Allgemeine Textgeschichte

1In die vorliegenden drei Hefte wurden Ausschnitte aus 288 Artikeln englischer Zeitungen aus dem Zeitraum vom 10. August 1868 bis zum 6. Januar 1870 geklebt. Die Hefte tragen die Titel „Trade and Finance 1868“, „Trade and Finance 1869“ und „Social cases. 1869“. Die Artikel stammen aus den folgenden Zeitungen: 214 aus „The Daily News“, 49 aus „Reynolds’s Newspaper“, sechs aus „The Standard“, fünf aus „The Pall Mall Gazette“, einer aus „The Times“ sowie 13 aus unbekannter Quelle. Anders als Marx’ Auszüge aus den Jahrgängen 1866 bis 1868 von „The Economist“ und „The Money Market Review“ wurden die vorliegenden Ausschnitte wahrscheinlich nicht retrospektiv, sondern schon im Laufe des Erscheinens der Zeitungen angefertigt. Die Hefte wurden also über einen längeren Zeitraum hinweg, wahrscheinlich von August 1868 bis Januar 1870 geführt. Die Zeitungsartikel sind unterschiedlicher Art und umfassen wirtschaftliche Analysen, Reportagen, Nachrichten, Berichte, Protokolle von Gerichtsprozessen, Leserbriefe und statistische Berichte.

2Die Hefte wurden von Marx verwendet. Sie befanden sich in seinem persönlichen Besitz und sind deswegen sowohl im IISG als auch im RGASPI in seinem Nachlass aufbewahrt. Sie wurden aber nicht von Marx, sondern von seiner ältesten Tochter Jenny Marx angelegt. Dafür lässt sich eine Reihe von Belegen ermitteln. So gab Jenny Marx selbst im Brief an Louis Kugelmann vom 27. Dezember 1869 an, für ihren Vater Zeitungsausschnitte gemacht zu haben: „I have looked through several hundred newspapers, in order to make extracts from them to Moor of the financial swindling concerns etc.“ (MECW. Bd. 43. S. 548.) Der von ihr angegebene Fokus bei der Auswahl der Materialien auf „the financial swindling concerns etc.“ deckt sich mit dem von Marx am 14. November 1868 gegenüber Engels vorgetragenen Vorhaben, „das chapter über Credit“ des dritten Buchs des „Kapital“ zu „benutzen zu actuel denunciation des Schwindels u. der commercial morals“ (Marx an Engels, 14. November 1868). Marx exzerpierte in den Heften „London. 1868“, „1868“ und „1869 I Heft“ aus den Jahrgängen 1866 bis 1868 der Zeitschriften „The Economist“ und „The Money Market Review“ unter anderem zu spekulativen und betrügerischen Vorgängen bei den englischen Aktien- und Finanzgesellschaften und zu Entwicklungen auf dem englischen Geldmarkt, die zu der Krise von 1866 führten.

3Jenny Marx hat die Materialsammlung ihrem Vater übergeben, so dass dieser darüber verfügen konnte. So gibt es in den Heften Spuren der Marx’schen Benutzung, wenn auch nur wenige: Marx hat jeweils zwei Mal das Entstehungsjahr auf und in die Hefte geschrieben. In „Trade and Finance 1868“ hat Marx „1868.“ auf die Vorderseite des Umschlags und „1868“ auf S. [1] notiert; in „Trade and Finance 1869“ das Jahr „1869“ auf die Vorderseite des Umschlags und auf S. [7] geschrieben; in „Social cases. 1869“ das Jahr „1869“ auf die Vorderseite des Umschlags und auf S. [0] geschrieben. Davon abgesehen gibt es keine Unterstreichungen in den Artikeln und keine Randanstreichungen. Nur ein Artikel auf S. [17] des Hefts „Social cases. 1869“ ist vermutlich von Jenny Marx mit einer Marginalie „X“ versehen worden. Ein weiterer Artikel erhielt bereits vor dem Ausschneiden eine solche Marginalie „X“, die nicht vollständig in das Heft übernommen wurde („Trade and Finance 1868“, S. [49]).

4Dass Marx diese Materialsammlung nicht selbst angefertigt hat, legen außerdem die folgenden Indizien nahe. Als Marx 1857/1858 die „Krisenhefte“ erstellte, die zu zwei Dritteln aus eingeklebten Zeitungsausschnitten bestehen, beklagte er am 18. Dezember gegenüber Engels, dass diese Arbeit „bedeutend Zeit wegnimmt“ (MEGA² III/8. S. 221). In den Jahren 1868 bis 1870 schrieb Marx intensiv an Manuskript II des zweiten Buchs des „Kapital“ und fertigte daneben umfangreiche Exzerpte an (siehe MEGA² IV/18, IV/19 und IV/21), so dass seine Zeit für das Erstellen weiterer Materialsammlungen begrenzt gewesen sein dürfte. Zudem ist in den vorliegenden Heften, für Marx untypisch, sehr sauber und regelmäßig gearbeitet worden. Die Artikel wurden gerade ausgeschnitten und gleichmäßig eingeklebt, so dass fast keine abgerissenen Ecken oder durch andere Artikel überklebte Artikel entstanden und die wenigen Textverluste in den seltensten Fällen einer unsauberen Arbeitsweise geschuldet sind, sondern meistens auf eine Abnutzung des Papiers im Laufe des Alterns der Sammlungen zurückgehen. (Siehe zum Vergleich Faksimiles der „Krisenhefte“ in: MEGA² IV/14. S. 7, 21 u. 133/134.) Textverluste wurden redaktionell nach der Quelle ergänzt. Über alle drei Hefte hinweg wurden die Artikel auch sehr gleichmäßig eingeklebt: Fast immer wurde eine Doppelseite in fünf Spalten geteilt und beinahe vollständig beklebt, ohne dass dabei große Freiräume entstanden wären.

5Neben ihrer Aussage im Brief an Kugelmann vom 27. Dezember 1869 sprechen zudem weitere Indizien für Jenny Marx, die sich seit 1868 in London befand und ab Januar 1869 als Hauslehrerin bei einer Familie arbeitete, als die Urheberin der vorliegenden Materialsammlung. So stammen die zu vielen Artikeln handschriftlich vermerkten Datumsangaben aller Wahrscheinlichkeit nach von Jenny Marx. Neben den Marx’schen Jahresangaben und der erwähnten Marginalie im Heft „Social cases. 1869“ sind dies die einzigen handschriftlichen Spuren in den Heften.

6Jenny Marx hat zu dieser Zeit außerdem noch mindestens zwei weitere Sammlungen von Zeitungsausschnitten angefertigt. Eine Sammlung hat den Brüsseler Kongress der Internationalen Arbeiterassoziation von 1868 zum Thema und versammelt Ausschnitte aus englischen und französischen Zeitungen (RGASPI, Sign. f. 1, op. 1, d. 2323). Das zweite Heft, betitelt mit „Vierter Kongreß der Internationale“ (RGASPI, Sign. f. 21, d. 35/2), behandelt den Baseler Kongress der Internationalen Arbeiterassoziation von 1869. Anders als in den vorliegenden drei Heften hat Jenny Marx in dem Heft „Vierter Kongreß der Internationale“ bibliographische Angaben zu jedem Artikel notiert, einige Artikel nummeriert und einige Passagen unterstrichen.

7Jenny Marx bewahrte damals auch auf Bitten von Paul Lafargue amerikanische Korrespondenzen aus der „Daily News“ und dem „Standard“ auf und ließ ihm diese zukommen (Olga Worobjowa, Irma Sinelnikowa: Die Töchter von Marx. Berlin 1984. S. 57). Im Gegenzug erhielt sie aus Frankreich von Lafargue und ihrer Schwester Laura französische Presse. Jenny Marx selbst bemerkte gegenüber Kugelmann am 15. September 1869: „A real arsenal of newspapers and letters has accumulated here in the meantime“ (MECW. Bd. 43. S. 543). Sie war darüber hinaus nicht nur Rezipientin und Sammlerin einer Vielzahl von internationalen Zeitungen, sondern schrieb zu dieser Zeit auch acht Artikel zur irischen Frage an die Zeitung „Marseillaise“ unter dem Pseudonym „J. Williams“.

8Die von Jenny Marx gesammelten Zeitungen wurden von der Familie Marx und von Engels durchgesehen und ausgewertet. So schrieb Marx an Engels am 14. November 1868: „Ich schicke Dir anfolgend (rather nebenlaufend) von Lafargue zugesandte amüsante Ausschnitte aus der Pariser Presse. Du mußt sie zurückschicken, da Jennychen sich das Zeug sammelt.“ (Marx an Engels, 14. November 1868.) Ähnlich heißt es am 12. Dezember 1869: „Das Blatt mit den Porträts – Paris – gehört Jennychen, mußt Du ihm also nach perusal zurückschicken.“ (Marx an Engels, 12. Dezember 1869.) Engels bestätigte am 11. Februar 1870: „Heute hab’ ich per GlobeParcel Co. sämtliche ‚Clochen‘, ‚Lanternen‘, ‚Marseillaisen‘, ‚Figaros‘ usw., die ich hier hatte, an Dich zurückgeschickt. Das betreffende Heft der ‚Cloche‘ ist dabei. Da Jennychen diese Sachen sammelt, so ist es am besten, daß sie alles zusammen hat.“ (Engels an Marx, 11. Februar 1870.) Als sich Jenny Marx einmal in Frankreich aufhielt, ließ Marx sie am 31. Mai 1870 wissen: „Mir fehlen hier die ‚Marseillaise‘ und alle Nachrichten aus Paris sehr.“ (Marx an Jenny Marx, 31. Mai 1870.)

9Dass die Hefte im Auftrag von Marx erstellt wurden und er über sie verfügte und benutzte, rechtfertigt die Aufnahme dieser Materialien in den Anhang der vorliegenden Edition. Das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass in der Art der Aneignung des Materials erhebliche Unterschiede zwischen diesen Ausschnitten und eigenen Marx’schen Exzerpten aus Zeitungsartikeln bestehen. Auch wenn Jenny Marx die Auswahl auf der Grundlage des Interesses ihres Vaters traf, so hat Marx doch die vorliegenden Texte nicht selbst ausgewählt. Des Weiteren fällt die Selektion aus einem Text bei einem Exzerpt größer als bei einem Ausschnitt aus. Es ist sogar davon auszugehen, dass die kurze Zeitungsnotiz „Value of Property in Regent-Street“ aus der „Daily News“ vom 24. April 1869 nicht wegen ihres Inhalts in das Heft „Trade and Finance 1868“ (S. [80]) geklebt worden ist, sondern nur deshalb, weil sie sich in der Zeitung zwischen zwei Artikeln zu Finanzgesellschaften befand, die Jenny Marx der Zeitung mit einem einzigen Ausschnitt entnommen hat. Umgekehrt ist zu vermuten, dass Teile der ausgeschnittenen Artikel nicht wegen ihrer Irrelevanz für die Sammlerin ausgelassen wurden, sondern weil sie sich auf der Rückseite des Ausschnitts befinden. So fehlen einigen Artikeln gerade der Anfangs- oder der Schlussteil. (Wenn ein Artikel keine Überschrift hat, ist dies aber in der Regel darauf zurückzuführen, dass er in der Zeitung ohne Titel erschienen ist.) Schließlich gibt es in diesen drei Heften keine zusammenfassenden Notizen oder Kommentare, keine Unterstreichungen in den Artikeln, keine Indizierung oder Gliederung.

10Marx hat die vorliegenden Hefte allerdings gelesen. Einen Auszug aus dem in das Heft „Trade and Finance 1868“ (S. [20]) geklebten Artikel „Trade and Finance“ der „Daily News“ vom 23. November 1868 übernahm er in seinen Artikel „How Mr. Gladstone’s Bank Letter of 1866 Procured a Loan of Six Millions for Russia“, der am 2. Dezember 1868 in der „Diplomatic Review“ veröffentlich wurde (MEGA² I/21. S. 103.14–24). Diese Verwendung spricht dafür, dass entweder Jenny Marx schon zu dieser Zeit das Heft „Trade and Finance 1868“ führte oder wenigstens bereits mit der Sammlung der Artikel begonnen hatte. Möglich wäre allerdings auch, dass Marx zu dieser Zeit viele aktuelle Zeitungen las und seine Tochter um eine Sammlung der Materialien bat.

11Außerdem kommentierte Marx einige Inhalte der in die vorliegenden Hefte geklebten Artikel im Briefwechsel. So schrieb er Engels am 28. Januar 1869: „Die Gurney affaire amuses mich königlich. Ich habe diesen Saucase in allen Details studirt; fand daher nichts Neues in den proceedings im Mansion House, except great Edwards.“ (Marx an Engels, 28. Januar 1869.) Am 1. Januar 1869 begannen im Mansion House, dem Amtssitz des Lord Mayor von London, öffentliche Anhörungen über das Geschäftsgebaren der Londoner Diskontbank Overend, Gurney and Company, deren Bankrott am 10. Mai 1866 die Krise von 1866 auslöste. Gerade diese Anhörungen und der spätere Prozess gegen Overend, Gurney and Company nehmen im Heft „Trade and Finance 1868“ viel Raum ein: Allein von den Artikeln aus dem Januar 1869 beschäftigen sich acht mit diesem Fall. Marx gab im Brief vom 28. Januar 1869 an, dass er sich für die Rolle von Edward Watkin Edwards („great Edwards“) interessierte, der Bevollmächtigter („assignee“) des Londoner Konkursgerichts („Bankruptcy Court“) war und bei den Anhörungen im Mansion House zugab, seit mehreren Jahren als Nebentätigkeit für ein Jahressalär von 5000 Pfund Sterling für Overend, Gurney and Company als Anwalt und Bevollmächtigter in diversen Großtransaktionen tätig gewesen zu sein. Edwards Aussage im Mansion House, welche die „Daily News“ am 23. Januar 1868 abdruckte (siehe „Trade and Finance 1868“, S. [49]–[52]), erheischte große öffentliche Aufmerksamkeit. In der „Daily News“ vom 26. Januar 1869 wurde die Entlassung von Edwards aus seiner Funktion als Bevollmächtigter des Konkursgerichts gefordert („Trade and Finance 1868“, S. [55]) und nach seinem nächsten Auftritt im Mansion House wurde er von anwesenden Zuhörern ausgebuht, wie Jenny Marx aus der „Daily News“ vom 28. Januar 1869 ausschnitt: „After the proceedings were over the feeling of the audience was again manifested towards Mr. Edwards. As he was coming out of court he was followed by a great crowd, who hissed and hooted him, and he was fain to take refuge in a cab, in which he was driven off.“ („Trade and Finance 1868“, S. [54].) Viele in das Heft „Trade and Finance 1868“ geklebte Artikel dokumentieren die langen Befragungen von Edwards, der zugeben musste, von Stefanos Xenos, dem griechischen Schriftsteller und Gründer des von Overend, Gurney and Company finanzierten Unternehmens Greek and Oriental Steam Navigation Company, eine Yacht erhalten zu haben („Trade and Finance 1868“, S. [60]). Der Lord Mayor von Londoner verfügte am 26. Januar 1869, dass genügend Material vorliege, um einen Prozess gegen sechs Direktoren von Overend, Gurney and Company – John Gurney, Henry Gurney, Robert Birkbeck, Henry Ford Barclay, Harry Gordon und William Rennie – zu eröffnen. Dieser Prozess endete im Dezember 1869 mit einem Freispruch für alle sechs Direktoren. Jenny Marx kommentierte den Ausgang des Prozesses gegenüber Kugelmann am 27. Dezember 1869: „By the bye Overend and Gurney have just been acquitted. The bourgeoisie throughout the length and breadth of the land rejoice at the liberation of these ‘martyrs’, whom they declare to have been more sinned against than sinning. I shouldn’t be at all surprised if these thieves in broadcloth were one of these days returned to Parliament to legislate for their countrymen. The partiality of the Judge for the defendants was so glaring, that it struck even the obtuse jury, and on one occasion elicited a protest from them.“ (MECW. Bd. 43. S. 548.)

12Marx’ Äußerungen zu „great Edwards“ im Brief an Engels vom 26. Januar 1869 bezogen sich vermutlich auf denjenigen in das Heft „Trade and Finance 1868“ auf S. [49]–[52] geklebten Artikel, der zum ersten Mal über Edwards berichtete. Er stammt aus der „Daily News“ vom 23. Januar 1869, trägt den Titel „The Overend, Gurney and Co. Prosecution“ und ist noch vor dem Ausschneiden in der Zeitung mit einer Marginalie „X“ versehen worden, die nicht vollständig ausgeschnitten und in das Heft übernommen wurde. Der Handschrift nach zu urteilen, stammt diese Markierung nicht von Marx, sondern wahrscheinlich von seiner Tochter Jenny Marx.

13Ein weiteres Mal kam Marx auf in den vorliegenden Heften versammelte Materialien gegenüber Engels am 3. Juli 1869 zu sprechen. Er schrieb zuerst: „Was sagst Du zu dem Verfahren des tugendhaften Gladstone u. Puritaners Bright in Overend, Gurney et Co?“ (Marx an Engels, 3. Juli 1869.) Marx spielte wahrscheinlich auf das Verhalten der Regierung unter Schatzkanzler William Ewart Gladstone im Prozess gegen Overend, Gurney and Company an. In Großbritannien gab es zu dieser Zeit noch keinen Staatsanwalt und daher musste Adam Thom, der Ankläger von Overend, Gurney and Company, der laut der „Daily News“ vom 2. Januar 1869 („Trade and Finance 1868“, S. [31]) Aktionär der Bank gewesen war, die Anklage auf eigene Kosten führen und in Zeitungen um Geld bitten. Die Regierung unter dem „tugendhaften“ Schatzkanzler Gladstone weigerte sich, den Prozess mit staatlichen Finanzmitteln zu unterstützen („Trade and Finance 1868“, S. [99]). Jenny Marx klebte einen Artikel aus der „Daily News“ vom 2. Juli 1869 in das Heft „Trade and Finance 1869“, in dem es heißt: „Dr. Thom alleged that he had already spent all the money which he was able to spend in this prosecution, and unless the matter was taken up by the Government, they would hear the hackneyed phase of there being one law for the rich and another for the poor. This case showed more than anything of late years the necessity of appointing a public prosecutor.“ („Trade and Finance 1869“, S. [11].) Viele Leser der Zeitungen befürworteten den Ankläger Thom: „a prosecutor does represent the public“, heißt es in einem in „Reynoldsʼs Newspaper“ vom 11. Juli 1869 abgedruckten Leserbrief, den Jenny Marx ausschnitt („Trade and Finance 1868“, S. [99]).

14In seinem Brief an Engels vom 3. Juli 1869 bezog sich Marx ein zweites Mal auf in den vorliegenden Heften erfasste Materialien, und zwar auf den Aufstand („riot“) in der Walisischen Stadt Mold. Nachdem zwei Bergarbeiter wegen eines Angriffs auf den Direktor der „Leeswood Green Colliery“ zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden waren („Social cases. 1869“, S. 42), kam es nach der Urteilsverkündung zu Ausschreitungen in der Nähe der Eisenbahnstation von Mold. Laut den Schätzungen des „Reynoldsʼs Newspaper“ vom 13. Juni 1869 begannen mehr als 1500 Teilnehmer, die meisten davon Bergarbeiter/innen, das Gefängnis und die Wachen mit Steinen anzugreifen. Das Militär schoss ohne Vorwarnung in die Menge und tötete, wie Marx in dem Heft „Social cases. 1869“ lesen konnte, mehrere Menschen (siehe https://www.historic-uk.com/HistoryUK/HistoryofWales/The-Mold-Riot-of-1869/).

15Laut dem „Riot Act“ von 1715 waren Menschenansammlungen von zwölf oder mehr Teilnehmern verboten, sobald ein Magistrat die Auflösung der Versammlung anordnete. Den Aufständischen von Mold wurde aber der „Riot Act“ nicht vorgelesen. In seinem Heft las Marx die Rechtfertigung des „Reynoldsʼs Newspaper“, wonach die Soldaten aus Selbstverteidigung gehandelt hätten: „If a magistrate had gone out of the station to read the Riot Act he would certainly have been murdered. Life was decidedly in great and imminent danger at that moment in the station. The witness called upon Captain Blake, the officer in command of the military, to protect himself and his own men and the constables by firing into the mob. He refused to do so. The witness thought it was necessary to have a magistrate’s order to justify firing, and he said to a magistrate, Mr. Clough, ‘For God’s sake give the order to fire, or we shall be all murdered!’ He then shouted out, as loudly as he could, ‘Fire!’“ („Social cases. 1869“, S. 31.) Marx nahm dem Militär nicht ab, aus Selbstverteidigung gehandelt zu haben und erwog gegenüber Engels unter Eindruck der Lektüre des Artikels aus „Reynoldsʼs Newspaper“ vom 13. Juni 1869 die Forderung eines Selbstverteidigungsrechts gegenüber staatlichen Instanzen: „Auch sehr schön des Bruce Erklärung wegen der Mold Füsilirerei, die nicht so innocent war, wie die Manchester Blätter berichteten. Also der Riot Act braucht nicht verlesen zu werden. Es genügt, daß irgend ein Fuchsjäger v. unpaid magistrate dem Officier ins Ohr flüstert, darauf zu pfeffern. Und auch das ist nicht nöthig. Die Soldaten können ihre Rifles in selfdefence (deren Nothwendigkeit zu beurtheilen v. ihnen abhängt) brauchen. Dann sollten aber auch die arms acts aufgehoben u. jeder zur selfdefence gegen die Soldaten seine eigene rifle brauchen können.“ (Marx an Engels, 3. Juli 1869.) Im Heft „Social cases. 1869“ gibt es einen zweiten Artikel zu dem Thema aus „Reynoldsʼs Newspaper“ vom 15. August 1869 (S. 42). Allerdings wird in beiden Artikeln nicht die von Marx im Brief erwähnte Stellungnahme des damaligen Innenministers Henry Bruce erwähnt, was darauf hindeutet, dass Marx noch weitere Artikel zu den Vorgängen in Mold las.

16Aus dem Verhalten der Regierung im Prozess gegen Overend, Gurney and Company und während des Aufstands in Mold schloss Marx im Brief an Engels: „Die Gurney Affaire, resp. die Haltung des Ministeriums darin, ditto in der Mold Affaire, endlich die Ministermogelei mit Lamuda u. andern Schweinhunden gegen die Trades Unions Bill – haben den Zauber der Namen Gladstone-Bright hier unter den Arbeitern in London verdammt gebrochen.“ (Marx an Engels, 3. Juli 1869.) Gladstone verdankte seine Schatzkanzlerschaft auch der Reform des Wahlrechts durch den „Representation of the People Act“ (alias „Reform Act“) von 1867 (30 and 31 Vict., Cap. 102), der eine deutliche Ausweitung des Männerwahlrechts bedeutete. Vor der Verabschiedung verfügte rund eine Million erwachsener Männer (von rund sieben Millionen) in England und Wales über das Wahlrecht; der „Reform Act“ verdoppelte die Zahl der Wahlberechtigten und hatte große Auswirkungen auf die Zusammensetzung des Unterhauses. Die erste allgemeine Wahl zum britischen Unterhaus nach Verabschiedung des „Reform Act“ führte zu einer Mehrheit der Liberalen Partei von 112 Sitzen im Unterhaus: Gladstone setzte sich gegen seinen konservativen Herausforderer Benjamin Disraeli durch und wurde Schatzkanzler. Marx bezog sich im Brief an Engels vom 3. Juli 1869 auf Fälle, in denen auch unter der neuen Regierung ein gegen Arbeiter gerichteter Justiz- und Militärapparat waltete, und dachte darüber nach, dass diese Vorgänge die Legitimation der neuen Regierung bei den „Arbeitern in London“ gefährden könnten.

17Die Mehrzahl der in den vorliegenden Heften gesammelten Ausschnitte stammt aus der „Daily News“. Engels bezeichnete diese Zeitung 1852 als „das Londoner Organ der industriellen Bourgeoisie, und in dergleichen Sachen eine gute Quelle“ (MEGA² I/11. S. 199). Seine Referenzen im Briefwechsel 1868/1869 auf die Zeitschrift „Daily News“ zeigen, dass Marx diese Zeitung auch über die in den drei vorliegenden Heften versammelten Artikel hinaus rezipiert hat. Zum Teil könnten diese Referenzen mit den beiden oben erwähnten von Jenny Marx erstellten Heften mit Zeitungsausschnitten zum Brüsseler und zum Baseler Kongress der Internationalen Arbeiterassoziation stehen. Im Briefwechsel diskutiert Marx die Berichterstattung der „Daily News“ über den Brüsseler Kongress (The Congress of the International Association of Workmen. In: The Daily News, 8. September 1868. S. 5; The Congress of the International Association of Workmen. In: The Daily News, 9. September 1868. S. 5; The International Working Men’s Congress In: The Daily News, 11. September 1868. S. 3; The International Congress of Workmen. In: The Daily News, 12. September 1868. S. 3). Marx sandte Engels am 9. September 1868 die ersten beiden Artikel der „Daily News“: „Ich schicke Dir einliegend Times u. 2 Nummern der Daily News über den Intern. Workingmen’s Congress. Die 2 Daily News mußt Du umgehend zurückschicken.“ (Marx an Engels, 9. September 1868.) Am 14. September 1868 kam er auch gegenüber Sigfried Meyer und Hermann Jung auf diese Artikel zu sprechen (beide Briefe in MEGAdigital).

18Der Briefwechsel enthält darüber hinaus auch Hinweise auf Artikel der „Daily News“, in denen neu erschienene Werke der politischen Ökonomie besprochen sind und die ebenfalls nicht in die vorliegenden Hefte geklebt wurden. Es handelt sich um Besprechungen von William Thomas Thornton: On Labour. Its Wrongful Claims and Rightful Dues, its Actual Present and Possible Future. London 1869 (Besprechung in: The Daily News, 7. April 1869. S. 4/5) sowie John Mills: On Credit Cycles, and the Origin of Commercial Panics. In: Transactions of the Manchester Statistical Society. Session 1867–68. Manchester 1868. S. 9–40 (Besprechung in: The Daily News, 4. August 1868. S. 4). Über Thornton schrieb Marx am 15. April 1869 an Engels: „Herr Thornton hat ein dickleibiges Buch über ‚Capital and Labour‘ veröffentlicht. Noch nicht gesehn, nur auszugsweis in Daily News, daß er das Verschwinden des Kapital als v. der Arbeit getrennte Macht in ferner Zukunft zu dämmern sagt.“ (Marx an Engels, 15. April 1869) Wahrscheinlich durch John Mills Replik zu den kritischen Ausführungen der „Daily News“ zu seinem Vortrag inspiriert (John Mills: Credit Cycles. To the Editor of the Daily News. In: The Daily News, 26. August 1868. S. 6), schrieb Marx am 26. August 1868 einen nicht überlieferten Brief an John Mills mit der Bitte um Zusendung seines Vortrags. Mills sandte Marx diesen am 16. September 1868 und fügte hinzu: „If you care to see a notice of my pamphlet in marked contrast to that which appeared in the Daily News, you will find one in a leading article of the Economist of Febry 1st.“ (John Mills an Marx, 16. September 1868.)

Trade and Finance 1868

19Das Heft „Trade and Finance 1868“ enthält Ausschnitte aus 109 Zeitungsartikeln aus dem Zeitraum vom 10. August 1868 bis zum 25. August 1869: aus 103 Artikeln der „Daily News“, fünf Artikeln von „Reynolds’s Newspaper“ und einem aus „The Times“. Dem Erscheinungsdatum der Artikel entsprechend ist das Heft wahrscheinlich im Laufe eines Jahres, zwischen frühestens dem 10. August 1868 und dem 25. August 1869 geführt worden. Auch ist auf S. [1] „August 10.“ notiert, was ein Datierungsvermerk gewesen sein könnte. Marx ergänzte diesen mit „1868“. Für eine kontinuierliche beziehungsweise phasenweise Arbeit an dem Heft über einen längeren Zeitraum hinweg sprechen auch die unterschiedlichen Schreibmaterialien (Bleistift und Tinte), mit denen die handschriftlichen Datumsangaben auf den Ausschnitten vermerkt wurden. Ein möglicher Beginn des Hefts ungefähr Mitte August 1868 könnte darauf hindeuten, dass sich Marx zu dieser Zeit näher für den Konjunktur- und Krisenverlauf zu interessieren begann und ihn dies zu umfangreichen Exzerpten darüber motiviert hat. Ein solches Entstehungsdatum würde mit seinem nicht überlieferten Brief an John Mills vom 26. August 1868 korrespondieren, in dem Marx um die Zusendung von Mills’ Vortrag über die Kreditzyklen bat (siehe John Mills an Marx, 16. September 1868).

20Auch die Marx’schen Verwendungen von Informationen, die sich auch in dem vorliegenden Heft befinden, im November/Dezember 1868 und Ende Januar 1869 deuten auf eine kontinuierliche Arbeit an dem Heft hin. Einen Auszug des auf S. [20] geklebten Artikels „Trade and Finance“ der „Daily News“ vom 23. November 1868 übernahm Marx in seinen Artikel „How Mr. Gladstone’s Bank Letter of 1866 Procured a Loan of Six Millions for Russia“, der am 2. Dezember 1868 in der „Diplomatic Review“ veröffentlich wurde (MEGA² I/21. S. 103.14–24). Seine Äußerungen gegenüber Engels am 28. Januar 1869 über den Prozess gegen Overend, Gurney and Company lassen sich ebenfalls mit dem vorliegenden Heft in Verbindung bringen. Marx schrieb: „Die Gurney affaire amuses mich königlich. Ich habe diesen Saucase in allen Details studirt; fand daher nichts Neues in den proceedings im Mansion House, except great Edwards.“ (Marx an Engels, 28. Januar 1869.) Sein Interesse für „great Edwards“ bezog sich aller Wahrscheinlichkeit nach auf den in das vorliegende Heft auf S. [49]–[52] geklebten Artikel aus der „Daily News“ vom 23. Januar 1869, in dem über Edwards berichtet wurde. Dieser Artikel ist – der Handschrift nach zu urteilen wahrscheinlich von Jenny Marx – noch vor dem Ausschneiden in der Zeitung mit einer Marginalie „X“ versehen worden, die nicht vollständig ausgeschnitten und in das Heft übernommen wurde.

21Die in das Heft geklebten Artikel behandeln zwei Hauptthemen. Zum einen geht es um die damals aktuelle wirtschaftliche Entwicklung, die durch regelmäßige Ausschnitte aus der Rubrik „Trade and Finance“, die jeden Montag in der Tageszeitung „The Daily News“ erschien, abgebildet wird. Diese Rubrik ist zwischen dem 10. August 1868 und dem 1. Februar 1869 fast vollständig erfasst, anschließend aber nicht mehr ausgeschnitten worden. Zu dieser Zeit befand sich Großbritannien nach Überzeugung der „Daily News“ in einer wirtschaftlichen Stagnation. Die damals vergleichsweise lange, noch drei Jahre nach der Panik vom Mai 1866 währende Depression zählt möglicherweise zu den Gründen, aus denen Marx seine Studien zum Verlauf der Krise von 1866 durchführte.

22Das zweite Thema sind Banken, Versicherungs-, Finanz- und Aktiengesellschaften, die Jenny Marx in ihrem Brief an Kugelmann vom 27. Dezember 1869 als „financial swindling concerns“ (MECW. Bd. 43. S. 548) bezeichnete. Die Ausschnitte behandeln unter anderem den Gerichtsprozess gegen die Direktoren von Overend, Gurney and Company, aber auch die Barned’s Banking Company und den Bauunternehmer Samuel Morton Peto sowie Betrugsfälle bei The Great Central Gas Company und The English Joint Stock Bank. Auffällig ist, dass das Heft mit vielen Ausschnitten aus der Rubrik „Trade and Finance“ beginnt, ehe zum ersten Mal mit einem Ausschnitt aus „The Times“ vom 25. September 1868 das zweite Sujet der finanziellen Schwindelkonzerne hinzutritt. Dieser Artikel wurde nach dem Ausschnitt aus „Trade and Finance“ vom 16. November 1868 in das Heft geklebt, was dafürsprechen könnte, dass sich dieser zweite Fokus erst Mitte November 1868 herausgebildet hat und Jenny Marx anschließend auch einige ältere Zeitungen auf dieses Thema hin auswertete. Marx schrieb Engels am 14. November von seinem neuen Vorhaben der „actuel denunciation des Schwindels u. der commercial morals“ (siehe Einführung). Möglicherweise hat er also just zu dieser Zeit auch seine Tochter angeregt, die Zeitungen ebenfalls auf diese Thematik hin durchzusehen. Möglicherweise lässt dies den Schluss zu, dass sich Marx ab August 1868 zuerst für die ökonomische Stagnationsphase und die allgemeine wirtschaftliche Lage interessierte, ehe er sich im Laufe seiner eigenen Studien im Heft „London. 1868“ genauer den Folgen der Krise von 1866 sowie den Ereignissen, die in die Krise führten, widmete, und sich dabei ab November 1868 näher mit den Finanzgesellschaften auseinandersetzen wollte.

Trade and Finance 1869

23Das Heft „Trade and Finance 1869“ enthält Ausschnitte aus 73 Zeitungsartikeln aus dem Zeitraum vom 2. Juli 1869 bis zum 6. Januar 1870: 68 Ausschnitte aus „The Daily News“, drei aus „The Pall Mall Gazette“ und zwei aus „Reynolds’s Newspaper“. Das Heft beginnt mit einem Artikel vom 25. August 1869; zwei früher erschienene Artikel vom 2. und 18. Juli 1869 befinden sich auf späteren Seiten. Es ist also ungefähr zwischen dem 25. August 1869 und dem 6. Januar 1870 entstanden und knüpft damit unmittelbar an „Trade and Finance 1868“ an, dessen letzter Artikel ebenfalls vom 25. August 1869 stammt. Weil die Hefte „Trade and Finance 1868“ und „Trade and Finance 1869“ somit als Serie konstituiert wurden, werden sie in dieser Anordnung dargeboten, auch wenn diese wahrscheinlich nicht der Chronologie der Entstehung entspricht, da an dem Heft „Social cases. 1869“ wahrscheinlich vor „Trade and Finance 1869“ gearbeitet worden ist.

24Das Hauptthema in „Trade and Finance 1869“ sind einzig die „finanziellen Schwindelkonzerne“. Aus der Rubrik „Trade and Finance“ der Tageszeitung „Daily News“ gibt es, anders als in „Trade and Finance 1868“, keine Ausschnitte mehr. Neben Artikeln zu Overend, Gurney and Company und der Barned’s Banking Company behandelt eine Vielzahl der Artikel den Bankrott der Versicherungsgesellschaft Albert Life Insurance Company im August 1869 und seine Folgen. Der Kollaps der Albert Life Insurance Company schlug auf viele Versicherungsgesellschaften in Ostasien zurück und stellte auch die Solvenz der European Assurance Company in Frage. 1870 wurden Versicherungsgesellschaften durch den „Life Assurance Companies Act“ (33 and 34 Vict., Cap. 61) reguliert. Die „Assekuranzkosten“ bestimmte Marx 1869 in Manuskript II zum zweiten Buch des „Kapital“ als „einen Abzug vom Mehrwerth oder Mehrprodukt“: „Sie vertheilen die zufälligen Verluste, denen das Produktive Kapital durch Unfälle, Feuerbrunst u.s.w. ausgesetzt ist, unter der Kapitalistenklasse.“ (MEGA² II/11. S. 63.38–41.)

25Weitere Themen des Hefts sind Währung, Börse, Banken und Kredit in den Vereinigten Staaten von Amerika. Ein Artikel behandelt die „Irish Land Question“. Dieser Artikel wie auch der Artikel „America as We Found It“ sind nicht in das Heft geklebt, sondern als Ausschnitt in das Heft eingelegt.

Social cases. 1869

26Das Heft „Social cases. 1869“ enthält Ausschnitte aus 106 Zeitungsartikeln aus dem Zeitraum vom 25. Oktober 1868 bis zum 28. Dezember 1869. 43 Artikel stammen aus der „The Daily News“, 42 aus „Reynolds’s Newspaper“, sechs aus „The Standard“, zwei aus „The Pall Mall Gazette“ und 13 aus unbekannter Quelle. Das Heft deckt also ungefähr den gleichen Zeitraum wie „Trade and Finance 1868“ und „Trade and Finance 1869“ ab und ist wahrscheinlich zwischen ungefähr Ende Oktober 1868 und Ende Dezember 1869 geführt worden. Es enthält zum Teil Artikel aus denselben Ausgaben, aus denen auch andere Artikel ausgeschnitten und in die anderen beiden Hefte geklebt wurden. Das Heft war zuvor als Schulheft, wahrscheinlich von Jenny Marx, benutzt worden. Wo die Seiten nicht oder nicht vollständig mit Zeitungsartikeln beklebt worden sind, ist die ursprüngliche Beschriftung zu erkennen. Das Schulheft ist paginiert worden und da auf vielen Seiten die ursprüngliche Paginierung noch erkennbar ist, ist für die vorliegende Edition keine redaktionelle Paginierung der Seiten notwendig.

27Einige der eingeklebten Artikel enthalten beinahe denselben Text. In all diesen Fällen druckte „Reynolds’s Newspaper“ einen Text der „Daily News“ mit Abwandlungen nach. So wurden Auszüge aus dem Artikel „Life and Death at the East-End“ (S. 21) der „Daily News“ vom 29. Januar 1869 zwei Tage später unter dem Titel „Life and Death of the English Poor“ in „Reynolds’s Newspaper“ wiedergegeben (S. 20); das gleiche gilt für die Artikel „Pauper Nursing in St. Pancras Workhouse“ (The Daily News, 2. Februar 1869) auf S. 21/22 und „Pauper Nursing in a Workhouse “ (Reynolds’s Newspaper, 14. Februar 1869) auf S. 23 sowie für die Artikel „The St. Pancras Guardians Again“ (The Daily News, 10. Dezember 1869) auf S. 54 und „The St. Pancras Guardians“ (Reynolds’s Newspaper, 12. Dezember 1869) auf S. 57/58.

28Das Heft ist keine thematische Fortsetzung der Hefte „Trade and Finance 1868“ und „Trade and Finance 1869“. Themen sind vielmehr der Pauperismus in London, die soziale Lage der Landarbeiter, durch Armut und Polizeigewalt verursachte Todesfälle, die Zustände in englischen Arbeitshäusern und Gefängnissen, Todesfälle in den Arbeitshäusern und Polizeirevieren, die Entstehung und Ausbreitung von Epidemien, Auswanderung als „Heilmittel“ für Armut sowie Armengesetze wie der „Metropolitan Poor Act“ von 1867. Die Sammlung vermittelt ein grausames Bild der gesellschaftlichen Verhältnisse im viktorianischen London. Einige einzelne Fälle werden über mehrere Artikel verfolgt: etwa der Hungertod des Walisischen Fastenmädchens Sarah Jacobs in der Obhut eines Krankenhauses; die Fälle einer als „famine fever“ bezeichneten epidemischen Fieberkrankheit, die vor allem die arme Bevölkerung Londons im Herbst 1869 heimsuchte und auf die meist Typhus-Ausbrüche folgten; und die unzähligen Skandale im Arbeitshaus und der dazugehörigen Krankenstation in St. Pancras, wo, wie durch das vorliegende Heft dokumentiert ist, überfüllte und nicht belüftbare Zimmer, Todesfälle, Selbstmorde, Gewalt des Personals und Ausbrüche von Seuchen auf der Tagesordnung standen, was das „Reynolds’s Newspaper“ veranlasste, von dem „barbarous mode in which the sick poor are dealt with in our workhouses“ (S. 38) zu sprechen. Der einzige Artikel der vorliegenden Materialsammlung, dem eine Marginalie hinzugefügt wurde, ist ein Leserbrief mit dem Titel „How Criminals Are Made“ über den Zusammenhang von Armut und Kriminalität.

29Marx hat im ersten Band des „Kapital“ (1867) zahlreiche solcher „Social Cases“ aufgeführt. Auch stellte er dort fest, dass Arbeitslosigkeit und Pauperismus in London infolge der Krise von 1866 enorm zugenommen hatten und dies auch von der englischen Presse nicht unbemerkt geblieben war: „Z.B. die Barbarei in der Behandlung der Paupers, worüber die englische Presse (Times, Pall Mall Gazette u.s.w.) während der letzten zwei Jahre so laut schrie, ist alten Datums. F. Engels konstatirt 1844 ganz dieselben Greuel und ganz dasselbe vorübergehende, zur ‚Sensationsliteratur‘ gehörige Geschrei.“ (MEGA² II/5. S. 527.) Die Materialien des vorliegenden Hefts hätte er möglicherweise für eine neue Auflage des ersten Bandes oder für die Bücher 2 und 3 des „Kapital“ verwenden können.

Zeugenbeschreibung

    • H Originalhandschrift: IISG, Marx-Engels-Nachlass, Sign. P 1.
    • Beschreibstoff: Schreibheft aus weißem Papier, 108 Seiten.
    • Zustand: Gut erhalten.
    • Schreiber: Jenny Marx (Tochter), Marx.
    • Schreibmaterial: Schwarze Tinte, Bleistift.
    • Paginierung: Keine.
    • Vermerke fremder Hand: Signaturvermerk mit Bleistift: HA.

Zeugenbeschreibung

    • H Originalhandschrift: IISG, Marx-Engels-Nachlass, Sign. P 2.
    • Beschreibstoff: Schreibheft aus weißem Papier, 112 Seiten.
    • Zustand: Gut erhalten.
    • Schreiber: Jenny Marx (Tochter), Marx.
    • Schreibmaterial: Schwarze Tinte, Bleistift.
    • Paginierung: Keine.
    • Vermerke fremder Hand: Signaturvermerk mit Bleistift: HB.

Zeugenbeschreibung

    • H Originalhandschrift: IISG, Marx-Engels-Nachlass, Sign. P 3.
    • Beschreibstoff: Schreibheft aus weißem Papier, 65 Seiten.
    • Zustand: Gut erhalten.
    • Schreiber: Jenny Marx (Tochter), Marx.
    • Schreibmaterial: Schwarze Tinte, Bleistift.
    • Paginierung: S. 1 bis 65 von Jenny Marx (Tochter) paginiert.
    • Vermerke fremder Hand: Signaturvermerk mit Bleistift: Hb.

Zitiervorschlag

Graßmann, Timm: Entstehung und Überlieferung zu „Trade and Finance 1868“, „Trade and Finance 1869“ und „Social cases. 1869“. Ausschnitte aus 288 Artikeln englischer Zeitungen. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital, hg. v. der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://megadigital.bbaw.de/P1_Entstehung. Abgerufen am 05.08.2021.