| Samstag.
Lieber Mohr!
Die Proklamation kam zu rechter Zeit — der Ausschuß wankte, und das alte Weib Ladendorf, einflußreich durch das uns zugewandte Geld, intriguirte gegen mich unpatriotischen Menschen aus Leibeskräften. Der nationalliberale furor ist für schwache Geister unwiderstehlich. Dieses infame Spießbürgerthum sucht die seit Jahren von Bismarck empfangnen Hiebe und Fußtritte an seine Gegner „weiterzugeben“. Bei mir mißlang es aber. Acht Tage war ich in Belagrungszustand, der Beschluß war gefaßt, mir die Fenster einzuwerfen (mit einem ¼ jährigen Kind für mich kein angenehmer Zeitvertreib) und die Wohnung zu demoliren, doch ich hatte mich vorgesehen, und die Hunde wagten sich nicht heran. Vielleicht wirkte auch die (beim Polizeidirektor angebrachte) Drohung, daß sofort Repressalien ergriffen, ein halb hundert Studenten krumm und lahm gehauen, und die Redaktionslokale der hiesigen nationalliberalen Blätter, nebst der Kneipe, wo die Bande ihr Hauptquartier hat, kurz und klein zerschlagen würden. Jetzt wagt sich das Gesindel nicht mehr heraus, obgleich es nirgends in Deutschland zahlreicher ist, — sogar neulich in der Volksversammlung die Ehren- Schweitzer für sie arrangirt hatte, errangen wir spielend die Majorität.
Neulich wollte ich mir schon Quartier in London bestellen. Stieber , omnipotent, geistiger und moralischer Hauptrepräsentant des „heiligen“ Kriegs, hatte es auf mich abgesehn. 14 Tage erwartete ich stündlich einen Verhaftungsversuch; zum Glück machten die Sächsischen Behörden einige Schwierigkeiten (mit der „Einigkeit“ ist nicht Alles couleur de rose) und jetzt hat mir die Amnestie Wilhelm’s, des „Heldenkönigs“ oder „Heldengreises“, momentan aus der Patsche geholfen.
Ist es wahr, daß Engels den patriotischen Raptus hat? Die Elberfelder Zeitung soll es gemeldet haben.
Siehe [Karl
Marx:] London, 29. Juli. In: Die Arbeiter-Union. New York. Nr. 79, 23.
August 1870. S. 3, Sp. 3 (MEGA2 I/21. S.
477).
Schließen Die Notiz betr. den
lächerlichen Gerngroß Blind habe ich
nach Amerika geschickt — in unserem Blatt wollte ich sie nicht bringen, da einige uns Nahstehende
dadurch unnöthigerweise geärgert worden wären, und wir haben schon gerad Feinde
genug. Werden aber mit ihnen fertig werden!
Noch einmal, Stieber
ist omnipotent — der “Schuft“ wurde von Liebknecht dreifach
unterstrichen.
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Schuft
liest alle Briefe, auch diesen.
Wir sind alle wohl — der Junge gedeiht prächtig. Wie steht’s bei Euch Grüße
Dein Library.Apropos für Verbreitung des
Siehe Karl Marx:
The
General Council of the International Workingmen's
Association on the War (MEGA2 I/21. S. 245–249 und Erl.
S. 1594–1612) und Karl Marx: Erste Adresse
des Generalrats der Internationalen Arbeiterassoziation über
den Deutsch-Französischen Krieg. (MEGA2 I/21. S. 478–484 und Erl.
S.
1744-1750).
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,
das ich im Blatt
nicht unverstümelt geben konnte, ist gesorgt.
Schicke Nicht bekannt.
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Zettel an
Borkheim
.
Zeugenbeschreibung und Überlieferung
Zeugenbeschreibung
Soweit aus der Fotokopie zu ersehen ist, besteht der Brief aus einem Blatt weißem Papier. Liebknecht hat die erste Seite vollständig beschrieben, die zweite Seite blieb vermutlich leer. Schreibmaterial: schwarze Tinte.
Anmerkungen zum Brief
Zur Datierung: Die Datierung folgt den Angaben des Archivs.
Zitiervorschlag
Wilhelm Liebknecht an Karl Marx in London. Leipzig, Samstag, 13. August 1870. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital, hg. v. der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://megadigital.bbaw.de/M4138217. Abgerufen am 25.09.2026.