 4 Stunden nach Aufnahme fettreicher Nahrung reichlich mit Chylus gefüllt (weisser, milchähnlicher Substanz); erhält undurchsichtiges Aussehn durch unzählige mikroskopische in ihr suspendirte Fetttröpfchen. Ueberall zerstreut im Parenchym der Zotten grössere od. geringere Anhäufungen v. feinsten od. grösseren Fetttröpfchen od. Tropfen; selbst die Cylinderepithelzellen haben massenhaft beigemischt Fettmoleküle, zuweilen selbst grössere Fetttröpfchen. Die Fetterfüllung nicht mehr räthselhaft seit Kenntniss der Kanälchen in der Deckelmembran der Cylinderzellen, der Funktion der Galle u. der durch die Pankreasverdauung gebildeten Seifen, die feinen Kapillarwege der Zellen auch f. Fett durchgängig zu machen. Feine Tröpfchen Fett innerhalb der Zelldeckelmembran, also innerhalb ihrer feinen Kanälchen; sammeln sich innerhalb der Zelle zu grösseren Tröpfchen; von da aus durch die Zottenbewegung etc in das Canalsystem der mit den Epithelien offen communicirenden (?) Bindegewebkörperchen angesaugt, erfüllen so in kapillar müssigen Wegen die Zotte u. streben dem centralen Chylusgefäss zu, das sich durch die Erfüllung mit dem fettreichen  Bei Ranke, S. 328: Safte
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Stoff
ausdehnt. (328)

Die Hauptmasse des Fetts in den Zotten des Dünndarms  Bei Ranke, S. 328: resobirt
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absorbirt
. Die Aufnahme des Fetts verdankt vor allem der Filtration durch die Zotten ihre Ermöglichung. Die Galle u. die durch die Pankreasverdauung gebildeten Seifen machen die Porenwege f. Fett leichter durchgängig. Das Fett scheint zum grössten Theil direkt zuerst in die Chylusgefässe zu gelangen. (328) Derselbe Weg steht auch den Eiweisslösungen offen, soweit sie noch nicht in Peptone umgewandelt. (l. c.)

5) Betheiligung der Blutkapillaren an der Resorption: Auch die Blutkapillarn des Darms betheiligen sich an der Resorption u. nehmen Stoffe auf; vor allem auf Rechnung der Osmose zu setzen. In den Blutgefässen kreist eine eiweisshaltige Flüssigkeit; f. Spuren v. Eiweiss – wenn Wasser u. Eiweiss durch thierische Membran getrennt – gehn fast unbegrenzte Mengen Wasser durch Diffusion auf Seiten des Eiweisses. Wasser tritt daher vor allem, ausser in die Chylusgefässe, in die Blutgefässe des Darms direkt über. Aber auch bei den wahren Lösungen – Peptonlösungen, Salzlösungen etc, deren Aufnahme nahezu nach den anorganischen Gesetzen der Diffusion eintritt – die Blutkapillaren wahrscheinlich an den Aufsaugungen betheiligt. Diese Lösungen bedürfen zu ihrer Resorption auch nicht der Darmsaugeinrichtungen. Sie können schon in Mundhöhle, Speiseröhre, Magen aufgenommen werden (auch in eine frisch angelegte Wunde direkt gebracht) (329)

Blutgefässsystem u. Lymphsystem theilen sich also in die aufzunehmenden Stoffe. Endosmotischer Vorgang ins Blutim Darm⦘ f. Fett ⦗trotz der Durchtränkung der Gewebe mit Galle u. Seife⦘ immer noch langsam ⦗schwierig⦘ daher gering ⦗findet aber to certain degree statt. Das aus dem Darm stammende Blut der Pfortader während der Verdauung fettreicher als andre Blutadern aus andern Körpergegenden⦘; dasselbe gilt f. Eiweissstoffe, obgleich in Peptone verwandelt. Je langsamer der endosmotische Vorgang, desto sichrer unterliegen die Stoffe der aktiven Aufsaugung durch die Darmzotten: Eiweissstoffe u. Fett daher grösstentheils gelangend in die Anfänge der Chylusgefässe; ebenso der grösste Theil der leichtdiffundirbaren Stoffe: Zucker, Salze, Milchsäure ⦗kein Zucker in der Pfortader nachweisbar[⦘]. (329)

Vor allem also Wasser, anorganische Salze, Eiweissstoffe, Fette, Zucker u. einige Umsatzprodukte desselben, gemischt mit wieder aufgenommenen Resten der Verdauungssäfte selbst, die das Blut durch die Chylusgefässe aus dem Darm aufnimmt. Die direkt in das Blut aus dem Darm gelangende Stoffmenge gering. (l. c.)

III) Die Lymphe u. der Chylus.

1) Lymphe u. Chylus: Der Chylus ist die durch die Nahrungsaufnahme veränderte Darmlymphe. Chylusgefässsystem mit seinen Anfängen im Darm die wichtigste Quelle f. die Erneurung des Bluts ⦗f. die Fettaufnahme in grössrer Menge keine andre Quelle⦘. Aber bei Chyluszufuhr im Allgem. zu bemerken, dass die Ernährung des Bluts aus dem Darm nur ein specieller Fall seiner Ernährung u. Erneuerung aus allen Körperorganen. Wo das Blut die Organe durchströmt trifft es auf Gewebsflüssigkeiten, welche |43 die wichtigsten Blutbestandtheile: Eiweissstoffe, Salze, Zucker etc enthalten; also auch dort Diffusionsverkehr zwischen den Organflüssigkeiten u. dem Blut, der je nach dem Gehalt der beiden an den betreffenden Stoffen zu Mehrung od. Minderung derselben im Blut führen muss. Ausserdem in allen Organen wie im Darm Lymphgefässe ⦗in welche die Gewebsflüssigkeiten mit allen ihren Stoffen sich ergiessen⦘, welche die aus den Geweben empfangnen Stoffe gemischt mit den vom Darm stammenden gemeinschaftlich dem Venensystem zuführen. Bes. beim Hungerzustand wird die Gleichheit der Funktionen der Darm- u. sonstigen Organlymphgefässe ersichlich ersichtlich. (330) ⦗Pepsin mit bei der Resorption in die Säftemasse aufgenommen wirkt in Organen mit leicht sauer werdenden Reaktion ebenso auflösend wie im Darm etc[.] Weiteres l. c. ⎰⦘ ⦗Pepsin in Organsäften, namentlich Muskelsäften entdeckt⦘

Die Lymphbildung in den Organen stets fortgehnde Funktion; beständig wird mit dem Chylus gemischt auch Lymphe dem Blut zugeführt. Innere (durch Aufnahme aus den sonstigen Organen) u. aüssere Ernährung (die v. Darm ausgehende) stets gleichzeitig; nur überwiegt die Darmaufnahme zu gewissen Zeiten, zu andern die Aufnahme aus den Organen. (331)

2) Bau der Chylus- u. Lymphgefässe: Sie bilden vielverzweigtes Röhrencanalsystem, wesentlich übereinstimmend mit dem Venensystem; ihr Reicthum Reichthum an Klappen, entsprechend den Venenklappen. Bei den grösseren Lymph- od. Chylusgefässen – wie bei den Blutgefässen – 3 Häute. Die Intima, Media, Adventitia (letztre die aüsserste.) (Näheres 331)

Ursprung der Lymphgefässe u. Lymphkapillaren (echte Kapillaren, an denen man keine Schichtung der Wand mehr beobachtet[)]. (l. c.)

An einigen Lymphgefässen ähnlich activ wirkende Apparate zur Einsaugung v. Flüssigkeiten wie in den Darmzotten (v. Recklinghausen) (331)

Die Flüssigkeiten, die in die Wurzeln der Lymph[-] u. Chylusgefässe eintreten, in ihrer chem. Zusammensetzung bedingt v. der Mischung des im Darm enthaltnen Chymus u. der specifischen Gewebe woraus sie stammen. (332)

3) Bau der Lymphdrüse: (p. 332–34) ⦗Unter den Lymphdrüsen vor allem die Follikel. Die zartesten Lymphgefässen Lymphgefässe führen ihnen den rohen Saft zu, die Follikel mischen ihnen Lymphkörperchen (aus ihrem Eignen Inhalt gebildete Elemente) bei, unter deren Einwirkung der Chemismus der Lymphe u. Drüse des Chylus seinen specifischen  Bei Ranke, S. 332: Charakter erhält
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Verlauf nimmt
. Die grösseren complicirteren Lymphdrüsen sind combinirte Follikel. Weiteres l. c.⦘ ⦗Auf jeder Drüse zu- u. abführende Lymphgefässe⦘ Die zuführenden Lymphgefässe treten an die Hülle (der Lymphdrüse) heran, durchsetzen sie, münden je in einen Lymphraum ein. Auf der entgegengesetzten Seite sammeln sich die abführenden Lymphgefässe wieder aus den Lymphräumen. Bahn des Lymphstroms geht v. Vas afferens aus durch die Lymphräume der Rinde u. des Marks zum Vas efferens; auf diesem Weg langsam durchsickernd, nimmt die Lymphe Theil der lose im Bindegewebnetz eingebetteten Zellen mit sich; auch bedeutende chemische Umwandlungen gehn vor auf dieser Passage durch die Lymphdrüsen. (334)

4) Zusammensetzung des Chylus u. der Lymphe: Farblose Flüssigkeit u. beigemischte farblose kernhaltige Zellen; überdiess feine Fettpartikeln u. Kerne. Lymphflüssigkeit (Lymphplasma) gerinnt spontan wie Blutplasma u. scheidet Faserstoff aus. Mit Ausnahme des Blutfarbestoffs in der Lymphe alle chem. Bestandtheile des Bluts u. zum Theil in ganz ähnlicher Mischung wie dort. (334) ⦗Eiweissstoffe, Protagon, Fette, Zucker, Blutsalze, Wasser, Harnstoff etc.⦘ Chylus aus dem ductus thoracicus verdauender Thiere unterscheidet sich chemisch v. Lymphe hauptsächlich durch Reichtum an suspendirtem Fett, enthält auch Harnstoff. Rothe Blutkörperchen fast immer ihm beigemischt. Bei fettfreier Speise, ebenso im nüchternen Zustand ⦗in welchem er Darmlymphe heisst⦘ Chylus durchsichtig wie Lymphe. Fette des Chylus zeigen Verschiedenheiten je nach den aufgenommnen Nahrungsmitteln; auch seifenartige Verbindungen aus der Fettzersetzung im Darm durch das Pankreassekret. Theil der Albuminstoffe im Chylus hat noch die Eigenschaften der Peptone; andrer grösser grösserer Theil zeigt sich als Serumeiweiss (wie diess im Blut); Kalialbuminat (Caseïn) durch Essigsäure fällbar; geringer Theil: Globulin, schon durch Kohlensäure fällbar; ditto Fibrin. (335) Zucker (Traubenzucker) nicht immer im Chylus enthalten; findet sich dort nach Zucker- od. Stärkereicher Kost. Nach Stärkefüttrung auch milchsaure Salze. (l. c.) ⦗Theil des Harnstoffs, der aus der Nahrung stammend den Organismus verlässt, schon im Darm u. seinen Geweben, wahrscheinlich in den Lymphdrüsen gebildet.⦘ Sehr wenig Kali im Chylus verglichen mit Blut (336) Hoher Zuckergehalt zeichnet die Lymphe vor dem Blut aus u. lässt sie als einen eigentlichen Gewebssaft erscheinen. Der Zucker ist ein constanter Lymphbestandtheil, befindet sich z. B. auch in der Halslymphe. (l. c.)

Nach Bidder die tägliche Chylusmenge 1/81/4 des ganzen Körpergewichts; nach Ludwig etc die Lymphmenge = 1/4 = 2/5 des Körpergewichts. Jedenfalls gewaltiger Säftestrom, der im intermediären Kreislauf den Organismus v. Zelle zu Zelle durchfliesst u. den Stoffverkehr zum grossen Theil besorgt. (337)

Von Gasen gefunden in der Menschenlymphe Kohlensäure an Natronphosphat gebunden, in der Hundelymphe ausserdem geringe Nmengen. (337)|

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Nerveneinfluss auf die Lymphabsondrung. (337)

Intermediärer Säftekreislauf: Bewegung der Lymphe u. der übrigen Gewebssäfte, soweit sie stattfindet durch Zellen etc, nicht in den Bahnen der Blutgefässe. Aus den kapillaren Blutgefässen treten ernährende Flüssigkeiten aus, die nach Durchtränkung der Gewebe als Lymphe wieder in den Blutstrom übergeführt werden. Die grosse Menge Lymphe (etwa = der Blutmenge), dazu die Darmlymphe (Chylus) mit den v. aussen zugeführten u. v. Verdauungsdrüsen massenhaft ergossnen Flüssigkeiten (die Gesammtmenge der Lymphe, je nach der Ernährungsweise beeinflussend) bilden den Strom der Ernährungsflüssigkeit, der beständig die Gewebe badet. (l. c.) Menge der Flüssigkeit, die dem Gewebe zugeführt wird, zunächst abhängig v. der Menge des zuströmenden Bluts. (l. c.)

5) Bewegung der Lymphe in den Lymphgefässen: Sehr langsam, unter weit geringerem Druck als in den Blutgefässen. Bewegungskräfte grossentheils dieselben wie beim Blut: Aspiration des Thorax ⦗durch die Thätigkeit der Athmungsorgane⦘ v. Einfluss auf die Lymphbewegung, da die Einmündungsstelle der Lymphstämme in das Venensystem u. der grösste Theil des Ductus thoracicus sich im Brustraum befinden. Die Klappen machen jeden aüssern Druck auf die Lymphgefässe zu Fortbewegungsursache f. ihren Inhalt; schon die Zusammenziehungen der die Lymphgefässe umlagernden Körpermuskeln hinreichend um Lymphe u. Chylus (wie das Venenblut) vorwärts, der Einmündungsstelle in die Blutbahn zu, zu pressen. (Muskelbewegung bewirkt nicht nur schnelleren Lymphabfluss aus den Reservoirs derselben, sondern auch reichlichere Lymphbildung in den Muskeln selbst) Der Saugmechanismus am Anfang der Chylusgefässe in den Zotten, indem er aus den Anfängen den Chylus in die weiteren Gefässe presst u. den vorher dort befindlichen fortschieben muss, eine Gesammtbewegungs-ursache. Eigentliches Centralbewegungsorgan f. die Lymphe ⦗wie Herz für Blut⦘ fehlt bei Mensch u. meisten Thieren. Goltz hat einen v. den nervösen Centralorganen ausgehenden Einfluss auf die Lymphbewegung u. Aufsaugung gefunden. (338, 339)

Die Sehnen u. Fascien der Skelettmuskeln betheiligen sich wesentlich an der Aufnahme der Lymphe aus dem Musgelgeweb Muskelgeweb. In dem Centrum tendineum des Zwerchfells stomata (offne Mündungen), die die Lymphe mit den Körperchen aktiv aufsaugen. (339 weiteres ib. ⎰)

Geschwindigkeit der Resorption u. des intermediairen Kreislaufs (Nach 4–5 Minuten bei injicirter Jodtinktur Jod im Harn nachgewiesen) (339)

Die Menge der im Geweb in gegebnem Moment befindlichen Flüssigkeit (Lymphe) nimmt zu mit der Behindrung des Rückflusses in den Venen u. Lymphgefässen. Dadurch regulirt Turgor (Gewebsspannung); sind die Lymphgefässe in ihrem Dienst behindert, so entsteht Oedem, der Zustand gesteigerter Gewebsspannung. (Weiteres 339–340)

B. Das Blut.

Zehntes Kapitel. Das Blut und die Blutdrüsen.

1) Allgemeine Funktionen des Bluts: Blut hat

  • 1) den Organen die Stoffe zu liefern, die zu ihrer Thätigkeit bedürfen – innere Organernährung. Es führt den Organen das oxydirbare Material u. den oxydirenden Sauerstoff zu. Also Stoffzufuhr zu den Organen.
  • 2) Die in den Organen unbrauchbar gewordnen od. unverbraucht austretenden Stoffe aus diesen wieder aufzunehmen (letzte theilweis andren Organen als Nahrungsstoff zugeführt, soweit sie noch geschickt zur Theilnahme an den Organfunktionen. Bedeutender Theil der Organzersetzungsstoffe – namentlich die höchsten Oxydationsprodukte der Gewebe, hat das Blut aus den Geweben aufzunehmen u.[,] nachdem sie in einzelnen Fällen noch zur Erzeugung gewisser physiol. Wirkungen gedient, den Ausscheidungsorganen zu übergeben. (340 341)

Es genügt seinen Aufgaben als Flüssigkeit, durch den Mechanismus des Herzens in beständiger Bewegung gehalten. Röhrensysteme der Arterien u. Venen lösen sich an ihren Berührungspunkten zu feinstem Gefässnetz auf; ihre f. Flüssigkeiten durchgängige Wandungen erlauben Stoffverkehr zwischen Gewebsflüssigkeit u. Blut durch Diffusion. Beständige Veränderung des Bluts in Concentration u. Zusammensetzung durch Neuaufnahme v. Stoffen aus Geweben u. Darm; ebenso beständige Entfernung gewisser Stoffe aus demselben; so es fortwährend fähig den osmotischen Verkehr mit den Gewebsflüssigkeiten zu erhalten. So wird das kreisende Blut auch zur Bewegungsursache f. den intermediären Säftestrom. Die beständige Veränderung des Bluts macht während des Lebens schliessliche Ausgleichung in der Zusammensetzung zwischen ihm u. dem intermediären Säftestrom unmöglich, kann daher nie Ruhezustand erfolgen. (p. 342) ( Kritias bei Aristoteles , De Anima l. I, c. 2 bezeichnet das Blut als Seele)|

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2) Physikalische Analyse des Bluts: Das in den Gefässen sich bewegende Blut farblose od. schwach halbgelblich gefärbte, etwas klebrige Flüssigkeit, das Blutplasma (Plasma sanguinis) v. alkalischer Reaction, salinischem Geschmack; in dieser Flüssigkeit zahlreiche schwimmende zellige Elemente: Blutkörperchen (Blutzellen), grösstentheils roth gefärbt, zum kleineren Theil farblos. Sobald das Blut nicht mehr dem Einfluss der belebenden Gefässwand unterliegt[,] scheidet sich aus dem Plasma aus Fibrin (Faserstoff), bildet festweiche Masse Cruor, der alle Blutkörperchen in sich einschliesst. Dieser beginnt nach kurzer Zeit sich zu contrahiren, presst aus sich aus Blutserum (helle gelbliche Flüssigkeit) das als Plasma ohne die das Fibrin bildenden Stoffe zu betrachten. Die in dem contrahirten Fasserstoffgerinnsel FaserstoffgerinnselBlutkuchen (Placenta sanguinis) eingeschlossnen rothen Blutkörperchen geben diesem seine gesättigte rothe Farbe. Specif. Gewicht des Gesammtbluts im Mittel etwa 1.055, der rothen Körperchen 1.105, des Plasma 1.027. Bei manchen Thieren, wie Pferd, auch bei Mensch bes. während gewisser entzündlicher Allgemeinkrankheiten, tritt die Blutgerinnung nicht momentan ein. Die rothen Blutkörperchen, schwerer als das Plasma, erhalten Zeit sich zu senken; so entsteht vor der Geringung Gerinnung obere Schicht auf dem Blut, nur aus Plasma bestehend. Gerinnt nun solches Blut, so sitzt dem sonst rothen Blutkuchen farblos od. weiss-gelbliche Schicht v. mehr od. minder Dicke auf, bestehend nur aus Faserstoff, weissen Blutzellen u. eingeschlossnem Serum – Crusta phlogistica. Die absolute Menge des Faserstoffs, der sich aus dem Blut bei der Gerinnung abscheidet, stets gering; wird das Blut während des Gerinnens mit Stäbchen geschlagen, so scheidet sich der Faserstoff an dem Stab in zähen Fasern ab, vollkommen weiss erhalten durch Auswaschen in Wasser. Die Blutkörperchen bleiben in der Flüssigkeit; defribinirtes Blut. (342, 343)

Die rothe Farbe des Bluts rührt allein v. den rothen Blutkörperchen ab her, beim Menschen mikroskopisch klein, rundlich, biconcave Scheibchen ohne Zellenkern; fast das ganze Blut besteht aus ihnen; in 1 Cub. Mm. über 5 Mill. gezählt. Rechnet man f. den Erwachsnen 10 Pfd Blut, so enthalten diese davon 250 000 Mill. auf je 500–350 rothe ein weisses Blutkörperchen im normalen Blut; im Milzvenenblut dagegen 1 weisses auf 70 rothe. Die specif. Wärme des Bluts nach Gamgee gleich der des Wassers im Mittel zu 1,02; nach Davy = 0,812–0,934, wenn Wasser = 1 gesetzt. (343) Ränder der rothen Blutscheibchen abgerundet, die beiden Flächen concav eingedrückt, so dass sie biconcaven optischen  Bei Ranke, S. 343: Linsengläsern
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Linsen
ähneln. (l. c.) Wenn sie sich im gerinnenden Blut senken, legen sie sich geldrollenähnlich mit der flachen Seite an einander. (l. c.) (Weiteres l. c. u. p. 344) ⦗Nach Brücke u. Rollet besteht das Blutkörperchen aus Stroma (Ökoid) u. dem eingelagerten rothen Inhalt (Zooid)[.] Leztres kann durch Wasser (Borsäure) etc aus dem Stroma gebracht werden. Er färbt dann das Serum u. das Blutkörperchenstroma bleibt ungefärbt zurück.⦘ ⦗Grösse der Blutkörperchen hängt v. Wassergehalt ab. Sie werden kleiner durch Blutconcentration. Mit der täglichen Veränderung des Bluts durch Nahrungsaufnahme müssen sie also Gestalt verändern⦘

Die weissen Blutzellen stimmen mit den Lymphzellen od. Lymphkörperchen überein; rund, blass wie jene; der Kern scheint undeutlich durch mit unregelmässiger körniger Oberfläche; daneben auch etwas grössere, mit sehr durchsichtigen durchsichtigem Inhalt, meist mit mehren Kernen, specifisch (die weissen) leichter als die rothen. (344–45) Bei Leukämie: kaum schon 1 weisses Körp. auf 7–21 rothe kommen. (345); zeigen bei Körpertemperatur lebhafte Bewegungen, indem sie Fortsätze aussenden u. wieder einziehn. (l. c.)

Ausserdem kleine gelblich gefärbte Körnchen im frischen Blut, oft stark glänzend. (l. c.) Beim Menschen ( im Mittel 14,000 farblose auf 5 Mill. rothe in 1 Kubikmillimeter, also = 1 : 350. (346) Murmelthier hat im Anfang des Winterschlafs 5 800 000 Blutkörperchen; am Ende nur noch 2,300,000. (l. c.)

3) Chemische Blutbestandtheile: In den rothen Blutkörperchen rother krystallisirbarer Färbestoff:  Bei Ranke, S. 346: Haemotokrystallin
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Haemokrystallin
(Haemoglobin, Haematoglobin); in lebenden Blutkörperchen das Haemoglobin nicht krystallisirt, vielleicht an Kali gebunden. (346) Alle diese Krystalle leicht in Wasser auflösbar. (l. c.) Ausser dem Hämoglobin in den Blutkörperchen Wasser u. gewisse Gase, noch geringe Mengen in Aether löslicher Substanzen (Fetten aus Seifen, Cholesterin, Protagon u. dessen Zersetzungsprodukte: Lecithin, Glycerinphosphorsäure etc) (347) In ihren Aschenbestandtheilen verhalten sich die Blutkörperchen ziemlich genau wie die Muskeln. Im Gegensatz zur Blutflüssigkeit herrschen Kali- u. Phosphorsäureverbindungen vor; Eisen u. Mangan ditto im Haemoglobin, scheinen im Plasma zu fehlen. Die chem. Bestandtheile der weissen wahrscheinlich die der Rothen mit Ausnahme des Haemoglobin. (l. c.)

Blutplasma: Hauptrolle die als Fibrin sich auscheidenden ausscheidenden Substanzen; fibrinoplastische Substanz im Blutplasma wie wahrscheinlich in den Blutkörperchen u. wohl auch noch in andren Gewebsorganen. Die Vereinigung dieser Fribingeneratoren erfolgt nur unter Einwirkung eines im normalen lebenden Bluts normal nicht vorhandnen Gerinnungsferments. (l. c.) |46 (vgl. 348 ⎰) ⦗Fibrin nur im Plasma⦘

Das Blutserum (Blutplasma ohne Fibrin) zu etwa 90% Wasser. Hauptmasse an festen Stoffen: Serumalbumin (das Bluteiweiss). Ausserdem etwas Serumcasein (Natronalbuminat) durch Säuren fällbar. Die Eiweissmenge etwa 8%. Die Asche des Blutserums [enthält] bes. Natronsalze (im Gegensatz zu den Kalisalzen der Blutkörperchen) verbunden mit Chlor u. Kohlensäure. (p. 348)

Chylus führt dem Blut v. allem Fette u. Seifen zu; auch hier Cholestearin Cholesterin u. Lecithin; Gesammtfettmenge im Blut 0.1–0.2%. Traubenzucker, stammend aus der Nahrung, aber auch aus den Gewebsflüssigkeiten aufgenommen: aus Leber, Muskeln. Ausserdem noch die übrigen Zersetzungsprodukte der Gewebe; nachgewiesen: Harnstoff, Kreatin, Hippursäure, Sarkin, zuweilen (bei Gicht) Harnsäure. (349) Verschiedenartige Vertheilung der anorganischen Salze in Blutkörperchen u. Plasma, woraus ihr reger Diffusions-Wechselverkehr, ihre gegenseitige lebendige Beeinflussung hervorgeht. In 1000 Th. Blut 513 Blutzellen u. 487 Plasma (349) ⦗Die Zusammensetzung p. 350 ⎰⦘ ⦗phosphorsaurer Kalk u. phosphorsaure Bittererde im Plasma wichtig f. Knochenbildung⦘ ⦗Kupfer statt Eisen im Blut verschiedner niedern Thiere. 350 ⎰⦘

4) Gase des Bluts: Im Gesammtblut O, N u. Kohlensäure; auf dem Wechselverkehr der Gase der Atmossphäre mit den Blutgasen, die an dem Oxydationsprocess der Organe sich bilden – vor allem Kohlensäure – beruht die Lebensmöglichkeit des animalen Organismus. Aufnahme v. O grösstentheils unabhängig v. Gasdiffusion; durch Anziehung des Hämoglobin in den Blutkörperchen; Omenge in Blut also v. Hämoglobinmenge abhängig die bei normaler Athmung in arteriellem Blut etwa zu 9/10 mit O gesättigt. Hämoglobin bindet O, ohne sich mit ihm zu zersetzen; hat Fähigkeit O wieder an andre Körper zur Oxydation abzugeben, z. B. an Flimmerzellen. Verbindung des O mit Hämoglobin so lose, dass O gewöhnlich v. Blut durch dieselben Mittel getrennt werden kann[,] die indifferente Gase aus Flüssigkeiten austreiben. (351) O in Blut in die active Form, in Ozon übergeführt. (l. c.) ⦗auch hier wirken die rothen Blutkörperchen, nicht das Serum⦘ Omenge in venösem u. arteriellem Blut verschieden, aber in keiner dieser Blutarten jemals konstant. (352) ⦗bei langsamem Lauf od. während der Thätigkeit der Organe, die es durchströmt[,] dem venösen Blut mehr O entzogen, als bei raschem Lauf etc.⦘

Stickstoff [ist] im Blut einfach absorbirt enthalten [zu] 1–2 V %. (352)

Kohlensäurevermehrung im venösen Blut entspricht der Overminderung. Im Mittel im arteriellen Blut 30 V. % Kohlensäure; grösste Theil der Kohlensäure im Blut einfach absorbirt; kleinerer Theil chemisch gebunden, nur durch Säuren austreibbar. Kohlensäurebindung nicht besorgt v. den Blutkörperchen; nach Liebig bindet das zweibasisch-phosphorsaure Natron des Serums die Kohlensäure. (l. c.) Sauerstoffspannung im Blut u. in der Atmossphäre; ihre Ausgleichung. (353 ⎰) Quantitativer Gasgehalt des Bluts (sieh ib. ⎰) ⦗In 100 Vol. Blut gesammte Gasmenge = 48.20; O = 16.41; N = 1.20. Kohlensäure: frei = 28.27; gebunden = 2.32, zusammen = 30.59⦘ ⦗diess nur Beispiel; bei den beständigen grossen Schwankungen im Gasgehalt des Bluts Mittelwerthe v. geringer Bedeutung.⦘ ⦗Das Gesammtblut hat viel mehr Gase als das Serum, dem fast alle Kohlensäure angehört.) ⦗Säurebildung stets stattfindend im normalen kreisenden Blut, die sich am Austreiben der Kohlensäure betheiligt.⦘

5) Das optische Verhalten des Hämoglobins (354–357)

⦗Von den Gewebsbestandtheilen dem Hämoglobin das O entzogen, so dass das venöse Blut reducirtes Hämoglobin, nicht Oxyhämoglobin. Beide mit verschiednen Spectra⦘

6) Verschiedenheiten in der Blutzusammensetzung:

Arterielles u. venöses Blut: Ersteres dunkel, fast blauroth; zweites hellroth u. nicht dichroitisch. Dieser Farbenunterschied rührt vom verschiednen Gasgehalt der beiden Blutarten her. Auch Blutfarbstoff ausserhalb der Blutzellen zeigt hellere Färbung durch O. Dunkle Farbe rührt v. Omangel zunächst her, da gasfreies Blut am dunkelsten. Auch die Blutkörperchen selbst sollen Einfluss auf die Farbenveränderungen haben durch Gestaltveränderungen, die sie erleiden bei Verdünnung durch Wasser od. durch Salzzusatz; schwellen auf durch Wasser u. verlieren mehr [oder] weniger die biconkave Gestalt, bei Salzzusatz schrumpfen sie zusammen; die kugeligen Flächen zerstreuen das Licht (verdunkeln); biconkave Körperchen wirken als Holspiegel Hohlspiegel, werfen das Licht concentrirt zurück (erhellen). (358) Bernard gezeigt dass das venöse Blut der auf Trigeminusreizung arbeitenden Speicheldrüsen in der Farbe ganz dem arteriellen ähnlich. (Näheres darüber l. c. ⎰) ⦗Blut geht hier schneller durch die während der Zeit erweiterten Gefässe durch, hat nicht Zeit sein O so reichlich abzugeben⦘|

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Einfluss der Nahrung auf die Blutzusammensetzung: nach fettiger Nahrung die Fette im Blut vermehrt, so dass das Serum milchig aussehn kann; nach Brodnahrung Zuckermenge gesteigert, nach gesteigertem Salzgenuss die Aschenbestandtheile des Gesammtbluts. Durch längeres Hungern wird das Wasser im Organismus, auch im Blut vermehrt. ⦗alle übrigen Blutbestandtheile vermindert.⦘ Während der Verdauung nur Wassergehalt vermindert, alle übrigen Bestandtheile vermehrt. Länger fortgesetzte Fleischnahrung vermindert Wassergehalt, vermehrt Gehalt an Fibrin, Hämoglobin, Extraktivstoffen u. Salzen. Vegetabilische Nahrung vermehrt Wassergehalt, Albumin u. Fette, vermindert aber Fibrin, Extraktivstoffe u. Salze (359)

Einwirkung der Muskelarbeitsleistung auf die Blutzusammensetzung: Direkt nach der Arbeit Blut procentisch weniger Wasser als während der Ruhe, da sich die Muskelzersetzungsprodukte, die sich während der Arbeitsleistung in grössrer Menge bilden, zuerst in ihm anhäufen. Da Bei Ausschluss der Ernährung od. mangelhaftem Ersatz des Mehrverbrauchs bei Arbeit der Muskel u. der Gesammtorganismus wasserreicher werden, wird es auch das Blut, da sein Wassergehalt in constantem Verhältniss zum Wassergehalt der Gewebe. In diesem Fall wirkt übermässige Arbeit wie fortgesetzte Säfteverluste. (359)

7) Die Stoffvorgänge im lebenden Blut: Diffusion zwischen Blutkörperchen u. der sie umgebenden Flüssigkeit zeigen die Formschwankungen, die den erstren eingehn bei Concentrationsschwankungen des Serum. Ebenso sind die physiologischen Verschiedenheiten in der Concentration, z. B. durch Nahrungsaufnahme u. Muskelbewegung[,] mit Grössenverschiedenheiten der Blutzellen ebenso verknüpft, als direkter Salz- od. Wasserzusatz zum Blut. (360) ⦗die Cholerakrämpfe rühren v. den freien Kalisalzen im Serum her, die auf das Muskelsystem, zuerst das Herz, erst erregend, dann ermüdend u. lähmend wirken.⦘. Während des Absterbens bilden sich im Blut ebenso Zersetzungsprodukte wie in den übrigen Geweben, auch eine Säure entsteht, auf deren Wirkung wohl die Veränderung in den Diffusionsvorgängen beruht. Unter Wirkung v. Säure sahn wir auch die Muskelzelle Stoffe aufnehmen u. abgeben, die sie sonst zurückhält od. nicht eintreten lässt. (360) Das Blut enthält Substanzen, die dem Hämoglobin das O entziehn. (l. c.) ⦗Diess Blutathmung⦘ Bei Saürung des Bluts bindet das sich zersetzende Hämoglobin O. (361)

8) Die Entstehung der rothen Blutkörperchen: Lymphdrüsen u. Follikel, Milz u. Knochenmark, vielleicht auch Thymus u. Schilddrüsen mischen dem Blut die weissen Blutkörperchen bei. (361)

Die runden, kernhaltigen Bildungszellen des Embryo, welche in der Mitte der anfänglich soliden Gefässanlagen sich befinden, u. in Form u. Aussehn den übrigen Zellen vollkommen entsprechen, lösen sich unter Bildung der Flüssigkeit – Blutplasma – v. einander u. sind als erste Blutzellen zu betrachten; füllen sich mit Blutroth, behalten aber ihre Kerne bei; kugelig, nicht abgeplattet, wie die späteren rothen Blutkörperchen u. ziemlich viel grösser; diese Zellen vermehren sich anfänglich durch Theilung; werden länglich, es entstehn im Inhalt 2 od. mehr Kerne, um die sich die Zellenmembran abspannen kann. Mit der Enwicklg Entwicklung der Leber hört dieser Bildungsmodus auf. Von der Milz u. andren Organen werden dem Blut kernhaltige farblose Zellen – weisse Blutkörperchen zugeführt, die beim Durchsetzen durch die Leber gefärbt werden u. zu kernhaltigen Blutkörperchen werden. Aus ihnen entstehn im spätern Embryoleben die kernlosen, abgeplatteten Blutkörperchen. Anfangs machen die biconcaven Blutscheibchen noch die Minderzahl der rothen Körperchen aus. (361, 362) Auch im erwachsnen Organismus gehn die rothen Blutkörperchen aus den weissen hervor (Näheres p. 362) ⦗am deutlichsten nachweisbar im Venenblut der Milz, in Leber u. Knochenmark, wo zahlreiche Zwischenstufen zwischen rothen u. weissen Blutkörperchen⦘ ⦗Entstehung des Hämoglobin noch nicht näher chemisch beobachtet⦘

Untergang der rothen Blutkörperchen: Können sich rasch neu bilden; dagegen in Milz u. Leber stets massenhafter Zerfall derselben. Galle löst die rothen Blutkörperchen auf; Gallefarbestoff, aus dem Blutfarbstoff hervorgehend, spricht direkt f. Blutkörperchenzerstörung; auch in Milz. Harnstoff löst sie auf, der in Leber u. Lymphdrüsen dem Blut der Kapillaren wohl hinreiched hinreichend beigemischt, um sie zu zerstören. (362)

Leukämie geht mit Vergrösserung der Milz u. Lymphdrüsen zusammen. (l. c.) Dasselbe gilt f. Knochenmark. (363) In der Milz spricht auch die Bildung v. pigment- u. blutkörperchenhaltigen Zellen f. Untergang der Blutkörperchen. (362)|

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9) Die Blutdrüsen, die Bildungsstätten der rothen Blutkörperchen.

a) Die Milz unter den Blutdrüsen bes. wichtig; ihr anatomischer Bau analog dem der Lymphdrüsen; besitzt weisse feste Tunica fibrosa (Faserhülle, die noch von dem Bauchfell einen serösen Ueberzug erhält; zahlreiche Fortsätze aussendet ins Innere des eigentlichen Milzgewebs, die hier bedeutende Anzahl unter einander communicirender unregelmässiger Hohlräume bilden. Die Faserhülle u. diese Balken – Trabeculae lineales lienales – bestehn beim Menschen aus Bindegewebe mit elastischen Fasern. In den durch die Balken gebildeten Hohlräumen liegt das eigentliche Milzgewebe: die Milzpulpe, Pulpa lienis (gebaut wie das eigentliche Drüsengewebe der Lymphdrüsen) – ein Bindegewebskörperchennetz. Innerhalb desselben eingelagert die Gewebszellen der Milz; Maschen so klein, dass oft nur 1, manchmal 2 od. 3 Zellen in einer solchen Platz finden. Neben rundlichen, einkernigen Zellen noch einige grössere blasse zellenartige Gebilde u. dann sehr gross (bis zu 0.01''') entweder blass oder reichlich mit Körnchen gefüllt: Körnchenzellen. Ausser diesen farblosen Zellen in der Milchpulpe farbige Blutkörperchen, entweder v. normaler Gestalt u. Farbe od. in allen Stadien des Verfalls. Lagern sich zusammen; bilden, wenn ganz verfallen, dungelkefärbte dunkelgefärbte Farbstoff- od. Pigmenthaufen. Hier u. da Pigmentkörnchen reichlich in Zelle eingeschlossen, so dass diese Aussehn v. Pigmentzellen erhalten. Ausserdem Blutkörperchen haltige Zellen ⦗die mit einer Hülle mehre Blutkörperchen umgeben; vielleicht nur Gerinnsel, welche die zerfallenden Körperchen einschliessen u. den Eindruck v. Zellmembranen machen.⦘ (363, 364)

Zu der rothen Milzpulpe, bei Gesunden leicht aufzufinden s. g. Milzbläschen (auch benamst: Milzkörperchen, Malpighi’schen Bläschen, Corpuscula Malpighii) Mit unbewaffnetem Aug sichtbar, Gröse Grösse v. 1/6'''; sitzen in sehr grosser Anzahl wie Beeren den feinsten Arterienzweigen an. Stimmen im Bau mit den einfachsten Lymphdrüsen, den Follikeln überein; haben keine sie vollkommen v. der Umgebung sie abtrennende Hülle. Die Adventitia, die Bindegewebshaut der Arterien, zieht sich über die an die Arterien gehefteten Milzbläschen fort, so dass diese als Verdickung der Adventitia erscheinen, worin reichlich zellige Elemente eingelagert; Zellen sind mit denen in andren elementaren Lymphdrüsen identisch, rundlich, körnig, meist mit nur einem Kern, eingebettet in eine eiweisshaltige in der Hitze gerinnende Flüssigkeit. Geringe Einwirkungen zerstören die Zellen, so dass dann neben ihnen eine grosse Anzahl freier Kerne sich findet. In den Bläschen, wie in den Follikeln der Lymphdrüsen, zartes Kapillarnetz. (364–65)

Blutgefässe bilden Haupttheil der Milzpulpe; sehr feine Verzweigung der Arterien, bekommen die beerenförmigen Anhänge, lösen sich endlich in Büsche feinster Aestchen auf – in die s. g. Penicilli –, welche dann in eigentliche Kapillaren übergehn. Venen weit, bilden mit ihren feinsten Zweigen reiches, kavernöses Nest Netz. Die Arterienkapillaren gehn in diese weiteren Venenkapillaren überall direkt (nach Kölliker, Billroth etc) über. (365) Lymphgefässe der Milz. (l. c.) Reichliche Anzahl Nerven, ausgezeichnet durch Reichthum an marklosen Fasern; verlaufen mit den Arterien. (l. c.) Die Venenanfänge beginnen als siebförmig durchbrochne, lediglich von lymphenkörperchenartigen Zellen begrenzte Hohlräume. (l. c.)

α) Die Blutkörperchen des Milzvenenbluts: mehr weisse Blutzellen als im andern Blut; die rothen Blutzellen modificirt, kleiner, weniger abgeplattet als die andern etc[.] Sollen sich noch im Jugend-⦗Bildungs⦘zustand befinden. Dann Uebergangsformen; also in der Milz sich entwickelnde Blutzellen, wie andrerseits grosse Anzahl rother Blutkörperchen darin zu Grunde geht. (366)

c) Chemische Zusammensetzung des Milzgewebs. (p. 366) ⦗Lebhafter Stoffwechsel in Milz; wie gezeigt durch die grosse Anzahl v. Zersetzungsprodukten der primären Körperbestandtheile, die sich in ihr befinden. Weiteres ib. In der Asche auffallend grosser Eisengehalt; viel Natron, wenig Kali; viel Phosphorsäure.⦘ ⦗Eisengehalt vielleicht zusammenhängend mit der Bildung des Haemoglobins, womit in der Milz die zuerst farblosen Blutkörperchen sich anfüllen⦘ ⦗Pigmente der Milz eisenhaltig⦘

β) Grösse der Milz schwankt mit den verschiednen Körperzuständen, am kleinsten während der Verdauung, wenn alle Verdauungsdrüsen zur Steigerung od. Hervorrufung ihrer Absonderungen eine vermehrte Blutzufuhr erfordern. Sobald sich nach der Verdauung die Blutgefässe der Eingeweide wieder verengern, beginnt die Milz sich zu vergrössern. Milzbläschen kleiner bei Hungernden. (366)

γ) Milzblut: Mittel (Chinin), welche die Milz anschwellen machen, setzen auch die Harnsäure im Harn herab. (367) Milz Hauptstätte der Harnsäurebildung; auch Harnstoff in ihr gebildet. (l. c.)

b) Schilddrüse. Geschlossne Drüsenbläschen ihre lezten Drüsenelemente; durch Bindegeweb zu grössern Drüsenkörnern, diese zu Läppchen u. Lappen vereinigt. Die Drüsenbläschen haben membrana propria; Hohlraum des Bläschens enthält zähe Flüssigkeit, klar u. etwas gelblich gefärbt, mit ziemlich viel Eiweiss. (367) Ihre Vergrösserung als Kropf |49 (Struma) beeinträchtigt die normale Thätigkeit der Respirationsorgane.

c) Die Thymus. Brustdrüse neugeborner Thiere; hat f. den erwachsnen Organismus keine Bedeutung mehr; nimmt v. der Geburt an stets ab, verschwindet endlich ganz. Zur Zeit ihrer Funktionirung stimmt Thätigkeit der Schildrüse u. der Thymus wohl mit der der Milz überein; derselbe lymphenähnliche Bau; ungefähr selbe chemische Zusammensetzung wie Milz. (368–69)

10) Das Knochenmark: als Bildungsstätte rother Blutkügelchen. (369) Marksaft enthält zahlreiche Zwischenformen zwischen weissen u. rothen Blutkörperchen; er entstammt theils dem eigentlichen Geweb des rothen Knochenmarks, theils den Blutgefässen. Enthält viel zellige Elemente, theils gewöhnliche Lymphkörperchen, theils v. ihnen durch gelbliche Färbung ausgezeichnete Zellen: unreife rothe Zellen. Kette v. Uebergangsformen verbindet sie einerseits mit den Lymphkörperchen, andrerseits mit den rothen Blutkörperchen. Von Peripherie od. von Kern aus findet Verwandlung des körnigen Protoplasma der Lymphkörperchen in die homogene gelbe Substanz statt. So entstehn zuerst die gelben Zellen etc. Diese Uebergangsformen entsprechen den embryonalen Entwicklungsstufen der rothen Blutkörperchen etc., ebenfalls reichlich bei Embryonen in Knochenmark, Milz, Leber. Die Uebergangsformen befinden sich in den Kapillaren des Knochenmarks, wo die Blutbewegung relativ langsam. ⦗Die weissen Blutkörperchen können aus den Kapillaren auswandern, also wohl auch v. aussen in sie eindringen, daher aus dem Mark in seine Kapillaren gelangen⦘ Aktive Beweglichkeit der betreffenden Zellen im Knochenmark f. Kalt- u. Warmblüter nachgewiesen. (369)

Im Knochenmark noch einzelne grosse hüllenlose Zellengebilde mit 30–40 Kernen = Myeloplaxen (vielkernige Riesenzellen). (l. c.)

Das Gelbe Mark der Röhrenknochen verdankt seine Farbe den Fettzellen ⦗besteht zu 96% aus neutralen Fetten⦘. Das rothe Mark [befindet sich] in den platten u. kurzen Knochen. In spärlichem [Gerüst] v. Bindegeweb die zelligen Elemente u. Lymphkörperchen eingelagert. (370) ⦗diese platten kurzen Knochen heissen Epiphysen⦘

Die kapillaren Blutgefässe im Knochenmark. (370 weiteres)

11) Diapedesis: Austritt v. Blutkörperchen aus den unverlezten Gefässwandungen. (370)

12) Betheiligung der Leber an der Bildung der rothen Blutkörperchen. (370, 371) ⦗Das Lebervenenblut um 8–9% ärmer an festen Stoffen wie das Pfortaderblut, beruht v. allem an auf Zunahme in den festen Bestandtheilen der rothen  Bei Ranke, S. 371: Blutkörperchen
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Blutkügelchen
. Näheres 371 ⎰⦘

13) Die Gesammtblutmenge: bei gesunden, erwachsnen Männern 1/13 = 7.7% des Gesammtkörpergewichts. (371) Sehr fette, gemästete Individuen haben relativ geringste Blutmenge. (l. c.) Ihr Nahrungsbedürfniss geringer. (l. c.)

Verminderung der Blutmenge bei starker Muskelleistung. (372) (ib. ⎰) Bei 130 Pf. Körpergewicht Blutmenge nach obigem Verhältniss v. 1/13 = 10 Pfd Blut. (l. c. confer ⎰ ib.) ⦗Blutverminderung bei grossem Fettansatz nicht nur relativ, sondern auch absolut.⦘ ⦗Grösse des Stoffwechsels im Verhältniss zur Blutmenge

Blutgehalt verschiedner Thiere. (373)

Gewöhnung an gesteigerte Muskelarbeit, mit der sich der Organismus ins Gleichgewicht der Ernährung setzt, steigert die Gesammtblutmenge ⦗vermindert durch übermässig gesteigerte Muskelaktion⦘; lang dauernde Muskelruhe setzt die Blutmenge herab. (l. c.) Das Blut v. Fleischfressern (Hunden) im Ganzen auch an Haemoglobin concentrirter als das v. Nagethieren (Kaninchen) l. c.

Langdauernde Ernährungsstörungen (Hunger) vermindern die festen Blutstoffe um die Hälfte (l. c.)

14) Die Blutvertheilung: Blutgehalt wechselt in den verschiednen Organen: je nach Anzahl u. Weite der Blutgefässe, die in sie eintreten u. sich in ihnen zu Kapillaren auflösen; nach der Stromgeschwindigkeit in den Blutgefässen ⦗davon abhängend die Blutmenge, die ein Körpertheil in der Zeiteinheit enthält⦘; Weite der Gefässe u. Blutgeschwindigkeit wechseln unter Einfluss des Nervensystems; unter dem Einfluss der wechselnden Innervation der Gefässe [wird] die Blutvertheilung im Organismus sehr schwankend. Blutgeschwindigkeit abhängig auch v. Entfernung der betreffenden Gefässpartie vom Herzen. (373)|

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Im ruhenden lebenden erwachnen erwachsnen Kaninchen je 1/4; die Gesammtblutmenge in den grossen Kreislaufsorganen, in der Leber, in den Muskeln, in den übrigen Organen. (374) Auffallende Veränderungen in der Blutvertheilung durch vorwiegende Thätigkeit einer od. der andern Organgruppe (l. c.) Zahlenangaben. (374, 375) ⦗Die Menge des dem Organ zukommenden Bluts proportional, caeteris paribus, der Intensität des Organstoffwechsels; Stoffwechsel nimmt in dem Organ zu od. ab, je nachdem es mehr od. weniger stark thätig ist. Die thätigen Organe entziehn den zu gleicher Zeit ruhenden das Blut; bei Steigerung ihres Stoffwechselvorgangs der Stoffwechsel gleichzeitig in den ruhenden Organen um dieselbe Grösse vermindert. Diese Abwechslung in der Functionirung, zunächst beruhend auf der wechselnden Blutvertheilung – Thätigkeitswechsel od. Funktionswechsel der Organe.⦘ Immer entsprechen Congestionen u. Hyperämien einzelner Organe u. Körpertheile Anamien u. Blutarmuth an andern Orten. (376)

15) Blutmengebestimmung u. Transfusion. (376–378) (Transfusion cf. 377 ⎰) (378 ⎰)

16) Verhalten des Bluts gegen giftige Gasarten. (p. 378–80) ⦗Giftig: Kohlensäure, Kohlenoxydgas, Stickstoff, Stickoxydgas, Schwefelwasserstoff etc[.] Ihre Wirkung beruht im Allgem. auf Sauerstoffentziehung, aber in verschiedner Art.⦘ ⦗Auch die Wirkung der Kohlensäure z. Th. v. dieser Art (die auch f. reines Wasserstoffgas gilt), aber zugleich Vergiftungssymptome, die auf Störungen des centralen Nervenlebens beruhn.⦘ ⦗Das giftige Kohlenoxydgas oft bedeutend im Leuchtgas enthalten. Weiteres 380 ⎰⦘ ⦗Aerztliche Aufsicht über die Gasröhrenlegung nöthig

17) Nachweis des Blutes. Blutuntersuchung. (380–381)

Elftes Kapitel. Die Blutbewegung.

A. Das Herz.

1) Allgemeine Beschreibung der Blutbahn: v. Herz aus, zum Ausgangspunkt zurückkehrend, Kreislauf, immer in derselben Richtung. Herz als doppeltes Pumpwerk in den Mittelpunkt der Blutbahn eingesetzt; beginnt mit Aorta (einfaches röhrenförmiges Gefäss das entspringt aus der linken Herzhälfte[)]; verzweigt sich in der Folge u. verbreitet sich dadurch bedeutend; die Zweige immer feiner, werden zu Kapillaren, welche die kleinsten Gewebsabschnitte regelmässig umspinnen, in hohem Grad geeignet mit den Gewebsflüssigkeiten in Diffusionsverkehr zu treten. Die grösseren Gefässe durch ihren innern festen Epithelbeleg während des Lebens undurchgängig für die Blutflüssigkeit; dagegen die Wände der Kapillaren bestehn aus Zellen, die die Diffusionsströme nicht mehr hindern wie Drüsenzellen. Alle Abgabe v. Blutbestandtheilen an die Gewebe erfolgt durch die Kapillarwand, ebenso auch die Einnahmen in das Blut ⦗mit Ausnahme der Lymphe⦘. Die breiteste Stelle der Gefässbahn, das Kapillarsystem, verschmälert sich wieder durch die Vereinigung der Kapillaren zu grösseren Stämmchen, [die] immer zu grösseren Stämmen zusammentretend, u. eintreten in die rechte Herzkammer, v. der letzen durch vollständige Wand getrennt. (heisst grosser Kreislauf) Das Blut jezt zwar zum Herzen, aber noch nicht zu seinem wahren Ausgangspunkt zurückgekehrt. Blut nun aus dem rechten Herzen durch die Lungenarterie, A. pulmonalis, in die Lunge getrieben, wo es zweites Kapillarsystem durchlauft durchläuft, v. dem es in mehren Gefässen der linken Herzkammer wieder zufliesst. (Kleiner od. Lungenkreislauf) Arterien, die Gefässe die das Blut centifugal zu den Kapillaren führen; Venen die Gefässe, die es centripetal v. den Kapillaren zum Herzen (rechten Herzkammer) führen. In den KörperKapillaren giebt das Blut O an das Gewebe ab, saugt dafür CO2 in sich ein, wird dadurch dunkelrothes, venöses Blut. Haupterneuerung des Bluts, geschieht in der Lunge. Die Gefässe welche das noch dunkel gefärbte venöse Blut ihr zuführen (aus dem rechten Herzen) führen dunkles venöses, kein hellrothes arterielles Blut, heisst heissen aber Lungenarterien, weil man alle das Blut v. Herzen wegführende Gefässe Arterien heisst. In den Lungenkapillaren verändert sich Farbe u. Eigenschaft des Bluts; die Lungenvenen, die das Blut aus den Lungen zum linken Herzen zurückführen, enthalten daher nicht venöses, sondern hellrothes arterielles Blut. Ein Theil des Venenbluts, u. zwar das |51 aus den Kapillaren der Milz u. des Darms stammende wird in einem kurzen Venenstamm, der Pfortader, vereinigt, die sich in der Leber noch einmal zu Kapillarsystem auflöst, das sein Blut in den Lebervenen v. neuem sammelt u. durch untere  Bei Ranke, S. 384: Hohlader
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Pfortader
dem rechten Herzen zusendet; dieser Theil des Bluts durchsetzt also 3faches Kapillarsystem eh es zum linken Herzen zurückkehrt (heisst oft fälschlich: Pfortaderkreislauf). (383–4)

2) Physiologische Anatomie des Herzens: Es liefert durch seine aktive Zusammenziehung die Kraft, die das Blut durch Arterien u. Kapillargefässe in Venen einpresst; es ist Druckpumpe. (385, 86) Muskulöser Schlauch, zerfällt in vier Hohlräume, je 1 Vorkammer u. 1 Herzkammer münden direkt in einander, durch vollkommne Scheidewand v. den beiden andern getrennt. Den Rückwärtsströmen sich widersetzende, ventilartige Klappen an den Einmündungsstellen der Vorkammern in die Kammern u. an den Anfangsstücken der aus den Herzkammern entspringenden 2 grossen Arterien: Aorta u. Pulmonalis. (386) Herz wiegt im Mittel about 10 Unzen, schwankt normal zwischen 7 u. 15; hängt mit der Gesammtentwicklung des Organismus u. der Muskulatur zusammen. (l. c.)

Pericardium (Herzbeutel) seröse Hülle, worin das Herz eingestülpt; inneres Blut derselben überzieht die Aussenfläche des Herzens (l. c.)

Endocardium: Fortsetzung der innern Gefässhaut, kleidet alle 4 Herzhöhlungen aus, ist dick an den Vorhöfen, trägt zu ihrer Elasticität bei. (l. c.)

Muskulatur des Herzens liegt zwischen dem Visceralblatt des Herzbeutels u. dem Endocardium; Bündel roth u. quergestreift (obgleich keine willkührlichen Muskeln). Zwischengeweb zwischen den Muskelbündeln ⦗die daher nicht scharf gesondert⦘ wenig entwickelt. Die mikroscopischen Muskelschläuche eng verbunden; stellen netzartig verbundne Reihen dar (l. c.)

Die HerzmuskelfasernMuskelzellketten – Verschmelzung einzelner reihweis an einander gelagerter Zellen, auch während des Lebens der Wirbelthiere v. einander gesondert; diese Zelle Zellen ein- od. mehr kernig, ihre Kerne central gelagert, durch quere Scheidewände v. einander getrennt; verbinden sich durch Ausläufer mit Zellen neben ihnen verlaufender Reihen (386)

An den Herzkammern liegt die Musculatur in mehren Lagen übereinander, bes. das linke Herz durch dicke Wandungen ausgezeichnet, das rechte Herz weit dünnwandiger; Muskellage an den Vorkammern nur spärlich. (376, 77)

Vorkammer- u. Kammermuskulatur ganz voneinander getrennt, während die Fasern v. einer Herzhälfte auf die andere übergehn. Beide Vorhöfe u. beide Ventrikel arbeiten gleichzeitig, während Vorhöfe u. Ventrikel sich unabhängig v. einander contrahiren können. Die Muskelfasern der Vorhöfen Vorhöfe gehn ebenso wie die der Kammern v. einer Hälfte auf die andere über. Die Scheidewand der Vorhöfe gehört in ihren Fasern beiden Vorhöfen an; ditto ist die Kammerscheidewand der Musculatur beider Kammern gemeinschaftlich. (387)

Die Ursprungsstelle der Herzmuskulatur liegt bes. an den Einmündungsöffnungen der Vorkammern in die Kammern u. der Ausmündung der Arterien, wo die genannten Oeffnungen von dichten sehnigen Ringen umkreist – Annuli fibrocartilaginei. (l. c.)

In den Kammen durchkreuzen sich die Fasern sowohl an der innern als äusseren Fläche in ihrem Verlauf, wobei Uebergänge aus der einen Richtung in die andere. Die Muskeln entspringen an den Klappenringen (Ostia venosa u. Aorten- u. Pulmonalmündung) theils mit kurzen Sehnen, theils direkt; verlaufen schief, der Länge nach od. quer; nachdem sie in einer der angegebnen Richtungen grösseren od. kleineren Abschnitt der Kammern umkreist haben, biegen sie sich zurück zu ihrem Ursprung, in dessen Nähe sie sich ansetzen, bilden also fast überall Schleifen, sich durchkreuzend, fast alle mehr od. weniger um sich gedreht. Ein Theil der Fasern gelangt nicht mehr ganz zum Ausgangspunkt zurück, sondern schlägt sich in den Papillarmuskeln um, welche endigen an der Chordae tendinae (Sehnenfäden der Klappen). (l. c.)

Endocardium überzieht die ganze Innenfläche mit allen Hervorragungen u. Klappen; diese, bestehend aus Bindegeweb mit eingelegten elastischen Fasernetzen, auf beiden Flächen v. dem Endocardium gedeckt, so dass bis gegen ihren Rand hin erkennbar 3 gesonderte Lagen, die am Rand verschmelzen; dort überkleidet das Endocardium die faserige Haut nur noch mit Epithelzellen. Das Endocardium v. weisser, sehnenartiger Farbe; 3 Schichten darin |52 unterscheidbar: Ein Epithel (aus vieleckigen od. gestreckten, kernhaltigen, platten Zellen); es bedeckt mehr od. minder dicke Lage elastischen Gewebes (bes. verdickt in den Vorkammern, namentlich der linken); endlich schwache Bindegewebsubstanz, befestigt das Encardium Endocardium an seine Unterlage. (387–38) ⦗Im Innern das Encardium Endocardium sehr dünn, durchsichtig, doch die 3 Schichten noch nachweisbar⦘

Blutgefässe, die das Herz selbst mit Blut versorgen; umspinnen mit ihren Kapillaren in rechteckigen Maschen häufig nicht nur eine, wie bei andern quergestreiften Muskeln, sondern mehre der dünnen mikroskopischen Muskelfasern. Ernährende Gefässchen gelangen auch in die Klappen, Peri- u. Endocardium. Lymphgefässe im Peri- u. Endocardium als eng- od. weitmaschige Netze; einzelne Lymphgefässe dringen in die Klappen. Auch die Muskulatur selbst reich an Lymphgefässchen, hängen theils röhrenförmig mit den erwähnten Netzen zusammen, theils spaltartig, aber mit dem Lymphgefässdotel Lymphgefässdothel analogen Häutchen ausgekleidet, bilden sie ein sich mannigfach verbindendes Canalsystem zwischen den Muskelfasern. Endlich Nerven. (388)

Chemie des Herzfleisches. (p. 389)

3) Die Bewegungen des Herzens: Im abwechselnden Rhythmus Systole (Zusammenziehung) u. Diastole (Erweiterung, Erschlaffung) der Vorkammern, die immer gemeinschaftlich arbeiten wie die beiden Herzkammern, die ditto. Kleine Pause erfolgt auf jede Kammersystole ⦗das ganze Organ ruht dann. Während sich dann die Kammer Kammern erweitern, folgt auf die Pause eine Contraction der Vorkammern, dann etwas länger dauernde Contraction der Herzkammern, kurze Gesammtruhe dann, dann die Contractionen etc⦘ (389)

Während der Gesammtpause der Contraction saugt sich das ganze Herz mit Blut voll (sowohl Vorkammern als Kammern); die Erweiterung, auf der diese Aussaugung beruht, geschieht, abgesehn v. der Selbssteurung des Herzens, theils durch die Wirkung seiner Elasticität, theils dem negativen Druck, der in der Brusthöhle herrscht, in der das Herz mit den grossen Gefässen eingeschlossen liegt. (389, Näheres ib. u. 390) ⦗Lungen auch ohne Einathmung über die natürliche Grenze ihrer Elasticität ausgedehnt, durch ihren Einfügungsmodus im Brustraum⦘ Wenn also die Herzcontractionen beginnen ist sowohl in Vor- als Herzkammern schon Blut ⦗aus den grossen Venen v. dem ausgedehnten Herzen aufgesaugt⦘ (390) Weitere Beschreibung des Vorgangs der Systole u. Diastole. (389, 90) Bei gewöhnlicher Pulsfrequenz nimmt die Kammersystole etwa 2/5, die Diastole etwa 3/5 der ganzen Periode in Anspruch. (390)

Form- u. Lageveränderung des Herzens bei der Contraction: Die Herzcontractionen mit Formveränderung des ganzen Herzens verknüpft, es wird kürzer u. dicker bei der Contraction; sein Längendurchmesser etwas verkürzt, sein Dickendurchmesser v. vorn nach hinten nimmt etwas zu. Die Kammern haben kegelförmige Gestalt, deren Basis an der Vorhofsgrenze; Während der Diastole der Kammer ist die Gestalt des Durchschnitts der Kammerbasis eliptisch elliptisch ; während der Systole wird die elliptische Form kreisrund (Querdurchmesser verkürzt, während der Durchmesser v. vorn nach hinten um ebenso viel verlängert; der kleine Durchmesser läuft nämlich v. vorn nach hinten, der grosse v. rechts nach links.) (391)

Herz wechselt bei jeder Contraction auch etwas seine Lage im Brustraum; steigt etwas nach abwärts, Herzspitze etwas nach vorwärts gerückt ⦗„Aufrichten der Herzspitze“⦘. Auf diesem Andrücken der Herzspitze beruht der bei den meisten Menschen zwischen 5 u. 6 Rippe zu fühlende Herzstoss od. Herzschlag. (391)

Herzklappen u. ihr Schluss (392–93) ⦗Der Uebergang des Bluts aus der Vorkammer in die Kammer durch die venösen od. Atrio-Ventikularklappen, Valvulae venosae geregelt. Nach der Anzahl ihrer häutigen Zipfel [wird die] Klappe des linken Herzens Valvula bicuspidalis od. mitralis genannt, die des rechten Valvula tricuspidalis. (392) (Klappen angeheftet an den fibrösen Ringen der Vorhofsgrenze) An der Mündung der Arterien taschenförmig stehende halbmondförmige od. Semilunarklappen. (392) Die Coronararterien führen dem Herzmuskel das Blut zu; entspringen in dem Sinus Valsalvae meist so tief, dass ihre Mündungen von den Klappen, wenn an die Wand angepresst, gedeckt werden. (l. c.)[⦘]

Herztöne: Klappenschluss geschieht so rasch u. mit solcher Energie, dass dadurch Töne entstehn; hörbar wenn man das Ohr mit dem freiliegenden, schlagenden Herzen bei geöffneter Brustwand durch das Stethoskop in Berührung setzt. (393) ⦗erste Ton, am deutlichsten an der Stelle des Herzstosses an 5 u. 6t Rippe, mehr dumpf, andauernd, entspricht der Systole der Kammern u. dauert so lang als diese; zweiter Ton, im 3t Rippenzwischenraum beiderseits vom Brustbein an |53 hörbar, kurz, klappend, hell, entspricht der Diastole u. ist mit ihr v. gleicher Dauer⦘ (ditto 393 ⎰⎰)

Im Allgemeinen hängen Zahl u. Stärke der Herzaction ab v. dem Verhältniss der Herzkraft zu dem zu überwindenden Widerstand der Blutmasse. (334) Herzcontractionen auch unter dem Einfluss der chemischen Zusammensetzung des Herzmuskels. (l. c.)

Der Ablauf der Herzthätigkeit bei Warmblütern an die Anwesenheit Ohaltigen Bluts im Kapillarsystem der Herzsubstanz geknüpft. (395) Die Pulsationen des Froschherzens hören auf bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt des Wassers (bis 4°) u. über 30 bis 40° C. (l. c.)

4) Die nervösen Bewegungscentren im Herzen: (mikroskopische) Ganglien, durch Nervengeflechte miteinander verbunden, in der Muskelsubstanz des Herzens, bes. in der Vorkammerscheidewand u. an der Grenze der Kammern u. Ventrikel; auch im Hohlvenensinus u. an der Hinterwand der Kammer. (395) Nur die Abschnitte des Herzens der rythmischen Zusammenziehung fähig, die gangliöse Nervencentren enthalten. (l. c.) ⦗ganglienfreie Herzabschnitte, z. B. Herzspitze, abgeschnitten, verfallen in diastolischen Stillstand.⦘ ⦗Ganglien in der Vorhofscheidewand scheinen hemmende, die andern beschleunigende Wirkung auf das Herz auszuüben.⦘

Herznerven: (ausser den im Herzen selbst gelegnen Ganglien od. Bewegungscentren): Herznervengeflecht stammt ab einerseits v. Nervus Vagus, andrerseits aus dem Hals- u. obersten Brusttheil des Grenzstranges des Sympaticus Sympathicus . (397 weiteres 397, 98 ⎰⎰ etc) ⦗Den Vaguszweigen ursprünglich dem Nervus accessorius angehörige Fasern beigemischt.⦘ ⦗Vagusnerven verlangsamend, hemmend; Sympathicusnerven beschleunigend, excitirend; so dass Herzcontraction unter 2 entgegengesetzt wirkenden Einflüssen. Beide  Bei Ranke, S. 397: Nervenarten
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Nervensorten
– als regulatorische zu bezeichnen.⦘ ⦗Das Centrum excitirender Fasern f. die Herzbewegung in der Medulla oblongata [(]398)⦘

Die Reitzung des Vaguscentrums geschieht normal direkt od. reflektorisch (l. c.)

Die excitirenden Nerven treten oberhalb des zweiten Brustwirbels vom Rückenmark zu dem Plexus cardiacus ab; die vom Plexus cardiacus abtretenden Nervenfäden treten bei Säugethieren unter das Pericardium u. in das Septum ventriculi; wo sie in der Mitte der Muskelmasse verlaufen, unabhängig v. der Gefässverbreitung, sind in Verbindung mit Ganglienzellen, die aber nirgends makroskopische Ganglien bilden. (399) Die sensiblen Fasern des Herzens (es ist empfindlich) in Vagus verlaufend (bei Frosch); bei Säugethieren auch noch sensible Fasern wahrscheinlich im Splanchicus Splanchnicus befindlich. (400)

B.) Die Blutgefässe.

1) Nerveneinflüsse auf die Weite der Blutgefässe (405–7) ⦗Im Moment, wo Blutdruck in den contrahirenden Herzkammern den Druck in der Aorta übersteigt, in die letztere eingepresst.⦘ ⦗Wendungen sehr elastisch bei den Röhren (Venen u. Arterien); in ihnen eingelagert Muskelfasern, fähig, durch nervösen Einfluss, sich aktiv zu contrahiren u. zu erweitern. Elasticität u. Contractilität (bei den Arterien namentlich denen kleineren Kalibers viel entwickelter als bei den Venen, doch auch den Kapillaren nicht fehlend) also 2 Momente, welche auf den Durchmesser der Gefässlichtung (lumens) bestimmenden Einfluss üben. (405)⦘ ⦗Von sensiblen Organ- u. Hautnerven aus Reizzustand reflektorisch auf die Gefässnerven ausgeübt. Es sind vor allem die nervösen Beeinflussungen der Gefässe – direkt der Gefässnerven – wodurch die Blutvertheilung im Körper je nach dem Bedürfniss ⦗also speciell der Arbeit⦘ der Organe geregelt wird.⦘

Bei Reizen, die die aüssere Haut treffen, z. B. Kälte, zuerst durch reflectorische Erregung der Gefässnerven tetanische Contraction u. Verengerung der Hautgefässe, gefolgt v. secundärer Erweiterung; in Folge der Ermüdung der Gefässmuskulatur; zeigen sich in Blässe od. Röthung an der Haut des Menschen; letztere mit gesteigerter Wärmeabgabe verbunden. So bei den arbeitenden Drüsen; erfolgt ein Reflex v. den sensiblen Nerven der Schleimhaut, chemisch od. mechanisch erregt durch die aufgenommenen Speisen, auf die motorischen Nerven der Gefässe ihrer Drüsen, so werden diese Gefässe erweitert. Andrerseits häufen sich, in Folge der Arbeitsleistung der Organe, Zersetzungsprodukte in diesen an, beeinflussen direct durch ihre chem. Wirkung als Säuren od. Akalien die in den Organen verlaufenden Nerven in ihren Lebenseigenschaften. Gesteigerte Temperatur erweitert die |54 Gefässe. Einwirkung psychicher psychischer Alterationen v. Gehirn aus auf die Gefässnerven (Blässe des Schreckens, Schamröthe)

Depressorische Nerven od. Nervenfasern: die die tonische (ununterbrochen wirkende, regulatorische) Contraction der Gefässe herabsetzen oder aufheben. ⦗namentlich die Reizung gewisser sensibler (centripetaler) Nerven⦘; sammeln sich bei einer Reihe v. Thieren in einem Vaguszweig: Ramus depressor. Im Laryngeus superior u. Halssympathicus verlaufen pressorische Fasern, die reflectorisch die Gefässspannung steigern (406)

Alle kleineren Arterien des Körpers verengert und Blutdruck steigend bei elektrischer Reizung des Gehirntheils, worin liegt Pedunculus cerebri. Auch in der Medulla oblongata scheint ein Centralorgan der vasomotorischen Nerven zu liegen, welches v. jener Gehirnstelle aus, in deren Nähe auch das Reflexcentrum liegt, angeregt werden kann. Durchschneidung der vasomotorischen Nerven erweitert die Arterien. Man nimmt an, dass die beständige Erregung des Gefässnervencentrums durch die Kohlensäure ausgeübt wird. (l. c.)

2) Anatomisch-physiologischer Bau der Blutgefässe. (407–411)

3) Blutkreislauf unter dem Mikroskop. (411–419) Blutwegung Blutbewegung erklärt nach den Vorgängen, wie [sie] bei Strömen v. Flüssigkeiten in starren u. elastischen Röhren [eintreten] (l. c.) ⦗Das Rollen der fliessenden Blutkörperchen auf ihrer Bahn zeigt eine directe Wirkung der verschiednen Geschwindigkeit in den concentrischen Flüssigkeitsschichten des Gefässes.⦘

Die Blutgefässe mit dem Herzen ein in sich geschlossnes System elastischer Röhren … Flüssigkeitsbewegung langsamer wo, wie bei dem Blutgefässsystem zwischen den weiten Gefässen eine grosse Anzahl sehr enger, bedeutenden Widerstand bietender Haarröhrchen eingeschaltet sind. (419)

Herzbewegung nicht der einzige Grund des Blutlaufs in den Gefässen; Pumpkraft des Herzens reicht nicht aus beim Durchpressen des Bluts durch die Adern. Sonst müsste nicht nur in den grössten Arterien, sondern auch in den kleinsten Gefässen, Arterien, Venen u. Kapillaren (auch bei den grösseren Venen) nicht constanter gleichmässiger Strom sein, sondern rhytmische Pulschwankung rhythmische Pulsschwankung durch die Herzcontractionen wie in den grössern Arterien; dagegen nimmt Puls immer mehr ab in den enger werdenden Arterien u. verschwindet endlich ganz. An seine Stelle tritt ununterbrochen gleichmässiger Strömungsvorgang. Grund der Blutbewegung nicht in der Herzcontraction, sondern in dem bedeutenden Druckunterschied, der sich, in Folge des beständigen Einpumpens v. Flüssigkeit aus der venösen in die arterielle Hälfte des Gefässsystems, zwischen den Venen u. Arterien zu Gunsten der letzteren findet. (420) Messen des Blutdrucks (ib. ⎰) (Blutsäulenhöhe) In den Venen ist der Blutdruck sehr viel kleiner ⦗auch in den Arterien Unterschied; nimmt gegen die Zweige zu beständig ab; in der Lungenarterie etwa 13 × kleiner als in Aorta⦘, in den ganz grossen dem Herzen sich nähernden wird er = 0, endlich sogar negativ. (421)

Dieser bedeutende Druckunterschied f. sich im Stand, den Blutstrom aus den Arterien durch das Kapillarsystem hindurch in die Venen noch zu unterhalten, wenn das Herz plötzlich seine Thätigkeit einstellt, z. B. bei Vagusreizung. Nach u. nach stellt sich ein annäherndes Gleichgewicht des Drucks in den beiden Gefässabschnitten ein, u. die Blutbewegung hört auf. Beginnt das Herz seine Thätigkeit wieder, so wird dadurch der Kreislauf in seiner alten Weise nicht sogleich wieder hergestellt. Sobald das Herz aus dem venösen System durch eine erste Contraction wieder Blut in die Arterien eingepresst hat, entsteht ein freilich noch geringer Druckunterschied zu Gunsten der Arterien. Die Ausgleichung desselben wird durch die enormen Widerstände der inneren Reibung in den Gefässen, bes. in den Kapillaren, so verzögert, dass die 2te Contraction des Herzens noch einen Druckunterschied vorfindet u. denselben durch ein weiteres Einpressen noch vermehrt. Die Geschwindigkeit des Blutstroms in den Kapillaren nimmt dabei mit dem steigenden Druck zu. Bei jeder folgenden Herzcontraction wird das Blut unter dem steigenden Druck immer rascher fliessen, bis endlich in der Zeit zwischen einer Systole u. der andern genau so viel Blut durch die Kapillaren in die Venen einfliesst als das Herz aus diesen in die Arterien einpresst: über diese Grenze kann bei gleichbleibender Stärke der Herzcontractionen weder Druck noch Geschwindigkeit mehr steigen, es tritt eine Konstanz der Verhältnisse ein. Der BlutDruck in den Arterien nun so hoch, dass er zur Bewerkstelligung des Kreislaufs ausreicht; das Herz hat nur die Aufgabe die Druckunterschiede constant zu halten. Der Druck in den Gefässen setzt also die rythmischen |55 Blutbewegungen, verursacht durch die Herzcontraction, in einen continuirlichen Strom um, wie er den Bedürfnissen des höheren animalen Organismus entspricht. Während der Systole der Kammer steigt der Druck in den Arterien, während der Diastole sinkt er. Diese Schwankungen werden um so geringer, je kleiner die Arterien u. je grösser die Pulszahlen sind. (421)

Die Blutmenge, die eine Systole überpumpt, auf 150–190 Gramm bestimmt. (l. c.) (etwa 1/400 des Körpergewichts) ⦗Von Vierordt dieser Werth f. die linke Kammer zu 180 Gramm Blut berechnet. Dieselbe Blutmenge in der gleichen Zeit v. rechten Herzen in die Lungenarterie, sowie vom Arteriensystem des grossen Kreislaufs in das Venensystem gepresst, da die Blutbewegung eine continuirliche.[⦘] (422)

Je mehr u. je rascher die Systole Blut in die Arterien presst, desto grösser muss der Druck werden, um in der gleichen Zeit diese grösseren Blutmengen od. die gleichen Blutmengen in kürzerer Zeit durch die Kapillaren zu pressen. Im Allgemeinen steigt u. sinkt der Druck auch mit der Zu- u. Abnahme der Gesammtblutmenge (422)

4) Die Herzarbeit: Man kann die hier wirksam werdende Kraft in Kilogrammetern berechnen, d. h. finden, wie viel Kilogramme in einer gegebnen Zeit zu 1 Meter Höhe gehoben werden können, wenn wir die Blutmenge u. den Druck kennen, unter welchem sie in derselben Zeit aus dem Herzen ausströmt. Dabei wird die Herzcontraction als alleinige Kraftursache betrachtet, die das Blut austreibt (die elastische Kraft der Kammern u. Vorkammern vernachlässigt, = 0 gesetzt) (423)

  • Blutmenge, die während einer Systole aus jeder Herzkammer ausgetrieben wird, = 0,188 Kilogramm;
  • Mittlere Blutdruck in der Aorta etwa = 250 Millimeter Quecksilberdruck = Blutsäule v. 3.21 Meter.
  • Die gesuchte Grösse daher f. jede Systole = 0.188 × 3.21 Kilogrammeter = 0.604 Kilogrammmeter

Auf die Minute im Durchschnitt 75 Herzcontractionen; so die Arbeitsleistung des linken Herzens allein = 64 800 Kilogrammeter in einem Tag.

Blutdruck in der Pulmonalis etwa 3 × schwächer als in der Aorta; so die Arbeitsleistung des rechten Herzens in gleicher Zeit nur 1/3 der vom linken Herzen ausgeübten; also im Tag etwa = 21 900 Kilogrammeter. Die Gesammtarbeit des Herzens in [einem] Tag also = 86 700 Kilogrammeter; i. e. die Arbeit des Herzens würde im Stand sein in einem Tag 86 700 Kilogramm einen Meter hoch zu heben oder 1 Kilogramm 86 700 Meter hoch. Die grösste Arbeitsleistung eines Arbeiters im Tag (8 Arbeitsstunden) beträgt etwa nur 320 000 Kilogrammmeter, also noch nicht 4 × mehr als die Herzarbeit. Die gesammte Herzarbeit wird durch die Widerstände im Gefässsystem, durch die innere Reibung verbraucht, d. h. in Wärme verwandelt. Mit der geringeren Arbeitsleistung steht die geringere Muskelstärke des rechten Herzens in Beziehung. (423)

5) Geschwindigkeit der Blutbewegung in den Gefässen; Zahlen f. Säugethiere (423) ⦗In der Carotis grösserer Säugethiere durchläuft das Blut in einer Secunde Wegstrecke v. etwa 1 Fuss⦘. Gegen die Kapillarausbreitung nimmt die Blutgeschwindigkeit mehr u. mehr ab, in den grösseren Venen die Geschwindigkeit um 0.5–0.75 × kleiner als in den ihnen entsprechenden Arterien. (425) Die Geschwindigkeit in den Arterien allmälig langsamer, am langsamsten in den Kapillaren; sie nimmt zu in den Venen in der Richtung v. den Zweigen zu den Stämmen; Grund [liegt] in der Veränderung der Weite des Blutstrombettes. Bei der Theilung einer Arterie sind die einzelnen Aeste enger als der Stamm; aber die Summe der Queerschnitte der Aeste fast ausnahmslos grösser als der Querschnitt des Stamms. So erweitet erweitert sich also mit der Verästelung das Blutstrombett mehr u. mehr; der weiteste Abschnitt des Gesammtquerschnitts der Blutbahn ist der, in welchem sich die engsten Gefässe befinden, die Kapillarstrecke. Ganz analog ist die Verzweigung der Venen, so dass die Blutmasse, die v. den Kapillaren herkommt, in ein enger u. enger werdendes Bett eingedrängt wird. Die Stromgeschwindigkeiten in den in ihrem Lumen vereinigt gedachten Querabschnitten: Stämme, Aeste, Zweige, Kapillaren verhalten sich nach den Gesetzen der Flüssigkeitsbewegung in Röhren von verschiednem Querschnitt nothwendig umgekehrt wie die Querschnitte des Gesammtlumens. Die Geschwindigkeit nimmt mit der stattfindenden Erweiterung des Lumens ab, mit der Verengerung zu. (424)|

56

Obwohl das Blut stossweis aus dem Herzen in die Arterien eingepresst wird, doch auch in ihnen die Strömung ununterbrochen, doch mit stossweisser stossweiser Beschleunigung. Jede Kammersystole steigert die Geschwindigkeit in den grösseren Arterien um 20–30%. Dieser Einfluss der Kammersystole nimmt, wie die Gefässe des Pulses u. der Spannungszuwachs des Bluts, wegen der Erweiterung des Strombettes gegen die Arterienzweige zu mehr u. mehr ab u. findet in den peripherischen Arterien früher od. später Grenze. In den Kapillaren fliesst daher das Blut gleichmässig ohne pulsatorische Veränderung der Geschwindigkeit; bei den Venen macht sich Reihe accessorischer Einflüsse geltend. (424) ⦗Kapillaren contractil, also ihr lumen aktiv veränderlich⦘ ⦗cf. 425 ⎰⦘

6) Kreislaufszeit: Zeit welche ein Bluttheilchen braucht um den ganzen Umlauf zu vollenden (426 daselbst Näheres) ⦗beim Menschen zu 23 Sekunden berechnet⦘

7) Der Puls: 1) Erstens constantes Fliessen in den Arterien durch die Druckwirkung der Wände erzeugt, welches auch nach Aufhören der Herzaction bis zur annähernden Ausgleichung der Druckunterschiede fortdauert. 2) Mit dieser constanten Strömung mischt sich eine Wellenbewegung, deren Ursache das rythmische Bluteinpumpen des Herzens. Diese Wellenbewegungen, die sich in den Arterien als Druckerhöhung während der Systole, als Druckerniedrigung während der Diastole zu erkennen giebt – Puls. Normal 72 Pulse in der Minute. (427) Ist Ausdehnung der Arterien durch die während der Systole in sie eingepresste Blutmenge. (l. c.) (diese Ausdehnung wie bei andern elastischen Röhren vergrössert sowohl Weite als Länge des Gefässes)

Muskelaction steigert die Pulsfrequenz sehr erheblich. (431)

Alles Blut des Körpers fliesst während einer Kreislaufszeit einmal durch das linke Herz; die Kammersystolen treiben bei allen Warmblütern dieselbe proportionale Blutmenge aus; 1/27 der gesammten Blutmasse. (431) Die Kreislaufszeit des Menschen ist 23.1 Secunden; während dieser Zeit macht das Herz im Durchschnitt 27.7 Systolen. Eine Systole des linken Ventrikel treibt 172 CCM Blut aus; also ist die Blutmenge des Menschen = 4760 CCM = (in runder Zahl) 5000 Gramm = 10 Pfd. Das durchschnittliche Körpergewicht = 63.6 Kilogr. angenommen, die Blutmenge = 1/12.6 = 1/13 des Körpergewichts (p. 432) (Eine Ventrikelsystole treibt also Blutgewicht aus v. 1/353 des Körpergewichts)

8) Accessorische Einwirkungen auf die Blutbewegung, namentlich in den Venen:

Venenwandungen viel schlaffer als die Arterienwandungen; schwacher aüsserer Druck kann sie zusammenpressen u. das Fliessen des Bluts an den gedrückten Stellen dadurch unterbrechen. Negativer Druck der Lungen auf ihre Umgebung im Thorax, wodurch alle Hohlorgane ausgespannt. (Sieh oben dasselbe als Grund f. die passive Wiederausdehnung der erschlaffenden Herzhöhlen, wodurch sich diese wieder aus den venösen Blutgefässen mit Blut anfüllen) Der Thorax saugt aus den Körpervenen (auch Lymphgefässen) Blut in die grossen, innerhalb der Brust liegenden Venen u. schliesslich in das Herz. Der Blutdruck in den Venen kann dadurch null werden od. in der nächsten Nähe des Brustraums negativ. (433) Bei der Einathmung dehnt sich die Lunge noch weiter aus, der negative Druck steigt ⦗indem sie sich vermöge ihrer Elasticität zu verkleinern sucht⦘; der Blutzufluss zum Herzen dadurch beschleunigt. Umgekehrt durch Ausathmung etwas  Bei Ranke, S. 433: behindert
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verhindert
. Im entgegengesetzten Sinn wirken die Druckschwankungen auf den Blutlauf in den Arterien. Der stärkere negative Druck während der Inspiration dehnt die Arterien in der Brusthöhle etwas aus u. vermindert dadurch den Blutdruck in ihnen; umgekehrt bei der Exspiration. (Weiteres 433, 34)

Auch Schwerkraft wirkt bei manchen Venen f. die Blutbewegung in ihnen förderlich. (434) Wichtigsten accessorischen Momente bei der Blutbewegung die Aspiration durch den Thorax u. der Einfluss der Athembewegungen. (l. c.)

Klappen werden bei der Lymphbewegung wichtig wie bei der des venösen Bluts; auch hier die Aspiration des Thorax wirksam, da die Lymphgefässe in offner Communikation mit den Venen. Der Milchbrustgang (Truncus lymphaticus communis sinister) mündet in den Vereinigungswinkel der Vena subclavia sinistra u. Vena jugularis communis sinistra ein. Der rechte LymphgefässstammTruncus lymphaticus communis dexter⦘ geht in die Vena subclavia dextra. An den Einmündungsstellen Klappen, links 2, rechts 1, halbmondförmig, die das Eindringen v. Venenblut unmöglich machen. (l. c.)|

57

C) Ausscheidung aus dem Blut.

I) Die Athmung.

Dreizehntes Capitel. a) Lunge u. Athembewegung.

1) Begriff der Athmung: Athmung = Wechselverkehr des Organismus mit der Atmossphäre. a) Aüssere Athmung: O in dem Blut aus der Luft aufgenommen, CO2 u. Wasser dafür ausgeschieden. Vorgang vor allem in den Lungen; dann an der Haut, deren reich mit Blutgefässen umsponnene Drüsenöffnungen der Luft nahen Zutritt zum Blut gestatten; endlich an den Schleimhäuten des Digestionskanals [wird der] O der dahin gelangenden Luft aufgesaugt u. dafür Kohlensäure ausgeschieden.

Innere Athmung od. Gewebsathmung; umgekehrter Vorgang; Gewebe nehmen aus dem umspülenden Blut O u. beladen es dafür mit Kohlensäure u. den übrigen (ermüdenden) Oxydationsprodukten, die sie durch ihre Thätigkeit erzeugt haben. (437)

2) Bau der Lunge: Sie ist eine Drüse ⦗Auch die Leber giebt nicht nur Stoffe ab in das Blut zur Gallenbildung, sondern nimmt auch Stoff auf in das Blut, die glycogene Substanz (resp. des in den Drüsenzellen gebildeten Zuckers.)⦘ Bei den übrigen Drüsen handelt es sich um Auf- u. Abgabe v. tropfbaren Flüssigkeiten, bei der Lunge v. Gasen. Daher auch das allgemeine Schema der traubenförmigen Drüse bei ihr modificirt. (437–38)

Trachea (Luftröhre), Ausführungsgang der Lunge; unterscheidet sich v. den Ausführungsgängen andrer Drüsen; sie besitzt knorpelige Wände, nur wenig comprimirbar od. ausdehnbar durch wechselnden Luftdruck; daher offner Verbindungsweg zwischen Lunge u. Atmossphäre. Häutige Wände fallen zusammen, wenn nicht Substanz, wie Drüsensekret durchgeht. Die Knorpelringe (in den engern Bronchien etwas unregelmässiger, fehlen erst ganz den Aestchen v. 1 Millimeter Durchmesser; den etwas weiteren die Ringe durch unregelmässig gestaltete Knorpelplatten ersetzt.)  Zusatz von Marx.
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a)
Aüssere Faserschicht (fibröses, mit elastischen Fasern gemischtes Geweb) umzieht den knorpligen Theil v. aussen.  Zusatz von Marx.
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b)
Die mittlere Schicht der Luftröhre bilden die Knorpelringe. An der Stelle, an der sie hinten offenstehn [,] ersetzt sie eine Lage quergerichteter glatter Muskeln. An der äussern Seite finden sich einzelne Muskelstreifen mit Längsbündeln. Auf diese Knorpelmuskelschicht folgt Lage innerer Faserschicht (gewöhnliches Bindegeweb) endigend mit einer hyalinen Grenschicht Grenzschicht , der Basalmembran. Hierdurch die mittlere Schicht verbunden mit  Zusatz von Marx.
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c)
innersten Schicht – Schleimhaut; besteht in ihren innersten Lagen, mit geschichtetem Flimmerepithelium, fast nur aus dichtverbundnen der Länge nach verlaufenden elastischen Fasern. Zwischen den mit nach dem Ausgang zu schlagenden Wimpern besetzten cylindrischen Flimmerzellen reichliche Becherzellen, oben mit einer rundlichen Oeffnung, woraus schleimartige Masse hervorragt u. sich absondern kann. In der Schleimhaut viele Schleimdrüsen vom selben Bau wie in der Mundhöhle. Luftröhre besitzt wenig Blutgefässe u. Nerven, dagegen reich an Lymphgefässen. (438)

Die Lungen; 2 grosse dünnwandige, elastische Säcke; ihre einzelnen traubenförmigen Ausbuchtungen mit Blut- Lymph-gefässen u. Nerven durch bindegewebiges Zwischengeweb verbunden. Von aussen überzogen v. seröser Haut: Pleura (Brustfell) (schliesst sich in ihrem Bau an das Bauchfell an) mit Blutgefässen u. Nerven (darin Ganglienkugeln nachweisbar). Jede Lunge besteht aus der Verästelung ihres LuftröhrenastsBronchus dexter und sinister; Bilden grosse Anzahl Bronchialzweige, die reich verästelten Baum darstellen; nirgends communiciren diese feinsten Erden mit einander; erstrecken sich durch ganze Lunge, Oberfläche u. Inneres. Die feinsten Bronchialzweige hängen mit den Alveolen (Lungenbläschen) zusammen (den eigentlich absondernden Drüsenelementen der Lunge), indem jeder mit einer Gruppe solcher Bläschen, die den kleinsten Läppchen traubenförmiger Drüsen entsprechen, sich vereinigt. In dieser Bläschengruppe [stehen] alle sie zusammensetzenden Hohlräume od. Ausbuchtungen in inniger, ziemlich offner Verbindung, umschliessen einen gemeinsamen Hohlraum, der sich aufwärts in einen einzigen Bronchialzweig |58 verwandelt. Bei der Lunge ⦗im Gegensatz zu den andern Drüsen dieser Gattung⦘ haben alle Drüsenbläschen zusammen (nicht wie bei den andern jedes einzelne Drüsenbläschen an einem besondern Stiel seinen eignen Ausführungsgang), die ein Drüsenläppchen darstellen, nur einen einfachen Ausmündungsgang. Jedes solche Lungenläppchen v. trichterartigen Gestalt (daher heissen sie Infundibulum) mit vielfach ausgebuchteten Wandungen, Luftzellen; die Alveolen selbst rundlich, nur an der Lungenoberfläche durch gegenseitige Abplattung mehr eckig. (439)

Bau der Bronchialzweige unterscheidet sich v. dem der Trachea; Knorpelringe umgestaltet in unregelmässige Platten; die glatten Muskelfasern bilden bei ihnen vollständige  Bei Ranke, S. 439: Ringfaserlage
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Ringfaserlagerung
, die beim Uebergang in die Infundibula sich zu förmlichem „Sphincter“ verstärkt u. scheibenförmige Faserzüge bis zum Grund der Infundibula entsendet. Schleimhaut mit denselben Flimmerzellen wie in der Trachea. In weiteren Aestchen zahlreiche traubenförmige Schleimdrüsen. Gegen das Ende der feinsten Bronchialzweige werden die Epithelzellen niedriger, nehmen endlich die Plattenform an. Die Alveolen (Lungenbläschen) bestehn nur aus Faserhaut u. Epithel. Die Faserlage besteht aus fasrigem Bindegeweb mit elastischen Elementen (Fortsetzung des Bronchialgewebe). Die elastischen Fasern bilden in ihr (der Faserlage) ein Balkennetz, v. dem das zartere Bindegeweb der Bläschenwand ausgespannt und gestützt wird. Die Kapillargefässe liegen nur bis höchstens zur Hälfte in die Membran der Alveolen eingebettet, mit dem übrigen Theil ihrer Seitenwandung ragen sie in das Lumen der Alveolen hinein. Die Innenwand der Alveolen, sowie der ganzen Lungenläppchen (Infundibula) u. Alveolengänge v. einem continuirlichen ungleichartigen ⦗nur beim Foetus gleichartig⦘ Epithel ausgekleidet. (439, 440)

Die einzelnen Abtheilungen der Lunge durch lockiges Bindegeweb zusammengehalten, nur bei dem erwachsnen Menschen mit reicher schwarzer Pigmenteinlagerung. (440) ⦗Pigment entsteht z. Th. aus dem Blutroth, z. Th. eingeathmeter u. festgesetzter Kohlenstaub. Gewöhnlich ist eine Gruppe v. neben einander liegenden primären Läppchen zu einem secundären grösseren durch stärkere Pigmentablagerung abgegrenzt. Diese letzteren bilden auch eine grössere anatomische Einheit, da sie v. einem Bronchialzweig versorgt werden.⦘

Lungengefässe (wie bei der Leber) 3 verschiedne Arten, die sich in ungemein reiches Kapillarnetz auflösen. Das Netz der Lungenkapillaren das feinste im ganzen Körper, umspinnt die Luftzellen sehr vollkommen. Die Aeste der Pulmonalarterie verzweigen sich in der Lunge meist den Bronchien entsprechend, doch etwas rascher, so dass sie früher zu feinen Gefässchen werden. Schliesslich erhält jedes secundäre Läppchen seine Arterie, die sich wieder nach der Zahl der primitiven Läppchen in feinste Zweige spaltet, die die einzelnen Alveolen versorgen. Verlaufen anfänglich in dem Zwischengeweb der Läppchen, dann treten sie in die Wandung der Luftzellen selbst ein u. verbreiten sich dort besonders in den elastischen Faserzügen; hier erst lösen sie sich in das Kapillarnetz auf. Aus diesem setzen sich die Venen zusammen, die an den Lappen etwas oberflächlicher liegen u. in ihrem weiteren Verlauf den Arterien u. Bronchien sich anschliessen. Diese Gefässe bestimmt f. die eigentliche Funktion der Lunge. Daneben die sg. Brochialarterien, eignes Gefässsystem f. die Ernährung des Lungengewebs; führen den Bronchien arterielles Blut zu, geben f. die Lymphdrüsen an die grösseren Bronchien – s.g. Bronchialdrüsen – Aeste ab u. besorgen versorgen die Blutgefässe der Lunge, bes. die Arterien, reichlich mit Ernährungsgefässen. Auch die Pleura erhält durch sie das nöthige Blut. Die Kapillaren der Bronchialarterien geben ihr Blut theilweise zu an das Kapillarnetz der Lungenarterie; andrertheil durch eignes Venenystem (Venae bronchiales) abgeführt. (441) Lunge sehr reich an Lymphgefässen, bilden reiches Netz über Lungenoberfläche, verzweigen sich vielfach in dem Geweb selbst u. hängen zusammen mit zahlreichen Lymphdrüsen: Pulmonal- u. Bronchialdrüsen. (l. c.) Vagus u. Sympathicus senden ihre Zweige in die Nervengeflechte – Plexus pulmonalis anterior u. posterior, v. denen die Zweige an u. in die Lunge treten, um sich an den Gebilden derselben zu verästeln. ⦗Auch Ganglienzellen im Lungengewebe eingelagert gefunden l. c.⦘ (l. c.)

Lunge ist ein wahres drüsiges Ausscheidungsorgan ⦗nicht nur Träger f. die Blutgefässe der Lungenarterie⦘ das durch seine eigenthümliche Lebensthätigkeit die Diffusionsgesetze ⦗der Gasdiffusion⦘ theilweis modificirt. Grosse Mengen Gewebszersetzungsprodukte in der Lunge; zweifelsohne diese leicht diffundirbaren Stoffe in das sie passirende Blut aufgenommen. Bildet Säuren; daher im Leben fortwährende Säureaufnahme des Bluts aus dem Lungeweb Lungengewebe . Sie macht es verständlich, |59 wesshalb das Blut, nachdem es die Lunge durchsetzt hat, weniger reich an nur durch Säurezusatz austreibbare Kohlensäure ist: die Lunge ist ein actives Kohlensäure-Auscheidungsorgan Ausscheidungsorgan . (444) ⦗Asche der Lunge. [An] Natron reicher als an Kali etc hoher Eisengehalt etc l. c. ⎰⦘ (Pleuraflüssigkeit ib.)

3) Athembewegungen: Ungemein grosse respirende respirirende Fläche, worauf das Blut ausgegossen; wodurch jedes kleinste Bluttheilchen mit Luft in Berührung treten kann. Zarten, feuchten Wände der Alveole setzen dem Gasverkehr nur sehr geringen Widerstand entgegen. (445)

Andrer Faktor: die Athembewegungen des Thorax u. mit diesen der Lunge; mechanischer Luftwechsel in den Lungen durch die Respirationsbewegungen; erhält die Intensität der Gasdiffusion zwischen Luft u. Gasen des Bluts auf bestimmter Höhe. Sowie sich der Kohlensäuredruck in der Lungenluft gesteigert, wodurch die Diffusion aus dem Blut verlangsamt wird, wird in Folge davon Athembewegung eingeleitet, ein Theil dieser Luft ausgestossen u. frische Luft dafür eingenommen, in der die Diffusion mit neuer Energie vorgeht. (l. c.)

Thorax in seinen Bewegungen wie Blasebalg; durch die Einathmung ausgedehnt, Innenraum dadurch erweitert, Luft stürzt in ihn ein. Ebensoviel verkleinert bei Ausathmung, dadurch der eingeathmeten Luft gleiche Luftmenge wieder ausgepresst. (l. c.) Vergrösserung des Brust- u. Lungenraums durch Inspiration ein aktiver Vorgang, beruhend auf Wirkung quergestreifter Muskeln. Die Erweiterung des Brustraums theils durch Veränderung der Rippenstellung, theils durch Herabdrücken des Zwerchfells; also Ausdehnung des Brustraums nach allen seinen Dimensionen. (445. Weiteres ib. – 447) ⦗Je nachdem die Thätigkeit des Zwerchfells od. der Brustmuskeln beim Athmen überwiegt, unterscheidet man Kostalathmen u. Abdominalathmen

Die Ausathmung, Expiration, im normalen Athmen, im Gegensatz zum Einathmen nur durch passive Wirkungen. ⦗447 u. weiteres ib. – 449⦘ Bei gehemmter Athmung auch bei der ExpirationMuskelwirkungExpirationsmuskeln sind vor allem die Bauchmuskeln. (449 ib. näheres)

Erweiterung u. Wiederverengerung des Thorax u. damit die gewechselte Luftmenge bei ruhigem Athmen nicht bedeutend. Vitalkapacität der Lunge heisst die Menge Luft welche nach der stärksten Inspiration eingeathmet werden kann. Rückständige Luft, die Menge Luft, die auch nach der tiefsten Expiration zurückbleibt, die Menge der durch gewöhnlichen ruhigen Athemzug ein- u. ausgeathmeten Luft – Respirationsluft (etwa 500 Cub. Cent) Was bei gewöhnlicher Expiration mehr als bei tiefster an „rückständiger Luft“ bleibt, heisst Reserveluft. Was bei tiefster Inspiration mehr aufgenommen wird als bei gewöhnlicher[, heisst] Complementärluft. Wechseln diese Grössen bei verschiednen Individuen u. Körperzuständen, namentlich Ruhe u. Bewegung. Bei gewöhnlicher Athmung kaum mehr als 1/6 der in der Lunge enthaltnen Luft erneuert. (Näheres (Zahlen) 149 449) Durch die Athmung findet Mischung der Lungenluft mit der neu aufgenommenenen aufgenommenen Luft bis zu den sich auch erweiternden u. dabei Luft einsaugenden Alveolen statt; diese können sie zunächst nur aus der Luft in den feineren Bronchien enthalten; so die Erneurung ihres Inhalts nicht so gründlich als in den andern Schichten der Lunge; hat daher den grössten Kohlensäuregehalt u. die direkt an den Lungenbläschenwandungen anliegende Luftschicht kann sich in ihrer Kohlensäurespannung nicht v. dem Blut selbst unterscheiden. (450)

4) Frequenz der Athemzüge u. der Nerveneinfluss auf die Athmung. Zahl der Athemzüge in der Minute sehr schwankend; wächst schon bei geringer Muskelanstrengung, noch früher als die Frequenz der Herzschläge. 20 Athemzüge in der Minute am gewöhnlichsten. (unterste Zahl bei Gesunden 9, oberste 40; beide gleich selten.) (Zählungen v. Quetelet 452) (451–2) Alles was die Oxydation im Organismus steigert, Fieber, Entzündung etc steigert die Athemfrequenz. Was die Herzaction verändert, wirkt auch bei der Athemfrequenz. Verdauung, Gemüthsbewegung, Schwächezustand vermehren sie. Bei weiblichem Geschlecht grössere Athemfrequenz als bei männlichem. (452)

Nervöse Centrum der Athembewegungen liegt im verlängerten Mark, an der Ursprungsstelle des Vagus u. Accessorius (noeud vital Flourens ); v. diesem Centrum aus die Athemnerven (nervi phrenici, die aüsseren Thoraxnerven) in Action versetzt, um dann ihrerseits die Athemmuskulatur zur Thätigkeit anzuregen. Von hier aus ununterbrochen regulirender Antrieb auf die Athembewegung; diese Regulirung in bestimmter Abhängigkeit v. dem Vagus. Es gelangt gelangen wahrscheinlich v. dem Verbreitungsbezirk des Vagus in den Eingeweiden (z. B. den Lungen) Anregungen zu dem Noeud vital, die eine raschere Erregungsfolge der Athemnerven hervorrufen. (452)|

60

Dem noeud vital auch noch v. den sensiblen Nerven des Kehlkopfs, v. Nervus laryngeus superior, eine entgegengesezte Erregung zugeleitet, verlangsamende (Hemmungsnerven f. das Athemcentrum) Der dem verlängerten Mark centripetal zugeleitete Erregunszustand Erregungszustand des Vagus regt zur Inspiration an; die in dem Laryngeus superior verlaufenden Nervenfasern können dagegen reflectorisch vom Kehlkopf aus das Athemcentrum zur Einleitung v. Expirationsbewegungen veranlassen. (453) Bei Hirndruck Athemzüge, ebenso Puls, auf mehr als die Hälfte herabgesetzt. (453)

Apnoe (Zustand wo der Organismus aus Ueberfluss an O nicht athmet u. zur Erhaltung seiner Verbrennungen nicht zu athmen braucht)

Dyspnoe od. Athemnoth, wo in Folge v. Sauerstoffmangel im Blut starke, krankhafte Athembewegungen u. allgemeine Muskelkrämpfe eintreten.

Vermehrte Anwesenheit v. CO2 u. Mangel an O lähmt endlich das Centrum der Athembewegungen; ebenso lähmt CO2 auch die übrigen Ganglienapparate des Gehirns u. Rückenmarks. (454)

Auswurf (Sputum) (p. 457)

b) Vierzehntes Kapitel. Die Athmung. Die Chemie des Gaswechsels.
1) Theorie der Athmung.

Theil der Blutgase nur mechanisch mit dem Blut gemischt; dieser folgt den Gesetzen der Gasdiffusion (Stickstoff im Blut nur absorbirt, ebenso Theil des CO2.); ⦗das in Blut gelöste CO2 kann an der Luft abrauchen, so wie das Blut mit ihr (worin gewöhnlich sehr geringer Kohlensäuredruck) in offnere Beziehung tritt.⦘ ⦗Ebenso Abgabe des Wasserdampfs in den Athemorganen folgt ganz dem Verdunstungsgesetz: die ausgeathmete Luft mit Wasserdampf gesättigt, u. ziemlich genau auf die Körpertemperatur erwärmt; also bedeutende Wärmeabgabe bei der Athmung.⦘

O durch chemische Kräfte im Blut gebunden. (459) (cf. ib. ⎰)

In den Geweben gehn nach Massstab ihrer Thätigkeit die organischen Verbrennungen vor sich, die CO2 in das Blut der Kapillaren einströmen lassen. O geht aus dem Blut in das Gewebe selbst über, die einen bestimmten Vorrath davon in sich aufspeichern können, v. dem sie auch zehren, wenn sie kein Ohaltiges Blut mehr umspült. (460) ⦗Oaufspeicherung besonders im Körper während der Nachtruhe⦘

Also Vorgang folgender:

Die während der Athmung in der Lunge abgegebnen Gase werden nicht erst in der Lunge gebildet, sondern finden sich schon im Blut vor, aus dem sie an die Lungenluft abgegeben werden. (460) CO2 entsteht durch organische Verbrennung Chaltiger Körperbestandtheile, zum kleinsten Theil im Blut selbst, zum grösseren in den Geweben, aus denen sie in das Blut übertritt. – Das Wassergas, befindlich in der Lungenluft, stammt zum kleineren Theil aus der Verbrennung Hhaltiger Blut- u. Gewebstoffe, zum grössten Theil aus dem durch die Nahrung in die Säftemasse des Körpers gelangten, an der Lunge verdunstendenden verdunstenden Wassers. Die Ausscheidung v. CO2 aus dem Blut erfolgt, in der Hauptsache[,] nach den Gesetzen der Gasdiffusion. (l. c.) Die Wasserabgabe geht nach den Gesetzen der Verdunstung vor sich. (l. c.)

Die Aufnahme v. O in das Blutserum erfolgt nach den Gesetzen der Diffusion. Das Gesammtblut nimmt dagegen mehr O ein als es diffundirt enthalten kann. Der Absorptionscoefficent des Bluts f. O – d. h. das Volum O, das die Volumeinheit Blut aus reinem O durch Diffusion aufnimmt (bei der Temperatur des lebendigen Körpers) = 0.02 Vol. %; während das Blut in den Lungen zur Erhaltung des Lebens 7.8 Vol. % aufnehmen muss u. durch die lockre chemische Bindung v. O an das Hämoglobin auch wirklich aufnimmt (O im Blut durch die Blutkörperchen gebunden u. wahrscheinlich ozonisirt) Wie viel O das Blut in den Lungen aufnehmen kann, hängt v. der Menge des in ihm enthaltnen Hämoglobins ab; wie viel es in einer Zeiteinheit wirklich aufnimmt, regulirt durch den Overbrauch in den Geweben, der je nach der Intensität der Lebensvorgänge schwankt. (l. c.)

Die Gewebe entziehn dem Blut O u. häufen ihn theilweis in sich an, so dass sie inneren Ovorrath enthalten, den sie bei ihren Oxydationen verwenden, so dass die momentane Oaufnahme u. Kohlensäureabgabe in der Athmung sich nicht entsprechen müssen. Am Tag meist mehr O in der Kohlensäure abgegeben als direct aufgenommen; bei der Nacht das Verhältniss meist umgekehrt. (l. c.)

Ngehalt der Luft nur seinem Druck entsprechend in die Bluts- u. Gewebflüssigkeiten aufgenommen. In der Athmung |61 wird kein der Gewebzersetzung entstammender Stickstoff ausgeschieden; dieser in Verbindung mit C, H u. O geht als Harnstoff, Harnsäure, Kreatinin etc im Harn weg. (460–61)

2) Quantitative Verhältnisse der Kohlensäureabgabe.

Kohlensäuremenge in der ausgeathmeten Luft im Mittel etwas über 4%. ⦗Schwankend bei ruhigem Athmen zwischen 3.4 u. 5.5%, während die atmosphärische Luft nur etwa 0.0004 V. p. Ct. CO2 enthält.⦘ In 24 Stunden scheidet ein Erwachsner etwas mehr als 200 Gramm CO2 aus ⦗schwankt nach Alter, Geschlecht, Ernährungszustand[⦘]

Durchschnittszahlen bei einer Volumverminderung der Luft v. 1%:

Einathmungsluft. Ausathmungsluft.
Stickgas. 79.2 79.2
O. 20.8 15.4
CO2 4.4.
100 99. (p. 463)

Die in den Lungen selbst enthaltne Luft mit der ausgeathmeten Luft nicht identisch; in verschiednen Schichten verschieden zusammengesetzt. An den Lungenbläschen(Alveolen)wändchen nach den Gesetzen der Diffusion reicher an CO2 als in den weiter v. den Kapillaren, der Quelle der Kohlensäure abgelegnen Lungenräumen. (l. c.) ⦗Procentische Gehalt der Kohlensäure grösser nach Aufnahme v. Nahrung als bei nüchternem Zustand.⦘

Die Kohlensäureabgabe des Bluts in den Lungenkapillaren steigt u. fällt mit den Schwankungen in dem Kohlensäuredruck ⦗Kohlensäuregehalt⦘ der Lungenluft; also in der Zeiteinheit um so mehr Gas abgegeben, je grösser die Differenz in der Kohlensäurespannung zwischen Blut u. Lungenluft. Mit der Grösse der Ventilation der Lungen ⦗die mit der Zahl u. namentlich Tiefe der Athemzüge steigt⦘ schwankt die Kohlensäurespannung in der Lungenluft. Flache u. häufige ⦗aber nicht tiefe, sondern nur oberflächlich ventilirende⦘ Athemzüge vermindern die absolute Menge der austretenden Kohlensäure. Je tiefer die Ventilation der Lunge ⦗je mehr Luft mit jedem Athemzug eingeathmet wird⦘, desto grösser die absolute Menge der austretenden Kohlensäure. Procentisch sinkt der Kohlensäuregehalt der Athemluft mit dem grösseren Luftwechsel. (464)

Auch absolute Steigerung der Kohlensäureabgabe bei Athmen in sonst normaler, aber verdünnter Luft ⦗deren ohnehin geringer Kohlensäuredruck dadurch noch mehr erniedrigt.⦘ (l. c.)

Umgekehrt Vermindrung der Kohlensäureabgabe, u. schliesslich Aufnahme v. CO2, wenn der CO2gehalt der eingeathmeten Luft steigt u. zuletzt den des Bluts übertrifft. (l. c.)

Das CO2 im Blut einfach diffundirt und in lockerer od. festerer chemischer Verbindung. Wahrscheinlich, dass die Blutkörperchen unter Mitwirkung des Sauerstoffs sich an der Kohlensäureaustreibung ⦗des chemisch verbundnen CO2, nicht durch Diffusion übergehenden⦘ betheiligen, so dass die Kohlensäureabgabe des Bluts z. Th. abhängig erschiene v. gleichzeitiger Oaufnahme. (464, 465) (Sieh 465 ⎰)

Vor allem die Grösse der Kohlensäureabgabe abhängig v. der Intensität des Stoffumsatzes im Organismus; v. allen Bedingungen welche die Oxydationen im Organismus beeinflussen; z. B. bei Muskelbewegung tritt mehr CO2 aus dem Blut als bei Ruhe. (465) ⦗Erhöhter Luftdruck vermehrt sie, ditto Erniedrigung der Lufttemperatur unter das Normale; mit Erhöhung letzterer soll sie abnehmen⦘.

Der jeweilige Ernährungszustand das wichtigste Moment f. die quantitativen Verhältnisse der Gasauscheidung. (p. 165 465 wo auch das Nähere zu sehn)

Abhängigkeit der Kohlensäureausscheidung vom Alter. (p. 466)

3) Quantitative Verhältnisse der Oaufnahme u. weitere Luftveränderungen bei der Athmung.

Organismus eines Erwachsnen bedarf in 24 Stunden etwa 746 Gramm O. Sinkt der Ogehalt der Luft unter bestimmtes Minimum, so tritt Athemnoth od. Erstickung ein. (466) Bei dem Menschen schwankt der Ogehalt in der ausgeathmeten Luft zwischen 14 u. 18%; es genügt dieselbe Luft also noch weiter zur normalen Erhaltung des Athmens. (467)|

62

Ogehalt des arteriellen Bluts proportional dem Haemoglobingehalt desselben; normal ist das Arterienblut stets zu 9/10 mit O gesättigt. (467) Die Geschwindigkeit des Blutstroms in den Lungen beeinflusst der Oaufnahme; mit der grösseren Zahl der in der Zeiteinheit die Lungenkapillaren passirenden Blutkörperchen wächst die Absorptionsfläche v. O. (467) Sieh die Zahlenangaben über die Blutkörperchenoberfläche ⦗des Gesammtbluts im Menschen zu 4400 Cb. Cm. angenommen – 5 Millionen Blutkörperchen in 1 Cb. Cm. –⦘ = 2816 □ Meter, d. h. Quadratfläche v. 80 Schritt Seitenlänge. (p. 467 ⎰) Dazu Ausdehnung der Lungenoberfläche; Zahl der Lungenbläschen berechnet auf 1800 Millionen, ihre Fläche zu etwa 2000 □ Fuss. (l. c.)

Durch die Einathmung werden die Lungenbläschen ausgedehnt, ihre Wand noch mehr verdünnt, die Widerstände gegen Aus- u. Eintreten der Gase dadurch vermindert. Die gleichzeitige Vermehrung der Widerstände in den durch Dehnung verengerten u. verlängerten Kapillaren hält die Blutkörperchen länger in der O[-]berührung zurück, sättigt sie also reicher mit O. (l. c.) ⦗Cf. 467 ⎰ unten: manche narkotische Stoffe: Morphin, Strychnin, Alkohol setzen die O[-]Absorptionsfähigkeit der Blutkügelchen herab; vielleicht auch Fette, Zucker; am meisten Kohlenoxydgas⦘. Der eigentliche Oconsumment ist die Zelle, das Gewebe. Verbraucht der Organismus mehr O durch Steigerung der Lebensthätigkeit eines od. mehrer seiner Organe, so in den Lungen mehr O aufgenommen, indem zunächst Athmung vertieft u. beschleunigt wird, so dass trotz des Mehrverbrauchs Ogehalt des arteriellen Bluts der normale bleibt. Erst bei relativer Verarmung des arteriellen Bluts an O durch Mehrverbrauch desselben in der Zeiteinheit treten die physikal. u. chem. Momente f. Steigerung u. Herabsetzung v. O[-]Aufnahme in den Lungen in Wirksamkeit, während sie bei gleichbleibendem Overbrauch dem Organismus nur v. untergeordneter Bedeutung. (468)

Die Volumina des aufgenommenen O u. des abgegebnen CO2 nahezu gleich; doch Volum der ausgeathmeten Luft im Ganzen etwas kleiner als das der eingeathmeten, da der Sauerstoff ausser zur Kohlensäurebildung zur Oxydation v. H, N, Sulphur, Phosphor verwendet, deren Oxydationsprodukte theilweis nicht in der Athmung wieder erscheinen. Am kleinsten diese Volumverminderung ⦗der ausgeathmeten Luft⦘ bei Nahrung mit Kohlehydraten, die f. Oxydation v. H schon genügend O in sich enthalten; an stärksten bei Fleischkost u. Hunger. (468) Auf 100 aufgenommenes O scheidet der Mensch in 24 St. zwischen 88 u. 98 O in CO2 aus. (l. c.) Die Proportionalität zwischen CO2ausscheidungen u. O[-]einnahme ergiebt sich immer nur in längeren Zeiträumen. (l. c.)

Die ausgeathmete Luft ziemlich die Temperatur des Körpers, indem sie in der Lunge ihre Wärme mit der des Bluts ausgeglichen hat. Nur wenn die Temperatur der eingeathmeten Luft sehr niedrig, ist diese Ausgleichung nicht vollkommen. (l. c.)

Die in den Lungen meist kälter u. trockner eingeathmete Luft wird dort mit Wasserdampf fast vollkommen gesättigt. Die Gesammtwassermenge welche den Organismus durch die Athmung (Haut[-] u. Lungenathmung) während 24 Stunden verlässt, schwankt zwischen sehr weiten Grenzen. Beim Mann über 1000 u. mehr Gramm. Bei Nacht, im Bett, weit bedeutender als bei Tag. Bei Arbeit um 2, ja 3fache grösser als bei Ruhe. (l. c.[)]

4) Hautathmung u. Darmathmung: Hautathmung (Perspiration) liefert qualitativ dieselben Produkte u. bewirkt die gleichen Veränderungen wie die Lungenathmung. Die mit der Haut in Berührung befindliche Luft (atmosphärische) wird erwärmt, mit Wasserdampf u. CO2 beladen u. ihr dafür O entzogen, dem Volumen nach meist weniger als ihr CO2 gegeben wird. (469)

Haut vor allem wichtig f. den Organismus als Organ von Wärme- u. Wasserabgabe. Kohlensäure giebt Haut (u. Darm) ab in 24 St. nach [den] einen zwischen 3–9 Gramm, nach andern zwischen 2.3–6.3, während die durch die Lungen ausgeschiedne Menge das 100–300fache betragen kann. Die CO2abgabe durch Haut gesteigert mit Muskelanstrengung u. der steigenden Temperatur der umgebenden Luft. Der Gesammtstoffverlust in 24 St. durch die Haut – er kann auf 500–800 Gramm steigen – trifft hauptsächlich die Wasserabgabe. Wasserabgabe – bei den unteren Grenzen – je 500 Gramm durch Lungen, Haut, u. Nieren; also etwa gleich gross, f. Lungen oft niedriger; bes. bei Harn- aber auch bei Haut-ausscheidung oft viel grösser. (469)

Die mit Epidermis bedeckte Haut betheiligt sich nur wenig, vielleicht gar nicht, am Gasverkehr; die Organe der Hautathmung sind die Schweissdrüsen mit ihrem reichen Kapillarnetz. (l. c.)

Darmathmung gering; doch wird in Darm wie in Lunge O aus der verschluckten Luft verzehrt, u. sie, beladen mit CO2, Wasserdampf u. Wärme wieder abgegeben. (l. c.)|

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Ausser der Darmathmung noch 2te Quelle f. CO2bildung im Darm: die Gährung (Milchsäure u. Buttersäuregährung) des Darminhalts, die vor allem durch den Darmschleim eingeleitet wird. (Näheres 469, 470)

5) Gewebsathmung, Innere Athmung: das arterielle, relativ CO2arme Blut, O[-]beladne, gelangt in die Kapillaren u. tritt hier mit den Gewebssäften der Organe in Diffusionsaustausch, der sich sowohl auf die festen im Blut u. den Organflüssigkeiten gelösten Stoffe als auf die in beiden befindlichen Gase bezieht. Nur zum sehr kleinen Theile geschehn die organischen Verbrennungen, die O verbrauchen u. CO2 bilden, im Blut selbst; die Hauptgrösse der Oxydation findet in den Geweben statt, woran das Blut O abgiebt u. aus denen es CO2 aufnimmt. (470)

CO2abgabe der Organe an das Blut hauptsächlich Diffusionsvorgang. Dort scheinen die in den Geweben entstehenden Säuren sich an der aktiven Austreibung v. CO2 aus den Geweben betheiligen zu können. Ein Theil v. CO2 gelangt aus den Geweben in festem gebundnem Zustand – in Form salzartiger Verbindungen – in das Blut; das venöse Blut reicher an diesen Verbindungen als das arterielle. (470, 471)

Oaufnahme der Organe z. Th. chemisch (wie Oaufnahme in das Blut bei Athmung). In den Geweben der Diffusionsdruck v. O stets annährend od. wirklich = 0, so dass aus dem Blut in die Gewebe der Sauerstoff sofort wie in ein Vacuum abgegeben werden muss. Die Gewebe enthalten keinen freien od. locker gebundnen (auspumpbaren) Sauerstoff. Sie entziehn das lockergebundne O dem Haemoglobin u. binden  den Sauerstoff
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ihn
fester an ihre Bestandtheile, so dass er aus den Geweben nicht mehr gasförmig gewonnen werden kann. Er speichert sich in ihnen in Verbindungen auf, die seine Verwendung zur Organischen Oxydation dem Gewebe ermöglichen. Bei jedem Durchtritt des Bluts durch die Kapillaren verliert es etwa 1/3 seines O; da der Kreislauf nur 10–20 Secunden fortdauert, muss es schon in 1 Minute an O verarmen, wenn nicht genügend O in den Lungen zuströmt. (471)

Je nach der Stärke ihrer Thätigkeit O[-]verbrauch u. Bildung v. CO2 (Stoffwechsel) in den Organen sehr wechselnd. (471 wo weiter zu sehn)  Mit Bleistift geschrieben.
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(⎰)
In allen Organen u. Gewebe innere Athmung – denn in allen wandelt sich das arterielle Blut in venöses um (l. c.)

Die Gewebe der Organe betheiligen sich an der CO2produktion des Organismus nicht im Verhältniss ihres relativen Gewichts, sondern ziemlich genau dem relativen Blutgehalt der Organe entsprechend. Z. B. der gesammte Bewegungsapparat (Muskeln, Nerven, Knochen, Haut) männlicher Frösche im Mittel = 89% des Gesammtkörpergewichts; bleiben daher nur 11% des Körpergewichts für Circulations- u. Drüsenapparat; aber Drüsenapparat betheiligt mit 47% im Maximum, 40% im Mittel an CO2bildung; bei dem Bewegungsapparat, dessen Hauptmasse die Muskeln, Betheiligung daran sinkend bis 53%. Ganz analog ist die Vertheilung des Bluts bei Fröschen im Bewegungs- u. Drüsenapparate; es vertheilt sich dasselbe, abgesehn v. der im Circulationsapparat befindlichen Menge, in den beiden  Bei Ranke, S. 472: Hauptorgansystemen
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Hauptorganismen
etwa zu gleichen Theilen. (472)

 Überschrift von Marx.
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5) 6) Weitere Specialia.

α) Einfluss des Luftdrucks auf die Athmung u. das Allgemeinbefinden. Verminderter Luftdruck: (Sieh 473–74 die ⎰ bezeichneten Stellen.)

β) Gesteigerter Luftdruck. (474–75) (sieh ⎰)

γ) Ventilation. (p. 475–484) (sieh ditto)

II) Fünfzehntes Kapitel. Die Nieren u. der Harn.

1) Der Harn: Wie Lunge für Ausscheidung v. CO2 u. gasförmiges Wasser, so Nieren f. die Entfernung des tropfbarflüssigen Wassers u. der festen, löslichen Auswurfsstoffe des Organismus. Sie „entgiften“ ihn wie die Lungen. In ihnen das Blut in die physikalischen Bedingungen versetzt, worunter es die ihm aus dem Umsatz der Gewebe beigemischten, krystallisirbaren u. leicht diffundirbaren Stoffe abgeben kann. Haut u. Darm dienen ihnen als Hilfsorgane (wie sie es sind f. die Lungenathmung. 490)

Die Stoffe, die im Harn den Organismus verlassen dreierleit dreierlei Art: a) wahre Exkrete; b) Ueberschüssig als Nahrungsstoffe in den Organismus eingeführt u. verfallen nur durch die in den Nieren gegebnen mechanischen Bedingungen der Ausscheidung: bes. Wasser, Theil der Salze u. die geringe im Harn enthaltne Omenge. Auch nicht überreichlich zugeführtes Wasser [wird] als Lösungsmittel der Harnbestandtheile, aber dann in verminderter Menge in den Nieren abgegeben. c) Theil der Stoffe im Harn entstammt direct den in den Nieren vorgehenden Stoffumsetzungen. Gewisse mit der Nahrung eingeführte Stoffe gehn regelmässig u. vollkommen in das Harn über u. verändern |64 auf kürzere od. längere Zeit seine Zusammensetzung. (490)

Bestandtheile des Harns ⦗i. e. seine Zusammensetzung bei gewöhnlicher, gemischter Kost od. in den ersten Tagen, wenn dem Körper alle Nahrung entzogen ist u. er nur v. seinen Organbestandtheilen zehrt⦘: Wasser (500–2000 Gramm p. Tag) (nach der Menge des Getränks schwankend), in ihm aufgelöst als Hauptbestandtheil: Harnstoff (im Tag zwischen 30–40 Gramm); Kreatin u. Kreatinin, Harnsäure, Hippursäure, Farbstoffe, in kleineren, wechselnden Mengen, (meist unter 1 Gramm im Tag), Zucker, Fette (?), Ammoniak ⦗all diese sehr wenig⦘ u. zum Theil chemisch noch nicht bestimmte s. g. Extraktivstoffe; dann die Salze des Bluts mit den Basen Natron, Kali, Kalk, Magnesia, gebunden an Chlor, Schwefel- Phosphor- Kohlensäure; Gase im Harn gelöst: O, N u. C. Die Reaktion des frischen Harns meist sauer, meist v. saurem phosphorsaurem Kali u. Natron herrührend; gewöhnlich aus den Schleimdrüsen ihm etwas Schleim beigemischt, der sich als Wölkchen in dem stehenden Harm Harn absetzt. Specifische Formelemente fehlen ihr; das Mikroskop entdeckt nur zufällige Beimischungen: abgestossene Blasenepithelzellen, im Schleime Schleimkörperchen, nach Samenentleerungen Samenfäden, bei menstruösen Frauen Blutkörperchen. Wasser = 1000 gesetzt schwankt nach der Zusammensetzung Gewicht des Harns zwischen 1005 und 1030. (490, 491)

2) Die Nieren u. die Harnwege: Organ f. die Harnausscheidung: die beiden Nieren u. die Harnwege (die Harnleiter, Harnblase u. Harnröhre). (491)

Nieren: liegen in lockrem, meist sehr fetthaltigen Bindegeweb. Tunica propria (eine fibröse Kaspel Kapsel) ⦗aus Bindegeweb mit elastischen Fasern⦘ umschliesst eigentliche Drüsensubstanz aus 2 Schichten: Markschichte (ragt mit 8–15 grössern, kegelförmig sich zuspietzenden zuspitzenden Warzen, den Malpighi’schen Pyramiden in das Nierenbecken herein); und Rindschichte (Oberfläche des Organs, setzt sich zwischen die Pyramiden, sie trennend, in schmaler Schichte fort – als Columnae Bertini (Bertinische Säulen)[.] Funktionell gehört zu jeder Pyramide ein Abschnitt Rindensubstanz. (491) Rinden[-] u. Marksubstanz bestehn aus Blutgefässen u. engeren u. weiteren, cylindrischen, röhrenförmigen Drüsenschläuchen, Harncanälchen (Tubuli uriniferi). Beginnen in der Rindsubstanz mit kugligen, blasigen Ausbuchtungen, bergen im Innern je einen Gefässknäuel, die s. g. Malpighischen Körperchen od. Kaspeln Kapseln , gehn mit einer verengten Stelle in ihre Harncanälchen über; in der Rindensubstanz verlaufen die weiteren Harncanälchen anfänglich sehr geschlängelt (als gewundne Harncanälchen, Tubuli contorti) gegen die Grenze des Marks. (Weitere Beschreibung 492–494) ( Graden Harncanälchen (tubuli recti[)], bilden auf 200–300 Papillengänge, Ductus papillares, zusammengeschmolzen an der Papille ausmündend. Fereinsche Ferreinsche Pyramiden Fasciculi corticales (wo sie in ein Bündel feiner Röhren übergehn, die v. der Papille aus in das Mark u. Rindegewebe ausstrahlen.) (Harncanälchen haben membrana propria, innen mit Epithel ausgekleidet) (Protoplasma des Epithels körnig, reich an Fetttheilchen) (Die Tubuli recti haben Cylinderepithel, die Ductus papillaris ohne Grenzmembran)

Nierenarterie zerfällt im Nierenbecken in ihre Zweige, welche in die zwischen den Malpighischen Pyramiden gelegnen Cordicalsäulen Corticalsäulen (Columnae Bertini) eintreten u. im Umfang der Pyramiden verästeln; ihre Aestchen, mit Zweigen in der Rindsubstanz sich vertheilend, zwischen den Röhrchenbündeln der Rindsubstanz – Arteriae interlobulares, tragen wie Beeren die Malpighischen Knäuel, in deren Bildung sie meist ganz aufgehn. In Bezug auf die Malpighischen Knäuel das zuführende Gefäss, vas afferens, ihre Zweige vereinigen sich wieder zu vas efferens. Die vasa efferentia noch keine Venen, sondern z. Theil im Bau noch kleine Arterien, bilden erst im weiteren Verlauf ihr Kapillarnetz. Vasa efferentia meist etwas enger als die afferentia. (Weiteres 195 495) Venen. An der Oberfläche der Niere entstehn durch das Zusammentreten der zwischen den nebeneinanderliegenden Nierenläppchen ( Ferreinsche Pyramide) verlaufenden kleinen Venenwurzeln sternförmige Figuren (Stellulae Verheynii) etc (p. 495) (Alle Nierenvenen klappenlos; eh sie mit den Arterien die Nieren verlassen, nehmen sie noch das Blut der Papillarvenen auf) Saugadern der Niere (l. c.)

Nerven der Niere; stammen v. Plexus coeliacus des Sympathicus u. umspinnen in Geflecht der Arterie; an ihnen einige (gangliöse) |65 Knötchen. Niere hat Empfindungsnerven, die auch die Weite der Blutgefässe beeinflussen. (496)

Auf der Oberfläche der Niere des Menschen weitsmaschiges Netz glatter Muskelfasern (l. c.) (stehn in keiner Verbindung m. der Gefässmuskulatur) (entsenden schmale Ausläufer in die Rindensubstanz. )

Bau der harnleitenden Organe. (496)

Chemisch physiologische Vorgänge in der Niere (499–501)

3) Die physikalischen Bedingungen der Harnausscheidung:

Gesteigerte Wasseraufnahme z. B. in der Nahrung steigert den allgemeinen Blutdruck im BlutGefässsystem; dass dadurch die Harnabsonderung vermehrt werden kann, spricht dafür, dass diese überhaupt ihr Zustandekommen zunächst den Druckverhältnissen im Blutgefässsystem verdankt. (501)

In den Harncanälchen geringerer Druck als in den zuführenden Arterien der Glomeruli, worin er noch gesteigert durch die geringere Weite der abführenden Arterien u. durch die Zerspaltung in 2 Kapillarsysteme, die bedeutende Widerstände einführen. In Folge der Drucksteigerung ⦗erhöht durch die anatomische Anordnung der Glomeruligefässe⦘ der diffusionsfähige Theil der Blutflüssigkeit durch die Kapillarwände der Glomeruli durchgepresst. (l. c.) Für Eiweisse u. Fett die Wände der Glomeruligefässe nicht durchgängig. (l. c.) Die Flüssigkeit, die aus dem Blut durch die Membranen der Glomeruligefässe in die Harncanälchen tritt, [ist] also Blutflüssigkeit, der die Eiweissstoffe u. Fette fehlen. (l. c.) Diese Flüssigkeit tritt in die gewundnen Harnkanälchen, die v. reichem Kapillarnetz umsponnen, in Diffusionsverkehr mit dem durch die Harnausscheidung concentrirter gewordnen Blut u. erleidet dadurch noch weitere Veränderungen, die sie zum Harn machen. Die in der Blutasche vorgefundnen Salze z. Theil im Blut selbst nicht frei vorhanden, an schwer od. nicht diffundirbare organische Substanzen (Eiweiss etc) geknüpft. Ein andrer Theil der Blutsalze durch den Verbrauch der organischen Stoffe, womit sie verbunden waren, frei im Blut enthalten. Nur dieser letztre Antheil kann durch den Filtrations- u. Diffusionsprocess direkt ausgeschieden werden. (501, 502)

Analog bei den Gasen; die auch in viel geringrer Menge in Harn übergehn als sie im Blut vorhanden. Das an Blutkörperchen gebundne O geht, so wenig wie diese selbst, in den Harn über; nur das nach den Gesetzen der Absorption gelöste O geht in das Harn; ditto mit CO2 . (502)

In 100 Harn bei 0° u. 0.76 Meter Druck:

N: 0,820
O: 0.043
freies CO2: 4,729.
gebundnes CO2: 3,066.

Durch Muskelbewegung u. andre Vorgänge, die den CO2gehalt des Bluts steigern, [steigt] auch der des Harns. (l. c.)

Alles was den Druck in den Glomerulis vermehrt, vermehrt die Masse des ausgeschiednen Harns. (l. c.)

Ausgedehnte Muskelkrämpfe, Verschluss grosser Arterien, Kälte, die das Blut v. der Haut zu den inneren Organen treibt, erhöht den Druck in der Nierenarterie. (l. c.) ⦗vermindert während des Muskelkrampfs, Steigerung tritt ein nach dem Nachassen Nachlassen derselben⦘ Rein nervöse Einflüsse (502, 503) Gesteigerte Thätigkeit des Herzens (l. c.)

Was den Blutdruck in den Glomerulis vermindert, vermindert auch die Harnmenge. (l. c.) Ausser Schwere u. Druck des beständig abgesonderten v. hinten her nachrückenden Harns, peristaltische, automatisch erregte Contractionen der Muskelwände der Harnleiter. Drucksystem in der Blase. (l. c.)

Blasennerven verfolgt in Lendentheil des Rückenmarks u. Gehirn. (l. c.)

Die Chemie des Harns. Harnsedimente etc. (p. 504–539)|

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III) Fünfzehntes Sechzehntes Kapitel. Haut u. Schweissbildung. Hauttalg.

1) Die Haut als Sekretionsorgan: Kohlensäureabgabe u. damit correspondirende Oaufnahme übersteigt nicht geringe Quantitäten; dagegen sehr bedeutend Wasserabgabe sowohl in Dampfform als insensible Perspiration u. tropfbar flüssig als Schweiss. Im Schweiss treten, wie im Harn, Salze, namentlich Kochsalz aus dem Blute aus. Steigert sich Wasserausgabe durch Haut, so vermindert die durch Nieren u. vice versa. Hautthätigkeit, also auch Wasserausgabe durch dieselbe, durch Wärme erregt, durch Kälte herabgesetzt. Die Hautthätigkeit vor allem den Zweck die Wärmeabgabe des Organismus zu reguliren; erreicht diess durch stärkere od. geringere Wasserverdunstung an ihrer Oberfläche, wodurch grössere od. geringere Menge Wärme gebunden wird, um das Wasser dampfförmig zu machen. Die Regulirung des Wärmeflusses durch die Hautbedeckung, die Haare, unterstüzt, als deren Ersatz bei nackten Körperstellen beim Menschen die Kleidung. (540)

Aüssere Haut (die allgemeine Hülle des Körpers) besteht aus Oberhaut (Epidermis) (dünner, gefäss- u. nervenlos) u. Lederhaut, in deren bindegewebige Grundlage zahlreiche Nerven u. Gefässe treten. In der Haut: Talgdrüsen u. Schweissdrüsen. Als Anhänge der Haut: Haare u. Nägel. (540, 541[)]

Lederhaut, Bindegeweb, worin zahlreiche elastische Fasern eingewebt. In dem obern Theil derselben[,] Pars papillaris [,] das Flechtwerk der sich kreuzenden Bindegewebsbündel dichter; in der untern Hälfte, Pars reticularis, lockrer, netzförmiger. Ihre aüssere Oberfläche mit Erhebungen besetzt, an der Kopfschwarte nur als Leistchen, an den meisten übrigen Hautstellen als Wärzchen (Papillen) (Hautwärzchen, Hautpapillen). Gefässpapillen und Nervenpapillen; in den letztern das nervöse Tastorgan, das Tastkörperchen. In jede Gefässpapille steigt Gefässschlinge empor. (541, 542)

In der Lederhaut reichlich organische Muskelfasern; entspringen unter der Epidermis. (542)

Ueber der Oberfläche der Lederhaut, durch glashelles Häutchen (worin anale Kerne eingebettet) nach aussen scharf abgegrenzt, zieht sich die Epidermis (die Oberhaut) hin (sehr dick in Hohlhandfläche, Fusssohle, Ferse). Epidermis besteht aus Harnstoff; besteht aus Zellen, obere Schichte flache Zellenblättchen, untere aus rundlichen Zellen. Hier auch die Stachel- od. Riffzellen. Obere Schicht, Hornschicht, untere Schleimschicht od. Rete Malpighii. Schleimschicht stösst an die Lederhaut; ihre Zellen weiche, feuchte, kernhaltige Bläschen; die untersten der Lederhaut anliegenden längliche (cylindrische), die drüber liegenden kuglige Zellen, platten sich immer mehr gegen die Hornschicht ab, indem durch gegenseitigen Druck vieleckige Farbstoffkörnchen eingebettet in die Zellen der Schleimschicht. (542)

Die Haut enthält im Korium Lymphgefässe u. Lymphräume; in den unteren Lagen desselben befinden sich Lymphgefässnetze. (l. c.) Haut sehr nervenreich; Nervenendigungen in den Tastkörperchen (l. c.)

Haare wie die Epidermis Horngebilde. (542 u. 543) Nägel starkverhornte Epidermispartien. (544) (Der Theil der Lederhaut, worauf der Nagel ruht, das Nagelbett, erhebt sich von hinten nach vorn zu Leistchen mit Papillen; an den hintern u. beiden seitlichen Enden des Nagelbetts erhebt sich die Lederhaut zu einem Falz, Nagelfalz, in welchem die Wurzel u. Seitenränder des Nagels eingelagert)

Schweissdrüssen fast in der ganzen Haut des Körpers, fehlen nur an der Eichel des Glieds u. an der concaven Fläche der Ohrenmuschel. (Weiteres 544, 545) Ohrenschmalzdrüsen. (p. 545) Talgdrüsen der Haut (Glandulae sebaceae), fast über die ganze Haut verbreitet, secerniren den Hauttalg od. die Hautschmiere (Sebum cutaneum); traubenförmige Drüsen; in grösster Anzahl an behaarten Stellen, münden mit den Haarbälgen an der Hautoberfläche. (345) Schweiss- u. Ohrenschmalzdrüsen mit reichlichem Kapillarnetz umsponnen, das den kleinern Talgdrüsen fehlt. Beruht auf der verschiednen Mechanik ihrer Sekretbildung. Schweiss abgesondert unter den Bedingungen des gesteigerten Drucks in den Hautkapillaren; das Sekret der Talgdrüsen fast nur der Inhalt der in fettiger Metamorphose zerfallnen Drüsenzellen. (545, 546)|

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2) Schweiss u. Schweissabsonderung: künstlich gesammelte Schweiss meist verunreinigt mit Hauttalg u. Epidermisschuppen. Schweiss sauer reagirend; wasserreich; sein fester Rückstand 0.4%–2.2%; die Hauptmasse davon besteht aus Kochsalz; ausserdem darin: Fette, flüchtige Fettsäuren (Ameisensäure, Essigsäure, Buttersäure, Propionsäure, nach einigen normal Harnstoff; unter den anorgan. Salzen neben Kochsalz: Chorkalium Chlorkalium , phosphorsaures Kali, phosporsaurer Kalk, Magnesia, Eisenoxyd; es sind mit einen Wort die Blutsalze, die im Schweisse den Organismus verlassen. (546)

Schweiss tritt auf, wenn der Blutdruck in den Kapillaren der Schweissdrüsen über bestimmte, unbekannte Grösse erhöht; durch erhöhten Druck im Arteriensystem, Erweiterung der Kapillaren der Schweissdrüsen u. der Haut. Bei gesteigerter Temperatur der umgebenden Luft, aus der letztgenannten Ursache, mit Röthung der Haut, bes. wenn die Luft stark mit Wasserdämpfen geschwängert. Sekretion dann auf Weg der Filtration u. Diffusion auftretend; auch hier mag, wie bei Harn neben der Funktionirung der Epithelzellen die saure Reaktion des Schweissdrüseninhalts den Uebertritt des Albumins aus dem Blut in den Schweiss hindern. Andrer Theil des Drüsensekrets stammt nicht aus dem Blut; namentlich Fett rührt v. fettigem Zerfall der Drüsenzellen her. Die organische Muskulatur der Haut u. der Drüsen selbst betheiligt sich an dem Auspressen des Sekrets aus den Drüsenschläuchen u. Knäueln. Nur vasomotorische nervöse Einflüsse auf Schweissbildung bis jezt nachgewiesen. (546)

Je nach Reichthum der Hautstellen an Schweissdrüsen die Schweissabsonderung an einer Stelle der Haut stärker als an der andern; am meisten schwitzen Stirne u. Achselhöhle. (l. c.) Die Gesammtzahl der Schweissdrüsen (ohne das Schweissdrüsenknaüel der Achselhöhle) berechnet auf 2,380,248. Der Gesammtflächenraum, der der Schweissabsondrung dient, eingerechnet der Drüsen der Achselhöhle, berechnet auf 39,653 Cubikzoll. In einem Schwitzbad verlor J. Ranke in 17 Minuten 1280 Gramm (über 21/2 Pfd). Starke Muskelbewegung wirkt wie gesteigerte aüssere Temperatur, schweisstreibend. Mit der stärkeren Absonderung u. zunehmenden Schweissmenge nehmen die organ. Stoffe im Schweiss ab, die anorganischen zu. Die erst secernirten Partien Schweiss reagiren sauer, die spätern neutral, selbst alkalisch. Die saure Reaktion u. der Schweissgeruch rührt zumeist v. freien Fettsäuren her. (547)

In dem Sekret der Ohrenschmalzdrüsen überwiegen Fette u. Kaliverbindungen fetter Säuren. (547)

Das Sekret der Talgdrüsen ⦗wie der Ohrenschmalzdrüsen⦘ zeigt Fettzellen, freies Fett, Cholesterinkrystalle, Epithelialzellen der Oberhaut; frisch abgesondert ists halbflüssig, ölig, an der Oberfläche der Haut erstarrt es; enthält ausser Wasser ein caseinartig Albuminat, Fette, Palmitin, Olein, Seifen mit den Fettsäuren der genannten Fette, u. anorganische Salze, die qualitativ mit denen des Schweisses übereinstimmen, quantitativ überwiegen die phosphorsauren Erden. (l. c.)

Zweiter Theil. Die Physiologie der Arbeitsleistung.

I) Thierische Wärme.

Siebzehntes Capitel: Die Wärmeerzeugung des menschlichen Organismus.

1) Wirkung abnorm niedriger u. hoher Temperaturen auf den thierischen Organismus.

Eigentemperatur der thierischen Organismen; der erwachsne menschliche Körper in der Achselhöhle ziemlich constante Temperatur v. 37°C. Eine der Hauptfunktionen des Bluts die Constanterhaltung der thierischen Wärme. Blut als Producent der thierischen Wärme durch seine Oxydation (u. Uebergabe des O an die Organe); ausserdem regulirt es durch seine Circulation die Wärme des Organismus u. seiner Organe. Alle normalen Lebensvorgänge v. Zelle etc bedingt v. einer constanten Temperatur, die sich in mittlerer Höhe hält. (555) Herzaction nimmt ab bei Kälte; der Tod durch Erfrieren erfolgt durch Gehirnanämie (Blutleere) (l. c.) Verzögerung, schliesslich vollkommne Unfähigkeit der Bewegungsleitung der Nerve Nerven in Folge v. Kälte; daher zuerst Hemmung, schliesslich Unmöglichkeit der Muskelbewegung. (556) Der thierische Organismus kann seine Eigentemperatur ⦗siehe Ziesel/Suslik p. 556. ⎰⎰ obgleich bei ihm die Aussentemperatur ausserordentlich unter die normale KörperTemperatur sinken kann, ohne dass es drauf geht⦘ |68 (Winterschlafenden Thiere zeigen grosse Abhängigkeit ihrer Eigentemperatur v. der Lufttemperatur.) unter fortgesetzter Einwirkung sehr bedeutender Kälte nicht behaupten. Ebensowenig unbegrenzt seine Widerstandsfähigkeit gegenüber höheren Temperaturgraden der Umgebung. (557)

Bei höhrer Temperatur verlaufen alle organ. Vorgänge zuerst rascher; in den Nerven steigt Leitungsfähigkeit u. Erregbarkeit. Höhere Grade der Wärme vernichten sehr rasch die Lebenseigenschaften der Gewebe. Nerven u. Muskeln, Blutkörperchen, Drüsenzellen, bei Erhöhung ihrer Temperatur um wenige Grade über die Normaltemperatur des Körpers sterben plötzlich ab, verfallen in die Wärmestarre (sie beruht auf Gerinnung eines Theils der im Gewebsaft gelösten Eiweisssubstanzen, z. B. Myosin.) Bei Kaltblütern tritt diese Gerinnung (u. daher Tod des Gewebs) bei 40°C ein, bei Säugethiern (auch Mensch) zwischen 49° u. 50°C, bei Vögeln bei 53°C. (557)

Die Körperwärme der Säugethiere zwischen 36°–40°C, der Vögel zwischen 40°–43°C. Die Warmblüter sind die gleichwarmen Thiere bei verschiednen aüsseren Temperatureinflüssen. Die Kaltblütigen (nach Bergmann die wechselwarmen) zeigen bei verschiednen aüsseren Temperatureinflüssen verschiedne Temperaturen: Im Allgem. sind sie bei aüsser äusserer niederer Temperatur höher, bei hoher niedriger temperirt als das Medium, worin sie sich befinden. Doch beruht die Wärmebildung bei ihnen auch auf dem Stoffumsatz. Der Frosch ist bei 15° um 0.3 bis 0.7°, bei 6° um 1–2° wärmer als das umgebende Wasser. Nach einstündigem Aufenthalt in Luft v. 45° betrug seine Temperatur 27° (nach Hunter). Hier schüzt, dem Schwitzen analog, die Verdunstung an der aüssern Haut vor übermässiger Erwärmung. (l. c.)

2) Die Körpertemperatur.

Das Constantbleiben der Körpertemperatur setzt sich zusammen aus regelmässigen Auf- u. Abwärtschwankungen. (557) (schwankt zunächst mit Nahrungsaufnahme u. der Verschiedenheit in der Lebensenergie der einzelnen Organe) Alle Lebensthätigkeiten schwanken während 24 Stunden regelmässig auf u. ab; u. zwar hängt diess nur theilweis v. Nahrungsaufnahme ab. Solche Tagesschwankungen ⦗die nicht davon abhängen⦘ in der Intensität der Lebensvorgänge bilden Analogie zu den in grösseren Zeiträumen verlaufenden Lebensperioden: Menstruation, Brunst, Haar- u. Federwechsel, Winter- u. Sommerschlaf etc. All diese Verschiedenheiten en dernière analyse rühren her v. der verschiednen Energie der Verbrennungs(Zersetzungs)Vorgänge im lebenden Organismus. Der bei weitem grösste Theil der bei diesen chemischen Vorgängen frei werdenden Kräfte tritt als Wärme auf: die thierische Wärme muss also die gleichen Schwankungen wie jene erkennen lassen. (558)

Die verschiednen Lebensalter als Repräsentanten verschiedner allgemeiner Körperzustände; bewähren sich auch mit Bezug hierauf (sieh die Wärmemessungen 558 l. c.) (⎰) Wechsel der Temperatur mit Nahrungsaufnahme (559 die Zahlen) (Am höchsten nach dem Mittagsessen während der Verdauung) ⦗Temperatur ohne Nahrungsaufnahme während der Abendstunden am niederigsten; steigt daher auch bei leichtern Abendessen nicht, das nur das überwiegende Absinken der Temperatur verdeckt⦘ ⦗In Folge der Nahrungsaufnahme Steigerung der Drüsenthätigkeit u. Oxydation⦘ ⦗Durch Hungern – Nahrungsentziehung – die Temperatur des Körpers erniedrigt

Schwankungen der Temperatur in Krankheiten (Fieberanfällen). (l. c.) ⦗In Fieberanfällen Steigen der Körperwärme bis 44.5°C. Gesteigerte Oxydation, vermehrter Verbrauch v. Körperstoff im Fieber.⦘ (Bei Cholera sinkt die Temperatur in den Achselhöhlen auf 26.6°C.) (44.5°C einerseits, 26.6°C andrerseits führen Tod des Menschen herbei)

An der Production der Körperwärme die einzelnen Organe je nach dem Grad ihrer Thätigkeit betheiligt. Bei Die gesteigerte Nerventhätigkeit durch geistige Beschäftigung steigert (Davy) die Körperwärme um about 0.3°C, dauernde Muskelanstrengung (nach Davy) um 0.7°C. (560)

Abgesehn v. den Wärmeschwankungen durch die wechselnde Intensität der Organthätigkeit, keine gleiche Temperatur der verschiednen Körperstellen, aüsserer u. innerer. (l. c.) ⦗rührt her v. der verschiednen Blutzufuhr u. damit verbundnen Verschiedenheit in der Grösse der Zersetzungsvorgänge bei verschiednen Organen⦘ ⦗Im Bindegeweb die Lebensvorgänge minder lebhaft als in Drüsen- Muskel- Nervengeweb; z. B. Haut vor allem aus Bindegeweb bestehend⦘ ⦗Baucheingeweide, namentlich Leber v. höherer Temperatur als Lungen u. Gehirn; unter der Achselhöhle 1/41/2°C. weniger |69 warm als unter der Zunge in der geschlossnen Mundhöhle. Scheide, Mastdarm, Blase etwa um 1°C wärmer als Achselgrube⦘ Blut an sich nicht das Hauptorgan unter denen die Wärme erzeugen, wird davon v. den meisten Organen übertroffen; aber gleicht aus die verschiednen Temperaturen der einzelnen Organe; strömt allen Organen zu nicht nur als Umsetzungsmaterial, sondern auch als Wärmequelle; es nimmt Wärme beim Circuliren auf v. den Organen, die höher als es temperirt, giebt Wärme ab an die, die niedriger temperirt. Es besitzt selbst in verschiednen Gefässen verschiedne Wärme; in den Hautvenen kälter als in den Hautarterien (das Blut der Hautvenen hat schon Theil seiner Wärme an die Haut abgegeben); Blutwärme steigt während das Blut die Nieren, Leber, Speicheldrüsen od. Muskelgruppen durchsetzt. Die Vena cava superior, die das Blut aus Theilen des Körpers zurückbringt, die vor allem der Abkühlung ausgesetzt sind, etwas kühler als das Blut der Vena cava inferior, die das Blut aus den arbeitenden grossen Drüsen, wie Herz, zuführt. Das Blut des rechten Ventrikels meist wärmer als das des linken, abgekühlt nach Passage durch Lunge. (561) (Aber die gemessnen Unterschiede – v. wegen der grossen Geschwindigkeit der Blutbewegung – der Bluttemperatur nur gering)

3) Die Wärmeregulirung des Organismus:

Wodurch erhält der Organismus des Warmblüters seine eigne Temperatur gegen die Aussenwelt innerhalb der angegebnen Grenzen constant? (561) Kann es nicht in extremen Fällen. Bei Individuen aus kälteren Klimaten durch Aufenthalt in wärmeren Steigerung bis 1°C der Mitteltemperatur. Sinken auf der andern Seite bei Kälte, mit gezwungner Körperruhe (z. B. in der Kirche im Winter), kaltem Bad etc. Alle diese Schwankungen in engen Grenzen. Diess unmöglich ohne Regulirungseinrichtungen; z. Th. absichtlich (Kleiderwechsel, Heitzung, kalte Bäder, kalte Speisen); z. Th. instinktiv od. einfach reflectorisch. (562)

Körper kann Wärme verlieren durch Leitung (Luft hat geringes Wärmeleitungsvermögen, Wasser viel mehr), Strahlung, Verdunstung. Abkühlenden Organe, deren Thätigkeit sich je nach dem Bedürfniss des Körpers modificirt, vor allem Haut u. Lunge; können durch Leitung Wärme an ihrer Oberfläche abgeben. (l. c.) Je dünner die Epidermis (welche die Wärme schlecht leitet), je weniger die Hautstelle behaart, um so stärker kann v. ihr der Wärmeabfluss sein. ⦗viel wesentlicherer Factor die Ausdehnung u. Füllung der Blutgefässe in der Haut⦘ Ferner Gestalt der Organe: Wärmestrahlung u. Leitung leichter aus schmalen spitzigen Körpern mit relativ grosser Oberfläche ⦗wie Nasenspitzen, Ohren, Finger u. Extremitäten leichter u. schneller abkühlend als Rumpf⦘ Am mächtigsten wirkt Verdunstung auf den Wärmeabfluss. [⦗]Beim Schwitzen der Haut; in Lungen etc⦘ (562)

Vermehrung der aüsseren Temperatur bewirkt zuerst Erweiterung der Blutgefässe in der Haut; Blut reichlicher so zugeführt steigert die Temperatur der Haut; dadurch kann durch Strahlung u. Leitung mehr Wärme abgegeben werden; Verdunstung auch gesteigert durch erhöhte Flüssigkeitsmenge im Hautgeweb, die der gesteigerten Blutzufuhr entspricht (Turgor). Bei noch höheren Wärmegraden Schweissbildung; dadurch Wärmeabfluss so bedeutend, dass der Körper sich selbst sehr hohen Temperaturen anzupassen vermag so lang er schwitzen kann (so lang die Luft nicht mit Wasserdampf gesättigt u. die Hautthätigkeit nicht sistirt ist) (563  Bemerkung von Marx.
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dazu gehört also nicht englische, sondern trockne Wärme
) Ueber Lähmung der Wärmeregulatoren (p. 563)

Beschleunigung der Circulation im ganzen od. namentlich den peripherischen Organen steigert Wärmeabfluss, setzt dadurch die Körpertemperatur herab. (l. c.) In allen diesen Fällen die Differenz zwischen Temperatur des umgebenden Mediums u. der wärmeabgebenden Oberfläche gesteigert u. dadurch der Wärmeabfluss proportional vermehrt (l. c.)

Sinken der Temperatur kann auf einer vorübergehenden od. dauernden Verbesserung des Wärmeleitungsvermögens der Organe beruhn, ohne dass Wärmequelle im Organismus sparsamer flösse. Z. B. das Leitungsvermögen des Wassers durch Auflösung v. Salzen in ihm verbessert; so kann mit der krankhaften od. physiologisch stärkeren Concentrirung der thierischen Flüssigkeiten ihr Wärmeleitungsvermögen steigen ⦗wie erwiesen f. ihr galvanisches Leitungsvermögen⦘ (563, 564)

⦗Sieh Taback u. namentlich Alkohol, die die peripherischen Gefässe erweitern ⦗wie Durchschneidung des Rückenmarks am Hals⦘, dadurch Hauttemperatur steigern, wodurch gesteigerter Wärmeabfluss; Alkohol führt dadurch den frierenden Theilen f. den Augenblick mehr Wärme zu, verbraucht im Ganzen aber die im Körper vorhandne Wärme sehr rasch. Alkohol vermag nur gut- u. warmgekleidete, gut genährte Individuen dauernd zu erwärmen. (p. 564) Muskelaction in strenger Kälte erleichtert auch die Wärmeabgabe wie Alkohol⦘|

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Mit Temperatur (sieh Zahlen 564 +) steigt mittlere Pulszahl, also Steigerung der Herzfrequenz; Nach Walther der Herzfrequenz entsprechend in gradem Verhältniss die Schnelligkeit der Abkühlung. In der Veränderung der Herzschlagfrequenz durch die Verschiedenheiten der Temperatur: Beschleunigung durch die Wärme, Herabsetzung durch die Kälte, einer der wichtigsten Wärmeregulatoren. Ditto vermehrte od. verminderte Athemfrequenz (565)

Wärmeabgabe in directem Verhältniss mit dem Temperaturunterschied der sich berührenden warmen Körper zu- od. abnehmend; gegen allzu starke Abkühlung daher vor allem die Oberflächentemperatur der Haut herabzusetzen. Die Herabsetzung erfolgt dadurch, dass sich auf den Kältereiz die Hautgefässe contrahiren u. daher in Zeiteinheit geringere Blutmenge durch sich durchtreten lassen. Der Haut dadurch weniger Wärme zugeführt, kühlt ab, Wärmeabgabe so verlangsamt. Die mässig gesteigerte Temperatur – u. sie erfolgt durch die aüssere Kälte – alle Organthätigkeiten u. Zersetzungen im Organismus an Intensität zunehmend. Die Verengerung der Hautgefässe u. die dadurch gesetzte Aufspeicherung v. Wärme im Innern verringert Wärmeverlust ⦗wodurch der durch die gesteigerte Abkühlung an sich gesteigerte Wärmeverlust überkompensirt werden kann⦘, bedingt ausserdem Steigerung des Stoffumsatzes in den vor allem Wärme erzeugenden Organen, die auch in der vermehrten Blutzufuhr entsprechend mehr Oxydationsmaterial erhalten. (l. c.)

Ist die Wirkung der Kälte so bedeutend, dass wirkliche Herabsetzung der Körpertemperatur erfolgt, so als weiterer Regulator eintretend die Verlangsamung des Herzschlags u. der Athemfrequenz. (l. c.)

Die Erkaltung [hat] bei jedem Individuum um so rascheren Erfolg, je geringer die Wärmesumme im Körper (wechselt je nach der Nahrung[)]. Arme frieren daher mehr als Reiche, »robust genährte Männer«; Jeder Wärmeverlust repräsentirt bei den erstren [einen] grösseren Bruchtheil der Gesammtwärmequantität als bei den letzteren. p. 566.

4) Die Wärmenge Wärmemenge des Organimus Organismus u. ihr Verbrauch.

Verschiedne Verbrennungswärme der Nahrungsmittel; Werthe der Wärmeabgabe bei verschiednen Nahrungsbedingungen mit Körperruhe zusammen, in runder Summe in 24 Stunden:  Zusatz von Marx.
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⦗Versuche die Ranke an sich selbst angestellt⦘

Hungertag (beginnt 23 Stunden nach der letzten Nahrungsaufnahme) 2012,816 Wärmeeinheiten.
Tag mit N[-]freier Kost 2059.506 ditto
Tag mit gemischter Kost 2200.000
Tag mit Fleischkost 2779.524
2300.000 Wärmeeinheiten (p. 567)

Die Wärmemenge, die der menschliche Organismus in bestimmter Zeit zu verausgaben hat[,] hängt ab vor allem v. Nahrungsweise; am grössten bei Fleischkost, am geringsten bei stickstoffloser Kost, v. mittlerem Werth bei gemischter Kost. Die Wärmemenge am ersten Hungertag zeigt, dass auch ohne Nahrungsaufnahme ein fett- u. fleischreicher Organismus die genügende Wärmemenge zu produciren vermag. Anders bei herabgekommnen Individuen u. nach längerem Hunger. Bei schlechter, z. B. Kartoffelnahrung kann der menschliche Körper viel weniger Widerstand leisten gegen Kälte als nach fleisch- u. fettreicher Kost. Dem Fett im Unterhautzellgewebe gutgenährter Individuen wird, wenn einmal die Hautarterien durch Kälte contrahirt sind, als schlechtem Wärmeleiter Antheil an der Verhinderung zu rascher Wärmeentziehung zugeschieben. (567)

Eine Wärmeeinheit (Calorie) = Wärmemenge, um 1 Kilogramm Wasser um 1°C zu erhitzen. 2300 Wärmeeinheiten genügen um 4600 Pfd Wasser v. 0° auf 1°C od. 46 Pfd. Wasser v. 0° auf 100°C zu erwärmen. Nennt man, wie es vielfältig geschehn, eine Calorie die Wärmemenge um 1 Gramm Wasser um 1°C zu erwärmen, so producirt der Mensch im Mittel in 24 Stunden: 2.3 Millionen dieser kleinen Wärmeeinheiten. (567)|

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Nach Helmholtz Berechnung: ⦗diess annähernd⦘

Von der Gesammtwärme des ruhenden Menschen verzehrt:

Zur Erwärmung der kälter als der Organismus eingeführten Nahrungsmittel weniger als 2.6%
〃 Erwärmung der Athmenluft weniger als 5.2
Zur Wasserverdunstung in den Lungen weniger als 14.7
Bleiben f. Abkühlung u. Verdunstung an der Hautoberfläche mehr als 77.5.

1 Kilogramm Wasser braucht zur Verdunstung an der Haut u. in der Lunge 582 (grosser auf Kilogr. berechneter) Calorien.

Die aufgenommenen Speisen u. das Trinkwasser haben in Summa eine niedrigere Temperatur als der Körper (etwa 12°C) u. verlassen als Exkrete den Körper mit dessen Temperatur. Der Erwärmung gegenüber verhalten sie sich etwa wie Wasser.

Bei der Athmung etwa 13 000 Gramm = 10 Million Ccm. Luft von im Mittel 12°C. eingeathmet, ausgeathmet mit 37°C, also erwärmt um 25°C. Die Wärmecapacität der Luft ist 0.26, wenn die des Wassers = 1 ist; also der Wärmeverlust durch die Athmung = 13,000 × 25 × 0.26 = 84.5 Calorien. (568)

H. Senator hat directe Bestimmungen der Wärmeproduktion u. der gleichzeitig abgegebnen CO2menge angestellt an Hund v. 5.3 Klgr. mittlerem Gewicht u. fand per Stunde:

Am 2t Hungertag 10.9 Calorien. 3.2 CO2.
Am Tag nach der Fütterung 12.6 〃 3.5〃
während der Verdauung 18.9 5.0 〃

Mit der gesteigerten Wärmeproduction auch die CO2ausscheidung gesteigert, aber nicht genau in gleichem Verhältniss. (l. c.)

Blutleere in der Haut, wie sie regelmässig durch Kältereiz hervorgebracht wird, erzeugt im Patienten das Gefühl des Frosts als Sinnestäuschung. 570⦘ ⦗Steigerung der Bluttemperatur, nicht nur der Wärme der Hautoberfläche durch gesteigerte Wärmezufuhr, kann allein durch verminderten Wärmeabfluss erzeugt werden. Es kann eine Steigerung der Oxydationsgrösse im Körper das secundäre Phänomen sein, abhängig von einer primär auf andrem Weg erhöhten Bluttemperatur. l. c. Solches sekundäre Phänomen die im Fieber auch bei Fieberfrost gefundne Erhöhung der Bluttemperatur⦘ ⦗nämlich durch Contraction der peripherischen Arterien: aus der Erhöhung der Bluttemperatur ergeben sich dann: beschleunigter Herzschlag, beschleunigte Athemfolge, gesteigerte Oxydation, die dann, wenn auf die krampfhafte Contraction der peripherischen Gefässe als Ermüdungserscheinung eine Lähmung der Arterien eintritt, das 2te od. Hitzstadium des Fiebers charakterisiren.⦘ ⦗Fieber eine Contractionserscheinung der peripherischen Gefässe ( Traube ), als Folge davon, was Liebermeister als das prius angiebt – Steigerung der Oxydation⦘ ⦗Gesteigerte Oxydation kann aber auch f. sich als etwas Selbsständiges erscheinen; die Veränderung in der chemischen Zusammensetzung der Gewebe, die Anhäufung v. Zersetzungsprodukten in denselben hat einen selbstständigen, verändernden Einfluss auf den Fortgang der normalen Zersetzungen; treten dadurch analoge Veränderungen im Stoffumsatz ein, wie bei der Thätigkeit der Muskeln u. ebenso Ermüdungsgefühl u. Kraftlosigkeit ⦗die die fieberhaften Krankheiten ebenso charachterisiren wie die normale Ermüdung⦘. Es sind „ermüdende“ Stoffe ⦗Zersetzungsprodukte der Gewebe; Milchsäure, saures phosphorsaures Kali etc⦘, die sich in den Geweben anhäufen, deren Anwesenheit in den Muskeln die scheinbare Erschöpfung, in den Nerven die abnorme Erhöhung der Reizbarkeit erzeugen; Mit ihrer Entfernung kehrt Kräftigung u. Wohlgefühl wieder. p. 571⦘ ⦗diese Stoffe – in Folge gesteigerter Bildung v. Zersetzungsprodukten der Gewebe (gesteigerte Oxydation) od. mangelhafte Abführung der in normaler Quantität gebildeten, können im Blut angehäuft können als Reiz f. die Muskulatur der Gefässe dienen u. diese zur Contraction veranlassen. Dann hätte Liebermeister recht. l. c.⦘ ⦗Die Bilder der Ermüdung momentan nach starker Muskelaction u. des fieberhaften Hitzstadium nicht verschieden u. bei beiden Ursache: Vermehrung der im Blut u. den Geweben enthaltnen Zersetzungsprodukte⦘|

72

5) Die Funktionen der Kleider.

Durch die Umhüllung werden die Funktionen der natürlichen Körperoberfläche theilweis übernommen; Wärmeabfluss willkührlich durch die Kleidung regulirt; ihr Werth steigt mit der abnehmenden Mitteltemperatur des Klimas; Kleidung der Temperatur anpassend; Bluttemperatur v. Neger u. Eskimo dieselbe, obgleich die Mitteltemperaturen, worin sie leben, unterschieden um 43°C. (573)

Die empfindliche, nervenreiche Hautoberfläche (menschliche) bei gutgewählten Kleidern (schlechten Wärmeleitern) erkältet sich niemals unter 24–30°C. Aüssere Kleideroberfläche erkaltet (dort findet die Wärmeabgabe statt) während die innere den Körper direkt berührende hochtemperirt bleibt. Aüssere Kleidoberfläche friert f. Haut. ⦗Dasselbe bei der Wärmeabgabe beharrter od. befiederter Thiere, bei den Menschen an behaarten Stellen, wo die Haut auch mit schlechten Wärmeleitern umgeben ist, welche nervenlos sind; so findet die Abkühlung unempfunden an ihrer Oberfläche statt.⦘ Je kälter, ⦗also je grösser der Temperaturunterschied zwischen Luft u. Haut⦘ noch mehr Ueberzüge; um die Wärmeabgabe noch mehr v. der Hautoberfläche zu entfernen. (573)

Flanell (Schafwolle) fast doppelt so stark hygroskopisch (Wasser aufnehmend, hier aus feuchter Luft) als Leinwand; u. letzre verliert das hygroskopisch aufgesaugte Wasser sehr viel rascher als erster. (l. c.) Die Kleider saugen die wässerigen Hautabscheidungen in sich, die Verdunstung findet zumeist an der Kleideroberfläche statt. Wolle trocknet die Hautoberfläche, da sie sehr hygoskropisch hygroskropisch, verlegt dadurch die Verdunstung möglichst weit v. der Hautoberfläche; u. vertheilt den durch die Wasserverdunstung erfolgten Wärmeverlust auf lange Zeit ⦗die Verdunstung entzieht der feuchten Fläche an der sie stattfindet rasch bedeutende Wärmemenge; je rascher die Verdunstung, desto rascher u. plötzlicher der Wärmeverlust, daher Erkältung⦘. Der Haut dadurch der Wärmeverlust möglichst unfühlbar gemacht. Leinwand erkältet (wenn feucht durch Schweiss z. B.), weil sie das Wasser rascher abgiebt; da sie weniger hygroskopisch, bleibt bei stärkerem Schwitzen die Haut unter ihr nass. (574) ⦗Im Sommer daher Leinwand⦘

Weitere Aufgabe der Kleidung: Luftbewegung an unsrer Hautoberfläche so weit zu mässigen, dass sie keine Empfindung in den Hautnerven hervorbringt. Darin Wohnräume selbe Bestimmung wie Kleider. (l. c.) Luftbewegung entzieht dem Körper direkt Wärme, weil er wärmer als Luft; sie erkältet ihn auch durch Wasserverdunstung. (l. c.) (auch dieser Vorgang, wie die direkte ErKältung, steigt mit der steigenden Luftgeschwindigkeit, wo die mit dem Körper in Berührung gekommnen Lufttheilchen beständig sofort durch neue, also kältere, ersetzt werden. (l. c.)[)] Wasserverdunstung um so rascher, je grösser die Differenz zwischen dem Wassergehalt des feuchten Stoffs u. dem der Luft ist; bei ganz trockner Luft am stärksten. (l. c.)

Undurchdringlichkeit der Kleider f. Luft kein Erforderniss f. das Warmhalten; Kleid kann luftig u. doch warm sein; kommt dabei vielmehr auf die Wärmeleitungsfähigkeit u. die Unterschiede in der Wasserverdunstung des Stoffs an als auf das + – Luft das er durchlässt. (575) (cf. ⎰ Zahlenangaben f. verschiedne Stoffe) (Durchgängigkeit der Luft durch Befeuchtung unmittelbar unterbrbrochen unterbrochen; lästiges Gefühl dabei; Behinderung der normalen Ausdünstung) (Kautscukröcke Kautschukröcke p. 375 575 ⎰)

Bett ist auch Kleidungsstück. (576)

Alle zu Kleidungsstücken verwendete verwendeten Stoffe sehr schlechte Wärmeleiter (l. c.) ⦗Grössere od. geringere faserige Zertheilung derselben legt der Wärmeleitung Hindernisse in den Weg. Ueberleitung der Wärme – die eine Art von Bewegung – durch jede Unterbrechung des molekularen Zusammenhangs gestört. Die Wärme muss dabei v. dem festen Körper auf Luft, von da wieder auf den festen Körper übergehn, wobei die Mitheilung Mittheilung immer unvollkommen. Die Kleider (die thierischen Felle u. vor allem die Flaumkleider der Vögel) daher nicht nur so schlechte Wärmeleiter durch das schlechte Leitungsvermögen ihrer Substanzen, sondern weil sich zwischen diesen noch Luft eindrängt. (576) (Zahlen f. verschiedne Stoffe ibid. ⎰)[⦘]

6) Die Heizung:

Wir verlieren in einem Zimmer nicht nur weil die Luft, die uns direkt umgiebt, in ihm kalt, sondern weil wir durch die schlecht leitende Luft durch Wärmestrahlung gegen kalte im Zimmer befindliche Gegenstände Wärme verlieren. Die Temperatur eines geheizten Zimmers soll nicht über 14–15°C steigen. Wird die Luft durch die Heizung |73 zu trocken, so entzieht sie uns durch Wasserdunstung zu viel Wärme. (576)

Process der Verbrennung (v. Holz etc) hat als erstes Stadium eine Gasbereitung aus dem Holz (resp. Kohle), welche ganz der Gasbeleuchtung entspricht. (durch die blosse Hitze der Brennmaterialien chemisch zersetzt, ehe ihre Elemente mit O zusammentreten; ein nicht unbeträchtlicher Theil ihrer Elemente verbindet sich zu den flüchtigen Produkten der s. g. trocknen Destillation); erst diess brennbare Gas fällt der Verbrennung anheim. Die Gase bestehn vor allem aus C2 H4 (Grubengas) u. C4 H4 (ölbildendem Gas), dieselben Gase, die im Leuchtgas. Dabei verdampft das Wasser. Nachdem diese Destillation vorüber, in welcher sich alles Wasser u. H zumeist an Kohlenstoff gebunden entwickelte, bleibt die fast reine, nur noch aschehaltige Kohle zurück; sie verbindet sich primär mit O zu Kohlenoxydgas, das die Kohlengluth mit bläulicher Flamme zu Kohlensäure verbrennend umspielt. (577) Das offne Feuer führt im höchsten Fall 90 Cubikfuss Luft in der Stunde zu; diese Luftmenge schwankt meist zwischen 40–90 Cubikfuss. Da ein Mensch f. genügende Ventilation stündlich 60 Cubikfuss Luft bedarf, genügt die Ofenventilation nur f. ein Individuum (l. c.)

Beleuchtung: Eine Gasflamme, die in einer Stunde 41/2 Cubikfuss Gas verzehrt, bedarf in derselben Zeit eine Zufuhr v. 9 Cubikfuss O, also von 45 Cubikfuss atmossphärischer Luft. Ihre Leuchtkraft = der v. 24 Talgkerzen (6 Stück aufs Pfund), deren Luftkonsum doppelt so gross als der der Gasflamme. (l. c.)

II) Arbeitsleistung der Knochen, Muskeln u. Nerven.

Achtzehntes Kapitel: Das Skelet u. seine Bewegungen.

1) Die Maschine des menschlichen Körpers: Bewegung v. Kraftmaschine „vor allem mit der Dampfmaschine vergleichbar“. Pferd v. den Arbeitsthieren die höchste Arbeitskraft. Pferdekraft – in der Mechanik – das KraftQuantum, aufzuwenden um 750 Kilogramm 1 Decimeter hoch in 1 Secunde zu heben. Nimmt man ohne Nachtheil f. des arbeitenden Individiums Gesundheit unter vortheilhaftesten Bedingungen Arbeitszeit v. 8 Stunden an, so f. Mensch, Pferd, Ochs, Maulesel u. Esel die p. 579 angegebnen Zahlen, wonach ein Mensch im Verhältniss zu seinem Körper die geringste Summe mechanischer Arbeit zu leisten vermag verglichen mit Pferd etc. (l. c.) ⦗Als Einheit der Arbeitskraft dabei das Kilogrammeter angenommen; die Kraft, die 1 Kilogramm in einer Secunde 1 Meter hoch zu heben vermag; dabei in der Tabelle die Uebertragung der Kraft durch Kurbel, Göpel, Tretrad unterschieden; durch die Uebertragung der Arbeitskraft (animalen) vermittelst Maschinen die Leistungen herabgesetzt; da die Arbeitsmaschinen bei ihrem eignen Ingangsetzen eine bestimmte, durchaus nicht verschwindende Kraftmenge bedürfen, die in der Summe der Arbeitsleistung verschwindet. Nur beim Tretrad mit 24° Ansteigung die Bedingungen der Uebertragung dem Menschen so günstig, dass sogar eine etwas höhere Leistung durch dasselbe als ohne Maschine resultirt. Der Mensch arbeitet hier mit seinem Gesammtkörper, was sonst niemals stattfindet. (Die Tabellen ib. ⎰⎰ 579)[⦘]

Vervollkommnung\Erfindung der Maschinen durch Analyse des körperlichen Mechanismus. Euler u. Dollond (achromatische Fernröhre) (p. 580 ⎰)

Die Maschine des menschlichen Mechanismus zerfällt: in ein System passiv bewegter Maschinentheile, welche die Richtung der Bewegung, die Art u. Weise der Uebertragung des rohen Kraftvorraths bestimmen; u. in den aktiv bewegenden Theil, in denen die Kraft der Bewegung lebendig wird, welche die durch sie bewegten Hebelvorrichtungen zur Arbeit nach aussen verwenden.

Die Mechanik verwendet zu den passiv bewegten Theilen vorzüglich Metall, Stein u. Holz; die Natur Knochensubstanz, die durch ihre erdigen Bestandtheile die Festigkeit des Steins, durch die Beimischung v. organischem Stoffe die Elasticität der Metalle besitzt. (580)

2) Mikroskopischer Bau der Skeletbestandtheile. (580–583) ⦗Knochengeweb entsteht nicht im Leib des Embryo primär; stets Umwandlungsprodukt gebildet aus den verschiednen Modifikationen des Bindegewebs; die rundlichen ringsgeschlossnen Zellen des Knorpels, die zackigen Bindegewebzellen verändern sich dabei zu den Knochenkörperchen, durchziehend |74 in netzförmiger Verbindung die homogene Grundmasse, Zwischenzellenmasse der Knochensubstanz, worin die erdigen Knochenbestandtheile eingelagert sind. Compacte u. schwammige Knochen. Die Mittelstücke der langen Röhrenknochen bestehn aus compacter Substanz, die Epiphysen (Gelenkende Gelenkenden) aus spongiöser Substanz, ebenso die kurzen unregelmässigen Knochen, die nur äusserlich von Glastafel (compacter Substanz) umgeben sind. Knochenzellen eingebettet in feinem Canalsystem, in offner Verbindung mit den dem den ganzen Knochen durchziehenden vielverzweigten System weiterer Canälchen, der Haverschen Haversschen Kanälchen, f. die Aufnahme der Blutgefässe bestimmt. Sie durchsetzen den ganzen Knochen v. der Oberfläche desselben unter dem Periost an, wo sie offen münden, bis zur innern Markhöhle. Ihre Verzweigungen entsprechen den Blutgefässtheilungen. Auf dem Querschnitt des Knochen erscheinen sie als ovale od. runde Löcher; ihr Verlauf vor allem nach der Längsaxe der Knochen. (580, 81)⦘

[⦗]Das Knochengeweb zwischen den Haverschen Haversschen Kanälchen v. deutlich geschichtetem Bau; Theil der Schichten umkreisend die Kanälchen; andres Lamellensystem beginnt v. der grossen Markhöhle u. durchsezt in concentrischen Schichten die ganze Knochendicke, vielfach v. den Lamellenschichten der Haverschen Haversschen Canälchen unterbrochen, um unter dem Periost in ganz regelmässiger Schichtung (Beinhautlamelle) zu erscheinen. Von der Beinhaut aus senken sich senkrecht auf die Knochenlamellen meist noch unverkalkte Fasern in die Knochensubstanz ein – Sharpey’sche Fasern. (582) Kalkcanälchen heissen die, worin die Knochenzellen eingebettet; an den Stellen, wo sie eingebettet, sind in dem feinen Kalkkanälchennetz linsenförmig gestaltete Knotenpunkte – Knochenhöhlen; die Knochenzellen ohne eigentliche Zellenmembran mit länglichem Kern. Periost, bindegewebige Haut (Beinhaut) worin der Knochen aüsserlich eingehüllt, sehr gefässreich, mit den Knochen durch die gemeinschaftlichen Blutgefässe, Nerven u. sehnigen Streifen (Sharpey’schen Fasern) verbunden. Zwischen Knochen u. Beinhaut eine Schicht enthaltend stehende rundliche Zellen, v. welcher Knochenwachsthum u. Knochenneubildung ausgeht (Blastème sous-périostale) Das Knochenmark füllt ausser den Blutgefässen u. den Nerven die weiteren Höhlungen zwischen der festen Knochensubstanz aus. (l. c.) Bänder welche die Knochen unter [einander] verbinden; entweder weiss u. glänzend, bestehn dann vor allem aus lockigem Bindegeweb mit elastischen Fasern durchsetzt, od. sie haben ein strohgelbes Aussehn (ligamenta flava) mit nur geringer Beimengung v. Bindegeweb. Sind die Knochen durch Knorpel verbunden, so dient dazu echter (hyaliner) Knorpel (Rippenknorpel, Gelenkknorpel) oder Faserknorpel (Synchondrosen, Ligamenta intervertebralia [)]. Bei fast allen Gelenken die Knochenenden mit Hyalinknorpel überzogen, nur das Kiefergelenk hat faserknorpligen Ueberzug. Knorpel ist gefässlos. Die Synovialkaspeln Synovialkapseln , die die Gelenkenden mit einander verbinden, bestehn aus Bindegeweb mit zahlreichen Gefässen u. Nerven, innere Oberfläche mit einem Blattenepithel Plattenepithel ausgekleidet; in den Gelenkhöhlen ragen als Fortsätze Falten u. Wucherungen der Synovialkapsel, durchzogen mit zahlreichen Blutgefässen. Gelenkhöhle mit heller, dicker, blassgelber Flüssigkeit ausgerüstet. (582, 83)⦘

Die Ossification erfolgt, indem sich zuerst in der Intercellularsubstanz die den Knochen charakterisirenden Kalksalze ablagern; die Stelle wo sie zuerst erfolgt: Ossificationscentrum, Verknöcherungspunkt (Weiteres 582) (Aus der ursprünglichen Knorpelanlage geht die Substantia spongiosa hervor; durch Verknöcherung v. Bindegeweb erfolgt die Entwicklung der compacten Knochensubstanz)

3) Chemische u. physikal. Lebenseigenschaften der Skeletbestandtheile.

Knochensubstanz: elastisches, v. Wasser durchtränktes leimgebendes Grundgewebe; dieses besteht aus leimgebender Substanz worin Kalksalze (überwiegend dreibasisch phosphorsaurer Kalk mit wenig kohlensaurem Kalk u. phosphorsaurer Magnesia inkrustirt, geben dem Geweb hohen Grad v. Steifigkeit u. Festigkeit[)]. (582) ⦗Die organischen Stoffe bei Mensch: 34.6%, die unorganischen 65.4%. Letztre bestehn aus: P2 O8 Mg3 1.0392 u. P2 O8 Ca3 83.8866; CaO an CO2, Cl, Fl gebunden: 7.6475, daneben noch Spuren |75 v. Eisenoxyd. (584)[⦘] Gehalt der Knochenmasse an erdigen feuerfesten Bestandtheilen u. daher das specifische Gewicht steigt bis zum kräftigen Mannesalter, fällt dann wieder. (l. c.) Festigkeit der Knochen nimmt mit zunehmendem Alter ab. (l. c.)

Verschiedne Einzelne Knochen haben im Organismus verschieden grosse Kraftleistung; dem entspricht verschiedner Gehalt an Knochenerde. (584 u. ib. +)

Verschiedner Bau der Knochen auf ihre physikal. Eigenschaften v. Einfluss, Grösse u. Anzahl v. Markcanälchen u. Knochenhöhlen etc (l. c.)

Stoffwechsel des Knochens: Seine anorganischen Bestandtheile, die mehr als die Hälfte seiner gesammten trocknen Masse ausmachen, alle höchstoxydirte Verbindungen, nehmen kein O mehr auf in ihre Zusammensetzung u. nehmen daher nicht Theil an den Kräfteerzeugenden organ. Vorgängen; die Kalkverbindungen haben anorganischen Charakter, stehn wenigstens direkt ausserhalb der im übrigen Organismus stets vorgehenden Stoffumänderungen. In der organischen Grundsubstanz beweist Bau aus den mit einander communicirenden Zellen, den Knochenkörperchen, eingelagert in die Kalkkanälchen der Zwischenmaterie, die sie durchziehenden reichlichen Blutgefässe u. eintretenden Nerven verhältnismässig regen Stoffverkehr u. Stoffwechsel.

Bei Knochenbrüchen Neubildung der Knochensubstanz vom Periost aus, wodurch Wiedervereinigung der getrennten Knochen, Heilung. Es scheint beständig stattzufinden Neuwachsthum der Knochensubstanz vom Periost aus, während die an den Markhöhlen grenzenden Knochenpartien aufgelöst (resorbirt) werden. Auch der anorganische Theil unterliegt beständigem Verbrauch, Auflösung u. ebenso beständigen Erneuerung. ⦗Diess nur bes. hervortretend bei Knochen jugendlicher Individuen, wo sie bei Mangel an Kalksalzen in der Nahrung nach u. nach erweichen u. die anorganischen Stoffe schwinden.⦘ Die Möglichkeit der Lösung u. des Wiederersatzes des phosphorsauren Kalks gegeben durch die Albuminate, bes. das Casein; durch ihre Verbindung mit jenem Stoff machen sie ihn löslich in den alkalischen Säften: Blut u. Lymphe. Sieh die Knochesser – od. Riesenzellen. (585 ⎰⎰)

Knorpelgeweb verwendet zur Bildung der glatten Oberflächen der Gelenkenden, zur Verbindung der einzelnen Skeletstücke unter einander, wesentlich verschieden v. Knochensubstanz. Enthält nur 2–7% anorgan. Substanzen; besteht sonst aus chondringebender Substanz, zwischen 30–46% Wasser enthaltend. Chondrin durch Essigsaüre füllbar, Glutin nicht. Lebenserscheinungen im Knorpel aüsserst gering. Knorpelzellen weit v. einander abliegend, abgeschlossen, durch Zwischenmaterie v. einander getrennt, Mangel an Blutgefässen. Knorpelwunde heilt nie durch neugebildete Knorpelsubstanz, bildet sich nur bindegewebige Narbe. (586) (u. ib. ⎰)

Bandapparat (vermittelt Zusammenhalt der einzelnen Skeletstücke), umschliesst die zusammengehörigen Knochenden, die Gelenkstücke, mit häutigen, dichtanschliessenden Kaspeln Kapseln , deren Festigkeit noch verstärkt durch eigne, seitlich od. im Innern der Gelenke befindliche Bänder. Das lockige Bindegeweb u. das elastische Geweb zur Herstellung dieses Apparats benutzt. Da das Bindegeweb – sehr dehnbar bei niedern, sehr steif bei höhern Spannungsgraden – der Träger der Blutgefässe ist, vermittelt es überall den Zutritt der ernährenden Gefässe zu den umschlossnen Gebilden. Wo besondre Festigkeit mit Elasticität gepaart nothwendig, geht es einen Härtungsprocess seiner Grundsubstanz ein, führend zu Bildung der elastischen Membranen u. Bänder. (586)

Aus Knochen- Knorpel- u. lockigem Bindegeweb mit elastischen Elementen ist zusammengesetzt der passiv bewegte Theil der Maschine des menschlichen Körpers. (l. c.)

4) Die Gelenke.

Knochen des Rumpfs fest ⦗durch mehr od. minder unbeweglich mit einander verbundne Knochen gebildet⦘; an diesen die eigentlich zur Bewegung dienenden Knochen der Extremitäten beweglich eingelenkt. (586)

Verbindungen der Bewegungsapparate: Im Allg. 2 Knochen stossen mit freien Endflächen an einander; um die Berührungsflächen zieht sich häutige Kapsel, mit dem einen Ende an dem einen, mit dem andern an dem zweiten |76 der beweglich mit einander verbundnen Knochen, am Rand ihrer Berührungsflächen angeheftet. So entsteht vollständig geschlossne Höhle: die Gelenkkaspel Gelenkkapsel ; ihre Wände vollkommen glatt, ebenso die mit Knorpelbezug versehnen Gelenkenden; sie werden schlüpfrig erhalten, durch Flüssigkeit, eiweiss- fett- u. mucinhaltig mit vielen zerfallnen Zellen u. etwa 95% Wasser. (586, 87) (Diese Höhle vollkommen v. ihrem Inhalt ausgefüllt) (bei allen Gelenken vollkommner Luftabschluss, so dass schon durch den Luftdruck allein die Gelenkenden u. Gelenkkapsel fest aneinander gedrückt) (Allen Bewegungen der Knochenenden an einander folgt die Gelenkflüssigkeit u. die Membran der Gelenkkaspel Gelenkkapsel, so dass niemals ein hohler, leerer Raum in der Gelenkhöhle entstehn kann.[)]

5) Bau der Extremitätsgefässe.

Die so verbundnen Knochen stellen alle Hebel dar, durch deren Bewegung in bestimmter Richtung Lasten gehoben, gestützt, geschoben etc werden können. Trotz ihrem Zweck entsprechenden Modification [zeigt sich eine] Analogie im Bau der obern u. untern Extremitäten. (588)

Armgerüst, gegliederter Stab, hängt mit dem Rumpf zusammen durch das freiste Gelenk (Kugelgelenk, aber modificirt), dem Schultergelenk zusammenhängt . (588. ferner ib. ⎰⎰) Das Festhalten des Arms im Schultergelenk [ist] dem Luftdruck mit Hilfe der umschliessbaren dehnbaren Kaspel Kapsel übertragen. (l. c.) Die beiden Hauptabschnitte des Stabs – Ober u. Unterarm – durch ein Charniergelenk mit einander verbunden. Streckung nur möglich bis Ober- u. Unterarm grade Linie bilden; Rückwärtsbewegung über die grade Linie hinaus unmöglich gemacht durch Hemmungsvorrichtung, einen Sperrhaken: das Olekranon. Der ganze Arm kann so als einfacher starrer Hebel benutzt werden zum Ziehen v. Lasten, an dessen vorderem Ende Last ziehn kann ohne ihn zu biegen. (589) Ellbogengelenk – zwischen Oberarmkrochen u. Ulna (dem Hauptunterarmknochen[)] – lässt nur Beugung zu. (l. c.) (Unterarmknochen besteht aus zwei nebeneinander liegenden gegeneinander drehbar verbundnen Knochen (Radius u. Ulna)[)]

In Hand alle Bewegungsmöglichkeiten summirt, die sich bei den einzelnen Gelenkverbindungen finden v. Schultergelenk bis Handgelenk (Sieh über Bau der Hand ib. 590)

Funktionen der untern Extreme weit einfacher als die der obern; Unterstützung des Rumpfs bei Stehn u. Fortbewegung desselben bei verschiednen Arten des Gehns. (590) Arme schon dadurch grössere Freiheit der Bewegung, dass sie mit dem Rumpf verbunden durch ein System beweglich unter einander u. mit dem Rumpf verbundner Knochenstücke: Schulterblatt u. Schlüsselbein. Die Beine artikuliren an dem fast unbeweglich verbundnen Knochenring des Beckens, in dessen hinterm Umfang die Wirbelsaüle fest eingeklemmt ist. Das Becken die starre Basis des Rumpfes, mit welcher er auf seinen Tragsäulen ruht (590, 91)

Hüftgelenk, zwischen Oberschenkelknochen u. Becken, gleich Schultergelenk, ein Kugelgelenk, aber hier Uebergreifen des Pfannenrandes über den grössten Theil des Gelenkkopfs, die Beweglichkeit daher allseitig, aber nach allen Richtungen beschränkt. Ein dem Pfannenrand aufgesetzter Knorpelring umgreift erst den Gelenkkopf in grösserer Ausdehnung. Bewegungen im Hüftgelenk weiter gehemmt durch sehnige Kaspel Kapsel , bei jeder Bewegung gespannt u. gedreht; ihre vordere Wand durch das ungemein starke ligamentum ileo–femorale verstärkt, die Rückwärtsbiegung des Rumpfs bei feststehenden Beinen durch seine Anspannung verhindert. (591)

Kniegelenk (Schraubgelenk od. Spiralgelenk;) gestattet Beugung u. Streckung. Gelenkbänder, die nach bestimmten Richtungen, je nach den Stellungen des Beins hemmend wirken. (l. c.) (Seitenbänder bei Streckung, Kreuzbänder bei Beugung, die dem Gelenk seine Festigkeit geben u. seine Bewegungen theilweis beschränken.[)] (Weiteres 592)

Fuss. (p. 592)

6) Die Leistungen des menschlichen Bewegungsorganismus. (593–600)

7) Arbeitsleistung durch Gehn: Ein Mann v. 70 Kilgr. Körpergewicht habe Berg v. 2000 Meter erstiegen; hat also sein Gewicht v. 70 Kilog. auf die angegebne Höhe gehoben, i. e. 140 000 Kggrammeter Arbeit geleistet. Die Arbeitsgrösse verdoppelt, wenn er eine Last = sein Körpergewicht, mit sich auf dem Rücken getragen (280,000.) Sie würde |77 seine Arbeitsleistung an der Kurbel (= 184 320) weit übertreffen. Bei der Leistung am Tretrad kommt noch eine Arbeit der obern Extremitäten hinzu wodurch sie steigt auf 345 600; Nach der Weber’schen Formel berechnet Ranke f. einen Mann f. eine Stunde Wegs auf horizontalem Gang die Arbeitsleistung = 25 000 Kilogrammeter; in 8 Gehstunden etwa 200 000 Kilogrammeter Arbeiter (etwa wie in der Arbeit f. Göpel) (600)

8) Die Wirkung der Stimmbänder: Kehlkopf- u. Zungenmuskeln gehören zu den solchen animalen quergestreiften Muskeln (wie Schlundmuskeln z. B.), die nichts mit der Gesammtarbeitsleistung des menschlichen Körpers zu thun haben.

Das Stimmorgan liegt im Kehlkopf; Stimme liegt in der Stimmritze; die unteren Stimmbänder, welche die Stimmritze einschliessen, gerathen beim Tonangeben in Schwingungen. (Mechanismus bekannt durch den Kehlkopfspiegel); die unteren Stimmbänder (ligamenta thyreoarytaenoidea inferiora [)], vermittelst ihrer Schwingungen, die sie unter Wirkung des Expirations[-], unter Umständen auch des Inspirationsluftstroms von ihren eignen elastischen Kräften getrieben ausführen, das Wesentliche bei der Tonerzeugung. Kehlkopf ein membranes Zungenwerk, die Stimmbänder sind die elastischen Zungen. Wird genügend starker Luftstrom gegen sie geblasen, so versetzt er sie in Schwingungen, die Tongebung veranlassen können. (601)

Die Stimmbänder sind, mit der hier Pflasterepithel tragenden Schleimhaut des Kehlkopfs überzogen, ausgespannt zwischen Schildknorpel u. den Giessbeckenknorpeln. Die Spalte, die sie von einander trennt, in ihrem vorderen Theil Glottis vocalis (eigentliche Stimmritze); der Theil, der sich fortsetzt zwischen die beiden Giessbeckenknorpel Glottis respiratoria (Athemritze). (602) Die Länge u. Spannung der Stimmbänder hängt v. der Entfernung ihrer beiden Ansatzpunkte ab, die durch Stellungsverschiedenheiten des Schildknorpels gegen die Ringknorpel verändert werden kann. Die Stellungsveränderungen des Schildknorpels besorgen die Musculi cricothyreoidei. (l. c.) (setzen sich fort v. Ringknorpel, durch Stimmbänder u. setzen sich an die Giessbeckenknorpel an. l. c.) (Nur Theil der Fasern durchläuft das Stimmband selbst.) Im Kehlkopf sind die unteren Stimmbänder als membranöse Zungen durch das Trachealrohr gespannt; Bronchien, Luftröhre u. der untere Theil des Kehlkopfs fungiren als „Windrohr“ des Instruments. Der obere Theil des Kehlkopfs, dann die Rachen- Mund- u. Nasenhöhle dienen als „Ansatzrohr“. (602, cf. Exposition v. Helmholtz ( 603)

9) Klangbildung im Stimmorgan (p. 604–5)

10) Die Sprechstimme (606–610) (Töne allein mit Hilfe der Stimmbänder erzeugt, Sprechtöne unter Mitwirkung der Mundtheile; diese allein wirkend bei Flüstern)

Neunzehntes Kapitel. Mechanik u. Chemie der Muskeln.

I) Mechanik der Muskeln.

1) Allgemeine Wirkungsweise der Muskeln u. ihr Bau. Bewegungsmöglichkeiten des Organismus durch die starren Gerüsttheile des Skelets gegeben, dessen mechanische Einrichtungen Stellungsveränderungen der einzelnen Knochen gegen einander erlauben od. verbieten. (611)

Skeletmuskeln – massige, rothgefärbte, elastische Bänder mit den Knochen verbunden – beinahe die Hälfte, etwa 45% der Körpermasse; schliessen die Mehrzahl der Knochen fast vollkommen in ihre Fleischmassen ein. (l. c.) Die eigentlich bewegenden Organe. (l. c.)

Contraction fähig, i. e. Kürzer- u. Dickerwerden. Verkürzen in der Längsrichtung, Anschwellen in der Querrichtung, Volum dasselbe bleibend. Uebergang (abwechselnd) v. verkürztem in verlängerten Zustand u. vice versa rufen abwechselnde Bewegungen der durch Gelenke verbundnen Skeletabschnitte hervor. (612) Muskel stets nur an ihren beiden Enden – Ursprung und Ansatz [–] an Knochen befestigt, wobei sie stets ein, seltner zwei Gelenke überspringen; verwandeln dadurch die Knochen in Hebel. Die Mehrzahl dieser Hebel einarmig; (Angriffspunkt des Muskels, der Kraft [befindet sich] auf derselben Seite des Drehpunkts wie Angriffspunkt der Last. Angriffspunkt des Muskels meist dem Drehpunkt des Hebels sehr nah, so dass der Muskelhebelarm weit kürzer als der der Last; dadurch wird f. die Hebung verhältnissmässig schwererer Lasten mehr bedeutender Kraftaufwand nöthig als im umgekehrten Fall, dagegen kann die Hebung der Lasten mit um so grösserer Geschwindigkeit ausgeführt werden; die Knochen werden durch ihre Muskeln in sog. Geschwindigkeitshebeln verwandelt.[)] (612)|

78

Im Allgemeinen die Wirkungsweise der Muskel auf ihre Hebel die einer linearen Zugkraft; [man] denke sich die bandartigen Muskel reducirt auf eine Linie, die die Ansatzpunkte mit einander verbindet. Durch die Verkürzung dieser Linie wird der Ansatzpunkt des Muskels an einem beweglichen Hebel genähert dem Ursprungspunkt, der sich an einem Theil des Skeletts findet. Die Wirkung solcher linearen Zugkraft nach den mechanischen Gelenkeinrichtungen modificirt (den Hemmungseinrichtungen an denselben) u. je nach der Richtung, worin die Zugkraft angreift. (612) (Kraft kann je nach Richtung der Muskeln zu den Knochen zum Zusammenpressen der Gelenkenden in senkrechter Richtung dienen od. zur Stellungveränderung) (Muskelwirkung verschieden je nach den schon eingeleiteten Stellungen der zu bewegenden Knochen) (In der Natur der Muskelansatz der Knochen so modificirt, dass wirklich paralleles (mit den Knochen) Angreifen der Zugkraft nicht eintreten kann. Die Muskeln setzen sich immer an Knochenvorsprüngen an od. gehn über solche vor ihrem Ansatz weg, so dass diese Knochenvorsprünge als Rollen wirken u. den Ansatz verbessern, wodurch bedeutenderer Theil der Muskelwirkung eine Stellungsänderung des Gelenks veranlasst.) Viele Muskeln so geordnet, dass bei ihrer gleichzeitigen Contraction das betreffende Gelenk keine Stellungsänderung eingeht, heissen Antagonisten (paralysiren sich gegenseitig in ihren Wirkungen) Die Bewegung in reinen Charniergelenken stets nur Beugung u. Streckung – also Drehung um die Gelenkaxe. Bei den Kugelgelenken ditto, aber die Bewegung vielseitiger, weil die Anzahl der möglichen Axen (durch den Drehpunkt des Gelenkkopfs nach verschiednen Richtungen gelegt gedachte lineare Axen) grösser; dadurch wird Resultat complicirter. Analog ist est es bei allen andren wahren Gelenkformen, die sich mehr den Charnieren od. mehr den Kugelgelengen Kugelgelenken annähern. Die Art der Muskelwirkung stets dieselbe. (613)

Bau der Muskeln: Zusammengesetzt aus der eigentlichen rothen Fleischmassen Fleischmasse, die aus Längs- u. Querbündeln besteht; die einzelnen Bündel zusammengehalten durch Bindegeweb, worin manchmal Fettzellen. Bindegeweb hier wie überall Träger der Blutgefässe. Die Fleischbündel bestehn aus den Muskelprimitivbündeln (Muskelschläuchen), die in ihrem zähflüssigen Inhalt Querstreifung erkennen lassen; diese Bündel, vielfältig v. der Länge des ganzen Muskels, manchmal mit ziemlich scharfer Spitze endend, bevor sie das Ende des Muskels erreicht haben, auch in zartes Bindegeweb eingehüllt; in diesen verzweigen sich die letzten Muskelkapillaren; längs- u. quergerichtete Kapillaren, ziemlich reichlich mit Blut versorgt; sie sind die feinsten des ganzen Körpers. (613, 614)

Die Muskeln laufen an ihren beiden Enden in die Sehnen u. Fascien aus, mit denen sie vom Knochen entspringen u. sich an ihn ansetzen. Im Gegensatz zu den Sehnen übertragen die Fascien die Muskelwirkung auf breite Flächen; vervielfältigen theilweis auch die Ansatzpunkte der Muskeln. (615)

Die Muskelprimitivschläuche endigen am Sehnenabsatz blind, gehn nicht direkt in die Sehnen über; nur das Sarkolemma u. das Bindegewebe zwischen den Muskelnbündeln, Perimysium, steht in direkter Continuität mit der Sehne. Die Sehnen im Gegensatz mit den Muskeln so wenig dehnbar, dass sie noch zu den starren Maschinentheilen, an denen die Muskelkraft angreift, zu zählen. Sie sind den Uebertragungsbändern u. Seilen der Mechanik analog. (616)

Mechanische Grundbedingungen der Muskeln:

  • 1) Ihre active Beweglichkeit oder Contractionsvermögen.
  • 2) Ihre passive Beweglichkeit od. Elasticität. (l. c.)

2) Elasticität u. Dehnbarkeit der ruhenden Muskeln: Da die Knochen allseitig v. Muskeln umgeben, so keine Bewegung möglich, wenn die Muskeln im ruhenden Zustand nicht dehnbar. Damit v. den umlagernden Muskeln Einer Bewegungseffecte hervorbringen könne, müssen die übrigen ruhenden Muskeln dehnbar sein, um sich der Veränderung der Stellung der Knochen gegen einander anzupassen. Sie sind dehnbar in totem Grad, aber eben so elastisch. Mit dieser Elasticität Arbeitsersparung gegeben. Bei der aktiven Wirkung der Muskeln werden ihre Antagonisten stark gedehnt; um die Knochen nun in ihre Ruhelage zurückzubringen kein weiterer Kräfteaufwand nöthig; neben der Wirkung der Schwere erreicht durch die elastische Wirkung des gedehnten Muskels, der seine natürliche Länge wieder anzunehmen strebt, sobald der dehnende Zug nachlässt. (616)

Unterliegt Muskel dehnendem Zug, so erst sehr bedeutend gedehnt, aber erst nach u. nach nimmt er die vollkommene Länge an, die der Zugkraft entspricht. Also starke momentane Anfangsdehnung u. weit geringere u. später eintretende Schlussdehnung. Eben so umgekehrt. Nach Nachlassen des Zugs erst sehr rasche Verkürzung u. dann sehr allmähliche, so dass er erst im Verlauf längerer Zeit seine Verkürzung vollendet. Aehnlich verhalten sich alle organische Körper, z. B. Seidenfäden. Ein gleiches Gewicht bringt um so geringere Dehnung hervor, je mehr der Muskel schon gedehnt ist. Ueber gewisses Maximum hinaus er nicht mehr dehnbar, zerreisst, wenn die Zugkraft noch bedeutender gesteigert |79 wird. Er verhält sich qualitativ wie die elastischen Bandapparate der Gelenke, die über gewissen Dehnungsgrad hinaus, sich jeder weiteren Dehnung starr widersetzen. Quantitative Dehnbarkeit des Muskels weit grösser als die der Bänder, Sehnen und Kapselmembranen. (617)

Die Muskeln im lebendigen Körper so an ihre Knochen befestigt, dass sie dadurch etwas über ihre natürliche Länge gedehnt werden; so bei dem Lostrennen v. ihren Ansatzpunkten schnellen sie etwas zurück. Bei der eintretenden Contraction daher keine Kraft u. Zeit verloren f. die Anspannung des vorher schlaffen Muskels, Bewegungen in den betreffenden Knochen können sofort eingeleitet werden. (l. c.)

3) Active Contractilität des Muskels: befähigt ihn zur Arbeitsleistung. Mikroskopisch nachweisbar an den einzelen Primitivcylindern des Gesammtmuskels. Seine Queerstreifen – doppelt brechenden Fleischheilchen Fleischtheilchen (Disdiaklasten) ⦗bestehn wieder aus solchen kleinster Grösse⦘ strecken sich plötzlich grad, rücken näher an einander, werden kürzer u. breiter. (617) Ausgeschnittner Muskel durch seine Verkürzung kann Gewicht heben, mechanische Arbeit leisten. (618) (= Produkt des gehobnen Gewichts × Hubhöhe. Wenn Last = p, h = Hubhöhe, Produkt = p × h. Aber schon das Heben des unbelasteten Muskels – seines eignen Gewichts auf die Hubhöhe – ist Arbeit, die zur geleisteten Arbeit zugerechnet werden muss, um die Gesammtarbeit des Muskels bei Heben des Gewichts zu finden. P = Muskelgewicht. Die Arbeit f. sein eignes Heben = P × h/2. Also die Gesammtarbeit = Ph/2 + ph = (P/2 + p) h. p. 618) (Bei Heben v. grossen Lasten kann Ph/2 vernachlässigt werden; man erhält dann f. die Arbeit ph.)

Jeder Muskel aller möglichen Grade der Verkürzung fähig bis zu einem Maximum individuell verschieden f. jeden nach der Stärke seiner Lebenseigenschaften. Maximum schwankt zwischen 65 u. 85 per Cent der Länge des ruhenden Muskels. In dem Körper die Muskeln so angeheftet, dass keiner das Maximum seiner Verkürzung erreichen kann; auch bei der durch die Gelenkeinrichtungen ermöglichten grösstmöglichen Verkürzung diese immer nur kleiner Bruchtheil der natürlichen Länge des Muskels. Die Muskel überall so nah an dem Drehpunkt der Hebel die sie bewegen angesetzt, dass schon geringe Verkürzung derselben das Maximum der Drehung bewirkt, welche die Gelenkeinrichtung gestattet. So die Bewegungen mit möglichst geringer Muskelverkürzung ermöglicht (618)

Absolute Muskelkraft: das Gewicht womit belastet Muskel ruhig bleibt im Moment wo er zur Contraction veranlasst wird. Diese Grösse dem grössten Querschnitt des Muskels proportional; man berechnet sie auf die Einheit v. 1 □ Cm. Muskel. Bei Mensch für Armmuskulatur im Mittel = 8.187 Kilogr., f. den Unterschenkelmuskel = 5.9 Klgr. für je 1 □ Cm.

Das Arbeitsmaximum – Summe der Spannkräfte die der Muskel bei stärkster Reizung u. höchster Erregbarkeit lebendig werden lassen kann. Diess Maximum v. der Belastung des Muskels abhängig; grösser, wenn während der Contraction die Belastung fortschreitend vermindert wird wie diess bei der Muskelwirkung an den Knochenhebeln der Fall. ⦗(cf. p 613 oben)⦘ Ueberlastung ⦗über das Mass der absoluten Muskelkraft hinaus⦘ so entsteht Verlängerung (Dehnung) statt Verkürzung. ⦗der contrahirte Muskel dehnbarer als der ruhende; weil durch die Arbeitsleistung die Lebenseigenschaften des Muskels herabgesetzt, ja vernichtet werden können.⦘ (618, 619)

Die Muskelleistung findet statt während des Uebergangs des Muskels aus seinem verlängerten (ruhenden Zustand) in den verkürzten. Ein Muskel kann um so grössere Lasten auf eine bestimmte Höhe heben, je grösser sein Querschnitt. ⦗Der dickere Muskel besteht aus grösserer Anzahl v. Muskelprimitivcylindern, die alle als Einzekräfte Einzelkräfte wirken. Je mehr gleichzeitig in Thätigkeit versetzt, desto grösser die daraus resultirende Leistung.⦘ Ein Muskel hebt eine bestimmte Last auf eine um so bedeutendere Höhe, je länger er ist. ⦗Bei einem längeren Muskel [hat] das Maximum seiner Verkürzung einen absolut grösseren Werth als bei einem kürzeren⦘ (619)

Reizt man z. B. durch Electricität quergestreiften Muskel, so scheint Erregungszustand desselben gleichzeitig mit Eintritt der Reizung einzutreten u. mit Aufhören derselben wieder zu verschwinden. Anders bei den glatten Muskelfasern, z. B. denen des Darms. Contraction wird erst wahrnehmbar merkliche Zeit nach Beginn der Reizung, steigert sich allmälig, dauert nach Aufhören des Reizes fort u. geht endlich in Erschaffung Erschlaffung über. Sind in der That |80 ( Helmholtz ) nur quantitative Verschiedenheiten in dem physiologischen Verhalten der beiden Muskelarten. (619) ( Marxʼ Worte.
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schönes Experiment v. Helmholtz
p. 619, 620) Vorgang der Contraction – Muskelzuckung – ungemein rasch verlaufend; blitzschnell; kann Gewicht dadurch gehoben werden, geht ebenso rasch wieder verloren.  Bei Ranke, S. 620: Diese fast blitzschnellen Contractionen
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Sie
sind es offenbar nicht, mit deren Hilfe der thierische Organismus Lasten hebt u. sich selbst in gemessnem Schritt vorwärts bewegt. Dazu müssen die Contractionen v. längerer Dauer sein. Man kann aber auch künstlich an ausgeschnittnem Muskel solche länger andauernde andauernden tetanische tetanischen Contractionen hervorufen hervorrufen; wenn man viele (nicht nur einen rasch vorübergehend Reiz) z. B. elektrische Schläge sich so rasch folgen lässt, dass die vom ersten hervorgerufne Zuckung beim zweiten noch nicht das Maximum erreicht hat, so setzen sich die Einzelerfolge der Reize zusammen, so dass stärker u. länger andauernde Zuckung – Tetanus – entsteht. Die Wirkung des 2t Reizes erfolgt dann so, als ob die Länge, welche der Muskel unter der Einwirkung des ersten Reizes bereits erlangt hat, seine natürliche wäre, so dass er sich noch um einen entsprechenden Bruchtheil dieser Länge verkürzt. Dieser Verkürzungszuwachs nimmt f. jede folgende einem folgenden Reiz entsprechende Verkürzung ab, so dass der Muskel schliesslich eine konstante dem Tetanus entsprechende Form annimmt, welche durch grössere Dicken- u. geringere Längenausdehnung sich v. der Form des einfach contrahirten Muskels unterscheidet. (620 621)

Fortpflanzung der Erregung im Muskel (p. 621, 622. sie sinkt wie die Contractionsgeschwindigkeit bei sinkender Temperatur.) Lokalisiren der Muskelreizung (Aufschwellen an der gereizten Stelle durch Blutzufluss, beschränkt lokal, idiomuskuläre Contraction) (622) Bei dem Uebergang in den thätigen Zustand schnellt der unbelastete Muskel mit elastischen Kräften aus der Form des ruhenden in die neue Form des thätigen Muskels; als ob er über die thätige Form gedehnt gewesen wäre. Nicht so beim belasteten. (l. c.)

II) Die Chemie des Muskels als Bedingung seiner Lebensthätigkeiten.

1) Der Muskel als kraftproducirendes Organ: er das hauptsächlichste kraftproducirende Organ f. die mechanischen Leistungen des Mechanismus Organismus; seine Bestandtheile [sind] das Heizmaterial der Maschine zur Krafterzeugung f. die mechanischen Leistungen (622) Nicht bloss Uebertragungsmechanismen wie Stempel, Hebel u. Räder einer Dampfmaschine einer an einem andern Ort erzeugten Kraft. ⦗die Centralorgane des Nervensystems nach älterer Meinung die Kraftquelle für die Muskelaction. Die Meinung [war] widerlegt als nachgewiesen [wurde,] dass der v. Rückenmark u. Gehirn getrennte Muskel noch zuckungsfähig bleibt.⦘ (622, 623) Andre Ansicht, dass die Kraftquelle f. die Muskelaction im Blute; widerlegt durch den Nachweis, dass ausgeschnittne u. vollkommen blutfreie Muskeln noch zuckungsfähig; ⦗doch solcher Muskel, wenn ihm Blut zur Verfügung steht verwendet auch Kräfte aus diesem zur Arbeitsleistung⦘ Blutreicher Muskel kann mehr Arbeit leisten als blutfreier ⦗Das Blut führt nicht die freien Spannkräfte selbst zu, welche der Muskel zur Arbeit verwendet; es giebt Stoffe mit Spannkräften an die Muskeln ab, was denselben Erfolg hat.⦘ Während der Muskelaction wesentliche Veränderungen im Blut; Blut v. Frosch verliert durch übermässige Muskelaction ⦗Tetanus des Gesammtthiers⦘ seine stark alkalische Reaction u. wird neutral od. schwach sauer. Die procentische Menge der in ihm enthaltenen festen Stoffe nimmt [zu], Wassergehalt entsprechend ab. (623.)

 Bemerkung von Marx zur eigenen Orientierung.
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Fortsetzung Heft C.

Inhalt:

  • Inhaltsverzeichnis von Engels
  • ⦗Heft B. (1876) April.⦘
    • Fortsetzung v. Ranke. (v. Heft A März 1876)
    • Zitiervorschlag

      Karl Marx: Heft B (1876). In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital, Bd. IV/23, bearb. v. Timm Graßmann, hg. v. der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://megadigital.bbaw.de/M9662402. Abgerufen am 08.08.2026.

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