| Berlin, 31. October 1868.
Lieber Marx,
Von der Überzeugung durchdrungen, daß ich die Denunciation dem Consortium Schweitzer, Fritzsche, Hasselmann zu danken habe, gleichviel wer der nominelle Denunciant ist; daß die Denunciation nach dem 19. October, d. i. nach der zweiten Sitzung des Demokr. Arb. Vereins , und in Folge der Haltung, welche der Verein durch meinen Einfluß gegen dies Consortium angenommen hat, verfaßt und abgesandt worden ist, erhebe ich gegen den Denuncianten die Anklage
wissentlich falscher Denunciation.
Falls meine Begründung dieser Anklage, die ich morgen als Fortsetzung des einliegenden für den Generalrath bestimmten Briefes an Sie absenden werde, in Folge des stürmischen Wetters nicht am Dienstag in London eintreffen sollte, so bitte ich Sie, im Generalrath dahin zu wirken, daß der Denunciant aufgefordert wird:
- 1., so weit es ihm irgend möglich sei, die näheren thatsächlichen Umstände des bewußten Compromisses festzustellen und dem Generalrath zu übermitteln;
- 2., den Verfasser des dem Generalrath übersandten Berichts anzugeben, und außer Namhaftmachung des Verfassers
- 3., zwei oder drei Zeugen anzuführen, bei denen sich der Generalrath danach erkündigen könne, ob die Auffassung des Referenten sachgemäß und wahrheitsgetreu gewesen sei.
Ich kann dem Ausgange dieser Untersuchung mit großer Seelenruhe entgegensehen, da ich gegen das eventuelle Zeugniß von Hasselmann und Armborst von der Schweitzer’schen, oder Matthias und Preuss von der Wagner’schen Clique den ganzen Verein auf meiner Seite habe, der Compromiß aber erfunden ist. Verbürgen Sie sich daher unbedingt für mich.
IhrW. Eichhoff.
/ P. S. Wahrscheinlich wird das heutige demokratische Wochenblatt eine Berliner (von mir verfaßte) Correspondenz über den Demokr. Arb. Ver. bringen, welche Sie und den Generalrath vollkommen au fait setzen wird.
D. O.
Zeugenbeschreibung und Überlieferung
Dieser Brief wird hier erstmals veröffentlicht.
Zeugenbeschreibung
Der Brief besteht aus einem Blatt mittelstarkem, weißem Papier im Format 285 × 225 mm. Die erste Seite hat Eichhoff vollständig beschrieben, die letzte Passage („P.S. Wahrscheinlich. ... D. O.“) ist am linken Rand der ersten Seite quer geschrieben, die zweite Seite ist leer. Schreibmaterial: schwarze Tinte.
Von unbekannter Hand: Nummerierung des Briefes auf beiden Seiten „35.“; Bleistiftvermerke (quer geschrieben): „October“ am rechten Rand der ersten Seite oben bzw. „October 31. 1868“ am rechten Rand der zweiten Seite unten.
Zitiervorschlag
Wilhelm Eichhoff an Karl Marx in London. Berlin, Samstag, 31. Oktober 1868. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital, hg. v. der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://megadigital.bbaw.de/M0000815. Abgerufen am 23.10.2026.