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Verehrter Herr!

Um  Siehe Marx an N. Liebknecht, 2.3.1871.
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Ihrem Wunsche
, in Betreff des stenographischen Bericht’s, entsprechen zu können, wendete ich mich an Hn Guido Weiss, der mir heute beifolgende Einlage schickte.

Für  Marx an N. Liebknecht, 2.3.1871.
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Ihren letzten Brief
sage ich Ihnen herzlichen Dank. Was ich Ihnen über „große Dummheiten“ die in Braunschweig gemacht worden seien, schrieb, bezieht sich lediglich auf Briefe, die die Herrn unter sich gewechselt haben u. worin, in der That tolle Vorschläge gemacht worden waren, wohl nur momentane Eingebungen, aber immerhin im höchsten Grad thöricht.

Ueber die Wahlen haben Sie das Nähere wohl im Volksstaat | gelesen. Im Wahlkreis meines Mannes wurde die Agitation bis zur letzten Zeit verschoben u. dann fing man an lebhaft in den Orten zu agitiren, deren mein Mann sicher war, statt in solche zu gehen, die hätten bearbeitet werden müssen. Kurz man hat große Fehler gemacht, Gegnern gegenüber, die ihre Agitation organisirt hatten. Außerdem soll, wie mein Mann aus sichrer Quelle weiß, schon vor 1½ Jahre von Berlin über Dresden die Weisung gekommen sein, keine Mittel zu scheuen die Wahl meines Mannes zu hintertreiben. Und sie haben ihren Zweck erreicht. Ob Herr Bebel vom Reichstag reklamirt wird, wird vielfach bezweifelt, im bejahenden Fall, werden Untersuchungsrichter u. Staatsanwalt auch auf Freilassung der beiden andern Herrn gegen Caution antragen. Heute steht in der Zeitung, daß sie auf „vorbereitende Handlungen zum Landesverrath“ sollten angeklagt werden, doch glaube ich nicht, daß es wahr ist.

| Gestern entnahm die „Dt. All. Z.“, der Magdeburgischen Z. einen Artikel aus Leipzig datirt, worin es heißt, „daß die hier inhaftirten Socialdemokraten, grade solche Scenen beabsichtigt hätten, wie sie jetzt in Zürich vorgekommen seien“. Adv. Freytag hat sofort beide Zeitungen verklagt. Die Internationalen, die Sozial-Demokraten müssen jetzt für jeden Exceß, für jede Ungesetzlichkeit einstehen. Die National-Liberalen sind in ihren Denunziationen ehr- u. schamlos. Der Proceß hier wird wohl in der ersten Hälfte des April zur Verhandlung kommen. Mit jedem Tage wächst meine Sehnsucht nach der Freilassung meines Mannes, neben den vielen Alterationen u. Aufregungen, muß man sich auch gar manche peinliche Indiscretion gefallen lassen. Bis jetzt sind die Herrn im Ganzen wohl gewesen, doch fürchte ich, sie halten es Alle nicht mehr lange aus. – Ihr Frl. Tochter ist hoffentlich entschieden auf dem Weg der Besserung u. wünsche ich ihr von Herzen recht baldige völlige Wiederherstellung.

Mit der Bitte mich Ihrer ganzen Familie bestens zu empfehlen,

bleibe ich mit besonderer Hochachtung
Ihre
Natalie Liebknecht.

Mein Mann grüßt herzlich

Zeugenbeschreibung und Überlieferung

Dieser Brief wird hier erstmals veröffentlicht.

Absender

Briefkontext

Zeugenbeschreibung

Soweit aus der Fotokopie zu ersehen ist, besteht der Brief aus einem Bogen weißem Papier. N. Liebknecht hat drei Seiten vollständig beschrieben, die vierte Seite ist leer. Schreibmaterial: schwarze Tinte.

Von unbekannter Hand: Datumsvermerk auf der ersten Seite mit Blaustift: „16 Ⅲ 71“.

 

Zitiervorschlag

Natalie Liebknecht an Karl Marx in London. Leipzig, Donnerstag, 16. März 1871. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital, hg. v. der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://megadigital.bbaw.de/M3970641. Abgerufen am 25.09.2026.

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