| Palmerston Buildings,
93, Bishopsgate Street, E. C.

London, 17 Juni 1869.

Lieber Engels,

Vorgestern besuchte mich Marx – und seinen Bemerkungen über die Bankgeschichte konnte ich entnehmen, wie Sie das Ding beschauen. Ihr Brief von gestern, für den ich bestens danke, ist eine weitere Bestätigung.

Ich war von vornherein ganz der Ansicht, die Sie ausdrücken, ja meine Frau wurde ganz unruhig drüber, daß ich nur dran denken konnte, einen ähnlichen Vorschlag in Erwägung zu ziehen. Bei ihr ists reine Gefühlssache; sie glaubt fest, daß | mir kein Anhängigkeitsverhältniß der Art passen kann. Sie war ganz glücklich, als ich ihr Marxes Meinung heimbrachte und mit der Übersetzung Ihres Briefes werde ich ihr heute Abend eine ordentliche Freude bereiten.

Ich hatte schon einmal das Oppenheimsche Anerbieten, fünf Jahr in Egypten zu bleiben mit £ 4000 jährlich und freier Station, abgelehnt. Jetzt wieder so einen anscheinend glänzenden Posten abzulehnen – das wollte ich doch nicht thun, ohne Andere zu hören. 99 Kerle von 100 werden mich deswegen allein für verrückt verschreien.

Nun werde ich mich ganz passiv verhalten. Kommt man mir weiter mit Anträgen, so werde ich Bedingungen machen, die man kaum annehmen kann, wenn man nicht zugiebt, daß ich die Bank bin. Das wird | man nicht – also fertig. – Der Bremer Meyer, Präsident des norddeutschen Lloyd, ist auch einer der Direktoren. Daß aber auch Dr Loewe (Calbe) einer derjenigen ist, hat Reichenbach mir nicht gesagt. Das habe ich von seinem englischen Coadjutor in dieser Sache, gehört. –

Ich warte stündlich auf Entscheidung; da will es die Unterwelt, daß des Obmann Schwester plötzlich auf den Tod darniederliegt. Stillehalten – hoffentlich Zulage kriegen! –

Genau kenne ich die Schärfe des preußischen Damoklesschwerts allerdings nicht. Jedoch annähernd genug wird der Schliff von dem Papier bezeichnet, welches man mir hier von der Gesandtschaft zum plackereifreien Besuch Preußens zugestellt hat. Es ist von drei Ministerien gezeichnet: Äußere – | Innere – Krieg!Bismark – pro – v. Lützow – pro – v. Podbielski! –

Ich beglückwünsche Sie, daß das „Geschäft“ ein Ende hat. – Soll ich mich beklagen? Auch nicht!

Dans cette vie – dans cette vie,
Ou tout varie – ou tout varie,
Ou chaque pas – ou chaque pas
Mène au tombeau – mène au tombeau;
Portons gaiement – portons gaiement
Notre fardeau!
Notre fardeau!
(Triller) (8 Töne tiefer)
Portons gaiemment notre fardeau
notre        fardeau
            Triller
            (10 Töne tiefer).

Das habe ich vor 18 Jahren in einem französischen Gefängniß von einem politischen Schuster gelernt.

Lucas à Louise était chère
Les deux l’amour les unit –
Mais hèlas – de la gentille ménagère
Bientôt la taille s’arrondit.
Son petit jupon d’écarlate
Va toujours en racourcissant,
De ce poids Louise se fla – a – a – tte
Elle dit toujours en souriant:

Nanu der obige refrain! –

Leben Sie wohl und nochmals meinen Dank! Jetzt haben Sie doch Zeit herzukommen! Also kommen Sie!

Ihr
Borkheim.

Zeugenbeschreibung und Überlieferung

Dieser Brief wird hier erstmals veröffentlicht.

Zeugenbeschreibung

Soweit aus der Fotokopie zu ersehen ist, besteht der Brief aus einem Bogen weißem Papier. Borkheim hat alle vier Seiten vollständig beschrieben. Schreibmaterial: schwarze Tinte.

Ovaler Aufdruck „Schröder & Schÿler & Co Established 1739 Bordeaux.“ auf der vierten Seite oben links, rechts daneben Adressaufdruck „65, Fenchurch Street E.C.“ (gestrichen, darüber roter Stempel mit neuer Anschrift) und Datumszeile „London, ___18_“.

Von unbekannter Hand: Nummerierung des Briefes oben auf der vierten Seite: „114.“ (blaue Tinte) und „59.“ (Bleistift).

 

Zitiervorschlag

Sigismund Ludwig Borkheim an Friedrich Engels in Manchester. London, Donnerstag, 17. Juni 1869. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital, hg. v. der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://megadigital.bbaw.de/M0001063. Abgerufen am 26.08.2026.

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