<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="M0000974">
    <teiHeader>
        <fileDesc>
            <titleStmt>
                <title><idno>79</idno>August Vogt an Karl Marx in London. New York, Sonntag, 21.
                    März 1869</title>
                <respStmt resp="contribution" n="project">
                    <persName>
                        <surname>Gavrilchenko</surname>
                        <forename>Svetlana</forename>
                    </persName>
                    <resp ref="https://credit.niso.org/?s=Writing+%E2%80%93+review+%26+editing">Bearbeitung</resp>
                </respStmt>
                <respStmt resp="contribution" n="project">
                    <persName>
                        <surname>Gioeva</surname>
                        <forename>Tatjana</forename>
                    </persName>
                    <resp ref="https://credit.niso.org/?s=Writing+%E2%80%93+review+%26+editing">Bearbeitung</resp>
                </respStmt>
                <respStmt resp="contribution" n="project">
                    <persName>
                        <surname>Lindenberg</surname>
                        <forename>Thomas</forename>
                    </persName>
                    <resp ref="https://credit.niso.org/?s=Writing+%E2%80%93+review+%26+editing">Bearbeitung</resp>
                </respStmt>
                <respStmt resp="contribution" n="project">
                    <persName>
                        <surname>Lura</surname>
                        <forename>Caroline</forename>
                    </persName>
                    <resp ref="https://credit.niso.org/?s=Writing+%E2%80%93+review+%26+editing">Bearbeitung</resp>
                </respStmt>
            </titleStmt><editionStmt><p/></editionStmt>
            
            <publicationStmt><publisher><ref target="https://www.bbaw.de">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften</ref></publisher><pubPlace ref="https://www.geonames.org/2950159">Berlin</pubPlace><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International (CC BY-SA 4.0)</licence></availability><idno type="URLWeb">https://megadigital.bbaw.de/</idno><idno type="URLXML">https://megadigital.bbaw.de/.xml</idno></publicationStmt>
            <sourceDesc>
                <msDesc rend="manuscript">
                    <msIdentifier>
                        <institution>RGASPI</institution>
                        <idno><idno type="shelfmark">f. 21 op. 1 d. 228/6</idno></idno>
                    </msIdentifier>
                    <physDesc>
                        <p>Der Brief aus einem Bogen und einem Blatt mittelstarkem, weißem,
                            liniertem Papier im Format 248×204 bzw. 98 × 116 mm.. Vogt hat alle
                            sechs Seiten vollständig beschrieben. Schreibmaterial: schwarze
                            Tinte.</p>
                        <p>Archivsignatur des Moskauer Marx-Engels-Instituts (IMĖ) auf allen
                            beschriebenen Seiten oben links: „Rj 118a–f“.</p>
                        <p>Die Schreibweise wurde zum besseren Textverständnis zurückhaltend
                            korrigiert.</p>
                    </physDesc>
                </msDesc>
            </sourceDesc>
        </fileDesc>
        <profileDesc><textClass><keywords><term>letter</term></keywords></textClass>
            <correspDesc>
                <correspAction type="sent">
                    <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0010116 1029081">August Vogt</persName>
                    <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0002865 http://www.geonames.org/5128581">New York</placeName>
                    <date when="1869-03-21"/>
                </correspAction>
                <correspAction type="received">
                    <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0001374 http://d-nb.info/gnd/118578537">Karl Marx</persName>
                    <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004412 http://www.geonames.org/2643743">London</placeName>
                </correspAction>
            </correspDesc>
            <textClass>
                <keywords>
                    <term key="M0002820">USA (Arbeiterorganisationen, allgemeine politische Lage,
                        Auswanderung in die USA)</term>
                    <term key="M0004106">Gewerkschaften</term>
                    <term key="M0002997">Journalismus/Publizistik</term>
                    <term key="M0002585">Internationale Arbeiter-Assoziation (IAA, A.I.T.,
                        I.W.M.A.)</term>
                    <term key="M0001907">Arbeiterparteien und -vereine</term>
                    <term key="M0002306">Zeitungen der IAA</term>
                </keywords>
            </textClass>
        </profileDesc>
        
    </teiHeader>
    <text><body>
            <div type="writingAct">
                <opener><dateline sameAs="MBDatumszeile"><pb/> 21 3/69</dateline><salute sameAs="MBAnrede">Lieber
                        Freund</salute></opener>
                <p rend="MBTextOhneEinzug" style="text-align: justify; ">Ich übersende ihnen hiemit
                    meinen ersten Bericht über die deutsche Arbeiter Bewegung in New-York und
                    Umgegend. 3 Jahre schlechte Zeit sowie eine auf die Spize getribne ofene
                    Koruption der beiden bestehenden politischen Parteien haben endlich einem Theil
                    der Arbeiter die Augen geöffnet. Sie fühlen das Sie mit Ihren einzeln stehenden
                        <hi rendition="#u">unpolitischen</hi> Gewerksvereinen nicht mehr im Stande
                    sind Ihre Lage zu verbessern. Sie fühlen das Sie auf dem jetz bestehenden
                    politischen Regiment Ihre Forderungen nicht können zur Geltung bringen. Deßhalb
                    vereinigen sie sich jetz in Massen und arbeiten darauf hin <hi rendition="#u">Eine selbständige Politische Partei</hi> zu werden. Voriges Jahr schon
                    traten 3 Vereine zusamen und gründeten unter einem demokratischen
                    Redakteur
                    ein <hi rendition="#u">unpolitisches</hi>
                    Wochenblat
                    unser Freund <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0008348 1019016">Meyer</persName> war der Gegen Kandidat
                    diesses Redakteurs der selbe konte aber von uns nicht durchgebracht werden weil
                    wir für ein <hi rendition="#u">politisches</hi> Blatt agitirten. Es war zu kurz
                    vor den Wahlen um die Arbeiter von Ihren politischen Parteien losreißen zu
                    können. Die Prakzis hatte mich überhaupt belehrt das wir nicht im Stande waren
                    die Arbeiter aus ihren Gewerks<pb/>vereinen in eine sociale Partei zu bringen
                    ich kome <hi rendition="#u">zu der Erkenntniss</hi> wir mussten die soziale
                    Frage in die Arbeiter Vereine tragen. Es ist dieß der Punkt wo ich damals zum
                    offnen Bruch mit <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0009679 http://d-nb.info/gnd/119040921">Sorge</persName> kam er glaubte von
                    seinem
                        <unclear reason="illegible" cert="high">xx</unclear>
                    erhabnen Spießbürgerliche
                    Standpunkt es sei mit den Arbeitern nichts anzufangen und wollte uns in sein
                    Spiezbürgerliche Lager führen in dem er uns alle seine 48ger Freunde wolte
                    zuführen. Ich sah
                        dage<ex>ge</ex>n
                    ein das wir es falsch hatten angefangen und das dieß die Schuld war warum unsere
                    Sache nicht weiterging. Ich trat aus der socialen Partei die noch kümmerlich ein
                    vierteljahr sich das Leben fristete und dann sich auflöste. <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0008348 1019016">Meyer</persName> wolte nun eine Internationale Section
                    gründen ich rith ihm auch davon ab weil ich fühlte das wir erst unbemerkt den
                    Boden besser unterwühlen konten indem wir
                        er<ex>st</ex>
                    die besten Mitglieder dieser Vereine für unsere Sache gewinnen und so endlich im
                    Stande sind die ganze Organisation mit einmal zu gewinnen. Um aber in diese
                    Vereine zu kommen mußten wir selbst ein Verein sein wir eröffneten deshalb
                    wieder den
                    allgemeinen
                    deutschen Arbeiter Verein ließen aber in der Theorie nichts
                    an ihm übrig als den Namen wir nehmen als solcher eine Carte für <pb/> Traides
                    Union und arbeiten nur in allen Vereinen versteckt für Anschluß an die
                    Internationalen. Wir haben gestern schon den ersten
                        öffentlich<ex>en</ex>
                    Sieg errungen der von einem unsrer Mitglieder im <orgName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004060 https://d-nb.info/gnd/44180-6">Grütli-Vereine</orgName> gestelte Antrag auf Unterstüzung der Schweizer
                    Arbeitseinstellung ging bei den sämtlichen Vertretern der Vereine durch und wir
                    werden so im Stande sein
                        wen<ex>n</ex>
                    auch noch nicht viel so doch eine kleine Geldsumme für unsere Freunde nach
                    Europa zu senden. Sie müssen diese kleinen Außeinandersezungen entschuldigen ich
                    glaubete Sie Ihnen schuldig zu sein weil wir noch nicht offen agitiren.</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Also zur Sache es stelte
                    sich bald heraus das ein nicht politisches <bibl type="periodika" corresp="">Gewerksblatt</bibl> den Bedürfnißen der Arbeiter nicht
                    entsprechen konnte man setzte den
                    Redakteur
                    ab und an dessen Stelle Herrn <ref xml:id="a7dfb052-b0c2-41fc-9fb0-52b0c2a1fc2e" corresp="#c02825ac-638c-41ca-a825-ac638cc1ca43" type="editorialNote"><persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006365 http://d-nb.info/gnd/116190566">Duai</persName></ref><note xml:id="c02825ac-638c-41ca-a825-ac638cc1ca43" corresp="#a7dfb052-b0c2-41fc-9fb0-52b0c2a1fc2e" type="editorial"><persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006365 http://d-nb.info/gnd/116190566">Adolf Douai</persName></note> ein Freund
                        <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0009679 http://d-nb.info/gnd/119040921">Sorges</persName>, welcher bei der radikalen
                    republikanischen Partei eine Rolle spielte. Herr Duai selbst auch nicht im
                    Stande eine Zeile für wirkliche Interessen der Arbeiter zu schreiben und wird
                    Sie auch nicht mehr lernen er ersuchte <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0008348 1019016">Meyer</persName>
                    ihn zu unterstützen ich rieth Meyer davon ab. Grund weil er dadurch in eine
                    verkehrte Stellung gezogen <pb/> werden könte. Er liefert die
                    Auszüge
                    welche die <bibl type="periodika" corresp="">Zeitung</bibl> aus <ref xml:id="da9c3cc5-a40d-4a6b-9c3c-c5a40dfa6b60" corresp="#a3c1bf30-feac-4301-81bf-30feaca301a4" type="editorialNote">Ihrem lezten <bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/PT9GISVC">Werke</bibl></ref><note xml:id="a3c1bf30-feac-4301-81bf-30feaca301a4" corresp="#da9c3cc5-a40d-4a6b-9c3c-c5a40dfa6b60" type="editorial"><bibl corresp="https://megadigital.bbaw.de/PT9GISVC">Karl Marx: Das Kapital. Bd. 1. Buch
                                1. Hamburg 1867.</bibl> Siehe <ref target="https://megadigital.bbaw.de/M0000007">Erl. zu Marx an
                                J. Ph. Becker, zw. 9. u. 15.1.1866</ref>: „1200 Seiten
                                Manuscript“. <bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/25ETZ5BH">(MEGA<hi rendition="#sup">2</hi> II/5)</bibl>. </note>
                    bringt.
                    Aber auch diß genügt nicht mehr die Arbeiter drengen jetzt das die Zeitung ein
                    Tagesblatt wird, sie haben bis jetz aus eigenen Mitteln 3000 $ zusamengebracht.
                    Bis zum 8 Juny soll ein Arbeiterfest gefeiert werden der Ueberschuß des selben
                    soll der Zeitung zu gute komen. Ueberdiß wird das Fest eine allgemeine
                    Verbindung mit sämtlichen Vereinen herbeiführen 20 sind vertreten bis jetzt. Dan
                    soll es auch überhaupt mit einer Demonstration verbunden sein welche durch einen
                    Zug bewerksteligt wird den 7 Juny wird es Abends mit einer Vorfeier eröffnet
                    wozu auch fremde Gäste eingeladen werden unter anderm auch <ref xml:id="b19f2760-9f1e-4409-9f27-609f1e140983" corresp="#d1b4a29c-3882-4c11-b4a2-9c38823c1142" type="editorialNote"><persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0003986 http://d-nb.info/gnd/1027247482">Silvis</persName></ref><note xml:id="d1b4a29c-3882-4c11-b4a2-9c38823c1142" corresp="#b19f2760-9f1e-4409-9f27-609f1e140983" type="editorial"><persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0003986 http://d-nb.info/gnd/1027247482">William H.
                                Sylvis</persName></note>. Die Zeitung als tägliche wird mitte
                    Mai erscheinen. Ich bin ersucht
                        wen<ex>n</ex>
                    ich etwas thun könte für europäische Korrespondenten da ich Ihnen die Sache
                    ziemlich genau außeinandergesetzt habe so bitte ich Sie den Gen<unclear reason="illegible" cert="high">eral</unclear> Rath zu ersuchen die Sache
                    genau zu verfolgen und nach Kräften zu unterstüzen. Sollten sie Jemand könen
                    rüberschiken der die Leitung einer tüchtigen Arbeiterzeitung übernehmen könte
                    Sie würde mit großem Erfolg gekrönt.</p>
                <closer sameAs="MBUnterschrift">
                    <signed>Ihr<lb/>A. Vogt.</signed>
                </closer>
                <postscript>
                    <p><hi rendition="#c"><pb/>Nachtrag</hi></p>
                    <p rend="MBTextOhneEinzug" style="text-align: justify; ">Die Vereine werden eine
                        eigne Presse kaufen ich habe den
                        Präsident
                        und den
                        Sekretär
                        auch noch etlich andre für uns gewonnen. Der erstere ersuchte mich ob <hi rendition="#u">Sie nicht mit noch</hi> etlichen von unsren Leuten <choice>
                            <sic>Korrespondenten</sic>
                            <corr cert="high">Korrespondenzen</corr>
                        </choice> übernehmen wolten ich erklärte Ihnen daß Sie mit einem Mann wie
                            <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006365 http://d-nb.info/gnd/116190566">Duai</persName> nicht werden zusammen schreiben
                        und machte Ihm den Vorschlag Sie solten die <choice>
                            <sic>Korrespondenten</sic>
                            <corr cert="high">Korrespondenzen</corr>
                        </choice>
                        <pb/> in die Hände des
                        Verwaltungs
                        und Redaktions Komité legen welches er mir versprach
                        durchzusezen er meinte mit der absetz<ex>ung</ex> Duai dürfe er jetzt noch
                        nicht kommen derselbe wird aber nicht im Stande sein eine tägliche Zeitung
                        zu führen und wir werden unter der Zeit mutig forwärts arbeiten ich habe mir
                        noch einen tüchtigen an einem Schneider namens Carl herangebildet. <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0009679 http://d-nb.info/gnd/119040921">Sorge</persName> hat im Namen Duai – <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007983 http://d-nb.info/gnd/118572768">Liebknecht</persName> und <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0005483 http://d-nb.info/gnd/116104198">Ph. Becker</persName> zu schreiben aufgefordert. </p>
                </postscript>
               
            </div>
        </body></text>
</TEI>