| 18/1 71 Mittwoch Abend

Verehrter Herr!

Nehmen Sie meinen herzlichsten, besten Dank für Ihre freundlichen Zeilen. Ich schreibe erst heute, weil ich vorher meinen Mann sprechen wollte, was jede Woche nur ein Mal, Mittwoch Nachmittag 3½ Uhr, in Gegenwart des Untersuchungsrichter’s, sein darf. Er läßt Sie u. Ihre werthe Familie herzlich grüßen u. wünschte zu wissen, ob Ihre Frau Tochter Laura noch in Paris sei.

In Betreff der Untersuchung glaubt er, nachdem er schon häufig stundenlang verhört wurde, daß sich so wenig, resp. gar kein haltbares Material zur öffentlichen Verhandlung ergeben u. deßhalb wahrscheinlich, zu seinem Bedauern, die Sache im Sand | verlaufen würde. Wäre die Untersuchung überhaupt nur erst geschlossen. Je länger die Haft meines Mannes dauert, je einsamer u. verlassener fühle ich mich u. nur meine vollständigste innerste Uebereinstimmung mit dem von ihm behaupteten u. vertretenen Standpunkt u. die Beweise von Anerkennung u. Theilnahme von Seiten bewährter Freunde, halten meinen Muth aufrecht.

Wenn es Ihnen, in der That gelänge, die  Siehe N. Liebknecht an Engels, 8.1.1871 und Erl.
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Persönlichkeit des Londoner Biedermännischen Correspondenten festzustellen
, so würde das von großem Interesse sein u. vielleicht auch ein wichtiges Moment für die Untersuchung werden. Dem Großstaat Preußen, diesem Sitz der Bildung, Civilisation, Humanität u. Freiheit, genügt es nicht, über sein eigenes Land ein Netz von Polizeispionen ausgebreitet zu haben, es bedarf, zu seiner Sicherheit, solcher auch noch in andern Ländern.

| Im „Volksstaat“ werden Sie gelesen haben, daß Biedermann alle Ursache hat zu bereuen, den Denunzianten gemacht zu haben, er glaubte es in einem Augenblick, wo er die scharfe Feder meines Mannes nicht zu fürchten hat, ungestraft thun zu können.

Wegen  Sergej Gennad’ievič Nečaev.
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Net.
habe ich Herrn Hirsch das Nöthige mitgetheilt, grade wie Sie, beurtheilte ihn neulich eine junge Russin, die ich über ihn fragte.

Frau Bebel u. ich sagen Ihnen wärmsten Dank, für die gesendeten 5 £., für mich kamen sie grade im geeigneten Moment. Ueber die pecuniären Verhältnisse meines Mannes brauche ich Ihnen Nichts zu sagen, Sie wissen, daß unsere Einnahme aufhört, sobald seine Feder ruht. Fr. Bebel kann ihren Mann, wenigstens theilweise im Geschäft, vertreten, ich leider nicht. Wünschen Sie eine Quittung über den Empfang | des Geldes od. kann sie uns erspart werden?

Empfangen Sie die Versicherung meiner aufrichtigsten Verehrung u. seien Sie, nebst Ihrer Frau Gemahlin u. Ihren Frl. Töchter, herzlichst gegrüßt von den Kindern

u. Ihrer ergebenen
Natalie Liebknecht.

Zeugenbeschreibung und Überlieferung

Dieser Brief wird hier erstmals veröffentlicht.

Absender

Briefkontext

Zeugenbeschreibung

Soweit aus der Fotokopie zu ersehen ist, besteht der Brief aus einem Bogen weißem Papier. Wasserzeichen: „St·Ma[rgarets] / W JOY[…] / […]“. Natalie Liebknecht hat die ersten drei Seiten vollständig und die vierte zu einem Drittel beschrieben. Schreibmaterial: schwarze Tinte.

Von unbekannter Hand: Jahresvermerk „1871“ oben auf der ersten Seite mit Blaustift.

 

Zitiervorschlag

Natalie Liebknecht an Karl Marx in London. Leipzig, Mittwoch, 18. Januar 1871. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital, hg. v. der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://megadigital.bbaw.de/M5000304. Abgerufen am 10.08.2026.

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