| Hoboken N. J. /
Letterbox 184

30. decemb. 1870

Lieber freund,

ich bin seit ein paar tagen wieder hier angekommen. Meine company hat mich schmählich mit geldern im stich gelassen, so daß ich viel mühe hatte, mir das reisegeld zusammen zu borgen und jezt werde ich meinen gehalt hier einklagen müssen.

  Marx an S. Meyer, 2.9.1870.
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Ihren brif
wollte ich nicht beantworten, ehe ich über die bewegung durch Vogt unterrichtet war. Mein brifwechsel mit diesem war aber durch seine mangelhafte adresse ins stocken gerathen und er selbst schreibt sehr ungern. Ich habe ihn vorgestern gesprochen und wir wollen ihnen ausführlich mit der nächsten post schreiben, während ich heute nur kurz Vogt’s ansichten berichten will.

Vorerst bestreitet er, Schily verdächtigt zu haben. Sorge schrieb ohne jeden auftrag so viele briefe nach allen seiten, daß Vogt dagegen einsprache erheben mußte, weil er die ehre des vereins dadurch gefährdet glaubte. – Sorge hat in der that seit anfang dieses jahres eine erstaunliche thätigkeit entfaltet und aus den vielfachen kundgebungen der hiesigen sectionen solte man auf lebendiges wirken schließen. Doch behauptet Vogt, daß die deutschen trades-unions in voller auflösung seien, nur 2 vereine beständen eigentlich noch und der einfluß unserer sektion auf diese trades-unions hätte auch abgenommen. Die pläne, welche Sorge jezt beschäftigen, sind die gründung einer wochenzeitung und eines central-komites für die Vereinigten Staaten. Ueber lezteren plan wird man ihnen schon geschrieben haben. Der gedanke, daß 4 sektionen die ganze Amerikanische bewegung leiten sollen, erscheint mir so lächerlich, daß ich nicht begreife, wie er hat zustimmung finden können.

Ueber den landschwindel der regierung im Westen konnte ich selbst nicht viel mehr auftreiben als einige kurze zeitungs-ausschnitte, die sie nächstens bekommen sollen. Wenn ich irgend ein mitglied des Congresses kennen würde, könte ich ihnen amtliche documente schicken. Schreiben sie doch an Wilson , Commissioner of the General Land Office, Washington D.C. Ich glaube, er wird ihnen alles, was sie brauchen, zur verfügung stellen.

Nächstens mehr! Ihre gesundheit ist hoffentlich ohne tadel. Besten gruß.

Sigfrid Meyer.

Zeugenbeschreibung und Überlieferung

Dieser Brief wird hier erstmals veröffentlicht.

Absender

Briefkontext

Zeugenbeschreibung

Soweit aus der Fotokopie zu ersehen ist, besteht der Brief aus einem Blatt weißem, liniertem Papier. Meyer hat die erste Seite vollständig beschrieben, die Rückseite ist leer. Schreibmaterial: schwarze Tinte.

Archivsignatur des Moskauer Marx-Engels-Instituts (IMĖ) auf der beschriebenen Seite: „Rj 132“.

 

Zitiervorschlag

Sigfrid Meyer an Karl Marx in London. Hoboken, Freitag, 30. Dezember 1870. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital, hg. v. der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://megadigital.bbaw.de/M0525049. Abgerufen am 24.09.2026.

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