| Solingen den 28. Febr. 1870.
Lieber Engels!
Einer irrthümlichen
Verwechsselung
mit der Person jener Vermutlich sind
gemeint: Hermann Joseph Charles Moll
und Joseph Maximilien
Moll.
Schließen Gebrüder, welche viel für unsre Sache gethan, u. deren
Namen ich zufällig führe, bietet mir Gelegenheit, einem Manne, welchen ich durch
seine frühern Handlungsweisen, welche ich als Schüler der hiesigen alten,
radikalen Parteigenossen, von diesen oft erzählen hörte, lieben u. achten
lernte, einige Zeilen zu schreiben.
Das per Du, welches ich dem Zufall der Verwechselung verdanke [[welches übrigens bei uns Communisten üblich]] ergreife ich mit Freuden, u. wirst dieß hoffentlich nich übel deuten?
Aus dem oben Erwähnten ersiehst Du, daß ich zwar nicht die Person bin, welche schon vor Jahren die Gelegenheit ergriff, um thätlich für den Bund zu wirken, sondern nur einer, den die alte Schule herangebildet u. Prinzipientreue eingehaucht!
Das Sonderbarste, welches der launenhafte Zufall hierin spielt, ist, daß auch ich einen Bruder Jupp habe, für diesen Prinzipientreue ich bürge; derselbe läßt Dich, als Parteigenosse hiermit grüßen! Hoffentlich wird noch eine Zeit | kommen, wo auch wir es p. That beweisen können; bis dahin werden wir nicht unterlassen, mit allen erlaubten Mitteln für das Endziel, den Communismus, zu agitiren! So lange noch vor vollen Fleischer- u. Kleider-Laden der Arbeiter verhungert u. verfriert, kann von keinem Menschenwürdigem Daseyn die Rede sein; es nützt uns Arbeiter, unser eigenes Erzeugniß jetzt ebensowenig, wie uns Bewohner der Goldstraße, genannter Name nützt.
Wohl aber wird die Zeit kommen, wo wir uns're Rechte fodern, wo wir sie nehmen werden! Wozu noch der Phrasendrechssel?
Und mit dem Rufe: Hoch lebe die Communistische Revolution!
Mit Brudergruß u. Handschlag
DeinF. W. Moll.
P. S. Von den Gebr. Moll, haben mir die ältern Parteigenossen oft erzählt; von diesen beiden Kämpen, weiß man nur, daß Joseph damals, wenn ich nicht irre, im Badischen gefallen, wie Du vielleicht auch wissen wirst; wo der Andere geblieben, davon weiß man nichts Genaues.
Der Obige.Schließen D. Ob.
Zeugenbeschreibung und Überlieferung
Dieser Brief wird hier erstmals veröffentlicht.
Zeugenbeschreibung
Soweit aus der Fotokopie zu ersehen ist, besteht der Brief aus einem Blatt weißem, leicht vergilbtem Papier. Moll hat beide Seiten vollständig beschrieben. Schreibmaterial: schwarze Tinte.
Von unbekannter Hand: Nummerierung des Briefes mit Bleistift: „107“.
Zitiervorschlag
Friedrich Wilhelm Moll an Friedrich Engels in Manchester. Solingen, Montag, 28. Februar 1870. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital, hg. v. der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://megadigital.bbaw.de/M8471479. Abgerufen am 22.09.2026.