| Leutesdorf. 14 Juni 1871
Lieber Friedrich
Ich bin schon beinah
14 Tage hier, erst bei kaltem u. recht unfreundlichem Wetter jetzt aber bei
schönem u. warmem Sonnenschein. Marie hat
die Pfingstferien mit ihren Emil,
Rudolph, Cecile, Elise und Alice
Blank.
Schließen Kindern u. noch 4 andern, 2 von Hedwig und Friedrich Wilhelm Boelling.
Schließen Boellings eine von Hermann Engels und dessen Frau Emma.
Schließen Hermanns u. eine andere kleine
Gespielin von Barmen mit hierher gebracht, dazu hat sie Roberth Bartels mit den Robert
Barthels jr. und Hermann Emil
Barthels.
Schließen zwei kleinen
Knaben u. mich hier, auch ihre beiden
Söhne von denen aber Emil gestern abgereist
ist um den Einzug der Truppen in Berlin mit anzusehn, das Haus ist hier also
recht voll. Am nächsten Montag reisen wir wieder ab, da die Schulen schon wieder
angefangen haben, Marie nach Barmen u. ich
mit Cecil Blank, Clara Boelling u. Selma
Engels nach Engelskirchen. Ich dächte Du könntest nun auch wol
bald dahin kommen, denn der Krieg ist nun zu Ende u. Zeit hast Du ja jetzt so
viel Du haben willst.
| Die
Geschäftsangelegenheit ist jetzt auch so weit in Ordnung daß nur der Contract
angefertigt zu werden braucht, es ist zu weitläuftig Dir alles zu schreiben aber
Du weist, wenn die Kinder ihren Will[e]n bekommen
sind sie zufrieden u. so geht es mit Adolf
auch. Ich muß sagen es wird mir in diesem Sommer etwas schwer nach Engelskirchen
zu gehn u. um in der ersten Zeit nicht so allein zu sein nehme ich die
drei
Mädchen mit, später wird auch wol Anna Boelling kommen, die Kinder sind sehr gern dort u. freuen
sich sehr wenn ich sie einlade u. ich freue mich wenn sie heiter u.
vergn[üg]t sind, es thut mir besonders für
Adolf
von Griesheim (jun.) und Anna
von Griesheim.
Schließen Elisens
Kinder leid daß sie fort gehn, sie
werden noch oft nach dem Engelsk. Leben zurück verlangen.
E. Blank senr. ist jetzt eigentlich mehr hier wie in Barmen u. ist hier recht am | verschönern u. verbessern, er baut noch Ställe, legt Springbrunnen an u. Verandas u. es hat sich schon sehr verschönert seid er es hat d. h. die Marienburg. Marie ist sehr darauf bedacht ihre Milchwirtschaft zu verbessern u. wünscht so viel Kühe zu haben daß sie jeden Tag buttern könnte, mit der Zeit wird sie auch schon so weit kommen. Ich will Dir schreiben wann die Ferien wieder in Barmen sind, dann kommst Du nach Engelsk. u. wir gehn dann zusammen hierher.
Herm. schreibt mir vor einigen Tagen daß seine Frau am vorigen Sonntag von einem Knaben entbunden wurde, das Kind aber leider wieder bei der Geburt gestorben ist. Es freut mich daß sie doch den kl. Walter, der jetzt etwas über zwei Jahre alt ist haben, er macht ihnen viele Freude u. ist ein kleiner komischer Kerl, wird aber auch wie gewöhnlich die Kleinsten recht verzogen.
Von den anwesenden Familiengliedern soll ich Dir die herzlichsten Grüße sagen, Marie ist | diesen Morgen mit ihrem Mann, Cecil und Alice nach Würzburg zu einer Consultation bei dem Ohrenarzt gereist, sie hoffen aber bis am Freitag wieder hier zu sein.
Wir haben hier täglich lange Eisenbahn Züge mit Franzosen wieder nach Frankreich zurück fahren sehn, die Züge gehn freilich an der andern Seite des Rheins aber man kann die rothen Hosen bis zu uns herüber leuchten sehn.
Nun leb wohl für heute u. schreibe mir recht bald wann Du kommen willst.
Mit treuer LiebeDeine Mutter E.
Zeugenbeschreibung und Überlieferung
Dieser Brief wird hier erstmals veröffentlicht.
Zeugenbeschreibung
Soweit aus der Fotokopie zu ersehen ist, besteht der Brief aus einem Bogen weißem Papier. Elisabeth Engels hat drei Seiten vollständig beschrieben und die letzte Seite zu zwei Dritteln. Schreibmaterial: schwarze Tinte.
Masch.-schr. Nummerierung (aufgeklebte Zettel): „832a–b“ und handschriftlich: „832“.
Die Textverluste durch Lochung des Papiers konnten rekonstruiert werden.
Die Schreibung wurde nicht berichtigt.
Zitiervorschlag
Elisabeth Engels an Friedrich Engels in London. Leutesdorf, Mittwoch, 14. Juni 1871. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital, hg. v. der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://megadigital.bbaw.de/M1942757. Abgerufen am 10.08.2026.