| 4 Francis St. Gower St.
W.C.
London 28 Sep. 1870.
Lieber Freund Engels!
In der Hoffnung das Du mier diese zeilen nicht unrecht auslegst, und es als eine zudringlichkeit ansehen wirst, das ich so frei bin Dich mit meinen mißlichen verhältnissen zu belästigen, und Dich ersuche wenn es in Deiner macht liegt, mier daraus zu helfen, ich habe sonst kein andern weg daraus zu komen, und weiß nicht was ich anfangen soll.
Die sache ist einfach die,
daß ich diesen Sommer in Schulten gerathen bin, und um dieselben zu bezahlen,
habe ich mier 10 £. auf meine sachen geben lassen, da ich glaubte bis dahin, so
viel zu verdienen um dasselbe wieder abzubezahlen, aber leiter ist alles
verköhrt gegangen | und ich habe die ganze lätzte zeit noch nicht einmal das
aller nothwendigste was zum fortbestehen nöthig ist, verdient, und habe meistens
dem Vielleicht: „pfandschaub, m.“, Deutsches
Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, digitalisierte Fassung im
Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/23,
<https://www.woerterbuchnetz.de/DWB?lemid=P02583>, abgerufen
am 23.08.2023.
Schließen Pfantschab zur Hülfe nehmen müssen. Das ich under
solchen umständen nicht im stande bin 10 £. zubezahlen, ist sehr einfach, noch
dazu da ich selbst [in] diesem augenplick noch
nicht einmal für Ein Schilling arbeit im Hause habe. alles was ich ausstehen
habe diesen augenplick, ist 4 £. aber dieselben sind sehr unbestimmt, und ist
noch eine grosse frage ob ich sie überhaupt bekomme.
Des wegen ersuche ich Dich wenn Du kanst und wilst mir aus dieser verlegenheit zu helfen, und wenn ich es Dier nicht in baaren gelde kann zurück geben, so läst es sich vieleicht mit Deinen willen auf eine andere Art machen, daß ist | das ich Dier dafür Kleider machen kann im laufe der zeit, wenn Du solche brauchst, und ich würde Dier gewiß sehr dankbar dafür sein.
Die zeit das geld zu bezahlen ist schon am 26 d. M. abgelaufen, und ich habe nur mit vieler mühe es bies zum 1. Ocktober hinausschieben können; würde ich es dann nicht bezahlen können, so würde es mier noch möglich sein, under grossen Indressen auf eine ganz kurze zeit zu verschieben.
Nochmals bitte ich mier es ja nicht für ungut zu nehmen, das ich Diech in solcher weise belästige, nochdazu da Du jedenfals selbst diesen augenplick grosse auslagen gehabt hast; nur die äuserste nothwentigkeit dringt mich dazu.
Bitte Dich mir balt Deinen entschluß gefälligst mitzutheilen
Dein F. LeßnerZeugenbeschreibung und Überlieferung
Dieser Brief wird hier erstmals veröffentlicht.
Zeugenbeschreibung
Soweit aus der Fotokopie zu ersehen ist, besteht der Brief aus einem Bogen weißem Papier. Leßner hat die ersten drei Seiten vollständig beschrieben, die vierte Seite ist leer. Schreibmaterial: schwarze Tinte.
Zitiervorschlag
Friedrich Leßner an Friedrich Engels in London. London, Mittwoch, 28. September 1870. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital, hg. v. der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://megadigital.bbaw.de/M9162712. Abgerufen am 27.10.2026.