[Inhaltsverzeichnis von Engels]

1876.

1) Schleiden, Physiol. der Pflanzen & Thiere 1850, S. 1–50.

2) Ranke, Physiol. des Menschen S. 51–79, Heft I.|

[Titel von Marx]

Heft V

Heft A. (1876)

Begonnen März 1876

Heft IX|

Heft IX Heft A

Inhalt.

1) Schleiden. (Physiologie der Pflanzen u. Thiere) (1850) (p. 1–50)

2) J. Ranke: Grundzüge der Physiologie des Menschen (51–79)|

Aus:
Wilhelm Schumacher: Die Physik in ihrer Anwendung auf Agricultur und Pflanzenphysiologie. Bd. 1. Die Physik des Bodens in ihren theoretischen und practischen Beziehungen zur Landwirthschaft. Berlin 1864.
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Die wichtigsten Säuren u. Basen f. die Agrikulturchemie

Aequivalentzahl
1) C. Kohlensäure CO2 22,00
Kohlenoxydgas CO 14,00
Kohlenwasserstoffgas CH2 u. CH 8,00 u. 7,00
2) N. Salpetersäure NO5 54,00
Salpetrige Säure NO3 38,00
Ammoniak NH3 17,00
Ammonium NH4 18,00
Ammoniumoxyd NH4O 26,00
3) P. Phosphorsäure PO5 71,00
Phosphorwasserstoff PH3 34,00
4) S.  Bei Schumacher, S. 46: Schwefelsäure
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Schwefeltrioxyd
SO3  Zusatz von Marx.
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⦗Schwefelsäure = H2SO4
40,00
Schweflige Säure SO2 32,00
Schwefelwasserstoff H2 17,00
Schwefelkohlenstoff CS2 38,00
5) Cl Chlorwasserstoffsäure HCl 36,46
6) Si Kieselsäure (Kieselerde) SiO3 38,81
7) K Kaliumoxyd od. Kali KO 47,11
8) Na Natriumoxyd od. Natron NaO 31,00
9) Ba Bariumoxyd od. Baryterde BaO 76,58
10) Ca Calciumoxyd od. Kalkerde CaO 28,00
11) Mg Magnesiumoxyd od. Bittererde MgO 20,00
12) Al Aluminiumoxyd od. Thonerde AlO3 51,26
13) Fe Eisenoxydul FeO 36,00
Eisenoxyd Fe2O3 80,00
14) Mn Manganoxydul MnO 45,60
Manganoxyd Mn2O3 99,20
15) Pl Bleioxyd PlO 111,50
16) As Arsenige Säure AsO3 99,00
Arsensäure AsO5 115,00
17) Hg Quecksilberoxydul Hg2O 208,00
Quecksilberoxyd HgO 108,00
18) Cu Kupferoxyd CuO 39,70
19) Ag Silberoxyd AgO 116,00
20) Zn Zinkoxyd ZnO 40,53|

1

Aus:
M. J. Schleiden: Die Physiologie der Pflanzen und Thiere und Theorie der Pflanzencultur. Für Landwirthe bearbeitet. Braunschweig 1850.
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M. J. Schleiden: Die Physiologie der Pflanzen u. Thiere etc 1850.

I) Abhängigkeit der Culturpflanzen v. äusseren Verhältnissen.

Wie f. die wildwachsenden Pflanzen, so für die Kulturpflanzen ausser Gewalt des Menschen: Klima u. geognostische Grundlage. Mensch wirkt auf eigentlichen Culturboden od. Ackerkrume. (357)

Bei den wildwachsenden Pflanzen wird 1) die absterbende Generation immer wieder dem Boden einverleibt; alle unorganischen Bestandtheile in der günstigsten Form dem Boden zurückgegeben. 2) Wilde Boden wird fortwährend reicher an Humus; durch die fortwährende Bedeckung wird die Verwesung des Humus ausserordentlich verlangsamt, während das Hinwegnehmen der Ernte die Vermehrung des Humus verhindert; ferner durch das Nacktliegen des Bodens u. die öftere Umarbeitung, die Zerstörung des Humus, die Verwesung, ausserordentlich beschleunigt. 3) bei der gemischten Mannigfaltigkeit der wilden Vegetation die unorgan. Bestandtheile des Bodens vollständig ausgenuzt, während bei der Bedeckung des Culturbodens durch Eine Art die unorgan. Bestandtheile immer nur höchst einseitig in Anspruch genommen. (357) Die Culturpflanzen bedürfen ungleich grösseren Reichthums an unorganischen Bestandtheilen u. viele v. ihnen, z. B. Cerealien u. Hackfrüchte können sich ohne bedeutende Humusmengen nicht kräftig ernähren, weil der Boden v. ihnen nur unvollständig bedeckt u. daher den schädlichen Einflüssen der Atmosphäre ungleich mehr ausgesetzt ist. (l. c.)

Pflanzen geographische Verbreitung bestimmt durch das Zusammentreffen aller Bedingungen, wovon das Gedeihen einer bestimmten Pflanzenart abhängt. Auch der Anbau der Culturpflanzen zu gewissem Grad von dieser pflanzengeographischen Bestimmung abhängig. Bestimmt das Hauptbrodkorn in jeder Gegend der alten Welt. 1) Erste Linie vom 56° nördl. Breite quer durch Asien, nähert sich immer mehr dem 60° Grad, durchschneidet ihn ungefähr in der Gegend des Ladogasees, erreicht in Schweden fast den 66°. ⦗Schottland u. Norwegen – i. e. Theile davon – gehören wegen ihrer gebirgigen Lage dazu⦘; diese Linie bildet die südl. Grenze der ersten Culturzone. Nördlich v. dieser Linie, soweit überhaupt Cultur gegen den Pol vordringt, Gerste das eigentliche Brodkorn; nur in den günstigsten Lagen noch Roggen. (358)

2) Zweite Linie: Verläuft in Asien fast auf dem 51 Breitengrade, steigt in Russland u. Deutschland etwas unter den 50t. herab, geht dann durch Holland nach Norden u. schneidet das südliche England u. Irland ab. Roggen Hauptbrodkorn, nur bei »sehr günstigen Bodenverhältnissen« Weizen. Ausserdem [haben] 1) u. 2) Region, besonders v. der nördlichen Hälfte der Roggen-Zone an gegen den Pol, [noch eine] besondre Mehlfrucht, [den] Buchweizen. (358)

3) Weizen: im südlichen England, nördl. Frankreich, mittleren Deutschland bis an die Alpen, nördl. Türkei, südlichsten Russland, durch Asien bis nach Persien u. Thibet; dem Weizen tritt hier nur in rauheren Berggegenden Roggen an die Seite.

4) Die ganze Umgebung des mittelländischen Meers baut Weizen u. Mais fast zu gleichen Theilen. 5) Die Umgebung des rothen Meers, Nordküste des indischen Meers u. das nördl. Indien bauen Weizen u. Reis fast zu gleichen Theilen. 6) Auf den beiden indischen Halbinseln, China, Japan Reis das einzige Brotkorn. (358)

Die Vertheilung der Pflanzen hängt nicht allein v. den klimat. Bedingungen ab. Wir müssen f. die Culturpflanzen Menge Bedingungen schaffen; wilde Pflanze findet sie alle vor. (359) Bekanntlich in allen nördlichen Gegenden die Cerialien Cerealien eingeführt; haben also die nöthigen klimat. Verhältnisse gefunden; würden ohne Cultur verschwinden od. sich nur auf sehr eng begrenzte Lokalitäten zurückziehn. (l. c.)

II) Die Culturmethoden.

A) Verhältnisse welche nicht in der Gewalt des Menschen liegen.

1) Klima.

Fehlt an meterologischer, Tag f. Tag durchgeführter Statistik. (362) Bei uns der Unterschied zwischen Produkt eines besten u. schlechtesten Jahrs viel bedeutender als der Unterschied im Ertrag des besten u. schlechtsten Bodens. (362)

Je näher dem Aequator od. den Polen, desto regelmässigeres Klima. In der gemässigten Zone die grösste Mannigfaltigkeit im Wechsel der Witterungserscheinung; erschwert die Cultur einerseits, macht andrerseits ihre grössere Mannigfaltigkeit möglich. (362) Einförmigkeit der Landwirthschaft im südl. Europa u. in der nördl. Gerstenzone. (l. c.)|

2

Niemand kann ⦗d. h. jezt⦘ den Witterungscharakter eines Jahrs im Ganzen voraussagen. Kennen noch nicht die Reihenfolge, wonach in bestimmten Perioden die Jahre v. verschiednem Witterungscharakter sich nach bestimmten Zahlenverhältnissen vertheilen. (363)

Der Mensch kann indirekt die Witterungserscheinungen an einem einzelnen bestimmten Ort wesentlich verändern. Die Vertheilung des lokalen Wetters hängt wesentlich ab v. Bedeckung des Bodens. Pflanze in grösseren Massen wirkt auf die Atmosphäre ein. Ausroden der Wälder – bis zu gewissem Grad – macht das Klima wärmer. Ihm verdanken wir Johannisberger etc in dem früher rauhen u. feuchten Rheinthal. (363) Andrerseits – über gewisse Grenze hinaus – Schädlichheit des Ausrodens der Wälder, namentlich f. Agrikultur. Diche Dichte Humusdecke, womit Wald den Boden überzieht, erhalten ihm die Feuchtigkeit ⦗ebenso die Abhaltung der Sonnenstrahlen⦘. Versiegen der Quellen, Austrocknen der Flüsse, furchtbar zerstörende, bei der ersten Frühlingsonne, durch die Flussthäler sich herabwälzende Wassermassen – Folgen der Vernichtung der Wälder, bes. in den Quellengebieten. Orient, Griechenland u. Italien (von welchen beiden früher so reicher Kleebau). Ueberschwemmungen der früher so ruhigen Rhone. (364)

2) Atmosphäre.

Das Wichtigste Verhältniss des Wassers in der Atmosphäre u. des atmosphärischen Wassers zum Boden. Regenmangel nicht so schädlich bei vorherrschendem Süd- u. Südwestwind, worin grosse Menge Wasserdampf, als bei den trockenen Nord- u. Nordostwinden. Die Pflanze erhält den geringsten Theil ihres Wasserbedarfs durch die tropfbar flüssigen Niederschläge, den bei weitem grössten durch die Absorbtion des Wasserdampfs der Atmossphäre. Vegetation an der Küste v. Peru schlagender Beweis hiervon. (Sieh 365)

Für den Keimungsprocess häufigerer Regenfall sehr günstig; zur Zeit der Blüthe bes. starker Regen sehr schädlich, schwemmt den Blüthenstaub weg, wäscht die Narben ab u. zwingt oft auch die Blüthen längere Zeit in einer dem Befruchtungsprocess ungünstigen Stellung zu verharren. (365) Regen nimmt mehr unorganische Salze fort, als er zuführt. (namentlich starker Regenguss) (versinkt wenigstens zur Hälfte in die Tiefe, um die Quellen zu speisen, od. fliesst unmittelbar vom Boden in Bäche u. Flüsse) Vortheilhaft f. die Wiesen Bewässerung mit gutem Quellwasser; Bewässerung mit Regenwasser würde sie in einem Jahr ruiniren. (p. 365, 366. Sieh darüber 366)

Sobald die Samen ihre vollständige Grösse erreicht, scheinen alle einjährigen Pflanzen u. Pflanzentheile v. der weiteren Zufuhr des Wassers völlig unabhängig. Stengel der Getreidearten fängt schon an v. unten abzusterben, lang eh das Korn vollständig chemisch ausgebildet. (366)

Bedeutend f. das Pflanzenleben Bewegung u. Druck der Atmossphäre; Verdunstungsprocess u. Gasauscheidung Gasausscheidung sind v. ihnen abhängig. (366. Sieh daselbst.)

Wärme. (366 sq.) Weinstock vegetirt noch sehr üppig in Gegenden, wo er wegen zu niedriger Temperatur nur selten zur Blüthe u. niemals zur Fruchtreife kommt. (367)

Höhere Temperatur mit grössrer Feuchtigkeit begünstigt sehr Blattbildung, daher Anbau der Futterkräuter. Sieh Beispiel v. Vera-Cruz in Mexiko, wo Roggen u. Weizen nur als Grünfutter gebaut. (367) Trockne u. kühle Luft vorzugsweis günstig für die Entwicklung der Stengelgebilde u. namentlich den Verholzungsprocess, wesshalb das Holz an trocknen u. kühlen Standorten immer werthwoller als das von feuchten. (367)

Einfluss v. Licht. Elektricität. (367, 368  Zusammenfassende Bemerkung von Marx.
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Er weiss nichts davon.
)

3) Die geognostische Grundlage des Culturbodens.

Unter gewissen Umständen möglich verändernd auf ihn einzuwirken. Geognostische Grundlage = Untergrund. (368)

 Gliederungszeichen von Marx.
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α)
Lagerungsverhältnisse: Lage in sanften Neigungen gegen Südwesten meist die vortheilhaftesten. Je tiefer die Lage unter der benachbarten Höhe, desto reicher kann die Ackerkrume werden, weil sie die Verwitterungsprodukte der höher gelegnen Gesteinsmassen empfängt. Sehr starke Neigungen lassen das Wasser zu leicht abfliessen u. befördern daher Auslaugen der Ackerkrume bei jedem Regenguss. Bei sehr wasserhaltender Ackerkrume ersezt daher sehr starke Neigung |3 durchlassenden Untergrund. Endlich kann starke Neigung selbst bei felsigem Untergrund unter sonst günstigen Umständen die Tiefe der Ackerkrume ersetzen u. Pflanzen mit tiefgehenden Wurzeln das Wachsen möglich machen. Bei dürrem, leicht austrocknendem Boden können nördliche Abhänge den Vorzug vor südlichen gewinnen. Jeder Boden verändert sich am schnellsten hinsichtlich seiner Fruchtbarkeit, je länger u. stärker er dem Einfluss der Sonnenstrahlen ausgesetzt ist. Daher vertragen stark nach Süden geneigte Waldflächen am wenigsten das völlige Kahlschlagen. (369)

 Gliederungszeichen von Marx.
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β)
Mechanische Mengung des Untergrunds: Feste Felsmassen, besonders hart u. unverwitterbar, [sind die] unvortheilhaftesten; setzen der Vertiefung der Ackerkrume absolute Grenze.  Bemerkung von Marx.
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Extensive u. intensive Cultur finden Analagon in Ausdehnung der Ackerkrume (Grössenoberfläche) u. Vertiefung derselben.⦘
Ebenso unvortheilhaft [sind] Massen groben Gerölles, weil ohne ihnen die Fähigkeit abgeht, die aus der Ackerkrume ausgelaugten Flüssigkeiten festzuhalten u. durch Haarröhrchenanziehung der Ackerkrume wiederzugeben. Am vortheilhaftesten im Allgemeinen die massig angelagerten Diluvial- u. Alluvialgebilde, die aus Sand, Thon, Mergel etc bestehn. Am wenigsten vortheilhaft der Sand, wenn er nicht in gewisser Tiefe die durch Lagerungsverhältnisse bedingte natürliche u. dauernde Feuchtigkeit hat. Uebrigens machen diese Aggregationsformen eine Vertiefung der Ackerkrume bis ins Unendliche möglich. Die nächste Stelle nehmen leicht verwitterbare u. auch unter der Ackerkrume leicht zerfallende Gesteinsmassen ein. (369)

 Gliederungszeichen von Marx.
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γ)
Chemische u. vom Chemismus meistentheils bedingte physikalische Beziehung: Von ihr hängt zunächst der ganze Reichthum des Culturbodens an unorgan. Bestandtheilen ab (aus deren Verwitterung er entsteht). Vortheilhaftest der an Mineralbestandtheilen reichste Untergrund u. der sie am leichtesten in Freiheit sezt. (369) Unter sonst gleichen Umständen vulkanischer Boden, vulkanische Asche, Lava, Basalt. (l. c.) Dann feldspathreichere Porphyre u. Granite, endlich thonreicheren geschichteten Gebirgsarten. Am dürftigsten reiner Sand u. thonfreier Kalk. (p. 370)

Hinsichtlich der Leichtigkeit der Verwitterung [sind] die starkgeneigten u. vielfach gebrochnen Schichten der Grundlage günstiger als die horizontal [liegenden Schichten], da an den abgebrochnen Enden der Schichten od. Schichtenköpfen die Verwitterung am schnellsten fortschreitet. Von der chemischen Zusammensetzung u. daraus folgenden Art der Verwitterung hängen auch grösstentheils die physikal. Eigenschaften des Untergrunds ab; diese concentriren sich fast alle in seinem Verhalten zum Wasser, indem davon vorzüglich seine Fähigkeit, auf die Ernährung der Pflanzen zu wirken[,] u. seine Erwärmungsfähigkeit abhängen. In dieser Beziehung bestimmt sich der Werth  Zusatz von Marx.
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des Untergrundes
nur im Verhältniss zur Ackerkrume. Je lockrer u. durchlassender dieser dieselbe, desto wichtiger dass der Untergrund die entgegengesetzten Eigenschaften habe u. umgekehrt. Diess Verhältniss wesentlich durch die Neigung des Bodens motivirt. (370)

B) Verhältnisse in der Gewalt des Menschen.

Beziehn sich alle auf die Ackerkrume; wo sie nicht ist, kann Mensch sie bilden; er kann sie mit wenigen Ausnahmen in allen ihren Eigenschaften verändern. (370)

1) Physikalische Eigenschaften der Ackerkrume.

a) Masse u. Aggregatzustand.

Die Vorzüglichkeit der Ackerkrume, im Allgem., in direktem Verhältniss zu ihrer Tiefe. Amerikanischer Urwaldboden, oft bis zur Tiefe v. 100 Fuss aus der humusreichsten Krume, kann bei geringster Bearbeitung, ohne Dünger, mehre Jahrhundert hinduch die reichsten Tabaksernten z. B. geben. 6 Zoll tiefe Ackerkrume gewöhnlich als mittlere angenommen; Boden der weniger seicht, der mehr, tief. Vertiefung der Ackerkrume durch menschliche Thätigkeit findet nur durch anstehendes hartes Gestein oder Niveau des Wassers absolute Grenze. (371)

Bei jeder Pflanze im Einzelnen steht die Entwicklung der Wurzeln in bestimmtem Verhältniss zur Natur der Pflanze. In Allgem. entwickeln mehrjährige u. perennirende Pflanzen grössere u. stärkere Wurzeln als einjährige. In beiden Klassen der Unterschied, ob die Wurzeln gradaus in die Tiefe gehn (wie bei Luzerne u. Klee, die daher nur in tiefer Krume gedeihn) od. sich mehr horizontal ausbreiten (wie weisser Bergklee u. Esparsette, die daher |4 viel besser in seichter Krume gedeihn). Pflanzen mit flach sich ausbreitenden Wurzeln nehmen mehr Areal in Anspruch, stehn daher nie so dicht wie Pflanzen mit tiefer Wurzel; dasselbe gilt für tiefwurzelnde Pflanzen, wenn man sie zwingt auf feuchtem Boden zu wachsen u. ihre Wurzeln flach auszubreiten. Man kann daher immer auf tiefer Krume dichter säen als auf flacher. (371)

Alle übrigen physikal. u. chem. Eigenschaften des Bodens werden durch die Tiefe od. Seichtigkeit erhöht od. erniedrigt. Z. B. fehlerhafte Beschaffenheit des Unterbodens kann nur durch gewisse Dicke der sie deckenden Schicht wirken. In den südlichen Staaten der U. St. z. B. der Boden meist so tief, dass er v. der Beschaffenheit des Untergrunds gänzlich unabhängig; aehnliches in manchen Gegenden Ungarns. (l. c.)

Die Zusammensetzung des Bodens aus verschiednen Gemengtheilen (abgesehn v. ihrer chemischen Natur): (Unzählige Abstufungen) zwischen dem lockern Flugsand in der Umgegend v. Berlin bis zum schweren Boden v. plastischem Ton, den die Sommerhitze fast in Stein verwandelt, verschiedne Feinheit od. Grobheit ihrer Gemengtheile bedingt verschiedne Lockerheit des Bodens. Ohne gewisse Lockerheit, legt der Boden den Pflanzenwurzeln zu grosse Hindernisse in den Weg. Gewisser Grad der Feinheit nöthig zum Festhalten der Feuchtigkeit u. der [vom] Wasser aufgenommenen Nahrungsbestandtheile der Pflanze. Lockerheit u. das Korn (i. e. die Grösse der einzelnen Gemengtheile) nur Werth im Verhältniss zu den chem. u. phys. Eigenschaften des Bodens. Grösseres Korn vergrössert Lockerheit, vermindert Bindigkeit u. wasserhaltende Kraft. Grössere Steine befestigen den zu lockern Boden u. schützen seine Oberfläche durch Beschattung gegen zu schnelles Austrocknen. (372)

b) Erwärmungsfähigkeit u. wärmehaltende Kraft des Bodens.

Ausser bestimmter Lufttemperatur verlangen die Pflanzen gewisse Bodenwärme. Hängt mehr ab v. Farbe u. Feuchtigkeitszustand des Bodens als v. der chemischen Zusammensetzung seiner Stoffe. Boden um so wärmer, je dunkler; mit sehr wenigen Ausnahmen, z. B. Beimengung schwarzen basaltischen Sandes dunkle Farbe v. Beimischung kohlenstoffreicher organ. Stoffe; hence Humusgehalt entscheidend. (372) Nicht nur durch seine Farbe wirkt Humus auf ErWärmung des Bodens; die lockere  Bei Schleiden, S. 372: Ackerkrume
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Ackererde
, fortwährend v. Sauerstoff durchdrungen, begünstigt sehr den Verwesungs- i. e. Verbrennungsprocess der organ. Substanzen im Boden; dieser Verbrennungsprocess muss ein eine dem Verbrennungsprodukt aequivalente Menge Wärme erzeugen. (372) Beispiel (p. 372, 373)

Hinsichtlich der Feuchtigkeit [ist] die Erwärmungsfähigkeit eines Bodens um so geringer, je mehr Wasser darin, das verdunsten kann, da das vorhandne verdunstende Wasser alle vorhandne Wärme zu seiner Dampfbildung in Anspruch nimmt. Kommt dazu noch helle, lichte Farbe, so der Boden fast unfähig Wärme aufzunehmen. (373) In umgekehrtem Verhältniss zur Erwärmungsfähigkeit [steht] die wärmehaltende Kraft des Bodens. Je leichter ein Körper Wärme aufnimmt, desto leichter strahlt er sie wieder aus. Mit Bezug auf Sonnenlicht kann ein Boden daher im Sommer kühler, im Winter wärmer erscheinen als ein andrer. Dasselbe gilt bei Berieselung mit laufendem Quellwasser; f. unsre Gegenden [haben] die gewöhnlichen Quellen im Sommer bedeutend niedrigere, im Winter bedeutend höhere Temperatur als die Atmossphäre. Daher die Samenbildung bei den Rieselwiesen im Sommer gehemmt, die Vegetation dagegen während des Winters unterhalten, woher die grössere Produktion der Rieselwiesen der Masse nach. (373)

c) Absorption v. Gasarten.

Absorption v. Kohlensäure u. Ammoniak hier das wichtigste. (373) Schüblers Tabellen über Absorption v. Sauerstoffgas, die am grössten f. Humus. (Sieh p. 374) Nicht einzusehn was der absorbirte Sauerstoff im Boden der Pflanze nützen soll; nur während des Keimungsprocesses verbrauchen die Saamen den Sauerstoff; aber jeder hinlänglich gelockerte Beden enthält zu diesem Behuf atmossphärische Luft u. folglich Sauerstoff genug in seinen Zwischenräumen. Auch keimen, bei gehöriger Feuchtigkeit, alle Saamen auf fester, nicht absorbirender Grundlage, z. B. Porcellanteller, so schnell wie auf der Erde. (375)

Thon hat grosse Absorptionscapität f. Ammoniak; ditto Humus u. Humussäure, Ulmin od. Ulminsäure im feuchten Zustand f. Kohlensäure u. Ammoniak (Sieh weiter p. 375)|

5

reiner Quarzsand die geringste, Kalk u. Gips mittlere, Thon u. Humus höchste Fähigkeit zur Verschluckung v. Kohlensäure u. Ammoniak aus der Luft; erklärt grösstentheils das Verhältniss dieser Bodenarten zur Fruchtbarkeit. (375)

d) Vermögen der Wasseraufnahme u. wasserhaltende Kraft des Bodens.

Keine Vegetation ohne Wasser. Regen u. Thau geben nur kleinsten Theil davon. Grössten Theil muss der Boden dem Wasserdampf der Luft entnehmen; daher Fruchbarkeit Fruchtbarkeit eines Bodens nahezu im Verhältniss zum Grade seiner Wasserabsorbirenden Kraft. Wiederum dieselbe Stufenleiter: Quarzsand at the bottom, Thon u. Humus die höchste Fähigkeit. Mit wasseranziehender Kraft steht die wasserhaltende fast in gleichem Verhältniss u. diese Eigenschaft erhält bei eintretenden trocknen Winden den Pflanzen längere Zeit die nöthige Feuchtigkeit. (376)

Im Ganzen hängt die wasserziehende Kraft des Bodens ganz v. seiner feinen Zertheilung, v. seiner Porosität od. Capillaranziehung ab. Diese wird daher auch in entgegengesezter Richtung wichtig; durch Capillaranziehung des Untergrundwassers; wird durch Capillaranziehung der Ackerkrume, bei eintretendem trocknem Wetter dem Theil des Bodens, worin sich die Pflanzenwurzeln verbreiten, wieder zugeführt. Sonst käme den Pflanzen vom Regen fast gar nichts zu gut. Flugsand ist nicht desswegen so dürr, weil er den Regen in die Tiefe sinken lässt, sondern weil er keinen Wasserdampf aus der Atmossphäre aufnehmen kann. (376)

2) Chemische Eigenschaften des Bodens.

a) Verbindungsformen der unorgan. Nahrungstoffe im Boden.

α) Die im Boden unauflöslich vorhandnen Substanzen (Mineral-) f. die Pflanze völlig nutzlos. Der auflöslich vorhandne wird zum grossen Theil v. jedem Regen ausgewaschen u. den Quellen u. Bächen zugeführt. Wichtigsten Bestandtheile des Bodens [sind] die, welche nur allmählich durch die zersetzenden Wirkungen des kohlensauren od. ammoniakhaltigen Wassers u. z. Th. auch des atmosphärischen Sauerstoffs auflöslich gemacht werden. Sie der wahre, nachhaltige Reichthum des Bodens. (377)

β) Die nöthigen, allmählig, dem andauernden Bedürfniss der Pflanzen entsprechenden Verbindungen (die wichtigen Bestandtheile), worin diese in auflösliche Form übergehn, sind vorzüglich die an Alkalien reichen Silikate, die allmälig durch den Verwittrungsprocess aufgeschlossen werden. Noch günstiger ihre Verbindung mit organischen Substanzen, schüzt sie gegen augenblickliche Auflösung, werden aber durch den unausgesezt fortgehenden Verwesungsprocess nach u. nach in Freiheit gesezt. (378)

γ) Fast alle f. die Pflanzen wichtigen anorganischen Bestandtheile wirken auf sie zerstörend od. giftig, wenn sie mit ihnen in concentrirten Lösungen in Berührung kommen. (Weiteres darüber 378, § 198)

δ) Wild waschsende wachsende Pflanzen wachsen nicht an Standort, wo Boden nicht die passende Mischung v. anorgan. Bestandtheilen enthält; anders bei den aus einer abnormen Mischung der anorgan. Bestandth. hervorgegangenen Culturpflanzen; sie entarten, erkranken. (Sieh weiteres p. 378, 4)

ε) Humus in Bezug auf die organ. Bestandtheile der Pflanze durchaus kein wesentlicher Nahrungsstoff; aber einige Bestandtheile desselben nicht ohne Bedeutung f. die Zuführung der unorganischen Bestandtheile. (Weiteres p. 379)

b) Die Chemischen Bestandtheile des Bodens in physik. Hinsicht.

Zweckmässige Mischung v. Sand, Kalk, Thon u. Humus. Von Thon hängt bes. Bündigkeit u. Schwere eines Bodens ab; wird durch Sand gemindert. Schübler’s Versuche über die Bündigkeit verschiedner Erdarten. (p. 379, 380)

40–50% Thon beste Verhältniss; mehr macht den Boden zu bündig u. zu schwer zu bearbeiten u. auch zu kalt; Weniger als 10% Thon zu leicht u. zugleich arm. Wie weit Thon den Humus u. dieser jenen ersetzen kann. Die ausserordentlich geringe Consistenz des Humus vermindert sehr schnell die Bündigkeit des Thons, während die stärkere wasserhaltende u. wasserabsorbirende Kraft des Humus die Bündigkeit des Sandes ausserordentlich erhöht; üppige Cultur auf dem humusleeren rothen Boden Cuba’s u. dem blos aus Humus bestehenden Boden der brasilian. u. nordamerik. Wälder. (380) (Vgl. Peru u. Cuba p. 389)

Bodenanalysen, die beweisen dass die Fruchbarkeit eines Bodens v. seinem Humusgehalt völlig unabhängig. (Siehe die Tabelle p. 380)|

6

III) Die Cultur.

A.) Kenntniss der Kulturpflanzen.

Samenzucht. (p. 383) Auswahl des Samens. (l. c.) Landwirthe wissen längst, dass Same von verhältnissmässigem verhältnissmässig dürftigem Boden immer die beste Ernte giebt. (383) Die Einwirkung des üppigen Bodens macht sich vorzugsweise in der Ausbildung des Samens geltend. (383) die Spielarten entstehn nur od. vorzugsweis durch die Samenbildung. Bei Samen v. übermässig reichem Boden nie mit Sicherheit auf dieselbe Spielart u. niemals auf recht gleichartige Pflanzen zu rechnen. (384)

Zeit der Aussaat hängt ganz v. lokalen Umständen ab. Roggen u. Gerste z. B. verlangen möglichst trockne Satzeit Saatzeit, Hafer verträgt grössere Feuchtigkeit. (384)

B.) Kenntniss des Bodens.

Bodenarten in der Natur unendlich verschieden u. gehn stetig in einander über. (384) Mit Bestimmung durch Unkraut ist es erstens überhaupt nichts (385, 1) u. beim Culturboden erst recht nichts, wo auch die Unkräuter künstlich sind (385, 2).

Verbesserungsfähigkeit des Bodens ein Hauptmoment bei der Bestimmung seines Werths. (386) Die  Ausdruck von Marx.
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Verkehrsverhältnisse
– Nähe grosser Märkte, Mannigfaltigkeit u. Billigkeit der  Bei Schleiden, S. 386: Verkehrsmittel
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Communikationsmittel
etc bestimmen, ob es lohnend sei dem Boden durch Kultur die höchste Ertragsfähigkeit zu geben. (386) Der jeweilige Kulturzustand – der allerveränderlichste – auch zu berücksichtigen. Dabei zu sehn, was der Boden bei gewöhnlicher, ordentlicher Bewirthschaftung sein würde. (386, 387)

C) Bodenbearbeitung.

Zweck: 1) Vertiefung der Ackerkrume u. 2) Veränderung derselben.

a) Vertiefung der Ackerkrume: im Kleinen durch Rajolen, im Grossen durch den Untergrundspflug. Untergrund dadurch in die Höhe gebracht, aufgelockert, der Atmossphäre u. Verwitterung zugänglicher, daher sein Reichthum an Mineralbestandtheilen den Pflanzen zugänglicher; zugleich durchdringlicher f. Wasser, dadurch die Schicht des stockenden, tropfbar flüssigen Wassers weiter v. den Pflanzenwurzeln entfernt. Vertiefung nur v. Werth, wenn Untergrund schwer u. reich. (387)

b) Veränderung der Ackerkrume: Erste Aufgabe der Kultur war: zur Erleichterung des Einsammelns eine Nutzpflanze auf grösserer Bodenfläche ausschliesslich zu erziehn. Bedingungen dazu: Vernichtung der natürl. Pflanzendecke, Auflockerung des Bodens f. die Aufnahme des Saamens, erst im kleinen durch Spaten, dann durch den später erfundnen Pflug. Schon hier tritt mit den Vortheilen der Cultur ihr Nachtheil hervor (387) Weiteres p. 338. Vortheile der Sämaschinen (ibid.) ⦗Die v. der Natur ausgestreuten Samen, bei den wilden Pflanzen, auf den Boden, wo dessen natürliche Pflanzendecke sie gegen die Sonne schüzt u. dadurch die zum Keimen nöthige Fähigkeit Feuchtigkeit erhält. Sobald der Mensch, der kultivirt, diese natürliche Pflanzendecke vernichtet, hat er nicht nur Samen auszustreuen, sondern auch möglichst unter die Erde zu bringen u. sie gegen schädliche Einflüsse u. selbst Vögel sicherzustellen. p. 388⦘

Anfangs musste man glauben, dass das öftere Pflügen an sich die Fruchtbarkeit des Bodens erhöhe. (388)

Dünger: man bemerkte die üppige Vegetation der Unkräuter in der Nähe der menschlichen Wohnungen, Viehställe, auf den Misthaufen; u. vielleicht Beobachtung der reichen Vegetationsflecken auf den Weiden, die das weidende Vieh unabsichtlich gedüngt hatte … Pflug nun zugleich die neue Aufgabe, Unterbringung des Düngers u. möglichst gleichmässige Vermengung desselben mit dem Boden. So nach u. nach der Culturboden grösstentheils der Vegetationsdecke ganz beraubt u. umgestürzt den atmosphärischen Einflüssen preisgegeben, od. durch den Anbau der Cerealien nur höchst unvollständig geschüzt. So Culturland in Nachtheil gegen wilden Boden. (388)

Abgesehn v. den durch die Ernte dem Boden entzognen Mineralbestandtheile Mineralbestandtheilen, dieser Nachtheil des Culturbodens Folge seiner Bearbeitung; nämlich indem diese die Pflanzendecke beseitigt, ist an Vermehrung des Humus nicht zu denken; u. der vorhandne Humus sehr rasch vernichtet durch die Bearbeitung des Bodens. (389) Humus nicht als Nahrungsstoff wichtig f. die Pflanzen, aber durch die früher erwähnten qualities. Mit wenigen Ansnahmen, aus nur unorgan. Substanzen gebildeter Urboden nährt anfänglich |7 nur dürftige Vegetation u. diese wird schrittweis reicher wie sich durch die absterbenden Generationen der Reichthum des Bodens an Humus vermehrt. (389)

Dem Pflug die Nachtheile des Culturbodens gegen den wilden [Boden] zuzuschreiben. Pflug, ein Instrument das im Grossen thut, was der einzelne Arbeiter mit Spaten; leistet nicht annäherungsweis soviel. Daher unmöglich – der Dampfpflug. Die Dampfkraft kann  Zusatz von Marx.
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(!)
nur da angewandt werden, wo mehr geleistet werden soll als die Handarbeit des Menschen vermag – nicht um weniger zu leisten als ein geschickter Taglöhner. (389, 390)

Wirkung v. Pflug, Egge etc. rein mechanisch, Aufhebung des innern Zusammenhangs; Pflug wendet ausserdem Boden so um, dass die mit der Luft weniger in Berührung getretnen Theile nunmehr die Oberfläche bilden, die frühere Oberfläche aber in die Tiefe kommt. Dagegen nicht bei den gewöhnlichen, 6 Zoll Tiefe nicht überschreitenden Pflügen, als ob v. den vorherhergehenden vorhergehenden Pflanzen mit ihren Wurzeln nicht erreichte Bodenschicht in die Höhe gebracht sei, da die Wurzeln sämmtlicher Kulturpflanzen nicht unter 6 Zoll im Mittel in den Boden eindringen. (390)

Die Mechanische Einwirkung der Ackerinstrumente lockert den Boden, macht ihn Wasserdünsten u. Gasarten der Atmossphäre zugänglich; sofern vortheilhaft. Bei schwerem Boden mechan. Zertheilung oft schon grosser Nachtheil. Die grosse Bündigkeit eines schweren Thonbodens dadurch in etwas gemindert, dass  Bei Schleiden, S. 390: wenigstens ein Theil
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ein grosser Theil
der Ackerkrume in groben, an der Luft erhärteten Brocken, gleichsam die Rolle v. Steinen vertritt. Je mehr ein solcher Boden durch Zertheilen pulverisirt wird, desto bündiger wird er u. desto gewisser bildet er beim Austrocknen nach Regenguss eine steinharte, den Boden fast verschliessende Kruste. (390)

Durch das Auflockern u. Wenden des Bodens vorzugsweis Einfluss der Atmossphäre auf den Boden u. zwar in weit grösserer Tiefe als sonst geschehn würde geltend gemacht. Atmosphäre mit ihren zersetzenden Einflüssen greift den Reichthum des Culturbodens mehr an als die auf ihm wachsenden Pflanzen; vernichtet rasch den Humusgehalt. Dagegen Brache u. viele Früchte der Wechselwirthschaft, die nur dadurch vortheilhaft sind, dass sie jene Nachtheile ganz od. doch nahebei ausgleichen. (390, 391)

Ausser dieser Zerstörung des Humus Beschleunigung der Verwitterung zu einer Zeit, wo die Verwitterungsprodukte den Pflanzen nicht zu gut kommen können u. der Boden dem Auslaugen durch das Regenwasser aufs Höchste blosgestellt ist. So der wichtigste u. schwerst zu ersetzende Reichthum an Mineralstoffen durch die Bodenbearbeitung vermindert. (391)

Endlich: trifft den eben wund gemachten Boden bei einigermassen geneigter Lage [ein] starker schlemmender Regen, so werden dem Boden unberechenbare Menge seiner werthvollsten Bestandtheile entführt; vergleich z. B. v. einer Bergwiese mit dem von einem frisch gepflügten Acker abfliessenden Wasser. (391) So Bodenbearbeitung durch Pflug u. Egge fast in jeder Beziehung schädlich. (l. c.)

Brennen des Bodens: Durch Aufführen Auffahren v. Torf u. Anzünden desselben [werden] die rückbleibenden Aschentheile dem Boden einverleibt; diess gehört zur Düngung. Aber die Wirkung der Hitze selbst sehr bedeutend, besonders auf schwerem, zu bündigem Thonboden v. grossem Nutzen. Ein Theil des Bodens wird nämlich dadurch in einen Zustand versezt, dass die einzelnen Brocken, in welche er durch den Pflug zerkleinert ist, durch den Regen nicht wieder aufgelöst u. in später erhärtenden Brei verwandelt werden können; zugleich verwittert leicht gebrannter Thon leichter als roher, also durch das Brennen der Reichthum des Bodens aufgeschlossen u. somit den Pflanzen zugänglicher gemacht. In letzter Beziehung das Brennen durch Auffahren v. Aetzkalk theilweise ersetzbar, indem dieser, solange er in aetzendem Zustand verharrt, ebenfalls die Aufschliessung der Silikate fördert. (391)

D) Die Brache.

Ursprünglich Boden bebaut  Bemerkung von Marx.
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⦗wie bei dem переложен. System in Süd u. Südost Russland⦘
so lange er trägt; wird Ernte schlecht, so neues Land angebrochen. Kehrte man nach Reihe v. Jahren zum ersten Land zurück, so fand man’s auf neue fähig Ernten zu liefern. Hence das erste einfachste Wirthschaftsystem, wo ein Acker gewisse Reihe v. Jahre Jahren cultivirt, dann wieder gewisse Reihe v. Jahren der Natur überlassen – in „Brache“. (392)

So ursprünglich die Brachwirthschaft der Düngerwirthschaft entgegengesezt. Später versuchte man die Brache durch den Dünger zu ersetzen, kam aber zunächst nur zur Abkürzung der Brachezeit. Die ersten Kulturen drehten sich nämlich nur um Cerealien; Hackfrüchte u. Klee erst im vorigen Jahrhundert Kulturpflanzen; die Hackfrüchte, indem man ihre Kultur im Grossen anfing; Kleebau, indem man ihn vom südl. Europa, bes. aus Italien, entlehnte. Nun erst [das] eigentliche System der Kultur mit Dünger im Gegensatz zu den Kulturen mit Brache; leztere durch die Wechselwirthschaft ganz beseitigt. Aber diess in allmähligen Uebergängen, wo der Ausdruck Brache z. Th. seine Bedeutung ändert. (392)|

8

Brache [ist der] Zustand des Culturbodens während der Zeit, worin ihm nichts durch Ernten entzogen u. nichts durch Düngung zugefügt wird. (392) Danach gehört schon Beweiden des Brachfelds andrer Culturmethode an, da die Ernährung des Viehs v. dem Boden nichts als indirekte Ernte ist. Doch kann man es noch unter Begiff der Brache fallen lassen, since es ihrem eigentlichen Zweck nur geringen Abbruch thut. (393)

a) Grüne Brache: man erlaubt dem Boden sich vollständig zu benarben, d. h. mit einer dichten Decke v. Unkräutern zu überziehn. Die dichte Bedeckung mit Vegetation hindert Einwirkung der Atmossphäre auf Boden; Sonnenstrahlen abgehalten, dadurch unmittelbare Verdunstung der Feuchtigkeit aus dem Boden verhindert; durch die grössere Feuchtigkeit auch stärkere Absorption v. Ammoniak u. Kohlensäure hervorgerufen. Ferner Abschluss v. Zugang der bewegten Luft; dadurch Verdunstung gehemmt, indem die Luftschicht unmittelbar auf dem Boden sich bald mit Feuchtigkeit sättigt; andrentheils dadurch die Verwesung des Humus verhindert od. verlangsamt, indem sehr bald eine Atmossphäre v. Kohlensäure, dem Produkt der Verwesung, die Humusbestandtheile umgiebt, somit den Zutritt neuen Sauerstoffs, daher die weitere Verwesung verhindert. Bei geringerem Einfluss der Atmosphäre kann die Verwitterung der im Boden enthaltnen verwitterbaren Bestandtheile nur langsam fortschreiten; die Verwitterungsproducte gehn sogleich in die Pflanzen über u. werden hier angesammelt. Der Humus des Boden aber schon durch die absterbenden kleineren Pflänzchen, so wie durch die unteren Blätter u. Zweige der grösseren fortwährend vermehrt. Mehr noch geschieht diess bei dem völligen Umbruch des Brachfelds, durch die Einverleibung sämmtlicher darauf gewachsner Pflanzen (393) Grüne Brache daher vorzugsweis anwendbar für armen u. leichten Boden. (394)

b) Schwarze Brache: die Decke, so wie sie sich gebildet hat, vernichtet durch wiederholtes Umpflügen, Boden so der fortwährenden Einwirkung der Atmossphäre ausgesezt. Man gönnt den Pflanzen also nicht die Zeit zu einer vollkommnen Entwicklung zu gelangen. Daher nur geringe Vermehrung des Humus. Dagegen durch das beständige Wundmachen des Bodens, wodurch der Zugang der Atmossphäre in die Tiefe erleichtert u. immer neue Theile des Bodens mit ihr in Berührung gebracht werden, ausserordentlich schnelle Verwesung des Humus u. Verwitterung der Mineralien. Humus vermindert [sich] also hier rasch; die Verwitterungsprodukte würden sich rasch im Boden anhäufen, wäre nicht Boden zu sehr dem Auslaugen durch Regenwasser ausgesezt. Diese Sorte Brache daher nur zulässig bei schwerem, an Mineralien reichen Boden u. vortheilhaft nur, wo der Boden wegen seiner eigenthümlichen physikalischen Verhältnisse auf keine andre Weise als durch wiederholte Umarbeitung die nöthige Lockerheit erhalten kann. (394)

E. Die Düngung.

Düngung … die landwirthschaftlichen Operationen, wo man dem Boden etwas materiell zufügt, abgesehn v. den Kulturpflanzen selbst. (394)

Durch die Düngung wirkt der Mensch fast allein verändernd auf den Culturboden ein; die Zuführung v. Nahrungstoff f. die Pflanze im Dünger Nebensache. (395) Wird hierbei abgesehn v. den nichtorganischen Düngsubstanzen. (395)

Werden die vom Boden entlehnten Produkte als Brennstoff benuzt, so geht das Organische flöten; wenn als Nahrungsstoffe, so tritt Grosser Verlust ein, beim Stallmist um mehr als 50% der organ. Substanz. (Sieh Tabelle 396) (397) Beim Menschen dieser Verlust = 84% nach Valentin. (397)

Ausser zu Brenn- u. Nahrungsstoffen werden die Bodenprodukte bestimmt zu länger anhaltendem Gebrauch dienenden Nutzstoffen. Diese den zersetzenden Einflüssen der Atmossphäre ausgesetzt, nutzen sich ab. Davon bei grösster Sorgfalt nur zu sammeln die unorgan. Bestandtheile, sehr wenig Organisches. Also klar, dass Dünger nicht im Stand dem Boden beträchtlichen Theil der in der Ernte genommenen organ. Substanz wiederzugeben; wobei der grosse Verlust, den der Boden daran bei der Bearbeitung durch Verwesung erleidet, nicht in Anschlag gebracht. (397)

Organische Substanz des Düngers nicht Nahrungsstoff f. die Pflanze. Unwahrscheinlichkeit, dass der Humus v. Pflanzen aufgenommen wurde. Versuche v. Saussure beweisen, dass die Mengen v. Stoffen, welche die Pflanzen aufnehmen, vom Grad der Flüssigkeit der Auflösung abhängig sind, i. e. v. der Leichtigkeit, mit welcher dieselben durch ein Filtrum durchgehn. (Sieh p. 398, u. Saussure’s Tabelle p. 399)

In den äussersten Zellen der Wurzelspitzen niemals Spuren v. Humusbestandtheilen wahrgenommen, die sich durch ihre dunkelbraune Farbe so leicht verrathen würden. (399)

1) Vom Dünger im Allgemeinen

a) Der Dünger als Nahrungsstoff f. die Pflanzen.
α) Die unorganischen Bestandtheile der Düngersubstanzen.

Kalk u. Phosphorsäure nöthig f. die Knochen, Eisen f. den Blutfarbestoff, Natron f. die Galle, Salzsäure f. den Magensaft, Kali u. Schwefelsäure kommen in allen Flüssigkeiten des thierischen Körpers vor; Kieselerde nothwendiger Nahrungsstoff f. die Gräser. (402)|

9

I) Phosphorsäure: (p. 402–412) In den als Dünger gesammelten organischen Abfällen. Phosphorsäure grösstentheils in Form v. phosphorsaurem Kalk od. phosphorsaurer Ammoniak-Talkerde, also in unlöslichen Verbindungen; daher ziemlich vollständig sammelbar u. dem Boden einleibbar. Menschenexkremente bes. reich an Phosphorsäure. (403) Neue Aera f. die engl. Landwirthschaft seit der Knochendüngung. (403)

II) Alkalien, nehmen Rang ein nach der Phosphorsäure. Alkalien – sonst sehr allgemein in der Natur verbreitet – in einzelnen Bodenarten nur äusserst gering; bilden mit allen gewöhnlich vorkommenden Säuren leicht auflösliche Salze, werden daher mehr wie jede andre Substanz durch Auslaugen weggeführt, so dass die gesammelten Abfälle nur Theil der in der Ernte enthaltnen Alkalien entsprechen. Chilisalpeter zum Ersatz in neuerer Zeit, ein natürlich vorkommendes salpetersaures Natron. Es ist hier das Wichtige Alkali u. nicht Stickstoff. (412)

III. Kalk: Mergeln u. Gypsen; Benutzung des Dornsteins der Salinen, der vorzugsweis aus Gips besteht. Bei Gyps den günstigen Einfluss auf Ernährung nur dem Kalk zuzuschreiben; weder dem Gehalt an Schwefel noch Bildung v. nicht flüchtigem schwefelsaurem Ammoniak, welches beides Liebig behauptet; widerlegt durch Boussingault . (p. 413)

IV) Eisen. Talkerde, Schwefelsäure, Salzsäure (413, 414)

V) Kieselerde (p. 414)

Der Boden (sieh Näheres: Boussingault p. 414) erhält im Dünger mehr Aschenmenge als die Ernte ihm entzieht, aber dieser Ueberschuss trifft fast gar nicht die Alkalien u. andere wesentl. Bestandtheile, sondern fast ganz allein die Kieselerde, die verhältnissmässig unnütz. (414, 415) (Näheres darüber 415) Die gewöhnliche Verwerthung der landwirthschaftlichen Produkte hat schon relative Vermehrung der Kieselsäure u. absolute Verminderung der wesentlichen Aschenbestandtheile zur Folge, die (letztere) durch die unvermeidlichen Verluste auflösbarer Salze bei der Sammlung im Grossen ausserordentlich gesteigert wird. (415)

β) Organische Stoffe.

Kohlenstoff: (in der Form v. Kohlensäure): der reiche Ertrag der ungedüngten Rieselwiese, die üppigen Maiskulturen auf humusleerem Boden in Mexiko u. Peru zeigen, dass der Culturboden keines zugeführten Gehalts v. Kohlensäure bedarf, sondern nur der physikal. Eigenschaften, um sie aus der Atmossphäre der Pflanze zugänglich zu machen. (416)

Stickstoff (in Form v. Ammoniak): (Sieh 416, 417, wonach, trotz der günstigen Wirkung der Düngung mit Ammoniaksalzen, der Mehrertrag des Stickstoffgehalts der Ernte in gar keinem Verhältniss zum Stickstoffgehalt des Düngers steht.) Liegt nahe die günstige Wirkung der Ammoniaksalze ihrer auflösenden Kraft f. andre, namentlich phosphorsaure Salze zuzuschreiben. (417) Sieh Erklärung v. Kuhlmann. (417) (Gegen Liebigs Theorie der Gypsdüngung p. 418)

Landwirthschaft kann nicht bestehn, wenn sie nicht entweder Dünger einführt od. ein bestimmtes Areal als Wiese benuzt. Ungedüngte Wiese kann nicht bestehn, wenn sie nicht künstlich od. natürlich bewässert wird, d. h. wenn ihr nicht durch das Wasser die nöthigen Mineralbestandtheile v. aussen v. aussen zugeführt werden, die wir im Heu u. nachher in dem aus ihm entstandnen Mist sammeln u. damit f. den unvermeidlichen Verlust an Pflanzennahrung Ersatz geben. Kann man aber der im Heu enthaltnen organischen Thiernahrung entbehren od. sie durch Futterkräuter u. Wurzelgewächse ersetzen, so können die jezt mittelbar durch die Wiesen gelieferten unorganischen Substanzen unmittelbar als Mineralbestandtheile den Aeckern einverleibt werden. Knochenerde, Chilisalpeter, Guano können den Wiesenbau ersetzen. (418)

Der Werth, der vorher den einzelnen Bestandtheilen beigelegt, gilt nun im Allgem. u. bes. für armen (Sand)boden. Werth des Düngers hängt vom ganz bestimmten Boden u. ganz bestimmten Culturpflanzen ab. (419)

b) Der Dünger im Verhältniss zu den physik. Eigenschaften des Bodens.
α) Die absorbirenden Eigenschaften des Bodens. (f. Wasserdünste, Ammoniak, Kohlensäure)

Gehalt v. Thon od. Humus hier entscheidend; sandiger Boden durch das Auffahren des nie ganz thonfreien Kalkmergel verbessert; die Mengen, die man beim gewöhnl. Mergeln auffährt, äussern nicht f. längere Zeit Wirksamkeit, da sie v. Regen sehr bald in die Tiefe gespült werden. Erhaltung u. Vermehrung des Humusgehalt die Hauptsache; diess die eigentliche Wirkungssphäre der organischen Substanz des Düngers. Reicht nicht aus; neben der Düngung grüne Brache od. Kleebau nöthig. (419, 420)

β) Die übrigen physikal. Eigenschaften des Bodens.

Erwärmungsfähigkeit u. Bündigkeit, dreht sich alles um Verhältniss des Humus u. der Thonerde. Humus macht Sandboden bündiger, Thonboden lockerer. Auch hier kann Thon auf Sandboden, Sand auf Thonboden den Humus ersetzen. (420)|

10

2) Von den einzelnen Düngesubststanzen Düngesubstanzen im Besondren.

Jede Substanz, die wir auf den Boden bringen ist materielles Nahrungsmittel f. die Pflanzen od. wirkt verändernd auf die physikal. Eigenschaften des Bodens, sofern sie mindestens die im Boden schon vorhandnen Nahrungsstoffe der Pflanze zugänglich macht. (420) Man weiss sehr vieles nicht über die Wirkung der einzelnen Substanzen. (l. c.)

a) Düngesubstanzen mit Gehalt an organ. Stoffen. (p. 421–429)

Tabellen an Stickstoffgehalt fast aller möglichen als Dünger vorkommenden Substanzen. (421–426)

Könnte man jeder Pflanze in jedem einzelnen Moment die nöthige Menge der unorganischen Substanzen zuführen, so fiele weg Unterschied zwischen dem aus den thierischen  Bei Schleiden, S. 428: Excrementen
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Elementen
gebildeten Dünger u. einer äquivalenten Menge unorganischer Salze, ebenso der Unterschied zwischen den verschiednen aus Exkrementen gebildeten Düngerarten. Aber aus ökonom. Rücksichten werden dem Boden die f. die Pflanzen bestimmten unorganischen Bestandtheile f. grössere od. geringere Anzahl v. Jahren auf einmal einverleibt. Sie müssen nicht nur in gehöriger Menge, sondern in solchem Zustand vorhanden sein, dass sie gegen Auswaschen durch Regen geschüzt u. doch den Pflanzen allmählich zugänglich werden. Diese Bedingungen in den organischen Düngarten fast vollkommen erfüllt. Die unorgan. Bestandtheile hier in chemischer od. [einer] mechanischen Verbindung mit der organ. Substanz, die sie wenigstens zum grössten Theil unauflöslich macht u. sie erst allmälich der auflösenden Kraft des Wassers zugänglich werden lässt, so wie sie allmälich durch die Verwesung od. Fäulnis der organischen Substanzen in Freiheit gesezt werden. Hierauf [beruht] der wesentliche Unterschied zwischen organischem u. Mineraldünger, auch der eigenthümliche Unterschied zwischen den verschiednen aus Exkrementen entstandnen Düngerarten, von denen einige ihre Wirkung gleich, andre allmälig entwickeln, einige bald aufhören zu wirken, andre nachhaltig die Vegetation beeinflussen. (429) Alles hängt davon ab, wie fest die unorganische Substanz mit der organischen verbunden ist, u. wie schnell die leztere zerstört wird. (429). Fragt sich, wie viel das Wasser aus den frischen Exkrementen aufnimmt u. in welchen Zeiträumen die verschiednen Exkremente im trocknen Zustand durch Verwesung u. im nassen durch Fäulniss zerstört werden. In dieser Beziehung unter den Exkrementen grosse Verschiedenheit. Ist einmal die organische Substanz vollständig zerstört, so wird die unorgan. Substanz, soweit sie auflöslich ist, schnell aus dem Boden ausgelaugt u. den Pflanzen wieder auf den langsamen Verwitterungsprocess der Gesteine im Boden beschränkt. (429) In den flüssigen Exkrementen der Thiere grosser Stickstoffgehalt, ditto viel Phosphorsäure u. Alkalien. (l. c.)

b) Unorganische Düngmittel.
α) Chilisalpeter, Gyps, Dornstein der Salinen, Kochsalz.,  Zusatz von Marx.
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Aetzkalk
.

Alle diese Mittel wirken nur auffallend auf humusreichem Boden. Der Mehrertrag – zeigt sich namentlich bei Gypsdüngung – in keinem Verhältniss zu der in der Düngersubstanz enthaltnen Menge der Säure. Verschiedne Resultate der einzelnen Düngemittel je nach den Ansprüchen der einzelnen Pflanzen an die unorganischen Bestandtheile (so Wirkung des Gypses auf die Kalkpflanzen, des Kochsalzes auf Sodapflanzen [)]. Hence sehr wahrscheinlich, dass, mit Ausnahme der phosphorsauren Salze, die Basen u. nicht die Säuren dieser Pflanzen wesentlich in Betracht kommen, u. dass diese Salze, die sich in Berührung mit verwesenden organ. Substanzen schnell in kohlensaure Salze verwandeln, wesentlich nur als kohlensaure Salze, aber nicht als Salze mit der ihnen ursprünglich angehörigen Säure in Betracht kommen. (430) Gyps nur andren kalkhaltigen Düngemitteln vorzuziehn wegen leichter Vertheilung in geculvertem gepulvertem Zustand, eigenthümlichem Verhältniss zum auflösenden Wasser u. davon abhängigen langsamen u. stetigen Umwandlung im Boden. (l. c.)

Chilisalpeter:  Zusammenfassend von Marx.
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er schreibt die Wirkung dem Natron, nicht der Salpetersäure (wegen ihres Stickstoffgehalts) zu.
(430)

β) Wichtigstes unorganisches Düngemittel – das Quellwasser.

Es ist eine Auflösung der im Boden vorhandnen auflöslichen Bestandtheile, also die eigentliche Pflanzennahrung selbst. Modificirt dadurch, dass es in seinem Lauf durch die verschiednen Erdschichten, bis es wieder zu Tag kommt, manche Bestandtheile aufnimmt u. absezt, wesshalb nicht jedes Wasser gleich günstiger Wirkung. Verliert bei längerem Lauf an der Luft grösstentheils die schwerauflöslichen Kalksalze, genügt daher selten kalkreichen Pflanzen, Klee, Platterbsen, Erbsen etc. Genügt überall f. Gräser u. Cerealien. Hence bei zweckmässiger Bewässerung bringt der dürrste Sandboden |11 in wärmeren Gegenden in ununterbrochner Folge derselben Pflanze Körnerernten, wogegen unser reichstes Kulturland arm. (Beweist unwiderleglich die Unabhängigkeit unsrer Cerealien v. Humus als Nahrungsstoff) (431)

Die künstliche Bewässerung ⦗noch nicht bei Ackerland⦘ – Rieselwiesen wesentlicher Fortschritt. Sieh Einwendung dagegen. (431) Alpen – natürliche Rieselwiesen. (l. c.)

Aetzkalk wirkt nicht nur durch aufschliessende Eigenschaften f. Mineralbestandtheile, sondern auch durch zersetzende Wirkung auf Humus. (432)

γ) Trockenlegung des Bodens.

Nichts wichtiger f. Pflanzen als Regulirung des Wasserzuflusses. Aber kommt auf Zustand des Wassers an. Eine der dürftigsten Floren auf dem wasserreichsten Boden, Sumpf u. Torfboden; eine der reichsten Vegetationen auf den ebenfalls fast beständig mit Wasser getränkten Alpenwiesen. Im ersten Fall Wasser stagnirend, im andern beständig wechselnd. Ursachen noch nicht genügend erforscht. Bei stagnirendem Wasser verderbliche Aufhäufung v. Schwefelwasserstoffgas etc. (432, 433) Vortheilhafte Wirkung der Trockenlegung des Bodens in Entfernung des stagnirenden Wassers. Analysen des Wassers aus den Abzugskanälen bei thorough drainage in East Lothian (Scotland) (p. 433, 34) ⦗Man sieht daraus die Stoffe, welche v. dem durchsickernden Regenwasser dem Boden entzogen werden u. damit den Quellen zugeführt werden⦘.

3) Wechselwirthschaft.

Kleebau das eigentlich Wesentliche der Wechselwirthschaft, Ersatzmittel f. Brache. Das Wesentliche „Vermehrung des Humus“ durch den Kleebau. (434) Warum bei Dreifelderwirthschaft immer grosser Theil des Gutes aus Wiesen bestehn muss. (435) (Vgl. Tafel 4, p. 440)

Keine Pflanze entzieht dem Boden mehr als der Klee (u. die Luzerne) (cf. p. 354 die Tabelle) Nur Gerste, Mais, Raps haben grösseren Gehalt an Phosphorsäure, einige Pflanzen [enthalten] mehr Schwefelsäure, Cerealien mehr Kieselerde. Weizen, den man am häufigsten auf den Klee folgen lässt, enthält v. allen Soffen Stoffen weniger als der Klee u. hat nur mehr Kieselerde. Tabelle 9 (p. 445) der dem Boden verbleibenden Ernterückstände – mit Bezug auf Vermehrung des Humus mangelhaft, weil bei Kleefeld fast ununterbrochen Blätter u. Zweige welken, absterben, [dem] Boden zufallen, der während des Kleewuchses im Ganzen vielleicht 2 u. 3 × producirt von dem, was mit der Kleeernte fortgenommen wird. (447)

Cerealien u. Gräser, wegen ihres dürren hohen Stängels u. dünnen schmalen Blätter unfähig grosse Menge v. Feuchtigkeit in sich aufzunehmen u. so gleichsam f. die Dürre vorzuarbeiten, wie diess die saftigen u. blattreichen Planzen vermögen. Es muss ihnen also gewisse Menge v. Feuchtigkeit zu Gebot gestellt werden durch Bewässrung od. mittelst Absorption aus der Atmosphäre durch Thon od. Humus. In der Art wirkt jedenfalls Kleebau vortheilhaft f. die folgenden Kulturen. (448)

Wechselwirthschaft als Ganzes, wo an Stelle v. Brache Kleebau getreten, macht reichlichen Ertrag v. Cerealien möglich. Die Nothwendigkeit den grösseren Strohertrag verwerthen zu können, führt zu vermehrtem Bau der Hackfrüchte, u. somit kommt, abgesehn v. den Handelspflanzen, grössere Reihe v. Kulturpflanzen in Folge. Daher entwickelt sich Frage nach der Fruchtfolge. (448) Unglückselige Frage nach dem Reinertrag trübt die angeblichen Erfahrungen. (449)  Kommentar von Marx.
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⦗Schleiden fasst p. 448–49 in seiner Art Fortschritt der Landwirthschaft zusammen. Für uns noch wichtig: Die Nothwendigkeit der Kapitalauslage vermehrt sich mit jedem dieser Fortschritte, also die der kapitalistischen Produktion. Kapitalauslage steigt mit Verschwinden der Brache, noch mehr mit der entwickelten Wechselwirthschaft, u. an u. f. sich mit Rücktritt v. Wiese u. Wald als gegebnem Zubehör des Ackerbaus.⦘

Schleiden glaubt, dass bei der Fruchtfolge weniger wichtig die Abhängigkeit v. dem Verhältniss der unorganischen Stoffe, als v. dem Zustand der physikal. Eigenschaften des Bodens, herbeigeführt durch den Anbau der vorhergehenden Pflanzen. (449)

1) Mit welcher Culturpflanze die Fruchtfolge zu beginnen od. zu welcher Pflanze soll gedüngt werden? 2) in welcher  Bei Schleiden, S. 449: Ordnung
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Folge
sollen die folgenden Pflanzen gebaut werden? (449)

Nie zwei Halmfrüchte, noch zwei Hackfrüchte auf einander folgen lassen, da leztre keine Rückstände im Boden |12 zurücklassen (Wurzeln, Stoppeln etc), beide den Boden mangelhaft bedecken, die Halmfrüchte wegen der jedenfalls geringen Rückstände den Humusgehalt des Bodens bedeutend verringern; man muss also regelmässig mit Halm- u. Blattpflanzen, mit Hackfrüchten u. mit solchen wo der Boden unangetastet ⦗mechanisch⦘ bleibt, abwechseln. (450)

In zweiter Reihe kommen die unorganischen Substanzen f. die Fruchtfolge in Betracht. Es kommt nicht nur auf das Vorhandensein der organischen Substanzen an, sondern auch auf die Mischung der einzelnen Bestandtheile in richtigem Verhältniss. Daher nicht mit der Kartoffel zu beginnen (sie nicht im frischen Dünger zu bauen). (p. 450) Sowohl das Beginnen mit der ersten Frucht als Fruchtfolge zu bestimmen durch Vergleichung der unorganischen Bestandtheile des Düngers mit den Aschenbestandtheilen der Culturpflanzen, so dass für Anfang die Frucht zu wählen, in der das Verhältniss der wichtigsten Aschenbestandtheile jedesmal dem Verhältnisse der wichtigsten unorgan. Bestandtheile des Düngers am meisten entspricht. Bei der folgenden Frucht wird dann der Aschengehalt der Ernte v. dem Gehalt des Düngers abgezogen, das Verhältniss im Rest abermals bestimmt, u. sofort so fort, bis die Aschenbestandtheile des aufgebrachten Düngers vollständig erschöpft sind; so dass man immer die Pflanze folgen lässt, welche dem Verhältniss im Rest am besten entspricht. Für Kartoffeln u. Weizen passt der frische Dünger  Zusatz von Marx.
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(Stallmist)
in dieser Beziehung am wenigsten; sie sind auch den meisten u. gefährlichsten Krankheiten unterworfen. Roggen am besten, namentlich wenn man erwägt insbesondre das Verhältniss der einflussreichsten Bestandtheile, v. phosphorsaurer Kalk- u. Talkerde zu den schwefelsauren u. salzsauren Alkalien. (450, 451) Aber beim Fruchtwechsel Veränderungen, die durch den Anbau einer besondren Culturpflanze in den physikalischen Verhältnissen des Bodens hervorgerufen werden, mindestens ebenso wichtig als das Verhältniss der unorgan. Bestandtheile. So Auswahl sehr beschänkt beschränkt u. es kommt fast nur auf die Vergleichung der Halmfrüchte u. Hackfrüchte unter sich an. Nur Bohnen, Erbsen u. Wicken u. vielleicht auch die Oelsaten würden hier grössere Freiheit der Bewegung gestatten. (450, 451)

Tabellen über Mengen unorganischer Bestandtheile, die die wichtigeren Culturpflanzen dem Boden f. 1 Hektare entziehn. (452, 453)

Die Beendigung des ganzen Umlaufs ist jedesmal bedingt durch die Erschöpfung der unorgan. Bestandtheile des angewandten Düngers. Beispiel des 5 jährigen Umlaufs v. Boussingault , wo die überschüssige Phosphorsäure des Düngers noch für eine mässige Ernte hinreichen würde. (Die ungefähren Angaben deutscher Landwirthe geben ähnliche Resultate) (p. 454) (Boussingault erhält mehr als die andern, weil er ausser Stallmist noch mit Torfasche düngt. 455)

Die nach vollendetem Umlauf im Boden noch zurückbleibenden wichtigeren Aschenbestandtheile, der Ueberschuss des Düngers über sämmtliche Ernten, ist das was man allein unter „alter Bodenkraft“ verstehn kann, wenn das Wort einen Sinn haben soll. Die organischen Bestandtheile des Düngers entsprechen nur zum kleinsten Theil der organischen Substanz der Ernte, kann also hier nicht v. Ueberschuss die Rede sein. (455)

Die Methode den Bodenwerth  Zusatz von Marx.
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⦗aber auch diess nur bei Nicht-Kulturboden⦘
nach den darauf wachsenden Unkräutern zu zu bestimmen, falsch. Die Vertheilung der wildwachsenden Gewächse hängt gar nicht ausschliesslich v. den Bestandtheilen des Bodens ab, sondern noch mehr v. seinen klimatischen Verhältnissen u. physikalischen Eigenschaften. Ueber den Gehalt des Bodens können die Pflanzen nur in sehr geringem Mass belehren. Einige wenige Pflanzen an Unterlage v. Quarzsand, andre v. kohlensaurem Kalk, andre an Salzboden gebunden. Wenige, kommen auf Culturboden nur zufällig od. gar nicht vor. Vgl. auch weiter p. 385, 2.|

13

Die Kulturpflanzen u. ihre Ernährung.

Es giebt noch wenig Erfahrungen in der Agrikultur. Jezt erst Kenntnisse (naturwiss.) zu verbreiten, um Erfahrung möglich zu machen. (311 320) Man hat sich noch nie gefragt was s. g. „Kulturpflanze“ ist. (311. 320)  Bemerkung von Marx.
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⦗Dasselbe gilt v. Kulturvolk

Schädliche Vermischung der Frage nach Reinertrag mit der Frage bestimmte Pflanze zu bestimmtem Grad v. Vollkommenheit zu bringen. (312 321)

1) Charakteristik der Culturpflanze.

Den Culturpflanzen (in Gärten u. auf Feldern) gehörn vielleicht 20 Arten der 10,000 Arten umfassenden Familie der Gräser an, was die Cultivirung im Grossen betrifft. Weiteres § 144, p. 322 323.

Von Mais, Reis, Weizen, Roggen, Gersten, Hafer, den wichtigsten Cerealien, kann man nicht mit Sicherheit den wilden ⦗nicht zu verwechseln mit verwilderten⦘ Zustand angeben. (322 323, 324) Dagegen andre Gruppe, wovon die wilden Originale noch existiren wie Möhren, Rüben, Kartoffeln, Blumenkohl etc[.] Sie besitzen Eigenthümlichkeiten, die ihnen im wilden Zustand nicht zukommen; das Charakteristische einer Kulturpflanze nicht das, was ihr als Pflanzenart, sondern als Spielart zukommt, also in der Abweichung. Unsre Kulturpflanzen gehören Pflanzenarten an, die bes. geneigt Spielarten zu bilden. (324) ⦗Die wilde Kartoffel auf Chiloë hat eine kleine grünliche, widerlich bitterlich schmeckende Knolle⦘ Blumenkohl Spielart der wilden Kohlpflanze (Brassica oleracea, ungeniessbar, zwischen den Dünen der Nordseeküste) Wird der Samen des Blumenkohls auf passendem Boden ausgesät, so erbt er sich fort; Unterart wird so durch Samenfortpflanzung die Spielart. Sie wird zur Art, wenn sie sich durch Samen ohne Auswahl des Bodens unter allen Umständen fortpflanzt. (325)

Entstehung der Spielarten:

  • 1) Die durch Veränderung v. Lebensbedingungen, Verpflanzung, besondre Düngemittel entstehenden Abänderungen nur selten v. Bedeutung. Bes. Farbenveränderungen. (325, 1)
  • 2) Viel bedeutender die Veränderungen, welche sich bei Fortpflanzung od. Vermehrung der Gewächse durch Knospenorgane zeigen. Die durch Knospenorgane entstandnen Individuen variiren um so leichter, je früher die Knospe v. der Mutterpflanze getrennt; noch mehr, bedeutender u. mannigfaltiger, wenn die Vermehrung durch Knospenorgane freiwillige, in der Natur der Pflanze begründete. Z. B. Kartoffelsorten, Erdbeeren. (325, 2)
  • 3) Am auffälligsten u. mannigfaltigsten werden die Spielarten bei der Fortpflanzung durch Samen. (326, 3.  Bemerkung von Marx.
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    Sieh weiteres, wo Schleiden schon an Darwin streift.
    ) ⦗Samenzucht u. Aussäen fortgesezt v. den ausgeprägtesten Exemplaren der Spielart immer wieder auf demselben Boden u. unter denselben Culturbedingungen⦘

Was bei den Culturpflanzen bezweckt wird ist:

  • A.) unnatürlich üppige Entwicklung einzelner Theile: a) der Wurzeln. (Rüben) b) Stengel (Kohlrabi, Blumenkohl, Flachs u. Hanf) c) Der Blätter (Kohl) d) der Knospen, bes. der unterirdischen. (Kartoffel u. Erdäpfel) e) der Früchte (Obst) f) der Samen (Cerealien, Hülsengewächse, Oelpflanzen)
  • B) Abänderung des chemischen Processes in der Pflanze zur Vermehrung einzelner Bestandtheile: a) der Proteinverbindungen (Cerealien, Hülsenfrüchte u. Kohlpflanzen) b) der Stärke (Kartoffeln, Cerealien, Hülsenfrüchte) c) des Zuckers (Runkelrüben, Maisstengel) d) des Oels (Oelgewächse u. s. w.[)]

Die  Bei Schleiden, S. 327: Vergrößerung
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Veränderung
irgendeines Theils od. der ganzen Pflanze sezt voraus, dass in derselben mehr u. in einer andern Anordnung Nahrungsstoffe gebildet u. assimilirt werden u. diess v. den Eigenthümlichkeiten des chemischen Processes der ganzen Pflanze abhängig. Handelt sich also v. den Verhältnissen, die Abänderung des chem. Processes hervorrufen können. (327)

An organischen Bestandtheilen reichster BodenTorf- od. Moorboden, Vegetationsärmster; enthält nur sehr geringe Art v. Pflanzenarten; Pflanzengestalten höchst einförmig u. unveränderlich; f. den Menschen so gut wie nutzlos.

An organ. Bestandtheilen reicher Boden, oft bis 100 Fuss u. tiefer, grösstentheils Humus. Boden der tropischen Urwälder. Hier üppigste Vegetation u. alles andre umgekehrt wie bei Torfboden.

Boden fast ohne Spuren v. Humus, u. diese blos den Rückständen der noch nicht völlig verwesten Pflanzen zuzuschreiben; ausgezeichnet durch Reichthum u. Ueppigkeit der Vegetation, z. B. Boden aus verwitterter Lava u. vulkan. Asche hervorgegangen in der Nähe v. Vulkanen. Giebt Solche  Bei Schleiden, S. 328: Bodenarten
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Boden
, jährlich der Ernte ihrer Produkte beraubt, nie gedüngt, seit Jahrtausenden gleich fruchtbar, z. B. die auf Cuba zum Kaffee- u. Indigobau benutzte Tierra colorada.

Humusleerer Boden ohne alle Vegetation, z. B. Flugsand in der Sahara. (328)

Klar, dass Fruchtbarkeit od. Unfruchtbarkeit nicht v. Humus herrührt. Auch nicht Wasser allein. Torfmoor Ueberfluss an Wasser. Fügen wir |14 dem dürren Flugsand noch Wasser hinzu, wie in den märkischen Kieferhaiden, so bleibt die Vegetation immer noch einförmig u. dürftig. Unterschied kann nur v. Reichthum an unorgan. Bestandtheilen herstammen. (328, 329) Macht auch den Vegetationsunterschied zwischen humusreichem Moor u. humusreichem Urwald. (329) Aus den Torfböden werden alle auflöslichen Mineraltheile ausgelaugt u. weggeführt, accumuliren sich im Urwald; erst viele Jahrhunderte fortgesezter Tabacksernten konnten den Reichthum des nordamerik. Waldbodens an Alkalien erschöpfen. Auch beim Kulturboden zeigen die Analysen, dass sein Reichthum v. den unorgan. Bestandtheilen abhängt, die in Wasser auflöslich sind od. durch fortgesetzte Einwirkung der Kohlensäure auflöslich werden; diese Auflösungen um so reicher u. mannigfaltiger zusammengesezt, je fruchtbarer der Boden. (329)

Die Alpenpflanzen wachsen in Boden, dem durch das herabrieselnde Wasser fortwährend die ganze Menge der Verwitterungsprodukte v. den höhern nackten Felsenkuppen zugeführt wird. (330. Sie zeichnen sich durch auffallende u. scharfmarkirte Spielarten aus)

Man muss unterscheiden die Kulturpflanzen, wie Cerealien u. Hackfrüchte, v. den blos cultivirten Pflanzen, wie Kleearten, Füttergräser u. den meisten Gespinnst- u. Handelspflanzen, die ihre Natur durch die Kultur nicht wesentlich verändert haben. (330)

Beide Sorten (eigtl. Culturpflanzen u. blos cultivirte Pflanzen) das gemein – u. sie gleichmässig v. den wildwachsenden Pflanzen unterscheidet – dass grössere Flächen Pflanzen Landes mit Einer Pflanzenart, mit möglichster Ausschliessung jeder andern bedeckt werden, um dadurch die Ernte zu sichern u. ⦗das Einsammeln⦘ zu erleichtern. (330, 331) Kämen unsre Runkelrüben, Mohrrüben u. Kohlarten auch in derselben Weise wild vor, so müssten wir sie doch anbauen, um dem zeit- u. kostspieligen Einsammeln der zerstreuten Pflanzen zu entgehn. (330)  Kommentar von Marx.
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⦗Damit ist alle Kultur schon intensiv im Gegensatz zur natürlichen Zersteutheit der Pflanzen, aber, mit Bezug auf die zum Anbau gewählten Pflanze Pflanzen extensiv, indem sie ihr Areal erweitert auf Kosten der andern.⦘

Sehn wir vom Gartenbau ab, so geht schon aus diesem Umstand hervor – dem Bedecken einer Fläche mit Einer Pflanzenart u. dem Ausschliessen aller andern u. der dazu nöthigen Herrichtung des Bodens – dass die Culturpflanzen in viel weniger vortheilhafter Lage als die wilden. Ein grosser Theil der Culturarbeiten [hat] keinen andern Zweck als diese Nachtheile einigermassen auszugleichen. So müssen wir den Samen auf unsern nackten Feldern durch Egge od. Walze unterbringen, was auf dem benarbten Boden völlig überflüssig ist. (331)

2) Die Ernährung der Culturpflanzen.

a) Allgemeines.

Wir müssen nicht als charakteristisch f. die Culturpflanzen betrachten u. ihrer ihre Vegetationsweise, was nur der Ungunst unsres Klimas angehört. (332)

Nach Loudon’s Encyclopädie: Bis zum 35° zu beiden Seiten des Aequators Ackerbau ohne Düngung betrieben, nur mit Bewässerung. Vom 35° bis zum 45° der Bewässerung, obwohl nicht überall, Düngung hinzugefügt; vom 45°–67°, der ungefähren Grenze der Cultur im Norden u. Süden, Boden entwässert u. gedüngt. Die lezte Region hat in der südl. Halbkugel höchst unbedeutende Ausdehnung, die erste sehr bedeutende zu beiden Seiten des Aequators. In der 2ten Region nicht unbedeutende Strecken nur bewässert, nicht gedüngt; in der letzten selbst gewisse Culturen ohne Düngung. Hence 3/4 aller Culturen auf der Erde ohne Dünger.

Mittleres Russland, wo geringe Menge Dünger nur auf Hanf u. Gemüsebau verwendet. Ertrag stellenweis nur 6–7fach, oft aber auch sehr reich. Stroh verbrannt. (332) Malaga: abwechselnd Weize Weizen u. Gerste auf demselben Boden, ohne Düngung u. Gerste gebaut. Ueberhaupt In vielen Gegenden Spaniens nicht gedüngt, nur bewässert. Im glücklichen Arabien u. Jemen vertritt Wasser od. die Asche von verbranntem Kamelmist die Stelle des Dünger. In Hindostan 2 Ernten ohne allen Dünger, „kleine Ernte“, v. kleinen Körnerfrüchten, gewöhnlich Hirse; grosse Ernte, nur Mais. (332)

Birma, Java, Ceylon, Malacca, Siam, Cochinchina, Tonquin, Theil v. China u. Japan fast nur Reis, nur durch Bewässerung gedüngt. Chinesen brauchen bes. vegetabilische Asche. Van Diemensland: Von demselben Boden 15 Weizenernten nach einander ohne Düngung, u. dann lässt man ihn brach liegen. Er bedeckt sich sogleich mit Acaciengebüsch, nach einiger Zeit niedergebrannt u. der Boden abermals benuzt. Ditto am Cap der Guten Hoffnung. (333) Im grössten Theil v. Neuholland u. Polynesien kein Dünger; auf Otahaiti keine Culturarbeit als Säen. (l. c.) In Aejypten, Abyssinien, Marocco, Madagaskar, Madeira kein Dünger ausser Wasser. (l. c.)

In Peru, Chili, Brasilien, Mexiko, grossem Theil v. Nordamerika u. Canada kein organischer Dünger. (l. c.) Culturpflanzen z. B. die immer ohne organ. Dünger gebaut werden u. die Ertragsfähigkeit unsrer gedüngten Aecker bei weitem übertreffen: Mais, Reis, Zuckerrohr, Caffee, Cacao, Bananen u. Plantanen, Manjok- u. Yamswurzeln, |15 Baumwolle, Indigo, grosser Theil des Tabacks. Unter günstigen Bedingungen seit Jahrtausenden gebauter aber nie gedüngter Boden 200–600fache Ernte, z. B. die Maisernten in Mexiko. Dagegen unsre 12–15fachen Ernten trotz aller Culturanstrengungen. (333)

Man nenne die organische Substanz des Bodens im Allgemeinen Humus. Kann nichts sein als Rückstand der noch nicht völlig zerstörten Thier- u. Pflanzenleichen u. ihrer Exkremente. Vor der Erscheinung der Pflanzen u. Thiere kann es keine organische Substanz, folglich keinen Humus auf der Erde gegeben haben. Aber man nehme die Menge noch so gross an, sie müsste längst zerstört sein. Durch Ernährungsprocess des Thiers; Fäulniss, Verwesung; (i. e. einen langsamen Verbrennungsprocess); eigentliche Verbrennungsprocesse (333–35) Rechnung über die jährliche Zerstörung (annähernd) v. organischer Substanz (p. 334, 1, 2, 3 u. 335, 4) ⦗Der Verbrennungsprocess im gewöhnlichen Sinn f. Bereitung der Speise, in gemässigter u. kalter Zone zur Erwärmung, in heisser zur Abhaltung der wilden Thiere u. Insekten; endlich zu technischen Zwecken⦘

Im Ganzen erhält er jährlichen Verlust v. 145 Billionen Pfund organ. Substanz. (weiteres p. 335, 4) An Beispiel v. Frankreich nachgewiesen, dass die organ. Substanz allein schon durch die Ernährung der Hausthiere in einem Jahrhundert völlig consummirt, i. e. kein Thier u. Pflanze mehr vorhanden. Solche Albernheiten Consequenz der Annahme, dass die Pflanzen sich durch die organische Substanz des Bodens ernähren. (335)

Lebensprocess der Thiere u. Verwesungsprocess im Reich der unorganischen Kräfte zerstört fortwährend organische Substanz u. verwandelt sie in unorganische Verbindungen – Wasser, Kohlensäure, Ammoniak. Dagegen Lebens- od. Ernährungsprocess der Pflanzen fügt fortwährend unorganische Kräfte u. Verbindungen zu organischen Substanzen u. bildet organische Substanz. (336)

Jedes abgeschlossne Landgut vernichtet organische Substanz ⦗führt keine ein (die unbeträchtliche Menge der Kleidungsstücke abgerechnet)⦘ durch Lebensprocess der Menschen u. Thiere u. Verbrennungsprocesse. Führt ausserdem in Getreide, Wolle, Butter, Käse, Spiritus, vielleicht Zucker etc. sehr bedeutende Mengen aus. Lebten die Pflanzen ganz, od. nur zu bedeutendem Theil v. der organischen Substanz des Bodens, so müsste jedes Gut in wenigen Jahren völlig erschöpft [sein]; statt dessen wächst die organische Substanz des Bodens bei guter Wirthschaft v. Jahr zu Jahr. (336)

Siehe Berechnung f. einen Morgen guten Weizenbodens. (336, 337) ⦗Bei Boussingault’s Experimenten giebt Morgen 3 × so viel organische Substanz als er erhält, aber dabei angenommen, dass die organ. Substanz des Düngers völlig den Pflanzen zu gut komme; man düngt aber nicht die Pflanze, sondern den Boden, u. nicht jährlich, sondern f. Reihe v. Jahren voraus; auf diese Weise kommt grosser Theil der organischen Substanz nicht in den Bereich der Pflanzen, fällt dem Verwesungsprocess anheim, durch das öftere Umpflügen auf das höchste beschleunigt; so zu viel, nähme man selbst an, dass 1/10 des ganzen Nahrungsbedürfnisses der Pflanze v. der organ. Substanz des Düngers gedeckt werde.⦘

Der Unterschied durch die Veränderung im chemischen Process zwischen Kulturpflanzen u. wilden Pflanzen, bezieht sich nicht auf die Qualität des chem. Processes; die Culturpflanzen bilden nur mehr Eiweiss, mehr Kleber od. Zucker u. Stärke etc u. häufen diese Stoffe in einzelnen Theilen übermässig an. (337)

 Überschrift von Marx.
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A) Aufnahme der organischen Bestandtheile durch die Kulturpflanzen.

Bei der Betrachtung der Ernährung der Pflanzen hier abgesehn v. Sauerstoff u. Wasserstoff, die ihnen durch Wasser im Uebermass zugeführt werden, wo sie überhaupt vegetiren. (l. c.)

b) Aufnahme des Kohlenstoffs durch die Kulturpflanzen.

Kohlenstoff fast Hälfte der trocknen Pflanzensubstanz, u., v. Wasser- u. Sauer-Stoffen abgesehn, 8 × so viel als der Stickstoff. (537 337–38)

Zuckerrohr: bedarf feuchten Bodens, gar nicht od. höchstens mit Zuckerrohrasche gedüngt. Morgen liefert jährlich 7500 Rohr, [der] ausgepresste Zucker enthält im Minimum 700 Pfd, das ausgepresste Rohr 500 [Pfund] Kohlenstoff. Zucker ausgeführt, Rohr beim Sieden verbrannt; so verliert Morgen der Zuckerplantage verliert so 1200 Pfd Kohlenstoff ohne den geringsten Ersatz. Inseln Bourbon u. Mauritius geben auf diese Weise jährlich 130 Mill. Pfd Kohlenstoff. (p. 338)

Oelpalmen auf humusleerem Ufersand. (l. c.) Bananen auf feuchtem Boden ohne Düngung. (l. c.) (Südseeinseln) (sieh 338)

Bei den einheimischen Culturen nach den Versuchen Boussaingault’s Boussingault’s Menge des Kohlenstoffs im Dünger zur Menge des Kohlenstoffs in der Ernte = 1 : 2,88. Aber der Kohlenstoff in der Ernte hat nichts mit dem im Dünger zu thun; sonst müsste der Kohlenstoff vom 1. Jahr der Düngung an regelmässig abnehmen; aber Weizenernte liefert im 2. Jahr nach der Düngung 867 Pfd Kohlenstoff; Roggenernte im 6. Jahr nach der Düngung 1153 Pfd Kohlenstoff. (338, 339)|

16

Versuch v. Boussingault (mit Bezug auf Kohlenstoff) f. Pflanzen, in reinem Quarzsand od. gebranntem Thon gesät u. mit destillirtem Wasser begossen. (339) (die Tabellen daselbst) u. p. 340) ⦗Zeigen den Gewinn an Kohlenstoff⦘

Ist dagegen, den Dünger als nöthig zu betrachten, um die junge Pflanze durch seine Verwesung anfänglich reichlich mit Kohlensäure zu versehn. Kohlensäure stets in so genügender Menge vorhanden, dass das zur Nahrung der Pflanze dienende Wasser sich damit sättigen kann. Auch müsste man sonst zu jeder einzelnen Culturpflanze düngen. Dann Thatsache, dass sich grade die Samen unsrer Culturpflanzen anfänglich auf jeder beliebigen Grundlage, feuchter Baumwolle, feuchtem Quarzsand etc entwickeln, [und dass] schädliche Folgen eines ungenügenden Bodens sich erst später zeigen. (340)

Kohlenstoff der organischen Substanz immer wieder durch den Lebensprocess der Thiere, Verbrennungs- Verwesungs- Fäulnissprocesse in Kohlensäure übergeführt u. so der Atmosphäre zurückgegeben; Kohlenstoff unterliegt nur Kreislauf durch Pflanze, Thier, Atmossphäre; eine absterbende Generation liefert immer Kohlensäure genug zur Bildung einer neuen. (340) Mittlere Gehalt der Atmossphäre an Kohlensäure 8440 Billionen. Verbrennung der Steinkohlen liefert viele 100te Millionen davon jährlich. Aushauchungen endlich der Vulkane u. vulkan. Bodens. (340, 341)

Sieh über die Masse Kohlensäure die Rieselwiese mit jedem Pfd Wasser braucht (nur 31/2 Gran) (341)

c) Aufnahme des Stickstoffs.

Die Pflanzen nehmen Stickstoff in Form v. Ammoniak u. Ammoniaksalzen auf. (auflöslichen stickstoffhaltigen Substanzen; die organischen stickstoffhaltigen Bestandtheile des Bodens müssen erst durch Fäulniss u. Verwesung in Ammoniak übergehn, ehe sie an die Pflanze gelangen können. ) (341) Frage: ob die Pflanze f. ihren Bedarf an Ammoniaksalzen auf die Verwesung der organischen Substanzen des Bodens ganz od. grosstentheils angewiesen, od. auch in dieser Beziehung v. der organischen Substanz des Bodens unabhängig? (341)

Es versteht sich v. selbst, dass die Ammoniaksalze, entstehend aus den stickstoffhaltigen Substanzen des Bodens, so gut wie die übrigen Ammoniaksalze den Pflanzen des Bodens zu gut kommen. Falsch, dass die Kulturpflanzen mehr Stickstoff bedürfen als die wilden. Eine Rieselwiese, der niemals organ. Dünger zugeführt wird, liefert jährlich per Morgen 40–50 Pfd. Stickstoff, unser bestes Ackerland im Durchschnitt aller Culturen nur etwa 31 Pfd. Grade die Pflanzen, zu welchen wir unmittelbar düngen, Kartoffeln u. Rüben, sind verhältnissmässig die stickstoffärmsten. (341, 342)

Grossen Steppen v. Buenos-Ayres; erst 1532 v. den Spaniern Pferde u. Rindvieh eingeführt; verwilderten, enorme Herden; dieser dürftige, nie gedüngte Boden, hat die Massen stickstoffhaltiger Substanzen zur Bildung u. Ernährung jener Herden (abgesehn v. der enormen Ausfuhr an Pferdehaaren, Ochsenhörnern, Ochsen[-] u. Pferdehäuten) nur aus den Ammoniaksalzen der Atmossphäre geschöpft. (342; weiteres daselbst)

Schweizeralpen, ostfriesischen u. holländischen Wiesen ditto. (p. 342, 43)

Nach den Boussaingault’schen Boussingault’schen Wägungen im Durchschnitt aller Culturen Stickstoff der Ernte zu Stickstoff des Düngers = 2 : 1; beim Luzernebau = 4.8 : 1. Einwendungen Liebigs. (p. 343)

Wären die Pflanzen v. dem Stickstoffgehalt des Düngers abhängig, so, da wir für mehrere Jahre im Voraus düngen, müsste der Stickstoffgehalt der Ernte in dem Mass[,] wie die Verwesung des Düngers fortschreitet, auch mit den Jahren ganz regelmässig steigen u. fallen; aber er ist ganz unabhängig v. der Zeit, welche seit der Düngung verflossen. (Die weitren Details, Boussaingault’sche Boussingault’sche etc ibid. § 163, p. 343, 344)

Ein Theil der stickstoffhaltigen organischen Verbindungen geht schon beim Ernährungsprocesse in flüchtige Ammoniaksalze [über]. Die Pflanzen- u. Thierleichen u. die  Bei Schleiden, S. 344: Auswuchsstoffe
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Auswurfsstoffe
der Thiere verwandeln bei der Fäulniss ihren Stickstoffgehalt ausserordentlich rasch in Ammoniaksalze. In der Atmossphäre nur sehr geringe u. wechselnde Mengen v. Ammoniakgas nachweisbar, weil Ammoniakgas u. seine flüchtigen Salze noch ungleich leichter u. schneller v. jedem porösen Körper, sowie vom Wasser absorbirt werden, als die Kohlensäure u. daher sogleich wieder aus der Atmossphäre in Boden u. Wasser zurückkehren. Stickstoff in vollführt beständigen Kreislauf durch Atmossphäre, Boden, Pflanze u. Thier. Absterbende Generation bietet der neu entstehenden hinreichenden Stoff. (344, 345)

Vermehrung des Stickstoffs ferner: Vulkan u. vulkanische Gegenden hauchen nicht nur Kohlensäure, sondern auch Ammoniak |17 aus. Schwer mit andern Stoffen verbindlich, verbindet sich Stickstoff leicht mit Wasserstoff, wenn dieser aus andrer Verbindung frei wird. Schlägt ein elektrischer Funke durch feuchte Luft, so Wasser zersezt u. das sich entwickelnde Wasser- und Sauerstoffgas tritt mit dem Stickstoff der Atmossphäre zu salpetersaurem Ammoniak zusammen; bei jedem Gewitterregen. Endlich verbindet sich (nach Mulder) das bei der Verwesung v. Fäulniss stickstofffreier Substanzen frei werdende Wasserstoffgas mit dem Stickstoff der Atmossphäre zu Ammoniak. (345)

Nach Schübler’s Beobachtungen 1 Morgen niedrigen Grases verbraucht in 120 Vegetationstagen 6 Mill. Pfd Wasser. Rieselwiese v. höchstem Heuertrag liefert jährlich p. Morgen höchstens 50 Pfd. Stickstoff. Jedes Pfd Wasser, welches sie aufnimmt, braucht also nicht mehr als 1/13 Gran Ammoniak, um den ganzen Bedarf zu decken. Ausser frischem Quellwasser auf der ganzen Erde kaum ein Wasser, das so wenig Ammoniak enthält. (345)

d) Aufnahme v. Phosphor u. Schwefel.

Die stickstoffhaltigen organischen Verbindungen enthalten gewisse Menge Schwefel u. Phosphor; bei ihrer Verwesung verwandeln sich diese Elemente in Schwefelwasserstoffgas u. Phosphorwasserstoffgas u. können so in Form einer leicht zersetzbaren Verbindung auch wieder an die Pflanzen zurückgehn. Lässt sich nicht durch Experimente entscheiden, da die in Frage kommenden Mengen ausserordentlich gering. (346, § 166, dasselbst, weiteres über diese Quelle v. Schwefel u. Phosphor)

B.) Aufnahme der unorgan. Bestandtheile durch die Pflanzen.

Saussure schon vor Liebig, die Wichtigkeit der unorgan. od. mineral. Bestandtheile, bes. f. die Kulturpflanzen. (346) die verschiednen Pflanzen unterscheiden sich ganz bestimmt nach Quantität u. Qualität der unorgan. Bestandtheile. (347) Mit dem verschiednen Gehalt an organ. kommt auch immer verschiedner an unorgan. Bestandtheilen vor; v. Boussaingault Boussingault nachgewiesen z. B. durch Vergleichung zwischen Stickstoffgehalt der Pflanzen u. ihrem Phosphorsäuregehalt. (347) Dazu:

Sieh Tabelle p. 348. Weitres über das keineswegs allgemein nothwendige Verhältniss v. Phosphorsäure zu Stickstoffgehalt der Pflanzen, bes. in ihren verschiednen Theilen p. 348.

Der in der Elementaranalyse der Pflanzen erhaltne Stickstoff f. die Menge der (ernährenden) Proteinstoffe einer Pflanze od. Pflanzentheils kein Mass. Namentlich diess auffallend bei den so saftreichen Knollen u. Wurzelgewächsen. (348, 349)

Im Mittel scheinen die Kulturpflanzen fast doppelt so viel Asche zu enthalten als die wildwachsenden. Die physiolog. Beziehungen der einzelnen Aschenbestandtheile uns noch grösstentheils fremd. (349)

Kieselerde: vorzugsweis in Zellenwand abgelagert, ihre Festigkeit bedingend. Sie charakterisirt nicht Culturpflanze gegen wilde, sondern die einsamenlappigen Pflanzen, bes. die Gräser, gegen die zweisamenlappigen. Beispiel ib. §170, p. 349.

Kalk: Theil der Kalksalze, welche mit Gallertsäuren sich in unlösbarer Form in den Zellenwänden ablagern, dienen auch zur Festigung lezterer bei zweisamenlappigen Pflanzen. Sein Verhältniss zur Gesammtmenge Kalk aber nicht berechenbar. Weiteres, mit Bezug auf die Resultate der Tabelle p. 348 sieh p. 350. (Das Verhältniss v. phosphorsaurem Kalk zu Stickstoff in keiner Weise die handgreifliche Bedeutung wie diess f. das Verhältniss v. Phosphorsäure u. Stickstoff)

Im Innern der Zellen u. im Zellensaft geht vorzugsweis der chem. Process vor; die phosphorsauren Salze befinden sich hauptsächlich im Zelleninhalt, u. die leicht auflöslichen alkalischen Salze im Zellensaft gelöst. Diese 2 müssen also hauptsächlich den veränderten chem. Process im Innern der Kulturpflanzen bedingen. (350)

Kieselerde u. gallertsauren Kalksalze müssen in constantem u. gradem Verhältniss zur Menge der Zellen, also zur Masse der ganzen Pflanzen stehn; phosphorsaure Salze u. Alkalien im Verhältniss zur Veränderung des chem. Processes steigen od. fallen. (l. c.)

Aüsserst verschiedenartige Zusammensetzung der Asche einer u. derselben Pflanze; z. B. Kali wechselt in Weizenasche v. 6–30%, Natron v. 1/2–28%, bei der Gerste das Kali v. 4–21 etc. (350) Liebig’s Erklärung davon. (350, 351) (§ 172)

Tabellen v. Boussingault (einige entschiedne Rechnungsfehler, aber nach Analysen derselben Methode) u. Fresenius, enthält nicht direkte Wägungen (wie bei Bouss.) der wirklich auf einem Gut geernteten Produkte, sondern die averages verschiedenartiger Analysen u. verschiedenartiger Angaben über den Ernteertrag. (351–52)

Die auffallenden Verschiedenheiten bei den procentigen Aschenanalysen weniger sichtbar, wenn der Betrag eines ganzen Feldes berücksichtigt wird; auch hier die Abweichungen v. Mittel viel bedeutender bei den einzelnen Bestandtheilen der Asche als bei der gesammten Aschenmenge. (Nähere 352, |18 Sieh Tabellen p. 353–356.

Pflanzenphysiologie

A) Die Pflanzenzelle.

I) Pflanzenzelle.

1) Die vollkommene Zelle: Zellenkern, Zellenwand, Zellenflüssigkeit. Die äussere Wand besteht aus Zellstoff; die ganze Wand inwendig mit einer halbflüssigen, schleimig körnigen Substanz in einer dünnen Lage ausgekleidet, (löst sich ab v. der aüsseren Wand (bei Behandlung mit Jodtinktur u. dann mit Schwefelsäure, ) wie ein kleines zusammengefaltetes Säckchen, lose im Innern der Zellhöhle, schliesst dann sämmtliche Körner ein, die vorher in der Zelle befindlich.) Besteht aus Eiweiss, Faserstoff u. Käse od. nahverwandten, stickstoffreichen Substanz.  Zusatz von Marx aus H[enry] E[nfield] Roscoe: Kurzes Lehrbuch der Chemie. Nach den neuesten Ansichten der Wissenschaft. Deutsche Ausgabe. Unter Mitwirkung des Verfassers bearbeitet von Carl Schorlemmer. 4., nach den neuesten Forschungen verm. und verb. Aufl. Braunschweig 1873. S. 376 u. 416–418.
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Cellulose = C6 H10 O5. Einziges Lösungsmittel ist Auflösung v. Kupferoxid in Ammoniak; Säuren fällen sie daraus als weisse amorphe Masse. Albumin, Fibrin, Casein (Legumin das Pflanzencasein, hauptsächlich in den Samen der Hülsefrüchte.) alles Eiweisskörper od. Proteinsubstanzen, enthalten alle 52–54% C, gegen 7% H, 13–16% N., 21–26% O u. 1–1.6% S. Kleber besteht aus Pflanzenfibrin u. Pflanzenleim. Pflanzenalbumin in den meisten Pflanzen in Lösung enthalten, aus denen es sich beim Kochen ausscheidet. Stärkemehl = C6 H10 O5
Alle grünen Zellen an die innere Fläche der stickstoffhaltigen Auskleidung angeklebt. Unter einander Zusammenhängende Zellen Zellgewebe. (Man kann sie trennen durch Salpetersäure,  Zusatz von Marx.
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(NO5)
, oft nur mit kochender.) Bei Längs- u. Queerschnitten bilden sie häufig Netz mit ziemlich regelmässigen Maschen. Die Wände dann so eng verbunden, dass sie wie Eine erscheinen; nur an den Kanten bleiben kleine, häufig dreieckige Räume zurück, wo die Zellen nicht ganz genau in einander schliessen; wenn sie eng u. ziemlich regelmässig – Intercellulargänge, wenn gross u. unregelmässig Intercellularräume. (24–26)

2) Die eigentliche Zellenwand, besteht aus Cellulose. Ist permeabel. (Durchdringlich mit Flüssigkeit, ohne Löcher u. Canäle) Wasser u. in Wasser gelöste Stoffe gehn leicht durch, wenn die Zellenwand auf der einen Seite mit Wasser in Verbindung, es ihr auf der andern Seite, etwa durch Verdunstung, sofort wieder entzogen wird. Diess der Vorgang z. B. beim Verwelken der Pflanze. Völlig unlöslich in gewöhnlichen Lösungmitteln, die ausgebildete Zellenwand auch völlig unfähig irgendwie Thieren als Nahrungsmittel zu dienen. Wo Zellen dickwändig, schon wesentliche Verändrung mit der Zellenwand vorgegangen. (27)

3) Der Inhalt der Pflanzenzelle: der Zelleninhalt das, weswegen meist die Pflanzen gesammelt u. cultivirt; Ausnahme: Brenn- u. Nutzholz u. die dem Pflanzenreich entlehnten Gespinnststoffe. Hier hat die Zellenwand selbst Werth für uns. Zelleninhalt zerfällt erstens in die stickstoffhaltige Auskleidung der Zellenwand, zweitens den Zellensaft, der flüssige aufgelöste und unlösliche Substanzen, organische u. unorgan. enthält. (27–28)

a) Die stickstoffhaltige Auskleidung: Meist unlöslich in Wasser, aber wie der thierische Schleim darin aufquellend. Zuweilen ganz gleichartig, zuweilen wie aus schleimartigen Körnchen zusammengeflossen. Schliesst gewöhnlich an einer Stelle den Zellenkern ein, der als eine nur mehr verdichtete Stelle dieser Schicht erscheint. In den recht lebenskräftigen Zellen die stickstoffhaltige Schicht nicht überall gleich; in ihr dickere Streifen, die netzförmige Zeichnung an der Wand der Zelle bilden, in beständiger fortschreitender Bewegung – Strömung; Zellenkern liegt niemals ausserhalb der Strömchen, in seltnen Fällen damit fortbewegt. Wo die stickstoffhaltige Schicht so durchsichtig, dass sie unsichtbar, wird dadurch sichtbar, dass man sie mit Säure od. Auflösung v. Jodine in Alkohol befeuchtet, gerinnt dann gleich dem Eiweiss, zieht sich zusammen u. wird v. der Zellenwand entfernt, wird deutlich als zusammengefallnes in der Zelle liegendes Säckchen. Bei Erkrankung der Zelle verräth stets diese stickstoffhaltige Auskleidung die ersten Spuren der Krankheit durch ihre Veränderung, verfärbt sich, wird dunkler, erscheint deutlicher körnig wie früher, zieht sich entweder selbst v. der Zellenwand zurück od. durchdringt diese selbst. Auch gegen das Ende des Lebens der einzelnen Zelle, wenn sie anfängt weiterer Fortbildung unfähig zu werden, wird diese Schicht mehr u. mehr undeutlich, verbindet sich immer enger mit der Zellenwand selbst, indem sie, scheint es, im aufgelösten Zustand, bald mehr bald weniger tief in sie eindringt. (28–30)

b) Der flüssige, in Wasser aufgelöste Inhalt der Zelle.

Jede lebendige Zelle enthält klare durchsichtige, gewöhnlich farblose, in einigen Fällen (z. B. rothen Beeren, blauen Blumen) gefärbte Flüssigkeit – Zellensaft. Enthält aufgelöstes Albumin (Eiweiss), aufgelösten Zucker u. Gummi  Zusatz von Marx aus H[enry] E[nfield] Roscoe: Kurzes Lehrbuch der Chemie. Nach den neuesten Ansichten der Wissenschaft. Deutsche Ausgabe. Unter Mitwirkung des Verfassers bearbeitet von Carl Schorlemmer. 4., nach den neuesten Forschungen verm. und verb. Aufl. Braunschweig 1873. S. 374.
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(C6 H5 O10)
. Neben diesen indifferenten Pflanzenstoffen enthält der Saft stets noch Salze aufgelöst, meist Alkalien gebunden an Chlor, Schwefelsäure, Kohlensäure (?) Oxalsäure  Zusatz von Marx aus H[enry] E[nfield] Roscoe: Kurzes Lehrbuch der Chemie. Nach den neuesten Ansichten der Wissenschaft. Deutsche Ausgabe. Unter Mitwirkung des Verfassers bearbeitet von Carl Schorlemmer. 4., nach den neuesten Forschungen verm. und verb. Aufl. Braunschweig 1873. S. 350.
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(C2 H2 O4)
, Weinsäure  Zusatz von Marx aus H[enry] E[nfield] Roscoe: Kurzes Lehrbuch der Chemie. Nach den neuesten Ansichten der Wissenschaft. Deutsche Ausgabe. Unter Mitwirkung des Verfassers bearbeitet von Carl Schorlemmer. 4., nach den neuesten Forschungen verm. und verb. Aufl. Braunschweig 1873. S. 355.
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(C4 H6 O6)
, Citronensäure  Zusatz von Marx aus H[enry] E[nfield] Roscoe: Kurzes Lehrbuch der Chemie. Nach den neuesten Ansichten der Wissenschaft. Deutsche Ausgabe. Unter Mitwirkung des Verfassers bearbeitet von Carl Schorlemmer. 4., nach den neuesten Forschungen verm. und verb. Aufl. Braunschweig 1873. S. 356.
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(C6 H8 O7)
u. Apfelsäure  Zusatz von Marx aus H[enry] E[nfield] Roscoe: Kurzes Lehrbuch der Chemie. Nach den neuesten Ansichten der Wissenschaft. Deutsche Ausgabe. Unter Mitwirkung des Verfassers bearbeitet von Carl Schorlemmer. 4., nach den neuesten Forschungen verm. und verb. Aufl. Braunschweig 1873. S. 353.
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(C4 H6 O5)
Dieser Saft für verschiedne Pflanzen u. Pflanzentheile sehr mannigfaltig zusammengesezt. Immer mehre Säuren, sowohl organ. als unorgan., gleichzeitig gegenwärtig, aber verschieden. In den noch kräftig vegetirenden Zellen diese Stoffe nicht in Ruhe, sondern in beständigen chemischen Verändrungen begriffen. (30, 31)|

19

c) Der feste od. doch nicht in Wasser gelöste Inhalt der Pflanzenzellen.

Noch mannigfaltiger, als die gelösten Stoffe, noch verschiedenartiger an die Zellen vertheilt. Manche können sich gegenseitig vertreten u. daher sich gegenseitig ausschliessen, so z. B. die Proteinsubstanzen; oder Stärkemehl, Inulin  Zusatz von Marx aus H[enry] E[nfield] Roscoe: Kurzes Lehrbuch der Chemie. Nach den neuesten Ansichten der Wissenschaft. Deutsche Ausgabe. Unter Mitwirkung des Verfassers bearbeitet von Carl Schorlemmer. 4., nach den neuesten Forschungen verm. und verb. Aufl. Braunschweig 1873. S. 374.
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(bildet den Uebergang v. Gummi zu Stärke, ist in den Wurzeln vieler Pflanzen enthalten)
u. fette Oele; oder Wachs, Harz u. flüchtige Oele. Manche, wie z. B. Stärkemehl, fette Oele, Wachs [finden sich] fast in jeder Zelle zu irgend einer Zeit ihres Lebens; andre [kommen] nur in gewissen Zellen regelmässig, in manchen zufällig, in vielen niemals vor, viz. das Chlorophyll, der grüne Farbstoff, immer in den Zellen der Blätter u. jungen Rinde, zufällig in den Kartoffeln, die dem Licht ausgesetzt sich bilden, nie in Holz u. Bindungsgewebe Bildungsgewebe des Stengels. (31, 32)

α) Die stickstoffhaltigen Substanzen

Kommen in vielen Zellen ⦗ausser der Auskleidung der Zellenwand⦘ oft allein, oft neben Stärkemehl, Oel etc in halbfester Form vor; z. B. ohne Beimengung in den äusseren Zellen des Eiweisskörpers bei den Getreidearten, in einzelnen Zellen des Keimpflänzchens bei Erbsen u. Bohnen; dagegen in den übrigen Zellen des Eiweisskörpers des Getreides u. in den Erbsen u. Bohnen neben Stärkemehl, oder in den Zellen des Keimpflänzchens bei den Kohlarten, Mandeln u. s. w. neben fettem Oel. (32) Diese Stoffe erscheinen stets in halbflüssig schleimiger Form, aus mehr od. weniger zusammenfliessenden Körnchen zusammengesezt, graugelb. (l. c.) Bilden neben der stickstoffhaltigen Auskleidung der Zellenwand u. dem im Zellensaft gelösten Eiweiss eigentlich allein das Ernährende in allen Pflanzentheilen. (l. c.)

β) Stärkemehl  Zusatz von Marx aus H[enry] E[nfield] Roscoe: Kurzes Lehrbuch der Chemie. Nach den neuesten Ansichten der Wissenschaft. Deutsche Ausgabe. Unter Mitwirkung des Verfassers bearbeitet von Carl Schorlemmer. 4., nach den neuesten Forschungen verm. und verb. Aufl. Braunschweig 1873. S. 375.
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(C6 H10 O5)
In einigen Pflanzen, landwirthschaftlich ohne Bedeutung, kommt Stärke umgeformt als Kleister vor; in allen technisch wichtigen Pflanzen dagegen in Form kleiner glänzender Körnchen, v. sehr verschiedner Gestalt u. Grösse. (33, Sieh Kartoffelstärkemehl 33–35; Roggen, Weizen, Hafer, Gerste – Stärkemehl 35–36; ditto die Stärkekörner bei Mais u. Reis (36), bei Erbsen, Wicken, Linsen, weissen Bohnen p. 36.[)]

Die Stärke zu irgend einer Zeit in jedem Pflanzentheil u. fast in jeder Zelle; doch vorzugsweis einige Orte[,] wo stark acumulirt, ökonomisch u. technisch brauchbar. Diess ausser dem Mark einiger Tropenpflanzen (wie bei den Sagopalmen) fast nur die Organe, bestimmt für eine gewisse Zeit ohne Vegetation zu ruhn, namentlich die Knollen, Zwiebeln u. Samen. Im Herbst lagert sich aber bei uns auch in der innersten Rinde u. dem aüssersten Holz der Bäume eine so grosse Menge Stärkemehl ab, dass es in Zeiten der Hungersnoth als kärgliches Nahrungsmittel dient. (36)

γ) Pflanzengallerte u. Pectin. Gallerte, Selten ganz allein, gewöhnlich neben mehr od. weniger Stärkemehl. Von Wasser durchdrungne u. darin aufgequollne, aber nie aufgelöste, gewöhnlich noch so wenig mit Wasser gesättigt, dass es selbes mit Gier aufsaugt, sobald es mit Zelle in Berührung kommt, oft bis auf den 3fachen Umfang aufschwillt u. so die Zelle sprengt. Kommt bald mit mehr bald mit weniger Wasser verbunden vor, reiner od. unreiner, geht einerseits durch Zwischenstufen in Gummi  Zusatz von Marx aus H[enry] E[nfield] Roscoe: Kurzes Lehrbuch der Chemie. Nach den neuesten Ansichten der Wissenschaft. Deutsche Ausgabe. Unter Mitwirkung des Verfassers bearbeitet von Carl Schorlemmer. 4., nach den neuesten Forschungen verm. und verb. Aufl. Braunschweig 1873. S. 374.
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(Stärkegummi od. Dextrin C6 H10 O5, Gummi C6 H5 O10)
od. Traganth  Zusatz von Marx aus H[enry] E[nfield] Roscoe: Kurzes Lehrbuch der Chemie. Nach den neuesten Ansichten der Wissenschaft. Deutsche Ausgabe. Unter Mitwirkung des Verfassers bearbeitet von Carl Schorlemmer. 4., nach den neuesten Forschungen verm. und verb. Aufl. Braunschweig 1873. S. 374.
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(Gummi-Traganth in kaltem Wasser unlöslich, in heissem quillt’s zu Schleim auf)
; andrerseits durch den Hauptbestandtheil der Saleps (in den Orchideenknollen) in Stärkemehl, endlich noch in Cellulose über. Modifikation davon Gallert- oder Pektinsäure. Die Pflanzengalerte in allen zuckerreichen u. stärkemehlarmen Pflanzentheilen, fleischigen Wurzeln u. Früchten, in grösster Menge in s. g. süsser Kartoffel od. Batate. (37)

δ) Inulin: der scheinbar ganz klare Zellsaft der Georginenknollen, Alantwurzel, Löwenzahnwurzel, Topinambourknollen enthält gleichwohl Inulin, festen, nicht aufgelösten Stoff. (37)

ε) Fette Oele: Ganz wo in einem Theil der Pflanzen Stärkemehl [vorkommt], findet man in andern fettes Oel, gewöhnlich neben grosser Menge stickstoffhaltiger Substanz, z. B. in Leinsaamen. (38)

η) Flüchige Oele, Harz, Wachs: Die beiden ersten Stoffe [kommen] nur in gewissen Zellen, oft ausschliesslich vor, grosse lichtbrechende Kraft, eignes Verhalten zu Alkohol u. Aether. Sind als ausgeschiedne Stoffe zu betrachten. Noch sichrer gilt diess v. Wachs, oft in den Pflanzen Produkt der Zersetzung stickstofffreier Substanzen, z. B. des Stärkemehls. In den Zellen stets in Verbindung mit Chlorophyll, bedeckt häufig die Oberfläche gewisser Zellen. (38)

λ.) Farbestoffe: Ausser dem im Zellsaft aufgelösten Farbestoff, Farbestoffe in fester Form als Körnchen in der Zelle. Nur 2 hier wichtig Chlorophyll (Blattgrün) u. Indigo; scheinen Unterarten eines u. desselben Stoffs.  Zusatz von Marx aus H[enry] E[nfield] Roscoe: Kurzes Lehrbuch der Chemie. Nach den neuesten Ansichten der Wissenschaft. Deutsche Ausgabe. Unter Mitwirkung des Verfassers bearbeitet von Carl Schorlemmer. 4., nach den neuesten Forschungen verm. und verb. Aufl. Braunschweig 1873. S. 399/400.
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(Indigotin od. Indigoblau = C16 H10 N2 O2.) (Indigoweiss = C16 H12 NO2)
Chlorophyll Substanz v. fast fettartiger Consistenz, überzieht manchmal in grösster Ausdehnung die stickstoffhaltige Auskleidung der Zellen, häufiger nur die kleinen Körner, die denselben angeklebt sind od. auch frei in der Zelle vorkommen, z. B. Stärkemehlkörner od. selbst kleine Crystalle. Farbloses Chlorophyll überall u. ursprünglich in der Pflanze, u. das Grünwerden der Pflanze am |20 Licht beruht nur auf einer höheren Oxydation dieses Stoffs. (38, 39)

κ.) Krystalle: In jeder Pflanze gewisse Zellen, an ganz bestimmten Orten – zuweilen in der Nähe der Bastbündel, od. in Mark u. Rinde, häufig in Blättern, selten in Samen, am meisten in Saftpflanzen – deutlich ausgebildete Krystalle. Bündel nadelförmiger od. einzelne grössere Krystalle od. aus mehren Krystallen zusammengewachne zusammengewachsene Krystalldrusen. Schon durch die Krystallform erkennt man oxalsauren, kohlensauren, schwefelsauren Kalk. [Der] Oxalsaure Kalk am häufigsten u. fast in jeder Pflanze [zu finden], am häufigsten in den Cactuspflanzen. Ein Theil des Kalkgehalts der Aschen stammt immer v. diesen Krystallen her; sie binden gewisse Menge der Säure od. des Kalks in einer unlöslichen Form, verhindern so die schädliche Einwirkung der Stoffe auf die Vegetation. (39)

II) Veränderungen der Pflanzenzelle.

Bei ihrem ersten Auftreten Pflanzenzelle kleines, aüsserst zartes rundliches Bläschen. Macht Reihe v. Veränderungen durch. In den Pflanzen immer Zellen v. ungleichen Bildungsstufen u. verschiedner Lebensperiode; manche Zelle bleibt auf früherer Bildungsstufe stehn; manche wird dadurch getödtet, dass der Pflanzentheil, dem sie angehört, gesetzmässig abstirbt, eh sie todt ist; z. B. bei Abfallen der Blätter im Herbst ein Theil der Zellen oft noch so lebendig, dass sie er unter günstigen Verhältnissen selbst zur Bildung v. Knospen u. daraus sich entwickelnden jungen Pflanzen Anlass geben kann. Die Veränderungen in den einzelnen Pflanzentheilen beruhn hauptsächlich auf Ausdehnung der ursprünglichen Zellenwand durch Ernährung, Verdickung der ursprüngl. Zellenwand durch Ablagerung neuer Schichten auf ihre innere Fläche, endlich auf chemischen Processen. Bald eins, bald 2, bald 3 dieser Momente macht sich an derselben Zelle geltend; daher unendlich mannigfaltige Verschiedenheit in der Erscheinung der einzelnen Zellen, die aber einzeln genommen keine besondre Bedeutung haben. (40)

1) Veränderung der Zelle durch Ausdehnung der ursprünglichen Zellenwand.

Zelle als geschlossnes Säckchen muss Nahrung durch ihre Wand aufnehmen; desshalb der Theil der Wand vorzugsweis ernährt, daher ausgedehnt, durch den vorzugsweis die Nahrungsflüssigkeit einströmt. Geht z. B. der Strom derselben an dem Ende einer länglich runden Zelle hinein u. am andern Ende wieder hinaus, so werden diese beiden Enden auch vorzugsweis ernährt, ausgedehnt u. in Folge dessen allmählig die erst länglich runde Zelle in ganz langgestreckte verwandelt, z. B. Baumwollfaser. (41) Wo die Zellen an mehren Stellen mit Luft in Berührung treten; geschieht meist sehr bald dadurch, dass die zwischen den Zellen anfänglich befindliche Flüssigkeit so rasch v. den Zellen verzehrt wird, dass sie nicht wieder durch andre ersezt werden kann. An den mit Luft in Berührung stehenden Zellen wächst die Wand dann gar nicht mehr, während die Theile, die mit benachbarten Zellen zusammenhängen u. von dort ernährt werden können, sich oft zu langen Strahlen ausdehnen, so dass die lufterfüllten Räume zwischen den Zellen immer grösser werden. Daher strahlenförmige Zellgewebe. (41) Daher die verschiednen Formen der Zellen. (Sieh 42)

2) Veränderung der Zelle durch Ablagerung neuer Schichten auf  Bei Schleiden, S. 42: ihre
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ihrer
Wand.

Zellenwand erlangt stets nur eine gewisse, sehr unbeträchtliche Dicke. Häuft sich mehr Nahrungsstoff an als zur Ausdehnung verwendet werden kann, so bildet sich neue Schicht, gleichsam Zelle in der Zelle, die sich an die innere Fläche der ursprüngl. Zellenwand u. zwar zwischen dieser u. der stickstoffhaltigen Auskleidung anlegt. Diese neue Schicht besteht, wie die ursprüngliche Zellenwand, aus Cellulose. Die Schichtenbildung wiederholt sich zuweilen so oft, dass dadurch die Höhle der Zelle fast vollkommen ausgefüllt wird. Z. B. an grösserer Bastzelle aus der Chinarinde 15 solcher Schichten. Die Verdickungsschichten unterscheiden sich dadurch v. der ursprüngl. Zellenwand, dass sie keine gleichartige, überall zusammenhängende Haut od. Membran bilden wie jene, sondern mannigfach gebrochen. (42, 43) Ihre 2 Hauptformen (sieh 43) (u. 44) Die ursprüngliche Zellenwand erscheint dabei zunächst ganz unverändert u. bleibt überall zusammenhängen. (44)

Bastzellen: das wichtigste Material f. Gespinnste aus dem Pflanzenreich, u. für Seilerarbeiten. Lange nicht alle Bastzellen sind dazu geeignet, z. B. nicht die der Chinarinde. Länge, Weichheit, Biegsamkeit u. Festigkeit dazu nöthig wie bei den Bastfasern des Flachses, Hanfes, neuseeländischen Pflanzen Flachses ,  Zusatz von Marx.
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Baumwolle
. Flachs, Baumwolle, Wolle, u. Seide ⦗Hanffaser kaum v. Flachsfaser zu unterscheiden⦘ sicher durch das Mikroskop zu unterscheiden. (46, sieh die 4 Gespinnstfäden p. 47)

3) Veränderung der Zellenwand durch chemische Processe.

a) Bei ganz jungen Zellen, die kaum entstanden (z. B. die im Frühling, nachdem der Saft in die Bäume getreten, zwischen Holz u. Rinde schleichende Substanz) besteht die ursprüngliche Zellenwand aus Gallerte. ⦗Die vorhin angegebnen Unterschiede zwischen Zellenwand u. ihrer Verdickungschicht aus Cellulose einerseits, und der halbflüssigen Auskleidungsschicht aus stickstoffhaltiger |21 Substanz andrerseits gilt nur f. die vollständig entwickelte, aber noch lebenskräftige Zelle⦘ Je näher ihrem Ursprung, um so leichter lösen sich die Zellenwände in Wasser od. quellen doch so darin auf, dass sie ihren Zusammenhang u. feste Form verlieren. Die Gallerte geht stufenweise, bei einigen langsamer, bei andern rascher, bei einigen vollständig, bei andern unvollständig, in Cellulose über. Die Zellen, die dazu bestimmt, später wieder aufgelöst zu werden, verharren fast immer in einem Zustand zwischen Gallerte, Stärkekleister u. Cellulose, u. nähert sich in seinen Eigenschaften bald dem einen, bald dem andern an. (47, 48)

b) Ist die Zellenwand völlig in Cellulose umgewandelt, so verharrt sie selten längere Zeit rein in diesem Zustand. Die Bewegung der ernährenden Flüssigkeiten, die beständig durch die Zellenwände geht, führen beständig fremde Stoffe in die Zellenwand, die sich theils darin ablagern, theils verändernd auf die Cellulose wirken. Auf diese Weise nach u. nach in alternden Zellen die stickstoffhaltige Auskleidung der Zelle aufgelöst u. durchdringt die Zellenwand. Auch lagern sich unorgan. Stoffe darin ab u. zwar in den aüssersten Zellenlagen bei Gräsern, Rietgräsern u. Binsen Kieselerde, welche in der Dicke der Zellenwand in Form kleiner schuppigen Flöckchen sich absezt; in den innern Zellen dagegen, namentlich bei den zweisamenlappigen[,] gallertsaurer Kalk. Dadurch wird die Zellenwand bedeutend fester u. dichter, u. namentlich bei Ablagerung v. Kieselerde bei Bambus u. Rohr z. B. Funkengebend am Stahl. (48, 49)

c) Bei Altwerden der Zellenwand Zersetzungen der Cellulose, die gewöhnlich bald Absterben der Zelle zu Folge haben.

α) Die Zellenwand wird ganz od. theilweis aufgelöst. Die theilweise Auflösung bei den höheren Pflanzen trifft ganze Gruppen od. Reihen v. Pflanzen; die zusammenhängende Reihe v. Zellen verwandelt sich so in zusammenhängende Röhren, die man Gefässe nennt, u. nach der Form der Verdickungsschichten Ringgefässe, Spiralgefässe, netzförmige, Spaltgefässe, poröse Gefässe. Diess tritt ein bei gewissen Reihen etwas langgestreckter Zellen, die sich durch grössere Weite u. deutlichere Verdichtungschichten vor ihren Nachbarn auszeichnen, in der Weise, dass die Theile der Wände, mit welchen sich die Zellen einer solchen Reihe berühren, also die oberen u. unteren Theile, aufgelöst werden, so die Zellenreihe in Röhre umgewandelt. Sobald solche Verbindung unter den Zellen einer Reihe hergestellt, der in ihnen vorher befindliche Saft verbraucht od. fortgeführt u. sie enthalten fernerhin nur noch Luft.

Völlige Auflösung der Zellenwand:

  • sie entweder in Flüssigkeit umgewandelt, die v. den benachbarten Zellen aufgenommen u. zu neuen Bildungen verwandt wird; so in einigen Fällen bei Bildung der Samen u. bei der Keimung;
  • oder die Zellenwand zwar aufgelöst, aber nicht zu einer in Wasser löslichen Flüssigkeit, dem Viscin, welches dann an der Stelle wo es gebildet worden, abgelagert bleibt, z. B. in den Beeren der Mistel. (49)

β) Sehr häufig behält die Zellwand ihre Form, aber die Cellulose, woraus sie besteht, ganz allmälig u. immer nur theilweise zersezt. Zellen fangen dabei bald an ihren Saftinhalt zu verlieren, nehmen aus der Atmossphäre Sauerstoff auf, hauchen dafür Kohlensaüre aus, indem sich der Sauerstoff mit einem Theil des Kohlenstoffs der Zellenwand verbindet u. so entsteht aus dem Zellstoff zum Theil Gerbsäure  Zusatz von Marx aus H[enry] E[nfield] Roscoe: Kurzes Lehrbuch der Chemie. Nach den neuesten Ansichten der Wissenschaft. Deutsche Ausgabe. Unter Mitwirkung des Verfassers bearbeitet von Carl Schorlemmer. 4., nach den neuesten Forschungen verm. und verb. Aufl. Braunschweig 1873. S. 410.
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(Tannin = C27 H22 O17)
, häufiger noch die einzelnen Humussäuren u. diese bleiben dann in der Substanz der Zellenwand abgelagert; geben der Zellenwand nach u. nach bräunliche od. schwarze Färbung. Dieser Vorgang [findet] bei allen Zellen des Korkes u. der Borke (vulgo Rinde) statt, u. endet, langsam fortschreitend, zulezt immer mit völliger Umwandlung in die verschiednen Humussubstanzen. Derselbe Process trifft jeden v. der Pflanze getrennten kleineren od. grösseren Theil, wie Blätter, Holz etc, die für sich nicht mehr fortzuleben im Stand sind. Alle in diesen Zustand gekommnen Pflanzentheile geben beim Ausziehn mit kaltem od. warmem Wasser eine aus vielerlei Substanzen gemischte bräunliche od. schwärzliche Lösung, welche die s. g. Extraktivstoffe enthält. (49, 50)

B.) Zusammensetzung der ganzen Pflanze aus den verschiednen Zellformen.

Jede sich eben bildende Pflanze od. neu entstehende Pflanzentheil, z. B. das jüngste Blatt in einer Knospe, besteht ganz u. gar aus nahebei gleich grossen, rundlichen, sehr zartwandigen, gleichen u. mit gleichem Inhalt erfüllten Zellen. Alle Verschiedenheiten der Zellen entstehn erst bei weiterer Entwicklung. (51, 52)

Die aüssere Zellenlage, welche sich in der Berührung mit der Luft weiter fortbildet, ändert bald ihren Inhalt in eine wasserhelle Füssigkeit um, schliesst fest zu einer zusammenhängenden Haut aneinander u. heisst dann Oberhaut, welche die Pflanze gegen zu starke Verdunstung der in derselben enthaltnen Flüssigkeiten schüzt.

Gefässbündel: der Verbrauch v. Flüssigkeit in Folge der gesetzmässigen Ausdunstung ruft eine Bewegung der Flüssigkeit in der Pflanze nach gewissen Richtungen hervor. Die Zellen, durch welche diese Saftströmungen gehn, stärker an ihren beiden Enden ernährt, werden so allmälig in langgestreckte Zellen umgewandelt. Die Streifen od. Bündel der lezteren, welche die Bahnen der Saftbewegung in der Pflanze andeuten, heissen Gefässbündel, weil sich vorzugsweis in ihnen die vorher als Gefässe bezeichneten, luftführenden Zellenreihen vorfinden. (51, 52)|

22

Füllgewebe od. Parenchym: das übrige Zellgewebe, das nicht in Oberhaut od. Gefässbündel umgewandelt, entwickelt sich am lebendigsten u. bildet u. enthält die für den menschlichen Haushalt wichtigsten Stoffe. (52)

Bildungsgewebe: Die Pflanze lebt od. stirbt wie das Thier, ist aber niemals ausgewachsen, fortwachsend u. neubildend, so lang sie lebt. Es muss daher an der Pflanze stellen Stellen geben, wo dieser Bildungsprocess vor sich geht, wo neue, f. neue Theile bestimmte Zellen entstehn – Bildungsgewebe, bei den Bäumen auch Cambium genannt. (52)

I) Die Oberhaut.

Oberhaut (Epidermis) ziemlich klare farblose Haut, eine Lage sehr unregelmässiger u. ungleich grosser Zellen, überall so fest an einander, dass keine Intercellulargänge zwischen denselben. An gewissen Stellen Lücken, wo Oberhaut zu fehlen scheint. Diese Lücken zum Theil ausgefüllt durch mehre halbmondförmige Zellen, die mit der ausgeschnittnen Seite einander zugewendet sind u. eben desshalb die Lücke der Oberhaut nicht ganz verschliessen, sondern eine Spalte zwischen sich lassen, die freie Communikation zwischen der aüssern Atmossphäre u. dem Innern der Pflanze vermitteln – Spaltöffnungen. (53)

S. g. Bereifte Oberfläche – dünne Lage feiner Körnchen. Liegt in dem Reif, reines dem Bienenwachs ähnliches Wachs, lässt sich leicht durch Eintauchen in Aether entfernen, u. dann fehlt die Körnerschicht, bestimmter als Wachschicht Wachsschicht zu bezeichnen. Auf diese folgt Schicht aus klarer, der Cellulose ähnlichen Substanz gebildet, ziemlich dick – Absonderungsschicht der Oberhaut.  Zusatz von Marx.
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Dann folgt das Oberhaut(allgebilde).
(53) Unter der Oberhaut noch zwei Zellenlagen, die aber weder unter einander noch mit der Oberhaut direkt zusammenschliessen, grosse Lücken lassen, die v. der Seite der Zellen her mit ähnlicher Substanz wie die Absonderungsschicht der Oberhaut ausgefüllt sind. (54) Bei einigen Pflanzen, namentlich Blumenblättern, die aüssere Wand der Oberhautzellen nicht flach, sondern mit zahlreichen kleinen Erhabenheiten. (l. c.)

Absonderungsschicht der Oberhaut bei verschiednen Pflanzen verschieden dick, fehlt immer bei den jüngsten noch in der Knospe eingeschlossnen Pflanzentheilen, tritt erst allmälig auf u. verstärkt sich, je mehr diese Theile der Einwirkung der Luft ausgesetzt werden. Sie scheint v. den Oberhautzellen ausgeschwitzt, abgesondert zu werden. Wachschicht Wachsschicht ditto sehr verschieden; stark bei allen Pflanzen, die bereifte Oberfläche zeigen, wie der gemeine blaue Kohl. Spaltöffnungen mannigfaltig verschieden; die beiden Spaltöffnungszellen liegen bald mehr am obern Rand der v. den Oberhautzellen gelassnen Lücke, bald mehr in der Mitte, bald nur unten an die Lücke angelegt [.] Im leztern Fall, wenn noch starke Absonderungsschicht hinzukommt, ist eine besondre kleine Höhle – Vorhof – vor der Spaltöffnung vorhanden. Unterhalb der Spaltöffnung jedesmal ein grössrer Intercellularraum, worin einerseits die Spalte, andrerseits die Zwischenzellengänge des übrigen Zellgewebes einmünden. (55)

An gewissen Pflanzentheilen od. gewissen Pflanzen geht die Oberhaut bald verloren, indem ein ganz neues Geweb an ihre Stelle tritt, gewöhnlich Borke genannt, richtiger Korkschicht ⦗obgleich es nicht bei allen Pflanzen die Elasticität besizt u. daher so nützlich ist wie bei der Korkeiche.⦘ Besteht aus ziemlich dünnwandiger, gewöhnlich tafelförmig flachen Zellen, die sehr bald ihren Saftinhalt verlieren u. durch Humusbildung braun werden. Einzelne Lagen desselben sterben bes. leicht ab, zerreissen, so dass dann alles, was ausserhalb derselben liegt, abfällt, während sich diess Gewebe an seiner innern Seite fortwährend wiederum erzeugt. (55) Borke der meisten Bäume, die s. g. Oberhaut der Kartoffel, der rauhe braune Ueberzug des grünen Reinettenapfels u. andrer Obstarten u. s. w. bestehn aus diesem Gewebe. Die Borke einiger andern Pflanzen, z. B. des Weinstocks, Geisblatts etc anders zu erklären. (l. c.)

II.) Die Gefässbündel.

1) Primaire Gefässbündel.

⦗Beschreibt erst Stengel v. Mais, Gartenerbse, dann vierjährigen Zweig einer Linde (p. 56–58) Z. B. bei der Gartenerbse fig. 37 (p. 57) v. aussen nach innen 1) Oberhaut, 2) Rinde, 3) aüsseren Theil, 5) innern Theil des Gefässbündels, zwischen 3) u. 5) aber 4) Schicht sehr saftiger grüner Substanz, endlich 6) ganz nach innen das Mark. Vgl. Linde.⦘

a) Beschreibt erst Maisstengel (Queer- u. Längenschnitt): 1) umgeben v. sehr Sehr grosszelligem Gewebe (aa fig 40 (p. 59) u. 41 (p. 60)[)], in denen welchem auffallend weite  Bei Schleiden, S. 58: Zwischenzellengänge
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Zwischenräume
sich befinden; liegt das grösstentheils aus engen u. dickwandigen Zellen zusammengesezte Gefässbündel; 2) die dickwandigsten Zellen nach aussen u. innen – langgestreckt – Bastzellen, 3) d,d zwei Ringgefässe, 4) (d') Spiralgefäss, 5) (d'') zwei |23 kleine poröse Gefässe ⦗beiden grossen Gefässe bb' Fig. 41 (60) u. p. 39 59⦘, e Bildungsgewebe zwischen kleinem porösen Gefäss d'' u. Bastzellen f. (p. 58, 59, 60) Wie im Maisstengel, die Gefässbündel sämmtlicher Gräser gebaut. (60)

b) Folgt dann Gefässbündel der Erbse (p. 60–62) ⦗dasselbe [zeigen] im wesentlichen fast alle wichtigen Culturpflanzen ausser die grasartigen zwiebelähnlichen u. lilienartigen Gewächsen GewächseHauptunterschied v. a), dass das Bildungsgewebe nicht wie dort auf die Mitte des Gefässbündels beschränkt, sondern zu beiden Seiten über dasselbe hinaustritt u. sich bis zu den nächsten Gefässbündeln fortsetzt u. so einen ununterbrochnen Kreis im ganzen Umfang des Stengels darstellt. (61)

2) Holz.

Eigentliches Holz nur bei zweisamenlappigen Pflanzen. (63) Jahresringe. (l. c.) Entsprechen dem jährlichen Zuwachs des Holzes. Nach der verschiednen Vegetation in den verschiednen Jahren verschieden dick; auch verschiedne Theile desselben Jahresring verschieden dick, je nachdem es er v. der unter dem einem od. dem andren Theil abgehenden Wurzel besser od. schlechter ernährt worden. (l. c.) Von innen nach aussen verlaufende Streifen theilt das Holz in keilförmige Portionen; bestehn aus Zellen, die horizontal v. innen nach aussen gestreckt, MarkstrahlenSpiegelfasern heisst’s bei den Tischlern⦘ Einige reichen vom Mark bis zur Rinde, andre beginnen mitten im Holz u. hören oft auch mitten in ihm auf. (l. c.)

[Das] Wesentliche des Holzes besteht aus Holzzellen. Daneben bei vielen Hölzern noch sogenannte Gefässe (meist poröse). Die Nadelhölzer sehr einfaches Holz, bestehn nur aus Holzzellen. Eichenholz vergl. z. B. mit Kiefer viel komplicirter; grosse Gefässe etc. (64, 65)

3) Bildungsgewebe.

Das Wachsthum (Bildung neuer) Zellen nur in bestimmten Zellgewebsportionen; das Zellgeweb, worin neue Zellen entstehn, Bildungsgeweb. Zuerst die ganze Pflanze nur Bildungsgeweb; nach u. nach scheiden sich gewisse Gruppen aus, wo keine Bildung mehr vorgeht, wie Oberhaut ⦗ausgenommen die früher erwähnten Umbildungen⦘, dann das Füllgewebe, sowohl in der Mitte des Pflanzentheils od. der Pflanze (Mark) als [auch] unmittelbar unter der Oberhaut (Rinde). Dazwischen bleibt bei allen ein Bildungsgewebe zurück, aus welchem sich allmälig die Gefässbündel entwickeln, u. zwar so, dass die neuen Zellen sich entweder nach innen ablagern – als Gefässe u. Holzzellen, oder nach aussen als Bastzellen. (65, 66) Der ursprüngliche Charakter des Bildungsgewebs – Zartwandiges Zellengeweb mit trübem, eiweissreichem Inhalt. (69)

Zwei Hauptabtheilungen der Phanerogamen (offenbar blühenden Pflanzen) – einsamenlappigen u. zweisamenlappigen [–] zeigt sich am Gefässbündel, u. speciell der Rolle des Bildungsgewebs. Bei dem einsamenlappigen Gefässbündel völlig abgeschlossen v. dem gewöhnlichen Zellengeweb, bei dem zweisamenlappigen steht jedes Gefässbündel mit seinen Nachbarn durch das sich rechts u. links über es hinaussetzende Bildungsgeweb in Verbindung; bei den ersteren [ist der] Bast ein untrennbarer Theil des Gefässbündels, bei letzteren scheint er vielmehr der Rinde anzugehören; bei den einsamenlappigen verliert das Bildungsgeweb schon früh seinen Charakter u. bleibt als klares, wasserhelles, f. fernere Fortbildung unfähiges Zellgewebe im Gefässbündel eingeschlossen; bei den zweisamenlappigen fährt das Gewebe fort, unausgesetzt neue Zellen zu bilden, die sich nach aussen dem Bast u. der Rinde, nach innen dem Gefässbündel u. den Markstrahlen anreihen. Dadurch fortwährend der innere Gefässbündeltheil durch Anlage neuer Substanzen nach Aussen hin verdickt, so lange Leben in dem Pflanzentheil. (66, 67) Stengel wird so zu Stamm; das später entstandne Gewebe – Holz. (68) Unterschied der Gefässbündel bei den holzbildenden u. krautartigen Pflanzen. (l. c.)

Das Bildungsgeweb lässt sich bei unsren Bäumen im Frühjahr bes. als eigenthümliche schleimige Substanz wahrnehmen, wenn man Rinde vom Holz trennt. Natürliche Trennung nicht dabei, aber die härtere Rinde u. das noch härtere Holz lassen sich desshalb leicht trennen, weil sie nur durch das ganz zarte u. zur Frühlingszeit (bei s. g. Safttrieb) aüsserst safterfüllte Bildungsgewebe verbunden sind. (69) Sieh die Borke bei Weinstock. (70)

Auf das Bildungsgeweb beschränkt sich eigentlich das Leben des Stammes, denn Rinde u. Holz fangen bald an, jenes v. aussen her, diess v. innen [heraus] abzusterben. (70) Darauf beruhn die Vorgänge beim  Bei Schleiden, S. 70: Pfropfen
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Propfen
, Okuliren u. andern Gartenoperationen. Kommt dabei alles darauf an möglichst viel Bildungsgewebe, d. h. lebendiges Zellgeweb v. beiden zu vereinigenden Theile Theilen in möglichst genaue Berührung zu bringen, indem dann die beiderseits entstehenden neuen Zellen leicht mit einander verwachsen. (l. c.)

Bisher nur v. Bildungsgeweb mit Bezug auf Stengel u. den Umfang des Gefässbündels gesprochen; es sezt sich aber durch den ganzen Stengel hindurch fort u. läuft an seiner Spitze in einem Punkt zusammen. Hier besitzen also alle Pflanzen ohne Ausnahme |24 Bildungsgewebe. Jeder Stengel (u. das gilt v. jedem Zweig) kann sich also endlos verlängern ⦗nur die Entwicklung der Blüthe an der Spitze des Stengels od. Zweigs schneidet jedes weitere Wachsthum ab.⦘ Daher Möglichkeit, jeden beliebigen Zweig, u. nähme man die höchste Spitze der Pappel, zum Steckreis zu benutzen, um abermals Baum aus ihm zu erziehn. Dasselbe gilt v. der Spitze der Wurzel. (70)

4) Das Füllgewebe.

Alles was nach Abzug der Oberhaut (später Korkschicht), der Gefässbündel (später Holz), endlich des Bildungsgewebs (od. unter Umständen später noch der Borkenschicht) v. der Pflanze übrig bleibt, das gewöhnliche Zellgewebe der Pflanze – Füllgewebe od. Parenchym. Lässt sich theilen im Stengel in 3 Theile. a) Zellgewebe innerhalb der Gefässbündel od. Mark; b) Zellgewebe zwischen den GefässbündelnMarkstrahlen; c) Zellgewebe ausserhalb der GefässbündelRinde. (71)

Da nur bei den einsamenlappigen der Bast sich eng mit dem Gefässbündel vereinigt, bei den zweisamenlappigen durch die viel wichtigere Bildungschicht v. dem innern eigentlichen s. g. Gefässbündel getrennt ist, pflegt man bei den letzteren das Bildungsgewebe als Grenze anzusehn u. daher den Bast mit zur Rinde zu rechnen; die ganze Rinde besteht hier 1) aus Korkschicht, 2) eigentlichen Rinde, c) Zellengewebe zwischen den Bastbündeln, d) Bastbündeln selbst. (71)

Grösste Wichtigkeit des Parenchym in ökonomischer Rücksicht. Alle brauchbaren Stoffe (mit Ausnahme des Basts, der die Gespinnstfäden liefert[,] u. des Holzes) in den Zellen dieser Gewebe, wesshalb auch in vielen Fällen, z. B. beim Rübenbau, Hauptaufgabe der Kultur Vermehrung des Parenchyms hervorzurufen. (l. c.)

Nur wenige Farbstoffe u. harzartige Bestandtheile vorzugsweis im Holz; sonst alle technisch wichtigen Stoffe als Gummi, Zucker, Stärke, fette Oele, Proteinverbindungen, Harze, flüchige Oele, Farbestoffe etc im Parenchym. Daher alle holzigen Pflanzen mit vorzugsweiser Entwicklung v. Bast u. Gefässbündel nicht zu Nahrungspflanzen geeignet. (72)

C) Uebersicht des Baus der wichtigsten bei uns vorkommenden Kulturpflanzen.

Parenchym liefert also die wichtigsten Bestandtheile; Gefässbündel zeigen die Bahnen der Saftbewegung; Oberhaut regulirt die Verdunstung u. Ausscheidung v. Gasarten; im Bildungsgeweb die eigentliche Kraft des Wachsthums; bei den einsamenlappigen Culturpflanzen nur in den Spitzen u. Knospen, also nur Längenwachsthum bedingend; bei den zweisamenlappigen im ganzen Umfang des Stengels zwischen Rinde u. Gefässbündel, wodurch Wachsthum in Länge und Dicke. (Im folgenden nicht enthalten das später Angebrachte f. den Bau der Samen u. der zur Fortpflanzung dienenden Knollen) (72)

1) Einsamenlappige Pflanzen.

Gräser u. Getreidearten. Einförmiger Bau. Stengel mit derber, sehr mit Kiesel imprägnirter Oberhaut bedeckt, unter der noch einige Lagen dickwandiger derber Rindenzellen. [Der] Länge nach [ist der] Stengel v. unregelmässig zerstreuten Gefässbündeln durchzogen. Stets die Gefässbündel nach aussen kleiner u. dichter gedrängt; bei den meisten Gräsern in Mitte des Stängels ein Raum (Mark) ganz frei v. Gefässbündeln. Hier stirbt Zellgeweb schon sehr früh ab, wird beim Auswachsen des Stengels zerrissen u. zerstört, daher haben die meisten Gräser hohlen Stengel. Nur an den Ansatzstellen der BlätterKnoten – verflechten sich die Gefässbündel quer durch den Stengel u. bilden daher hier seine Scheidewand. Bei Mais, Zuckerrohr etc die Gefässbündel bis in die Mitte des Stengels hinein vertheilt; derselbe hier ganz erfüllt. Parenchym des Grasstengels reich an Gummi u. Zucker u. enthält ziemlich viel Eiweiss. Grasblätter schmal u. ganz so gebaut wie der Stengel, nur dass die Gefässbündel alle der Länge nach in einer Fläche neben einander liegen. Haare: selten an den Blättern u. meist nicht sehr lang; wenn sie vorkommen (bes. als kleine Zäne Zähne an den Blatträndern) oft sehr steif u. wegen des Gehalts der Zellen an Kieselerde sehr scharf. (72, 73)

2) Zweisamenlappige Pflanzen. ⦗Eigentlichen Holzpflanzen hier ausgeschlossen⦘

a) Hülsengewächse: (Erbsen, Bohnen, Wicken, Klee u. s. w.) theils einjährig, theils perennirend; einjährigen Stengel selten (wie bei Gartenerbse) hohl, gewöhnlich erfüllt, Mark u. Rind herrschen vor gegen die Gefässbündel, |25 daher sämmtlich, bes. im grünen jugendl. Zustand, bes. wegen ihres grossen Reichthums an stickstoffhaltigen Substanzen, vortreffliches Nahrungsmittel f. Thiere. Dasselbe gilt v. den Blättern, breit u. kurz, daher grosse Fläche darstellend. Ihre Gefässbündel verlaufen nicht grad u. neben einander, sondern v. mittlerem Hauptgefässbündel (Mittelrippe des Blattes), verzweigen sich nach beiden Seiten mannigfach, verbinden sich häufig mit einander zu Netz mit feinen Maschen. Haare häufig auf ihnen, weich u. zart. Kieselerde wenig, desto mehr Kalk, meist gallertsaurer Kalk in den Zellenwänden enthalten. Bei den mehrjährigen Stengeln wird Holzbildung vorherrschend, hören damit auf angenehmes u. zweckmässiges Nahrungmittel f. die Thiere zu sein. (73)

b) Fast alles diess gilt f. Stengel u. Blätter der Kartoffeln, Erdäpfel, Kohl- u. Rübenarten. Ende des Sommers Holzbildung bei Kartoffeln u. Erdäpfeln schon so vorherrschend, dass nicht mehr zur Viehnahrung verwendbar (abgesehn von Gehalt an giftigen Stoffen bei den Kartoffeln). Kohl- u. Rübenarten [zeichnen sich] vor allen Pflanzen durch auffallend grossen Gehalt v. Proteinverbindungen in ihren Blättern [aus], [gehören] daher zu den nahrhaftesten Pflanzen, blähen aber leicht. [Die] Rüben aller Art sind Wurzeln, [die] Kohlrabi [sind] Stengel durch Kultur fleischig geworden; d. h. worin das Parenchym des Marks u. der Rinde auffallend vermehrt. Meist reich an Zucker u. Gummi; die aus der Familie der Kohlpflanzen auch an Proteinverbindungen. (74)

c) Hanf u. Lein starke Bastbildung. Das sehr zurücktretende Parenchym enthält viele leicht in stinkende Fäulniss übergehenden stickstoffhaltigen Substanzen; wo viel Gespinnstpflanzen gebaut, daher wichtig das Wasser, worin der Stengel zur Röste gelegt worden, zum Düngen anzuwenden. (p. 74)

 Bemerkung von Marx zur eigenen Orientierung. Seine Exzertpe aus Schleidens „Encyclopädie“ setzt er auf S. 35 des vorliegenden Hefts fort.
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(Fortsetzung v. Schleiden nachher)

III) Leben der ganzen Pflanze.

Aus:
Friedrich Schoedler: Das Buch der Natur, die Lehren der Physik, Astronomie, Chemie, Mineralogie, Geologie, Physiologie, Botanik und Zoologie umfassend. 6., verm. und verb. Aufl. Braunschweig 1852.
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[ Friedrich Schoedler: Das Buch der Natur]

⦗Das Folgende nur kurze Zwischenbemerkungen aus spätern Büchern als dem v. Schleiden⦘

A. Einfache Organe der Pflanzen.

a) Zellen.

Markzellen, Parenchym  Zusatz von Marx.
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(χυμος)
Zellen, die nach allen Richtungen ziemlich gleich ausgedehnt. Die ursprünglich rundlichen Zellen – Form, die sich in den meisten lockeren Pflanzengebilden erhält, – nehmen durch gegenseitigen Druck Gestalt eines Vielecks, meist Sechsecks u. oft sehr regelmässigen an. Aus diesen Zellen bes. die knolligen Theile der Pflanzen, Kartoffeln, Früchte überhaupt die weicheren od. schwammigen Theile in Mark, Rinde, Blättern u. s. w.

Holzzellen, Prosenchym, in die Länge gestreckte, oben u. unten zugespitzt, sehr in einander gedrängt, auf dem Querschnitt als Sechseck erscheinend. Haupttheil der Festern Pflanzentheile, namentlich des Holzes.

Sehr lange u. biegsame Zellen der Art – Bastzellen (Flachs u. Hanf sehn unter Mikroskop wie überall gleich dicklicher rundlicher Faden aus; die dünnwandigen 1–2 Zoll Länge erreichenden Zellen der Baumwollfaser wie ein plattes Band mit etwas rundlichen Rändern.[)]

Unregelmässige Zellen, die sich nur an einzelnen Stellen vergrössern, z. B. sternförmige.

Zellkern (Cytoblast) verschwindet meist später.

b) Verrichtung der Zellen.

Saft tritt v. einer Zelle in die ihr benachbarten nach allen Richtungen ein. Beruht auf Eigenthümlichkeit, sowohl der pflanzlichen als thierischen Haut u. Faser, dass sie v. manchen Flüssigkeiten durchdrungen werden, ohne sich in ihnen zu lösen. Endosmose. (Bestreben der Flüssigkeiten – die durch solche Haut getrennt –, auf beiden Seiten Gleichgewicht in ihren ihrer Dichte herzusellen herzustellen. Es tritt stets v. der weniger dichten Flüssigkeit mehr auf Seite der dichteren als umgekehrt.) Der flüssige Zelleninhalt stets dichter als das mit einer Pflanze v. aussen in Berührung tretende Wasser; so geht das Wasser durch; durch die Blätter bewirkte Verdunstung v. Wasser verdichtet den Zelleninhalt wieder.

Vermehrung der Zellen: Theilung älterer Zellen od. Entstehn mehrer jungen Zellen in der Höhlung einer Zelle.

Verbreitung des Safts durch die Zellen mit ziemlicher Geschwindigkeit

c) Gefässe.

a) durch Umändrung vorhandne Zellen, besonders in der Richtung lebhafter Saftströmung. Denken wir [uns eine] Reihe senkrecht übereinander gestellter Zellen, deren Wände da [,] wo sie sich berühren[,] verschwinden, so entsteht cylindrische Röhre – Gefäss. Bei den s. g. Zellenpflanzen, Algen, Wasserfäden, Pilze, Pflechten Flechten, Mose etc gar keine Gefässe. Gefässe enthalten in der Regel Luft, nur ausnahmsweis, z. B. im Frühjahr Flüssigkeit. Pflanzen, die neben den Zellen Gefässe haben, heissen Gefässpflanzen. (das Zellgeweb des Holzes der eigentlich saftführende Theil) Die Gefässe erscheinen nur in der ersten Entstehung einzeln, später, durch Hinzutretung neuer, Gefässbündel.

b) Milchsaftgefässe (kommen in den meisten Pflanzen nicht vor.) Milchsaft enthält stets Kautschuk, daher sehr klebrig. Milchsaft |26 in röhrenförmigen Kanälen enthalten, unter einander verzweigt. Im jüngsten Zellgewebe der milchsaftführenden Pflanzen entstehn noch vor den Spiralgefässe Spiralgefässen Gänge, führen anfangs farblosen, dann körnigen, endlich milchigen Saft. Diese Gänge, anfänglich nur v. den Wandungen der sie umgebenden Zellen gebildet, kleiden sich allmälig mit eigner, Anfangs sehr dünner, mit der Zeit stärker werdenden Haut aus.

d) Zellgewebe.

Entsteht aus der Zusammenstellung der Zellen, nach Art der darin herrschenden Zellenform sehr verschieden

Parenchym, Füllgeweb, aus Zellen der einfachsten Form. Langgestrecktes, regelmässiges (unregelmässig, wenn die Zellen locker bei einander liegen, sich wenig berühren)

Prosenchym, Holzzellgeweb, besteht aus dickwanstigen, langgestreckten Holzzellen.

Cambialzellen, zartwandiges u. sehr klares Gewebe. Cambium od. Bildungsgewebe.

Gefässbündel Zusammenstellung v. Gefässen verschiedner Form mit den Holzellen Holzzellen u. dem Bindungsgewebe, unterscheiden sich deutlich v. dem sie umgebenden Parenchym. Simultane Gefässbündel, wo das ganze Gefässbündel ziemlich gleichzeitig entsteht (z. B. Farnkräuter), Geschlossene, wo sich das Gefässbündel nur zeitlang sich vergrössert (Palmen u. Gräser z. B.), ungeschlossne (alle unsere Bäume), wo es sich vergrössert, so lang das Leben der Pflanze dauert.

Oberhaut (Epidermis) schliesst alle jüngern Pflanzentheile u. die, welche grün bleiben, nach aussen ab. Gebildet aus sehr flachen tafelförmigen Zellen, schliessen eng aneinander, mit Ausnahme einiger Stellen, wo an den meisten Pflanzen Spaltöffnungen. Deren Standorte, ja 1000ende besonders auf der untern Seite der Blätter, stehn mit den  Bei Schoedler, S. 442: Zellenzwischengängen
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Zwischenzellengängen
in Verbindung; durch diese Organe steht das Innere der Pflanzen in vielfacher Weise mit der aüssern Luft im Berührung.

Haare: einzelne Zellen der Oberhaut sehr in die Länge gezogen; Borsten, Stacheln, Drüsen, Warzen, u. Korksubstanz – Umbildungen der Oberhautzellen.

e) Zellenzwichenräume Zellenzwischenräume.

Die rundlichen u. eckigen Zellen liegen nie so dicht neben einander, dass ohne Zwischenräume, bald ziemlich gross, bei dichten Geweben fast unsichtbar klein. Die Zellenzwichengänge Zellenzwischengänge , meist 3kantig, unter einander in Verbindung, mit Luft od. wässriger Flüssigkeit gefüllt.

Luftgänge – in den Stengeln vieler Pflanzen, besonders Wasserpflanzen – zahlreiche, mitunter sehr weite u. regelmässige Kanäle, die Luft enthalten; verlaufen nach der Länge des Stammes.

Lücken im Innern des Stammes entstanden durch Absterben u. Zerreissen des Zellgewebes, so dass Innere der Gräser hohl erscheint. Werden zu Saftbehältern mit Oel, Harz, Gummi etc.

B) Zusammengesezte Organe.

I) Ernährungsorgane.

1) Wurzel.

Niedrigsten Pflanzenbildungen nur regellose Aneinanderordnung der Zellen, bilden flockiges od. krustiges Lager.

Durch alle übrigen Pflanzen kann man Linie gelegt denken – Pflanzenaxe – deren ursprüngl. Richtung immer senkrecht zur Oberfläche der Erde.

Wurzel wächst in der Sicht abgewandter Richtung, in entgegengesezter Richtung Stamm; Grenze zwischen beiden Wurzelholz, od. wenn durch besondre Bildung, z. B. Anschwellen ausgezeichnet, Wurzelkopf.

Nebenaxen u. Seitenorgane – Aeste u. Blätter.

 Gliederungszeichen von Marx.
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a)
Einfache Wurzel. Ganz od. getheilt. Pfahlwurzel; dagegen Thauwurzeln die nach der Seite auslaufenden Aeste.

Fadenförmige, walzenförmige, spindelförmige, rübenförmige, knotenförmige, knollige, handförmige Wurzeln.

 Gliederungszeichen von Marx.
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b)
Zusammengesetzte Wurzel. Haarförmig od. faserig od. büschelförmig.

Mehrzahl der Pflanzen wurzelt im Erdboden; schwimmende im Wasser befindliche Wurzeln; Pflanzen, namentlich Bäume der heissen Zone, entwickeln an einem oberirdischen Theil des Stamms s. g. Luftwurzeln, die sich nach dem Boden hin verlängern, diesen endlich erreichen u. darin wurzeln.

 Gliederungszeichen von Marx.
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c)
Verrichtung der Wurzeln: Pflanzen in Boden od. sonst geeignetem Standort zu befestigen. Dann zur Aufnahme des bedeutendsten Theils der Pflanzennahrung; saugt aus ihrer Umgebung Wasser u. die in ihm aufgelösten Stoffe; entwickelt sich in die Richtung, aus der die Nahrung kommt, wächst ihr entgegen, oft durch Risse u. Spalten der Gesteine.|

27

2) Stamm.

So lang saftig u. grün nimmt er auch Stoffe v. aussen auf u. stets Vermittler zwischen Thätigkeit der Wurzel u. der Blätter.

Zwei Hauptformen des Stamms; niedrige (kaum od. gar nicht aus dem Boden sich erhebend), verdickter, unterirdischer od. wurzelähnlicher Stamm, heist heisst Stock, der langgestreckte, walzenförmige der eigtl. Stamm.

1) Formen des Stocks: a) Zwiebel, b) Knollen, c) Wurzelstock (Rhizom). Auf dem Stamm der Zwiebel sitzen dicke Blattscheiden, die in ihren Achseln Knospen tragen; Knollen hat keine Blatthüllen, sondern nur Knospen; Wurzelstock ein verzweigter Knollen od. unterirdischer Stamm, v. der Wurzel nur unterschieden durch die an ihm auftretenden Knospen.

2) Formen des eigentlichen Stamms. a) Moosstengel. b) Halm. c) Palmstamm. d) Stengel. e) Holzstamm.

Die Dauer des Stamms, die in der Regel die der ganzen Pflanze mitbegreift[,] überlebt die einmalige Hervorbringung v. Frucht u. Blüthe od. nicht; ferner verschieden die Zeit, die zur Erzeugung jener Organe erforderlich.

Einjährige od. Sammenpflanzen ⊙ od. (1) neben deren Namen: Zweijährige Pflanzen ♂ od. ⚇ (2); Mehrjährige od. ausdauernde ♃ od. (o-c).

3) Innerer Bau des Stamms; ganz unabhängig v. seiner äussern Form. Seine Verschiedenheit hauptsächlich abhängig v. gegenseitigem Verhältniss des Zellgewebs u. der Gefässbündel, die die Masse des Stamms ausmachen, namentlich v. der Art, wie die Gefässbündel zu einander gestellt od. geordnet sind.

a) Stamm der Akotylen (Pflanzen, die keine deutlichen Blüthen od. Samen haben, sich durch s. g. Keime od. Sporen fortpflanzen u. in deren Stamm alle Gefässe simultane u. in der Mitte od. in einzelnen grösseren Partien zusammengestellt sind.) U. a. die Schachtelhalme, Lykopodien, MooseGefässbündel in der Mitte des Stamms; Farren, wo die Gefässe theils in grösseren Gruppen, theils einzeln stehn. Bei den Akotylen setzen die Gefässbündel nur an der Spitze neue Theile an od. wachsen dort fort.

b) Stamm der Monokotylen. (Pflanzen mit Blüthe u. Samen, die beim Keimen nur Ein s. g. Keimblatt od. Samenlappen (cotyledo) entwickeln, ihre geschlossnen Gefässbündel scheinbar ohne Ordnung im Zellgeweb des Stammes vertheilt, Blattnerven verlaufen parallel) Palme z. B. Ihr Stamm wächst nicht fort durch stete Verlängerung des vorhandnen Gefässbündels, sondern im Umfang des Stamms treten neue Gefässbündel auf, die bis zur Spitze desselben sich erstrecken; ein solcher Stamm wächst daher sowohl an Spitze als an Umfang.

c) Stamm der Dikotylen. (Pflanzen mit Blüthe u. Samen, entfalten beim Keimen zwei od. mehre Keimblätter, Gefässbündel ungeschlossen, regelmässig in Kreise gestellt, Blattnerven netzartig verzweigt.)

Gefässbündel stehn in Kreis um Mittelpunkt, der aus Markzellen besteht u. Mark genannt wird. Das Wachsthum findet sowohl an der Spitze der Gefässbündel statt als auch dadurch, dass neue Kreise v. Gefässbündeln im Umfang sich einschieben.

Von aussen nach innen: 1) [die] fast quadratischen Zellenschichten bilden die Oberhaut, 2) folgt das lockere Zellgeweb v. Rinde; dieses umgiebt das 3) darauffolgende halbmondförmige Bündel v. Bastzellen; dieses wird getrennt durch 4) Lage v. Bildungsgeweben v. dem nach innen folgenden 5) aus Gefässen u. u. langgestreckten Zellen bestehenden Theil des Gefässbündels, theils an den dickern Wände Wänden, theils durch grössere Weite kenntlich.

Das Bildungsgewebe, Cambium, tritt zu beiden Seiten des Gefässbündels heraus u. sezt sich bis zu den nächsten Gefässbündeln fort, bildet so ununterbrochnen Kreis im ganzen Umfang des Stammes. Die zwischen den Gefässbündeln sich durchziehenden Partien des Gewebes heissen Markstrahlen. Am Bildungeweb entstehn die neuen Gefässbündel, die alljährig den Umfang des Stamms vergrössern. Jedes neue Gefässbündel schiebt sich (als im Bildungsgeweb entstehend) zwischen den Holzkörper u. die mit der Rinde verbundne Bastschicht ein, u. im zweiten Jahr entsteht so neuer Kreis v. Gefässbündeln. Jahresringe. Basttheil ungleich kleiner als der Holztheil des Gefässbündels u. das Zellgewebe der Rinde nimmt nur unbedeutend zu.

Mit der Zeit verschwindet Mark fast ganz. Markstrahlen noch erkennber in der Richtung, wo sie zwischen den Gefässbündeln hinziehn, Holz leicht spaltbar, zeigt reine Spaltungsflächen, Spiegel.

Aüsseren Jüngeren Ringe geringere Ringe weicher als die härteren älteren; Splint jüngeres Holz, älteres reifes Kernholz. Auch Farbenunterschied zwischen beiden.

Verholzen [geschieht] dadurch, dass die Holzzellen, die den grössten Theil der Gefässbündel ausmachen, durch die innere Ablagerung neuer Schichten ihre Wände allmälig verdicken, daher mit zunehmendem Alter stets ungeeigneter f. Saftleitung, trocknen endlich ganz aus.

Verändrungen der Rinde. Korkbildung. Borke, Korkschicht vermehrt aüssere Zellenschicht der Rinde durch schwammig Zellgeweb; Borke Zuwachs des innren Theils der Rindenzellenschicht.

Der Reihe nach v. aussen nach innen folgende Theile im älteren Holzzstamm Holzstamm:
1) Rinde – bestehend aus Korkschicht, Borke u. Bast –; 2) Bildungsgewebe od. Cambium; 3) jüngeres Holz od. Splint; 4) Kernholz (älterem Holz), u. endlich 5) Mark.|

28

Verrichtung des Stammes: Saftleitung v. der Wurzel aus; uralte Eichen, Ulmen, Weiden, wo ganze innere Holzkörper u. Mark fehlt, dennoch fortwährend sich in jedem Frühling reichlich zu belauben u. neues Holz zu bilden. Daher die saftleitenden Theile des Stammes die jüngsten, also innersten Bastschichten, das Bildungsgewebe u. das jüngste Holz od. Splint. Borkenkäfer sitzen in jenen zarten saftreichen Schichten, zerstören sie oft ringsrum vollständig, richten mitunter ganze Nadelhölzer zu Grund.

3) Die Blätter.

Niemals an den unterirdischen Theilen der Pflanzen. An Stamm od. Stengel an verschiednen Stellen. Mit den untersten beginnend:

a) Keimblatt (Cotyledo) od. Samenlappen [,] fällt nach der Entwicklung der übrigen Blätter ab. b) Wurzelblätter, in der Nähe der Wurzeln. c) Stengelblätter. d) Nebenblätter stehen am Grunde der Stängelblätter. e) Deckblätter; an den höheren Stellen einer Haupt- od. Nebenaxe der Pflanze, tragen in ihren Achseln stets eine Blüthe, unterscheiden sich durch bes. Form v. den Stängelblättern. Stengelblatt v. wesentlichster Bedeutung; v. ihm die Rede, wenn man einfach v. Blatt spricht.

α) Blattform

Die Blätter am Ende der Axen weichen so sehr v. der gewöhnlichen Blattform ab, dass man sie als besondres Organ – Blüthe nennt.

Blattscheide. Blattstiel. Achsel, der Winkel, den das Blatt mit dem Stamm bildet. Grund – Stelle, wo das Blatt am Stamm oder am Blattstiel aufsitzt.

Blattnerv, das v. Stamm in das Blatt ausbiegende Gefässbündel; Krummnervige (parallenervige parallelnervige) Blätter nur bei den Monokytolen Monokotylen (Gräsern, Lilien u. s. w.) wenn sich das Gefässbündel gleich beim Eintritt ins Blatt in mehre das Blatt ziemlich parallel der Länge nach durchlaufende u. an dessen Spitze sich wieder vereinigende Nerven theilt. Zweite Art der Nerventheilung: Haupt- oder Mittelnerv geht durch das ganze Blatt u. sendet nach beiden Seiten die Seitennerven aus. Diese entweder parallel, – gefiederte Nerven – od. netzförmig verbreitet, Adern. Diese Vertheilung nur bei den Dikotylen.

Bei den bisher erwähnten Blättern [liegen der] Blattstiel u. dessen Fortsetzung, Haupt[-] u. Seitennerv, in einer Ebne. Das schildnervige Blatt dagegen: Blattnerven bilden einen Winkel mit dem Blattstil. (z. B. Capucinerkresse, Tropaeolum)

Die Form des Blattes lässt sich immer durch das Längenverhältniss der Hauptnerven zu den Seitennerven unterscheiden.

Ferner Formunterschiede an der Spitze des Blatts; an seinem Grunde od. unterm Ende; an seinem Rande.

Zusammengesetztes Blatt, wo an beiden Seiten eines Hauptblattstiels kleinere BlattStiele mit besondern Blättern sitzen. (Gefiederte u. fingerförmige)

Endlich verschiedne Beschaffenheit der Oberfläche des Blatts.

β) Innerer Bau des Blatts: Besteht aus einem in gewisser Weise vertheilten Gefässbündel, dessen Zwischenräume mit Markzellgeweb ausgefüllt. Aüsserste Schicht des Blatts die durchsichtige Oberhaut, mit ihren Spaltöffnungen; übrigen Zellen enthalten Blattgrünkörner.

γ) Verrichtung der Blätter: Hauptsächlich durch die Spaltöffnungen 1) Verdunstung v. Wasserdampf; 2) Aufnahme u. Auscheidung Ausscheidung v. Gasen. Die Blätter im Stande auch direkt aus der Luft Kohlensäure u. Wasserdampf aufzunehmen u. so zur Ernährung der Pflanze mit beizutragen. Die Verrichtungen der Blätter kommen übrigens allen grünen u. mit Spaltöffnungen versehnen Theile Theilen der Pflanzen zu. Blätter u. grünen grüner Theil scheiden beim Sonnenlicht Sauerstoff aus (in der Nacht saugen sie ihn ein u. geben Kohlensäure ab); die nicht grüngefärbten Theile, Blüthen namentlich u. am stärkten Staubgefässe nehmen aus der Luft Sauerstoff auf u. geben ihr Kohlensaüre zurück.

II) Vermehrungs- u. Fortpflanzungsorgane.

Bei den AkotylenKeimzellen od. Sporen; trennen sich leict leicht v. der Mutterpflanze u. vegetiren, in den Boden der Umgebung zerstreut, sogleich selbsständig.

Bei allen übrigen Pflanzen: an gewissen Stellen der Blüthe entstehn Samenknospen (gewöhnlich Eier genannt), nehmen einzeln Körnchen des Blüthenstaubs auf, bilden sich zu Embryo (sehr kleinem, aber vollständigem Pflänzchen.) Stillstand dann; ganze Gebild fällt v. Mutterpflanze ab; heisst nun Samen.

Knospen als Mittel der Fortpflanzung; entstehn an Zweigen, Blättern, Knollen u. Zwiebeln.|

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a) Knospe od. Auge: Endknospe (an der Spitze der Hauptaxe), Seitenknospe, wenn Spitze eines Zweigs. Die am Umfang des Stammes od. Zweigs auftretenden Knospen sitzen immer in der Achsel eines Blattes.

Die Knospen können sich zu selbstständiger Pflanzenaxe bilden, an welchen die in der Anlage gedrängten Blättchen durch das Wachsen in angemessne Entfernung gestellt erscheinen u. woran im Lauf der Zeit neue Knospen entstehn.

Blüthenknospe od. Fruchtauge u. Blattknospe od. Holzauge.

Entweder entwickeln sich aus den Knospen seitliche Ausläufer am Pflänzchen (Erdbeere z. B.), od. auf künstl. Weg durch Ableger oder durch Stecklinge.

Oculiren (Aüglen Äugeln) wenn nur eine Knospe v. einer Pflanze auf die andre übertragen wird, Propfen, wenn gleichzeitig mehre versetzt werden.

b) Zwiebel: Eine Knospe, deren Deckblätter verhältnissmässig gross, dick u. saftreich sind; vorzugsweis am unterirdischen Stamme, doch auch am oberirdischen in den Blattachseln (bei der zwiebeltragenden Lilie u. Lauch)

Entwickelt v. der Mutterpflanze getrennt ihre Axe nach beiden Richtungen, indem sie Wurzel u. Blätter entwickelt; erzeugt neue Knospen od. Brutzwiebeln, vertrocknet dann u. stirbt ab. Triebkraft mindestens ein Jahr, wenn vor Fäulniss bewahrt. (also vor Nässe)

c) Knollen: Tragen weniger die Merkmale der Blätter an sich, wie die Zwiebel, sondern Anhäufung v. Markzellgeweb, das viel Wasser, Stärke u. Schleim in sich birgt. Die Knollen in der Regel mit mehren Augen. Triebkraft wie sub 2) b).

d) Die Blüthe.

1) Kelch. 2) Krone, 3) Staubfäden. 4) Stempel. 5) Frucht. 6) Samen.

1) Kelchblätter od. Kelch. Nähern sich durch ihre meist grüne Farbe u. derbere Beschaffenheit noch sehr den Stängelblättern. Fehlt nich nicht selten, wenn er beim Aufblühen abfällt. Wenn die inneren Blüthentheile nur von einem aüsseren Blattkreis umgeben, wie bei Tulpe, heisst sie Hülle (unentschieden, ob Kelch, ob Krone). Von einander freie Kelchblätter bilden mehrblätterigen Kelch, wenn mit ihren Seitenrändern verwachsen, einblätterigen. Untere Theil des Kelchs heisst Schlund. Verschiedne Formen des Kelchs.

2) Krone od. Kronenblätter. Die eigentlichen Blumenblätter. Man unterscheidet Blattfläche u. den untern zuweilen stielartigen Theil, Nagel (z. B. bei der Nelke ziemlich lang). Verschiedne Form der Kronenblätter; schmetterlingsartige (aus 5 Blättern) Krone; lippenförmige

3) Die Staubblätter od. Staubfäden: unterer meist fadenförmige fadenförmiger Theil – Faden od. Träger, u. oberer, küglicher od. länglicher Schlauch mit staubartigem Inhalt, Staubbehälter (Anthere). Faden fehlt nicht selten, od. vielmehr so verkürzt od. mit andren Blüthetheilen verwachsen, dass der Staubbehälter sitzend od. ungestielt genannt wird.

Inhalt des Staubbehälters der Pollen od. Blüthenstaub, Körnchen v. Durchmesser v. 1/201/300 Linie. – runzliche rundliche Schläuche, mit körniger Flüssigkeit. Staubbehälter befeuchten nur die Samenknospe nach ihrem Aufspringen. Natürliche u. künstliche Bestaubung.

4) Die Fruchtblätter od. Stempel (Pistille), vierter u. lezter Blattkreis der Blüthe; stehn in Mitte derselbe derselben, an der Spitze der Axe, deren Wachsthum mit dem Hervorbringen der Frucht abgeschlossen.

Fruchtblätter nähern sich in Bildung wieder den Stängelblättern, theils durch grüne Farbe, theils durch Bau der namentlich bei ihrem Heranwachsen zur Frucht die entschiedenste Blattähnlichkeit zeigt. Stempel entsteht aus einem Blatt durch Einwärtsbiegen seiner Ränder u. deren Verwachsen, während der Mittelnerv zu einem längren Theil fortwächst. Die Stelle, wo die Ränder des Fruchtblattes verwachsen – Naht; an dieser entwickelt entwickeln sich gewöhnlich die Samenknospen, die Anlage der künftigen Frucht.

Stengel zerfällt in den unteren, etwas dickeren, der die Fruchtanlagen einschliesst, Fruchtknoten; geht über in hohlen, fadenförmigen Theil – Griffel od. Staubweg; dieser trägt an seinem obern Erde die Narbe, bald in Form eines Federchens, bald einer Vertiefung, mit einem klebrigen Saft bedeckt. Griffel fehlt nicht selten, Narbe in diesem Fall auf dem Fruchtknoten sitzende.

Blüthe enthält nur ein Fruchblatt od. mehrere; v. diesen jedes zu Stempel ausgebildet od. unter einander verwachsen; meist lässt sich aus der Anzahl der Griffel, od. wo diese fehlen, aus der der Narben bestimmen, wie viele Fruchtblätter vorhanden waren. (Bei Nadelhölzern z. B. fehlen Stempel gänzlich, obgleich Samenknospen vorhanden.)

Gegenseitiges Verhalten der Blüthentheile: Spitze des Stammes, an welchem die 4 Blattkreise der Blüthe auftreten, die Blüthenaxe. Jeder aüssere Blattkreis unter seinem innern stehend (Blüthenaxe dann etwas kegelförmig, so dass Staubblätter unter Fruchtblätter, Kronenblätter unter Fruchtblätter, Kelchblätter unter Kronenblätter[)]unterständig (hypogynus); wenn Ring bildend (die aüssern Blattkreise um die Spitze der Blüthenaxe), so dass sie in ziemlich gleicher Höhe dem Stempel umstehn, so die Blüthe umständig (perigynus); wenn über Spitze der Axe (der Ring mit seinen Blüthentheilen) in Bezug auf den Stempel – oberständig (epigynus).|

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α) Zwitterblüthen – wo Stauborgane u. Fruchtblätter vorhanden; Männliche Blüthen, wenn sie nur Staubfäden enthalten, Weibliche, wenn nur Fruchtblätter; geschlechtslos, wenn beide innere Blattkreise fehlen. Bei einigen Pflanzen – wie Haselnuss u. Eiche – männliche u. weibliche Blüthe auf Einem Stamm (einhäusig); wenn auf verschiednen Stämmen derselben Art, wie bei Weide, Hanf, Hopfen – zweihäusig.

β) Zufällige Blüthentheile wie Kranz (Mittelding zwischen Krone u. Staubblatt), Schuppe od. Schüppchen, Honigbehälter (Nectarinen) (Höhlungen in den Kronblättern mit zuckrigem Saft erfüllt.)

Blüthenstand: (Verhältniss der Blüthe als Ganzes zu andern Blüthen u. zum ganzen Stamm)

γ) Blüthenstiel, Haupt[-] oder Seitenaxe, woran die Blüthenblätter sich entwickeln. Wenn sehr verkürzt – die Blüthe ungestielt od. sitzend.

Endblüthe (wo sie das Wachsthum einer Hauptaxe beschliesst), sonst Seitenblüthe; wenn aus der Achsel eines Blatts (Blattwinkel) entspringend, achselständige Blüthe. Ganz einfache Stengel, wie bei Tulpe, einblüthig (erzeugt eine einzige Endblüthe); jeder ästige Stengel ist mehrblüthig.

Bei nicht vereinzeltem, sondern gedrängtem Blüthenstand zu unterscheiden: Spindel (der gemeinschaftliche Blüthenstiel) woran in der Regel kleine Blättcher, Deckblättchen, aus deren Achseln die gestielten od. ungestielten einzelnen Blüthen entspringen; wenn die untern Deckblätter keine Blüthen in ihren Achseln enthalten, bilden sie an einander gereihte, gemeinschaftliche Hülle um alle Blüthen der Spindel. (Sonnenblume)

Von Länge, Dicke, Breite der Spindel, v. der Länge der Stiele der einzelnen Blüthen u. v. Form u. Beschaffenheit der Deckblättchen hängt hauptsächlich die äussere Erscheinung des Blüthenstands ab, wovon Hauptformen:

Die Aehre; das Kätzchen; der Kolben; der Zapfen; die Traube od. das Träubchen; die Rispe; der Strauss; die Doldentraube; die Schein- oder Trugdolde; die Dolde od. der Schirm; das Köpfchen.

5) Die Frucht.

Blüthe welkt u. vertrocknet, nachdem Blüthenstaub auf Fruchtanlage übertragen. Nur die Samenknospe mit ihrer Umgebung, folglich die Fruchtblätter, gehn ihrer Entwicklung od. Reife entgegen, verändern sich bedeutend. Nicht selten nehmen auch Deckblätter u. Kelch im Verlauf der Ausbildung der Frucht neue Form an.

Wesentlicher Theil der Frucht [ist] der Samen; umgebenden Gebilde: Fruchthülle u. Fruchtdecke, deren Form das aüssere Ansehn u. die Benennung der Frucht bedingt.

Die innere Anordnung der verschiednen Fruchttheile Resultat der Stellung u. Verwachsung des Stempel u. ihrer Anzahl.

Die Fruchblätter Fruchtblätter (Stempel) nehmen den obersten Theil der Blüthenaxe ein, der Fruchtaxe heisst. Sie endigt in ein einziges Fruchtblatt; dann ist der Fruchtknote Fruchtknoten einfächrig; od. die Fruchtaxe ist von mehren Fruchtblättern umgeben, wo es v. ihrer Verwachsung abhängt, ob Fruchtknote Fruchtknoten ein- oder mehrfächerig. Schon im Fruchtknoten liegt die Andeutung der künftigen Form der Frucht. Die zur Fruchthülle ausgewachsnen Fruchtblätter springen bei Sonnenreife gewöhnlich ganz od. theilweis auf, meist an der durch Verwachsung entstandnen Naht. Die Fruchtblätter umgeben den Samen unmittelbar als Samengehaüse; haüfig tritt dazu noch Fruchtdecke, hervorgegangen aus Weiterbildung der Krone od. des Kelchs, u. endlich mitunter der Fruchthülle, aus veränderten Deckblättern bestehend.

Je nachdem diese früheren Blüthentheile während der Fruchtreife besondre Bildung annehmen, entstehn die eigenthümlichen aüssern Fruchtformen, bald blattartig bleibend, bald lederartig werdend, od. steinhart, markig, fleischig etc[.] Diese aüssern Fruchttheile enthalten nicht selten eine Anhäufung v. Zellengeweb, das Stärkemehl, Zucker, Schleim, Fette od. Säuren enthält, wodurch diese unwesentlichen Theile f.  Bei Schoedler, S. 474: unsere Lebenszwecke
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die Oekonomie
oft wichtiger\wesentlicher als der Samen.

Die wichtigeren Fruchtformen:

α) Einblättrige:

  • Offenfrucht (Same liegt frei in der Achsel der verholzten Fruchthülle; Zapfen der Nadelhölzer)
  • Hülse (legumen); ein einziges Fruchtblatt, an dessen Naht die Samen angeheftet. (Hülsenfrüchte: Bohnen u. s. w.)
  • Balgfrucht; mehre kleinere Hülsen stehn meist paarweis beisammen (Rittersporn, Immergrün etc.)

β) Mehrblätterige Frucht:

  • Die Kapsel; ⦗2 od. mehre Fruchtblätter mit einander verwachsen, entweder nur mit den Rändern (einfächerige Kapsel [)], od. mit theilweiser (Mohn) od. gänzlicher Einschlagung der Ränder u. Verwachsung mit der Fruchtachse (mehrfächerige Kapsel [)] (Veilchen, Reseda).⦘
  • Die Schote (Siliqua) ⦗Levkoje, Kohl⦘
  • Die Schalfrucht (Karyopse) ⦗Gräser, Ranunkel, Lippenblumen⦘
  • Die Schliessfrucht (Achäne) ⦗Sonnenblume, Distel etc⦘;
  • Die Nuss ⦗Eichel etc⦘
  • Die Beere ⦗Traube etc⦘ ⦗Gurke, Melone⦘|
  • 31
  • die Steinfrucht (Pflaume, Mandel, Olive)
  • Die Apfelfrucht ⦗Apfel, Birne, etc.⦘
6) Samen.

Samenknospen, stets am Ende einer Pflanzenaxe, deren Wachsen sie abschliesst; ursprünglich Gestalt eines minimen, weissen, aus Zellgeweb bestehenden Knöpfchens (früher Ei genannt.) Im Innern der Samenknospe bildet eine Zelle v. beträchtlicher Grösse eine kleine Höhlung – Keimsack.

Samenknospe bildet sich nur zum Samen aus, wenn Pollenkörnchen v. den Staubbehältern der Blüthe in die Samenknospe geräth, in das Keimsäckchen eindringt u. Befruchtung bewirkt.

Bei manchen Pflanzen, z. B. Nadelhölzern, hat die Stellung der Samenknospe noch grosse Aehnlichkeit mit der gewöhnlichen Knospe, indem sie in den Achseln vieler, dicht am Ende der Pflanzenachse zusammengedrängter, schuppenartiger Blätter hervorbricht, ohne alle Bedeckung – nackte Samenknospe. ⦗Später entwickelter Samen ebenfalls nackt unter den Schuppen der Tannenzapfen⦘

Die Mehrzahl der Pflanzen erzeugt ihre Samenknospen in den blattartigen Gebilden der Stempel od. Fruchtblätter. Hier: Durch die Narbe, unmittelbar od. vermittelst des röhrenartig verlängerten Staubwegs od. Griffels gelangt das Pollenkorn zu dem im Grunde dickeren Theile, dem Fruchtknoten, in dessen Fruchtknotenhöhle eine oder mehre Samenknospen.

Bei verschiednen Pflanzen bedeutende Abweichungen im Bau der Samenknospe.

Um die eigentliche Knospe – Knospenkern – bildet sich bald eine einfache, bald doppelte Knospenhülle, die sich jedoch nicht schliesst an der Spitze des Knospenkerns, sondern als Knospenmund geöffnet bleibt; Grade u. aufrechte Knospe, wo der Knospenmund dem  Bei Schoedler, S. 476: Anheftungspunkt
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Anheftungsgrund
der Knospe gegenüberliegt; jener liegt neben diesem dagegen wo durch Krümmungen der Samenknospe selbst od. durch die Umbiegung ihres unteren verlängerten u. dann Knospenträger genannten Theils Formen entstehn, die man als umgekehrte, halbumgekehrte u. gekrümmte Samenknospe bezeichnet.

Knospenmund, Knospenkern, Keimsack, Innere u. aüssere Knospenhülle, Knospengrund.

Nachdem in Folge [der] Ausstreuung des Blüthenstaubs Pollenkorn auf die Narbe gefallen, schwillt dasselbe etwas an, wächst allmälig an einer Stelle zu einer fadenförmigen Zelle, s. g. Pollenschlauch. Dieser dringt, indem er fortwächst, durch die Narbe u. bei Vorhandensein eines Griffels (Staubwegs) auch durch diesen in den Fruchtknoten u. tritt endlich durch den Knospenmund in den Keimsack des Knospenkerns einer daselbst befindlichen Samenknospe. Die Befruchtung vollendet u. beginnt sofort Entwicklung v. neuem Zellengeweb an der Stelle, wo der Pollenschlauch eingetreten ist. Das anfangs rundliche Häufchen v. Zellen nimmt alsbald eine bestimmte Form an u. erscheint endlich als ein kleines, selbstständiges Pflänzchen, Keim od. Embryo, versehn mit einer beblätterten Knospe u. einem Würzelchen.

Mit der Ausbildung des Keims entsteht durch Vermehrung des Zellgewebs der s. g. Eiweisskörper, der den Keim bei manchen Pflanzen gänzlich, bei andern theilweis einschliesst. Das Zellgeweb des Eiweisskörpers enthält am gewöhnlichsten Eiweiss, Stärke od. Oel, Zucker u. a. Stoffe, die dem Keime die zu seiner ersten Weiterentwicklung nöthige Nahrung liefern. Nicht selten auch Pflanzen, deren Samen ohne Eiweisskörper, nur aus Keim bestehend. Die Hüllen der Samenknospen erscheinen am gereiften Samen als Samenhäute in vielfach veränderter Form.

Der Keim unterscheidet sich v. der gewöhnlichen am Stamm auftretenden Knospe bes. dadurch, dass der Keim eine zwar sehr verkürzte, aber doch vollkommene, mit einer Wurzel versehne selbsständige Pflanzenaxe ist, während die Ernährung der Knospe stets durch andre Pflanzentheile geschieht, so lange bis die kräftig gewordne Axe im Stande ist, Wurzeln zu treiben u. durch diese Nahrung aus dem Boden aufzunehmen.

C) Leben der Pflanzen.

Ernährung der Pflanzen (Assimilation od. Aufnahme der Nahrungsmittel.)

Die verschiednen Pfanzenstoffe Pflanzenstoffe bestehn aus
1) Flüchtigen Oele 1) C u. H
2) Pflanzensäuren, Holzfaser, Stärke, Gummi, Schleim, Zucker, Fette, Blattgrün, Harze, Farbestoffe 2) C, H u. O
3) Die organischen Basen 3) C, H, O u. N.
4) Pflanzeneiweiss, Fibrin u. Casein 4) C, H, O, N u. S.|
32

In den Aschen oder mineral. Bestandtheilen der Pflanzen findet man

Säuren und Metalloxyde
1) Kohlensäure  Zusatz von Marx.
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(CO2)
1) Kali  Zusatz von Marx.
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(KO)
2) Kieselsäure (Kieselerde)  Zusatz von Marx.
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(S : O3)
2) Natron  Zusatz von Marx.
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(NaO)
3) Phosphorsäure  Zusatz von Marx.
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(PO5)
3) Kalk  Zusatz von Marx.
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(CaO)
4) Schwefelsäure  Zusatz von Marx.
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(SC3)
4) Bittererde  Zusatz von Marx.
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(MgO)
(Magnesia)
5) Salpetersäure  Zusatz von Marx.
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(NO5)
(minder wesentlich)
5) Thonerde  Zusatz von Marx.
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(Al O3)
(minder wichtig)
6) Eisenoxyd  Zusatz von Marx.
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(Fe2 O3)
(dtto)
7) Manganoxyd  Zusatz von Marx.
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(Mn2 O3)
(dtto)

Ausserdem kommen hinzu:

Chlornatrium (Kochsalz), Chlorkalium u. in den Seepflanzen Jodnatrium u. Jodmagnesium.

Diese mineralischen Stoffen Stoffe aufgelöst im Saft der Zellen enthalten od. in Krystallform darin abgelagert.

Kohlensaure Metalloxyde, wie Kohlensaures Kali etc in der lebendigen Pflanze nicht enthalten; die Kohlensäure entsteht erst beim Verbrennen derselben durch Zerstörung der organischen Säuren, wie Kleesäure, Essigsäure etc. Aehnlich verhält es sich mit einem Theil der Phosphorsäure u. Schwefelsäure.

1) Kohlenstoff in Wasser unlöslich, worin Kohlensäure löslich. (Caktus u. Hauswurz wachsen auf humusfreiem Gestein; Vergissmeinicht, Kresse, Hyancinthen Hyacinthen in reinem Wasser gezogen) In 5000 Maasstheilen Atmosphäre nur 2 Maass Kohlensäure; so giebt ihr mittlerer Gehalt an CO2 = 8440 Billionen Pfd. Obgleich Wurzel die Kohlensäure in Wasser gelöst der Pflanze hauptsächlich liefert, können Blätter sie direkt durch ihre Spaltöffnungen der Luft entnehmen. Versuche haben gezeigt, dass einer kohlensäurehaltigen Luft ihr Gehalt an Kohlensäure entzogen wurde, als man sie durch einen Ballon leitete, der grüne Blätter od. grüne Zweige enthielt.

Ansicht herrschend, dass Kohlensäure in der Pflanze zersetzt wird, indem sie das C aufnimmt u. ihr O durch die Blätter ausscheidet. Thatsache, dass Blätter u. grüne, mit Spaltöffnungen versehnen versehne Pflanzentheile, unter Einwirkung des Sonnenlichts, Sauerstoff ausscheiden. Möglich auch  Bemerkung von Marx.
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(diess aus Schleiden genommen)
dass die Pflanze Kohlensäure unverändert aufnimmt u. das ausgeschiedne O daher rührt, dass sie das Wasser zersetzt, H assimilirt u. O ausscheidet.

Humus im Wasser ebenso unlöslich wie Kohle, daher als solcher v. der Pflanze nicht aufnehmbar. Aber das Hauptzersetzungsprodukt des Humus Kohlensäure; humusreicher Boden enthält davon grosse Menge u. sättigt das in ihn eindringende Wasser damit, so den Wurzeln der Pflanze dargeboten. Andre Zersetzungsprodukte des Humus – die für sich od. in Verbindung mit Ammoniak in Wasser löslich sind – Humussäure, Ulminsäure, Quellsäure. In humusreichem Boden überall vorgehende Verwesung, v. Wärmeentwicklung begleitet, wärmt also den Boden; abgesehn davon dass seine schwarze Farbe ihn den Wärmestrahlen der Sonne empfänglicher macht.

In der Nacht u. im Dunkeln (Kellern) können die Pflanzen neue Theile bilden, nimmt nehmen aber den Stoff dazu nicht v. aussen, sondern aus ihrer eignen Masse wie bei den im Finstern treibenden Schösslingen der Kartoffel. Manche Pflanzentheile, wie Blattgrün, der bittre Milchsaft u. das reizende Oel der Cruciferen, bilden sich nur unter dem Einfluss des Lichts. Die im Dunkeln wachsenden Pflanzen farblos. Dagegen bilden sich bei mangelndem Licht andre Stoffe in den Pflanzen wie Zucker im Weisskraut, Solanin in den Keimlingen der Kartoffel.

In der Nacht bildet sich Kohlensäure in der Atmosphöre um die Pflanzen; sie umgebende Luft übt oxidirenden Einfluss auf ihre Oberfläche aus, bei verschiednen Pflanzen höchst ungleich; am grössten bei solchen, die in ihren Drüsen leicht oxydirbares flüchtiges Oel enthalten.

2) Wasserstoff u. Sauerstoff: Bei den meisten  Bei Schoedler, S. 487: Pflanzentheilen
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Pflanzen
, die sie enthalten, stehn ihre Gewichtsmengen = 1 : 8 (wie in der Zusammensetzung des Wassers) Werden also in der Form v. Wasser u. fast ausschliesslich durch die Wurzel aufgenommen. Manche Pflanzentheile, namentlich die flüchtigen Oele u. Harze enthalten zwar H, aber gar kein O, od. weniger als obigem Verhältniss entspricht. Pflanze muss daher die Fähigkeit besitzen, Wasser in seine Elemente zu zersetzen; H in diesem Fall assimilirt, O durch die Blätter ausgeschieden.

Pflanze nimmt mehr Wasser auf als sie verbraucht, verdunstet den Ueberschuss durch die Blätter. Die Blätter besitzen die Fähigkeit, dampfförmiges Wasser aufzunehmen.

3) Stickstoff: Pflanzen enthalten ihn nur in geringer Menge, bes. im Zellsaft, namentlich der jüngsten Theile u. Triebe, u. in den Samen. Stickstoff bilden 4/5 der Atmossphäre, nicht daraus aufgenommen durch die Blätter. Aller in der Pflanze befindliche Stickstoff hat die Form v. Ammoniak  Zusatz von Marx.
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(NH3)
; sehr löslich in Wasser, gelangt mit dem durch die Wurzel aufgesaugten Wasser in die Pflanze. In dem rein mineral. Boden stickstoffhaltige Minerale selten; findet sich z. B. in Chilisalpeter = NaO (Natron, Natriumoxyd) + NO5 (Salpetersäure). Atmossphäre enthält Ammoniak in gewisser Menge, aufgesaugt v. Ackererde, namentlich |33 thon- u. humusreicher.

4) Schwefel in noch geringrer Menge in den Pflanzen enthalten als N, fehlt jedoch nie in den Proteinverbindungen Pflanzeneiweiss, Fibrin, Casein, die 1/2–2% S. enthalten.; durch die Wurzeln in Form v. Schwefelsäure; im Boden vorzugsweis angetroffen in Verbindung mit Kalk als Gyps. (Gyps = CaO, SO3 + HO.) Gyps in Wasser löslich u. zur Aufnahme mit ihm geeignet; es enthält ferner aller Dünger schwefelsaures Ammoniak.

5) Mineralische Pflanzenbestandtheile.

Verbindungen der Kieselsäure, Phosphorsäure u. Schwefelsäure mit Kali, Natron, Kalk u. Bittererde, ausserdem Chlorkalium u. Chlornatrium; ferner (seltner) Thonerde, Eisen- u. Manganoxyd, Salpetersäure u. Jod. Summe dieser unverbrennlichen Stoffe [bildet] nur geringen Theil v. Gewicht der Pflanze.

Von 100 Pfd Tannenholz geben Asche 8/10 Pfd, Eichenholz 21/2 Pfd., Weizenstroh 41/2 Pfd., Lindenholz 5 Pfd, Kartoffelkraut 15 Pfd. Blätter, Samen, Rinde enthalten mehr als Stamm u. Wurzel.

Es geben Asche: 100 Pfd Tannennadeln 8 Pfd, Eichenrinde u. Eichenlaub 8–9 Pfd.

Die v. verschiednen Pflanzen gelieferte Asche sehr verschieden zusammengesezt[.]

In reinem Quarzsand keimen u. wachsen z. B. Erbsenpflanzen, entwickeln aber nur Samen, wenn man dem Samen Sande Kalk- u. Kalipflanzen Kalisalze zusetzt. Die gemengten Felsarten – namentlich Granit, Basalt, Porphyr, Thonschiefer, Grauwacke, Lava etc enthalten alle in der Pflanze vorkommenden Metalloxyde u. liefern daher vorzugsweis fruchtbare Bodenarten.

In den Körnern der Getreidenarten u. in den meisten andern Samen Kalk u. Bittererde stets verbunden mit Phosphorsäure. Es enthalten 100 Pfd Asche v. Weizenkörnern 45 Pfd, v. gelben Kocherbsen 34 Pfd PO5. Phosphorsäure ursprünglich in Verbindung mit Kalk als Mineral, den Apatit bildend.

In vielen Pflanzen herrscht ein miner. Bestandtheil vor, Kieselsaüre in Weizen, Kalk in Erbsen, Kali in Wurzelgewächsen.

Kalipflanzen (dazu u. a. Wermuth, die Melde, Runkelrübe, weisse Rübe, Mais. )

Kalkpflanzen (Flechten, Klee, Bohnen, Erbsen, Taback)

Kieselpflanzen (Cerealien u. Gräser, sodann Heidekraut, Pfriemenkraut od. Ginster, Heidekorn, Akazie)

Bei weitem die meisten Pflanzen gehören nach den Bestandtheilen ihres Samens zu der einen u. ihres Stengels zu der andern Abtheilung u. solche Pflanzen sind im Allgemeinen einer grösseren Verbreitung fähig.

In dem Thonboden der Rheinpfalz nicht das honigreiche Heidekraut u. gelbe Ginster, die einige Stunden davon in den Thälern des Haardtgebirgs u. Odenwalds den Boden ganzer Wälder u. Bergabhänge bedecken.

Die Fähigkeit des Bodens Wasser aufzunehmen u. längere Zeit zurückzuhalten hängt v. seinem Thongehalt ab. Allzuviel Thon dem Boden eben so nachtheilig als Mangel. In diesem Fall Boden beständig nass, zusammenhängend, der Luft unzugänglich, beim Austrocknen hart, f. die Wurzeln undurchdringlich. Nur die schneidenden Riedgräser u. Binsen kommen auf dem reineren Thonboden kümmerlich fort u. werden als Thonpflanzen bezeichnet.

Mineralische Düngmittel: Wirkung des Gypses als Pulver vertheilt wird verschieden erklärt: Theils schreibt man die Wirkung dem Schwefel zu. Theils seinem Verhalten zu dem im Boden befindlichen kohlensauren Ammoniak; er zersetzt sich mit diesem in schwefelsaures Ammoniak + kohlensauren Kalk; ersteres wenig flüchtig u. mehr im Boden zurückgehalten als das sonst leicht in die Atmossphäre entweichende Ammoniak; u. der kohlensaure Kalk kann in kohlensaürehaltigem Wasser gelöst in die Pflanzen übergehn. Endlich Wirkung des Gypses aus seinem Kalkgehalt erklärt, da er bes. f. Kalkpflanzen, wie namentlich Klee förderlich. Leichter vertheilbar als feines Pulver als andre im Boden vorkommende Kalkverbindungen. Alles diess mag zusammenwirken.

Knochenmehl, bes. f. Weizenärnten. Stickstoffgehalt in der Knochengallerte, Phosphorsäure u. Kalk. Um so vortheilhafter, je feiner die Knochen zermahlen. Wirkung erhöht, wenn Knochenmehl mit Schwefelsäure angerührt.

Oelkuchen wegen ihres Gehalts an N u. PO5.

Die meisten v. der Pflanze aufgenommenen Salze in Wasser schwer löslich, daher ziemliche Zeit erfordert, bis das in den Boden gedrungne Wasser sich damit gesättigt.⦘|

34

Aus:
M. J. Schleiden: Die Physiologie der Pflanzen und Thiere und Theorie der Pflanzencultur. Für Landwirthe bearbeitet. Braunschweig 1850.
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Schleiden (Fortsetzung v. p. 25)

III) Leben der ganzen Pflanze.

A) Zeit der Keimung: (Pflanze entwickelt sich auf Kosten einiger ihrer Organe, die dabei erschöpft werden u. absterben. Sie verliert mehr als sie aufnimmt, ist daher am Ende dieser Periode bei weitem leichter, als am Anfang derselben.)

B) Zeit des Wachsthums: (Pflanze lebt ganz auf Kosten der Aussenwelt; nimmt fortwährend bedeutend mehr auf als sie abgiebt, gewinnt daher in allen Theilen gleichzeitig an Gewicht.)

C) Zeit der Blüthen- u. Fruchtbildung: (Fortpflanzungsorgane leben auf Kosten der ganzen Pflanze, welche dabei erschöpft wird u. abstirbt. Aufnahme vermindert sich allmählig bis zu gänzlichem Stillstand; gleichzeitig vertheilen sich die schon früher aufgenommenen Stoffe anders in der Pflanze, so dass einige Theile leichter, andre schwerer werden.)

A. Periode des Keimens.

Im engern Wortverstand versteht man unter „Keimung“ nur die Entwicklung des Keimes (der im Samen enthaltnen Pflanzenanlage) zur jungen Pflanze; hier jede beginnende Entwicklung der zur Vermehrung der Pflanze bestimmten Organe.

1) Bau der zur Vermehrung bestimmten Theile, reifer Samen, Knospe, Knollen.

In allen diesen Organen Hülfsorgane u. Keim zu unterscheiden.

a) Der Samen.

Bei reifen Samen – Schale u. Kern. Zu der Samenschale, z. B. bei Gräsern, noch eng mit derselben vereinigte Fruchtschale.

Kern besteht theils aus Keim, theils aus Hilfsorganen. Keim hat ein Würzelchen u. ein Knöspchen. Letzteres Anlage zu Stengel u. Blättern. Zwischen Würzelchen u. Knöspchen unverhältnissmässig gross entwickelte Blätter – Samenlappen (Cotyledonen), auch wegen ihres späteren Aussehns Keimblätter genannt. An dieser Stelle nur ein einziges Blatt, welches das ganze Knöspchen scheidenförmig umschliesst u. bis auf eine kleine Spalte f. den künftigen Austritt einschliesst, od. 2 solcher Blätter, flach auf einander gelegt, das Knöspchen zwischen sich nehmend, Monocotyledonen u. Dicotyledonen. (77)

In einigen Fällen der ganze Kern des Samens, nur v. Keim u. Samenlappen gebildet, die in diesem Fall sehr gross u. fleischig; im andren Fällen noch 3t Theil, einfache Zellgewebsmasse, die Samenlappen nebst Keim umgiebt, od. an einer Seite dieser Theile liegt. Diess Zellgeweb irrthümlich Eiweisskörper des Samens genannt (hat nichts m. dem chemischen Eiweiss zu thun, sondern kam daher, dass man in den Theilen des Pflanzensamens Aehnlichkeit mit Vogelei finden wollte[)]. (78)

α) Samen der Gräser u. Getreidearten (Monokotyledonen)

Bei allen grasartigen Gewächsen Same noch v. der dünnen Feuchtschale eingeschlosse eingeschlossen, bei vielen ausserdem noch durch die Spelzen umhüllt (wie bei Hafer u. Gerste)

Weizenkorn (78, 79) Haferkorn (79, 80)

Der s. g. Eiweisskörper bei allen Gräsern so gebaut, dass unmittelbar unter der Samenschale 1–3 Zellenreihen auschliesslich ausschliesslich mit Proteinverbindungen erfüllt, während die übrigen Zellen sehr viel Stärkemehl u. wenig Proteinverbindungen enthalten. Roggenkorn z. B. (beschrieben) Hence kleienfreies Brod viel weniger nahrhaft als Kleienbrot. Das Schroten des Getreides entfernt nicht nur Frucht- u. Samenschale, sondern mit der aüssersten Schicht des Eiweisskörpers den grössten Theil der Proteinverbindungen. Die Zellenwände des Eiweisskörpers nicht vollkommner Zellstoff, sondern aus gallertartiger Substanz gebildet, leicht zerstörbar daher u. lösen sich völlig auf beim Keimen wie beim Gährungsprocess. (80)

β) Samen der Lauch[-] u. Zwiebelarten (Monokotyledonen) (bilden mit Spergel, Lilien etc die Liliaceen)

Unter Samenschale grossen, theils öl- theils stärkehaltigen Eiweisskörper; sehr einfachen cylindrischen od. kegelförmigen, einsamigenlappigen einsamenlappigen Keim; bei Lauch[-] u. Zwiebelarten Keim gekrümmt, Würzelchen stumpf, Knöspchen klein, scheidenförmig letztres umschlossen v. dem langen Samenlappen, der während der Keimung fast vollständig aus dem Samen hervortritt, blattartig grün wird (dann v. Gärtnern die Peitsche genannt. 80, 81)|

35

γ) Samen der Hülsenfrüchte (incl. Kleepflanzen) u. Kohlpflanzen (od. Kreuzsblüthigen). (Dikotylen)

Im Kern Kein Eiweisskörper, ausser den zwei Samenlappen u. Keim.

Vgl. Pferdebohne (kleine Feldbohne) f. Hülsenfrüchte, Rapssamen f. Kreuzblüthigen. (81, 82)

δ) Samen v. Lein, Hanf u. den korbblüthigen Pflanzen. (Dikotylen)

Vgl. Leinsame (p. 83), Hanf (ib.), Korbblüthigen (Erdäpfel, Tampinour Topinambour, Madia) (p. 84)

ε) Samen der Doldengewächse (Mohre, Petersilie, Kerbel etc) (p. 84).
b) Bau der Knollen. (Knospen)

Knollen der Kartoffeln u. Erdäpfel (Topinambours) z. B. sind Fortpflanzungsknospen. Die Kartoffel bes. in einigen Sorten nur wenig veränderte Knospe.

Durchschnitt der kleinen Mandelkartoffel zeigt, wie z. B. die Knospe der Syringa (spanische Fliege spanischer Flieder): 1) Grund (Anheftungspunkt) der Knospe. 2) Spitze (äusserster Trieb) 3) Rinde, 4) Mark. 5) Die Gefässbündel der Stengelanlage in der Knospe. Hier erste Verschiedenheit; bei der (gewöhnlichen) Knospe die Stengelanlage ganz zart u. dünn, bei der Knolle wegen übermässiger Entwicklung v. Rindenzellgewebe u. Mark dick u. fleischig. Ausser der Stengelanlage besizt die Knospe noch junge Blätter; diese bei der Knolle bis zur blossen Andeutung verkümmert. Unter jedem s. g. Auge bei der Kartoffel kleine Erhabenheit – in die Quere gezogne Falte od. Wulst –; diess der ganze Rest des nicht zur Entwicklung gekommnen Blattes.

Knolle – unterirdische Knospe. Topinambours enthalten statt Stärkemehl – Zucker u. Inulin; auch erweiterte Zwischenzellengänge, hellgelbes, fettes Oel führend. (84–85)

2) Bedingungen des Keimens.

Sauerstoff, Feuchtigkeit, Wärme – Bedingungen der meisten chem. Processe überhaupt; dann normaler Zustand des Samens, richtige Saatzeit, richtige Lage im Boden u. Verhältniss zu Licht.

Erste Grundbedingung völlige Reife (obgleich hier gewisser Spielraum) u. normaler Zustand des Samens. (Reife, die Zeit in welcher sich die Samen in Folge der inneren Veränderungen in der Mutterpflanze v. dieser trennen) Bei unreifen Samen veranlasst der grössere Wasserreichthum übermässige Austrocknung u. in Folge dessen innere Zerreissungen. Unreif abgenommne Samen keimen schneller als völlig reife.

a) Saatzeit: Kommt in Betracht α) die Zeit, die seit der Reife verstrichen, u. die β) Jahreszeit.

α) Keimkraft (Fähigkeit des Samens sich unter günstigen aüsseren Verhältnissen zur Pflanze zu entwickeln) [hat] sehr verschiedne Dauer bei verschiednen Pflanzen u. bei derselben Pflanze unter verschiednen Umständen. Kaffeebohnen verlieren ihre Keimkraft schon nach 6 Wochen; Weizen, Erdbeeren etc erhalten sie sehr lang. Nach De Candolle’s Versuchen im Garten zu Genf, scheinen im Ganzen stärkemehlhaltige Samen ihre Keimkraft unter sonst gleichen Umständen am längsten zu bewahren, dann ölhaltige, endlich gerbstoffreiche am raschsten zur Entwicklung unfähig. (86–87) Zur Bewahrung der Keimkraft alle Einflüsse auszuschliessen, die einen Anfang des Keimens hervorrufen könnten – also gleichförmige niedrige Temperatur, völlige Trockenheit, eingeschlossne (nicht wechselnde[)] Atmossphäre) . Hierauf beruhn die Matamoren der Maroccaner ⦗u. germoirs der Franzosen⦘ zum Aufbewahren des Saatgetreides, 6–8 Fuss tiefe Gruben etc (p. 87–88)  Bemerkung von Marx.
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⦗Ditto bei alten Deutschen, jetzigen Russen etc⦘
Einige Samen – die der Wasserpflanzen – verlieren durch Austrocknung ihre Keimkraft. (88)

Kälte – selbst bis zu [minus] 40°R. – vernichten die Keimkraft nicht. (88) Wärme wirkt verschieden nach den Nebenumständen (nach Versuchen v. Edwards u. Collin). Z. B. Getreide verliert seine Keimkraft, wenn 1/4 Stunde in Wasser v. 40°R. (diess scheint Hauptgrund, [dass,] wo der feuchte Boden oft noch weit höhere Temperaturen annimmt, unsre Getreidearten nicht kultivirt werden können), in feuchter Atmosphäre bis 49°R. z. Theil keimfähig u. trockne Luft v. 60°R. schadet der Keimkraft bei viertelstündiger Einwirkung gar nicht. (l. c.)

Die vorher erwähnten Vorrichtungen halten nicht die im Samen vorgehenden unmerklichen Verändrungen auf; je älter der Samen wird, desto weniger Körner gehn auf; frische Samen zeigen viel üppigere Blatt- u. Stengelbildung, aber weniger zum Blüth- u. Fruchttragen geignet. (l. c.)

β) Jahreszeit. Gewisse Pflanzen gedeihn nur zu einer gewissen Jahreszeit; z. B. der Samen der meisten Bäume (unsres Klimas), Zwiebel u. Doldengewächse nur im Frühling. Die meisten Culturpflanzen [haben] freieren Spielraum; man kann die Samen der Getreidearten, Hülsenfrüchte, Oelpflanzen in jeder Zeit zum Keimen bringen.

b) Licht: Von der Natur Samen auf Oberfläche des Bodens geworfen, nicht mit Erde bedeckt; aber Boden hier nicht nackt, im Schutz abgefallner Blätter, dünner Stengel, andrer Kräuter, so gegen direkte Einwirkung des Sonnenlichts u. Austrocknung geschüzt. Direktes Sonnenlicht scheint störenden Einfluss auf Keimung zu üben; das gewöhnliche Tageslicht nothwendige Bedingung f. gesundes Wachsthum, nur erster Anfang des Keimprocesses ohne Licht möglich |36 u. geht vielleicht so rascher vor [sich]. (89)

c) Feuchtigkeit des Bodens: Gewisse Feuchtigkeit (also auch Schutz vor Austrocknung durch direktes Sonnenlicht) allererste Bedingung des Keimens. Bei Wahl der Saatzeit daher stets Feuchtigkeitszustand des Bodens zu berücksichtigen. Nach dieser u. der wasserhaltenden Kraft des Bodens u. der möglichen Einwirkung der Sonne, die natürlich die Oberfläche austrocknet, ist die Tiefe, worin der Same zu legen, zu modificiren. (90)

d) Einfluss der atmosphärischen Luft: Kein Same entwicklungsfähig, wenn er nicht aus seiner Umgebung Sauerstoff – u. zwar freien, nicht chemisch gebundnen – aufnehmen kann. Der Same muss aus seiner Umgebung so viel freien Sauerstoff aufnehmen können, als nöthig ist die Kohlensäure zu bilden, die er während seines Keimungsprocesses entbindet. Fehlt hinreichendes O, so geht er in Fäulniss über. Daher freier Luftzutritt wesentliche Bestimmung des Keimens; desshalb können zu tief in die Erde gelegte Samen nicht keimen, weil hier bald mit Atmossphäre v. Kohlensäure umgeben, die durch keine Bewegung der Luft verjagt, dem O den Zutritt unmöglich macht. In C, od. H oder N etc kann kein Same unter sonst noch so günstigen Bedingungen gedeihn. (l. c.) Ueber die Versuche über die Tiefe des Samens etc bei Hülsenfrüchten, Getreide, Lein sieh 90 (unten) u. 91 (oben)

e) Temperatur: Vielleicht mit alleiniger Ausnahme v. Vogelmiere u. Kreuzkraut keimt keine Pflanze unter 40°R. Darüber hinaus Temperaturen sehr verschiedne; manche tropische  Bei Schleiden, S. 91: Samen
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Pflanzen
bedürfen sehr hoher um zu keimen. Scheinen f. jede Pflanze Maximal- u. Minimallimits, innerhalb deren die Pflanze um so rascher entwickelt, je höher die Temperatur; dass sie also im Grund stets dieselbe Wärmemenge verlangt, die aber auf kürzere od. längere Zeit vertheilt sein kann. Beispiel v. Getreide (über Verschiedenheit der Keimung, je nachdem in April, Mai, od. Juni gesät) in Schweden etc. (p. 91) (Sieh ib.) Für unsere Culturpflanzen scheint der Spielraum, innerhalb deren die Temperatur schwanken kann, sehr gross. Sieh ib. über Bilsenkraut, das im Frühling keimt u. wieder im Herbst, wenn Wärme wieder auf denselben Grad herabgesunken. (91)

3) Erscheinungen des Keimens.

Entwicklung der Gestalt der jungen Pflanze u. andrerseits die chemischen Prozesse, gleichzeitig in Samen u. der Keimpflanze

drei Epochen:

  • 1) Keimung vorbereitet; hinzutretende Feuchtigkeit leitet Keimungsprocess ein;
  • 2) Lebhafter Zersetzungsprocess in den Hilfsorganen, auf deren Kosten sich das Würzelchen entwickelt;
  • 3) Ernährung u. Entwicklung des Knöspchens. Keimung beendet; Hilfsorgane dann abgestorben.

Beispiele v. Keimung des Hafers (92, 93), der Feldbohne (93, 94) Rapses (95) Leins (96), Kartoffel (97) ⦗Die Entwicklung der Setzkartoffel zur Pflanze ist eigentlich v. der Keimung wesentlich verschieden, da hier v. keinem Samen, v. keiner ächten Keimpflanze die Rede. Doch Analogie in der Entwicklung der Mutterkartoffel u. des Samens; dort Pflanzenanlage nicht als Keim, sondern als Knospe (Auge), u. Hilfsorgane, nicht als Eiweisskörper u. Samenlappen, doch als fleischiger Stengel (als Knolle) vorhanden. [(]97) Sobald die Vegetation in den gelegten Kartoffeln beginnt, entwickeln sich die Knospen (Augen) zu Stengeln u. Blättern. Aus den untern Knoten der Stengel treten sehr bald Nebenwurzeln hervor, die später die Ernährung der Kartoffelpflanze übernehmen. Aus den Winkeln der untern unvollkommnen Blätter entwickeln sich Seitenäste, die nicht aufwärts, sondern in die Erde dringen. An diesen Seitenästen, die ebenfalls nun unvollkommne, zu kleinen Schüppchen entwickelte Blätter haben, entstehn die jungen Kartoffeln. Je mehr d. Knoten mit Erde bedeckt, um so mehr bilden sich solche Kartoffelzeugende Seitenäste; doch darf die Kartoffel nicht über eine bestimmte Tiefe gelegt werden, wenn sie sich gesund entwickeln, od. überhaupt zum  Bei Schleiden, S. 97: Treiben
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Keimen
kommen soll. 97⦘

Bei allen Keimungen: Samen od. Knolle mag im Boden liegen wie sie will, Keim im Samen grad od. gekrümmt sein, stets dringen 1) die Würzelchen od. an der Stelle derselben die Nebenwurzeln in den Boden ein u. 2) stets steigt der aus den Knöspchen sich entwickelnde Stengel mit seinen Blättern aufwärts an das Licht u. erhebt sich über die Erde. Demselben Gesetz folgen im Allgemeinen sämmtliche Seitenäste des Hauptstengels. Wahrscheinlich Grund in eigenthümlich chemischen Unterschieden in Wurzeln u. Stengeln, wodurch jene gezwungen dahin zu machen, v. wo aus sie ernährt werden, diese dahin, wo ihre Ausdünstung am lebhaftesten ist. (97) Von dem angegebnen Gesetz Ausnahme die aus den Winkeln der Samenlappen u. aus den untern Blättchen in einigen Pflanzen entspringenden Seitenäste, bei dem Spargel horizontal unter Bodenfläche fortwachsend (perennirenden Wurzelstock bildend), bei der Kartoffel grade zu abwärts wachsend u. in den Boden eindringend. (an diesen Aesten Knollen erzeugend) (97, 98)

Die chemischen Vorgänge lassen sich noch schärfer nach 3 Perioden eintheilen.

A) Erste Periode: Aufquellen des Samens durch eindringende Feuchtigkeit. Letztere dringt bald v. der ganzen Oberfläche des Samens ein, bald nur od. doch vorzugsweis v. der früheren Anheftungsstelle des Samens (Nabel, bei Bohnen Nath). Manche Samen [haben] eigne Vorrichtungen zu Begünstigung dieses Vorgangs. Näheres. (p. 98) Die in den Samen eindringende Feuchtigkeit durchdringt zuerst die Zellenwände, macht sie wieder geschmeidig, biegsam u. fähig Flüssigkeiten den Durchgang zu gestatten; dringt dann in die Zellen selbst ein, |37 vertreibt die etwa hier vorhandne Luft, durchfeuchtet die in der Zelle enthaltnen Substanzen, bes. die stickstoffhaltige Auskleidung der Zelle; löst ferner die auflöslichen, aber angetrockneten Substanzen auf u. stellt so wieder flüssigen Zellsaft her. (98, 99) Die Menge der hierzu erforderlichen Flüssigkeit f. verschiedne Pflanzenarten sehr verschieden. Tabelle. (p. 99)

B) Zweite Periode: Zerstörung u. Umbildung der in den Hilfsorganen enthaltnen organischen Substanz. Durchfeuchete Der durchfeuchtete Samen nimmt aus seiner Umgebung den freien Sauerstoff auf u. dieser verbindet sich mit dem Kohenstoff Kohlenstoff des Stärkemehls, Oehls od. Zellstoffs der Hilfsorgane zu Kohlensäure, die entweicht, während Wasser- u. Sauerstoff jener Substanzen (beim Oel wohl noch unter Hinzutreten v. Sauerstoff) zu Wasser zusammentreten. Die somit stattfindende Verbindung v. Kohlen- u. Wasserstoff mit Sauerstoff (d. h. ohne Lichterscheinung vor sich gehende Verbrennung) hat bedeutende Erhöhung der Temperatur zur Folge (sie lässt sich bei vielen an einem Ort zugleich keimenden Samen erkennen). Gleichzeitig mit diesem Verbrennungsprocess wird Theil der Stärke, Oels od. Zellstoffs in Stärkegummi u. Stärkezucker umgewandelt. Diese durchdringen dann in aufgelöstem Zustand die Zellenwände u. dienen zunächst zur Ernährung des Würzelchens, das sich vorzugsweis auf Kosten dieser Substanzen entwickelt, die Samenschale sprengt u. hervortritt, um in den Boden einzudringen. Resultat, dass die ganze Pflanze in dieser Periode einschliesslich der Reste des Samens u. selbst noch bis zu Ende der 3t Periode, wenn sie selbst 10 × u. mehr grösser erscheint als der Same, doch nach Abzug des freien Wassers bedeutend viel leichter, als der Samen vor dem Keimen. Tabellen darüber. (99, 100)

Der ganze Vorgang bei verschiednen Pflanzen im Einzelnen sehr verschieden; die Stoffumwandlung überhaupt nicht so einfach wie es nach den blosen Endresultaten erscheint. (Sieh 101)

An den chemischen Verändrungen im Samen nimmt stickstoffhaltige Substanz wesentl. Antheil; geringer Theil zersezt, bildet Ammoniakverbindungen; meistens unzersetzt, aber nicht unverändert, denn die stickstoffhaltigen Substanzen in gekeimten Samen zeigen jedesmals jedesmal andre Eigenschaften als die des ungekeimten. Bei dieser Gelegenheit entsteht in der Gerste die Diastase. (101)

Noch nicht aufgeklärt wie das Stärkemehl aufgelöst u. in Zucker umgewandelt wird (an diesen Process knüpfen sich Bier- u. Branntweinbereitung). (101) Sieh über Umwandlung der Kartoffelstärke p. 102, 103.

Die Auflösung der Stärke immer zuerst an den Stellen, wo die daraus entstandnen flüssigen Stoffe zuerst verbraucht werden, bei den Kartoffeln in der Nähe der Augen, in den Cerealien am untern Ende des Korns, wo der Keim liegt, bei den Hülsengewächsen in dem aüssern Umfang der Samenlappen. Die Auflösung schreitet dann v. diesen Stellen an fort, bei den Getreidearten bis zum entgegengesetzten Ende, bei Kartoffeln u. Hülsengewächsen v. aussen gegen das Innere des Pflanzentheils. (103, 104) Ueber die Zeit, wann sämmliche Stärke völlig zerstört Näheres p. 104.

Noch weniger wissen wir über die Zersetzung des fetten Oehls u. seine Ueberführung in Zucker. (104)

Malzbereitung. (p. 104)

C) Dritte Periode: umfasst die Zeit, wenn die Wurzeln schon anfangen, Stoffe aus dem Boden aufzunehmen. Est Es ist hierbei wahrscheinlich, dass auch schon organ. Elemente aufgenommen werden; aber jedenfalls diese Aufnahme < Verlust durch die noch fortgehende Zersetzung der Bestandtheile der Hilfsorgane, die allmälig ganz entleert werden, zusammenfallen, vertrocknen, v. Pflanze abgeworfen werden. Dagegen schon jezt sehr beträchtliche Menge Aschenbestandstheile aus dem Boden aufgenommen. So z. B. bei Wicke – i. e. bei Vergleich des reifen Samens derselben mit der ganzen Pflanze im trocknen Zustand gegen Ende der 3ten Keimungsperiode – Verlust an organ. Substanz 25%, Zunahme an unorganischer 47%. Weiteres p. 105. (v. dem Verlust an organ. Substanz 30% Kohlenstoff, 32% Wasserstoff, 6% Stickstoff, 37% Sauerstoff.)

B. Periode des Wachsens.

In unseren Gegenden [hat] der Winter, in den heisseren Zonen die trockne (regenlose) JahresZeit Stillstand od. vielmehr Verlangsamung in allen Thätigkeitsaüsserungen der Pflanze zu Folge. (105) Von diesen Unterbrechungen abgesehn, lebt Pflanze nur solange sie wächst, sich fortwährend vergrössert, neuen Stoff aneignet, neue Zellen bildet. Pflanze braucht Nahrung nicht zum Ersatz v. Verbrauchtem (wie das Thier) sondern zu Neubildung. (106) Von dem Punkt der Keimung, in dem sie das geringste Gewicht hatte, bis zum Tod nimmt sie daher beständig an Gewicht zu. (106)

I) Die  Bei Schleiden, S. 108: Saftbewegung
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Saftaufnahme
der Pflanze.

F. die Pflanze giebt’s keine Verdauung; sie findet ihre Nahrung fertig zubereitet als Nahrungsflüssigkeit, die durch die Zellenwände eintreten muss (diess ähnlich beim Thier vom Magen u. Darmkanal aus; später bewegt sich hier die Flüssigkeit in ununterbrochnen Kanälen in den Adern fort) Auf längere Strecken finden wir bei der Pflanze zusammenhängende Röhren od. Canäle nur in den mit eignen Wänden versehnen Zellenreihen – s. g. Gefässen – u. in der mit keiner selbstständigen Wandung versehnen Zwischenzellengängen u.  Bei Schleiden, S. 108: Zwischenzellenräumen
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Zwischenräumen
. In diesen Theilen stets nur Luft, niemals Flüssigkeit; jene also nicht zur Fortbewegung dieser bestimmt; also wieder durch Zellen; durch diese geht die Flüssigkeit um so schneller durch, |38 je zarter u. dünner, also im Allgemeinen, je jünger die Zellenwände.

1) Saftaufnahme. Endosmose.

Bei der Mischung treten 2 Flüssigkeiten zusammen; die Auflösung ist eine Mischung, worin eine Flüssigkeit u. ein fester Stoff zusammentreten. (110) Zucker in Wasser aufgelöst wird Flüssigkeit; thierischer Schleim quillt im Wasser nur bedeutend auf, u. der pflanzliche Zellenstoff nimmt Wasser auf ohne aufzuquellen. 100 Theile Zellstoff nehmen nur 15% Wasser auf, sind dann gesättigt u. müssten erst Theil des aufgenommenen Wassers abgeben, eh sie neues Wasser aufnehmen können. Selbes gilt v. thierischer Haut. (110, 111)

Der Zellstoff der Pflanze erscheint immer als eine Haut ⦗Zellenwand⦘ deren Flächen mit sehr verschiednen Stoffen in Berührung sein können.

a) Eine Seite der Haut mit Luft, andre mit Wasser in Berührung. Die leztre Seite nimmt v. Wasser auf, so viel sie kann; die der Luft zugekehrte Oberfläche wird feucht, verdunstet Wasser in die Luft. Ist dadurch Theil des Wassers aus der Haut entfernt so nimmt sie v. der andern Seite das Verlorne wieder auf u. s. f., so lange auf der einen Seite noch Wasser vorhanden, das durch sie durchgehn u. daher auf der freien Fläche verdunsten kann. (110, 111)

b) die Haut ist auf beiden Seiten mit Flüssigkeiten in Berührung

Erstens: Diese Flüssigkeiten sind verschiedne, einfach wässrige Auflösungen; dünnere Flüssigkeit leichter v. der Haut aufgelöst, als die dichtere; folglich mischen sich die Flüssigkeiten hauptsächlich auf der Seite der dichteren, d. h. es tritt sehr viel v. der dünneren Flüssigkeit auf die andre Seite, aber sehr wenig v. der dichteren; die dichtere Flüssigkeit entzieht sehr schell der Haut die aufgelöste dünne u. diese wird eben so schnell v. der andern Seite wieder in die Haut aufgenommen, während der entgegengesetzte Process nur sehr langsam vor sich geht. Dutrochet’s Experiment mit Kalbsblase. Er nannte das Uebergehn der dünneren FlüssigkeitEndosmose, das der dichteren auf die andre Seite – Exosmose. (112)

Endosmometer, als Massstab f. das Verhältniss der anziehnden Kräfte zweier sich mischenden Flüssigkeiten. (113) So wird bei derselben dazwischen liegenden Haut u. in derselben Zeit v. Zucker 2.11 u. v. Eiweiss 2.30 × so viel Wasser angezogen als v. arabischem Gummi. (l. c.) ( Dutrochet berechnet annäherungsweis mit Endosmometer annäherungsweis auch die absolute Kraft der Anziehung zwischen 2 Flüssigkeiten. Da die Flüssigkeit in der Röhre des Instruments steigt, kann man die Höhe, bis zu welcher sie steigt ⦗da diese einem bestimmten hydrostatischen Druck entspricht⦘ als das gesuchte Mass ansehn. So hält nach Dutrochet die Kraft der Anziehung zwischen Wasser u. Eiweiss dem Druck v. 21/2 Atmossphären das Gleichgewicht. 113)

Zweitens: Der Erfolg hängt auch v. der Natur der trennenden Haut ab. Ist diese z. B. Thierblase – u. trennt sie Alkohol u. Wasser – so geht fast nur Wasser zum Alkohol über; wenn Kautschuckblättchen umgekehrt. etc. (112)

c) Kommen nun zur Pflanzenzelle statt der thierischen Haut.

Erstens: Aüssersten Spitzen der Wurzel die jüngsten, also dünnwandigsten Zellen; enthalten viel Proteinverbindungen; dürfen f. sie so starkes Anziehungsvermögen zum Wasser voraussetzen als beim (thierischen) Eiweiss. In dem die Wurzelenden umgebenden Mitte Mittel – sei es die Erde, sei es das Wasser – ist eine Flüssigkeit vorhanden, die nur durch die darin aufgelösten Substanzen, Kohlensäure, Sauerstoff u. eine geringe Menge Salze vom reinen Wasser verschieden ist. Ihr Verhältniss zum Eiweiss durch solche Auflösungen nur wenig verändert. Flüssigkeit des Bodens daher mit grosser Kraft v. den in den Wurzellen Wurzelzellen enthaltnen Stoffen eingezogen. (113)

Zweitens: Verhältniss der aufzusaugenden Flüssigkeit ausserhalb der Wurzellzellen Wurzelzellen: die Wurzellen Wurzelzellen stehn nur bei Wasserpflanzen u. ächten Sumpfpflanzen (d. h. solchen, die in einem mit Wasser völlig durchtränkten u. gesättigten Boden wachsen) mit einer sich im gewöhnlichen Zustand befindlichen tropfbaren Flüssigkeit in Berührung. Bei den in der Erde wurzelnden Pflanzen diess nur selten u. ausnahmsweiss kurz nach einem Regenguss. Bei weitem die längste Zeit sind die Pflanzen auf eine Feuchtigkeit angewiesen, die v. den Bodenbestandtheilen absorbirt u. mit einer gewissen Kraft festgehalten ist. (113) Die Kraft muss erst überwunden werden; die Ernährung der Pflanze steht hier unter quantitativ sehr verschiednen Verhältnissen. (114)

Drittens: Verhältniss der in der Feuchtigkeit enthaltnen Stoffe: Den in den Wurzellen Wurzelzellen vorhandnen Stoffen kann f. gewisse Stoffe die Anziehungskraft fehlen. Scheint z. B. dass die in den Wurzeln enthaltnen Flüssigkeiten Strontiansalze gar nicht aufnehmen. Ferner folgt, dass die Pflanzen die in der Flüssigkeit des Bodens enthaltnen Stoffe in andrem Mischungsverhältniss aufnehmen können, als sie ihnen geboten werden. (114)

Viertens: Kraft, mit welcher die Säfte in die Höhe aufsteigen: Nach Versuchen des Engländers Knight am Weinstock, steigt Saft in dem Reben mit einer Kraft in die Höhe, die dem Druck v. 11/2 Atmossphären das Gleichgewicht hält. Endosmotische Kraft (sieh b) oben) also mehr als ausreichend, um die Saftbewegung v. Wurzel bis zur Pflanze hervorzubringen. Zudem zu bemerken: Die Flüssigkeit in der Pflanze eigentlich nur v. Zelle Zu Zelle gehoben; der zu überwindende Druck einer über der einsaugenden Haut stehenden Flüssigkeitssäule daher nur aüsserst klein. (114)

d) Was f. die Wurzelspitzen entwickelt, gilt f. alle in der Entwicklung begriffnen Pflanzentheile. Jeder junge Keim, erst entstehendes Blatt, noch ganz junge Knospe etc mit aüsserst zartwandigen Zellen, fast ausschliesslich mit Proteinverbindungen erfüllt. Alle diese Theile stehn zur übrigen Pflanze u. zu den in ihren Zellen enthaltnen Säfte im selben Verhältniss wie die Wurzellen Wurzelzellen zur Bodenflüssigkeit. (114)|

39

2) Fortbewegung des Safts in der Pflanze. Gefässbündel.

Die den Knospen u. s. w. näher liegenden Zellen geben ihre Flüssigkeit an die Knospen ab u. entziehn sie dafür wieder den zunächst unter ihnen gelegnen Zellen u. s. f. bis zur Wurzel, die den Verlust ihrerseits immer wieder aus dem Boden ersezt. An oberen u. unteren Enden der Zelle, die mit stets frischer Nahrungsflüssigkeit in Berührung kommen, wird die Zellenwand daher vorzugsweis ernährt; so die erst fast rundliche Zelle in langgestreckte u. zuletzt fast fadenförmigen Schlauch verwandelt. Diese Bündel langgestreckter Zellen bilden zusammen das Gefässbündel, welches daher erst das Resultat v. Saftströmen in bestimmter Richtung. (115)

Die Zellen, die den lebhaftesten Saftandrang auszuhalten haben, gehn aüsserst schnell in einen Zustand über, den man als Tod bezeichnen kann. Sie erweitern sich bedeutend, bilden sehr früh auffallend hervortretende Verdickungsschichten, die in einer Reihe aneinander liegenden Zellen treten durch Auflösung der sie trennenden Wände in Communikation, die Flüssigkeit entweicht aus ihnen u. wird durch Luft ersetzt. Diess ihre Umwandlung in die s. g. Gefässe. Die andern Zellen, durch welche der Saftstrom minder lebhaft geht, haben Zeit sich mehr zu ernähren, ihre Wände verdicken sich bedeutend, aber endlich verlieren auch sie ihren Saft u. nehmen Luft auf. So entstehn die langgestreckten Zellen der Gefässbündel, die Holz- und Bastzellen. (p. 115, 116) Näheres (116)

Folge: dass Gefässbündel einmal v. unten nach oben durch die ganze Länge der Pflanze laufen müssen, zweitens, dass zu jedem Blatt, jeder Knospe ein od. mehre Gefässbündel sich begeben müssen. (116)

3) Austritt der Flüssigkeiten aus den Pflanzen, Absonderungschicht der Oberhaut, Intercellularsubstanz, Verdunstung.

Eh in Zellen, die schon safterfüllt (ihre Wandungen sind sehr wenig elastisch, daher nur sehr geringer Ausdehnung fähig[)], vorhandne Flüssigkeit fortgeschafft ist, kann keine neue nachströmen.

Alles Wasser, was eine Pflanze auf einmal aufzunehmen im Stande [ist,] enthält, selbst wenn vollständig v. den im Boden vorhandnen Stoffen gesättigt, doch v. den eigentlichen Nahrungsstoffen der Pflanze so wenig, dass das Wasser oftmals mit Zurücklassung des in ihm enthaltnen Stoffs entfernt u. immer wieder v. neuem vom Boden aus durch andre Mengen ebenso gesättigten Wassers ersetzt werden muss, damit der Pflanze nach u. nach die nöthige Menge Nahrungsstoff zugeführt. Verliesse die Flüssigkeit die Pflanze tropfbar flüssig, so würden die im Wasser gelösten Stoffe mit weggeführt. Aber es wird entfernt durch Verdunstung. Alle nicht flüchtigen Stoffe bleiben dabei zurück; die aus dem Boden etwa aufgenommenen flüchtigen Stoffe entweichen, wenn nicht vorher in der Pflanze durch chemische Processe in nicht flüchtige Stoffe, wie Stärkemehl, Zucker etc verwandelt. Die Wasserverdunstung (u. die in derselben enthaltnen flüchtigen Stoffe) geht nur an der Oberfläche der Zellen vor, die mit der Luft in Berührung stehn u. deren Wände nicht irgendwie, z. B. durch Wachsüberzug, gegen Durchdringen der Feuchtigkeit geschützt. Bei allen jungen sich bildenden Pflanzentheilen, Blatt, Stengel, wie er aus der geschlossnen Knospe herauskommt, sämmtliche Zellen der Oberhaut noch so dünnwandig, dass Feuchtigkeit leicht durchtritt. Hört f. die Oberhaut bald auf. Ausscheidung des Wasserdunsts so mehr u. mehr beschränkt auf die Theile der Zellenwände, die nicht mit Absonderungsschicht bedeckt, – die Theile angrenzend an Zwischenzellengänge u. Zwischenzellenräume. Diese Räume stehn aber durch die ganze Pflanze wenigstens im Füllgeweb in offner Verbindung u. communiciren zuletzt durch die Spalteröffnungen Spaltöffnungen mit der Atmosphäre. So können fortwährend der Wasserdunst u. die mit ihm verbundnen flüchtigen Stoffarten (meist Gasarten) aus dem Innern der Pflanze entweichen u. so der neu eindringenden Flüssigkeit wieder Raum schaffen. (117, 118)

Absonderungschicht der Oberhaut u. Intercellularsubstanz: So lang die Zellen noch zart sind, tritt die Flüssigkeit unverändert hindurch. An der Oberfläche verdunstet aber nur das Wasser; so lagert sich eine allmälig immer dicker werdende Schicht der im Zellensaft gelösten Substanzen auf der Aussenfläche der Oberhautzellen ab. Diese Substanz wird aber gleichzeitig chemisch verändert durch die Einwirkung der atmossphär. Sauerstoffe u. in einen Stoff verwandelt, der den Durchgang der Flüssigkeit mehr u. mehr erschwert. Dazu treten noch Wachs u. Harz auf die Oberfläche, wobei wahrscheinlich ätherische Oele die Lösungsmittel, so dass diese wie jene Stoffe als Desoxydationsprodukte des Stärkemehls od. verwandter Stoffe in der Zelle auftreten. So wächst Absondrungsschicht bei Kohl oft zu beträchtlicher Dicke, wird bald f. Wasser undurchdringlich u. unbenetzbar. Die Wachsablagrung bei allen s. g. bereiften Pflanzentheilen schon sehr auffallend, am stärksten bei einigen Strandpflanzen, z. B. Strandgerste, Strandrohr. (118)

Bei Keimen der Pflanzen im Frühjahr der Theil der Zellenwände, der die Zwischenzellengänge begrenzt, nicht dicker als etwa die Hälfte der 2 Zellen scheidenden Zellenwand. Aber je älter die Pflanze wird, desto mehr verdicken sich die die  Bei Schleiden, S. 119: Zwischenzellengänge
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Zellengänge
begrenzenden Theile der Zellenwände
u. desto enger werden die Zellengänge selbst. Bei den Zellen der Gefässbündel u. des Holzes werden sie sogar, noch ehe die Flüssigkeit in ihnen völlig verbraucht ist, ganz ausgefüllt, so dass diese Theile niemals eigentliche Zwischengänge erhalten. Sehr auffallend tritt die Zwischenzellensubstanz meist nah der Oberfläche der Pflanzentheile auf, zieht sich gewöhnlich v. der Oberhaut her in die Spaltöffnungen ein u. kleidet die Lücke unter denselben aus, wird hier immer feiner u. verliert sich endlich in der Auskleidung der Zwischenzellengänge. Auch zwischen den dicht unter der Oberhaut liegenden Zellen diese Substanz gewöhnlich sehr bedeutend. Das Absterben der einjährigen Pflanzentheile, z. B. der Blätter, wesentlich mit dadurch bedingt, dass durch diese sich immer mehr anhäufende Substanz allmälig die Fähigkeit der Organe zu ihren Funktionen, namentlich zur Ausdünstung u. Ernährung, aufgehoben wird. (119)|

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Ausdünstung bei den Pflanzen hängt nicht nur v. der Natur der die Flüssigkeiten einschliessenden Zellenwände ab, sondern von:

  • α) Temperatur: Regulirt bes. die Stärke der Ausdunstung. (Beschleunigt; auch bei den tiefsten Temperaturgraden geht das Eis an seiner Oberfläche langsam in Wasserdunst über.) (119) Je höher die Temperatur der Luft, desto stärker die Verdunstung u. desto grösser das Bedürfniss u. die Fähigkeit der Pflanze zu Aufnahme neuer Nahrung. (120)
  • β) Luftdruck (Barometerstand): Wasser siedet bei umso niedriger Temperatur, d. h. verwandelt sich in Dampf, je niedriger der Luftdruck. Gilt auch f. die in den Pflanzen enthaltnen Flüssigkeiten. Bei uns treffen niedrigste Barometerstände auch mit grösster Feuchtigkeit der Luft zusammen, wodurch der Erfolg z. Th. wieder aufgehoben wird. (120)
  • γ) Feuchtigkeitsgrad der Luft: Ist die Atmossphäre, die mit Wasser in Berührung steht, vollständig v. den Wasserdünsten gesättigt, so gar keine Verdunstung mehr; je weniger Dünste die Luft enthält, desto lebhafter die Verdunstung, am stärksten in völlig trockner Luft. Daher Einfluss v. Ruhe u. Bewegung der Luft auf die Verdunstung. (120. Sieh dort Näheres über das letztere) Im Sommer erschöpft daher die Dürre bei starken (trocknen) Nordostwinden am schnellsten die Pflanzen; weniger bei den mit Wasserdunst fast völlig gesättigten Südwestwinden. (121)

Die Aufnahme v. Flüssigkeit aus dem Boden, also die Ernährung der Pflanze, ganz abhängig v. der Ausdünstung der der Luft ausgesetzten Pflanzentheile. Daher Wichtigkeit der Frage nach der Quantität der Verdunstung. (121) (Näheres darüber p. 121, Tabelle zu 121 (Anlage) u. p. 122)

II.) Ernährung der Pflanze.

1) Organischen Elemente.

Quellen der organ. Elemente der Pflanzen: Ausser Wasser ⦗enthält Sauerstoff u. Wasserstoff mehr als hinreichend⦘ Kohlensaüre u. Ammoniak (resp. Ammoniaksalze) (124–127) Es sind diess die allgemeinen Nahrungsstoffe, woraus die Pflanzen ihre organ. Bestandtheile bereiten. (127)

2) Unorganischen Elemente.

Die Elemente der unorganischen Pflanzenasche finden sich, mit ganz unerheblicher Ausnahme, nicht frei in der Natur vor, sondern als nichtflüchtige Salze. Also aus Boden, nicht aus Luft kommend. (127) Pflanze kann sie nur in Form auflöslicher Salze aus dem Boden nehmen. (128), u. in passender Mischung ⦗l. c. Talkererde Talkerde jedoch findet sich in den Pflanzen oft in ganz andrem Mischungsverhältniss als in Boden⦘ (l. c.)

Tabellen über die Aschenbestandtheile versch. Pflanzen. (128–131) Ganz wildwachsende Pflanzen (sieh Tab. II D. 10. p. 130) scheinen im Mittel nur 5.18, die Culturpflanzen (dort angegeben) 9.38%, also letztere noch einmal so viel Asche zu enthalten. (133)

3) Organe der Aufnahme.

Pflanzen nehmen mittelst der Blätter aus der Luft Kohlensäure u. Sauerstoffgas; zuweilen auch Wasserdunst; mit Bezug auf flüchtigen Ammoniak noch fraglich. Alles Wasser, dessen sie bedarf[,] u. die darin enthaltnen nicht flüchtigen unorgan. Bestandtheile in Form auflöslicher Salze [erhält die Pflanze] durch Wurzel. (133) Aufnahme v. Wasserdunst durch Blätter, wenn wirklich, krankhafter Zustand, der der gänzlich unterdrückten Ausdünstung. (l. c.) Der als solcher (frei) aufgenommene Sauerstoff scheint ohne Antheil an der Ernährung der Pflanze. (l. c.)

Kohlensäure: Pflanze haucht auch bedeutende Menge Kohlensaüre aus. Das Die v. ihr im Wasser aufgenommene Kohlensäure übertrifft selbst bei besten Heuwiesen den Bedarf noch um mehr als die Hälfte. (Sieh 134) Die im Sonnenschein durch die Blätter aufgenommene hat höchst wahrscheinlich keinen Antheil an Ernährung der Pflanze. (135)

Am Wurzelende ist es nur eine ganz kleine Gegend, die eigentlich fähig, aufzusaugen, nicht die alleräusserste Spitze, ⦗sie besteht aus alten, zum Theil sogar abgestorbnen Zellen, schützen die zunächst darauf folgenden jüngsten u. daher noch ganz zarten Zellen beim Fortwachsen in der Erde gegen Druck⦘ sondern ein schmaler Gürtel, welcher unmittelbar an die alleräusserste Spitze angrenzt. (135) Meist schon Ein Zoll weit v. der Spitze der Wurzel (nach oben) hat die Wurzel die Aufsaugfähigkeit v. Flüssigkeiten aus dem Boden ganz verloren. (l. c.)

Wird daher die Spitze der Wurzel abgetrennt od. verletzt, so nimmt sie keine Flüssigkeiten mehr aus dem Boden auf; da kein neues Wasser v. aussen eindringt, werden die Säfte so concentrirt, dass neue Bildungen daraus hervorgehn können – bilden sich in Gestalt der Seitenäste der Wurzeln; die Wurzel selbst wächst nicht mehr in die Länge fort, verdickt sich aber, weil sie selbst jezt v. einer grössern Anzahl Seitenwurzeln gespeist wird; Gärtner stützen daher in |41 manchen Pflanzen, z. B. Sellerie, die Hauptwurzel ab, damit der Hauptkörper sich um desto so dicker u. knollenartiger entwickle. (l. c.)

4) Aneignung der Nahrungsstoffe.
a) Uebergang unorganischer Verbindungen in organische.

(Zunächst zu bemerken, dass die organischen, wie die anorgan. Stoffe nicht so Pflanzenstoff bilden, wie sie sich im Boden finden. Hydrat v. kohlensaurem Ammoniak z. B. ist keine Pflanzensubstanz; also Veränderungen in den aufgenommenen Verbindungen nöthig f. ihre Umwandlung in Pflanzenbestandtheile. Dasselbe gilt meist auch f. die im Boden befindlichen Verbindungen v. anorgan. Substanzen. Kali u. Natron sind z. B. fast in allen Pflanzen an Wein- Apfel- Citronensäure gebunden, welche gar nicht im Boden; der Kalk häufig an Oxalsäure u. Gallertsäure, höchst wahrscheinlich nicht im Boden vorkommend. Diese Salzbasen also als andre Salzverbindungen, etwa kohlensaure Salze aus Boden aufgenommen, in den Pflanzenzellen v. ihrer Säure getrennt u. mit der neu gebildeten Pflanzensäure verbunden. Man weiss über den Vorgang sehr wenig.) (136)

Nur die allen Pflanzen zukommenden Stoffe betrachtend:

1) Reihe der stickstofffreien Bestandtheile:

  • α) Stärkemehl, Zucker, Gummi, Inulin, die er sich denkt in Formel C + xHO
  • β) Pflanzensäuren, Oxal- Wein- Apfel- Citronensäuren etc, indem gewisse Aequivalente Kohlenstoff bald mit –, bald mit + Sauerstoff u. Wasserstoff in dem Verhältniss, worin sie Wasser bilden, verbunden erscheinen – Formel: C + xHO + xO, Ueberschuss an O.
  • γ) Fetten OeleC + xHO + H, mit Ueberschuss an Wasserstoff.

Die erste (α) u. 3te (β γ) Abtheilungen Abtheilung die bei weitem grössere Massen Masse der Pflanzensubstanzen.

2) Reihe vorzugsweis aus den Proteinverbindungen u. wahrscheinlich nahverwandten Chlorophyll u. Indigo. Bei ihnen tritt der Sauerstoff in ähnlicher Weise zurück als bei den fetten Fetten; ausserdem 2te Reihe viel geringern Antheil als 1te an der Zusammensetzung der Pflanzen, Stickstoffgehalt wohl bei keiner Pflanze über 4% der trocknen Substanz. (137)

Sämtliche Stoffe der ersten Reihe bildbar aus Kohlensäure u. Wasser durch Abscheidung v. mehr od. weniger O; diese Abscheidung muss auch bei letzterer Reihe stattfinden. (137) Ueber letztere sieh 137) u. 138) (Bei 16 Centner Erntegewicht müssen f. den Morgen wenigstens 2429 O in Freiheit gesetzt werden. ( 138)

Allgemeines Gesetz also: dass die Entstehung der organ. Substanz in den Pflanzen fortwährende Auscheidung Ausscheidung v. O nothwendig macht. (138)

Die Bedeutung der unorgan. Bestandtheile im Leben der Pflanzen kann nur in ihrem Verhältniss zu den organischen Stoffen bestehn; über diess Verhältniss noch nichts zuverlässiges. (138) (Weiteres darüber ibid.)

Alle Pflanzensäfte, frisch aus der Pflanze genommen, reagiren sauer u. enthalten saure pflanzensaure Salze. Die Basen dieser Salze, Alkalien u. Kalkerde, können nicht als solche, sondern nur als Salze v. der Pflanze aus dem Boden genommen werden. Schwefelsäure, Phosphorsäure u. Chlor können auch nicht frei in der Pflanze gefunden werden. Kalk u. Alkalien, so weit sie pflanzensaure Salze bilden[,] müssen daher  Zusatz von Marx.
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(nach Schleiden s Meinung)
als kohlensaure Salze od. verbunden mit einer der humusartigen Säuren (wahrscheinlich Quell- od. Quellsalzsäure) in die Pflanze getreten sein. Vermuthung liegt nah, dass Hydrate kohlensaurer Alkalien durch allmäligen Verlust v. O in oxalsaure, in andre pflanzensaure u. endlich in pectinigsaure Salze übergeführt werden, u. letztere vielleicht in die Basen, die anderweitig gebunden werden, u. in Zucker, welcher aus der pectinigen Säure entsteht, zerfallen. (139)

Die verschiednen Stoffe, die der Reihe des Stärkemehls u. der Holzfaser angehören – Kohlenhydrate, u. die fetten Oele können sich leicht im Lauf der Vegetation in einander verwandeln, wegen der grossen Verwandtschaft in der Zusammensetzung dieser Stoffe. (l. c.)

Ueber die Entstehung der Proteinverbindungen nichts bekannt. (139)

Rolle der unorganischen Substanzen: krautartigen saftigen Pflanzen reicher an Asche ⦗z. Theil⦘ als die trocknen dürren (l. c.); noch mehr dieser Unterschied bei den einzelnen Theilen der Pflanze (Sieh Zahlen p. 140) Im Allgemeinen Aschengehalt nimmt bei den Pflanzen v. unten nach oben zu. Wurzeln am wenigsten, dann Stengel im untern Theil, endlich im obern. ⦗In den Samen am wenigsten nach der Wurzel. (Zahlen weiter p. 140, 141)[⦘]

Mit Bezug auf organ. u. unorgan. Bestandtheile in den einzelnen Pflanzen u. Pflanzentheilen:

a) In monocotylen monocotyledonen Blättern u. Stengeln auffallend viel Kieselerde, nicht in Zelleninhalt sondern in Zellenwand. (Sieh [141)]

b) In dikotylen dicotyledonen Blättern u. Stengeln auffallend viel Kalk- u. Talkerde (141. Weiteres in den Tabellen p. 142)

c) Gegen Boussaingaults Boussingaults (u. Liebigs) Ansicht über den engen Zusammenhang zwischen Proteinverbindungen u. Phosphorsäure u. Liebig’s über den ähnlichen Zusammenhang zwischen Alkalien u. Kohlenhydraten (Tabellen p. 143–147–148) Schleiden |42 glaubt, dass die Menge der Proteinverbindungen durch die der Salzbasen u. die Mengen der Kohlenhydrate durch die der Phosphorsäure bestimmt. (148) (Diess soll sich durch das Verhältniss v. Cerialien Cerealien u. Hülsenfrüchten herausstellen. Sieh die Tabellen, aber auch die Zahlen 148)

b) Ausscheidung u. Aufnahme v. Gasarten durch die Pflanzen.

Ausscheidung des Sauerstoffgases nur unter Einwirkung des Lichts; Aushauchung der Kohlensäure bei Nacht. (149) (Weiteres ibid.)

Von der zum Vegationsprocess Vegetationsprocess in direkter Beziehung stehenden Aufnahme (sei es v. Sauerstoff, sei es v. Kohlensäure), resp. diesen Ausscheidungen, zu unterscheiden die rein chem. physikalischen [Vorgänge], die mit dem Absterben der Pflanzen u. Pflanzentheile in Verbindung stehn. Schon oben bei der Keimung der Pflanzen erwähnt. In vielen Pflanzentheilen, namentlich allen nicht grün gefärbten, Blumen, reifenden Früchten, Rinde der Bäume die schon gebildeten Substanzen auf Kosten des atmossphärischen Sauerstoffs zerstört, indem sie langsam verbrennen. (150, sieh 151 über Wärmeentwicklung dabei ⎰) In der Rinde der Bäume od. richtiger, der Kork- u. Borkschichte geht dabei ein förmlicher Verwesungsprocess u. allmällige Humusbildung so vor sich u. wahrscheinlich Gerbsäure Product dieser beginnenden Zersetzung (151)

Alles Gebunden- u. Freiwerden gasförmiger Stoffe geht unmittelbar im Innern der Zelle vor; wenn Sauerstoffgas in Freiheit gesetzt wird, findet es sich zunächst im Saft der Zelle aufgelöst; das Gas kann aus der Zelle nur zugleich mit der Flüssigkeit entweichen: Auscheidung Ausscheidung v. Wasserdunst u. die Gasarten hängen daher aufs engste mit einander zusammen. (151)

a) Thierische Blase; schliesse in sie ein vollkommen mit Kohlensäure gesättigtes Wasser; dann dringt das Wasser durch die Blase durch u. kommt auf der aüsseren Seite mit der atmosphärischen Luft in Berührung; hier entweicht Theil der Kohlensaüre u. wird durch einen entsprechenden Antheil von Sauerstoff u. Stickstoff ersetzt. Die so veränderte Flüssigkeit gleicht sich aber nun wieder mit der im Innern der Blase befindlichen aus u. so kommt ein Theil der aufgenommenen atmosphärischen Luft ins Innere der Blase, und ein entsprechender Theil der Kohlensäure tritt wieder an die die Oberfläche der Blase bedeckende Flüssigkeit. Auf diese Weise geht der doppelte Austausch so lang fort, bis das mit Kohlensaüre gesättigt gewesne Wasser sich ganz in derselben Weise verändert hat, als wenn es ohne dazwischen liegende Blase mit der Atmosphäre in Berührung gestanden hätte. (151, 152)

b) Uebersättigt man mit Kohlensäure das in der Blase eingeschlossne Wasser (etwa wie  Bei Schleiden, S. 152: Selterser
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Seltzer
Wasser) u. hängt die Blase in freier Luft auf, so wird im Innern der Blase keine Ausscheidung v. Gasblasen (kein Perlen) stattfinden; in der eingeschlossnen Flüssigkeit steht vielmehr auch das Gas unter einem solchen Druck, dass es v. der Flüssigkeit aufgelöst erhalten werden kann, wie in der noch geschlossnen  Bei Schleiden, S. 152: Selterser
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Seltzer
Wasserflasche. Aber das Wasser durchdringt die Haut u. in der dünnen Schicht Wasser, die nun die aüssere Fläche der Blase bedeckt, steht auch das absorbirte kohlensaure Gas unter keinem andern als dem gewöhnlichen atmosphärischen Druck. Hier trennt sich sogleich die überschüssige Kohlensäure v. dem Wasser, bildet Luftbläschen u. entweicht, das Wasser nimmt wieder neues kohlensaures Gas aus der eingeschlossnen Flüssigkeit auf, entweicht abermals, u. s. f., bis der Gehalt der Kohlensäure auf das gesetzmässige Mass herabgekommen ist, welches dem augenblicklichen atmosphärischen Druck u. dem Verhältniss v. Stickstoff, Sauerstoff u. Kohlensäure in der umgebenden Atmostph. Atmosphäre entspricht. (152)

Diese beiden (a, b) Vorgänge ohne weiteres auf die Pflanzenzelle übertragbar; an der Stelle v. thierischer Blase tritt die Zellenhaut. Die Verhältnisse, welche zwischen freien u. v. Flüssigkeiten absorbirten Gassen Gasarten stattfinden, nicht dadurch geändert, dass die Flüssigkeit in ein für die Flüssigkeit selbst durchdringliches Membran eingeschlossen wird. (152)

5) Gestaltungsprocess.

Ist einmal Zucker, Gummi, andrer Stoff in der Reihe der Kohlenhydrate aus unorganischen Substanzen entstanden, so bildet sich durch Umwandlung derselben der derselben Reihe angehörige Zellstoff  Zusatz von Marx.
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(Cellulose)
. Aber Zellstoff ist noch nict nicht Zelle; was ihn bestimmt diese eigenthümliche Form anzunehmen, unbekannt. (152, 153) Bildungstrieb.  Zusammenfassende Bemerkung von Marx.
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⦗Name, der die Sache nicht erklärt⦘.
(l. c.)

Mit Bezug auf den Gestaltungsprocess bis jezt nur zu erwähnen das quantitative Verhältniss der organischen Stoffe zu einander. Ueberall, wo neue Zellen entstehn in der aüssersten Spitze der Wurzel, in der Kospe, in Keimpflanze, im Bildungs- |43 geweb des Stammes – findet sich auffallende Menge stickstoffhaltiger Verbindungen. Stets sammeln sich an diesen Orten die Proteinverbindungen in grösserer Menge an u. vielleicht [ist] überhaupt das erst Unterscheidbare an einer werdenden Zelle der Zellenkern u. die stickstoffhaltige Auskleidung der Zelle, beides stickstoffreiche Substanzen. (153) Diess Grund mehr, dass die üppige massenhafte Entwicklung der Pflanzen überall an reiche Ammoniakzufuhr gebunden. (l. c.)

6) Aüssere Bedingungen der Vegetation.
a) Der Boden.

α) Regen u. Thau die unbedeutendsten Wasserquellen f. die Pflanzenwelt. Sie dienen nicht nur dazu die Vegetation zu erhalten, sondern auch die Quellen zu speisen. Andrer Theil des gefallnen meteorischen Wassers verdunstet sofort wieder in der Luft ohne durch die Pflanzen gegangen zu sein. (155)

Durch die Flüsse (vom Regen) abgeführte Wassermengen. (Für Themse, Seine, Rhein, Weser p. 155) Weit mehr als die Hälfte der atmosphärischen Niederschläge geht so f. die Pflanzen verloren. Nach Schübler (f. England) fallen auf den Morgen v. 40,000 □ Fuss in den 4 Monaten od. 120 Tagen, die durchschnittlich die Vegetation unsrer Culturpflanzen dauert – 1,600,000 Pfd Wasser. Die Hälfte davon = 800,000 Pfd. beträgt aber (cf. p. 121, 122, 123) etwas weniger als die Hälfte v. dem was ein Morgen mit Kohl etc in derselben Zeit verbraucht, etwa nur 1/8 v. dem, was ein Morgen Wiesenland in den 120 Vegetationstagen ausdunstet. (156) (Weiteres ibid.)

Jeder Körper verdichtet Wasserdunst aus der Luft auf seiner Oberfläche; Sand am wenigsten v. den Bestandtheilen des Urbodens, Thon am meisten; die verschiednen organischen Bestandtheile – der Humus – der Dammerde übertreffen in dieser Eigenschaft bei weitem ihre organischen unorganischen Bestandtheile. (156) Dasselbe gilt nicht nur f. die Wasserdünste der Atmosphäre (Aufnahme u. Verdichtung), sondern auch f. Entziehung u. Absorbirung der Kohlensäure u. Ammoniakgas aus der Luft. Hierin wieder Humus ausgezeichnet. (157)

β) Verwitterung des Urbodens geht langsam vor sich. Wo Vegetation üppig, müssen unorgan. Bestandtheile in grösster Menge u. bequemster Form vorhanden sein. Urboden kann stets nur geringe Menge v. auflöslichen unorgan. Elementen enthalten, weil er durch jeden Regen ausgelaugt, woher der Gehalt der Quellen u. Bäche an diesen unorganischen Bestandtheilen stammt. Der Humus enthält dagegen alle dem Pflanzenbedürfniss entsprechenden unorgan. Stoffe natürlich in den passendsten Verbindungen, grösstentheils so eng mit der organischen Substanz verbunden, dass sie den letztren durch die auflösende Kraft des Wassers allein nicht entzogen werden können, sondern nur durch die Verwesung, die viel rascher als die Verwittrung fortschreitet, in Freiheit gesetzt u. so der Pflanze zur Aufnahme dargeboten werden. (157)

γ) Temperatur des Bodens: Je höher dieselbe innerhalb gewisser Grenzen, desto kräftiger die Entwicklung der Pflanzen. Meisten Pflanzen bedürfen einer Bodentemperatur, welche die der Atmosphäre um mehre Grade übersteigt. (157) ( Schübler’s u. Decandolle’s Beobachtungen. Tabellen p. 158) Höhere Bodentemperatur hängt mit Farbe des Bodens zusammen; je dunkler, je mehr v. Sonnenstrahlen durchwärmt. Hence Erwärmungsfähigkeit des Bodens durch Humus 159. ⦗Ueber den Einfluss der Bodenfarbe Humboldt, Schübler ib. p. 159)

b) Die Atmosphäre.

Atmosphäre die Vorrathskammer f. die organ. Nahrungstoffe der Pflanzen. Kohlensäure u. Ammoniak entströmen stets aus Vulkanen u. vulkanischem Boden, Kohlensäure u. Ammoniakverbindungen als Produkte der Verbrennungs- Verwesungs- u. Verfaulungsprocesse an die Luft geliefert, Schwefel- u. Phosphorgehalt entweichen beim Verfaulen der Proteinverbindungen als Schwefel- u. Phosphorwasserstoffgas in die Luft. Aus diesem grossen Vorrath dringen diese Stoffe nebst den Wasserdünsten, angezogen v. den absorbirenden Bestandtheilen des Bodens in diesen ein, so der Pflanze zugeführt. Produktion u. Verbrauch dieser Substanzen aber stets an bestimmte Oertlichkeiten auf der Erde gebunden. Wind u. Sturm erhalten beständig gleichartige Mischung aller Bestandtheile in der Luft, verhindern Mangel daran einerseits, Anhäufung schädlichen Stoffs im Uebermass andrerseits. (159)|

44

c) Die Wärme.

Abhängigkeit der Pflanzen v. der sie umgebenden LuftTemperatur; ihr Gedeihn an bestimmte Temperaturverhältnisse gebunden. (160)

Höchste u. niedrigste Temperaturen (aüsserste limits) die verschiedne Pflanzen ertragen können. (Erfriern od. Nichtmehrgedeihn bei bestimmtem Hitzegrad) (Zahlen p. 160, 161)

Mittlere Jahrestemperatur, die die Pflanzen zum Gedeihn bedürfen. (Zahlen p. 161) (Mittl. Temperatur, die sie zum Wachsen bedürfen)

Die mittlere Jahrestemperatur hat f. die s. g. einjährigen Pflanzen od. richtiger f. Sommergewächse gar keine Bedeutung.

Mittlere Sommerwärme f. Weizen etc. (162 Zahlen)

In neuerer Zeit ist man bes. durch Boussingault dahin geführt worden die mittlere Temperatur der wirklichen Vegetationszeit zu berücksichtigen; Boussingault nimmt die mittleren Temperaturen aller Vegetationstage; die andern nach Quetelet die Quadrate der mittleren Temperaturen. Die Beobachtungen f. letztere Berechnung nur an perennirenden Gewächsen gemacht die ausser der Temperatur während ihrer lebendigen Vegetation im Sommer auch noch v. der Temperatur, die sie im vorigen Jahr genossen haben, abhängig. Z. B. Weinstock. Diese vorhergehende Temperatur u. ihr Einfluss lassen sich zur Zeit noch nicht in Rechnung bringen. (162)

Man muss die mittlere Temperatur nicht nur der Vegetationszeit, sondern auch ihrer einzelnen Perioden sondern. (162)

Die Zeit, in welcher die meisten Pflanzen ihre Vegetationszeit vollenden, aüsserst verschieden nach den aüssern Verhältnissen. Z. B. die verschiedne Vegetationszeit v. Weizen, Gerste u. Kartoffel je nach ihrem geographischen Standort. (Zahlen p. 163)

Multiplicirt man aber die Anzahl der Tage × mit ihrer mittleren Temperatur, so kommen f. jede Pflanze nahezu gleiche Produkte zum Vorschein. Angaben darüber f. Kartoffel (Zahlen p. 163) Um diess als Naturgesetz zu formuliren, nöthig ganz genaue Angaben über Spielarten, Düngungszustand der Felder u. Feuchtigkeitsverhältnisse. (cf. Zahlen u. Raisonnement darüber p. 264)

Es schwankt aber nicht nur die Zahl der Tage, worin die Pflanzen ihre ganze Vegetation vollenden, sondern auch die Zahl der Tage f. die einzelnen Perioden der Vegetation; selbst dann noch, wenn die Vegetation im Ganzen nahezu gleichbleibt od. doch in viel engeren Schranken wechselt. (Zahlen, p. 164, p. 165)

Tabelle v. Göppert , der Temperatur (mittlere) berechnet nach den Summen od. aber den Quadraten der Temperaturen p. 167 (Abgetheilt in folgende Perioden: 1) Vom Aufhören der Fröste am 1 März bis zum Ausschlagen. 2) Vom Ausschlagen bis zur Blüthe. 3) Von Blüthe bis Fruchtreife. 4) Von Fruchtreife bis Blattabfall) Kritische Bemerkungen v. Schleiden über diese Tabelle. (166) Manche Pflanzen – wie Pflaumen u. Aepfel – kommen sehr rasch zur Blüthe, reifen aber ihre Früchte sehr langsam; andre – wie Himbeere u. Linde – brauchen verhältnissmässig viel mehr Wärme zur Blüthenentwicklung als zur Fruchtbildung. (l. c.)

Mittlere niedrigste Temperatur des Tages, an welchem die Pflanzen ausschlagen (ihre Blätter zu entwickeln beginnen), in Blüthe treten u. reifen. Zahlenbeispiele. (168)

Tabelle II (vorher Erklärungen dazu) p. 168, beweist, dass die Methode der Quadrate mehr der Natur entspricht. (169) D. h., dass die Wärme, die eine Pflanze gebraucht, um so vortheilhafter auf ihre Entwicklung einwirkt, in einem je kleineren Zeitraum sie der Pflanze dargeboten wird, denn nur unter dieser Voraussetzung kann die Methode der Quadrate ein mit der Natur übereinstimmendes Resultat geben. (l. c.) Aber auch hier Maximalgrenze; über Maximum der Temperatur hinaus, Vegetation nicht mehr beschleunigt, sondern zerstört. (169)

Zwei Verhältnisse, die ebenfalls fast ganz v. der Temperatur abhängen – die Veränderungen der Vegetation nach der Erhebung über den Wasserspiegel u. nach der grössern Breite. Zahlen f. Verspätung v. Blüthe u. Ernte f. je 1000 Fuss Erhebung über den Meeresspiegel. bei Winterweizen, Roggen, Hafer, Gerste, Kartoffel (169)

F. den höhren Breitegrad Verspätung in Ausschlagen u. Eintritt der Blüthe um etwa 4 Tage. In Europa entpricht jeder Grad der Breite einer Temperaturabnahme v. etwa 0.516° Réaum. F. die Fruchtreife u. selbst schon f. die spätblühenden Pflanzen findet dieses Gesetz keine Anwendung. (169)|

45

d) Das Licht.

Chemisch wirkende Kraft des Lichts. (170)

Chlorophyll (der grüne Farbstoff v. Pflanzen) sehr stickstoff- u. sauerstoffreich, nimmt unter Einfluss des Lichts seine grüne Farbe an, durch Oxydationsprocess wahrscheinlich (ebenso geht wahrscheinlich der farblose Indigo in den blauen über). Wahrscheinlich unter Einfluss des Lichts Sauerstoff aus Gummi od. Zucker ausgeschieden u. dadurch in Fett u. Wachsarten umgewandelt. Wahrscheinlich, dass der so freiwerdende Sauerstoff zur Oxydation des farblosen Chorophylls Chlorophylls dient, das wir immer mit wachsähnlichen Stoffen vergesellschaftet finden; auch hält der Process des Grünwerdens immer Schritt mit Verschwinden od. Vermindrung der schleimigen u. süssen Stoffe der Pflanzen. (171)

e) Die Elektricität. (Nichts. p. 172)

Anhang über einige besondere Arten der Zellenbildungsprocesse in der Pflanze, so wie über ächte u. unächte Schmarotzer.

I)

1) Fälle worin üppige Ernährung der Pflanzen Vermehrung der Zellen hervorruft, bes. des Füllgewebs, welches in den Blättern zwischen den Gefässbündeln liegt od. Mark u. Rinde der Stengeln u. Wurzeln ausmacht. Die einzelnen selbst normal gebildet, ihr Inhalt höchstens vermehrt, seltner einzelne Stoffe vorherrschend geworden als früher. Beispiele v. Kartoffel, Möhre, Kohl etc. Hier die reichlichere Zufuhr v. Nahrungstoffen = Vermehrung des Zellgewebs, die der sich natürlich u. gesetzmässig entwickelnden Pflanze fremd ist. (173)

2) Uebersteigt die Zufuhr der Nahrung gewissen Grad, od. ihre Zusammensetzung nicht zusagend, dann entstehn zahlreiche neue Zellen, in Form, Farbe u. Inhalt wesentlich v. den normalen verschieden. Staubbrand (bei Gerstenkorn[)], Rost (bei Roggen) (p. 173)

Staubbrand, Schmierbrand, Rost, Mutterkorn solche Pflanzenkrankheiten, beruhn auf [einem] abnormen durch fehlerhafte Ernährung der Pflanze herbeigeführten Zellenbildungsprocess; die leichter zum Ausbruch kommen unter bestimmten aüsseren Umständen, wie unzeitig niedrige od. übermässig hohe Temperatur, übermässige Feuchigkeit Feuchtigkeit od. Trockenheit etc. (174)

II) Parasiten – od. Schmarotzerpflanzen

α) ( zu schwach, rohe Nahrungsstoffe zu verarbeiten, müssen wie Kinder v. schon völlig assimilirten Stoffen genährt werden. Diess die ächten Parasiten, die sich auf andren Gewächsen ansiedeln, in sie hineinwurzeln, ihre Nahrungskräfte an sich ziehen u. zu eignem Zellenbau verwenden. (l. c.) Mistel eine der bedeutendsten, auf Kiefern, Pappeln, bes. Obstbäumen.

β) Ächte Parasiten andrer Art. Oft nur mit dem Mikroskop zu erkennen aus der Klasse der Pilze, vulgo als Schimmel zusammengefasst. (175) Die meisten auf todten, absterbenden Pflanzen; aber auch beträchtliche Anzahl nur auf lebendig vegetirenden Pflanzen, deren Tod sie meist sehr bald nachziehn. Sie zeigen viele Aehnlichkeit mit den obenerwähnten Pflanzenkrankheiten. Die krankhaften Zellen entstehn immer in den vollkommnen u. unverletzten [Zellen] der Pflanzen, niemals aus einer Spore od. einfachem Pilzsamen. Die parasitischen Pilze immer aus einer v. einem andern Pilze gleicher Art stammenden Fortpflanzungszelle od. Spore (Pilzsamen); entstehn nie in der Zelle einer fremden Pflanze, weil sie in die geschlossne Zelle nicht hineinkommen können, sondern auf der Oberfläche der Pflanze, wo aber seltner u. weniger schädlich, od. in den Zellenzwichenräumen Zellenzwischenräumen , v. Winden durch die Luft geführt, durch die Spaltöffnungen; wachsen meist aus der Spaltöffnung wieder heraus u. tragen hier ihrerseits wieder Sporen od. Samen. Nehmen sie überhand, so verstopfen sie Zellenzwichengänge Zellenzwischengänge u. Spaltöffnungen u. tödten Pflanze schnell durch Unterdrückung der Verdunstung oder Gasausscheidung. Möglichkeit f. die Ansiedlung solcher Parasiten immer schon gegeben durch eine krankhafte Veränderung der Säfte. Ganz gesunde u. normal entwickelte Pflanze scheint ihrer Festsetzung zu widerstehn (wie ein ganz gesunder Körper keine Spulwürmer u. dgl. hegt.) Diese Parasiten wie jene Pflanzenkrankheiten (diese vielleicht ausschliesslich) bei weitem häufiger auf unsren verzärtelten, durch zu üppige Nahrung schon verdorbnen Kulturpflanzen als bei den wild wachsenden. (175, 176)

γ) Unächte Parasiten: Moose u. Flechten auf der Rinde der Bäume. (p. 176)

III)

Eigenthümliche Verändrungen im Innern der saftigen Früchte, deren Säfte einer Weingährung fähig sind, gegen die Zeit der Reife. Beispiel Weinbeere (gilt auch f. Johannis- Stachel- Himbeere etc). Sobald die Samen vollkommen ausgebildet, also die Frucht im physiologischen Sinn reif ist, erweicht allmälig die Fruchtschale. Zellenwände werden dünner, |46 Theil derselben löst sich im Innern auf, Chorophyll Chlorophyll verschwindet u. – das Wichtigste – die Proteinverbindungen häufen sich mehr an, od. gehn doch in schleimig körnigen Zustand über, unter dem Mikroskop erkennbar. Um diese Zeit in den meisten Zellen die stickstoffhaltige Auskleidung in Strömungen begriffen, allmälig verschwindend, so wie die Proteinverbindungen stärker hervortreten; sobald diess der Fall, bilden sich im Saft der Zellen zahlreiche kleine, kugelrunde, zartwandige u. gewöhnlich mit einem zarten Zellenkern versehne Zellen verschiedner Grösse, bald wieder aufgelöst, verschwindend. Diess Zeitpunkt der Weinreife der Frucht, d. h. der Zeit, wo der Saft derselben, fast im Augenblick wo er mit Luft in Berührung kommt, in geistige Gährung übergeht, während er bis dahin längere Zeit bedarf, um in geistige Gährung zu kommen u. gewöhnlich sehr schnell in Essigsäure übergeht. Untersucht man um diese Zeit den Saft mikroskopisch, so ausser den erwähnten Zellen u. ihren Anfängen noch andre Kügelchen, die sich allmälig zu aüsserst kleinen etwas länglich runden u. mit ausserordentlich dicker stickstoffhaltiger Auskleidung versehnen Zellen ausbilden. Einmal entstanden, vermehren sie sich auf eine Weise, die der Bildung der Fortpflanzungszellen bei den Pilzen nicht ganz unähnlich. ⦗desshalb hat man diese Bildungen zu den Pilzen gerechnet⦘ Es sind aber keine eigne Art v. Pflanzen, sondern nur unselbsständige Zellen, welche die Zersetzung zuckerreicher Säfte in Kohlensäure und Alkohol begleiten – Hefenzellen (heissen in der Technik Hefe). Das Eigenthümliche an ihnen ist, dass sie sich überall da bilden, wo zuckerreiche Säfte u. Proteinsubstanzen in genügender Menge u. Art zweckmässig gemischt sind, mag diese Flüssigkeit nun in Zellen eingeschlossen sein od. sich frei in irgend einem Gefäss befinden [,] u. dass ihre Wechselwirkung mit der zuckerhaltigen Flüssigkeit als die Ursache erscheint, weshalb der Zucker in Kohlensäure u. Alkohol zerfällt, denn in allen gährungsfähigen Flüssigkeiten geht der Entwicklung der Kohlensäure die Bildung v. Hefenzellen voraus u. die Entwicklung der Kohlensäure findet nur im Umfang dieser Zellen statt. (176, 177)

C) Periode der Fortpflanzung.

Reichliche Anstalten in der Natur zur Sicherung der Fortpflanzung.

1) Regelmässige Fortpflanzung durch Bildung eigner entwicklungsfähiger, auschliesslich ausschliesslich f. die Entwicklung der neuen Pflanzen bestimmter Zellen (die man bei den Phanerogamen Blüthenstaub, Pollen nennt) (p. 178)

a) Cryptogamen: Moose, Farrnkräuter Farnkräuter etc. Fortpflanzungszelle fällt ohne weiteres auf den Boden, entwickelt sich ohne Unterbrechung bis zur vollständigen neuen Pflanze. (178) Man nennt diese geschlechtslose Pflanzen.

b) Phänerogamen: Die zur Fortpflanzung bestimmte Zelle muss noch erst in ein andres Organ derselben Pflanze gelangen – die Samenknospe (da es die Anlage, Knospe zum Samen ist) (Frühere Botaniker nannten es Pflanzenei od. Eichen) sobald die FortpflanzungsZelle in die Samenknospe gelangt, entwickelt sie sich zu einer Pflanze, aber nur bis zu gewissem Grad der Vollendung, so dass die Pflanze mehr od. weniger vollständig in ihren Theilen als Wurzel, Stengel, Blätter angelegt. Anlage ruht dann längere Zeit, Leben erwacht erst wieder nach gewisser Zeit u. die weitere Entwicklung zur vollkommnen Pflanze beginnt – Keimung. Die Pflanzenanlage wird als Keim od. Keimpflänzchen, die Samenknospe aber zur Zeit, wo sie den vollständigen Keim umschliesst, als Same bezeichnet[.] Diese ganze Abtheilung Pflanzen heissen „Geschlechtspflanzen.“; bedeutet, dass bei der Fortpflanzung 2 verschiedne Pflanzenorgane thätig – Blüthenstaub (Pollen) und Samenknospe. (179) Gewöhnlich kommen noch einige minder wesentliche, einhüllende u. schützende Theile hinzu. In der Familie der Nadelhölzer nur Staubfäden u. Samenknospen. Bei den andern Pflanzen noch 2 Arten v. Organen:

α) Samenknospen, einzeln od. zu mehren v. unten hohlem Pflanzentheil umschlossen (Fruchtknoten), oben mit einer gewöhnlich auffallend gestalteten Mündung (Narbe), zwischen beiden längere od. kürzere Röhre (Staubweg). Alle diese 3 Theile zusammen – Stempel (Pistill). Der untere angeschwollne Theil heisst Fruchtknoten weil er die Anlage (Knospe, altdeutsch Knoten) f. die zukünftige Frucht ist. (179, 180)

β) Die Staubfäden od. die Fruchtknoten od. beide, in grösserer od. geringerer Zahl vereinigt, v. Blattkreisen umschlossen, heissen zusammen Blume (da sie v. der Form etc der übrigen Blätter der Pflanze abweichen); Blüthe dagegen nur die eigentlichen Fortpflanzungsorgane mit ihrem direkten Zubehör. Die einzelnen Theile der Blume bilden oft mehr, oft weniger Kreise u. die Theile dieser Kreise oft mehr, oft weniger verschieden. (180. Sieh ib. b)

2) Bildung v. Knospen, die, losgetrennt v. ihrer Mutterpflanze, sich zu neuen Individuen entwickeln. Bei der regelmässigen Fortpflanzung die junge Pflanze – der Keim – ringsum frei, weil eine völlig freie isolirte Zelle die Grundlage f. die |47 neue Bildung ist; bei der Knospenbildung, die junge Pflanze – die Knospe – mit den Zellen der Mutterpflanze verwachsen – nur nach dem einen entwicklungfähigen Ende frei, am andern, das der Wurzel entsprechen würde, mit der Mutterpflanze verwachsen. Manchmal (häufig) die Knospe eingehüllt in eigenthümlich gebildete Blätter, Knospendecke (fallen ab, so wie die Knospe ihre Entwicklung beginnt.) (180)

3) Bei beiden Arten der Fortpflanzung kann man die der Fortpflanzung dienenden Organen Organe als Schmarotzer ansehn, die auf u. v. der Mutterpflanze leben; ziehn nach u. nach die wichtigsten Stoffe der ganzen Pflanze an sich u. tragen so viel zu ihrem Absterben bei. (181) So Blüthentheile u. namentlich die Früchte enthalten die grösste Menge Aschenbestandtheile. Beispiele. (l. c.) Gilt auch f. die organischen Bestandtheile insofern die Organe, die der regelmässigen Fortpflanzung dienen – bes. Blumen, Staubfäden, reifende Früchte (obgleich besonders letztre sehr bald an Masse zunehmen), doch fortwährend eine grosse Masse organ. Substanz, die sie der Mutterpflanze entzogen haben, zerstören, indem in ihnen langsamer Verbrennungsprocess [stattfindet], unter Ausnahme Aufnahme v. O aus der Luft u. Aushauchen v. CO2 . Besonders lebhaft dieser Process in den Staubfäden. (Zahlenangaben p. 181) Weiteres 182. ⦗wo aus der ausgehauchten Kohlensäure berechnet Verlust an Kohlenstoff u. daher an Zellstoff od. Stärkemehl⦘ ⦗Beispiel v. Rapspflanze u. Kürbis

Der letzte Abschluss des Pflanzenlebens in jeder Periode Ausbildung der Frucht; mit ihrer vollkommnen Reife sterben ein- od. zweijährige Pflanzen ab. Saft muss sich zulezt in die Theile hineinziehn, die am längsten ausdünsten; dieser Saft führt alle auflöslichen Bestandtheile mit fort. Bei den perennirenden Pflanzen [ist] die vollkommne Ausbildung der Knospen die lezte Erscheinung der Vegetation; der Unterschied besteht hier wesentlich darin, dass ausser den Fortpflanzungsorganen (den Knospen), noch gewisser Theil der Hauptpflanze, bei den Bäumen namentlich der Splint, das Bildungsgewebe u. der innere Theil der Rinde lebendig bleibt u. einen Theil des Safts behält. Daher das Aussaugen der Pflanze durch die Fortpflanzungsorgane bei den einjährigen Pflanzen viel sichtbarer als bei den länger ausdauernden. (182)

Alle Arten der Fortpflanzung beruhn in lezter Instanz auf dem Vermögen jeder einzelnen Zelle neue Zellen hervorzubringen, also auf der Fortpflanzungsfähigkeit der Zelle. Dienen die neugebildeten Zellen nur dazu Masse u. Umfang der vorhandnen Pflanze zu vermehren, so nennen wir es Wachsthum; ordnen sich dagegen die neugebildeten Zellen so, dass sie die Gestalt einer neuen Pflanze annehmen – so Fortpflanzung. Bei dieser muss sich also immer der Ursprung der neuen Pflanze auf eine einzige Zelle zurückführen lassen, aus welcher sie durch wiederholte Zellenbildung hervorgegangen ist. Diess leicht bei der regelmässigen Fortpflanzung; bei den kryptogamen die Fortpflanzungszellen od. Sporen, bei den phanerogamen die Zellen des Blüthenstaubs od. der Pollen, sind eben jene Zellen, woraus sich die neue Pflanze entwickelt. (182, 183) Bei der Fortpflanzung durch Knospen noch nicht gelungen aus der grossen Masse der verbundnen Zellen die herauszufinden, welche die erste Grundlage der Knospe bildet. (183)

I) Regelmässige Fortpflanzung.

Blühende Weizenähre (von triticum fastuosum); zerfällt in einzelne Abtheilungen, die stets auf einem Zahn der Spindel od. des durchlaufenden Stengels stehn. Solche Abtheilung heisst Aehrchen (Spicula); v. aussen die beiden grossen Spelzen od. die Hülle, umschliesst 3 Blüthen. (183) (Weitere Beschreibung der Stellungsverhältnisse der Blüthentheile, beginnend mit den innern Spelzen etc p. 184, 185)

Trennt man v. der Weizenblüthe die sämmtlichen Spelze ab, so behält man 2 Staubfäden (ein dritter verkümmert, verschwunden) u. den Fruchtknoten. Der Staubfaden besteht aus einem dünnen Faden – dem Träger [–] u. dem Staubbeutel, aus 2 Hälften zusammengesezt u. an jeder Seite eine Fuge hat, die den Ort bezeichnet, an welchem der Staubfaden sich durch Auseinanderreissen seiner Wände öffnet, um den Blüthenstaub zu entlassen. Querschnitt eines ganz jungen Staubbeutels. Analyse desselben. (185) Daselbst am Grunde des Fruchtknotens 2 Blättchen fig. 104 B. (vergrössert fig. 106.[)] (p. 185) Fruchtknoten kleiner, fast kreiselförmiger Körper auf seiner Spitze mit 2 Narben wie kleine Flaumfedern gekrönt. (l. c.) Jeder der beiden Narbenfäden mit mit Seitensästen Seitenästen besezt, u. jeder derselben mit kurzen Haaren bedeckt, zwischen welchen später der Blüthenstaub hängen bleibt. Zwischen beiden Narben [ist] der Eingang in die Höhle des Fruchtknotens, welcher eine einzige Samenknospe umschliesst.

Beschreibung, dazu Figur 109 (p. 186) Die Höhle fast ganz ausgefüllt v. der Samenknospe; diese besteht aus länglichem Kern, ringsum v. 3 dünnen Häuten (Hüllen) umschlossen, nur an der nach unten gerichteten Spitze des Kerns lassen die Hüllen einen kleinen auf die Spitze zuführenden Canal offen. Im Innern des Kerns grosse längliche Höhle, durch eine grosse Zelle gebildet. Diese Höhle der Keimsack, worin sich später der Keim bildet. (186) Während der Blüthe- od. s. g. Befruchtungs- |48 od. vielmehr der Blüthezeit: Erst bersten die Staubbeutel, schütten den Blüthenstaub aus, wovon jedes Körnchen eine einfache vollständige Zelle mit schleimig-körnigem Inhalt bestehend z. Th. aus Proteinverbindungen, z. Th. aus Gummi u. Zucker, sehr stark hygroskopisch, so dass die Blüthenstaubzelle, die im Staubbeutel ziemlich stark zusammengefallen liegt, im Wasser sogleich aufschwillt. Die einfache Blüthenstaubzelle hat noch einen Ueberzug v. einer eigenthümlich gelblichen, etwas körnigen Substanz, selbst v. concentrirter Schwefelsäure nur sehr schwer angreifbar, schüzt die Pollenzelle gegen schädliche Einwirkungen, namentlich übermässige Nässe. An irgend einer Stelle hat dieser Ueberzug ein scharfes rundes Loch u. hier liegt die Wand der Blüthenstaubzelle fast ganz frei. (186, 187) Bei verschiednen Pflanzenarten auf verschiedne Art der Blüthenstaub auf die Narbe übertragen u. klebt vermittelst der inzwischen v. der Narbe abgesonderten Feuchtigkeit hier fest. Zellenwand entwickelt sich nun an der Stelle wo das Loch in dem Ueberzug befindlich in Form eines langen Schlauches, der allmälig an den Haaren der Narbe herunterläuft u. wahrscheinlich v. der hier abgesonderten Flüssigkeit genährt wird. (187) (Weiteres 187–189) (Das Würzelchen des durch Eindringen des Schlauchs in den Keimsack entstandnen Keims weist bei allen Pflanzen auf die Stelle hin wo der Schlauch eingedrungen war) (In dem Theil des Schlauches, der in den Keimsack hineinragt, entstehn Zellen, die sich endlich immer mehr vermehren u. endlich sich zum Keim gestalten, während der übrige Theil des Schlauches allmälig zerstört wird. Samenknospe u. Fruchtknoten nehmen bedeutend zu, bis sie die Grösse des reifen Korns erreicht haben. Vor allem dehnt sich der Keimsack nach allen Seiten u. verdrängt die ganze Samenknospe bis auf ein dünnes Häutchen, welches sich fest an die Fruchtknotenwand anlegt, auch diese wird durch den Druck v. innen u. die Ausdehnung v. beim Wachsthum ein dünnes Häutchen; beide zusammen bilden dann Frucht- und Samenschale des reifen Korns. Der vergrösserte Keimsack v. dem sich entwickelnden Keim nur zum Theil ausgefüllt; in dem übrigen Theil bilden sich allmälig Zellen, welche den ganzen Raum einnehmen, sich mit Stärke u. Kleber füllen u. den Eiweissköper des Samens darstellen. 188, 189) Verschiedenheiten bei den verschiednen Pflanzen. (p. 189)

Bei allen Geschlechtspflanzen dehnt sich Blüthenstaubzelle in einen Schlauch aus, gelangt das eine Ende des Schlauchs in den Keimsack, gestaltet sich dieses Ende durch innere Zellenbildung zum Keim, entsteht also der Keim wirklich aus der Blüthenstaubzelle (189  Zusammenfassende Bemerkung von Marx.
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diess gehört Schleiden zuerst
)

Alle übrigen Verhältnisse bei der Befruchtung dagegen mannigfaltig verschieden. Abgesehn v. Verschiedenheit der unwesentlichen Blüthentheile – als Blüthenhülle, Kelch, Krone u. s. w. [–], [auch die] mannigfaltigen aüsseren Formen der Staubfäden u. des Fruchtknotens; wesentlicher:

1) der Fruchtknoten umschliesst bald nur eine, bald mehre, selbst unzählige Samenknospen; seine Höhle bald einfach, bald in mehre Abtheilungen od. Fächter Fächer getheilt;

2) bei den s. g. Zusammengesetztblüthigen (z. B. Sonnenblume) erscheint der untere Theil des Stempels, nämlich der Fruchtknoten v. dem oberen Theil – Staubweg u. Narbe – völlig getrennt dadurch, dass die Kelch- u. Blumenblätter auf der Spitze des Fruchtknotens u. nicht an seinem Grunde befestigt sind u. also der Fruchtknoten unter der Blume u. nicht in ihr steht. (189, 190)

Sehr verschieden die Bildung der Samenknospe. Wesentlich, überall vorhanden, der Kern mit dem in ihm enthaltnen Keimsack; dagegen Anzahl u. Anwesenheit der Knospenhüllen, grade od. gekrümmte Form der Samenknospe, Art ihrer Anheftung im Fruchtknoten vielfach variirend. (190)

Ueberzug der einfachen Blüthenstaubzelle zeigt die reichste Mannigfaltigkeit der Formen. Besonders gross Verschiedenheit in der Form, Zahl u. Anordnung der Oeffnungen, die f. das Hervortreten des Schlauchs bestimmt sind. Es kommen vor von 1 (Gräser) bis zu 30 (Malven) Oeffnungen, bald runde Löcher (Kreuzblüthige), bald längliche Spalten (Lilien); zuweilen die Löcher noch mit eignem Deckel versehn, wie bei Gurke u. Kürbis. (l. c.)

Nach dem verschiednen Bau der Narben, des Staubwegs u. der Höhle des Fruchtknotens auch der Weg verschieden, den die Schläuche des Blüthenstaubs durchlaufen. (l. c.)

Bei Ausbildung des Keims viele Verschiedenheiten in Zahl u. Form der einzelnen Theile. Nadelhölzer haben häufig bis zu 12 Keimblätter an Quirlform gestellt, die Zweisamenlappigen zwei, die Einsamenlappigen ein Keimblatt. Bei Flachsseide z. B. Keimblätter gar nicht ausgebildet. (l. c.)

Bildung des Eiweisskörpers bei verschiednen Pflanzen verschieden; hängt davon ab, ob Keim so gross entwickelt, dass er alles übrige bis auf seine Samenschale verdrängt. Zuweilen entsteht der Eiweisskörper aus dem im Keimsack neugebildeten Zellengeweb, wie bei den Gräsern, zuweilen aus einem Theil des nicht völlig verdrängten Kerns, wie bei Seifenwurzel, selten |49 beides gleichzeitig, wie bei der weissen Seerose. (190)

II) Knospenbildung.

Jede Pflanze besteht aus einem Stengel als Hauptkörper ⦗Wurzel Verlängerung des Stengels, wenn er selbstständig fortwächst; ist diese einfache Wurzelbildung nicht genügend, so bildet die Pflanze Nebenwurzeln, durch die sie sich ernährt⦘ u. Blättern als Seitengliedern ⦗Blüthentheile, Samen u. Früchte sind nur besondre Formen v. Stengel u. Blatt⦘. Die einfache vollständige Pflanze besteht also aus einem Stengel u. den daran befestigten Blättern. In dieser Einfachheit findet man nur wenige Pflanzen. (191) Meistentheils entstehn an der Pflanze durch einfache Entwicklung bestimmter Zellen neue Pflanzen die in ihrem unentwickelten ZustandKnospen heissen. Jede Knospe hat eine Stengelanlage, die nicht gerade Fortsetzung eines schon vorhandnen Stengels, also mit den ebenfalls vorhandnen Blattanlagen eine neue Pflanze darstellt. (191)

Erstens: die sämmtlichen in der Knospe vorhandnen Organe in Blüthentheile umgewandelt – heisst dann Blüthenknospe, später Blüthe; diese bildet Samen u. dient so der regelmässigen Fortpflanzung.

Zweitens: Die Theile der Knospe in lebendiger Verbindung mit der Pflanze entwickeln sich zu Stengel u. gewöhnlichen Blättern – Blattknospe, später Zweig; diese Knospen u. Zweige nur künstlich zur Fortpflanzung zu benutzen.

Drittens: Pflanze trennt sich freiwillig v. ihren KnospenBrutknospen, sie wachsen zu neuen selbstständigen Pflanzen, natürliche Fortpflanzung ohne Samenbildung. (191)

Regelmässige Knospen: Endknospe (das natürliche Ende jedes fortwachsenden Stengels); Achselknospen (Anlagen zu neuen Stengeln in dem Winkel, den ein Blatt mit dem Stengel bildet – der Blattachsel); diese kommen zu einer od. mehren vor; mittelste u. kräftigsteHauptknospe, die andern Beiknospen. (191)

Zufällige od. Nebenknospen können an jedem Theil der Pflanze unter besonders begünstigenden Umständen entstehn, gewöhnlich an den holzigen Stämmen der zweisammenlappigen zweisamenlappigen Pflanzen an unsren Waldbäumen, wo Verletzung der Rinde zur Bildung eines  Bei Schleiden, S. 192: holzigen
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harzigen
Auswuchses, s. g. Maserbildung Veranlassung gegeben. (l. c.)

Die Endknospen kommen fast immer zur Entwicklung, dienen zur Verlängerung des Stengels auf dem sie sich befinden (an  Bei Schleiden, S. 192: Syringe
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Syringa
(d. h. spanischem Hollunder) schlagen sie ausnahmsweis fast immer fehl); werden aüsserst selten zu Brutknospen, nie bei Hauptstengeln, so viel bekannt. (192)

Achselknospen stets in Anlage vorhanden, kommen nicht immer zur Entwicklung. F. die meisten einsamenlappigen Pflanzen, namentlich auch die einjährigen Gräser Regel, dass ihre Achselknospen nach oben nur als Blüthenknospen, nach unten aber in den Achseln der gewöhnlichen Blätter sich gar nicht entwickeln; wohl aber thun’s sie sogleich unter begünstigenden Umständen, z. B. bei Zerstörung der Endknospe od. Hemmung ihres Wachsthums. Daher entwickeln sich die Achselknospen reichlicher, d. h. die Pflanze bestockt sich leichter u. besser, wenn man Weizen od. Roggen im Herbst sät, so dass durch die bald eintretende niedrige Temperatur die Entwicklung des Haupttriebs in die Länge zurückgehalten wird – oder wenn in warmem Herbstwetter das Wintergetreide zu üppig aufschiesst, das Wachsthum des Endtriebs durch Mähen od. Abweiden beschränkt wird. Diess die Bedeutung des s. g. Schröpfens des Getreides, das auch dadurch noch seinen besondren Werth hat, dass jede Pflanze sich um so kräftiger u. derber entwickelt, je mehr Achselknospen an ihr zur Ausbildung kommen. Zu den begünstigenden Umständen gehört zweitens sehr hohe Temperatur mit grosser Feuchtigkeit der Atmosphäre, wodurch Blatt- u. Knospenbildung besonders befördert. Diess in einigen Küstengegenden Mexiko’s, wo der Weizen die schönsten u. dichtesten Rasen bildet u. als das beste Wiesengras kultivirt wird, aber niemals zur Blüthe u. Fruchtbildung kommt. (192)

Achsel- u. Nebenknospen treten vorzugsweis bei gewissen Pflanzen u. unter gewissen Verhältnissen als Brutknospen auf. Erscheinen in mannigfacher aüsserer Form. Was hier interessirt 3 Arten:

  • a) Die Knospe bleibt in ihren wesentlichen Theilen unverändert, u. zwar, wenn sie sogleich noch in Verbindung mit der Mutterpflanze Wurzeln schlägt, so bei den Ausläufern der Erdbeere u. ähnlicher Pflanzen.
  • b) Einzelne Theile der Knospe werden wesentlich verändert, schwellen fleischig an, füllen sich mit viel Nahrungsstoff; dadurch in den Stand gesezt, ehe sie noch Wurzeln bilden, sich v. der Mutterpflanze zu trennen, da sie f. Bildung neuer Wurzeln den Stoff in sich selbst tragen. Da aber der Vorrath v. Nahrungsstoff in Stengel od. Blatt der Knospe abgelagert sein kann, so:
    • b1) in Blatt; diese dann dick u. fleischig; Stengel aber in gewöhnlicher Form u. sehr untergeordnet; diese Form der Brutknospen heissen Zwiebel, die Blätter Zwiebelschalen, die Stengel Zwiebelkuchen.|
    • 50
    • b2) Od. der sämmtliche Nahrungstoff hat sich in dem Stengel abgelagert u. diesen fleischig aufgetrieben, Blätter fast ganz verkümmert, desto mehr aber die in den Achseln dieser Blätter sitzenden Knospen entwickelt; solche Brutknospen – Knollen, die Achselknospen derselben – Augen. Hierher gehören bes. Kartoffeln u. Erdäpfel. (193.)

Darstellung des Gangs an der Kartoffel (p. 193, 194)

Die Trennung der Knospen v. der Mutterpflanze zum Behuf der Fortpflanzung

1) natürlich:

  • a) die Brutknospen sitzen an einem gewöhnlichen Stengel, wie z. B. den Seitenzwiebeln (die s. g. Klauen) am Knoblauch. Dann bildet sich an Grenze zwischen Knospe u. Stengel eine dürre Lage ganz zartwandiger u. leichtzerstörbarer Zellen, die gen Ende des Sommers absterben u. dadurch den Zusammenhang zwischen Brutknospe u. Mutterpflanze aufheben. (194, 195) Im nächsten Jahr kann dann aus jeder Brutknospe neue Pflanze hervorgehn. (195)
  • b) die Mutterpflanze treibt ganz lange dürre fadenförmige Seitenäste in od. auf der Erde u. die auf diensen diesen Seitenästen befindlichen Knospen verwandeln sich in Brutknospen. Im Herbst sterben jene Dünnen Aeste ganz ab u. so werden die einzelnen Brutknospen v. einander u. v. der Mutterpflanze getrennt. Bei den Ausläufern v. Gartenerdbeeren, Bildung v. Kartoffeln, Erdäpfeln u. s. w. (195)

2) künstlich:

  • meist nur bei den Zweigknospen angewandt, um Augen für’s Okuliren od. Reiser für’s Propfen u. s. w. zu erhalten. Seltner wendet man sie bei Brutknospen an – Fall nur: Zerschneiden der Kartoffeln od. Ausstechen der Augen derselben, um an Satkartoffeln Saatkartoffeln zu sparen (Näheres über dieses 195)
  • Ablegen od. Absenken u. Stecklinge machen (195 ⎰ u. 196)

III) Verhältniss beider Fortpflanzungsarten zu einander.

die Pflanzen, die sich schnell u. stark durch Brutknospenbildung vermehren, blühen selten u. tragen selten Samen etc. (p. 197) Sieh Weitres (ib. u. ( 198). (Unsre stark blühenden ein- u. 2jährigen Pflanzen entwickeln keine Zweigknospen u. bilden eben desshalb keinen perennirenden Stamm)

IV Verhältniss der Fortpflanzungsarten zur Erhaltung der Art.

Constante u. veränderliche Merkmale der Arten. (198)  Bemerkungen von Marx. Über den Buchstaben „qu“ in dem Wort „Lamarqueschen“ schreibt Marx den Buchstaben „k“ als alternative Schreibweise, also „Lamarkschen“.
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Schleiden schon kritisch gegen dieses⦘ ⦗Schleiden schwärmt auch nicht f. die generale Eintheilung, in Klassen (allgemeinste Categorie), dann Familien, dann Geschlechter, dann Arten, wo man aber bald gezwungen was heute Spielart, morgen als Unterart anzuerkennen⦘ (199 u. 200 kommt Schleiden dem Darwinschen od. rather Lamarqueschen schon näher)

Zwischen Fortpflanzung durch Samen u. durch Knospen nur gradweiser, aber nicht durchgreifender Unterschied. (202 ib. Weitres darüber.)



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Aus:
Johannes Ranke: Grundzüge der Physiologie des Menschen mit Rücksicht auf die Gesundheitspflege. Für das praktische Bedürfniss der Ärzte und Studirenden zum Selbststudium bearbeitet. 3. umgearb. Aufl. Leipzig 1875.
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Johannes Ranke: Grundzüge der Physiologie des Menschen. 3t Aufl. 1875.

Allgemeine Physiologie. Die Physiologie der animalen Zelle.

I Kapitel. Gestalt, Entstehung, Umbildung der Zelle.

Entdeckung des zusammengesezten Mikroskops. (3, 4)

a) Schema der Zelle.

Individuelles Leben jeder Zelle. (4) Oken (1808) (Vorher in schwächerer Art Buffon ) Schwann (1838. publ. 1839) Thatsachen, hinweisend nicht nur auf feine Porenöffnungen in der Zellenhülle (Membran), sondern auch Gegensatz zwischen Aussen- und Innenfläche derselben. (5, 6) (Porenkanäle f. gewisse Zellen (Innenfläche) bei Kölliker u. Funk Funke etc (5)[)] Zellinhalt im Allgemeinen Protoplasma. (6) Also Bläschen mit Protoplasma u. Kern. Das Schema der Zelle, wie zuerst aufgestellt. (6) Später ⦗Sieh p. 6) Umbildung der Zelllehre⦘ Zelle ein „Klümpchen Protoplasma, in dessen Inneren ein Kern liegt“. (6) (Hier wird dem Kern besondre Bedeutung zugeschrieben) ⦗Membran nicht unentbehrlich⦘ Weiter auch der Kern entbehrlich: „kleine mit Bewegungsfähigkeit ausgestattete Protoplasmaklümpchen.“ ( Brücke. Später Haeckel u. Cienkowsky über kernlose Protisten. M. Schultze.) (7) Protoplasma mit eingelagertem Kern – nackte Zellen. (7) (die verschiednen Bestandtheile nur als Differenzirungen des Protoplasma betrachtet, worin sie sich auch wieder auflösen können)

b) Eizelle

(das reife Ei der Menchen u. der Säugethiere, meist als Typus der animalen Zelle betrachtet, heisst in diesem Sinne Keimzelle. Kugelgestalt. Dottermasse – sein zähflüssiges, körniges Protoplasma); eingebettet darin Keimbläschen (helles Bläschen) (Zellkern); darin Keimfleck als Kernkörperchen, körnig dunkle Masse. Ist noch sichtbar mit blosem Auge (0.18 – 0.2 Mm.); fast alle animalen Zellen sonst mikroskopisch, im Durchschnitt v. 0,005–0,01''' Grösse. Das Protoplasma umgeben v. [einer] ziemlich dicken, farblosen, geschichteten Membran – Zona pellucida. (8) Neuere fassen das reife Ei schon als complicirteren Organismus auf (was in der That jede Zelle schon ist). Nur im ersten Stadium seiner Bildung ⦗nach Kölliker des Keimbläschen darin⦘ als Primordialei soll es einfache Zelle sein, während am reifen Ei die Zona u. Theil des Dotters schon sekundäre Bildungen seien. (8)

Bei niedern Thieren ist – wie bei den Pflanzen – Cellulose (f. Membran der Zelle) mit allen v. den Pflanzenzellen her bekannten Eigenschaften gefunden worden. (Sieh p. 9 ⎰⎰) das Protoplasma auch bei der Pflanzenzelle contraktil; chemische Zusammensetzung mit Ausnahme des Eiweisgehalts nicht unwesentlich verschieden. (9)

Entstehung der Schwärmsporen der Algen u. mancher Pilze zeigt die Selbstständigkeit des Protoplasmakörpers vom Werth einer Zelle ( Naegeli 9. Weiteres danebst 9, 10)

c) Entstehung der Zelle:

Nach Schwann zwei Bildungsarten der Zellen; freie Entstehung (Zellen erzeugt um freie Kerne in der Bildungsflüssigkeit) u. Erzeugung unter Betheiligung andrer Zellen. (11) Reichert (1840) gegen die bei Schwann  Zusatz von Marx.
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verbrecherischer Weise
unterstellte Generatio aequivoca (Crystallisation aus Schwanns Cytoblastem); Kölliker (1844): „alle Zellen der Embryonen stammen v. den Furchungskugeln, den ersten Abkömmlingen der Eizelle.[“] Dann Virchow : Betheiligung der Bindegewebszellen an den pathologischen Zellenneubildungen; dann Recklinghausen , Stricker u. Cohnheim . (12) (Dagegen Traube , sieh 12, Note 1) Zelle nicht Crystallisationsform der höhern organischen Stoffe – weil höchstzusammengesezte organisch-chemische Stoffe eine wirkliche Crystallform annehmen können Zusatz von Marx.
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!
(12) Omnis cellulae cellula, sagt  Zusatz von Marx.
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der grosse
Virchow; es giebt keine freie v. Mutterzellen unabhängige Zellenbildung. (l. c.)

Neue junge Zellen entstehn: 1) Durch einfache Theilung. (12, 13) Geht vom Zellenkern aus durch Furchung desselben, die an Tiefe zunehmend ihn in 2 Kerne zerfallen lässt; oder Kern löst sich zuerst im Protoplasma auf u. es scheiden sich dann zwei neue Kerne aus; diese v. einander abgeschnürt, 2 neue Zellen aus der Mutterzelle entstanden (12, 13) Etwas modificirte Art Knospen- od. Sprossenbildung. (13) 2) Endogene Zelltheilung: Vermehrung der Zellen innerhalb der Zellmembran der Mutterzellen (Diess alles, wie 1) nach Kölliker .) (l. c.) Säugethierei als Beispiel der Zellenvermehrung. (14) (Vorgang Furchung, die daraus entstandnen Zellen Furchungskugeln od. Furchungszellen. 14.) Neuere Resultate über Entstehung der Pflanzenzelle, zeigen immer mehr Analogien in den physiologischen Vorgängen bei Pflanzen- u. Thierzellen. (14–16). (Das allgemein gemeinsame beiden: Entstehung einer Zelle beginnt mit Neugestaltung eines Protoplasmakörpers um ein neues BildungsCentrum (das Material immer dazu geliefert v. schon vorhandnem Protoplasma), der neu constituirte Protoplasmakörper umkleidet sich früher od. später mit einer Zellhaut. 16)

d) Umbildung der Zellformen;

Anfangs alle aus der Furchung hervorgegangnen Zellen dem Ei, woraus sie entstehn, ganz analog, nur mikroskopisch klein; Bläschen mit zarter Membran mit feinkörnigem Protoplasma, worin ein od. mehre Kernkörperchen. (16) Grössenverschiedenheit der jungen Zellen. (l. c.) Die ursprünglich runde Form verliert sich in vielen Fällen schon durch den Druck, den sie auf einander ausüben in Zellengruppen. (l. c.) Verschiedne Formen. (17) Kern betheiligt sich mannigfach an diesen Formumwandlungen; auch das Protoplasma. (l. c.) Zwischenzellenmasse, Intercellularsubstanz. (Sieh 18, Note 1, nicht erhärteter Erguss zwischen den Zellen, sondern v. Anfang an geformt aus dem Protoplasma hervorgehend; nachdem die Grenzpartien der Zellen sich modificirt, bleibt oft nur eine dünne Protoplasmaschicht mit dem Kern in der Zwischensubstanz als eigentliche Zelle übrig.[)] (l. c.) Die intensiveren Bewegungen des Lebens nur in dem halbflüssigen Protoplasma der Zelle selbst; die |52 mehr od. weniger verhärtete Zwischenmaterie geringen Antheil an den organ. Vorgängen; aber in der Mehrzahl näher in den Bereich der Stoffbewegung innerhalb der Zelle gezogen, durchzogen v. Netz feiner Hohlräume, wohin die Zellen Fortsätze aussenden, die oft nach vielerlei Verästelung der umliegenden Nachbarzellen mit einander in Verbindung bringen; vermittelst dieser „Saftkanäle“ Verkehr zwischen dem Inhalt der verschiednen Zellen; dadurch  Zusatz von Marx.
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(nach Virchow)
jede Zelle befähigt den sie umgebenden Hof v. Intercellularsubstanz ⦗nach Virchow ihr Zellterritorium⦘ mit nöthigem Nahrungsmaterial zu versorgen, u. sein Leben, das an den normalen Bestand seiner Zelle geknüpft ist, zu erhalten. (18, 19) Bei den Nervenzellen überwiegt die relative Masse der  Bei Ranke, S. 19: Zellenausläufer
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Zellenausläufe
od. Zellenfortsätze
die Zellen selbst so bedeutend, dass sie oft nur als rundliche, kernhaltige Anschwellung der Fortsätze erscheinen. (19) Direkte Communikation der Zellen untereinander – Aufgeben der geschlossnen Zellenindividualität. l. c.

e) Entstehung der Gewebe:

Das endliche Resultat der Zellenmetamorphose – die Bildung der Gewebe, woraus die einzelnen Organe des Körpers zusammengesezt; die Gewebbildung hat Anfang in frühsten Entwicklungsstadien des Eis. Anfangs Zerfall des Dotters in Furchungskugeln, bilden anfänglich maulbeerförmigen Körper; weitere Entwicklung des Säugethiersei, meist im Uterus, dass diese neuentstandnen Bausteine des späteren Embryo sich in Zellen mit Membran umwandeln u. sich zur Bildung einer einschichtigen grösseren Blase zusammenschliessen. (20) Danach die Dotteroberfläche, nach vollständiger Furchung, fast homogenes Aussehn, die Furchungszellen so klein u. mit so zarten Contouren, dass sie kaum mehr in ihrer Trennung wahrzunehmen. Später verschwindet diess homogene Aussehn wieder, Mosaik 5 u. 6eckiger kernhaltiger Zellen, fest verbunden, gegen einander abgeplattet, an die Zona pellucida angedrückt. Innere Höhle des Eis v. Flüssigkeit erfüllt. Die so gebildete Blase – Keimblase; aber an einer Stelle derselben, halbküglich vorspringende Verdickung, bestehend aus Anhäufung v. Furchungskugeln, nicht zur Bildung der Blase verwandt u. noch nicht in Zellen umgewandelt, und sie bildet die erste Anlage des späteren Fruchthofs (der spätern Baustätte des Embryo, f. den die Blase selbst zum Schutz zu dienen). (20)

Sobald das Ei eine bestimmte Grösse erreicht hat, so an der Kernblase rundlicher Fleck ⦗aus der eben erwähnten Anlage⦘, durch weissliche Farbe ausgezeichnet; dieser Punkt – Fruchthof (Ort wo sich in Folge Embryo bildet); nun spaltet sich v. diesem Fruchthof aus die Blase in zwei Schichten (Blätter, die unter einander liegen); die Trennung dieser zwei Blätter schreitet immer weiter über die ganze Keimblase fort, bis diese ganz aus zwei an einander liegenden Schichten besteht; zwischen diesen 2 Blättern bildet sich später noch ein drittes; heissen die 3 Keimblätter; das aüssere Keimblatt das animale, das innere Keimblatt das vegetative, das 3te später auftretende: Gefässblatt. Aus dem animalen Blatt bilden sich in Folge die Gewebe, welche die thierischen Thätigkeiten, die Bewegung u. Empfindung, vermitteln; aus der vegetativen Schichte vorzugsweis die Organe, die den Funktionen der Ernährung, Stoffaufnahme u. Abgabe dienen, die Drüsengewebe; aus dem Gefässblatt die Kreislaufsorgane. (Diess nach Pander, Bär u. Bischoff ) Das innerste vegetative Blatt = Darmdrüsenblatt bildet ganz geschlossne einschichtige Blase, das mittlere Keimblatt reicht nur soweit als der Fruchthof. Das innere Blatt besteht aus der innersten Zellenschicht der Keimblase u. den untersten Zellen in der Gegend des Fruchthofs; das mittlere Blatt entsteht aus der mittleren Schichte der Keimblase; das aüssere Keimblatt wird aus der aüsseren Zellenlage der Keimblase u. des Fruchthofs gebildet, besitzt v. der Zeit des Auftretens des Fruchthofs an in dem Bereich desselben eine Verdickung. (21) So Individualisirung u. Gruppirung der Zellen nach verschiednen Richtungen etc schon in frühster Anlage des Embryo (l. c.) Remak u. Reichert etc (später als die vorhin angeführten) nehmen kein eignes Gefässblatt an; bezeichnen das obere Keimblatt als Hornblatt od. Sinnesblatt (ihm die Bildung des Centralnervensystems u. aller Sinnesorgane mit der Oberhaut zugeschrieben); mittlere Blatt heisst mittleres oder motorisch germinatives Blatt (f. die Bildung der willkührl. u. unwillkührlichen Bewegung, Knochen u. Muskeln, Geschlechtsorgane u. einige Blutdrüsen[)]; das innerste Blatt (Bildung der Drüsen u. Schleimhautüberzüge) heisst nach wie vor Darmdrüsenblatt. (21, 22)

Also im folgenden die Gewebe aufgeführt: als 1) vegetative u. 2) animale (a) Nervengewebe, u. b) Muskelgewebe. Aber hinzu kommt, u. wird begonnen with in der folgenden Darstellung mit den Gewebe der Bindesubstanz, welche dem ganzen Organismus seine Skeletstütze, den einzelnen Geweben das Verbindungsmaterial liefert. (23) (Spätere Untersuchungen an Froschei (wo Hornblatt u. Nervenblatt getrennt, die bei den übrigen Wirbelthieren vereinigt[)] etc. Sieh 22, Vergleichendes) Schon in der Bildungsgeschichte des Eis der Fundamentalunterschied der Gewebsarten.

e) I) Die Gewebe der Bindesubsubstanzen Bindesubstanzen.

Grosse Mannigfaltigkeit, Grundlage aller Häute, Gestell der Drüsen; verleihn dem Körper Halt u. Zusammenhang, indem sie alle in ununterbrochner Verbindung stehn. Alle der Hauptmasse nach aus Zellen zusammengesetzt, die sich umgeben mit verschieden stark entwickelter Schicht v. Intercellularsubstanz, wodurch ihre Protoplasmakörper mehr od. weniger v. einander gerückt. Meist – mit Ausnahme des Knorpelgewebs der Menschen – treten diese Zellen, die fixen Bindegewebzellen, durch Ausläufer mit einander in Verbindung; communicirende mit Protoplasma u. Flüssigkeiten gefüllten Räume. Stirbt eine solche Bindungsgewebzelle krankhaft ab, so zunächst nur ihr Territorium v. Intercellularsubstanz in Mitleidenschaft gezogen. Ausser den fixen |53 Zellen noch kleinere amoboide Zellen, die innerhalb des Gewebs ihren Ort verändern. (23)

Verschiedne Formen der fixen Bildungszellen. Gehn v. der einfach rundlichen Form (wie sie sich als weisse Blutkörperchen im menschlichen Knorpel zeigen[)] durch die Zwischenformen spitzauslaufender od. sternförmiger Zellen, die durch Ausläufer in Verbindung stehn, wie in den weicheren Gebilden des Bindegewebs zwischen den Muskeln, in den Sehnen u. der Hauptmasse der Haut, in die vielästigen u. zackigen Formen über, die das Leben innerhalb der Knochen u. Hornhaut vermitteln. Aber sehr fraglich, ob diese Zellgestalten nicht z. Th. bei der Untersuchung entstehende Kunstprodukte sind. (23, 24) Sehr zartes Bindegeweb v. Frosch (z. B. zwischen den Schenkelmuskeln) erlaubt Untersuchung des lebenden Gewebs. (24) Theil der Zellen zeigt dann ⦗die mit grobkörnigem Plasma u. wurstartiger Form bewegungslos⦘ träge Contraktilität; sie ändern ihre Form, die Ausläufer treiben vor, verbinden sich mit denen benachbarter Zellen u. lösen sich wieder. In andern Fällen scheinen die Ausläufer constante Bildungen u. die Zellen communiciren mit einander durch präformirte Hohlbanen Hohlbahnen in der Zwischensubstanz. (24)

Wie die Binde-Zellen morphologisch verschieden, so die Intercellularsubstanz. Gallertig, schleimähnlich bei dem gallertigen Bindegewebe (beim erwachsnen Menschen nur im Glaskörper des Auges), dagegen sehr fest u. elastisch bei den die Muskeln u. Drüsen verbindenden Häuten, noch mehr bei Sehnen u. Sehnenhäuten, hier lockiges Bindegewebe (wellenförmig, lockig gekrümmte, feine Fasern). Diese Intercellularmasse (des lockigen Bindegewebes) in einzelnen Partien – blos an den Grenzschichten od. als Streifschichten mitten durchs Ganze – eigenthümliche Härtung u. Verdichtung, wodurch sie eine Veränderung ihres Lichtbrechungsvermögens erfährt – elastisches Bindegewebe (25)

Glashäute (später als „eigne Häute der Drüsen“) wenn die elastische Substanz blos an den Grenzlagen, elastische Spiralfasern, Fasernetze u. Platten, wenn nur netzförmig elastische Züge erscheinen, Fettgeweb (wenn Fett Hauptinhalt der Bindegewebzellen), „verzweigte od. sternförmige Pigmentzellen“ (wenn die ästigen Zellen mit dunklem, körnigen Pigment erfüllt.) (25) Chemische Modifikation des Intercellularstoffs f. das Knorpelgeweb etc. (25, 26) hyaliner (milchweise, bläulich, selten gelblich) od. echter u. gelber od. unächter Faserknorpel. (26) (Knorpelzellen keine Ausläufer, die sie unter einander verbänden)

Zur Bildung der starren Gerüsttheile des thier. Organismus wird Bindegeweb durch Einlagerung v. kohlensaurem u. phosphorsaurem Kalk in der Zwischenzellenmasse in Baumaterial v. bedeutender Festigkeit umgeschaffen – Knochen. Alle Arten Bindesubstanz können ossificiren; wahre Knochenstruktur entsteht bei den Skeletten (den embryonalen) sowohl aus lockigem Bindegeweb als aus Knorpel. Verkalkung v. Theilen der aüssren Haut, Schleimhäute, der interstitiellen Bindesubstanz zwischen Muskeln u. Drüsen. Inkrustation (Verkalkung) meist Vorläufer der wahren Ossifikation, nicht permanent. Verwandlung der zelligen Theile – bei Ablagerung der Kalksalze in die Intercellularsubstanz – in die specifischen Knochenzellen od. Knochenkörperchen. (26)

Die strahlenförmigen Ausläufer der Bindegewebszellen bilden sich in weitmaschiges Netzwerk um, worin die verschiednen Zwischensubstanzen eingelagert. (Cytogene Bindesubstanz ( Kölliker ), auch reticuläre etc genannt) Diese Gewebsform bildet gleichsam Uebergang zum Drüsengewebe. (27)

Die Bindesubstanz überall die ausschliessliche Trägerin der Blut- u. Lymphgefässe (aller Capillargefässe); aber nicht alle Arten dieses Gewebs gleichmässig mit Gefässen durchsetzt, fehlen im Knorpel fast ganz; bei niedern Thieren bewegt sich die Ernährungsflüssigkeit in Lakunen aus Bindegeweb gebildet. (l. c.)

Alle so verschiedenartigen Bindesubstanzen aus einander sich entwickelnd, im frühsten Fötalleben aus dem mittleren Keimblatt aus einer gleichartigen Anlage aus zarten rundlichen Zellen mit bläschenförmigem Kern etc. (l. c.) Von der gleichen Anlage aus bilden sich die Bindesubstanzen in verschiedner Weise aus; so entstehn mehre zusammengehörige u. gleichlaufende Gewebsreihen, deren Glieder sich in einander umbilden können. (l. c.) (Sieh ibid. vergl. Anatomie (p. 27)[)] Allgemeine Körperhaut, Cutis, [besteht] aus den verschiedensten Gestaltungen der einfachen Bindesubstanz u. des Bindegewebs. (28)

e) II) Vegetative Gewebe. (Blut- u. Oberhautgewebe)

Zellen des Bluts u. der Lymphe, Epithelienzellen (Zellen, die die Oberhaut des Körpers u. seine grösseren Hohlgebilde überziehn[)], Drüsenzellen od. Epithelzellen (kleiden u. füllen an die Drüsenräume) In diesen Gewebsgruppen haben die Zellen die Oberhand; Intercellularsubstanz meist auf so geringes Minimum beschränkt, dass sie nur eben hinreicht, die einzelnen Zellen unter einander zu verkleben. Sie bleibt flüssig bei Blut u. Lymphe, Zellen schwimmen dort frei in ihr. (28) Weiteres 28–30.

Wie die Funktionen der vegetativen Sphäre Thier u. Pflanzen gemein, so das ihnen dienende Geweb dem pflanzlichen am ähnlichsten; kann es als Gruppe der selbsständig gebliebnen Zellen bezeichnen. (28) Anordnung der selbsständigen Zellen zu Drüsen. (29) Anordnung der Zellen flächenhaft. (l. c.) Horngewebe. Epidermis. Zellen der Schleimhäute (in allen inneren Höhlungen) Verschiedne Formen der Epithelzellen. (29) Stachel u. Riffzellen. (ib.) Zu den Epidermisbildungen gehören Nägel u. Haare |54 (Horngewebe) u. die Crystallinse des Auges (29) Cuticularbildungen. (ib.) u. (30) (sind geformte Ausscheidungen des Oberhautgewebs) Epithelien u. Epidermis gehn der Hauptmasse nach aus den begrenzenden Keimblättern, den obern u. untern hervor. Binnenepithelien aus dem mittleren Keimblatt. (unechte od. Endothelien) Das obere Keimblatt (Hornblatt) liefert die Epidermis mit Nägeln, Haaren, Crystallinsen mit den Hautdrüsen u. Milch- u. Thränendrüsen – wie den epithelialen Ueberzug der Höhlen des Centralnervensystems u. das Pigment Epithel der Chorioidea. Das Darmdrüsenblatt, untere Keimblatt, liefert die Epithelien des Verdauungsapparat, so wie die zelligen Theile aller dazu gehörigen Drüsen auch der Lunge, Leber, Niere. Epidermis zeigt meist rundliche od. platte Zellenformen, das Epithel vorwiegend cylindrische, z. Th. bewimperte. (30)

Drüsengewebe: Drüsen , die mit Zellen austapezirten Einstülpungen u. Höhlen der mit Epithel bekleideten Häute. (30)

Schlauchdrüsen: Magen- u. Darmdrüsen, Schweissdrüssen der Haut. Traubenförmige Drüsen: in den Schleimhäuten, der Mundhöhle, Respirationshöhle etc; Geschlossne mit Epithel ausgekleidete Blasen wie bei der Thyreiodea Thyreoidea. (31) Zusammengesetzte Drüsen (l. c.) (viel grösser als die vorher erwähnten einfachen, haben schlauch- oder traubenförmigen Bau wie die erstren bei Nieren, letzteren bei Speicheldrüsen). Wo die Drüsenzellen dem Bindegewebgerüst ansitzen, ist die Intercellularsubstanz zu glasartigen Grenzhäuten verdichtet, die mit der Grundsubstanz des übrigen Bindegewebs zusammenhängen. Diese elastischen Grenzschichten nennt man die eignen Häute, Membranae propriae der Drüsen (bei Leber z. B. verkümmert, bei Lungenbläschen dagegen die Epithel nur spärlich auf der Membrana propria). Man unterscheidet daher den meist v. Membrana propria gebildeten Drüsenschlauch u. das ihn auskleidende Drüsenepithel. (31, 32)

e III Animale Gewebe.

1) Muskeln. Muskelgewebe besteht aus 2 Gruppen v. Formelementen, auf einen Grundtypus ruckführbar. Die rundliche embryonale Muskelzelle, die schon Contraction zeigt, wächst in die Länge, wobei der Kern auch Längsform annimmt. (33)

Die Zelle bleibt einkörnig; meist kurz, Wirkung auf kleine Räume beschränkt (erlangt jedoch im schwangeren Uterus bedeutende Grösse). (l. c.)

Die Zelle entwickelt mehre Körner u. erhält dadurch gleichsam die Dignität einer Zellenreihe; mehrkernige Muskelzellen erreichen beim Menschen stets bedeutende Grösse. (l. c.)

Unwillkührliche od. organische Muskeln: (f. Bewegung zum Verdauen u. der Blutcirculation, Auspressungen der Drüsensekrete aus dem Innern der Drüseneinbuchtungen etc) Sind Vereinigung einkörniger, durch mikroskopisch nicht direkt sichtbare Zwischenmaterie vereinigter Muskelzellen. Ihr Plasma hat Eigenschaft der Contraction in hohem Grad; i. e. kann auf Reize sich zusammenziehn, seinen Längendurchmesser zu Gunsten des Queerdurchmessers verkleinern. Zellenhülle, die an vielen dieser Muskelzellen nicht nachzuweisen, nimmt hieran nur passiv durch ihre Elasticität Theil. Zellkern meist stabförmig, lang, central liegend in der spindelförmigen Zelle. Hat auch andre Formen, kurz, breit, walzenförmig od. abgeplattet. Im Protoplasma der unwillkürlichen Muskelzellen [finden sich] Körnchen, die im Unterschied v. der andern Inhaltsmasse, das Licht doppelt brechen.; diese Körperchen selten v. regelmässiger Anordnung ⦗daher erhält der Muskelzelleninhalt zarte Längsstreifung.⦘ meist geben sie daher dem Inhalt homogenes, glattes Aussehn. Daher heissen die unwillkührlichen Muskeln auch glatte Muskeln ⦗Jedoch Herz der Säugethiere u. Menschen obgleich unwillkührlicher Muskel – besteht aus quergestreiften Fasern.⦘ (33, 34)

Willkührliche Muskelfasern od. Muskelprimitivcylinder; Mehrkernige, langgestreckte Zellen; sind diese Fasern od. Primitivcylinder v. einer strukturlosen Membran umschlossen (Sarkolemma heisst sie od. Myolemma) Meist an der Innenfläche der Sarkolemma liegen bedeutende Anzahl rundlicher od. verlängerter Zellenkerne in regelmässigen Abständen. Meist haben diese Fasern die Form langgestreckter Spindeln od. Walzen. Der Inhalt des Sarkolemmschlauchs – das umgewandelte Protoplasma der willkührl. Muskelzellen – noch grössere Contractilität als das der unwillkührlichen. Die hier reichlich vorkommenden doppelbrechenden doppeltbrechenden Körperchen haben sehr regelmässige Anordnung in  Bei Ranke, S. 34: Querreihen
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Queerstreifen
; daher heissen die willkührl. Muskeln auch queergestreifte. Die Primitivmuskelcylinder aneinandergelagert bündelweis, durch zarte bindegewebige Membranen, Perimysium umschlossen u. zusammengehalten zu primitiven Muskelbündeln. Diese wieder zu mehren v. Bindegeweb umkapselt, bilden so makroskopische (sichtbare) Muskelbündel, woraus die willkührlichen Muskel zusammengesetzt. (34)

Muskulatur entspringt aus dem mittleren Keimblatt; glatten Muskelfasern entstehn durch Umwandlung kugliger Bildungszellen mit küglichem Kern; queergestreifte Muskelfaser entwickelt ditto aus kugliger Bildungszelle – daraus zu grosser Länge  Bei Ranke, S. 34: ausgewachsene
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angewachsne
Spindelzelle. Beim Menschen glatte Muskelfasern nirgends zu grösseren Muskeln vereinigt (bilden bes. die Muskelhäute v. Darm, Harnorgan, Blutgefäss, Respirations[-] u. Geschlechtsorgan; |56 im Auge die Fasern der Papillarmuskeln glatt, auch im Innern, in Milz, Schweisdrüsen etc In Hodensack, Warzenhof u. Brustwarze. (35) Näheres über Säugethiere (ib.)

2) Nervengewebe. Nerven- oder Ganglienzellen; meist blasses farbloses Aussehn; ihnen scheint oft Zellmembran zu fehlen, namentlich in den Nervencentren; in ihr Plotoprasma Protoplasma zahlreiche Körner eingestreut, manchmal gelblich (so d. Fleck im im Fleck der Netzhaut des Auges) od. bräunlich; Kern gross, rund, mit einem od. mehren Kernkörperchen. Grösse der Ganglienzellen sehr wechselnd; manchmal so gross dass mit freiem Auge als weisse Punkte unterscheidbar. Was sie vor andern Zellenformen auszeichnet: Massiges Ueberwiegen der Zellenfortsätze über die Zelle selbst; diese Zellenfortsätze gehn v. verschiednen Seiten u. verschiedner Anzahl v. der Zelle ab, erreichen z. Th. enorme Länge u. treten, gleichsam selbstständig geworden in grosser Anzahl durch Bindegewebe zu einem Nervenstamme vereinigt aus den centralen Nervenmassen, Gehirn u. Rückenmark hervor; jeder der vielen Fäden, die zu einem Nerven vereinigt, steht mit einer Nervenzelle in Verbindung, wovon die Bewegungserscheinungen in ihm ausgehn. (35)

Gehirn u. Rückenmark selbst in ihren mikroskopischen Elementen Zusammensetzung solcher Zellen u. ihrer Fortsätze, eingebettet u. zusammengehalten durch ein Gebilde aus der Gewebsgruppe der Bindesubstanz. Zwischen Rückenmark u. Gehirn Verbindungsfäden der Nervenzellen unter sich, die aus den einzelnen Nervenzellen feingegliederte Kette der Nervenbahnen in Gehirn herstellen. (35, 36)

Die Ganglienzellen, nach der verschiednen Anzahl ihrer Ausläufer, unipolar, bipolar, multipolar; danach schwankt auch ihre Form, rund, birnenförmig, spindel- u. sternförmig. (36)

Theil der Ausläufer der centralen Nervenzellen schliesslich verästelt zu ganz feinen Fasern; andre, z. B. bei vielen Nervenzellen des Gehirns zeigt sich ein Ausläufer v. jeder Zelle nach kurzem Verlauf als wahre Nervenfaser: Axencylinderfortsatz; diese mit deutlichem Membran, mit zähflüssigem Inhalt, der bei den s. g.  Bei Ranke, S. 36/37: dunkelrandigen
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dunkelfarbigen
Fasern
Zusammensetzung aus 2 verschiednen Substanzen zeigt; In der Mitte der Faser liegt ein weniger glänzender Strang, der s. g. Axencylinder, umgeben v. fettartig glänzender Masse, s. g. Markscheide. Manche Fasern ohne Markscheide ⦗die bei dem Tod des Nerven zackig-bröckelige Formen annimmt⦘, heissen blasse Nervenfasern, ihr Inhalt scheint nur aus dem Axencylinder zu bestehn. (37) Auch In den s. g. Ganglien –; finden sich eingelagert Nervenzellen, Ganglienzellen, die besonders den unwillkührlichen Bewegungen vorstehn (Sympathicus) (l. c.)

Gehirn u. Rückenmark entstehn aus dem Mittelstreifen des obersten Keimblattes, welcher der Axenanlage des Embryo entspricht. Der Tractatus Tractus olfactorius mit dem Riechkolben, dem Sehnerv mit der primitiven Augenblase, sind direkte Produktion des centralen Nervensystems, eigentliche Gehirnorgane. (37)

Debatte noch über die Entstehung der peripherischen Nervenfasen u. ihren Zusammenhang m. den Nervenzellen. Nach der gewöhnlichen Annahme sollen die Ganglienzellen aus gewöhnlichen Bildungszellen entstehn, die Fortsätze hervorwachsen lassen, mit denen sie mit benachbarten Zellen in Verbindung treten u. die z. Th. zu Nervenfasern sich gestalten. Neuere Untersuchung rectfertigt rechtfertigt wenigstens f. den Axencylinder die Annahme, dass er direkt aus der Ganglienzelle hervor- u. in die Gewebe, die er versorgen soll, hineinwuchert. (37. Sieh daselbst ⎰)

Seit man die bedeutende Länge der Muskelfasern (quergestreiften) kennt, die Einer Zelle entsprechen, kann aus der Länge der Nervenfasern kein Einwurf gegen ihre Gehörigkeit zu Einer Zelle mehr erhoben werden. Wie man sich nach Schwann früher die Entstehung der Muskelfasern aus einer Reihe untereinander verschmelzender Zellen entstanden dachte, so die Nervenfasern aus verschmolznen Spindelzellen hervorgehend, mit denen sich die Ausläufer der Nervenzellen nachträglich erst in Verbindung setzen sollten. Kölliker hält diess noch fest f. die Bildung der kerntragenden aüsseren Nervenhülle, hält’s aber [für] unhaltbar f. den nervösen Theil der Faser. Die motorischen Kopfnerven u. motorischen Wurzeln der Rückenmarksnerven wuchern nach Kölliker direkt aus dem Rückenmark u. der Medulla oblongata hervor u. entwickeln sich dann centrifugal weiter unter Mitbetheiligung v. Elementen des mittleren Keimblatts. Die Ganglien der Cerebrospinalnerven, wie des Sympathicus entwickeln sich selbsständig aus dem mittleren Keimblatt u. setzen sich erst in der Folge mit einander u. m. dem Rückenmark in Verbindung. Die embryonalen Fasern sehr viel dünner als die fertig gebildeten, erscheinen blass wie die marklosen Fasern. (37, 38)

f) Entstehung der Organe.

Die ersten Entwicklungsvorgänge der Eizelle produciren Bildung der Keimblätter, woraus die funktionell verschiednen Gewebe entstehn.

[Auszüge zur Physiologie]

Die folgende ⦗ ⦘ Darstellung zwischengelegt aus Hermann , Grundriss der Physiologie des Menschen, 1874, wonach wir zur Darstellung v. Ranke zurückkehren.|

57

Aus:
L[udimar] Hermann: Grundriss der Physiologie des Menschen. 5. verm. und verb. Aufl. Berlin 1874.
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⦗Erster Vorgang der Eientwicklung die Furchung (fortschreitende Zelltheilung, wobei jede kugelige Zelle in 2 Halbkugeln zerfällt.) Keimbläschen wird vor der Furchung unsichtbar. Die Verwendung der durch die Furchung entstandnen Zellen zum Aufbau des Embryo beginnt mit einer Anlagerung des grössten Theils derselben zur Bildung einer geschlossnen Membran, Keimblase (Umhüllungshaut). An einer Stelle derselben grössere Anhäufung v. Zellen, direkt zur Bildung des Embryo bestimmt – Fruchthof. Die durch jene Anlagerung sowie durch die Vergrösserung des Eis gebildete Höhle ist mit Flüssigkeit gefüllt, od. enthält bei den Eiern mit Nahrungsdotter den letzteren. (495)

Man denke sich Säugethier mit kurzem gradgestrecktem Darm, v. allen drüsigen Eingeweiden gänzlich absehend, so erscheint Körper als ein Rohr, dessen Lumen das Darmlumen ist u. deren Wand aus vielen concentrischen Schichten zusammengesezt ist, von innen nach aussen: Darmschleimhaut etc (496) Alle diese Schichten mit einander verwachsen; nur zwischen Darm- u. Rumpfserosa keine Verwachsung, sondern eine Höhle, Pleuroperitonealhöhle, leer, deren Wände sich aber vollständig berühren. Das Rohr besitzt vollständige bilaterale Symmetrie; die Extremitäten ohne Lumen, können als massive Auswüchse der aüsseren Rohrwandung betrachtet werden. (496)

Nun die embryonale Enstehung Entstehung dieses Rohrs: Wand entsteht als eine Anfangs platte Verdickung der zuerst gebildeten, das ganze Ei umfassenden Keimblase – Fruchthof; diese verdickte Stelle spaltet sich nach u. nach in die verschiednen, den Wandschichten entsprechenden Blätter; das Lumen ist ein Theil des Lumens der Keimblase, sondert sich dadurch v. dem Rest ab, dass der verdickte, zur Embryonal Embryonalwand werdende Theil der Keimblase v. dem Rest (dem peripherischen Theil) derselben in Form eines länglichen Rohrs sich abschnürt. Der abgeschnürte Rest der Keimblase heisst dann Nabeblase Nabelblase (bei den Eiern mit Nahrungsdotter: Dottersack) u. die durch die fortschreitende Abschnürung immer enger werdende u. zuletzt sich kanalförmig ausziehende Kommunikationsöffnung zwischen dem lumen des Embryo (Darmlumen) u. dem der Nabelblase heisst Nabelgang (Ductus vitello-intestinalis od. omphalo-entericus) Die zuletzt ringförmig werdende Abschnürungsfalte – der Nabel; da die Verdickung u. selbst die Schichtspaltung der Keimblase sich nicht auf das sich abschnürende Stück beschränkt, sondern über die Abschnürungsfalte fort sich eine Strecke weit in den peripherischen Theil der Keimblase fortsetzt, so besteht auch die Nabelwand aus mehren den Embryonalschichten entsprechenden Schichten. (496) Die Schichtbildungen in dem Fruchthof od. der Embryonalwand erfolgen zum grössten Theil schon vor Beginn der Abschnürung. (l. c.) Die 3 Schichten, s. g. Keimblätter bilden sich in der flachen, zuerst ovalen, später biscuitförmigen biscuitförmig werdenden Verdickung der Keimblase. 1) Oberste Blatt ⦗dies alles nach Remak sensorielle od. Sinnesblatt. Anlage des Hautepithels m. seinen Anhängen, den Hautdrüsen, u. des Centralnervensystems (Hirn u. Rückenmark) mit seinen Fortsätzen, den höheren Sinnesorganen. Das Centralnervensystem entsteht aus dem mittleren (Axen)theil des Blatts ⦗Medullarplatte⦘, das Hautepithel aus dem peripherischen Theil, (Hornblatt.) 2) das innerste (unterste) Keimblatt – das Darmdrüsenblatt, Anlage des Darmepithels mit seinen Fortsetzungen, dem Epithel u. den Drüsenzellen der in das Darmrohr mündenden Drüsen. 3) Zwischen beiden das mittlere Keimblatt, das motorisch-germinative Blatt, aus dem alle übrigen aus Bindesubstanzen, Muskeln, Gefässen u. Nerven bestehenden Körpertheile, sowie Harn- u. Geschlechtsorgane sich bilden, die Hauptmasse des Organismus. Dieses Blatt spaltet sich schon sehr früh in 2 Platten; die aüssere bildet die Rumpfwand, die innere (Darmfaserplatte) die Darmwand mit Ausnahme des Epithels; das Lumen der Spalte bildet die Pleuroperitonealhöhle. Dadurch dass die Spaltung in der Medianlinie ausbleibt, erhält sich hier eine Verwachsung zwischen Rumpf- u. Darmwand, die Anlage des Mesenteriums) (497)⦘

Aus:
Friedrich Schoedler: Das Buch der Natur, die Lehren der Physik, Astronomie, Chemie, Mineralogie, Geologie, Physiologie, Botanik und Zoologie umfassend. 6., verm. und verb. Aufl. Braunschweig 1852.
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Anderswo her über die Haut: Besteht aus 3 verschiednen Häuten od. Lagen: 1) Die Gefässhaut. a) Oberhaut; überzieht als dünnes Häutchen den ganzen Körper; durchsichtig, empfindungslos. Schweisslöcher der Poren Eintiefungen der Oberhaut. b) Schleimnetz, unmittelbar unter der Oberhaut, wovon sie eigentlich den untern, noch nicht vertrockneten Theil ausmacht; sie hat verschiedne Färbung u. bildet die s. g. Hautfarbe der Völker verschiedner Länder. c) Lederhaut; wesentlichster Theil der Oberhaut Gefässhaut, aus Fasern, Gefässen u. Nerven zusammengefilzte, dicke zähe Lage. Man erkennt durch das Vergrösserungsglas unzählige, kleine, aus der Gefässhaut hervorragende Wärzchen, i. e. Bündel feiner Nervenfäden, die hier endigen, eigentlicher Sitz des Gefühls.

2) Fleischhaut: dünne Lage v. Muskelfasern, erstreckt unter der Gefässhaut beim Menschen nur an einzelnen Stellen, z. B. an Hals u. Kopf, bei manchen Säugethieren, z. B. Igel, über den ganzen Körper verbreitet.

c) Zellhaut: Zellhaut – Zellgewebe – dritte Schicht der Bedeckung des Körpers, od. wo an vielen Stellen desselben die Fleischhaut fehlt, die zweite. Lockeres mit Fett angefülltes Gewebe.

Zur Haut gehören Haare, Nägel, Schuppen, Federn u. Hörner|

58

Aus:
M. J. Schleiden: Die Physiologie der Pflanzen und Thiere und Theorie der Pflanzencultur. Für Landwirthe bearbeitet. Braunschweig 1850.
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Aus Schleiden: Willkührlichen Muskeln (dunkler roth, während die unwillkührlichen blasser), verlaufen entweder dicht unter der aüssern Haut des Thiers od. setzen sich durch ihre Sehnen mindestens an dem einen Ende mit einem Knochen in Verbindung, um diesen selbst od. einen andern Theil gegen ihn hin zu bewegen.

Unwillkührliche Muskeln umschliessen als Kreisfasern, Längsfasern od. auch in unregelmässiger Verflechtung, hohle, sack- u. röhrenförmige Eingeweide, wie Herz, Speiseröhre, Magen etc, um die darin enthaltnen Substanzen fortzubewegen.

Willkührliche Muskeln: 1) Meist längliche, in der Mitte bauchig angeschwollne Fleischbündel, liegen theils längs den Wirbeln, theils an den Knochen der Beine; dienen vorzugsweis zur Ortsveränderung. Sind Streckmuskeln u. Beugemuskeln (Antagonisten) Ihre Thätigkeit immer abwechselnd.

2) meist dünne, flache u. breite Muskeln. Spannen sich zwischen den Rippen aus, ferner zwischen den hintersten Rippen u. dem vordersten Rand des Beckens, endlich zwischen der innren Fläche der hinteren Rippen u. den Lendenwirbeln. Die ersten schliessen den Brustkorb zur Brusthöhle ab; die 2ten bilden die Wände der Bauchhöhle; die dritten die Scheidewand zwischen Brust u. Bauchhöhle – das Zwerchfell. Dienen alle vorzugsweis der Athembewegung.

3) Kleinsten Muskeln des Körpers v. verschiedner Gestalt; alle am Schädel befestigt, dazu bestimmt, die Speisen zu fassen, zu zerkleinern u. so weit fortzubewegen, dass sie in den Anfang der Speiseröhre gelangen, von wo sie v. den unwillkührlichen Muskeln weiter geschafft werden. – Ferner die kleinen Muskeln, welche die Knorpeln des Kehlkopfs bewegen u. so die Erzeugung der Stimme bedingen. – Endlich die Muskeln der Augen u. Ohren.

Die Arterien haben auffallend elastische Wandungen u. ununterbrochene Höhlung; die Venen dagegen fast ganz unelastische Wände u. in bald kleineren, bald grösseren Abständen gestellten gestellte Klappen od. Taschenventile, so geordnet, dass sie die Bewegung des Bluts nach dem Herzen hin, aber nicht umgekehrt gestatten.

Jeder Stoss v. Herzen aus hat eine ringförmige Anschwellung in der Schlagader zur Folge, die allmälig fortrückt, u. dieser ersten Anschwellung folgt bei jedem Herzschlag eine neue nachrückende Anschwellung. (Daher der Pulschlag) Die Arterien heissen von der Erscheinung des Pulsschlags Schlagadern.

Aus dem Blut tritt beim Durchgang durch die Haargefässe ein Theil v. Blutflüssigkeit aus u. durchtränkt die Gewebe aller Organe. Nachdem diese sich daraus das Nöthige angeeignet haben, muss das Ueberschüssige wieder entfernt werden, um neuer Flüssigkeit Platz zu machen; diess geschieht durch die Lymphgefässe, die überall mit geschlossnen Endungen beginnen u. z. Theil eben so feine, eben so dünnwandige Röhren sind als die Haargefässe. Die Bewegung der Lymphe hängt z. grössten Theil v. der Bewegung der benachbarten  Bei Schleiden, S. 242: Theile
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Gefässe
ab; sie haben wie die Blutadern grosse Menge Klappen, die den Fortgang der Lymphe nur in einer Richtung, v. den einzelnen Organen bis zur Ausmündung des Lymphgefässsystems in den Blutkreislauf gestatten. Bei der Bewegung der benachbarten Theile u. namentlich der Muskeln der zartwandigen Lymphgefässe zusammengedrückt u. die Lymphe muss aus den gedrückten Theilen des Gefässes entweichen, was wegen der Klappen nur nach einer Richtung möglich ist. Gesunde u. regelmässige Strömung im Lymphgefässsystem hängt daher besonders v. kräftiger u. geordneter Bewegung des ganzen Körpers ab. Fortrücken der Lymphe verlangsamt durch die Lymphdrüsen (kleine Knäuel worin sich die Lympfgefässe in vielfachen engen Windungen zusammenschlingen)

Die innere Fläche der dünnen Gedärme mit kleinen haarfeinen Hervorragungen, den s. g. Darmzotten bedeckt; in jeder solchen Darmzotte ein Lymphgefäss; diese Lymphgefässe nehmen aus dem Speisebrei der Gedärme eine eigenthümliche milchweisse Flüssigkeit auf, führen sie durch zahlreiche im Gekröse liegende Därme, und endlich vereinigen sich alle diese Gefässe mit den meisten aus dem hinteren Theil des Körpers kommenden in eine grössere Röhre, den Milchbrustgang, dessen etwas erweiterten Anfang man Milchsaftcysterne nennt. Der Milchbrustgang nimmt in seinem allmäligen Verlauf nach vorn die meisten übrigen Lymphgefässe auf u. ergiesst sich endlich in der Schultergegend in eine der grössern Blutadern. Die Flüssigkeit in den Lymphgefässen anfänglich gleichartig u. enthält nur Eiweiss; die der Milchgefässe im Darm ist weisslich u. besteht aus gelöstem Eiweiss mit zahlreichen freien Fetttröpfchen. Erst im Milchbrustgang finden sich allmälig die Lymphkörperchen ein u. die Flüssigkeit fängt an in Berührung mit der Luft zu gerinnen, enthält also Faserstoff. Die Lymphe wird allmälig dem Blut immer ähnlicher u. geht endlich in den Blutgefässen ganz in dasselbe über.|

59

Ueberall zwischen den Haaren in der Oberhaut feine Oeffnungen (Schweissporen); diese führen in einen kleinen, meist ziemlich senkrecht auf die Oberhaut gerichteten u. oft geschlängelt verlaufenden Kanal (Schweisskanal); endlich erweitert sich dieser in der Lederhaut bald allmälig, bald mehr plötzlich; bald geht er in eine etwas weitere, knäuelförmig verschlungne Röhre über (die Schweissdrüse). Dieser innerste Theil ist stets mit einem feinen Haargefässnetz dicht umflochten, aus dessen Blut die wässerigen Theile nebst Kohlensäure, Ammoniak, Milchsäure, Essigsäure, Riechststoffen Riechstoffen etc in die Schweissdrüsen abgesondert werden. Der Ausführungsgang der Drüse führt dann diese Flüssigkeit bis an die Oeffnung in die Epidermis, von wo sie langsam in die Luft verdunstet, oder bei stärkerer Absonderung sich in Tropfen ansammelt. (Schwitzen)

Durch Dicker[-] u. Steiferwerden geht das Haar einerseits in die Borste, endlich den Stachel über, wird andrerseits durch Verfeinerung zum Seidenhaar u. zur Wolle.

Wolle unterscheidet sich v. Haar hauptsächlich: 1) feiner, 2) nicht straff, sondern wellenförmig hin u. hergebogen, 3) enthält sie weniger Pigment. Je edler die Wolle, um so mehr haben  die einzelnen Wollhaare
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sie
gleichen Durchmesser in ihrer ganzen Länge u. sind die einzelnen Wollhaare unter einander v. gleichförmigerer Dicke. Die äussere schuppenförmige Bekleidung des Haars liegt immer ganz dicht dem Haare an, nur nach oben stehn die Spitzen der Zellen ein klein wenig ab u. geben so dem Haar das Ansehn, als ob es am Rande mit ziemlich entfernten, feinen Sägezähnchen besetzt wäre. Bei dem Wollhaare diess viel weniger; desto weniger, je besser es. Wollhaare stehn ferner dichter zusammen; bei Schaaf 2 u. selbst 3 Haarbälge in ihrem obern Theil auf eine längere od. kürzere Strecke mit einander verschmolzen, so dass 2 od. 3 Wollhaare aus einer u. derselben Oeffnung der Haut hervortreten.

Schleimhaut, unmittelbar nur verfeinerte Fortsetzung der Oberhaut, bildet fast sämmtliche s. g. Eingeweide od. die inneren Organe des Thierkörpers. Bei einigen der niedersten Thiere bildet sie eine einfache, den Körper durchlaufende Röhre; dann, bei mehr Organisation, bestimmte Theile erweitert, erhalten eigenthümliche Thätigkeit; so entsteht zuerst der Unterschied v. Schlund mit Speiseröhre, Magen u. Darmkanal. Höher aufwärts in der Thierreihe, verschiedne Ausstülpungen, anfänglich einfach fadenförmige, dann als verästelte Anhänge am Darmkanal, die aus den sie umgebenden  Bei Schleiden, S. 254: Gefäßen
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Fässen
eine bestimmte Flüssigkeit aufnehmen u. sie dem Darmkanal zuführen. Diess ist der erste Anfang zur Bildung der Leber. In ähnlicher Weise, Anfangs einfacher, dann complicirter gebaut, treten bei den Thieren die Speicheldrüsen, dann der Respirationsapparat am obern Ende, der Harn[-] u. Geschlechtsapparat am untern Ende des ganzen Ernährungskanals an. Alle diese Organe nur Anhängsel des ursprünglich einfachen Schleimhautkanals. Noch bei den Vögeln Harn- u. Geschlechtsorgane blosser Anhang des Darmkanals u. haben alle 3 gemeinschaftliche Mündung, die s. g. Cloake. Erst bei den Säugethieren die Harn[-] u. Geschlechtsorgane mit einander verbunden, etwas v. der Mündung des Darmkanals, dem After, weggerückt u. mit einer eignen Ausführungsöffnung versehn.

Kopftheil des Schleimhautsystems: Thränendrüse im Auge, Speicheldrüsen im Mund, Schleimhautröhrchen bis in den innern Theil des Gehörorgans, wo das Ende desselben das Trommelfell überzieht. Andre (die erste von der Schleimhaut des Mundes ausgehend) kurze Schleimhautröhre beginnt am aüssern Ohr u. dringt nach innen bis zum Trommelfell vor, welches sie nach aussen überkleidet. Rachen – der Theil der Schleimhaut, der aus Vereinigung der Mund- u. Nasenhöhlen gebildet wird; diese Schleimhaut spaltet sich bald (am Anfang des Halses) in eine vordere Röhre (Luftröhre) u. hintere (Speiseröhre).

Brusttheil des Schleimhautsystems: Luftröhre (Kehldeckel beim Anfang derselben, der durch einige kleine Muskeln bewegt wird u. jedem die Oeffnung passirenden festen od. flüssigen Körper den Eingang in die Luftröhre verschliesst[)]. Unterhalb des Kehldeckels erweitert sich die Luftröhre zum Kehlkopf; hier die Schleimhaut durch einige Knorpel ausgespannt; nach innen springt die Schleimhaut v. jeder Seite in eine Falte (Stimmbänder) vor, wodurch die Röhre bis auf eine |60 schmale Spalte (Stimmritze) verengt wird; durch die verschiedne Stellung der v. kleinen Muskeln bewegten Kehlkopfsknorpel kann die Stimmritze verengert u. erweitert werden u. dadurch der hier gebildete Ton der Stimme verändert werden. Ton entsteht, indem die aus der Lunge auströmende ausströmende Luft die Stimmbänder in Schwingungen versetzt. – Hinter dem Kehlkopf zieht sich die Luftröhre zusammen u. theilt sich dann bald in 2 Aeste über die rechte u. linke Hälfte der Brust – Lungen (zwischen ihnen das Herz).

Die andre obere Schleimhautröhre beginnt mit kleiner Erweiterung (dem Schlund), geht dann in die gleichförmig fortlaufende Speiseröhre über, welche an der Rückenseite der Brusthöhle neben der grossen Haupt-Schlagader fortläuft u. durch eine f. sie bestimmte Oeffnung im Zwergfell in die Bauchhöhle tritt.

Bauchtheil des Schleimhautsystems. Gleich nach ihrem Eintritt in die Bauchhöhle erweitert sich die Speiseröhre bedeutend zum Magen. (Die 4 Magen der Wiederkäuer). Magenmund (Eingang des Magens) Pförtner (Ausgang desselben) (Muskelbündel verschliessen u. öffnen sie).

Vom Magen aus lange Röhre, fast den ganzen Unterleib füllend (der Dünndarm), dessen Anfang Zwölffingerdarm genannt wird. Von diesem Zwölffingerdarm aus gehn 2 Ausstülpungen der Schleimhaut ab; die eine beginnt mit enger Röhre, geht nach rechts u. theilt sich in 2 Arme; der eine Arm schwillt zur Gallenblase, der andre verästelt sich baumförmig u. bildet mit dem dazu gehörigen Bindegeweb, den Gefässen u. Nerven die Leber.

Die 2te Ausstülpung der Schleimhaut geht nach links, verästelt sich mit einem durchlaufenden Hauptstamm u. bildet mit den andern dazu gehörigen Gewebtheilen die Bauchspeicheldrüse.

Nach vielen Windungen geht Dünndarm abermals in Erweiterung über[, den] Dickdarm, mündet nach ziemlich einfachem Verlauf unter dem Namen Mastdarm am After aus.

Harn- u. Geschlechtsystem: So wie am Anfang der grossen Schleimhautröhre das Respirationsorgan – die Lunge – hauptsächlich f. die Auscheidung Ausscheidung des Kohlenstoffs thätig, so am andren Ende die Entfernung des Stickstoffs durch die Harnorgane beschafft; dort [verbindet sich] mit der Respiration das Organ der Stimme, hier mit der Harnabsonderung das Organ der Fortpflanzung.

Harnblase, Harnröhre, vorwärts u. aufwärts laufend bis an die Wirbelsäule; verästelt sich hier in zahlreiche  Bei Schleiden, S. 25: Gabeltheilungen
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Gabelabtheilungen
u. bildet so die Niere.

Beim weiblichen Geschlecht noch die Zitzen od. milchabsondernden Organe.

Blutdrüsen. Die Brustdrüse (vorn an der Brust); die Schilddrüse (um den Kehlkopf) (übermässig entwickelt wird Kropf) Die Milz (in der Bauchhöhle auf der linken Seite ähnliche Lage wie Leber auf der rechten)

Das Nervensystem: Die Centraltheile bestehn aus Nervenröhren u. Ganglienkugeln; die Nerven im engern Sinn nur aus Nervenröhren.

Centraltheile: Hirn, Rückenmark u. die Nervenknoten od. Ganglien, die sich im Verlauf der Nerven an bestimmten Theilen des Körpers vorfinden.|

61

Aus:
Johannes Ranke: Grundzüge der Physiologie des Menschen mit Rücksicht auf die Gesundheitspflege. Für das praktische Bedürfniss der Ärzte und Studirenden zum Selbststudium bearbeitet. 3. umgearb. Aufl. Leipzig 1875.
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Fortsetzung von p. 56, Ranke)

f.) Entstehung der Organe (p. 38–47)

II) Capitel. Die Chemie der Zelle.

1) [Elementare Zusammensetzung der organischen Stoffe]

Zelle die einfache schematische Form, auf die sich alle Gestaltungsunterschiede der organischen Natur zurückführen lassen. (48)

Chemische Elementaranalyse besteht in kunstgerechter Verbrennung der organischen Stoffe, die erlaubt die entstandnen Verbrennungsprodukte zu sammeln, wiegen u. näherer chemischer Untersuchung zu unterwerfen. (48, 49)

An der Bildung der organischen Stoffe wesentlich nur betheiligt: O, N, H, C, S, Ph, Fe.

 Überschrift von Marx.
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A) Organische Verbindungen.

 Überschrift von Marx.
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1) Stickstofffreie Verbindungen.

a) Kleiner Theil dieser Stoffe besteht nur aus

  • α) C u. H, (die natürlichen Kohlenwasserstoffe)
  • oder β) aus C u. O (die wasserfreie Oxalsäure);

b) Grösste Theil der im Thierkörper vorhandnen organ. Stoffe aus C, H u. O. (Mehrzahl der organischen Säuren, Kohlehydrate, Fette)

Das Verhältniss v. O in diesen Zusammensetzungen verschieden. α) In den Kohlehydraten O u. H in der Menge vorhanden, dass sie ausreichen würden mit einander Wasser zu bilden. β) In den hierher gehörigen organischen Säuren würde nach Verbindung v. allem H mit O zu Wasser noch Ueberschuss v. O bleiben. γ) In den Fetten fetten Säuren würde nach Verbindung v. allem O mit H zu Wasser noch ein Ueberschuss v. H bleiben.

 Überschrift von Marx.
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2) Stickstoffhaltige Verbindungen

Bestehn aus O, H, C u. N, wozu auch die Gruppe v. Verbindungen kommt worin S, Ph u. (f. einige auch) Fe eingehn.

a) Stickstoffhaltige organische Säuren und b) Basen (od. organischen Alkaloide) u. c) indifferente krystallinische Körper (v. diesen letzteren enthalten einige ebenfalls S.) Endlich d) die Eiweissstoffe, deren Hauptrepräsentant das Albumin (eigentliche Eiweiss); sienthalten sie enthalten ausser Stickstoff auch Schwefel u. e) Noch complicirtere Stoffe als Eiweissstoffe, die durch ihre Zersetzung Albuminate liefern (Hämoglobin z. B. (worin Fe, vielleicht auch Ph) u. Vitellin (worin wahrscheinlich auch Ph.)[)] (49)

Die eben genannten organ. Stoffe gemischt od. in chemischer Verbindung mit procentisch meist geringen Mengen unverbrennlichen Stoffen anorganischer Natur; betheiligen sich an Bildung u. Rückbildung der Organbestandtheile vor allem dadurch, dass sie bestimmte Zersetzungen u. Verbindungen in den organischen Stoffen einleiten u. selbst mit ihnen in Verbindung treten (50)

Bei der Verbrennung eines wasserfreien pflanzlichen od. thierischen Körpers Hauptmasse in gasförmige Verbrennungsprodukte übergeführt, was übrigbleibt als feste Bestandtheile – Asche.

 Überschrift von Marx.
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B) Die Verbrennungsprocesse.

Kohlenstoff verbrennt zu Kohlensäure (Kohlendioxyd CO2); Wasserstoff – wenn N in dem Zusammenhang des organ. Körpers – zu Wasser (H2O) u. geht z. Th. in gasförmige Verbindung mit N über, Ammoniak (NH3). Phosphor u. Schwefel bleiben in ihren entstehenden Sauerstoffverbindungen ⦗Phosphorsäure, dreibasische Phosphorsäure (H3 PO4) u. Schwefelsäure (H2 SO4)⦘ nach dem Verbennen in der Asche zurück. Auch Theil der durch die Verbrennung der Kohle entstandnen Kohlensäure wird durch die Aschenbestandtheile gebunden, daher auch Kohlensäure zu den Aschenbestandtheilen gerechnet. Ausserdem finden sich in der Asche:

a) Nichtmetalle: Cl (Chlor) Fl (Fluor) Si (Silicium);

b) Metallen

  • 1) (Alkalien): K (Kalium), N (Natrium);
  • 2) Alkalische Erden: Ca (Calcium), Mg (Magnesium)

c) Als schweres Metall Eisen (Fe) oft mit Mn (Mangan) (dem steten Begleiter des Eisens in der anorgan. Natur) und Ca (Kupfer) (im Blut gewisser niederer Thiere).

Die Alkalien u. alkalischen Erden meist an Schwefelsäure u. Phosphorsäure, auch an Kohlensäure gebunden. Ein Theil der Alkalien findet sich als Chlorverbindungen.

Fluor kommt als Fluorcalcium (Ca Fl2 Calciumfluorid), das Silicium als Kieselerde (SiO2) in der Asche [vor].

Hauptanorganischer Bestandtheil der Organismen Wasser (H2O); in manchen Pflanzenstoffen mehr als 90%, manchen Thierstoffen bis zu 75% u. mehr. (50)|

62

2) Chemismus der Pflanzen- u. Thierzelle.

Hauptmasse der organischen Stoffe besteht aus Wasser; dann aus Kohlenstoffverbindungen, v. welchen die einfacheren noch O, H, u. N erhalten. Die organischen Stoffe werden in den Pflanzen aus anorganischen Nährstoffen, namentlich Kohlensäure  Zusatz von Marx.
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(CO2)
, Wasser  Zusatz von Marx.
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(H2O)
u. Ammoniak  Zusatz von Marx.
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(NH3)
od. Salpetersäure  Zusatz von Marx.
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(NO5)
gebildet. Wöhler fabricirte zuerst organischen Stoff 1828; indem er Ammoniumcyanat  Zusatz von Marx aus H[enry] E[nfield] Roscoe: Kurzes Lehrbuch der Chemie. Nach den neuesten Ansichten der Wissenschaft. Deutsche Ausgabe. Unter Mitwirkung des Verfassers bearbeitet von Carl Schorlemmer. 4., nach den neuesten Forschungen verm. und verb. Aufl. Braunschweig 1873. S. 291.
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(CN.ONH4)
, welches sich leicht aus den Elementen C, N, O, H erhalten lässt,  Zusatz von Marx aus H[enry] E[nfield] Roscoe: Kurzes Lehrbuch der Chemie. Nach den neuesten Ansichten der Wissenschaft. Deutsche Ausgabe. Unter Mitwirkung des Verfassers bearbeitet von Carl Schorlemmer. 4., nach den neuesten Forschungen verm. und verb. Aufl. Braunschweig 1873. S. 291.
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⦗es ist eine feste weisse Substanz, die entsteht, wenn die Dämpfe der Cyansäure (CN.OH) mit trocknem Ammoniak zusammenkommen⦘
in Harnstoff  Zusatz von Marx H[enry] E[nfield] Roscoe: Kurzes Lehrbuch der Chemie. Nach den neuesten Ansichten der Wissenschaft. Deutsche Ausgabe. Unter Mitwirkung des Verfassers bearbeitet von Carl Schorlemmer. 4., nach den neuesten Forschungen verm. und verb. Aufl. Braunschweig 1873. S. 291.
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(CO.(NH2)2 [)]
verwandelte. (Durch Eindampfung in wässriger Lösung). Damit schon der Beweis geliefert dass in den lebenden Zellen die Stoffbildung denselben Gesetzen unterliegt wie in der unorganischen Natur. Seit der Zeit eine stets wachsende Anzahl der im thier. Organismus sich bildenden Verbindungen künstlich aus den Elementen dargestellt worden. (51)

Zwischen den anorganischen Stoffen, woraus die Pflanze ihre organischen Bestandtheile bildet u. diesen organischen Stoffen selbst der Unterschied: die erstern sind Verbrennungsprodukte, meist Sauerstoffverbindungen, die so viel Sauerstoff in sich haben, dass bei den gewöhnlichen Oxydationsbedingungen kein weitrer Zutritt v. O in die Verbindung möglich ist; sie sind mehr od. weniger vollkommen oxydirt.

In den organisch [-]chemischen Verbindungen fehlt entweder O gänzlich, od. in so geringer Menge vorhanden, dass noch immer mehr davon zutreten muss, um aus den sie zusammensetzenden chemischen Elementen Verbindungen mit anorganischem Charakter herzustellen. Die organischen Verbindungen sind alle verbrennlich; d. h. sie können noch höher oxydirt werden. (51)

Diesen Charakter der Verbrennlichkeit erhalten die Elementarverbindungen der organ. Welt erst als Bestandtheile eines Pflanzenorganismus; also Vorgänge in der Zelle nöthig, welche die aus der Umgebung aufgenommenen Sauerstoffverbindungen gänzlich v. O befreien od. doch zum Theil davon abscheiden. Diese Vorgänge heissen Reduktion od. Desoxydation. Die Kraft, die die chemischen Verbindungen v. O ⦗der die stärkste chem. Attraktion zu allen Elementen besitzt⦘ zusammenhält, muss durch eine grössere in der Zelle zur Wirksamkeit kommende Kraft  Bei Ranke, S. 51: überboten
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überwunden
werden, so dass O in der Bildung der organ. Stoffe frei werden kann. (51)

Diese Kraft vom Sonnenlicht geliefert. ⦗fand sich durch die Entdeckung, dass die Kraft der Desoxydation in den grünen Pflanzenzellen nur unter Einfluss des Sonnenlichts zur Wirksamkeit kommt.⦘ Eben so wichtig die Entdeckung, dass die Lebenserscheinungen der thierischen Zelle nicht mit Desoxydationsprocessen, sondern im Gegentheil mit Aufnahme v. Sauerstoff, mit modificirten Oxydationsvorgängen verbunden ist. (51, 52)

Vorgänge in den grünen Pflanzenzellen u. Thierzellen diametral verschieden. In jenen anorganische Sauerstoffverbindungen als Nahrungsmittel aufgenommen u. durch Desoxydation in organische Stoffe verwandelt; in diesen die v. den Pflanzen gebildeten organischen Stoffe als Nahrungsmittel aufgenommen u. in einfache unorganisch zusammengesetzte Sauerstoffverbindungen zurückverwandelt. (52)

In Pflanzen- wie in Thierzellen finden sich die höchst zusammengesetzten organischen Stoffe neben andern, die sich weniger v. den chemischen Verbindungen anorganischer Art unterscheiden. Letze Letztere bilden dort (bei Pflanzenzellen) meist Vorstufen zur Bildung der höchsten Produkte der organ. chem. Lebensvorgänge, hier (bei Thierzellen) Zeugen einer regressiven Thätigkeit, Zersetzungprodukte der höher zusammengesetzten Stoffe. (52)

Die chlorophyllhaltige Pflanzenzelle verbraucht Kräfte v. aussen – Licht u. Wärme v. der Sonne – um die Trennung der festen chemischen Verbindungen, die sie als Nahrung aufnimmt, zu Stande zu bringen; die Thierzelle vermag durch Sauerstoffaufnahme ⦗die auch in der anorganischen Natur eine Hauptquelle mechanischer Leistungen ist⦘ die Stoffzersetzung zur Hervorbringung v. Kraftaüsserungen ausserhalb ihres Körpers zu verwenden; sie producirt durch ihre chemischen Vorgänge Kräfte, die vor allem als Wärme, Electricität u. mechanische Bewegung erscheinen. (52, 53)

3) Die Pflanzenzelle.

Der besagte Unterschied gilt (od. ist erkennbar) zwischen den chlorophyllhaltigen ⦗grünen⦘ Pflanzenzellen (unter dem Einfluss genügender Lichtstärke) u. der animalen. Der Unterschied aber kein durchgreifender. Er ist beschränkt auf

den Assimilationsproces: , d. h. die Vorgänge der organischen Stoffbildung aus anorganischen Stoffen ⦗durch Abscheidung v. O, unter Einfluss des Sonnenlichts aus den aufgenommenen einfachen Sauerstoffverbindungen⦘. Diese Fähigkeit beschränkt auf die chlorophyllhaltigen Pflanzen ⦗fehlt also denen, die nicht chlorophyllhaltig⦘ u. Pflanzenorgane; fehlt aber auch diesen bei zu geringer Lichtintensität ⦗im Dunkeln können sie nicht aus Wasser u. Kohlensäure unter Mitwirkung andrer anorganischer Nährstoffe organische Substanzen erzeugen⦘ Die assimilirende Kraft der Pflanzen liefert  Zusatz von Marx.
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1)
die Stoffe, auf deren Verbrauch ihrer ihre eignen mit Verlusten |63 v. Spannkräften verknüpften Lebensthätigkeiten beruhn;  Zusatz von Marx.
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2)
die Stoffe f. den Aufbau u. die Kräfteerzeugung der Schmarotzerpflanzen;  Zusatz von Marx.
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3)
die Stoffe der animalen Organismen. (53, 54) Von diesem f. die Pflanzen charakteristischen Assimilationsprocess verschieden,

Ihr Stoffwechsel; i.e. die mannigfachen chemischen Umwandlungen der Assimilationsprodukte ⦗in den chlorophyllhaltigen Zellen selbst oder nach dem Uebertritt in andre Organe⦘, die nicht mit Abscheidung v. O, sondern mit einer Umlagerung der Moleküle u. meist mit Aufnahme geringer Sauerstoffmengen u. Aushauchung kleiner Kohlensäurevolumina verbunden sind; Die Zunahme der chlorophyllhaltigen Pflanzen an organischen Stoffen beruht auf Uebergewicht der assimilirenden Thätigkeit der chlorophyllhaltigen Organe im Licht gegenüber der durch den Stoffwechsel bedingten Stoffverminderung. Der Vorgang des Stoffwechsels geht beständig (auch ausser dem Licht) in allen Pflanzenorganen vor sich. (53)

Die Lebensvorgänge in den Pflanzen, die nicht zur Assimilation gehören, wie in den Thieren, v. Stoffzersetzung abhängig. Die Bildung v. Wärme u. Electricität in den Pflanzenorganen, die Bewegungen des Protoplasma, die Bildung u. Vergrösserung der Zellen finden auf Kosten vorher assimilirter Stoffe statt, die dabei einer Verändrung im Sinne des animalen Stoffwechsels unterliegen. (l. c.)

Die in den chlorophyllhaltigen Organen im Licht gebildeten organ. Pflanzenstoffe werden allen andern Pflanzentheilen zugeleitet; sie können aufgespeichert werden, um erst in der Folge ihre Verwendung zu finden, wenn wie im Frühjahr bei sehr vielen Pflanzen od. bei den Samen die Wachthumsprocesse Wachsthumsprocesse beginnen, bevor chlorophyllhaltige Organe ihre stoffbildende Thätigkeit entfalten können. (54)

Die Assimilationsprocesse in der Pflanzenzelle an das Vorhandensein v. Protoplasma geknüpft, das in seiner Modifikation als grünes Chlorophyllkorn die Fähigkeit der Verwendung des Lichts zur Einleitung v. Desoxydationen erhält. In den Chlorophyllkörnern selbst lagern sich die unter ihrer Einwirkung sich bildenden organischen Stoffe, z. B. Stärkekörnchen ab. (54)

Dem Stoffwechsel der Pflanzen entstammen ausser den letzten Zersetzungsprodukten organischer Stoffe: Kohlensäure, Wasser v. Kohlenhydraten u. Fetten, mit Ammoniak u. Schwefelsäure, welche letztere ausserdem die Zersetzung v. Albuminaten liefert, auch Degradationsprodukte u. Nebenprodukte. Zu den erstern gehören der Bassorin u. der Schleim, in welchen sich die Zellwände bei Quitten- u. Leinsamen verwandeln; auch körnige Degradationsprodukte des Protoplasma, z. Z. B. an Stelle der grünen Chlorophyllkörper Chlorophyllkörner anders gefärbte, od. wie in den absterbenden Blättern nur kleinste gelbe Körnchen. Als Nebenprodukte – Farbstoffe, Alkaloiden, Gerbstoffe, Pectinstoffe, Wachs etc. (54)

F. die Oekonomie der Thierzelle [sind] nicht alle in der Pflanze gebildeten Stoffe gleichwerthig; etnimmt entnimmt ihr im Allgem. zu ihrem Aufbau verhältnissmäsig kleine Anzahl chem. Verbindungen. Was die organischen Verbindungen betrifft

1) Vor allem wichtig die Albuminate od. EiweissstoffePflanzenalbumin, Kleber (bestehend aus Pflanzenleim u. Pflanzenfibrin), Legumin od. Pflanzencaseïn.⦘ Die Albuminate in löslicher u. unlöslicher Modification; erstere im Zellensaft; zweite beim Aufbau der Zellen, deren Protoplasma der Hauptmasse nach aus der in Wasser gequollnen Eiweissmodification besteht. Die lösliche Modifikation geht durch bestimmte chem. Vorgänge in der lebenden Zelle in die unlösliche über ⦗was auch künstlich, z. B. durch Kochen od. Säuren hervorgebracht werden kann.⦘ (p. 55)

2) Nach den Albuminaten sehr wichtig f. den thierischen Haushalt die Kohlenhydrate wovon Theil löslich in Wasser; andrer, unlöslicher, dient als Material f. die Bildung der aüssern Zellmembrane (Cellulose) od. zur Bildung fester, organisirter Körnchen im Zellinhalt (Stärke). Grosse Uebereinstimmung in der chemischen Zusammensetzung:

So:

Cellulose = C6 H10 O5
Stärkemehl = C6 H10 O5
Dextrin = C6 H10 O5
Gummi = C6 H10 O5
Inulin = C6 H10 O5
Traubenzucker = C6 H12 O6
Fruchtzucker = C6 H12 O6
Rohrzucker = C12 H22 O11
Milchzucker = C12 H22 O11 + H2O. (55)|
64

3) Wichtiger noch als die Kohlenhydrate f. den Thierconsum: die Fette u. Oele. Haben viel geringeres O als die Kohlenhydrate.

Die Fettsäuren (sieh p. 56) haben die allgem. Formel Cn H2n O2 ; daneben die flüchtigen Fettsäuren, haben mehr O (im Verhältniss zu C u. H[)] ⦗diess nimmt aber beständig ab, in ihrer Stufenfolge:

z. B. Ameisensäure = C H2 O2
Essigsäure C2 H4 O2
Caprinsäure C10 H20 O2.

Als Beispiel der eigentlichen Fettsäuren:

Laurinsäure = C12 H24 O2
Myristinsäure = C14 H28 O2
Palmitinsäure = C16 H32 O2
Stearinsäure = C18 H36 O2 p. 56⦘

Oelsäure (gehört andrer Gruppe an) (od. Oleinsäure) = C18 H34 O2. (l. c.)

Die Fette theils vertheilt durch das ganze Pflanzenparenchym, theils in gewissen Pflanzenorganen angehäuft, namentlich den Samen. Man unterscheidet je nach der Consistenz Fette u. Oele.

Unter den pflanzlichen Fetten obenan: die sehr feste Cacaobutter (Gemisch der Glycerinäther der Sterin- Stearin- u. Palmitinsäure)
das butterartige Palmöl (Glycerinäther der Palmitin- u. Oelsäure)
Cocosnussbutter (wo Glycerinäther der Coccinsäure mit dem der Oelsäure verbunden)
Von den pflanzlichen Oelen obenan: Olivenöl (mit Oelsäure u. Palmitinsäure)
In Mandel- u. Rapsöl nur Oelsäure. (56, 57)

4) Minder wichtig – als geringwerthige Nahrung in der Thierzelle verbraucht: die organischen Säuren z. B.

Essigsäure = C2 H4 O2
Apfelsäure = C4 H6 O5
Weinsäure = C4 H6 O6
Citronsäure = C6 H8 O7 (p. 55)

4) Die Thierzelle.

Für die Pflanze [ist die] Luft Hauptnahrungsmittel, f. das Thier Vermittlerin seines Stoffumsatzes, worauf all seine aktive Lebensthäthigkeit beruht. (58) Erwachsner menschlicher Organismus, v. Mittelgewicht v. ca. 130 lb nimmt täglich 700–1000 Gramm O auf, im Jahr etwa 500–700 lb (das Pfund = 500 Gramm), die an Körperbestandtheile gebunden den Organismus wieder verlassen. Menschliche Körper etwa zu 2/3 aus Wasser (58,5%) u. sonstigen unorgan. Stoffen zusammengesetzt, die höhere Oxydation nicht mehr zulassen; der eigentlich organ. Theil desselben wäre daher in kürzester Zeit völlig in Luft aufgelöst ohne beständigen Ersatz (durch Nahrungsmittel) f. den Verlust. (58, 59) Um die 700–1000 Gramm O der Luft zurückzugeben (die täglich v. Menschen zur Athmung verbrauchten) muss durch die Pflanzenvegetation 33–40 Pfd Cellulose od. Pflanzenfaser aus Kohlensäure u. Wasser gebildet werden. (59)

Animale Organismus kann alle seine Bedürfnisse an organischen Nährstoffen auf Kosten des Eiweisses befriedigen.  Zusatz von Marx.
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⦗wie die nur fleischfressenden Thiere thun⦘.
Die Albuminate enthalten alle andren Stoffgruppen implicite in sich; aus dem Eiweiss können sich die im Thierkörper vorkommenden Kohlenhydrate u. Fette bilden; es entstehn aus seiner organischen Zersetzung die stickstoffhaltigen Körperstoffe; alle verbrennlichen Bestandtheile des thier. Körpers bei alleiniger Ernährung mit Albuminaten – veränderte Eiweissatome, wie die Bestandtheile der Pflanze – veränderte Kohlensäureatome. (59)

Das Wasser u. die in den thier. Körpern befindlichen anorganischen Salze: phosphorsauren Alkalien u. Erden (Kalk u. Bittererde), kohlensauren Erden, Chlorkalium u. Chlornatrium, schwefelsaure Alkalien, Eisen u. Kieselerde stammen theils aus der den Pflanzen entlehnten Nahrung, theils aus dem TrinkWasser. (60) Die Oxydation im menschlichen Körper keine Verbrennung im gewöhnlichen Sinn ⦗wie im lebendigen Körper Kohlensäure erzeugt durch direkte Verbindung des Kohlenstoffs mit O⦘ Es ist ein Dissociationsvorgang mit Aufnahme von O. (60)|

65

Bestandtheile des Thierkörpers.

I) 1) Albuminate:

Die (Pflanzen)Albuminate erfahren im thierischen Körper Umändrung ihrer chemischen u. physik. Eigenschaften. Es findet durch die Verdauungssäfte eine Umwandlung der Albuminate statt in:

a) Albumin-Peptone: Eine der wichtigsten Eigenschaften der normalen Albuminate f. den Organismus, dass sie in Wasser schwer diffundirbare Lösungen bilden; sie sind Calloidsubstanzen Colloidsubstanzen , die auch wenn sie, meist mit Hilfe v. Salzen, eine Lösung darstellen, nur in geringem Grad fähig, durch endosmotischen Verkehr Membrane zu durchdringen. Sie ertheilen dadurch dem Protoplasma der Zellen die Fähigkeit sich verhältnissmässig selbsständig gegen wässrige Lösungsmittel zu verhalten. Durch die Eiweissverdauung wird den gelösten Albuminaten die Fähigkeit zur Diffusion ertheilt u. auch in festem Zustand aufgenommene Albuminate in verhältnissmässig leicht diffundirbare Lösungen verwandelt. ⦗die Ernährung setzt z. Th. endosmotische Durchdringung der zu ernährenden Organe voraus⦘. Diese leicht diffundirbaren Albuminate heissen Pepton od. Peptone; finden sich im Magen u. Dünndarm während der Verdauung. (61) Ausserdem: Peptone verlieren die Eigenschaft der Fällbarkeit unter vielen im Organismus gegebnen Bedingungen. Peptone unterscheiden sich v. den Albuminaten, dass sie nicht gefällt werden durch Knochen, verdünnte Mineralsäuren, Essigsäure, schwefelsaures Kupferoxyd, Eisenchlorid u. Ferrocyankalium. Alkohol erzeugt in concentrirten neutralen Lösungen flockigen Niederschlag, löslich in verdünntem Weingeist. Gerbsäure, Chlor, Jod, Quecksilberchlorid, salpetersaures Silberoxyd, in saurer Lösung glyco- u. taurocholsaures Natron fällen die Peptone wie die Albuminate. (61) Leim verwandelt sich bei der Verdauung in Leimpepton. (62) (auch durch verdünnte Säuren hevorgebracht)

b) Albumin. α) Serumalbumin. β) Eieralbumin (Eierweiss) (62)

Serumalbumin = C 53.5 H 7.0 N 15.5 O 22.4 S 1.6%.

c) Faserstoff (Fibrin) in 100 Th. = C 52.7 H.6.9 N.15.4 O 23.8 S.1.2. Scheidet sich spontan aus aus Blut, Chylus, Lymphe, pathologisch aus einigen Transsudaten. Löslich in Salpeterwasser. (62) Zersetzt Wasserstoffsuperoxyd unter lebhafter Sauerstoffentwicklung.

d) Myosin, Bestandtheil des Muskelplasmas. Die Lösungen desselben in verdünnten Säuren enthalten Syntonin (Säurealbuminat [)]. (63)

e) Casein (Käsestoff) (63) in der Milch aller Säugethiere. (l. c.) (Alkalialbuminat) Bei Kochen an der Luft bildet Milch eine Haut v. unlösbar gewordnem Casein. Milch mit frischem od. getrocknetem Kälberlabmagen bei 40% digerirt scheidet alles Casein aus, wahrscheinlich durch Milchsäurebildung aus Milchzucker.

f) Paraglobulin. Fibrinoplastische Substanz. Krystallin, Globulin. Wenig v. einander verschieden; ihre procentische Zusammensetzung: C 54.5 H.6.9 N.16.5 S.1.2 O 20.9. (63) Paraglobuline (Globuline) in Blut, Serum, Blutkörperchen, Chylus, in der Krystallinse (Krystallin) (63)

g) Fibrinogen (Metaglobulin), in Blutplasma, Chylus u. serösen Transsudaten (64)

h) Amyloid (l. c.) ( in degenerirter Leber (Wachsleber) u. Milzen (Speckmilz), auch hie u. da in Gehirn, Rückenmark etc. (l. c.)

II) Produkte der Albuminsynthese.

a) Haemoglobin (auch genannt Haemoglobulin, Haematoglobulin) C 54.00 H 7,25 N 16.25 Fe 0,42. S.0,63 O.21.45 (Im Blut der Gans gefunden im Haeoglobin Haemoglobin 0.77 Phosphorsäure). Unterscheidet sich v. den Albuminaten durch Eisengehalt u. Krystallisirbarkeit. Von der grössten Wichtigkeit f. die Respiration.

b) Vitellin soll bei seiner Zersetzung Eiweiss u. Lecithin liefern. Krystallisirbar. Diese Stoffe (Haemoglobin u. Vitellin) wegen ihrer Krystallisirbarkeit nicht mehr zur Gewebsbildung tauglich (so dass durch Synthese wie durch rückschreitende Metamorphose solche zur Gewebsbindung untaugliche Stoffe entstehn könnten.) (64)

III) Produkte der rückschreitenden\regressiven Metamorphose des Albumins.

1) Albuminoide.

Stehn den Eiweisskörpern in ihrer Zusammensetzung noch nahe; unter einander verschiedner als die Eiweissstoffe; einige enthalten keinen Schwefel mehr. Unkrystallisirbar; unfähig (ohne Veränderung z. B. in dem Verdauungsprocess) wahre Lösungen zu bilden, also Calloidsubstanzen Colloidsubstanzen , durch Zersetzung liefern die folgenden, wie die Albuminate, reichlich Tyrosin u. Leucin.|

66

a) Mucin (Schleimstoff) Nimmt an der % Zusammensetzung: C 52,2 H 7.0 N 12.6 O 28,2. (65) (Im Secret der Schleimhäute u. den foetalen Bindegeweben.) (Calloid Colloid)

b) Hornstoff. (Keratin) Aus ihm bestehn die Horngewebe: Epidermisschüppchen der Oberhaut, Nägel, Haare, Hörner, Federn. Die Epidermis % besteht: C 50,28. H 6,67 N 17,21. O 25,01 S 0,74. Nur in heissen Alkalien löslich, liefert bei Zersetzung Leucin u. Tyrosin. (65)

c) Leimgebende Substanz, Collagen, durch Kochen in Leim (Glutin) verwandelt, löst sich schleimig in kochendem Wasser, gesteht in kaltem zu Gallerte. Leim findet sich als Zwischenzellmaterie des meisten Bindegewebe.

Leim besteht in 100 Th. aus: C 50.76 H.7.15 N 18,32, S 0.56 O 23,21. Alkohol u. Gerbsäure schlagen den Leim nieder, Leim hat in wässriger Lösung nicht die Eigenschaft zu diffundiren. Durch Verdauung im Magen wird er diffundirbare Lösung, nicht gerinnbar, Leimpepton. Aus den leimgebenden u. chondringebenden Geweben entsteht im Organismus durch Schwefelverlust das ganz unlösliche Elastin. (65)

d)  Bei Ranke, S. 65: chondrigene
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chondringene
Substanz
, Knorpelleim, Chondrin. C 49.93 H 6.61 N 14.47 S 0.41. O 28.58. Unterscheidet sich v. Glutin (Leim) vor allem durch seine Unfällbarkeit durch Gerbsäure, dagegen durch Essigsaüre bleibend niedergeschlagen. Bei seiner Zersetzung, auch durch Magensaft, liefert er Leucin u. anstatt des Leimzuckers (Glycin) wahre, gährungsfähige Zuckerart (Chondroglycose, Traubenzucker [)]. Diese Bildung v. Zucker aus einem der nächsten Abkömmlinge der Albuminate, sehr wichtig f. die Umsatzvorgänge bei der Eiweisszersetzung. Ein mögliches Zersetzungsprodukt ist – Zucker. (65, 66) (Knorpelleim ein stickstoffhaltiges Glucosyd Glucosid .)

Aehnlich: Chitin u. Hyalin. Chitin = C 46.32 H 6.40 N 6.14 O 41.14; liefert durch Kochen mit Schwefelsäure Traubenzucker u. Ammoniak. (66)

Protagon auch ein Glucosid u. zwar des Lecithins. (l. c.) (im Gehirn, Blut) Es kann in Traubenzucker u. Spaltungsprodukte des Lecithins (Neurin, Glycerinphosphorsäure, Fettsaüren etc) zerlegt werden. Wichtig dass hier Fettsaüren als Zersetzungsprodukt neben Zucker erscheinen; also Fettbildung aus Albuminaten. (66)

e) Fermente: (?) steht so viel fest, dass sie die Eiweissreaktionen nur spurweise od. gar nicht geben; die s. g. Verdauungsfermente. Aus Unwissenheit über das Wesen der Fermentation Nothbehelf eigthliche eigentliche chemische Stoffe als Fermente  Bei Ranke, S. 67: aufzustellen
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darzustellen
.

Die Verdauung bringt gewisse Verändrungen in einigen aufgenommenen Nährsubstanzen (Albumin, leimgebende Substanz, Stärkemehl, Fett) hervor, die ebenso durch langes Koches Kochen od. Kochen mit Wasser unter gesteigertem Druck erzeugt werden (z. B. die Bildung der Peptone aus Albumin, Leim, Mucin) od. durch Behandlung, Kochen mit Mineralsäuren od. Alkalien. (66, 67)

Bei den eigentlichen Gährungen, die unter der Einwirkung v. Gährungsorganismen (Hefe) verlaufen, wie die Alkoholbildung aus Zucker, erhalten die sich zersetzenden Zuckermoleküle eine Einwirkung, die vergleichbar mit der Wirkung der Wärme u. wasserentziehenden Mittel. (67) (Ibidem die 3 Sorten Fermentationen, die man im Körper annimmt für: 1) Zuckerbildung (aus Stärke, Dextrin u. Glycogen durch den Speichel, den Pankreassaft, Leberextrakt, u. Extrakt andrer Organe[)]; 2) Fettzerlegung in Glycerin u. freie Fettsäuren durch den Pankreassaft; 3) Umwandlung der Albuminate u. Albuminoide (geronnener u. gelöster) in Peptone u. weitere Spaltung derselben in Leucin, Tyrosin, Zucker etc durch Magensecret (Ferment: Pepsin), Pankreas u. Darmsaft (67)

⦗Die Fette theils in der vegetabilischen Nahrung eingeführt, theils stammen sie aus Zersetzung der Albuminate. Analog mit den im Körper sich findenden Kohlehydraten u. andren Stoffen, aufzufassen theils als Produkte der regressiven Metamorphose der Körperstoffe, theils aus Nahrungsbestandtheilen als Nahrungsbestandtheile u. deren Zersetzungsprodukten Zersetzungsprodukte. p. 67⦘

2) Organische stickstofffreie Stoffe.

a) Die Fettsaüren v. der Formel Cn H2n O2 – homologe Reihe. (67) fettsaure Alkalien = Seifen (Verbindungen v. Fettsäuren mit Kali u. Natron) (68) Durch die Pankreasverdauung im Darm die Fette z. Th. in Glycerin u. Fettsäuren zerlegt, die dann mit den Alkalien die Seifen bilden. (l. c.) (Diese Seifen in Wasser lösbar, fähig sich mit Fetten zu verbinden, wichtig f. die Verdauung) Aus Lecithin Fettsäuren gewonnen durch Zersetzung. (l. c.)|

67

b) Säuren der Milchsaürereihe.

CH3 CH2 OH.
Gewöhnliche Milchsäure: CH OH. Fleischsäure (Paramilchsäure): CH2
CO2 H CO2 H (68)

c) Säuren der Oxalsaüre.

  • Oxalsäure = C2 H2 O4 findet sich zuweilen im Harn mit Kalk verbunden.
  • Bernsteinsäure = C4 H6 O4. (68)

d) Saüren der Acrylsaürereihe (Oelsäuren). Oelsaüre (Oleinsaüre, Elainsaüre) in Begleitung v. Fettsäuren, als neutrales Fett = Olein. C18, H34 O2. (68)

3) Alkohole.

Kohlenwasserstoffe, worin ein od. mehre Atome H durch Hydroxyl (OH) vertreten sind. Z. B. C2 H6 (Aethylwasserstoff) geht über C2 H5 H |0 Aethylalkohol = Weingeist. Man kann sie auch als Wasser auffassen H H {O, wo Wasserstoff durch kohlenstoffhaltige Radikale ersetzt. (68)

 Zusatz von Marx.
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a)
 Zusatz von Marx.
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1)
Cholesterin: C26 H43 H {0 in Eidotter, Gehirn, Galle etc einwerthiger Alkohol. (l. c.)

 Zusatz von Marx.
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2)
Glycerin: C3 H5 H { OH OH OH dreiwerthiger Alkohol; findet sich nach der Fettzerlegung im Darm durch das Pankreassecret frei vor. Ueberdiess noch in Fetten in der Form v. Aetherarten; die neutralen Fette sind Glycerinäther. (68)

 Zusatz von Marx.
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b)
Zuckerarten (gehören zu den vegetabil. Kohlenhydraten) schliesst man gewöhnlich an die Alkohole an, ihre Constitution noch nicht genau erkannt. Im animalen Organismus 3 Zuckerarten nachweisbar:

  • Traubenzucker (Dextrose od. Stärkezucker) = C6 H12 O6; in geringen Mengen fast in allen thierischen Flüssigkeiten u. Gewebsäften: in Blut, Muskeln, Leber, Harn etc. (zu letztrem in grossen Mengen bei Diabetes mellitus) Ist gährungsfähig, durch Hefe zerfällt er fast ganz in Aethylalkohol u. Kohlensäure
  • Inosit = C6 H12 O6; zuerst im Herzmuskel nachgewiesen. (nicht der weingeistigen [Gährung], aber der Milchsäuregährung fähig.[)] Findet sich auch in Pferdefleisch, Ochsenblut, Leber, Lunge, Gehirn, Milz, Nieren ⦗in den willkührlichen Muskeln v. Säufern oft in erheblicher Menge⦘
  • Scyllit in den Nieren v. Rochen u. Haifisch; unterscheidet sich durch die Krystallform v. Inosit.
  • Milchzucker = C12 H22 O11 + H2O in der Milch der Säugethiere; scheidet sich aus deren eingedampfter Molke in rhombischen Krystallen aus. Direkt nur der Milchsaüregährung fähig.

Im animalen Körper Andre z. Th. leicht in Zucker überführbare Kohlenhydrate:

  • Glygcogen (animalische Stärke) C6 H10 O6; v. allem in Leber, in vielen embryonalen Organen, im Fleisch regelmässig, spurweise in Blut u. Drüsen: Milz, Nieren, Milchdrüssen. Kann durch verdünnte Säuren, dann Speichel, Bauchspeichel, Lebersaft, Blut, Diastase etc leicht in Traubenzucker übergeführt werden.
  • Dextrin (Stärkegummi) C6 H10 O5, im Pferdefleisch, Blut (namentlich der Lunge) der Herbivoren, in der Leber der mit Hafer gefütterten Pferde etc[.] Direkt der Milchsäuregährung fähig; durch verdünnte Säuren (Schwefelsäure) u. Speichel, Diastase geht [Dextrin] leicht in Traubenzucker über.
  • Cellulose: C6 H10 O5.
  • Paramylon (C6 H10 O6 O5 ) in Körnchen in einer Infusorienspecies Euglena viridis gefunden. (68–70)|

68

4) Aetherarten.

Reichlich Glycerinäther (cf. p. 70) Glycerinphosphorsäure (im Gehirn) (ib.)

5) Ammoniakderivate v. bekannter Constitution.

a) Amine. Verbindungen, worin Wasserstoffatome des Ammoniak NH3 = H H H {N od. des Ammoniumoxydhydrats NH4 (OH) durch Kohlenwasserstoffgruppen ersetzt sind. (70)

Methymalin Methylamin (l. c.) u. Trymethymalin treten als Zersetzungsprodukte des Kreatins u. Neurins auf. (l. c.)

Neurin, Zersetzungsprodukt des Lecithins (l. c.)

Lecithin C44 H90 NPO9 complicirte Verbindung des Neurins mit Stearinsäure u. Glycerinphosphorsäure; selbst Zersetzungsprodukt v. Vitellin u. Protagon. In Nervensubstanz, Blut, Eidotter, Samen etc

b) Amide: Säuren worin Hydroxyl (HO) durch NH2 ersetzt ist.

Harnstoff, Biamid der Kohlensaüre.

Die wasserhaltige Kohlensäure hat die Formel: CO (OH)2
Harnstoff CO (NH2)2 = CH4 N2O
Beide OH der wasserhalt. Kohlensaüre durch NH2 ersetzt.

Die Hauptmasse alles im Körper umgesetzten Stickstoffs der stickstoffhaltigen Körper- u. Nahrungsbestandtheile bei Säugethieren verlässt den Körper in Form v. Harnstoff: löst sich leicht in Wasser u. Alkohol, kaum in Aether; seine Salze mit Salpetersäure u. Oxalsaüre schwer löslich; zersetzt sich leicht beim Kochen (100°C), Faulen, auch im Darm, unter Aufnahme von 2H2O in kohlensaures Ammoniak. CO{ NH2 NH2 + 2H2O = CO{ ONH4 ONH4 ; NH4 (Ammonium)[;] NH4 (OH) (Ammoniumoxydhydrat)[;] (ONH4) CO = kohlensaures Ammoniak.

1799 unter dem Namen urée (Harnstoff) v. Fourcroy u. Vauquelin als Bestandtheil des menschl. Harns entdeckt; 1828 künstlich dargestellt v. Wöhler (erste organ. Substanz, die künstlich dargestellt) (70–71)

c) Amidosäuren: Säuren, in welchen Wasserstoffatome des Radikals durch NH2 od. substituirte Ammoniak-Gruppen vertreten sind.

Glycin (Glycocoll, Leimzucker) = Amidoessigsaüre C2 H5 NO2 , entsteht wenn thierischer Leim, (Glutin) mit verdünnter Schwefelsäure gekocht wird; künstlich darstellbar; in Galle u. normal im Harn der Pflanzenfresser.

Im Harn Glycin verbunden mit Benzoësaüre (C6 H5 CO2 H)

Hippursäure (p. 71) Glycocholsaüre (ib.) (letztere = C26 H43 NO6)

Taurin = C3 H7 NSO3. (ib.) (als Zersetzungsprodukt der Gallensaüre im Darm u. den Exkrementen); normal in den Mollusken Muskeln vieler Fische, den Mollusken, in den Lungen u. Nieren verschiedner Säugethiere, im Pferdefleisch etc[.] Charakterisirt durch seinen reichen Schwefelgehalt = 25.6%. (Sein wichtigstes Vorkommen mit Cholsäure in der Galle) (l. c.)

Taurocholsaüre = C26 H45 NSO7, bildet mit der Glycocolsaüre Glycocholsäure die specifischen Bestandtheile des Lebersecrets: die Gallensaüren, in der Galle gebunden an Alcalien, namentlich Natron. (71) Lösen sich wie Seifen im Wasser, mischen sich aber auch mit Fetten u. Oelen; daher ihre Hauptbedeutung f. Fettresorption im Darm (l. c.)|

69

Die Taurocholsäure enthält 3.21% Schwefel, zerfällt beim Kochen in mit Alkalien in Taurin und Cholsäure.

Cholsäure (Cholalsäure): C24 H40 O5. Ueber 195°C erhitzt, verwandelt sie sich unter Abgabe v. 1 Aequiv. Wasser in Choloidinsäure u. bei 295° in Dyslisin.

Leucin = das Amid der Capronsaüre: C6 H13 NO2 = C6 H10 (NH2) O. OH. Im Pankreas normal, in sehr viel Körpertheilen als Produkt der Zersetzung, wobei es sowie durch Säuren u. Alkalien aus Albuminaten u. albuminoiden Stoffen entsteht.

Tyrosin – Amydosaüre, deren Natur noch nicht aufgeklärt. (Weiteres p. 72, 73) (Tritt als Zersetzungsprodukt neben dem Leucin auf) (beide Stoffe bes. bei Leberkrankheiten in verhältnissmässig grossen Mengen in allen Organen u. Flüssigkeiten, namentlich in der Leber)

An die Amodynsäuren Amydosaüren schliessen sich an:

  • Cystin = Bestandtheil der Nieren, = C3 H7 NSO2.
  • Kreatin = C4 H9 N3 O2, in Muskelfleisch, Gehirn, Blut etc, Harn. Entsteht aus Oxydation stickstoffhaltiger Gewebsbestandtheile (l. c.) Volhard stellte es künstlich dar (l. c.) Mit Barytwasser gekocht zerfällt es in Harnstoff u. Sarkosin. C4 H9 N3 O2 + H2O = CH4 N2O (Harnstoff) + C3 H7 NO2 (Sarkosin).
  • Kreatinin = C4 H7 N3O. (l. c.)
6) Ammoniakderivate v. unbekannter Constitution.

a) Harnsäure C5 H4 N4 O3, in geringen Mengen in Harn des Menschen u. der Säugethiere, in grösseren in Exkrementen der Vögel u. Schlangen etc. (im Blute bei Gicht), in Herzmuskel, Gehirn, Harnsteinen, Harnsedimenten, Gichtknoten u. in Conkretionen in den Gelenkhöhlen bei Gichtkranken) Im Harn findet sich bes. harnsaures Natron, harnsaures Ammoniak, harnsaurer Kalk. (74) Durch Oxydation liefert die Harnsäure bei Mitwirkung v. Säuren Harnstoff u. Alloxan = Mesoxalylharnstoff, d. h. Harnstoff, der das Radical der Mexosalsäure Mesoxalsäure C3 O3 H2 }O2 enthält. C5 H4 N4 O3 + H2O + 0 = CO H2 H2 }N2 (Harnstoff) + CO C3O3 H2 }N2 (Alloxan) Alloxan ein Nebenprodukt der Harnstoffbildung aus Harnsäure.

Allantoin (C4 H6 N4 O3) + Kohlensäure geliefert v. Harnsäurezersetzung bei Gegenwart v. Alkalien. Kochende Salpetersäure zersetzt das Allantoin in Harnstoff u. Allantoinsäure, während es sich mit koncentrirten Alkalien in Oxalsäure und Ammoniak zersetzt.

Xanthin C5 H4 N4 O2 Bestandtheil gewisser seltner Harnsteine. (p. 74) Auch in Harn, zahlreichen drüsigen Organen, Hirn, Fleisch v. Säugethieren u. Fischen. (l. c.) Ist künstlich darstellbar – durch Oxydationsmittel aus:

b) Hypoxanthin od. Sarkin = C5 H4 N4O. (75)

c) Guanin = C5 H5 N5 O. Bestandtheil des Guano (Excremente v. Seevögeln) im Pankreas, in der Leber, auch in Exkrementen v. Spinnen u. in den perlmutterglänzenden Massen in den Schuppen u. Schwimmblasen der Fische. (l. c.)

d) Inosinsäure = C10 H14 N4 O11: in den Flüssigkeiten des Fleisches in geringer Menge. (l. c.)

e) Kynurensäure. C16 H14 N2 O5 (?) im Hundeharn neben Harnsäure. (l. c.)|

70

7) Die thierischen Farbstoffe.

a) Farbstoffe aus dem Blut. Stammen der Mehrzahl nach wahrscheinlich ab v. Hämoglobin (Zersetzbar in Eiweissstoff u. rothen Farbstoffen[)]; dieser primär v. Hämoglobin sich abspaltende Farbstoff (Hämogromogen) geht durch Sauerstoff über in:

  • Hämatin. Hoppe giebt ihm die empirische Formel: C34 H34 N4 Fe O5 (?) Durch Säuren in Gegenwart v. Chlor wird es umgewandelt in:
  • Hämin, krystallisirter Körper. (75)

b) Farbstoffe der Galle: Bilirubin = C16 H18 N2 O3 (also eisenfrei) Es kommt vor in Gallensteinen etc. Durch Oxydation z. B. an der Luft u. mit Salpetersäure geht aus ihm hervor:

  • Biliverdin: C16 H20 N2O5 = Bilirubin + H2O + O. (giebt dem grünen Erbrechen Kranker die Farbe; findet sich in grüner Menschengalle etc.)
  • Bilifusin = C16 H20 N2 O4 = Bilirubin + H2O (in menschlichen Gallensteinen)
  • Biliprasin C16 H22 N2 O6 = Bilirubin + 2H2O + O (in mensch. Gallensteinen etc) (l. c.)
  • Bilicyanin bisher nur spektroskopisch charakterisirter blauer Farbestoff, entsteht bei Oxydation des Gallefarbstoffs.

c) Harnfarbstoffe: Hydrobilirubin; Urobilin (identisch mit dem im Koth vorkommenden Stercobilin) (Vgl. über die Entstehung des lezteren durch Reduction auch im Organismus z. B. durch Einwirkung des im Darm entstehenden Wasserstoffs. (76)

Indican (im normalen Harn in geringer Menge, gelbfärbend) C26 H31 NO17. Bei faulem Harn geht es v. selbst in Indigoblau über: C8 H5 NO.

Urocyanin (Uroglaucin, Harnblau); Urohämatin; Urrhodin. (sieh 76)

d) Eiterfarbstoffe: (sieh p. 76)

Pyocyanin. (l. c.) Pyoxanthin (ib.)

e) Schweissfarbstoffe; rothe u. blaue. (l. c.)

f) Augen- u. Hautpigmente = Melanin, schwarzes Pigment. (l. c.) (Hat Eisengehalt).

Eigenthümliche Verschiedenheiten der chemischen Vorgänge in jeder Zelle.

Schon die primären Veränderungen des Eiweisses in dem Inhalt der verschiednen Zellen verschieden, wie die Bildung des Caseins, des Myosins etc, je nachdem das Eiweiss zum Bestandtheil einer Milchdrüse od. einer Muskelzelle wird.

Ebenso die Umwandlungen der Albuminate bei ihrer Verwenduung zur Bildung der Zellmembranen u. Zellenschwischensubstanzen Zellenzwischensubstanzen, verschieden je nachdem sie in der einen od. andern Zellengruppe vor sich gehn, wie die chemischen Verschiedenheiten des leimgebenden Stoffs beweisen, des Knorpel- u. des Hornstoffs, des elastischen Stoffes, des Mucins, die sich an getrennten Orten zu verschiednen Zwecken  Bei Ranke, S. 77: benutzt
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verwandt
finden. (77) Aehlich verhälts sich mit den weiteren Zersetzugnsprocessen Zersetzungsprocessen in den anatomisch verschiednen Zellen. (l. c.)|

71

Jede thierische Zelle enthält Zersetzungsprodukte (bilden alle Glieder in der fortschreitenden Reihe der Zersetzung), tragen aber doch in jeder physiologisch verschiednen Zellengruppe ihr specifisches, originelles Gepräge. (77)

Der Lebensvorgang in den einzelnen thierischen Zellen beruht dem Princip nach stets auf Rückbildung unter Sauerstoffaufnahme, aber diese Vorgänge modificirt in jeder Zelle je nach ihren Funktionen im Haushalt des Thierorganismus; anders die Stoffzersetzung in dem Muskelgewebe z. B., die mechanische Kraftleistungen zu verrichten u. führt primär zu andern Produkten als die chem. Thätigkeit in Leberzellen, Magen- u. Darmdrüsen, [welche] verwandt zu bestimmten chemischen Umgestaltungen v. Stoffen, um sie als Nahrungsflüssigkeit f. den thierischen Organismus zu verbrauchen. (77)

Funktionen der anorganischen Zellenstoffe.

Theils zur Bildung des Skeletts (seiner Festigkeit in Pflanzen u. Thieren). Kalisalze in bestimmter Beziehung zu Erzeugung der organischen Stoffe. In Getreidesamen das sich bildende Eiweiss in gradem Verhältniss zu den phosphorsauren Salzen, die der Pflanze als Nahrungsmittel zu Gebot stehn. Aehnliches Verhältniss scheint zwischen Alkalien u. Bildung der Pflanzensäuren zu bestehn; ohne Kalisalze kein Wachsthum. Ohne H u. O keine Entstehung u. Erhaltung des organ. Lebens. (78)

Kohlensaurer- u. phosphorsaurer Kalk f. das thierische Skelett; Kalisalze scheinen f. die Fleischbildung bei der Ernährung v. grösster Bedeutung. (l. c.)

Sicher sind die verschiednen anorganischen Bestandtheile, die sich im Zelleninhalt gelöst finden, die Hauptursache der Verschiedenheit der Oxydation in den verschiednen Zellen; das Vorwiegen der Phosphorsäure in Muskelgeweb u. Nervensubstanz [wird] Veranlassung der dort so leicht entstehenden sauren Reaktion, das Vorwiegen der kohlensauren Alkalien in den Säften des Bluts, der Lymphe, giebt diesen ihre Alkalinität. Chemischen Vorgänge müssen sich in sauren od. alkalin. alkalischen Flüssigkeiten verschieden gestalten, auch wenn in beiden die constituirenden Stoffe die Gleichen wären. (l. c.)

Dann Wichtigkeit der anorganischen Stoffe f. die Diffusionserscheinungen (l. c.)

Wissen nicht, warum im flüssigen Blut die Natronsalze, in den geformten Blutbestandtheilen die Kalisalze vorherrschen etc. (l. c.) d. h. wissen nicht, woher ihnen die Fähigkeit der Aneignung der f. ihre Zusammensetzung nöthigen anorganischen Stoffe ertheilt wird. (79) Wenig erforscht in welcher Weise die anorgane anorganischen Stoffe mit den organ. in Verbindung treten (l. c.)

Anorganische Bestandtheile in den thierischen Organismen:

  • 1) Wasser.
  • 2) Gase: Sauerstoffgas, Wasserstoffgas, Stickstoffgas, Kohlensäuregas, Sumpfgas, Schwefelwasserstoffgas.
  • 3) Salze:
    • Chlornatrium, Chlorkalium, Chlorammonium;
    • Fluorcalcium;
    • Kohlensaures Natron, kohlensaures Kali, kohlensaures Ammoniak, kohlens. Kalk, Kohlens. Bittererde
    • Phosphorsaures Natron, Phosphs. Kali, Phosps. Kalk, phosphs. Bittererde, phosphosaure phosphorsaure Ammoniakbittererde, phosphorsaures Natron-Ammoniak, phosphors. Eisen (Eisen auch noch in andren unbekannten Verbindungen, )
    • Salpetersaures Ammoniak, salpetrigsaures Ammoniak,
    • Schwefelsaure Alkalien, schwefelsaurer Kalk.
  • 4) Freie Säuren: Chlorwasserstoffsaüre, Schwefelsäure, Kieselsaüre. (79)|

72

Mikrochemie u. chemische Lebensthätigkeiten der Zellen u. des Eis.

Lebenserscheinungen der Zellen an Vorhandensein des Protoplasma (Cytoplasma) geknüpft. (79) Bildung neuen Protoplasmas Hauptzweck der Ernährungsvorgänge der Zellen. Der Hauptbestandtheil des Protoplasma – aller Zellen – in Wasser gequollne Albuminate od. noch höher zusammengesetzte Stoffe, wie Hämoglobin, Vitellin, aus deren Zersetzung erst Albuminate entstehn. (l. c.) Dieser Hauptbestandtheil durchtränkt mit einer wahren Lösung löslicher Zuckerarten u. Salzen, verbunden mit neutralen Fetten. (l. c.)

In den Pflanzenzellen die chem. Vorgänge an Protoplasma u. seine Produkte, z. B. Chlorophyllkörper geknüpft. So bei den thierischen. Lebensthätigkeit der Organe verläuft mit Bildung organischer Säuren, z. B. Fleischmilchsäure. Die neutrale od. schwach alkalische Reaktion des Muskel- u. Nervengewebes schlägt durch angestrengte Thätigkeit in saure Reaktion um. Diese saure Reaction scheint vom Kern auszugehn, der in der lebenden Zelle fortwährend saure Reaktion erkennen lässt im Gegensatz zu seiner alkalischen Umgebung. (80) Diese saure Reaktion zeigt sich in der Eigenschaft des Kerns sich in neutraler Lösung v. carminsaurem Ammoniak rasch u. bleibend roth zu färben durch Fixirung der Carminsäure. Die Säurebildung, unter besonders starker Einwirkung des in der Zelle aufgenommenen O, findet beständig im Zellenkern statt; wird bei der gesteigerten Thätigkeit (u. dem Absterben der Zelle) so mächtig, dass sich saure Reaktion in der Gesammtzelle u. ihrer Umgebung geltend macht, die sonst v. den alkalischen umspülenden Gewebs- u. Zellensäften neutralisirt wird. (80)

Der Stoffwechsel des Protoplasma also mit der Bildung einer organischen Säure (z. B. Fleischmilchsäure) verknüpft, die wahrscheinlich selbst wieder Zersetzungsprodukt einer höher zusammengesetzten Verbindung, eines Kohlehydrats, einer Zuckerart. Die Fleischmilchsäure liefernden Stoffe z. Th. Zersetzungsprodukte der Albuminate. Nach Liebig soll das Produkt der Spaltung der Albuminate einen od. mehre stickstofffreie u. einen od. mehre stickstoffhaltige Stoffe liefern. Kölliker hat Entstehn eines stickstoffhaltigen Stoffs aus dem eiweissreichen Protoplasma nachgewiesen; nämlich: das eiweissreiche Protoplasma der Zellen der Leuchtorgane v. Lampyris unterliegt zeitweilig einer so lebhaften Sauerstoffeinwirkung, dass dabei Lichtentwicklung entsteht; Kölliker zeigt dabei mikroskopisch Bildung v. harnsaurem Ammoniak nach. (l. c.)

In den animalen Zellen, wie in den pflanzlichen, mehr od. minder gleichmässig gemischtes Protoplasma, od. Zellsaft, daraus ausgeschieden. Kölliker nennt die erstern Zellen monoplasmatische, die zweiten diplasmatische Zellen. (Weiteres darüber 80, 81) Die animalen Zellen gehören in der Jugend u. während ihres normalen Lebens meist der ersten Art an; deutlich diplasmatisch die Fettzellen, wo Protoplasma auf geringes Mimimum um den Kern reducirt sein kann, während der übrige Zellenraum v. flüssigem Fett erfüllt ist. Auch displasmatisch diplasmatisch die Zellen, wo Abscheidung fester Substanzen, z. B. Pigmentkörner, aus dem Protoplasma stattfindet. (l. c.) Vergl. Drüsenzellen (81) (Einerseits beständige Stoffabscheidung (Drüsenzellsekrete) aus dem Protoplasma, andrerseits Erhalten des letztern u. Ersetzen seiner Verluste)

Auch die Zellsäfte u. Zellmembranen erleiden fortgesetzten Stoffwechsel u. Erneurung ihrer Bestandtheile. (cf. 81)

Der diplasmatische Zustand der Zellen, z. B. der Drüsenzellen, ist als Vorläufer der Zellenauscheidung Zellenausscheidung aufzufassen; es finden sich aber auch bei Zellen – wo keine Sonderung des Zelleninhalts in Protoplasma u. Flüssigkeit zu erkennen – lebhafte Abscheidungen aus der Zelle, theils fester Art, theils flüssiger statt. Fest z. B. Cuticularbildungen. Flüssig – Zwischenzellenflüssigkeiten – Blut- Lymph- Chylusflüssigkeiten, Drüsensäfte, Parenchymsäfte – auf Rechnung v. Zellenthätigkeit zu setzen. Einige Zellen scheiden Stoffe aus, die ihnen v. Blut zugeführt werden, wie z. B. die Nierenzellen; andre, solche, die sie durch ihre specifische Lebensthätigkeit in sich gebildet haben, wie die Zellen der Leber, Magensaftdrüsen. (81)

So unterliegt die ganze Zelle mit allen ihren Organen u. Bestandtheilen dem Stoffumsatz; dieser in den Zellen an Aufnahme v. Sauerstoff gebunden, Zellenrespiration. (81) Einzellige Thiere respiriren etc. (82 sieh ibid)

Ferner steht der Stoffwechsel in den Zellen unter Nerveneinfluss. (82)

Die Eizelle gilt als Typus der Zelle, da sich alle folgenden aus ihr entwickeln. Die Eier od. deren Dotter bestehn zum grössten Theil aus Nahrungsdotter u. nur kleiner Theil davon bildet die eigentliche Eizelle. Doch bildet jene Masse den ersten Nahrungstoff, woraus die animale Zelle ihre Bestandtheile bildet zu einer Zeit, wo das specifische Zellenleben sich erst auszubilden beginnt, wo also die den Zellen gelieferte Nahrung möglichst schon die Zusammensetzung der Zelle selbst besitzen muss. Daher die Physiologie der Eier der Vögel etc wichtig f. Verständniss des Einzellebens der Zelle. (l. c.)|

73

Im Eidotter nachgewiesen folgende Stoffe: Eiweissstoffe, Fette (Olein u. Palmitin), Vitellin (phophorhaltiger organische phosphorhaltiger organischer Körper v. höchster Zusammensetzung, das durch seine Zersetzung wahrscheinlich Eiweiss u. Lecithin bildet[)], gelbes u. rothes eisenhaltiges Pigment, Traubenzucker, Cholesterin u. Salze (Kalk- u. Kalisalze, mehr Natronsalze), Phosphorsäure.

Das Eiweiss, das den Dotter der Vogeleier umhüllt, viel Wasser; dann Albuminate, bes. in Salzen gelöstes Albumin, wenig Kalialbuminat u. nur Spuren v. Globulin, ausserdem ziemlich viel Traubenzucker (8% der festen Stoffe) u. Asche (3% der festen Stoffe) die reich an Chlor u. arm an Phosphorsäure ist, aber überwiegend Kalisalze enthält, daneben Natron, Kalk, Magnesia, Eisenoxyd, Kieselerde f. die Bildung der Federn. Ein Theil des Kalks zur Entwicklung des Embryo auch v. den Eierschalen geliefert (bestehn hauptsächlich aus kohlensaurem Kalk u. kohlensaurer Magnesia) (82)

Zur Entwicklung bedarf das Ei Zufuhr v. Wärme u. Sauerstoff; es zeigt vollständig animale Respiration. (Darüber näheres 82, 83)

Vgl. die Zusammensetzung v. Hühnerei u. Karpfenei. (p. 83)

Drittes Kapitel. Die Physik der Zelle.

a) Vom Gesetz der Erhaltung der Kraft.

Die Wissenschaft der Chemie beruht auf dem Gesetz v. der Erhaltung des Stoffs; die Physik auf dem Gesetz v. der Erhaltung der Kraft. (85) Kraft verändert nur ihre Form; jede Art Bewegung entspricht dem Erlöschen v. einer andern Art Bewegung. (l. c.)

Kraft entsteht aus einem Kraftvorrath (Spannkraft), gleichsam ruhend in den Körpern aufgespeichert. Andrerseits aus andern Kräften wieder Spannkraft gebildet. Alle Kräfte – Umwandlungsprodukte der einen grossen mechanischen Kraft, die das Weltall in Bewegung erhält. (l. c.)

Der grösste Antheil der v. thierischen Organismus selbst producirten Kräfte zeigt sich als Wärme, Elektricität u. mechanische Bewegung. Sie stammen aus der Oxydation; d. h. diese Kräfteformen werden frei durch die Verbindung der Körperbestandtheile mit Sauerstoff. (86)

Zur Constitution der freien Elementarstoffe gehört bestimmter Kraftvorrath (Summe v. Spannkräften), die unter Umständen in gewisse Arbeitsleistung übergeführt werden können. Die einfachen Elementarstoffe haben mehr Spannkraft als die chemisch verbundnen. Bei ihrer Verbindung (z. B. mit O zu Oxydationsprodukten od. bei Vereinigung v. Oxydationsprodukten (Säuren u. Basen) unter einander[)]verlieren also die Elemente Theil od. gänzlich ihre Spannkräfte; finden sich aber wieder auf als Bewegungen der Materie: Wärme, Licht, Elektricität, mechanische Bewegung, Arbeit. (l. c.)

Um einem Körper bestimmte Menge Spannkraft zu geben, muss stets eine bestimmte Summe v. Kraft aufgewendet, verbraucht werden. (86) Wenn Arbeitsvorrath verschwindet, tritt dafür lebendige Kraft als Arbeitsleistung auf. Die Summe dieser beiden Arbeitsgrössen bleibt sich durch das ganze Weltall gleich. (87)

Die Wärme ist Art v. Bewegung wie alle andern lebendigen Kräfte; findet meist als Oscillation an den ponderablen physikalischen Molekülen od. Atomen (u. ihren Aetherhüllen) eines Körpers statt. (l. c.)

Die chemischen Kräfte, welche die Atome bei Verbindung so heftig auf einander fahren macht, versetzt sie selbst in heftige Schwingungen, die sich der Umgebung mittheilen können. (Wärmestrahlung, Wärmeleitung) Die Trennung v. 2 Atomen ⦗die sich durch chem. Anziehung vereinten⦘ bedarf bestimmter Aufwendung v. Kraft, die den freien Atomen dann inwohnt als Kraftvorrath (als Spannkräfte). Durch das Zusammenstürzen der Atome werden die Spannkräfte wieder in lebendige Kraft: Wärme, Electricität, aüssere Arbeit umgewandelt. Chemische u. physikal. Spannkräfte also im Wesen nicht verschieden. (88)

Die Summe der Kräfte (verschiedner lebendiger u. Spannkräfte) unveränderlich im Weltall. Diess gilt nicht, wenn man nur eine Kraftform, z. B. die Wärme betrachtet. Der Wärmevorrath des Weltalls nimmt ab, wenn Wärme in eine andre lebendige Kraft, Electricität, Massenbewegung etc übergeführt wird, od. wenn sie sich als Spannkraft, als Kraftvorrath, als Vorrath an geleisteter anhäuft. Mechanische Wärmetheorie. (l. c.)

Erster Grundsatz der mechanischen Wärmelehre: Aequivalenz v. Wärme u. Arbeit; Aufwand v. Wärme kann mechanische Arbeit erzeugen, Aufwand v. mechanischer Arbeit Wärme; die erzeugte u. verbrauchte Arbeit sind der verbrauchten u. |74 erzeugten Wärme proportional (l. c.)

Wärmemass: Einheit die Wärmemenge, nöthig um ein Kilogramm Wasser von 0° auf 1° Celsius zu erwärmen; ist 1 Wärmeinheit;

Arbeitsmass: Einheit die Arbeitsmenge, erforderlich um 1 Kilogramm auf 1 Meter Höhe zu heben; nennt diese Einheit 1 Kilogrammeter.

Mechanisches Aequivalent der Wärme: Zahl die angiebt, wie viel Arbeitseinheiten durch den Verbrauch einer Wärmeeinheit geleistet werden können u. umgekehrt, wie viel Arbeitseinheiten verbraucht werden, um eine Wärmeeinheit zu liefern. Für die obigen Grössen im Mittel: 430. Durch Verwendung v. 1 Wärmeeinheit können 430 Kilogramm 1 Meter hoch gehoben werden. Umgekehrt: 430 Kilogrammeter zu verbrauchen, z. B. durch Reibung od. unelastischen Stoss, um 1 Wärmeeinheit zu liefern, d. h. um 3 Kilogramm Wasser von 0° auf 1°C zu erwärmen. (89)

Um die Arbeit zu bestimmen, welche durch Aufwendung einer gewissen Summe v. Wärmeeinheiten geleistet wird, Fälle zu wählen, wo die Wärme nur aüssere Arbeit verrichtet; am einfachsten dadurch möglich, dass man mit Hilfe eines vollkommnen Gases Wärme in Arbeit umsetzt, indem man sich das Gas durch Wärme ausdehnen lässt. Joule hat gezeigt, dass bei Ausdehnung eines Gases die Entfernung der einzelnen Gasmoleküle od. Atome v. einander keine Kraft erfordert, indem sich die einzelnen Atome des Gases nicht anziehn, wie bei den Atomen fester u. flüssiger Körper der Fall. Bei der Ausdehnung der Gase kostet daher nur die Ueberwindung eines aüsseren Widerstands Arbeit. Man braucht also nur festzustellen, wie viel Wärmeeinheiten man einem Gas mehr zuzuführen hat, um es auf eine bestimmte Temperatur zu bringen, wenn es sich mit Ueberwindung eines aüsseren Widerstands, also mit Leistung v. aüsserer Arbeit ausdehnt, als zu Hervorbringung derselben Temperatur des Gases nöthig wäre, wenn es an der Ausdehnung gehindert ist u. das gleiche Volum vor u. nach der Erwärmung beibehält. (89)

Körper, deren Atome sich  Bei Ranke, S. 89: nicht abstossen
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anziehn
, werden auch durch Wärme ausgedehnt u. leisten dabei durch Ueberwindung v. Widerständen eine bestimmte aüssere Arbeit; aber vorher müssen sie ihren ihre eigne Anziehung überwinden, also auch innere Arbeit leisten; durch diese wird eine Zustandänderung in dem Körper bewirkt; innere u. aüssere Arbeit zusammen bilden die Leistung der zugeführten Wärme, deren Summe also bedeutender sein muss, als wenn nur die aüssere Arbeit zu leisten wäre. Die Wärme, verwendet zur Auseinandertreibung der Atome, ist in dem Körper angehäuft. Nähern sich die Körper Atome einander wieder zur anfänglichen Ruhelage, aus der sie durch die Wärmezufuhr entfernt wurden, so wird diese ganze Wärmemenge wieder frei. So bei Uebergang v. Gas in flüssigen Zustand, v. diesem in festen Zustand, die Kraft = Wärmesumme wieder frei werdend, welche zur Entfernung der Atome verwandt werden musste. (89, 90) Diess ebenso anzuwenden auf Elektricität, chemische Kraft, Licht. Man bedient sich bei Umrechnungen v. einer Kraft auf die andre derselben Einheiten, Wärmeeinheit u. Kilogrammeter. Z. B. die elekromotorischen elektromotorischen Kräfte entsprechen dem mechanischen Aequivalent der thermischen Wirkungen der chemischen Processe in den galvanischen Elementen. (90)

Nur f. das ganze Weltall gilt das Gesetz v. dem Gleichbleiben der Kraftsumme; nicht f. einzelnes Fixsternsystem, Planetensystem etc; hier kann Summe der Kräfte zu- od. abnehmen.

Zweiter Grundsatz (nach Clausius) der mechan. Wärmelehre: D’abord versteht er unter Kreisprocess eine Kette v. Vorgängen, in Folge deren ein Körper, durch dessen Vermittlung Wärme in Arbeit od. Arbeit in Wärme umgewandelt wird, am Ende des Processes genau wieder in demselben Zustand wie am Anfang. Wenn also bei solchem Kreisprocess ein gewisses Quantum Wärme in Arbeit umgewandelt worden, muss nothwendig ein gewisses andres Quantum Wärme v. einem wärmeren auf einen kälteren Körper übertragen worden sein. Oder umgekehrt: Wenn Wärme v. einem wärmeren auf einen kälteren Körper übertragen werden soll, so muss eine gewisse Arbeit verwandt werden. (90)

Manche Körper dehnen sich innerhalb gewisser Grenzen durch Wärmezufuhr nicht aus, sondern verdichten sich im Gegentheil. Z. B. Wasser seine grösste Dichtigkeit bei +4°C, dehnt sich bei Temperaturen über od. unter 4°C. aus. Wasser verdichtet sich daher, zieht sich zusammen bei dem Abkühlen v. höheren Temperaturgraden bis es eine Temperatur v. 4°C erreicht; hier hört die Zusammenziehung auf; v. 4°C abwärts bis zum Gefrierpunkt dehnt es sich wieder aus, u. wenn es sich in Eis verwandelt, ist diese Ausdehnung bedeutend; das Eis schwimmt daher auf dem Wasser. Führt man ihm v. 0°C Wärme zu, so zieht es sich zusammen (verkleinert sein Volum), bis es 4°C erreicht hat; dann anhaltendes Ausdehnen bei Wärmezufuhr. Auch geschmolznes Wismuth-Metall dehnt sich bei dem Festwerden durch Erkalten aus. (l. c.)|

75

Mit der mechanischen Wärmetheorie steht es in Einklang, dass wenn ein Körper, z. B. Metall zusammengepresst wird, verdichtet [wird], sich dabei Wärme entwickelt; werden seine Atome mechanisch auseinander gezogen, z. B. durch Dehnung eines Metalldrahts, so wird Wärme verbraucht, der gedehnte Körper erkaltet. Doch auch Ausnahmen dabei, die an das Verhalten v. Wasser u. geschmolznem Wismuth erinnern. (91) (Kautschuk z. B. sieh ibid.) Wie der Kautschuk, contrahirt sich auch die quergestreifte Muskelsubstanz innerhalb gewisser Grenzen ⦗2–28°C beim Frosch⦘ durch Wärmezufuhr. (l. c.)

Verschiednen Masse Maasse f. Wärme u. Gewichtseinheit. (91) Die Erwärmung v. 1 Pfd Wasser um 1°C = 1390 Fusspfund. (l. c.) (i. e. Wärmemenge hinreichend, um 1390 Pfund 1 Fuss hoch zu heben)

b) Ernährungsgesetze beruhn auf dem Gesetz der Erhaltung der Kraft.

Die in der Pflanze befindlichen Elementarstoffe haben bei ihrer Oxydation ihre Spannkräfte verloren; das Licht u. die Wärme der Sonne sind die Kräfte, die die Pflanze zur Reduktion der Sauerstoffverbindungen benutzt u. dadurch gleichsam in sich selbst aufspeichert. Sie führt die Sonnenstrahlengleichsam  Zusatz von Marx.
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(!)
– in feste Form über, indem sie dieselbe in Spannkräfte des Kohlenstoffs u. Wasserstoffs verwandelt … fixirte Sonnenstrahlen. (92) Die grünen Pflanzentheile besitzen ähnlich wie die Thiere eine etwas höhere Temperatur wie die umgebende Atmossphäre; es beruht diese auf gleichzeitig neben den Reduktionen vor sich gehende gehenden Oxydationen ⦗auch unter der Einwirkung des Sonnenlichts, wenn sie Sauerstoff ausathmen u. Kohle fixiren, hauchen sie daneben stets Kohlensäure aus⦘, die einen Theil der aufgehäuften Spannkräfte in der Pflanze selbst wieder in lebendige Kräfte überführen. Auf demselben Grunde beruhn die Bewegungs- u. Elektricitätsentwicklungen in den Pflanzen. (l. c.)

Grösse der Kraftmenge – i. e. Wärme –, die fortwährend der Sonne entströmt u. v. den Pflanzen theilweise in Spannkräfte v. C u. H der sauerstoffarmen Pflanzentheile verwandelt wird. (Nähres darüber p. 93) ⦗die Sonnenwärme bedingt ebenso die Bewegung der Winde, das Erheben des verdunstenden Wassers u. damit die Bedingung seiner beim Herabfliessen freiwerdenden Spannkräfte.⦘

Ueber die Kraftsumme, die in Form v. Licht v. der Sonne zur Erde kommt, noch nichs nichts durch Calcul versichertes. (l. c.)

Die als Nahrung in den thierischen Organismus aufgenommenen Stoffe:

1) Zur Formbildung der Organe verwandt; 2) die mit ihnen eingeführten Spannkräfte werden in mechanische Leistungen umgesetzt. (l. c.) In letzterer Beziehung, hängt der Werth der Nährstoffe f. den Organismus v. der Summe der mit ihnen eingeführten Spannkräfte ab; die verhältnissmässig mehr O enthalten haben eben durch diese Vereinigung mit O schon den grössten Theil ihrer verwendbaren Spannkräfte verloren; die anderen sind noch im Vollbesitz derselben; die Leistungen f. die Ernährung, hervorbringbar v. dem einen od. andern Stoff im Organismus, stehn im Allgemeinen im umgekehrtem umgekehrten Verhältniss zu ihrem procentischen Gehalt an Sauerstoff. So Kohlenhydrate Zusatz von Marx.
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= (x)C(OH2)
, wo 2 Atom H auf 1 Atom O, also nur noch C mit O verbindungsfähig bleibt, weniger Werth f. den Organismus als die Fette  Zusatz von Marx.
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(Cn H2n O2)
, wo nicht nur C, sondern auch H einen grossen Theil seiner Spannkraft noch besitzt, die durch Verbindung mit O frei werden kann.

Noch weniger Werth f. die organischen KraftLeistungen [haben] die organischen Saüren, wo nur ein Bruchtheil v. C zu oxydiren bleibt. Doch diess alles cum grano salis. Trotz ihres grossen Spannkraftswerths kann man Kohle nicht fressen; schwerverdauliche Speisen verbrauchen zu ihrer Assimilation viel Kraft, die ihrer Wirkung abgehn muss; Stoffe, die in besonders wichtige Organgruppen eingehn, wie z. B. in’s Nervensystem haben besonders hohen Werth als Nahrungsstoffe. (94)

Die Summe der Spannkräfte aüsserst verschieden in den verschiednen als Nahrungsstoffen eingeführten chemischen Verbindungen. Um die Summe der ihnen inhärirenden Spannkräfte zu bestimmen, die Wärmemenge zu kennen, die bei der Sauerstoffaufnahme einer bestimmten Quantität dieser Stoffe im animalen Organismus frei u. verwendbar wird. (l. c.) Für eine Anzahl einfacher u. zusammengesetzter Stoffe ist die Wärmeentwicklung bei ihrer vollkomnen vollkommenen Verbrennung bestimmt. Die freiwerdenden Spannkräfte, um die es sich bei der Verbrennung, bei der Vereinigung freier Elementarstoffe handelt, v. überraschender Quantität. (l. c.)

Bei der Verbrennung zu Kohlensaüre  Zusatz von Marx.
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(CO2)
u. Wasser  Zusatz von Marx.
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(H2O)

liefert 1 Gewichtheil Gewichttheil Kohlenstoff 8086 Wärmeeinheiten;
dtto Wasserstoff 34462 dtto. (l. c.)

Zeigt auch, welche Kraftsumme aufgewandt werden muss, um die chemisch verbundnen Atome zu trennen, wie das die chlorophyllhaltigen Pflanzenzellen unter Einwirkung des Lichts thun. (l. c.)|

76

Die bei der Verbrennung freiwerdende Wärme Summe v. 2 Grössen; a) die eine negativ – die Verbrennungsarbeit zur Ueberwindung v. Widerständen ⦗wie z. B. beim Brennen v. feuchtem Holz⦘; hierzu beträchtlicher Theil der verwendbaren Spannkräfte verbraucht, die nicht als freie Wärme auftreten können u. daher v. der Verbrennungs-wärme abzuziehn sind. (95) ⦗Daher Diamant, krystallisirter Kohlenstoff, schwerer verbrennlich als die Kohle; ihre seine Verbrennungswärme um 285 Wärmeeinheiten kleiner als die der Kohle⦘ Berechnung der Verbrennungswärme nach dem s. g. Dulongschen Gesetz (wo man die Verbrennungswärme einer Verbindung aus der Verbrennungswärme ihrer Elemente berechnet); unzureichend, da bei gleicher quantitativer Zusammensetzung die Verbindung u. Lagerung der Atome aüsserst verschieden sein kann, also auch die Verbrennungsarbeit grösser od. kleiner, die v. der Verbrennungswärme abgezogen werden muss. (95)

Experimentelle Untersuchungsresultate f. Verbrennungswärme verschiedner Stoffe (95, 96)

Nach Liebig ist die Verbrennungswärme der Nahrungstoffe (sieh 96 ⎰) kein sichres Mass für die Summe der Spannkräfte die bei derselben Verbindung durch organische Zersetzung frei werden.

Wo es sich nicht um Gewebsbildung, sondern um Kräfteerzeugung (z. B. Wärmebildung) im Organismus handelt, wird ein weit geringeres Gewicht Fett gleiche Wirkung haben wie grösseres v. Zucker od. fettfreiem Eiweiss (also im Verhältniss zum abnehmenden Sauerstoffgehalt.) (96)

Wirkung der Molekularkräfte. (96) (97)

⦗Die Erwärmung v. 1 Pfd Wasser um 1°C. repräsentirt Arbeit v. 1390 Fusspfand. Verbrennung v. 1 Gewichttheil Wasserstoff zu 9 Gewichttheil Wasser (i. e. Verbindung v. 1 Gewichtseinheit H mit 8 Gewichtseinheit O) liefert 34 642, in runder Zahl 34 000 Wärmeeinheiten, d. h. Wärmemenge um 34 000 Pfd Wasser um 1°C zu erwärmen; also um in die Höhe zu heben 34 000 × 1390 Fusspfd od. 47 Millionen Pfd auf 1 Fuss Höhe zu heben. Auch bei der Verdichtung z. B. der gasartigen Stoffe zu Flüssigkeiten, dieser zu festen Körpern werden sehr grosse Wärmemengen = Kraftmengen frei. Wenn sich z. B. die Atome der 9 Pfd Wasserdampf bei dem Sinken der Temperatur unter 100°C. zur Bildung einer tropfbaren Flüssigkeit vereinen, so Wärmemenge hinreichend um die Temperatur v. 537,2 × 9 = 4835 Pfd Wasser um 1°C zu erhöhen. Multiplicirt mit der Zahl des mechanischen Aequivalents f. Fusspfund = 1390, so Arbeitswerth der blossen Verdichtung in runder Zahl = 6,720,000 Fusspfd; d. h. es könnten durch die bei der Verdichtung v. 9 Pfd Wasserdampf frei werdende Kraftsumme 6,720,000 Pfd auf 1 Fuss Höhe gehoben werden. Durch die weitere Verdichtung vom flüssigen zum gefrornen, festen Zustand werden v. den 9 Pfd Wasser noch 993 564 Fusspfd geliefert.

Die Verbrennung v. 1 Pfd Kohle in der Zeiteinheit = Minute ist gleich der Arbeit v. 300 Pferden in derselben Zeit.

Durch nähere Aneinanderlagerung v. gleichartigen Atomen sehr grosse Kraftsummen entwickelt; noch bedeutendere Kraftmenge freigesetzt, bei der Umlagerung chemisch sich anziehender Atome, wenn dieser Vorgang mit der Näherung der Atome verknüpft ist. Beispiel v. Cyan u. Paracyan.  Zusatz von Marx aus H[enry] E[nfield] Roscoe: Kurzes Lehrbuch der Chemie. Nach den neuesten Ansichten der Wissenschaft. Deutsche Ausgabe. Unter Mitwirkung des Verfassers bearbeitet von Carl Schorlemmer. 4., nach den neuesten Forschungen verm. und verb. Aufl. Braunschweig 1873. S. 83.
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Kohlenstoff verbindet sich nicht mit Stickstoff, selbst bei Weissgluth. Wird aber Stickstoff über ein glühendes Gemisch v. Kohle u. Kaliumcarbonat geleitet, so bildet sich Kaliumcyanid KCN: nämlich: K2CO3 + N2 + 4C = 2KCN + 3CO. Diese Verbindung Ausgangspunkt f. Gruppe – wie Blausaüre, Berliner Blau, Blutlaugensalz –; enthalten alle die Atomgruppe CN (Kohlen-Stickstoff), die darin die Rolle zusammengesetzter Radikalen spielt. CN (Cyan) bezeichnet mit Cy.

Paracyan enthält C u. N in demselben Verhältniss wie Cyan.

Bei der Umlagerung der Atome des Cyans zu dem atomistisch gleich zusammengesetzten Paracyan tritt so bedeutende Wärmeentwicklung ein, dass wenn man zu dem Versuch Cyansilber benutzt, das sich bildende Paracyansilber in sichtbares Glühen geräth; die vom Paracyan bei der Verbrennung gelieferte Wärmemenge geringer als die des Cyans. Das Paracyan kann durch Neuzufuhr v. Wärme wiedert wieder in Cyan übergeführt werden; verwandelt sich beim starken Glühen in einem Strom v. trocknem Stickgas od. Kohlensaüregas vollständig wieder in Cyan. Diess eins der Experimente, die das Dulongsche Gesetz widerlegen, wonach alle atomistisch gleich zusammengesetzten Stoffe auch dieselbe Verbrennungswärme haben.⦘|

77

c) Die Leistungen des thierischen Organismus beruhn auf dem Stoffwechsel.

In den Oefen entsteht durch Verbrennung der Kohle vor allem Wärme; durch ein Thermo-Element können die Spannkräfte der verbrennenden Kohle in Elektricität u. Magnetismus übergeleitet werden; in den Dampfmaschinen leisten sie Arbeit, bewegen Lasten. Analog verhält’s sich im thierischen Körper. In der grössten Anzahl der Zellen u. Zellenderivate wird aus den chemischen Spannkräfte Spannkräften vor allem Wärme gebildet, unenthehrlich f. die thierisch-organ. Vorgänge. In den Nervenzellen u. Nervenfasern geht bestimmter Theil der Spannkräfte in Elektricität über; in den Muskeln die complicirteste Art der Kräfteverwendung, neben den beiden Kräfteformen v. Wärme u. Elektricität auch noch Leistung mechanischer Arbeit. Allerdings to a certain degree, die chemischen Verbindungen stets mit elektrischen Wirkungen verbunden, so dass auch in den Zellen, welche nicht zu Muskeln od. Nerven gehören, elektrische Vorgänge sich finden; ebenso kaum eine wahre Zelle, der wenigstens im Jugendzustand alle Contraktilität abgeht, die früher nur den Muskelzellen u. Fasern zugeschrieben. Die Form, die Struktur der Organe keinen Einfluss auf die Erzeugung der Kräfte überhaupt; die Verwendbarmachung v. Spannkräften Eigenschaft aller thierischen Zellen, somit auch aller aus ihnen sich aufbauender Organe; aber die freiwerdenden Spannkräfte werden verwendbar gemacht in einer je nach der Struktur der Organe verschiednen Richtung. (98)

In den Maschinen die Verwendung der Spannkräfte stets nur unvollkommen; nur ein Theil der Kraft der Kohle wird als Arbeit der Maschine gewonnen; die übrige Kräftesumme geht als Wärme, Elektricität, innere Reibung f. die aüssere Arbeit verloren. (l. c.) In den thierischen Organismen die Spannkräfte dagegen sehr vollkommen abgenutzt. Die neben der aüsseren Arbeit entstehenden Kraftformen v. Wärme, Elektricität, innere Arbeit haben f. den thierischen Haushalt eine nicht geringere Bedeutung als die aüssere Arbeitsproduktion. Ohne Wärme würde sich die Mehrzahl der einzelnen den Körper constituirenden u. v. aussen in ihn eintretenden chemischen Stoffen Stoffe ihre Verwandschaftsbeziehungen nicht bethätigen können; unter ihrer Einwirkungen Einwirkung nur gehn die Sauerstoffverbindungen, worauf alle animalen Thätigkeiten beruhn, vor sich. Scheint dass gewisse Zersetzungen, z. B. die das Zellenleben charakterisirende Spaltung der Eiweissstoffe nicht ohne Einwirkung jener starken elektrischen Ströme, die sich in den Zellen u. Zellenabkömmlingen besonders den Muskel u. Nerven befinden[,] vor sich gehn. Die Grösse des Stoffverbrauchs in jenen Organen im Verhältniss zu der Stärke des in ihnen kreisenden elektrischen Stroms. (99)

Bei den calorischen Maschinen besteht der kraftproducirende Vorgang ebenso in Sauerstoffaufnahme chemischer Stoffe wie bei den animalen Organismen. (99)

Es gibt aber auch Verbindungen, bei deren Entstehung Wärme verloren geht, u. bei deren Zersetzung Wärme geliefert wird. Beruht darauf, dass sg. freie Moleküle, z. B. Sauerstoff, Kohlenstoff selbst aus verschiednen Atomen zusammengesetzt sind ⦗sich die Atome desselben einfachen Elements anziehn⦘ Die Trennung derselben (die bei ihrer Verbindung mit andersartigen Atomen vorgeht) verbraucht Aufwand gewisser Kraftsumme f. die während ihrer Verbindung mit andern Atomen eintretende innere Arbeit f. ihre eigne Zerspaltung. Die so verbrauchte Wärme wird bei der Zersetzung ihrer Verbindung mit Atomen andren Stoffs wieder frei (indem sich die Sauerstoffatome, Kohlenstoffatome dabei wieder unter einander verbinden), entwickelt daher Wärme.

Z. B.  Bei Ranke, S. 99: Stickoxydul
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Stickstoffoxydul
NO. O besteht (nach Schönbein) aus Ozon (⊖) u. Antiozon ⊕. In Dem gewöhnlichen Sauerstoff sind sie durch Verbindung neutralisirt. Bei der Verbindung v. O mit N wird das Sauerstoffmolekule gespalten in ⊖ u. ⊕, daher Wärme zu dieser Arbeit verbraucht (damit eins derselben ⊖ od. ⊕ sich mit N verbinde, müssen sie v. einander getrennt werden) Zu dieser Trennung der Sauerstoffatome wird die bei der Verbindung des Stickstoffatoms mit dem einen getrennten Sauerstoffatom entstehende lebendige Kraft verbraucht. Die bei der Bildung des Stickoxyduls verbrauchte Wärme wird bei der Trennung derselben wieder frei, indem sich die abgespaltnen Sauerstoffatome wieder paarweis zu neutralem O verbinden. Beispiel dafür, dass bei Verbindungen v. Stoffen überhaupt, meist mehre Processe neben einander laufen, v. denen die einen Kräfte verbrauchen, die andern Kräfte liefern; die algebraische Summe kommt zur Wahrnehmung als Verbindungs = Verbrennungswärme, die also theoretisch + od. – sein kann. (99, 100)

Stoffwechsel hier zu verstehn: chemische Stoffzersetzung u. Stoffverbindung (diese vor allem organ. Oxydation). Aus diesem Stoffwechsel stammen alle Kräfte über die der animale Organismus verfügt. (100)|

78

Im Körper selbst gehn gewisse mechanische Processe vor, die Wärme liefern, z. B. Reibung des Bluts in den Venen u. andern. Diese Wärme aber kein surplus zu der durch den chemischen Stoffwechsel gelieferten, sondern stammen in letzter Instanz alle daher. Z. B. die Kraft womit sich das Blut bewegt, u. die durch Reibung in Wärme umgesetzt wird, wird geliefert von der Muskulatur des Herzens aus chemischen Umsatzvorgängen. Analog mit der Wärme, die aus den Athembewegungen entsteht etc. (100)

Die so (sekundär) aus mechanischen Ursachen im Körper entstehenden Wärmemengen sehr bedeutend. Rechnen wir zur Blutcirculationen Blutcirculation u. Athmung noch die übrigen Bewegungen im Organismus, wie Lymphbewegung, Bewegung der Eingeweide etc, so die so mechanisch erzeugte Wärme = 1/10 der Gesammtwärmeproduktion des Körpers. (Nähere Data 100)

Ausser durch Reibung in diesem sekundären Sinn noch an der Produktion der im thierischen Organismus auftretenden lebendigen Kräfte noch betheiligt: „Umlagerung der Atome“ (wie Cyan durch Wärmeentwicklung in Paracyan übergeht), Diffusion, Imbibition, je nach den Lebenserscheinungen der Gewebe verschieden stark, Verändrung der Cohäsion u. Elasticität. In Veränderungen solcher mechanischen Verhältnisse der Organe speichern sich die aus dem Stoffwechsel stammenden Kräfte zum Theil auf. (100, 101)

d) Mechanische Arbeit durch Contractilität der Zellen. Flimmerzellen.

Contractilität (mechanische Arbeitsleistung durch dieselbe) stehn steht oben an unter den lebendigen Kräften, welche die animale Zelle entwickelt. Sie ist geknüpft an das eiweissreiche Protoplasma. Mechanische Leistungen als Eigenbewegungen der Zellen – Lokomotionen – od. Bewegung grössrer Organe od. des Gesammtkörpers, beruhn auf Gestaltsveränderungen des Protoplasma. (101)

Die glatten Muskelzellen u. quergestreiften Muskelschläuche. (l. c. weiteres)

Die als contractil erkannten Gestaltsveränderungen der übrigen Zellen principiell v. denen der Muskeln nicht verschieden. Totale Contraction des Protoplasma – dann völlige od. annähernde Kugelgestalt der ganzen Masse; Partielle Contractionen – mannigfache Formveränderungen od. Bewegung v. Flüssigkeiten im Protoplasma (letztre sollen durch partielle Constructionen im Protoplasma hervorgerufen werden.); ferner das aktive Aussenden v. Fortsätzen aus der Zelle ebenfalls durch partielle Contraction. (101)

Der Ruhezustand der freien Zellen meist mit der kugeligen Form verbunden, bei verbundnen u. freien stets mit der Form, in welcher sich alle auf die Zelle einwirkenden Kräfte das Gleichgewicht halten. (l. c.)

Kugelgestalt der Zelle als Ausgangspunkt genommen, so erfolgen die partiellen Contraktionen des Protoplasma stets peristaltisch, indem es sich in der Richtung grösster od. kleinster Kreise der kugligen Zellenoberfläche zusammenzieht. Die Zellvermehrung durch Theilung des Protoplasma – Contractionsphänomen; (näheres 101) (102); ⦗auf Contractionen beruhende Formveränderungen noch nicht nachgewiesen an rothen Blutkörperchen u. Nervenzellen⦘ ebenso das Aussenden v. Ausläufern (Fortsätzen), die durch Nachlassen der Contraction wieder eingezogen werden können. (101)

Am bekanntesten amöboide Gestaltsveränderungen an den im Tode kugliegen kugeligen, freien Zellen – farblose Blutkörperchen, Lymph- u. Chyluskörperchen, Schleimkörperchen, Eiterkörperchen. Letztre (Eiterkörperchen) besonders leicht beobachtet aus der wässerigen Flüssigkeit des Auges des Frosches bei  Zusatz von Marx.
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diesem armen Teufel beigebrachter
künstlicher Hornhautentzündung; Tröpfchen dieser Flüssigkeit unter Mikrokosp Mikroskop gebracht, in ihr Zellen mit verschiedner zackiger Gestalt, Ausläufern etc (Weiteres 102) (im Zelleninhalt Strömen der Protoplasmakörnchen) (bei Tod hört diess auf, Zelle wird rundlich, kugelig)

Wimper- od. Flimmerzellen gewisser Epithelien: Athemorgane v. Naseneingang bis in die feinsten Bronchien, Geschlechtsorgane v. den Tuben bis zum Muttermund, in den Hirnhöhlen; An der Oberfläche eines Theils der Zellmembran feine Härchen – Wimperhärchen od. Flimmercilien; diese in schwingender Bewegung, so lange die Zellen leben; diese Bewegungen scheinen auf Contractionsphänomenen des Zellenprotoplasma’s zu beruhn, wo die Wurzeln der Cilien sitzen sollen. Einwirkung des Nervensystems dabei nicht wahrnehmbar; die Bewegungen beschleunigt durch Wärme, ditto durch elektrische Strömungen. Die Härchen können durch ihre Bewegungen leichte Körperchen, Schleim etc in bestimmter Richtung fortschleudern. (103)

An Kernen v. Zellen bei höheren Thieren keine Bewegungen; doch die Samenfäden, die sehr lebhafte Bewegung zeigen, bei den Wirbelthieren in ihrer Hauptmasse aus Zellkernen hervorgegangen. Die Bewegung des Schwanzes der Zoospermien ganz die der Cilien. (l. c.)

In den Pigmentzellen der Frösche, in den Knorpelzellen, die beide auch contractil sind, in den Eiter- weissen Blut- Schleim- u. Speichelkörperchen die Inhaltskörnchen in einer beim Tod der Zelle verschwindenden Molekularbewegung (l. c. sieh ⎰ ib.)

Auswanderung v. weissen Blutkörperchen aus den Gefässen u. deren Einwanderung in die Gewebe. (103)|

79

⦗Also Ortsveränderung contractlicher Körperchen im Organismus. l. c.⦘

Zellenfütterung: die ausgesendeten Zellenfortsätze packen Körnchen; bei Einziehn derselben gerathen diese in das Protoplasma; besonders deutlich an den farblosen Zellen des Bluts, der Lymphe, des Eiters. (103) Im lebenden Organismus dringen auch grössere geformte Massen in das weiche Zellenprotoplasma ein (werden eingedrückt); Farbstofftrümmer, Fettkügelchen, selbst blutkörperhaltige Zellen. Die Colostrumkörperchen der Milch geben dagegen ihre Fettkörperchen aktiv ab, so dass Aufnahme u. Abgabe v. Stoffen v. Seiten des Protoplasma als aktiver Contractionsvorgang erscheint. (104)

Die Contractilitätsphänomene des Protoplasma in vielen Fällen v. Einfluss des Nervensystems unabhängig, wie die Bewegungen auch einzelner, freier Zellen zeigen. In andern contractiven contractilen Zellen u. Zellderivaten: glatte u. quergestreifte Muskeln, Pigmentzellen der Batrachier, ist der Nerveneinfluss unverkennbar zur Contraktion erforderlich; der motorische Nerv hier in direkter Verbindung mit dem Protoplasma (104)

 Zusatz von Marx.
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α)
Die Bedingungen der Contractilität des Protoplasma sind die Hauptlebensbedingungen aller Zellen u. Zellenabkömmlinge. (104) Die Contractilität des Protoplasma abhängig v. seiner normalen chemischen Zusammensetzung. Alles was Gerinnung in seinen Eiweisskörperchen hervorruft, ist der Contractilität feindlich. Bei dem Tod der Zelle häuft sich in ihnen eine freie Saüre an, die Gerinnselausscheidungen (z. B. Myosingerinnung) verursacht; diese Gerinnungen direkt Ursache des Aufhörens der Contractilität absterbender Zellen. Wie direkte Applikation verdünnter Säuren diese Lebenserscheinungen vernichtet od. geschwächt durch alle Einflüsse, die eine Säureanhäufung in der Zelle bedingen, wie starke Thätigkeit, übermässig gesteigerte Wärmezufuhr. Auch die Kohlensäure, die sich fortwährend im Verlauf des allgemeinen Zellenlebens bildet, wirkt schon in geringen Mengen die Contractilität aufhebend. Wird die Kohlensaüre z. B. durch einen Strom v. Wasserstoffgas entfernt, so kehrt oft die Contractilität zurück, so lange noch keine tödtlichen Verändrungen des Protoplasma eingetreten. Die Nothwendigkeit der einen Seite der Zellenathmung – der Kohlensäureausscheidung – dadurch erklärt. Schwache Alkalien lösen die Wirkung der schwachen Saüren, auch der Kohlensäure wieder; doch auch sie für sich allein sind nicht ganz unschädlich; haben sie Stillstand verursacht, so kehrt die Bewegung durch Hinzufügung schwacher Säuren (also durch Neutralisation) zurück. Destillirtes Wasser kann auch Gerinnung des Protoplasma hervorrufen, da ein Theil der Eiweisskörper desselben nur in Salzen gelöst ist. Etwa bei 40°C tritt die Veränderung des Protoplasma durch Wärme, eine Art „Starre“, Festwerden durch Gerinnung [ein]; die Wärmestarre vernichtet endlich die Erregbarkeit definitiv. Die Contractilität weiter abhängig v. einer Athmungsaufnahme v. Sauerstoff in die Zellen. Sauerstoffmangel macht das Protoplasma bald bewegungslos; ebenso wirkt eine Reihe giftiger Stoffe, Alkohol, Chinin etc. (104, 105)

Die Protoplasmen zu seinen Bewegungen angeregt durch Reize; Wort dafür, dass alle Agentien, die rasch eine bedeutendere Aenderung in der Lebensenergie des Protoplasma hervorrufen, Contraktionen bewirken. Diese Veränderung der Lebensintensität kann Schwankung nach aufwärts od. abwärts sein. So regen Wärme u. Elektricität das Protoplasma an zu Bewegungen, in einer Intensität angewandt, worin sie die Lebensenergie erhöhen; Kälte u. mechanische Alterationen, übermächtige Wärme u. Electricität wirken ebenso als Reize, obwohl sie die Lebensenergie des Protoplasma herabsetzen od. vernichten. Es steht der Bewegung des ruhenden Protoplasma eine Hemmung entgegen, die z. Th. in der Wirkung der „ermüdenden“ Stoffe, z. Th. in der Stärke der in dem Protoplasma fliessenden elektrischen Ströme beruht. Diese Hemmung wegzuräumen, ist die Aufgabe der Reize; alle haben sonach ⦗wie das f. die Nerven definitiv erwiesen ist⦘ eine Erhöhung der Erregbarkeit des Protoplasma als erste Wirkung, der erst dann der Eintritt der wahren Erregung folgt. (105)

Sistiren (Schwächerwerden) der aktiven Thätigkeit des Zellenprotoplasma, Ermüdung; – Aufhören derselbenTod der Zelle. Ermüdung wie Tod der Zelle beruhn auf chemischen Veränderungen des Protoplasma. (l. c.)

Bei der Ermüdung der Zelle bestehn diese Veränderungen: 1) in Anhäufung gewisser die Protoplasmabewegung hindernder Stoffe: ermüdender Stoffe; davon in ihrer Wirkung untersucht die bei dem Umsatz des Zellenprotoplasma entstehenden fixen Säuren (z. B. Milchsaüre etc), die gasförmige Kohlensäure u. die Kalisalze; 2) Mangel an Sauerstoff. Durch Entfernung der ermüdenden Stoffe, meist schon durch Neutralisation der Säuren od. Alkalien, durch Neuzufuhr v. Sauerstoff verschwindet die Ermüdung. (l. c.)

Haben chemische Veränderungen im Protoplasma zu Gerinnungen der Albuminate geführt, so geht die Ermüdung in Tod über. Künstlich kann die Gerinnung manchmal wieder gelöst u. damit schon scheinbar abgestorbnen Zellen die Erregbarkeit zurückgegeben werden. (105)

Inhalt:

  • Inhaltsverzeichnis von Engels
  • Titel von Marx
  • Heft IX Heft A
  • Die wichtigsten Säuren u. Basen f. die Agrikulturchemie
  • M. J. Schleiden: Die Physiologie der Pflanzen u. Thiere etc 1850.
  • Friedrich Schoedler: Das Buch der Natur
  • Schleiden (Fortsetzung v. p. 25)
  • Johannes Ranke: Grundzüge der Physiologie des Menschen. 3t Aufl. 1875.
  • Auszüge zur Physiologie
  • Fortsetzung von p. 56, Ranke)
  • Zitiervorschlag

    Karl Marx: Heft A (1876). In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital, Bd. IV/23, bearb. v. Timm Graßmann, hg. v. der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://megadigital.bbaw.de/M9662401. Abgerufen am 08.08.2026.

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