Inhaltsbeschreibung und Datierung

1Mit der vorliegenden Edition werden zwei kleinere Exzerpte von Engels aus dem Jahr 1877 veröffentlicht. Es handelt sich um Notizen über die russische Armee während des Russisch-Türkischen Krieges von 1877/1878. Engels fertigte die Notizen auf zwei getrennten Blättern Papier an, weshalb sie trotz ihrer inhaltlichen Zusammengehörigkeit als voneinander getrennte Textzeugen ediert werden.

2In den Notizen verfolgte Engels über Monate hinweg Aufstellung, Stärke und Bewegung der russischen Truppen. Als Quellen diente ihm eine Vielzahl an englischen und deutschen Zeitungen und Zeitschriften. Ermittelt werden konnten: das „Militär-Wochenblatt“, die „Kölnische Zeitung“, „The Week’s News“, „The Daily News“, „The Daily Telegraph“ und die „Pall Mall Gazette“. In vielen Fällen notierte sich Engels Informationen aus zunächst einer Quelle und ergänzte seine Notizen im Laufe der Zeit dann durch weitere Angaben, mitunter aus anderen Quellen. Dies macht es wahrscheinlich, dass er noch weitere Quellen benutzt hat. In seinem Briefwechsel der Jahre 1877/1878 kam er neben der „Kölnischen Zeitung“ noch auf die Berichterstattung von „The Standard“ zu sprechen (siehe Engels an Marx, 31. Juli 1877).

3Engels hat die Notizen über einen längeren Zeitraum hinweg erstellt. Die erste benutzte Quelle stammt vom 28. April 1877, die letzte vom 4. Dezember 1877. Davon, dass die Notizen nicht in einem Arbeitsgang entstanden sind, zeugen auch die unterschiedlichen Schreibmaterialien, die verwendet wurden. Zum Teil scheint Engels sogar, wahrscheinlich um die unterschiedliche Entstehungszeit und den Fortgang der Truppenbewegung zu verdeutlichen, absichtlich zwischen Tinte und Bleistift gewechselt zu haben.

4Engels beobachtete den Verlauf des Russisch-Türkischen Krieges aufmerksam und kam in seinem Briefwechsel mehrmals darauf zu sprechen. Im Jahr 1877 prophezeite er mehrmals eine russische Niederlage (siehe seine Briefe an: Hermann Engels vom 9. Januar 1877, Philipp Pauli vom 26. März 1877, Wilhelm Bracke vom 25. Juni 1877, Wilhelm Liebknecht vom 2. Juli 1877, Marx vom 15. Juli 1877). Ein Zusammenhang zu den vorliegenden Notizen zeigt sich dabei zum Beispiel in seinen Briefen an Marx. Am 27. Mai 1877 schrieb er ihm: „Die dummen englischen Zeitungen fabeln von enormen Fortschritten der Russen in Armenien, an denen bis jetzt sehr wenig.“ Und am 15. Juli 1877 fügte er hinzu: „Der Collapse der Russen in Asien ist mir noch immer nicht ganz erklärlich. Die kaukasische Armee ist 8 Divisionen à 16 Bataillone, also 128 Bataillone Linie (außer Schützen, Garnisönern und Neuformationen) stark, Loris-Melikoff soll aber letzt im Ganzen nur an 40–50 Bat. haben. Rechnen wir auf die Flügelkolonnen bei Batum und Bajasid noch 30 Bat. (sicher sehr hoch), so bleiben 50–60 Bat., to be accounted for.“ Angaben über die russische Kaukasus-Armee hatte Engels kurz zuvor auf S. [1] der vorliegenden Notizen festgehalten.

5Auch Marx äußerte sich später mehrmals über den Russisch-Türkischen Krieg von 1877/1878. Am 27. September 1877 schrieb er Friedrich Adolph Sorge: „Diese Krise ist ein neuer Wendepunkt der europäischen Geschichte. Rußland […] stand schon lang an der Schwelle einer Umwälzung; alle Elemente dazu fertig. Die braven Türken haben die Explosion um Jahre beschleunigt durch die Keile, die sie […] der russischen Armee und den russischen Finanzen […] erteilt.“ Im Februar 1878 dann verfasste er zwei Briefe an Wilhelm Liebknecht, die dieser später veröffentlichte. Er gab darin an, „entschiedenste Partei für die Türken“ (MEGA I/25. S. 123) zu ergreifen.

Zeugenbeschreibung

    • H Originalhandschrift: IISG, Marx-Engels-Nachlass, Sign. H 162/H 107.
    • Beschreibstoff: Ein Bogen (= 2 Blatt = 4 Seiten) mittelstarkes, geripptes, weißes Papier, unliniert. Format: 180 × 226, gefaltet auf 180 × 113 mm. Wasserzeichen: ROYAL TREASURY/ PS & Co und helle Linien im Abstand von 26 mm. Blatt zweimal parallel zu oberen Kante gefaltet auf 60 × 113 mm.
    • Zustand: Gut erhalten, Papier leicht, an den oberen Rändern und Kniffen stark vergilbt. Keine Textverluste.
    • Schreiber: Engels.
    • Schreibmaterial: Schwarze Tinte, leicht bräunlich verfärbt. Auf S. 1 auch 2 Zeilen und 2 Ankreuzungen mit Bleistift.
    • Paginierung: Keine.
    • Vermerke fremder Hand: Archivstempel IISG, Sign. 129b; Fotosign. 9377a und 9377b (mit Bleistift).

Zitiervorschlag

Timm Graßmann: Entstehung und Überlieferung zu den Notizen über die russische Armee (1877). In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital, Bd. IV/25, hg. v. der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://megadigital.bbaw.de/M2277571. Abgerufen am 08.08.2026.