| Leipzig, den 30 Juli 69.
Hochgeehrter Herr.
Ihr werther Brief, den ich so eben empfangen hat mir viele Freude gemacht, ich habe die Vorschläge Beckers im Vorboten ebenfalls gelesen und muß gestehen, daß sie mich etwas unbehaglich stimmten, weil ich daraus zu ersehen glaubte, daß es Becker darum zu thun sei die Leitung für Deutschland in Bezug auf die Intern. Arb. Association in die Hände zu bekommen. Mein Entschluß war denn auch auf dem Congreß das unpraktische ja unausführbare, Zeit und Geld nutzlos kostende Projekt zu bekämpfen und es freut mich uns(?) an dem Generalrath der Intern. Arb. Ass. selbst eine Stütze gefunden zu haben. Fürchten Sie deßhalb nicht, daß ich Sie oder den Generalrath irgend wie nutzloser Weise in die Debatte hereinziehen werde, ich werde sogar versuchen wenn Becker selbst oder ein anderer Vertreter aus Genf kommt privatim erst die Gründe ihm auseinanderzusetzen. Auch können Sie im Voraus versichert sein, | daß B.s Vorschlag weder von unserer Seite, noch von Seiten der Opposition des Allg. d. Arb. Ver., noch von den Schweizer oder östreichischen Vertretern unterstützt wird, ich müßte denn die Stimmung sehr schlecht kennen. Wie wir uns unser Verhältniß zur Internationalen gedacht, werden Sie aus dem von mir entworfenen u. von Braunschweig und Hamburg mitberathenen Organisationsentwurf, den das Wochenblatt diese Woche bringt ersehen. Ich glaube es ist die einzig richtige und mögliche Form, was Höhe der Beiträge etc. anlangt so wird das Gegenstand besonderer Vereinbarung mit dem Generalrath sein und ich hoffe, daß sich dieses auf dem Basler Congreß, den wir unter allen Umständen beschicken werden, wird machen laßen. Ich selbst werde auf alle Fälle nach Basel kommen und hoffe dort Gelegenheit zu haben ihre hochwerthe persönliche Bekanntschaft zu machen.
Inzwischen grüßt Sie hochachtungsvoll
ABebelZeugenbeschreibung und Überlieferung
Zeugenbeschreibung
Der Brief besteht aus einem Bogen mittelstarkem, weißem, vergilbtem Papier im Format 284 × 225 mm. Bebel hat die erste Seite vollständig, die zweite zu drei Vierteln beschrieben; die übrigen zwei Seiten sind leer. Schreibmaterial: schwarze Tinte.
Von unbekannter Hand: Unterstreichung der Datumsangabe und Vermerk „erledigt“ mit Blaustift oben rechts auf der ersten Seite; oben links mit Bleistift Vermerk: „K. Marx“ und Nummerierung des Briefes: „42“.
Drucke
Anmerkungen zum Brief
Bebel beantwortet einen nicht überlieferten Brief von Marx („Ihr werther Brief, den ich so eben empfangen“) vom 27. Juli 1869. Siehe Marx an Engels, 27. Juli 1869 („Bebel hatte mir 25 Th. für die Belgier von Seiten seines Arbeiterbildungsvereins geschickt. Ich habe heute die Sendung acknowledged u. die Gelegenheit benutzt, um ihm über Beckers Phantasiepläne zu schreiben.“)
Zitiervorschlag
August Bebel an Karl Marx in London. Leipzig, Freitag, 30. Juli 1869. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital, hg. v. der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://megadigital.bbaw.de/M0001132. Abgerufen am 22.08.2026.