| Dawlish 21 Octr 1870
My dear Sir
Ohne Zweifel hat es Sie in
etwa befremdet auf Ihre werthen & freundlichen Nicht
überlieferter Brief von Engels an P. A. Ermen,
6.9.1870.
Schließen Zeilen vom 6 v. M. bis dahin ohne Antwort geblieben zu
sein, & will ich Ihnen daher, nachdem ich Ihnen dafür zuvörderst bestens
danke, die Ursache meines langen Stillschweigens näher erklären. — Es bot
sich nämlich, unmittelbar nachdem ich mich an Sie um gef. Auskunft gewandt
hatte, hier an Ort & Stelle sowohl durch Opfersammlung in der hiesigen
Kirche — welche an einem Sonntag £ 57. betrug — dann durch Bildung eines
Frauenvereins für Anfertigung von
Charpie
& Kleidungstücken jeder Art für die Verwundeten & Kranken in den
Hospitälern & &. örtliche Gelegenheit zu Beisteuern jeder Art dar; auch
ich ersah außerdem aus den Londoner Zeitungen, daß besonders von den Künstlern
ausgehend, der Plan gefaßt worden war eine Kunstausstellung zu veranstalten,
deren Zweck die Unterstützung von Wittwen | & Waisen der im Kriege
umgekommmenen Deutschen war. Diese fand demnach im September in Old Bond St Statt & bleibt bis zum 5 Novbr offen — Sobald
ich von dieser Ausstellung unterrichtet war, vollendete ich unter andern gleich
drei meiner früher schon fast fertig gemachten kleinern Oelgemälde, nahm diese
mit mir nach London, lies sie daselbst einrahmen & übergab sie darauf vor
einigen Wochen dem genannten Verein zur Ausstellung & Verkauf — Sie wurden
zusammen auf £ 24.– geschäzt.— Von mir ermuntert, machte
meine
Tochter hier sich auch an die Arbeit, &
schickte vor mehreren Tagen ihr Drawing ebenfalls nach London an ihre
Mary Ann Matilda Ermen,
verh. Roby.
Schließen Schwester
Roby & befindet sich demnächst
gerahmt ohne Zweifel in obiger Ausstellung. Mit dieser ist auch eine Verlosung
verbunden wie Sie aus der Anlage ersehen werden, welche eine Liste der Prizes
enthält. — Vielleicht sind Sie & einige Ihrer dortigen Freunde geneigt eine
Anzahl Tickets zu nehmen, wie auch ich es gethan habe. — Obgleich nur 1./– per
Ticket, hatte | man davon doch bereits, als ich noch in London war, für ca £ 1000. verkauft, welche Summe seitdem ohne Zweifel
noch wesentlich vermehrt worden ist, denn ich befinde mich seit vorigem
Sonnabend wieder hier. — Miss E. schickte ihr erstes fertiges
Ballot
damals auf Einladung der Vorsteherin des dortigen Frauenvereins nach Manchester,
& schloß sich, sowie Mrs E. seitdem dem hiesigen Verein an, der mehrere Sendungen
an den
Frederick
Temple, Bischof von Exeter (1869–1885).
Schließen Bishop zu Exeter
gemacht hat; von da aus wurden & werden die Gegenstände nach London
befördert. — Soviel also zur Erklärung meines bisherigen Stillschweigens,
welches, wenn Sie jene befriedigend finden, gütigst entschuldigen werden. — Was
sagen Sie nun aber zu dem weiteren Fortgang bis diesen Augenblick hin, dieses
greulichen & ruinösen Krieges?! Was wird das Ende
davon sein & wann? — Hoffentlich ist es nicht mehr
fern; — möge
der Frieden, wenn kommt, ein dauernder sein aber um diese Erwartung hegen zu
dürfen, muß Deutschland nicht allzu hart sein, sondern mäßigen Gesinnungen &
| Ansprüchen Raum geben. — Wird es dieses thun? Die nächste Zukunft wird
darüber Auskunft geben. –
Die Damen in meinem Hause erwiedern Ihre freundlichen Grüße herzlichst & ich verbleibe
Ihr stets freundschaftl. ergebenerP. A. Ermen.
Zeugenbeschreibung und Überlieferung
Dieser Brief wird hier erstmals veröffentlicht.
Zeugenbeschreibung
Soweit aus der Fotokopie zu ersehen ist, besteht der Brief aus einem Bogen weißem Papier. Ermen hat die ersten drei Seiten vollständig, die vierte Seite zu einem Drittel beschrieben. Schreibmaterial: schwarze Tinte.
Von unbekannter Hand: Nummerierung des Briefes oben rechts auf der ersten Seite: „263“; Vermerk oben links: „Peter Ermen“.
Zitiervorschlag
Peter Albert Ermen an Friedrich Engels in London. Dawlish, Freitag, 21. Oktober 1870. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital, hg. v. der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://megadigital.bbaw.de/M2497225. Abgerufen am 24.10.2026.