| Barmen 26 April 1870.
Lieber Friedrich
Deinen Nicht überlieferter Brief von
Engels an E. Engels,
31.3.1870.
Schließen Brief vom 31t
März habe ich erhalten u. kann Dir heute Gott sei
Dank sagen daß ich mich wieder wohl u. eben so kräftig fühle wie vor
der
überstandenen Krankheit. Es ist ein eigenes Gefühl wenn man da liegt ohne
Schmerzen, ohne ein besonderes Gefühl von Schwäche u. denkt, vieleicht über
wenige Tage liegst Du schon im Grabe. Der
Doctor
sagte mir zwar nicht daß mein Zustand dies befürchten ließe aber sein Benehmen
bei der Sache zeigte doch daß es möglich sei. Sterben müssen wir nun einmal
Alle, nichts ist gewisser wie das, aber es ist doch ein ernster Gedanke
besonders wenn man es nahe vor sich sieht u. nichts kann uns den Weg durch diese
dunkle Pforte erleichtern wie die Gnade Gottes. | Er gebe daß ich u. alle
meine Kinder mit der Hoffnung u. Zuversicht auf diese Gnade einst aus diesem
Leben scheiden.
Hebchen ist
vorgestern wieder nach Engelsk. abgereißt, sie war mir beinah ¼ Jahr eine
angenehme u. heitere Gesellschaft. Ich erwarte nun Elise mit den beiden kl. Adolf u. Anna anfangs Mai,
lange wird sie wol nicht bleiben, weil die Kinder ihre Stunden nicht so lange
versäumen dürfen, wenn sie wieder abgereißt ist denke ich auch gleich nach
Engelsk. zu gehn, wo ich Dich dann im Laufe des Sommers erwarte. Ich glaube
nicht daß ich in diesem Sommer nach Ostende gehe, der
Doctor
sagt mir baden solle ich nicht mehr in der See, wenn ich auch die Luft genießen
wolle. Die Ausschnitte aus der Zeitung habe ich Emil geschickt. Hier im Geschäft sieht es nicht sehr erfreulich
aus, die | Bilanz ist nicht gut ausgefallen, überhaupt gehen viele Geschäfte
nicht besonders gut u. hauptsächlich auch die in Cordel u. Litzen. E. Blank u. Marie sind jetzt sehr beschäftigt ihre neue Besitzung am Rhein
einzurichten, die Möbel sind alle bestellt u. sie hoffen bis zum Juni einige
Zimmer so weit in Ordnung zu haben daß sie mit den
Emil (jun.), Rudolph, Cecile,
Elise und Alice Blank.
Schließen Kindern Pfingsten da
zubringen können. Für Marie ist dies doch einigermaßen eine Ableitung von dem
sterben der Marie, worin sie sich immer noch
nicht finden kann. Roberth
Bartels zieht mit seinen
Robert (jun.), Hermann Barthels.
Schließen Kindern gleich nach Ostern wieder
in seine Wohnung u. seine jüngste
Schwester
führt ihm dann die Haushaltung; er hat zwei prächtige Jungen. Die Besitzung von
Blanks liegt
gegenüber
von Andernach, ich glaube das Dorf dabei heißt Leudesdorf, | 1½ Stunde
unterhalb Newied, das Haus, die Burg genannt liegt unmittelbar am Rhein u. ein
großer Garten mit Obst ebenfalls, auch gehören einige Weinberge dazu u. E. B.
wird wol künftig seinen eigenen Wein trinken. Sonst giebt es nichts besonders
Neues in der Familie als daß Hedwig wieder
eine
Vermehrung der ihrigen erwartet, was jetzt nicht grade sehr
erfreulich ist.
Daß Du Deine Frühjahrsgrippe so leicht überstanden hast freut mich, hoffentlich wird sie nicht noch einmal kommen, es will mit dem Frühjahr noch nicht voran u. hier sind die Linden noch ohne Blätter, nur an den Kastanien sieht man dicke Knospen.
Für heute leb wohl, Hermann macht Deinen Rechnungsabschluß fertig u. da der Brief noch nicht gleich zur Post muß, wirst Du ihn wol darin finden.
Nun Gott behüte Dich u. sei mit uns Allen. Mit treuer Liebe u. Grüße von den Geschwistern
Deine treue Mutter E.Zeugenbeschreibung und Überlieferung
Dieser Brief wird hier erstmals veröffentlicht.
Zeugenbeschreibung
Veröffentlichung nach einer Ersttranskription des RGASPI. Die Originalhandschrift konnte nicht eingesehen werden.
Zitiervorschlag
Elisabeth Engels an Friedrich Engels in Manchester. Barmen, Samstag, 16. April 1870 . In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital, hg. v. der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://megadigital.bbaw.de/M8695768. Abgerufen am 23.10.2026.