| Mchr 31 Juli 1870

Lieber Mohr

Inl. hast Du  Siehe [Friedrich Engels]: Notes on the War.–III. In. The Pall Mall Gazette. London. Nr. 1706, 2. August 1870. S. 11, Sp. 1/2 (MEGA2 I/21. S. 262–264).
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den preußischen Feldzugsplan
. Ich bitte Dich sofort ein cab zu nehmen & ihn auf die Pall Mall Gazette zu bringen, damit er Montag Abend erscheint. Er wird der P. M. G. & mir eine enorme Reputation machen; erh // (?) am Dienstag können sich die Sachen schon so weit entwickelt haben daß jeder Esel sich die Geschichte zurechtlegen kann. Ob mein No II Samstag erschienen weiß ich nicht, da die P. M. G. hier heute nicht in den Clubs angekommen ist. Ich thue mir auf diese Geschichte etwas zu Gut, da es wirklich nicht leicht war, diesen Plan zu errathen. Das entscheidende Moment war die Nachricht, daß ein Vetter von Gumpert, Compagniechef im 77. Regiment, Avantgarde des 7 Armeecorps, am 27. von Aachen nach Trier abmarschirte. Da wurde mir der ganze Kram klar.

Außerdem ist es nöthig daß Du mit Greenwood abmachst daß ich ihm die Artikel direct schicke damit sie denselben Tag noch erscheinen können. Zeitverlust ist jetzt für diese Art Artikel tödtlich. Ich denke 2mal die Woche – durchschnittlich, bei dringenden Fällen öfter, bei Ruhe der Ereignisse seltner – ihm einen Art. zu schicken. Dazwischen etwa kurze Notizen bei Gelegenheit, die er beliebig verwenden kann.

Es wird allerdings immer blamabler für uns, unter Wilhelm Krieg zu führen. Aber doch gut daß er sich so gräulich lächerlich macht, mit seiner göttlichen Mission, & seinem Stieber ohne den nun einmal die deutsche Einheit nicht fertig wird.  Siehe Working men and the War. In: The Manchester Courier. Nr. 4279, 30. Juli 1870. S. 7, Sp. 3/4. Siehe Erl. in MEGA2 I/21. S. 1597.
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Die Adresse der Intern. war hier im Toryblatt Courier Samstag abgedruckt
, wäre es ein an|derer Wochentag gewesen, so hätten auch die andern Blätter sie gebracht, die Samstags Annoncen waren dagegen. Die Adresse wird den Populus aller Klassen lehren, daß jetzt nur noch die Arbeiter eine wirkliche Foreign policy haben. Sie ist sehr gut, & die Times hat sie sicher nur wegen der Russen nicht genommen. Die Regierungen wie die Bourgeoisie werden sich ungeheuer wundern wenn nach dem Krieg die Arbeiter ihre unterbrochne Action ruhig wieder aufnehmen, als wäre gar nichts vorgefallen.

Mein Vertrauen in die militärischen Leistungen der Deutschen wächst mit jedem Tage. Das erste ernstliche Gefecht hätten wir also richtig gewonnen. Die Franzosen scheinen noch gar nicht zu wissen, was man ihnen mit dem Hinterlader für ein Ding in die Hand gegeben.

Das Spiel das Moltke spielt ist sehr gewagt. Nach meiner Berechnung ist er mit seiner Concentrirung vor Dienstag oder Mittwoch nicht fertig. Das // Von Aachen bis zur Gränze sind ca 20 deutsche Meilen, 4–5 starke Märsche, besonders bei der Hitze. Also kann das 7 Corps kaum vor morgen vollständig an der Saar stehn, & heute ist möglicher Weise schon die Hauptschlacht. Jedenfalls ist es so finely cut daß 24 Stunden mehr oder weniger ungeheuer viel ausmachen werden. Die eigentliche Schlacht wird wohl an der Saar zwischen Merzig & Saarbrücken stattfinden.

Es ist gut daß die Franzosen zuerst auf deutschem Gebiet xi(?) angegriffen haben. Wenn die Deutschen nach einer abgeschlagenen Invasion auf dem Fuß folgen, so macht das in Frankreich sicher nicht denselben Effect als wenn sie ohne vorherige Invasion nach Frankreich einmarschiren. | Der Krieg bleibt auf franz. Seite dadurch mehr bonapartistisch.

Der schließliche Erfolg – daß die Deutschen am Ende siegen – ist mir ganz unzweifelhaft, der Plan von Moltke verräth aber die absolute Gewißheit, in der ersten Schlacht mit erdrückender Überlegenheit auftreten zu können. Wir werden wohl schon Dienstag Abend wissen ob er sich nicht verrechnet hat. Der Moltke rechnet oft ohne seinen Wilhelm.

Je mehr der deutsche Philister vor seinem gottvertrauenden & vor Gott kriechenden Wilhelm kriecht, desto frecher wird er gegen Frankreich. Das alte Geheul von Elsaß & Lothringen ist schon wieder ganz flott im Gange – die Augsburger voran. Die Lothringer Bauern werden es aber den Preußen schon beibringen daß das so einfach nicht ist.

Wegen des Vertrags hast Du ganz Recht. Die Leute sind nicht ganz so dumm, wie Bismarck sich einbildet. Die Sache hat nur das Gute daß jetzt der ganze Dreck an den Tag muß, & dann, daß zwischen Bismarck & Bonaparte die Mogelei jetzt am Ende ist.

In der ganzen Neutralitätsgeschichte, Kohlen inclusive, benehmen sich die Deutschen ganz geschichtsgemäß als Kinder. Das sind Fragen die dem Volk noch nie vorgekommen sind. Wer hat denn je nach ihnen gefragt?

 Siehe N. Utin, V. Bartenev und A. Trusov an Marx, 24.7.1870.
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Die Russen inl. zurück
. Ruß bleibt Ruß. Was ist das für eine Klatschmichelei, sechs Russen zanken sich unter einander als ob die Herrschaft der Welt vom Resultat abhinge. Und die Anklagepunkte gegen Bakunin auch noch nicht drin, bloß der Jammer über die Klüngerei in der Schweiz. Jedenfalls scheinen die Unsrigen ehrlich zu sein, soweit das einem Russen möglich, ich würde aber doch vorsichtig mit ihnen sein – Inzwischen ist es ganz gut all den Klatsch zu kennen | er gehört einmal zur Diplomatie des Proletariats.

Den Volksstaat erhalte ich durch Schuld der Post ganz unregelmäßig. Die No vom 23. hatte ein Kreuzband mit Poststempel vom 19. um, so manipuliren die Kerls. Viele No fehlen ganz. In den beiden letzten war Wilhelm nicht sehr activ dumm, er hatte sich hinter die Fraternisation der deutschen & franz. Arbeiter retirirt.

Schorlemmer hat 2 Brüder in der hessischen Division, einjährige Unteroffiziere.

 Es geht um Engels' Suche nach einer geeigneten Wohnung in London. Engels siedelte am 20. September 1870 von Manchester nach London über (siehe E. Dupont an Marx, 19.9.1870 ).
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Von Smith weiter nichts gehört.
Besten Dank für die Bemühung. Wenn ich diese Woche nichts höre so schreib’ ich etwas derb an den Smith. Was ist das für eine Idee von solch einem Aristokraten, hier selbst Erkundigung einziehen zu wollen! Hätte er seinem banker das überlassen, so hätte er in 3 Tagen alle Auskunft. Der Mann muß aber sich selbst für einen business man halten. Rindvieh!

Beste Grüße an Euch Alle. Lizzie ist mit ihrem Knie in guter Besserung.

Dupont hatte sich, wohl durch den Mothet, ein Haus in der allerungesundesten Nachbarschaft, dicht an dem Stinkfluß, anhängen lassen, ich habe aber dafür gesorgt daß er ein andres genommen hat. Sprich aber mit ihm nicht davon, es ist erledigt. Den Mothet hat er mir aber nicht wieder gebracht, Serraillier wird ihm deßwegen geschrieben haben, & D. scheint jetzt selbst Erleichterung zu fühlen, daß er den Kerl nicht mehr Tag & Nacht am Halse hat.

Dein
F. E.

Zeugenbeschreibung und Überlieferung

Absender

Briefkontext

Zeugenbeschreibung

Der Brief besteht aus einem Bogen dünnem, leicht vergilbtem Papier im Format 278 × 222 mm. Engels hat alle vier Seiten vollständig beschrieben. Schreibmaterial: schwarze Tinte.

Von Eduard Bernsteins Hand: Nummerierung des Briefes auf der ersten Seite oben rechts mit schwarzer Tinte: „497“ bzw. der beschriebenen Seiten mit Bleistift: „52,1–4“, sowie redaktionelle Vermerke und Streichungen.

Von Heinrich Dietz’ Hand: Numerierung des Briefes oben auf der ersten Seite mit Bleistift: „1215“.

Von unbekannter Hand: Bleistiftvermerke rechts unten auf der vierten Seite: „Hierzu folgt ... [unleserlich durch Streichung]“.

Anmerkungen zum Brief

Zur überlieferten Beilage:

Notizen von Engels

H: IISG, Sign. D 1805. Fotosign. 13644a–b

D: MEGA1 III/4 (1931). S. 344/345.

Der Abdruck der Beilage in MEGA1 III/4 (1931), S. 344/345 wurde dort dem Brief von Engels an Marx, 22. Juli 1870 zugeordnet. In MEW 33 (1966). S. 17–19. u. S. 712 Anm. 19 wird von einer Zuordnung der Beilage zu dem hier vorliegenden Brief oder einem späteren Zeitpunkt ausgegangen: „In früheren Ausgaben wurden Engels’ Notizen über die militärische Stärke Preußens (einschl. seiner verbündeten) und Frankreichs irrtümlich zu Engels’ Brief an Marx vom 22. Juli 1870 veröffentlicht. Die Berechnungen decken sich teilweise mit den Angaben in seinem Artikel „Über den Krieg – I“, den Engels zwischen dem 22. und 27. Juli 1870 ausgearbeitet hat, jedoch sind die Angaben in den Notizen vollständiger. Deshalb hat Engels wahrscheinlich diese Notizen entweder seinem Brief vom 31. Juli 1870 oder seinem zweiten Artikel, den er zischen dem 28. und 31. Juli 1870 an Marx abschickte, beigelegt. Nach dem 31. Juli schickte Engels seine Artikel direkt an die 'Pall Mall Gazette'.“

 

Zitiervorschlag

Friedrich Engels an Karl Marx in London. Manchester, Sonntag, 31. Juli 1870. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital, hg. v. der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://megadigital.bbaw.de/M3519631. Abgerufen am 24.09.2026.

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