| Mchr 25 Jan 1870.
Lieber Mohr
Es war mir ein großer relief zu erfahren daß es diesmal nur ein Drüsen Absceß war & kein Karbunkel. Die Hereinziehung der Drüse (axillaris) wird bei Deinem entschieden anti-lymphatischen Temperament nur secundär gewesen sein & nichts zu bedeuten haben. Die lange Verschleppung die daraus entstand daß Du das Ding als Karbunkel behandeltest, erklärt diesen Umstand hinlänglich.
Seit Januar 1868,
wahrscheinlich seit Ende 1867, trug sich Engels mit dem Gedanken, eine
Geschichte Irlands zu schreiben. Mit den ersten Literaturrecherchen
begann er im Juli 1869 und unternahm im September 1869 eine Reise durch
Irland. Anschließend arbeitete er umfangreiche Literatur und zahlreiche
historische Quellen durch. Seine überlieferten bibliographischen
Verzeichnisse enthalten mehr als 150 Titel. In sechzehn Heften sind
Textauszüge überliefert, dazu noch Notizen und Fragmente auf einzelnen
Blättern, sowie eine große Zahl von Zeitungsausschnitten. Mit der
Ausarbeitung des zusammengetragenen Materials und der Formulierung
seines Manuskripts begann Engels wahrscheinlich im März/April 1870. Er
schrieb das erste Kapitel „Naturbedingungen“ (MEGA2 I/21. S. 185.1–203.14) und begann
mit dem zweiten „Altirland“ (Ebenda. S. 203.16–219.8), das er nicht mehr
abschloß. Nach Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges im Juli 1870
unterbrach Engels seine Arbeit zugunsten der Artikelserie „Notes on
theWar“ (Ebenda. S. 250–473) und nahm sie später nicht wieder auf. Siehe
Friedrich
Engels: Vorarbeiten und Entwürfe für das Buch über die Geschichte
Irlands. In: MEGA2 I/21. S.
185–219 und 1506–1512 und
MEGA2 IV/20 [noch nicht ersch.].
Siehe auch Jürgen
Herres: Marx und Engels über Irland. Ein Überblick. Artikel, Briefe
Manuskripte und Schriften. In: Marx-Engels-Jahrbuch 2011. S.
12–27.
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endlich erhalten – & wie es denn immer geht –
2 Exemplare auf einmal; nämlich W H Smith
& Sons haben auch eins aufgetrieben. Heut Abend werd ich
fertig damit. Das Buch ist wichtig wegen der vielen Auszüge aus ungedruckten
Acten. Daß es out of print ist, kein Wunder. Longman
& Co müssen furchtbar wüthend gewesen sein daß man sie
veranlaßt, ihre Namen auf ein solches Buch zu setzen,
& da es sicher in Engld sehr wenig Absatz gefunden (Mudies haben kein Exemplar) so werden sie
die Auflage sobald wie möglich zum Einstampfen oder aber, was wohl möglich, an
ein Consortium irischer Landlords (zu demselben Zweck) verkauft haben, &
sicher keine 2te drucken. Was der Mann von der anglonormannischen Periode
sagt ist insofern richtig daß diese Periode für die Iren & Anglo-Iren die in
einiger Entfernung von der Pale lebten, so ziemlich die alte Bummelei von vor
der Invasion fortsetzte, | & daß auch die Kriege dieser Periode einen
mehr gemüthlichen Charakter hatten (mit wenigen Ausnahmen) nicht den
determinirten Verwüstungscharakter der im 16. Jhdt aufkam & dann Regel
blieb. Aber seine Theorie daß die enorme Liebenswürdigkeit der Iren
& besonders Irinnen jeden noch so feindseligen Einwandrer sofort entwaffnet, ist eben thoroughly Irish,
die
wie
eben
vor der
die
irische Anschauung den Gradunterschied nicht kennt.
Siehe Engels
an Marx, 16.12.1869.
Schließen Von Giraldus Cambrensis ist eine neue Ausgabe
erschienen: Giraldi Cambr. Opera, edidit
J. S. Brewer, London Longman & Co 1863, mindestens 3 Bände, könntest Du mir erfahren was der Preis ist &
ob das Ganze oder doch der Band der die Topographie Hiberniae & allenfalls noch Hibernia expugnata enthält, secondhand billig zu haben wäre?
Um dem Cromwell gegenüber mich nicht zu blamiren, werde ich aber auch noch bedeutend die engl. Geschichte der Periode ochsen müssen. Das schadet nun sonst nicht, raubt aber Zeit.
Die franz. Blätter lese ich mit Dank & Interesse & schick sie morgen zurück nebst einigen Zukünften. Bei diesem Blatt wird es dem Leser wie dem Schreiber immer schwüler & schwieriger zu Muth.
Es ist Postschluß, also adieu. Beste Grüße an Alle.
DeinF. E.
Zeugenbeschreibung und Überlieferung
Zeugenbeschreibung
Soweit aus der Fotokopie zu ersehen ist, besteht der Brief aus einem Bogen weißem Papier. Engels hat die ersten zwei Seiten vollständig beschrieben, die übrigen zwei Seiten sind leer. Schreibmaterial: schwarze Tinte.
Von Eduard Bernsteins Hand: Nummerierung des Briefes mit schwarzer Tinte: „472“ bzw. der beschriebenen Seiten mit Bleistift: „4,1“ und „4,2“ (auf der ersten Seite oben rechts) redaktionelle Vermerke und Streichungen.
Von Heinrich Dietz' Hand: Nummerierung des Briefes mit Bleistift: "1167" (auf der ersten Seite oben links).
Zitiervorschlag
Friedrich Engels an Karl Marx in London. Manchester, Dienstag, 25. Januar 1870. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital, hg. v. der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://megadigital.bbaw.de/M8705446. Abgerufen am 08.08.2026.