| Hannover, 5 Febr 1868
Mein hochverehrter, lieber Freund!
Lassen Sie sich von Borkheim die „Zukunft“ von 1 Febr (Beilage) u. von heute (Erste Beilage) geben. Unter „Locales“ finden Sie Berichte über einen Strike der Cigarrenarbeiter in Berlin, für den auch bereits die Maschinenbauer sich interessiren u. der von principieller Bedeutung zu werden scheint. Die Redaction nimmt sogar in der „Politischen Übersicht“ des Hauptblattes Notiz davon. – Ich möchte Ihnen nun zu bedenken geben, ob es nicht zweckmäßig wäre, daß die Internat. Associat. den Berliner Cigarrenarbeitern eine Unterstützung, wie früher den Bronce-Arbeitern in Paris zukommen lassen wollte. Es wäre das eine mächtige Propaganda für die Intern. Associat. gegenüber den kleinlichen Dimensionen des preuß. Staatssocialismus der Herren Wagner u. v. Schweitzer u. gleichzeitig würden die Arbeiter sehen, daß der Verfasser des „Kapital“, der als Secretair für Deutschland diese Angelegenheit vermittelt, anderen Kalibers ist, als die „Vulgären“ bis auf Schulze-Delitsch herunter.
Sie könnten dann eine geeignete, die jetzige Lage kurz kritisirende Adresse beifügen, welche ihren Weg durch die ganze Presse machen würde u. Sie der jetzigen Generation, sofort wieder populär machte. –
Liebknecht s Blatt ist vorzüglich.
Wie immerDer Ihrige
L. Kugelmann
Dr
Meinen gestrigen Brief werden Sie erhalten haben. –
Verte
| Erinnern Sie sich, lieber Herr Doctor, daß bei Ihrer Anwesenheit in Hannover ein Skandal im zoologischen Garten die Aufmerksamkeit in Anspruch nahm und daß Sie und ich, als wir hörten, daß gegen ein Mitglied des Verwaltungsraths Gewaltthätigkeiten dabei vorgekommen seien, uns wegen des Herrn Dr. Schläger , da er ein solches ist, beunruhigten? Wir hatten die Freude zu hören, daß ihm kein Leides zugestoßen sei und solches war auch bis jetzt noch nicht der Fall.
Obgleich beifolgende Photographie von ihm , die ich heute bei einer Bekannten fand, aus dem Jahre 1863 stammt, so darf ich dennoch die angenehme Versicherung geben, daß Original noch jetzt in derselben zufriedenen Daseinsform existirt und in solcher fortfährt eine Zierde der Stadt Hannover und des preußischen Landtages zu sein.
| Von Ihrem in Aussicht stehenden Besuche, geehrter Herr Doctor, unterhalten mein Mann und ich uns oft und hoffen, daß derselbe sich verwirklichen wird. Noch meinen herzlichsten Dank für die bereits erhaltenen Bildchen Ihrer Fräulein Töchter und für Ihr freundliches Versprechen mir noch bessere senden zu wollen, womit ich mich sehr freuen werde.
Mit besten Grüßen an Ihre liebe Familie und für Sie, geehrter Herr Doctor,
IhreGertrud Kugelmann.
Zeugenbeschreibung und Überlieferung
Zeugenbeschreibung
Der Brief besteht aus einem Bogen mittelstarkem, weißem Papier im Format 287 × 215 mm. Die erste Seite hat Louis Kugelmann vollständig beschrieben; Gertrud Kugelmann hat die zweite Seite vollständig und die dritte Seite zur Hälfte beschrieben, die vierte Seite ist leer. Schreibmaterial: schwarze Tinte.
Von unbekannter Hand: Nummerierung des Briefes bzw. der beschriebenen Seiten mit Bleistift: „44a“ bis „44c“ (ausradiert).
Anmerkungen zum Brief
Die Kugelmanns beantworten Marx’ Brief vom 30. Januar 1868 (Marx an L. Kugelmann, 30.1.1868).
Marx’ Antwort erfolgte am 6. März 1868 (Marx an L. Kugelmann, 6.3.1868).
Die Beilagen („die 'Zukunft' von 1 Febr (Beilage) u. von heute (Erste Beilage)“; „beifolgende Photographie“) sind nicht überliefert.
Zitiervorschlag
Louis und Gertrud Kugelmann an Karl Marx in London. Hannover, Mittwoch, 5. Februar 1868. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital, hg. v. der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://megadigital.bbaw.de/M0000547. Abgerufen am 26.10.2026.