| Hannover, 30. April 1870
Mein lieber Marx!
Genirte mich nicht eine rechtsseitige Neuralgie nervi ulnaris, so würdest Du heute eine aus westphälischer Gemüthstiefe entsprungene Epistel zu Deinem Geburtstage erhalten. Davor rettet Dich also eine vor drei Wochen genommene kalte Brause. — Nun möchte ich Dir auch gern eine kleine Freude bereiten u. da ich nichts Besseres kenne, als was von Dir kömmt, so war das nicht leicht. Das Problem lautete: Es muß von Dir kommen u. muß doch nicht von Dir kommen; es muß ein Theil Deiner Individualität sein u. Dir doch als ein Fremdes gegenübertreten. Hic Rhodus hic — ein Paar Manschettenknöpfe, deren Wesentliches aus den Haaren Deiner lieben Mädchen gemacht (unter dem Fuße J(enny) u. E(lleanor). — Die Aehnlichkeit der Farbe liegt in der Behandlung beim Anfertigen der Bouquets. Nimm die Kleinigkeit freundlich auf, wie auch Kaulbach s: „Der Tod Cäsars“. —
Nächstens ausführlicher! für heute tausend innige, herzliche Glückwünsche zum 5. Mai von
Deinemtreu ergebenen
LKugelmann
Dr
Herzliche Gratulation lieber Mohr
vonDeinem
Fränzchen
| Dr. Karl Marx.
Zeugenbeschreibung und Überlieferung
Dieser Brief wird hier erstmals veröffentlicht.
Zeugenbeschreibung
Soweit aus der Fotokopie zu ersehen ist, besteht der Brief aus einem Bogen weißem, leicht vergilbtem Papier. L. Kugelmann hat die erste Seite zu drei Vierteln beschrieben, G. Kugelmanns Zeilen sind darunter notiert; die zweite und dritte Seite blieben vermutlich leer und die vierte Seite wurde von L. Kugelmann zur Adressierung benutzt: „Dr. Karl Marx“. Schreibmaterial: schwarze Tinte.
Von unbekannter Hand: Nummerierung der beschriebenen Seiten mit Bleistift: „76a–b“.
Zitiervorschlag
Louis und Franziska Kugelmann an Karl Marx in London. Hannover, Samstag, 30. April 1870. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital, hg. v. der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://megadigital.bbaw.de/M2169270. Abgerufen am 10.08.2026.