<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="M4138217">
   <teiHeader>
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title>
               <idno>251</idno>Wilhelm Liebknecht an Karl Marx in London. Leipzig, Samstag,
                    13. August 1870</title>
         </titleStmt><editionStmt><p/></editionStmt>
         
         <publicationStmt><publisher><ref target="https://www.bbaw.de">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften</ref></publisher><pubPlace ref="https://www.geonames.org/2950159">Berlin</pubPlace><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International (CC BY-SA 4.0)</licence></availability><idno type="URLWeb">https://megadigital.bbaw.de/</idno><idno type="URLXML">https://megadigital.bbaw.de/.xml</idno></publicationStmt>
         <sourceDesc>
            <msDesc rend="manuscript">
               <msIdentifier>
                  <institution>RGASPI</institution>
                  <idno>
                     <idno type="shelfmark">f. 1 op. 5 d. 2158</idno>
                  </idno>
               </msIdentifier>
               <physDesc>
                  <p>Soweit aus der Fotokopie zu ersehen ist, besteht der Brief aus einem
                            Blatt weißem Papier. Liebknecht hat die erste Seite vollständig
                            beschrieben, die zweite Seite blieb vermutlich leer. Schreibmaterial:
                            schwarze Tinte.</p>
                  <p/>
               </physDesc>
            </msDesc>
            <listWit>
               <witness>
                  <bibl type="print" corresp="https://megadigital.bbaw.de/TVQTNGE5">Erstveröffentlichung:
                            Kundel: Aus dem Briefwechsel der "Volksstaat"-Redaktion mit Karl Marx
                            und Friedrich Engels. BZG 11, 1969, H. 4. S. 653/654.</bibl>
               </witness>
            </listWit>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <profileDesc><textClass><keywords><term>letter</term></keywords></textClass>
         <correspDesc>
            <correspAction type="sent">
               <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007983 http://d-nb.info/gnd/118572768">Wilhelm Liebknecht</persName>
               <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0003610 http://www.geonames.org/2879139">Leipzig</placeName>
               <date when="1870-08-13"/>
            </correspAction>
            <correspAction type="received">
               <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0001374 http://d-nb.info/gnd/118578537">Karl Marx</persName>
               <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004412 http://www.geonames.org/2643743">London</placeName>
            </correspAction>
            <note>Zur Datierung: Die Datierung folgt den Angaben des Archivs.</note>
         </correspDesc>
         <textClass>
            <keywords>
               <term key="M0002035">Lektüren im Korrespondentenkreis</term>
               <term key="M0003389">Deutsche Sozialdemokratie</term>
            </keywords>
         </textClass>
      </profileDesc>
      
   </teiHeader>
   <text><body>
         <div type="writingAct">
            <opener>
               <dateline sameAs="MBDatumszeile">
                  <pb/> Samstag.</dateline>
               <salute sameAs="MBAnrede">Lieber Mohr!</salute>
            </opener>
            <p sameAs="MBTextohneEinzug">Die
                    Proklamation
                    kam zu rechter Zeit — der Ausschuß wankte, und das alte Weib <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007806 http://d-nb.info/gnd/128801646">Ladendorf</persName>, einflußreich durch das uns zugewandte
                    Geld, intriguirte gegen mich  unpatriotischen Menschen aus Leibeskräften.
                    Der
                    nationalliberale furor ist für schwache Geister
                    unwiderstehlich. Dieses infame Spießbürgerthum sucht die seit
                    Jahren von <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0005607 http://d-nb.info/gnd/11851136X">Bismarck</persName> empfangnen Hiebe und
                    Fußtritte an seine Gegner „weiterzugeben“. Bei mir mißlang es aber. Acht Tage
                    war ich in Belagrungszustand, der Beschluß war gefaßt, mir die Fenster
                    einzuwerfen (mit einem ¼ jährigen <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M8526269 https://d-nb.info/gnd/124771076">Kind</persName> für
                    mich kein angenehmer Zeitvertreib) und die Wohnung zu demoliren, doch ich hatte
                    mich vorgesehen, und die Hunde wagten sich nicht heran. Vielleicht wirkte auch
                    die (beim
                    Polizeidirektor
                    angebrachte) Drohung, daß sofort Repressalien ergriffen, ein halb hundert
                    Studenten krumm und lahm gehauen, und die Redaktionslokale der hiesigen
                    nationalliberalen Blätter, nebst der Kneipe, wo die Bande ihr Hauptquartier hat,
                    kurz und klein zerschlagen würden. Jetzt wagt sich das Gesindel nicht mehr
                    heraus, obgleich es nirgends in Deutschland zahlreicher ist, — sogar neulich in
                    der Volksversammlung die Ehren-<persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0009513 http://d-nb.info/gnd/118760092">
                  <hi rendition="#u">Schweitzer</hi>
               </persName> für sie arrangirt hatte, errangen wir
                    spielend die Majorität.</p>
            <p sameAs="MBTextmitEinzug">Neulich wollte ich mir schon Quartier in London
                    bestellen. <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0009751  http://d-nb.info/gnd/118618083">
                  <hi rendition="#u">Stieber</hi>
               </persName>,
                    omnipotent, geistiger und moralischer Hauptrepräsentant des „heiligen“ Kriegs,
                    hatte es auf mich abgesehn. 14 Tage erwartete ich stündlich einen Verhaftungs<hi rendition="#u">versuch</hi>; zum Glück machten die Sächsischen Behörden
                    einige Schwierigkeiten (mit der „Einigkeit“ ist nicht Alles couleur de rose) und
                    jetzt hat mir die Amnestie
                    Wilhelm’s,
                    des „Heldenkönigs“ oder „Heldengreises“, momentan aus der Patsche geholfen.</p>
            <p sameAs="MBTextmitEinzug">Ist es
                    wahr, daß <hi rendition="#u">Engels</hi> den
                    patriotischen Raptus hat? Die <bibl type="periodika" corresp="">Elberfelder Zeitung</bibl> soll es gemeldet haben.</p>
            <p sameAs="MBTextmitEinzug">
               <ref xml:id="e6375bcc-5977-476e-b75b-cc5977a76eea" corresp="#a58fc77b-c46d-49bf-8fc7-7bc46da9bf83" type="editorialNote">Die Notiz betr. den
                            lächerlichen Gerngroß <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0005636 http://d-nb.info/gnd/118796569">Blind</persName> habe ich
                            nach Amerika geschickt</ref><note xml:id="a58fc77b-c46d-49bf-8fc7-7bc46da9bf83" corresp="#e6375bcc-5977-476e-b75b-cc5977a76eea" type="editorial">Siehe [Karl
                            Marx:] London, 29. Juli. In: Die Arbeiter-Union. New York. Nr. 79, 23.
                            August 1870. S. 3, Sp. 3 (<bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/AE939SQE">MEGA<hi rendition="#sup">2</hi> I/21</bibl>. S.
                            477).</note> — in unserem <bibl type="periodika" corresp="">Blatt</bibl> wollte ich sie nicht bringen, da einige uns Nahstehende
                    dadurch unnöthigerweise geärgert worden wären, und wir haben schon gerad Feinde
                    genug. Werden aber mit ihnen fertig werden!</p>
            <p sameAs="MBTextmitEinzug">Noch einmal, <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0009751  http://d-nb.info/gnd/118618083">Stieber</persName>
                    ist omnipotent — der <ref xml:id="cc0bad73-ae17-49c1-8bad-73ae1719c18c" corresp="#e156d94f-dd8a-4480-96d9-4fdd8af48028" type="editorialNote">
                     <hi rendition="#uu">Schuft</hi>
                  </ref><note xml:id="e156d94f-dd8a-4480-96d9-4fdd8af48028" corresp="#cc0bad73-ae17-49c1-8bad-73ae1719c18c" type="editorial">“Schuft“ wurde von Liebknecht dreifach
                            unterstrichen.</note>
               <hi rendition="#u">liest alle Briefe, auch diesen</hi>.</p>
            <p sameAs="MBTextmitEinzug">Wir sind alle wohl — der <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M8526269 https://d-nb.info/gnd/124771076">Junge</persName> gedeiht prächtig. Wie steht’s bei Euch Grüße</p>
            <closer sameAs="MBUnterschrift">
               <signed>Dein Library.</signed>
            </closer>
            <postscript>
               <p>Apropos für Verbreitung des <ref xml:id="db385cf0-ef48-4dc0-b85c-f0ef483dc001" corresp="#b2d0ac43-1429-4c9f-90ac-431429fc9fec" type="editorialNote">Manifests</ref><note xml:id="b2d0ac43-1429-4c9f-90ac-431429fc9fec" corresp="#db385cf0-ef48-4dc0-b85c-f0ef483dc001" type="editorial">
                        <note xml:id="nw4k_2k5_hzb">Siehe Karl Marx:
                                        <bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/XWK9RYT8">The
                                        General Council of the International Workingmen's
                                        Association on the War</bibl> (<bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/AE939SQE">MEGA<hi rendition="#sup">2</hi> I/21</bibl>. S. 245–249 und Erl.
                                    S. 1594–1612) und Karl Marx: <bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/39IVGHYR">Erste Adresse
                                        des Generalrats der Internationalen Arbeiterassoziation über
                                        den Deutsch-Französischen Krieg</bibl>. (<bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/AE939SQE">MEGA<hi rendition="#sup">2</hi> I/21</bibl>. S. 478–484 und Erl.
                                    S.
                        1744-1750).</note>
                     </note>
                  ,
                        das ich <hi rendition="#u">im <bibl type="periodika" corresp="">Blatt</bibl>
                  </hi> nicht unverstümelt geben konnte, ist gesorgt.</p>
               <p rend="MBTextMitEinzug">Schicke <ref xml:id="c5df6b42-cf89-4f8a-9f6b-42cf89df8a27" corresp="#c8417ff0-c044-4eb5-817f-f0c044aeb5a8" type="editorialNote">beiliegenden
                                Zettel</ref><note xml:id="c8417ff0-c044-4eb5-817f-f0c044aeb5a8" corresp="#c5df6b42-cf89-4f8a-9f6b-42cf89df8a27" type="editorial">Nicht bekannt.</note> an <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0005708  http://d-nb.info/gnd/127609342">
                     <hi rendition="#u">Borkheim</hi>
                  </persName>. </p>
            </postscript>
         </div>
      </body></text>
</TEI>