| Karlsbad, 17. Septbr. 1870.

Mein lieber Marx!

Wäre mein eigenes Befinden nicht sehr mangelhaft gewesen, so hätte ich mich schon längst wieder nach dem Deinigen erkundigt, trotz der sehr geringen Aussicht auf Antwort. Am Tage nachdem wir hier Jennychens Brief erhielten, befiel mich plötzlich eine linksseitige Ischias, die mich fast am Gehen hinderte. Dank der Wirkung der hiesigen Thermen besserten sich die Schmerzen schon nach einigen Tagen, so daß ich jetzt nur noch wenig daran fühle. — Wie sehr bedaure ich, daß Du nicht mit hier bist. — Hoffentlich im nächsten Jahre. —

Heute in 8 Tagen werden wir wieder in Hannover sein. —

Bis auf weitere Nachricht schicke mir Deine Briefe couvertirt (den verschlossenen u. an mich adressirten Brief darin, das äußere Couvert aber undurchsichtig) an Fräulein Henny Krause Adresse Herrn Dr. Ohage, Große Wallstr. 14 in Hannover. —

|   MEW 33 (1966): „Am 9. September 1870 wurden die Mitglieder des Braunschweiger Ausschusses der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Wilhelm Bracke, Leonhard von Bonhorst, Samuel Spier, Hermann August Kühn und Heinrich Gralle sowie der Druckereibesitzer Sievers wegen Herausgabe des Manifestes über den Krieg verhaftet und in Ketten auf die Festung Boyen bei Lötzen gebracht.“
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Die Braunschweiger Verhaftungen
werden die Arbeiter-Bewegung augenblicklich legen. Die Bourgeoisie bejubelt dieselbe, bis sie das innere Sedan ereilen wird, wie früher das „innere Düppel“.

Hätte ich ein unabhängiges Vermögen, so ging ich nach England oder der Schweiz. Es ist wirklich fürchterlich für mich auch nicht einen Menschen in Hannover zu haben, der meine Interessen theilt u. mit dem man mal vernünftig sich unterhalten kann. —

Wenn Du mir schreiben willst, so schicke, bitte, den Brief nicht vor nächsten Freitag ab damit derselbe nicht vor mir in Hannover eintrifft.

Mit herzlichen Grüßen an Euch alle, besonders die liebe Jenny

Dein
treuer Freund
L. Kugelmann
Dr

Folgender Abschnitt geschrieben von Gertrud Kugelmann

Herzlichsten Gruß, so bald als möglich schreibe ich an Jennychen.

Ihre
Gertr. Kglm.
Folgender Abschnitt geschrieben von Franzisca Kugelmann

Nimm tausend Grüße und Küsse, lieber Mohr

von Deinem
Käuzchen

Zeugenbeschreibung und Überlieferung

Dieser Brief wird hier erstmals veröffentlicht.

Zeugenbeschreibung

Soweit aus der Fotokopie zu ersehen ist, besteht der Brief aus einem Bogen weißem Papier. Prägung oben links auf der ersten Seite: verzierter Schriftzug „Karlsbad“ (hier als vorgedruckter Text gekennzeichnet, da in Datumszeile genutzt). L. Kugelmann hat die erste Seite vollständig und die zweite Seite nahezu vollständig beschrieben, die Zeilen von G. u. F. Kugelmann sind darunter notiert (links neben und unter L. Kuglemanns Unterschrift); die übrigen zwei Seiten sind leer. Schreibmaterial: schwarze Tinte.

 

Zitiervorschlag

Louis, Gertrud und Franziska Kugelmann an Karl Marx in London. Karlsbad, Samstag, 17. September 1870. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital, hg. v. der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://megadigital.bbaw.de/M5013003. Abgerufen am 24.09.2026.

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