| Manchester, 12. Septbr 1870.
Lieber Mohr,
Siehe Marx
an Engels, 10.9.1870.
Schließen Unsre Freunde drüben — in Deutschland wie in
Frankreich —
überbieten sich allerdings gegenseitig in politischer Geschicklichkeit. Diese
Esel in Braunschweig! Sie waren bange Du würdest es ihnen übelnehmen wenn sie
die ihnen gegebenen Gesichtspunkte verarbeiteten, & so gaben sie’s wörtlich.
Eigentlich unangenehm ist indeß nur die Stelle von der Verlegung des
Schwerpunkts. Das zu drucken übertrifft Alles an Taktlosigkeit. Indeß ist zu
hoffen daß die Pariser jetzt was Andres zu thun haben als sich dem Studium
dieses Siehe Manifest des Ausschusses der Social-Demokratischen
Arbeiterpartei zum Deutsch-Französischen Krieg.
Braunschweig-Wolfenbüttel, 5. Sept. 1870. Buchdruckerei Heinrich
Sievers, 1870. Vgl. MEGA2 I/21. S.
1062–1066.
Schließen Manifests zu widmen, namentlich, da sie kein Deutsch
verstehn. Ihr Deutsch in der Siehe An das deutsche Volk! An die Social-Demokratie der
deutschen Nation. In: Der Volksstaat. Leipzig. Nr. 73, 11. September
1870. S. 1, Sp. 3–S. 2, Sp. 1. — Deutsche Übersetzung
des Aufrufs von Pariser Mitgliedern der Internationale „Au Peuple Allemand.
A la Démocratie Socialiste Allemande“ (In: La Cloche. Paris.
Nr. 242, 7. September 1870. S. 2, Sp. 5; In: L’Internationale.
Bruxelles. Nr. 87, 11. September 1870. S. 1, Sp. 1). Vgl. MEGA2 I/21. S.
1765.
Schließen Proclamation
ist schön. Und Wilhelm in seinem
Blatt lobt dies chauvinistische
Machwerk. Longuet ist auch gut. Weil ihnen der Wilhelm I
eine Republik geschenkt hat, soll jetzt gleich in Deutschland Revolution gemacht
werden. Warum haben sie denn keine gemacht nach der spanischen?
Siehe
Politische Übersicht. In: Die Zukunft. Berlin. Nr. 210, 9. September
1870. S. 1, Sp. 2. Vgl. MEGA2 I/21. S.
2274.
Schließen Der Passus über Elsaß & Lothringen
aus dem Manifest ist
in der heutigen „Zukunft“ abgedruckt,
aber als von den Braunschweigern
ausgehend. Siehe Karl Marx:
Second Address
of the General Council of the International Working Men's
Association on the War. (MEGA2 I/21. S. 485–491 und Erl. S.
1751–1766. / Karl Marx: Zweite Adresse des Generalrats der Internationalen
Arbeiterassoziation über den Deutsch-Französischen Krieg.
(MEGA2 I/21. S. 492–499 und Erl. S.
1767–1776).
Schließen Schick mir 2 oder mehr Abdrücke der neuen Adresse,
sobald sie fertig.
Wenn man in Paris irgend etwas thun könnte, so müßte man ein Losschlagen der Arbeiter vor dem Frieden verhindern. Bismark wird bald in der Lage sein den Frieden abzuschließen, sei es durch Einnahme | von Paris, sei es daß die europäische Lage ihn dazu nöthigt, dem Krieg ein Ende zu machen. Wie auch der Friede ausfällt, er muß abgeschlossen sein ehe die Arbeiter irgend etwas machen können. Siegen sie jetzt — im Dienst der Nationalvertheidigung — so haben sie die Erbschaft Bonapartes & der jetzigen Lauserepublik anzutreten, & werden von den deutschen Armeen nutzlos niedergeschlagen & wieder um 20 Jahre zurückgeworfen. Sie selbst können bei dem Abwarten nichts verlieren. Die etwaigen Gränzveränderungen sind ohnehin nur provisorisch & werden wieder umgeworfen. Sich für die Bourgeois gegen die Preußen zu schlagen wäre Wahnsinn. Die Regierung, wer sie auch sei, die den Frieden schließt, wird dadurch schon auf die Dauer unmöglich, & die aus der Gefangenschaft heimkehrende Armee wird nicht sehr zu fürchten sein in inneren Conflicten. Nach dem Frieden sind alle Chancen günstiger für die Arbeiter als sie je vorher waren. Aber werden sie sich nicht wieder fortreißen lassen unter dem Druck des auswärtigen Angriffs, & die soziale Republik proclamiren am Vorabend des Sturms auf Paris? Es wäre scheußlich wenn die deutschen Armeen als letzten Kriegsact einen Barrikadenkampf gegen die Pariser Arbeiter auszufechten hätten. Es würde | uns um 50 Jahre zurückwerfen, und Alles so verschieben daß Jeder & Jedes in eine falsche Stellung käme, & dann der Nationalhaß und die Phrasenherrschaft, die dann unter den französischen Arbeitern aufkommen würden!
Es ist verdammt schlimm daß die Leute in Paris so selten sind die es wagen in der jetzigen Lage die Dinge so sehen zu wollen, wie sie wirklich sind. Wo ist einer in Paris der nur zu denken wagt daß die active Widerstandskraft Frankreichs für diesen Krieg gebrochen ist, & damit die Aussicht auf eine durch eine Revolution zu bewirkende Austreibung der Invasion fällt! Eben deßwegen weil die Leute die thatsächliche Wahrheit nicht hören wollen, fürchte ich daß es noch dazu kommt. Denn die Apathie der Arbeiter vor dem Sturz des Empire wird sich jetzt wohl geändert haben.
Wie das Buch von Schäffle betitelt ist, könntest Du auch wohl mittheilen. Da hast Du den wahren Gegner. Der Mensch war im Zollparlament & ist ein ganz ordinärer Vulgärökonom, schon mehr Faucher, aber Schwabe. An dem Buch wirst Du Freude erleben.
Da wie es scheint jedenfalls etwas annexirt wird, wäre es an der Zeit uns über eine Form zu besinnen worin Deutsche & Franz. Arbeiter sich darüber verständigen dies Alles als nul & non avenu anzusehn & bei gelegener Zeit rückgängig zu machen. Meine Ansicht war daß dies schon bei Ausbruch des | Kriegs nützlich gewesen wäre; jetzt aber, wo das Schicksal des Abtretens die Franzosen trifft wird es nöthig, die Kerle werden sonst mörderlich schreien.
Sage Tussy, meine Frau sei ihr für ihren Brief sehr dankbar & sie werde dieser Tage Antwort erhalten. Mit besten Grüßen an Euch Alle
DeinF. E.
Zeugenbeschreibung und Überlieferung
Zeugenbeschreibung
Soweit aus der Fotokopie zu ersehen ist, besteht der Brief aus einem Bogen weißem Papier. Engels hat die ersten drei Seiten vollständig, die vierte zu einem Drittel beschrieben. Schreibmaterial: schwarze Tinte.
Von Eduard Bernsteins Hand: Nummerierung des Briefes auf der ersten Seite oben rechts mit schwarzer Tinte: „506“ bzw. der beschriebenen Seiten mit Bleistift: „73,1–4“, sowie redaktionelle Vermerke und Streichungen.
Von Heinrich Dietz’ Hand: Nummerierung des Briefes: „1236“.
Zitiervorschlag
Friedrich Engels an Karl Marx in London. Manchester, Montag, 12. September 1870. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital, hg. v. der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://megadigital.bbaw.de/M3949922. Abgerufen am 08.08.2026.