| 21 3/69
Lieber Freund
Ich übersende ihnen hiemit meinen ersten Bericht über die deutsche Arbeiter Bewegung in New-York und Umgegend. 3 Jahre schlechte Zeit sowie eine auf die Spize getribne ofene Koruption der beiden bestehenden politischen Parteien haben endlich einem Theil der Arbeiter die Augen geöffnet. Sie fühlen das Sie mit Ihren einzeln stehenden unpolitischen Gewerksvereinen nicht mehr im Stande sind Ihre Lage zu verbessern. Sie fühlen das Sie auf dem jetz bestehenden politischen Regiment Ihre Forderungen nicht können zur Geltung bringen. Deßhalb vereinigen sie sich jetz in Massen und arbeiten darauf hin Eine selbständige Politische Partei zu werden. Voriges Jahr schon traten 3 Vereine zusamen und gründeten unter einem demokratischen Redakteur ein unpolitisches Wochenblat unser Freund Meyer war der Gegen Kandidat diesses Redakteurs der selbe konte aber von uns nicht durchgebracht werden weil wir für ein politisches Blatt agitirten. Es war zu kurz vor den Wahlen um die Arbeiter von Ihren politischen Parteien losreißen zu können. Die Prakzis hatte mich überhaupt belehrt das wir nicht im Stande waren die Arbeiter aus ihren Gewerks|vereinen in eine sociale Partei zu bringen ich kome zu der Erkenntniss wir mussten die soziale Frage in die Arbeiter Vereine tragen. Es ist dieß der Punkt wo ich damals zum offnen Bruch mit Sorge kam er glaubte von seinem xx(?) erhabnen Spießbürgerliche Standpunkt es sei mit den Arbeitern nichts anzufangen und wollte uns in sein Spiezbürgerliche Lager führen in dem er uns alle seine 48ger Freunde wolte zuführen. Ich sah dagegen ein das wir es falsch hatten angefangen und das dieß die Schuld war warum unsere Sache nicht weiterging. Ich trat aus der socialen Partei die noch kümmerlich ein vierteljahr sich das Leben fristete und dann sich auflöste. Meyer wolte nun eine Internationale Section gründen ich rith ihm auch davon ab weil ich fühlte das wir erst unbemerkt den Boden besser unterwühlen konten indem wir erst die besten Mitglieder dieser Vereine für unsere Sache gewinnen und so endlich im Stande sind die ganze Organisation mit einmal zu gewinnen. Um aber in diese Vereine zu kommen mußten wir selbst ein Verein sein wir eröffneten deshalb wieder den allgemeinen deutschen Arbeiter Verein ließen aber in der Theorie nichts an ihm übrig als den Namen wir nehmen als solcher eine Carte für | Traides Union und arbeiten nur in allen Vereinen versteckt für Anschluß an die Internationalen. Wir haben gestern schon den ersten öffentlichen Sieg errungen der von einem unsrer Mitglieder im Grütli-Vereine gestelte Antrag auf Unterstüzung der Schweizer Arbeitseinstellung ging bei den sämtlichen Vertretern der Vereine durch und wir werden so im Stande sein wenn auch noch nicht viel so doch eine kleine Geldsumme für unsere Freunde nach Europa zu senden. Sie müssen diese kleinen Außeinandersezungen entschuldigen ich glaubete Sie Ihnen schuldig zu sein weil wir noch nicht offen agitiren.
Also zur Sache es stelte
sich bald heraus das ein nicht politisches Gewerksblatt den Bedürfnißen der Arbeiter nicht
entsprechen konnte man setzte den
Redakteur
ab und an dessen Stelle Herrn Adolf Douai
Schließen Duai ein Freund
Sorges, welcher bei der radikalen
republikanischen Partei eine Rolle spielte. Herr Duai selbst auch nicht im
Stande eine Zeile für wirkliche Interessen der Arbeiter zu schreiben und wird
Sie auch nicht mehr lernen er ersuchte Meyer
ihn zu unterstützen ich rieth Meyer davon ab. Grund weil er dadurch in eine
verkehrte Stellung gezogen | werden könte. Er liefert die
Auszüge
welche die Zeitung aus Karl Marx: Das Kapital. Bd. 1. Buch
1. Hamburg 1867. Siehe Erl. zu Marx an
J. Ph. Becker, zw. 9. u. 15.1.1866: „1200 Seiten
Manuscript“. (MEGA2 II/5).
Schließen Ihrem lezten Werke
bringt.
Aber auch diß genügt nicht mehr die Arbeiter drengen jetzt das die Zeitung ein
Tagesblatt wird, sie haben bis jetz aus eigenen Mitteln 3000 $ zusamengebracht.
Bis zum 8 Juny soll ein Arbeiterfest gefeiert werden der Ueberschuß des selben
soll der Zeitung zu gute komen. Ueberdiß wird das Fest eine allgemeine
Verbindung mit sämtlichen Vereinen herbeiführen 20 sind vertreten bis jetzt. Dan
soll es auch überhaupt mit einer Demonstration verbunden sein welche durch einen
Zug bewerksteligt wird den 7 Juny wird es Abends mit einer Vorfeier eröffnet
wozu auch fremde Gäste eingeladen werden unter anderm auch William H.
Sylvis
Schließen Silvis. Die Zeitung als tägliche wird mitte
Mai erscheinen. Ich bin ersucht
wenn
ich etwas thun könte für europäische Korrespondenten da ich Ihnen die Sache
ziemlich genau außeinandergesetzt habe so bitte ich Sie den General(?) Rath zu ersuchen die Sache
genau zu verfolgen und nach Kräften zu unterstüzen. Sollten sie Jemand könen
rüberschiken der die Leitung einer tüchtigen Arbeiterzeitung übernehmen könte
Sie würde mit großem Erfolg gekrönt.
A. Vogt.
|Nachtrag
Die Vereine werden eine eigne Presse kaufen ich habe den Präsident und den Sekretär auch noch etlich andre für uns gewonnen. Der erstere ersuchte mich ob Sie nicht mit noch etlichen von unsren Leuten Korrespondenten Korrespondenzen übernehmen wolten ich erklärte Ihnen daß Sie mit einem Mann wie Duai nicht werden zusammen schreiben und machte Ihm den Vorschlag Sie solten die Korrespondenten Korrespondenzen | in die Hände des Verwaltungs und Redaktions Komité legen welches er mir versprach durchzusezen er meinte mit der absetzung Duai dürfe er jetzt noch nicht kommen derselbe wird aber nicht im Stande sein eine tägliche Zeitung zu führen und wir werden unter der Zeit mutig forwärts arbeiten ich habe mir noch einen tüchtigen an einem Schneider namens Carl herangebildet. Sorge hat im Namen Duai – Liebknecht und Ph. Becker zu schreiben aufgefordert.
Zeugenbeschreibung und Überlieferung
Dieser Brief wird hier erstmals veröffentlicht.
Zeugenbeschreibung
Der Brief aus einem Bogen und einem Blatt mittelstarkem, weißem, liniertem Papier im Format 248×204 bzw. 98 × 116 mm.. Vogt hat alle sechs Seiten vollständig beschrieben. Schreibmaterial: schwarze Tinte.
Archivsignatur des Moskauer Marx-Engels-Instituts (IMĖ) auf allen beschriebenen Seiten oben links: „Rj 118a–f“.
Die Schreibweise wurde zum besseren Textverständnis zurückhaltend korrigiert.
Zitiervorschlag
August Vogt an Karl Marx in London. New York, Sonntag, 21. März 1869. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital, hg. v. der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://megadigital.bbaw.de/M0000974. Abgerufen am 10.08.2026.