Inhaltsbeschreibung und Datierung
1Marx betitelte das vorliegende Heft mit „III)“ und verortete es zudem in der Reihenfolge der Hefte: „folgt auf den Kaufmann II“. Er beendete hier seine in Heft II begonnenen Exzerpte aus Ernest Seyds „Bullion and Foreign Exchanges Theoretically and Practically Considered“. Marx selbst gab die Quelle nicht in seinem Heft an, so dass sie auch Engels nicht bekannt war, der das Exzerpt daher in seinem Inhaltsverzeichnis auf dem Titelblatt des Hefts ohne weitere Angaben zu Quelle oder Autor aufführte.
2Marx benutzte das Heft zu verschiedenen Zwecken, nicht nur für Exzerpte. Er verfasste hier auch ein Manuskript für den ersten Abschnitt des zweiten Buchs des „Kapital“ (veröffentlicht in: MEGA II/11. S. 679–683). Das Heft enthält außerdem Auszüge aus mathematischen Büchern, die in MEGA IV/30 veröffentlicht werden.
3Als Entstehungszeit der vorliegenden Exzerpte aus den Büchern von Seyd und Feller/Odermann wird August 1878 vermutet. Es knüpft unmittelbar an Heft II an, das spätestens im August 1878 beendet worden ist.
Ernest Seyd: Bullion and Foreign Exchanges Theoretically and Practically
Considered
4 Ernest Seyd: Bullion and Foreign Exchanges Theoretically and Practically Considered; Followed by a Defence of the Double Valuation, with Special Reference to the Proposed System of Universal Coinage. London 1868. (S. 1–27.)
5Marx setzt seine in Heft II begonnenen Exzerpte aus dem Buch von Ernest Seyd fort. Nun beschäftigt er sich eingehend mit den Edelmetallen, ihrer Herstellung und Behandlung, ihren Test-, Gewichts- und Bewertungsverfahren. Themen sind: Gold- und Silberlegierungen, die Probierkunde („assaying“) (z. B. mit Hilfe des Probiersteins), Methoden zur Bestimmung des Feingehalts von Barren („bullion“), die Standardgewichte für Gold und Silber, die Wert-Berechnung von Bullion, seine Teilungs- und Veredelungsverfahren, die Münzung und internationale Austauschververhältnisse.
6Wie in Entstehung und Überlierung zu Heft II ausgeführt, stieß Marx auf Seyds Buch durch seine Lektüre des „Economist“ und der „Money Market Review“ im Januar 1869. Der „Economist“ hob gerade Seyds kenntnisreiche Darstellung der Behandlung, des Testens und Versendens von Edelmetallen hervor: „There is a full account of every kind of money used, both paper and coin; of assaying and coining; of the methods of transporting bullion; and of the exchanges with foreign countries, with numerous tables and illustrations. The information is apparently so detailed and so clearly given, that the business of a bullion dealer or a cambist might be learned from the book.“ (The Economist, 23. Mai 1868. S. 593.) Die Zeitschrift empfahl das Buch nicht nur Bullion-Händlern, Geldwechslern („cambists“), Bankiers und im internationalen Handel tätigen Händlern, sondern auch den „students of political economy, anxious to know exactly a certain class of facts with which his [sic] science deal“ (ebenda). Marx selbst hatte in den „Grundrissen“ von 1857/1858 geschrieben: „Die Untersuchung über die edlen Metalle als die Subjecte des Geldverhältnisses, die Incarnationen desselben, liegt also keineswegs, wie Proudhon glaubt, ausserhalb des Bereichs der politischen Oekonomie“ (MEGA II/1. S. 104). Bei Seyd konnte er ungewöhnlich reichhaltiges Material für eine solche Untersuchung vorfinden.
7Im Abschnitt über die chemischen Prozesse der Veredlung des Bullion sowie im Abschnitt über die Methoden der Probierkunde ergänzt Marx seine Exzerpte mit chemischen Formeln, die sich nicht bei Seyd befinden. Einige Zusätze stammen aus Henry Enfield Roscoes „Kurzes Lehrbuch der Chemie“, dessen deutsche Ausgabe von Carl Schorlemmer bearbeitet wurde. Aus der ersten Auflage dieses Buchs (Braunschweig 1867) hatte Marx in Heft „1868“ exzerpiert; über die zweite (Braunschweig 1868) verfügte er ebenfalls (siehe Entstehung und Überlieferung). Zwischen Mitte 1877 und Anfang 1883 exzerpierte er aus der vierten Auflage des „Kurzen Lehrbuchs der Chemie“ (Braunschweig 1873) und weiteren Werken der beiden (MEGA IV/31. S. 3–463). Ein Handexemplar der vierten Auflage befand sich in seiner persönlichen Bibliothek (MEGA IV/32. Nr. 1139).
Friedrich Ernst Feller, Carl Gustav Odermann: Das Ganze der kaufmännischen
Arithmetik
8 Fr[iedrich] E[rnst] Feller, C[arl] G[ustav] Odermann: Das Ganze der kaufmännischen Arithmetik. Für Handels-, Real- und Gewerbschulen, so wie zum Selbstunterricht für Geschäftsmänner überhaupt. 7., verm. und in Folge der im Münz- und Gewichtswesen eingetretenen Veränderungen z. Th. umgearb. Aufl. Leipzig 1859. (S. 27–32.)
9Das Buch von Friedrich Ernst Feller und Carl Gustav Odermann kann als eines der am weitesten verbreiteten deutschen Lehrbücher zum kaufmännischen Rechnen im 19. und 20. Jahrhundert angesehen werden. Sein Inhalt ist die ganze Breite des kaufmännischen Rechnens als angewandte Arithmetik. (Siehe Entstehung und Überlieferung.)
10Marx erhielt das Buch in der siebten Auflage von 1859 durch die Erbschaft der Bibliothek des am 9. Mai 1864 verstorbenen Wilhelm Wolff (MEGA III/12. S. 526). Um einen Überblick über die Titel aus der nachgelassenen Bibliothek von Wolff zu haben, erstellte er eine Liste, in der sich auch die „Kaufmännische Arithmetik“ befindet (MEGA IV/18. S. 13.40). Die Bücher aus dieser Erbschaft trafen am 3. Juni 1864 in London ein (siehe MEGA IV/18. S. 890); das Buch von Feller/Odermann ist in Marx’ Bibliothek überliefert (siehe MEGA IV/32. Nr. 417). Marx zog es schon kurz darauf im Manuskript zum dritten Buch des „Kapital“ heran, das im Jahr 1864/1865 entstand (MEGA II/4.2. S. 386). Exzerpiert hat er das Buch erstmals im Februar/März 1869 in „1869 I Heft“ und im Folgeheft „Heft II. 1869“ (siehe MEGA IV/19). In einer ungefähr parallel zu diesen Exzerpten entstandenen Fußnote für Manuskript II des zweiten Buchs des „Kapital“ lobte Marx – offensichtlich Feller/Odermann im Blick habend – die „modernen deutschen Lehrbücher über ‚Kaufmännische Arithmetik‘“, die „sich durch Universalität, klare Fassung der entscheidenden Gesichtspunkte u. Beseitigung nutzlosen Detailkrams vortheilhaft“ auszeichnen würden gegenüber „den abscheulichen, Lombardstreet riechenden englischen ‚Cambists‘“ (MEGA II/11. S. 33.36–39), zu denen er das Werk von Ernest Seyd zählte, aus dem er dieser negativen Bewertung ungeachtet im vorliegenden Heft und im vorangehenden Heft II umfangreiche Exzerpte anfertigte (siehe oben).
11Mehr als neun Jahre nach den ersten Exzerpten nimmt sich Marx Feller/Odermanns Lehrbuch in den vorliegenden Heften erneut vor. Bereits in Heft II (dort, S. 144) in seinen Überlegungen zum Wechselkurs fügte er einige Definitionen daraus hinzu. Dann trägt er in das vorliegende Heft (S. [0]) eine Überlegung zu Gewinn- und Verlustrechnung daraus ein. Schließlich beginnt er, unmittelbar nach denen aus Seyd, Exzerpte aus dem Buch unter der Überschrift „Zwischenschub“. Die Überschrift könnte darauf hindeuten, dass Marx zunächst plante, nach diesem „Zwischenschub“ wieder zu Seyd zurückzukehren, was er in der Folge allerdings nicht tat. Stattdessen führte er im Folgeheft (Heft IV) seine Exzerpte aus der „Kaufmännischen Arithmetik“ weiter.
12Im vorliegenden Heft macht sich Marx mit der Gesellschaftsrechnung und der Alligationsrechnung vertraut. In Feller/Odermanns Lehrbuch wird eingangs des entsprechenden Paragraphen erläutert: „Die Gesellschaftsrechnung, auch Repartitions- oder Vertheilungsregel genannt, wird in allen den Fällen angewendet, in welchen es sich darum handelt, eine Grösse nach gewissen gegebenen Verhältnissen zu theilen. Die Theile, in welche eine solche Grösse getheilt werden soll, dürfen jedoch nicht durchgängig gleich sein; denn eine Aufgabe, wie z. B. 9 Personen sollen sich zu gleichen Theilen in 108 [Thaler] theilen, wird durch eine einfache Division mit 9 gelöst.“ (Feller/Odermann, S. 144.) Marx könnte sich für die Gesellschaftsrechnung im Zuge seiner Studien zum Aktienwesen – die Verteilung des Profits in Kapitalgesellschaften mit verschiedenen Anteilseignern – interessiert haben. Schon nach dem ersten Beispiel führt Marx auf S. 27 eine eigene Berechnung der Mehrwert- und Profitrate eines gegebenen Kapitals durch, die sich allerdings nicht auf eine Kapitalgesellschaft bezieht. In Heft IV bemerkt er dagegen den Nutzen der Gesellschaftsrechnung für Probleme des dritten Buchs des „Kapital“: „Bei Berechnung der allgemeinen Profitrate, so weit in Betracht kommen solche Surplusprofite, ist Rechnung wie bei Gesellschaftsrechnung, wo einzelne der Associés besondre Prämie neben dem mit den andern gleichen Antheil erhalten.“ (Heft IV, S. [63].)
13Die Alligationsrechnung (Mischungsrechnung) berechnet dagegen einen Durchschnitt. Besteht eine Mischung aus verschiedenen Teilen mit ungleichem Wert, kann mithilfe der Alligationsrechnung die Qualität dieser Einheit ermittelt werden.
Zeugenbeschreibung
- H Originalhandschrift: IISG, Marx-Engels-Nachlass, Sign. B 142/B 132b.
- Beschreibstoff: Exzerptheft, besteht aus 23 einst gefalteten und mit Schnur gebundenen Bogen (oe 46 Blätter, 92 Seiten) weißen, festen, blaulinierten Papiers im Format 195 × 320 mm (20 Linien pro Seite). Heftdeckel aus dünnen, mit schwarzem Leinen bezogenen Pappen im Format 195 × 160 mm. Erste Seite des ersten Bogens auf die vordere Deckelinnenseite, letzte Seite des letzten Bogens auf die hintere Deckelinnenseite geleimt. Das von Engels auf den vorderen Umschlagdeckel geklebte Etikett aus weißem, jetzt vergilbtem Papier im Format 113,5 × 86 mm.
- Zustand: Deckelrücken nur noch durch die Heftung am Heft gehalten. Sonst gut erhalten. Das ursprünglich vorletzte Blatt herausgeschnitten.
- Schreiber: Marx, Engels (nur Etikett).
- Schreibmaterial: Schwarze Tinte (Fragment).
- Beschriftung: 1878, 1882 (Marx) und 1883 (Engels). Auf S. 36/37 des Hefts Auszüge aus Sylvestre-Franc¸ois Lacroix: Traité de calcul différential et intégral, 2. éd. Paris 1810, auf S. 38–86 sowie auf der hinteren Deckelinnenseite (S. [87]) Auszüge aus Jean-Louis Boucharlat: Elementary Treatise on the Differential and Integral Calculus, Cambridge 1828, John Hind: The Principles of the Differential Calculus, with its Application to Curves and Curve Surfaces, 2. ed., Cambridge 1831, Thomas G. Hall: Differential and Integral Calculus, [London] 1834, und Jean Sauri: Cours complet de mathématiques, T. 3, Paris 1778. Hier zahlreiche Benutzungsvermerke (Erledigungsvermerke oder Anstreichungen) mit Blei-, Rot-, Grün- und Blaustift. Die herausgeschnittenen Blätter (siehe oben) waren ebenfalls beschriftet (Schriftreste auf den Schnittkanten), aber offenbar nicht mit Auszügen, und wurden vor der durchgängigen Paginierung der hinteren Seiten des Hefts entfernt.
- Paginierung: Erste Heftseite mit 1, danach durchgängig bis 86. Neben 22/23 auch 22a und 23a, dagegen 64/65 und 74/75 übersprungen.
- Vermerke fremder Hand: Auf jeder Seite Fotosign. CR, auf dem Etikett CR 0 und auf vorderer Deckelinnenseite CR 1a. Auf Etikett und S. 1 Archivsign. B 132b. Alles mit Bleistift. Auf Deckelinnenseite und allen ungeraden Seiten Archivstempel des IISG.
Zitiervorschlag
Timm Graßmann: Entstehung und Überlieferung zu Heft III (1878). In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital, Bd. IV/25, hg. v. der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://megadigital.bbaw.de/M4200150. Abgerufen am 08.08.2026.