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U. S.

Spanish Bar, Colorado Territory 4 Mai 1870

Lieber freund,

ich bin seit 3 tagen in den Rocky Mountains und werde für die nächsten monate jedenfalls mit gold und silber-gewinnung aus den sehr reichen erzen dieser gegend beschäftigt sein. Ich habe dafür gesorgt, daß mir alle briefe etc. pünktlich nachgeschikt werden. Vogt arbeitet seit 5 monaten in Flushing (10 miles von N-Y) vielleicht kann er bald eine feste adresse geben. — Besten dank für die bilder; sie haben mir erspart, sie darum zu bitten. — Auch die auskunft über Eccarius war mir sehr erwünscht und ich bin für die unterschlagung  Nicht bekannt.
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meines briefes an ihn
nur zu dank verpflichtet. Vogt wird ihnen hoffentlich bald einmal näheres über Liebknecht schreiben, welcher in seiner steten geldbedürftigkeit mit vielen unzuverlässigen, halben u.s.w. (z. b. Sorge) viel zu vertraut ist und der bewegung in Deutschland schon viel geschadet hat. Weil er gewisse leute für seinen geldbeutel braucht, überredet er sich und auch andere, daß sie für die gute sache unentbehrlich seien. J. Ph. Becker sucht auch überall geld für das beste der „menschheit“ heraus zu schlagen; er scheint  Nicht bekannt.
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einen ziemlich derben brief
, den ich ihm über seine zärtlichkeit mit Sorge geschrieben, übel genommen zu haben. Sorge benutzt seine stellung als korresp. sekret. unseres kleinen vereins, um sich mit aller welt in verbindung zu setzen und sucht alle am geldbeutel zu fassen; bei Dietzgen z. b. hat er angeklopft, um 90 nummern oder mehr seiner schrift zu bestellen. Als General Cluseret vor 3 monaten sich in N. Y. als vertreter der Französ. arbeiter breit machte, einen plan zur gründung einer zeitung entwickelte und sich in breitspurigen phrasen ergieng, wurde seine berechtigung in unserm verein angezweifelt und Sorge beauftragt bei der Chambre fédérale in Paris anzufragen. Das hat er gethan und natürlich noch keine antwort bekommen; wenn die franz. Regierung den brief unterschlagen hat, so sind seine kühnsten träume erfüllt. Gleichzeitig hat er aber an Schily in Paris geschrieben, den er persönlich vor 21 jahr. gekannt hat und natürlich eben so verehrt, als Willich oder Carl Vogt oder Heinzen, die alle der menschheit genützt haben. — Cluseret habe ich vor 4 wochen in einer sitzung der Workingmen’s Union (centralkörper der Englisch Trades Unions von N-Y City) gesehen; er tritt mit glacehandschuhen auf, wohnt sehr nobel in N-Y und ladet einige hauptführer zuweilen zu sich ein. Dort wurde auch seine vollmacht geprüft und richtig befunden und dann beschlossen, seine bombastische schrift noch einmal drucken zu lassen; einen solchen abdruck im N-Y Democrat habe ich nach London geschikt. Vogt wollte mit mir nicht hingehen, weil wir über den burschen schon im klaren waren; er hat durch allerhand manöver einige arbeiter für sich gewonnen und macht nun wind. Wenn er etwas hätte thun wollen | so könnte er die französ. arbeiter in N-Y zusammenbringen. Denn die in St. Louis entstandene und in N. Y durch 2 Sectionen vertretene organisation ist rein republikanisch; Pelletier, den ich kennen lernen wollte, ist dabei doch habe ich ihn noch nicht gesehen. — Die druckschriften habe ich noch 2 stunden vor meiner abreise erhalten; wenn es mir möglich ist, mitte august zum kongreß in Cincinnati zu sein, werde ich guten gebrauch davon machen können. Robert Blissert , schneider, Irländer, seit 1½ jahr in den U. S., früher in Paris und London, bekannt mit Eccarius und auch mit ihnen, wie er sagt, steht mit den Feniern in verbindung. Er hat im vorigen jahre in Philadelphia sehr warm für die Internationale gesprochen und auch eindruck gemacht. Im herbst ’69 versuchten die arbeiter New Yorks sich selbsständig an den wahlen zu betheiligen; ich arbeitete fast bis zu ende mit, obgleich wir viele schnitzer machten, weil ich die personen genau kennen lernen wollte, die an der spitze stehen und für sich arbeiten. Blissert zog sich eher zurück, als ich; mit ihm stimte Trevellick, der präsident der N. L. U. und seine anhänger in N-Y überein. Er wurde von dem Arbeiter-Blatt des herrn Douai hart, fast pöbelhaft angegriffen; auch Jessup, der sich ganz fern von der politischen thätigkeit hielt, bekam einen hieb. Ich schrieb beiden davon, weil sie sonst von den angriffen nichts erfahren hätten; Jessup drängt sich nicht leicht vor und war still; aber Blissert beschwerte sich und so wurde ich von Douai zur rede gestellt und dabei ergab es sich, daß der neugebackene kommunist alle Irländer für verdächtig, falsch etc hielt. (Vielleicht hat er in seinem blatt ein paar tage später die Irländer verherlicht.) Jedenfalls sind die pfahl- und spießbürger, welche in den deutschen vereinen oben an stehen, von bitterem hasse gegen sie erfüllt und dieser von ihnen geschilderte gegensatz liegt den meisten persönlichen reibereien zwischen den Englisch sprechenden arbeitern zu grunde. Nun spielen aber in fast allen vereinen die Irländer eine große rolle; besonders die Crispinus-Ritter (die geheime organisation der fabrik-schuster) gehören fast alle dazu und diese geheime organisation der Trader greift immer mehr um sich. Es ist hier sehr viel zu thun und ich hoffe, mit der zeit etwas erreichen zu können. Die 6 exemplare der  Für die von Marx verfasste Resolution siehe seinen Brief an Engels vom 18. November 1869 sowie Meeting of the General Council November 16, 1869 (MEGA2 I/21. S. 730.9-26.)
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Resolution über die Irische Amnestie
erhielt ich 2 tage vor meiner abreise nach Westindien und vertheilte sie; nur Blissert sorgte für  Siehe MEGA2 I/21. S. 2033: Über den „Anti-Slavery Standard“ hinaus druckten auch die „Arbeiter-Union“, der „Workingman’s Advocate“ und der „New York Democrat“ die Resolution des Generalrats nach. (Siehe Robert William Hume an Johann Georg Eccarius, 25. Januar 1870. IISG, Jung-Nachlaß, Sign. 688.)
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ihren abdruck in den Irischen blättern New Yorks
. Er sprach mich neulich um mehr exemplare an, weil er sie wieder abdrucken lassen will. Seine adresse ist: 20, 4th Avenue New York City. Gleichzeitig fragte er mich an, ob ich mit Eccarius korrespondire; er habe an ihn vor einiger | zeit geschrieben und keine antwort bekommen. — Ich werde versuchen, den zusammenhang der Irischen und socialen frage in der presse darlegen zu lassen, obgleich Hume , der für sehr viele zeitungen schreibt, dafür mehr thun kann. — Sie werden erst durch mich, dann durch die redaktion des „New York Workman“ (der mit dem „Boston Workman“ nahezu identisch ist) exemplare dieses wochenblattes erhalten haben; es ist noch weniger verbreitet, als Camerons blatt in Chicago; doch nimt es vielleicht einen aufschwung. Die Redaktion wünscht einen korrespondenten in London, der über die arbeiterbewegung von Europa regelmäßig berichtet. Können sie einen solchen besorgen? An geld wird nicht viel gedacht werden können. — Hume habe ich mit Vogt schon im sommer 1868 kennen gelernt; er war früher lehrer gewesen und ich dachte damals an eine Trades’ Union unter den lehrern; wir sprachen etwa 2 stunden zusammen; seine briefe in dem Chicagoer arbeiterblatte waren stets besser als die andern; doch fand ich nichts bedeutendes an ihm; er hat wie fast alle Amerikaner einige lieblings-theorien und schrullen; damals ritt er auf dem „wucher“ herum; er glaubt auch an  Siehe E. Kellogg: A New Monetary System. New York. 3. Ed. 1868.
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Kelloggs geldsystem
; ist schon ziemlich alt, doch halte ich ihn für zuverlässig. Ich hatte keine zeit ihn aufzusuchen, werde ihm aber schreiben. Ich denke, er erinnert sich meiner und Vogts.

Der ausschnitt aus der Marseillaise mit den unterschriften Jubitz und Carl wurde von mir geprüft und ich fand aus, daß in unserm verein (Allg. deut. Arb. Verein von N-Y) zu dem Conrad Carl gehört, der ursprung zu suchen ist. Von Carl habe ich früher schon geschrieben; er hat meine erwartungen nicht erfüllt und wird fast nur von eitelkeit getrieben, steht uns aber viel näher als Sorge. In der deutschen Arbeiter-Union (centralkörper der Deutschen Trades Unions der stadt N-Y) wurde von dem delegaten unseres vereins (Carl) beantragt, eine dankadresse abzufassen. Vogt komt nur 3 oder 4 mal im monat nach N-Y und dadurch ist das ding verpfuscht worden. Die kommission bestand aus Carl , Drury (der Franzose, der jetzt deutsch gelernt hat und korresp. sekret. der Deutschen Arbeiter Union geworden ist, ein oberflächlicher mensch, aber guter sprecher) und Jubitz (einem unbedeutenden führer der Deutschen arbeiter) Drury fehlte in den sitzungen der kommission und so wurde die adresse von Carl sehr flüchtig verfaßt. Die übergehung der Internationalen ist um so unverantwortlicher, als die über|setzung ins Französische von Rudolf Starke aus Basel (der seit 6 oder 7 monaten in N-Y und verfasser der geschichte der Internat. Arb. Ass. in der Arbeiter-Union ist, welche auf geheiß unseres vereins gefertigt wurde) besorgt wurde. — Vogts abwesenheit von N-Y schadet noch viel mehr, als meine.

Ich habe Vogt eine abschrift ihrer auseinandersetzung über die Irische frage gegeben, damit er sie durchdenke. Auf mich hat bereits   Karl Marx: Das Kapital. Bd. 1. Buch 1. Hamburg 1867. (MEGA2 II/5. bzw. MEGAdigital)
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der abschnitt im „Kapital
einen gewaltigen eindruck gemacht, so daß ich auf den gedankengang vorbereitet war. Die thorheit, von den Franzosen für die Arbeiterfrage alles heil zu erwarten, habe ich hier gegeißelt, so oft ich konnte und ebenso ist mir klar geworden, daß die ganze Amerikanische arbeiterbewegung nur durch die Irländer möglich geworden ist. Nur der Irländer fühlt sich hier als Proletarier ganz abgesehen davon ob er 15 oder 25 Dollar per woche verdient; die Amerikaner wollen alle oben hinauf; die Irländer stehen treu zu ihren mit-arbeitern und werden bei einem strike etc. niemals verräther spielen. Außerdem sind die Irländer gerade so wie die Deutschen nur in den schlecht bezahlten geschäften überwiegend; wo die löhne hoch sind, schließen die Amerikaner, die durch ihre logen sehr innig zusammenhalten, dieselben aus.

Können wir von Engels wirklich eine fortsetzung der  MEGA2 I/4. S. 231–504.
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Lage der arb. kl. in Engl.
erwarten?

Und wie bald hoffen sie den   Karl Marx: Das Kapital. Bd. 1. Buch 1. Hamburg 1867. Siehe Erl. zu „1200 Seiten Manuscript“ in Marx an J. Ph. Becker, zw. 9. u. 15.1.1866. (MEGA2 II/5). Der geplante zweite Band des „Kapital“ sollte ursprünglich Buch 2 und Buch 3 enthalten. Siehe Karl Marx: Das Kapital. Kritik der politischen Oekonomie. Erster Band. Buch I. Vorwort (MEGA2 II/5. S. 14). Die Manuskripte zum zweiten und dritten Buch des „Kapital“, an denen Marx bis zum Ende seines Lebens weiterarbeitete, wurden erst nach seinem Tod von Engels als Band 2 und Band 3 veröffentlicht. Ausführlicher dazu siehe hier (Exkurs zur Fortsetzung des „Kapital“).
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II band
zu bringen?

Ihr
Sigfrid Meyer.

Zeugenbeschreibung und Überlieferung

Dieser Brief wird hier erstmals veröffentlicht.

Absender

Zeugenbeschreibung

Soweit aus der Fotokopie zu ersehen ist, besteht der Brief aus einem Bogen weißem Papier. Die ersten drei Seiten sind blau liniert und von Meyer vollständig beschrieben, die vierte Seite weist keine Linierung auf und ist zu drei Vierteln beschrieben. Schreibmaterial: schwarze Tinte.

Von unbekannter Hand: Nummerierung des Briefes mit Bleistift: „103“.

 

Zitiervorschlag

Sigfrid Meyer an Karl Marx in London. Hoboken, Mittwoch, 4. Mai 1870. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital, hg. v. der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://megadigital.bbaw.de/M5882130. Abgerufen am 11.08.2026.

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