| Barmen 11 Novbr 1871

Lieber Friedrich

Die Veranlassung zu dem heutigen Brief ist eine traurige. Ich bin am Dienstag Nachmittag wieder hier angekommen u. hatte schon am Tage vorher von Hermann die Nachricht erhalten daß die  Louise Engels geb. Krebs (1801–1874), Ehefrau von August Engels (1897–1874)
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Tante August
krank sei u. ihre Kinder sehr in Sorge seien. Wie ich ankam hörte ich daß sie an einer Lungenentzündung leide u. Dr. Reinhold die Sache bedenklich finde, den Mittwoch Morgen besuchte ich sie u. fand sie sehr krank, sie schien viele Schmerzen zu haben denn sie jammerte immer u. war zuweilen sehr beengt im athmen, der Dr. hatte verboten mit ihr zu sprechen, sie wußte aber daß ihr Zustand sehr bedenklich sei; den Abend trat eine Gehirn Lähmung ein u. etwas vor 1 Uhr Nachts ist sie sehr sanft hinüber gegangen. Nun, sie hat überstanden was wir Alle noch zu überstehn | haben, mögten wir Alle so gläubig u. sanft entschlafen wie sie. Diesen Nachmittag wird die beerdigt, ich wollte auch hingehn um die Rede an ihrem Sarge zu hören aber die Sache hat mich etwas angegriffe[n], ich habe schlecht geschlafen u. etwas Kopfschmerzen da ist es besser ich bleibe ruhig zu Hause da das Wetter kalt u. feucht ist.

 Familie von Adolf Griesheim.
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Griesheims
sind schon beinah drei Wochen in Bonn u. scheinen zufrieden zu sein, mit dem letzten Abschluß geht es aber noch etwas schwer. Adolf macht nehmlich die Forderung sein Capital nur dann ausbezahlt zu bekommen wenn es ihm recht ist u. die Brüder sollen dagegen die Verpflichtung übernehmen bei dem Todesfall von Einem von ihnen der Wittwe gar nichts aus zu bezahlen bis er sein ganzes Capital heraus hat u. dann sagt er sein Advokat habe ihm gerathen darauf zu bestehen so lange im Geschäft zu bleiben bis sie sich über diese Punkte geeinigt hatten. | Die  Hermann, Emil und Rudolf Engels.
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Brüder
hatten ihm nehmlich gesagt sie wollten ihm alle Jahr 25000 Thaler auszahlen, nun stehen aber alle Papiere so hoch, daß man nicht gut welche kaufen kann, dazu kommt daß im vorigen Jahr wie er kündigte das Geschäft sehr schlecht war u. er schon vorher wenigstens 72000 Thaler Schaden ausgerechnet hatte, dagegen ist der Umschlag in diesem Jahr so groß wie noch in keinem vorher u. so mit scheint es ihm vortheilhaft noch etwas darin zu bleiben. Ich weiß nicht wie ich ein solches Verharren nennen soll. Die drei Brüder scheinen sehr ruhig über die Sache zu denken, ich wünschte aber sehr die Sache wäre zu einem guten Schluß gekommen. Ich fürchte wenn er auf seinen Kopf besteht wird noch wol das Handels Gericht den Ausschlag geben müssen.

Ich habe vergessen Dir zu sagen daß mich der Onkel August gebeten hat es zu übernehmen in meiner Familie die schriftliche Anzeige zu übernehmen da er so sehr viel Unruhe u. Arbeit hat.

| Für heute leb wohl, ich hoffe recht bald von Dir Nachricht zu erhalten.

Mit treuer Liebe
Deine Mutter E.

Zeugenbeschreibung und Überlieferung

Dieser Brief wird hier erstmals veröffentlicht.

Absender

Zeugenbeschreibung

Soweit aus der Fotokopie zu ersehen ist, besteht der Brief aus einem Bogen weißem, schwach liniertem Papier. Elisabeth Engels hat drei Seiten vollständig und die vierte Seite mit 4 Zeilen beschrieben. Schreibmaterial: schwarze Tinte.

Masch.-schr. Archivnummerierung (aufgeklebter Zettel): „836a“.

Der Textverlust durch Lochung des Papiers konnten rekonstruiert werden.

 

Zitiervorschlag

Elisabeth Engels an Friedrich Engels in London. Barmen, Samstag, 11. November 1871. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital, hg. v. der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://megadigital.bbaw.de/M0953450. Abgerufen am 25.09.2026.

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