Inhaltsbeschreibung und Datierung

1Das Heft enthält Marx’ Auszüge aus „The origin of civilisation“ von John Lubbock und danach, durch drei leere Seiten abgesetzt, Exzerpte und Notizen aus Artikeln der „Contemporary Review“, die im Zusammenhang mit der ägyptischen Krise im September/Oktober 1882 erschienen waren. Es scheint die Annahme gerechtfertigt, dass Marx für die letzteren Exzerpte ein kurz zuvor benutztes Heft verwendete, was hieße, dass er auch die Lubbock-Exzerpte im Oktober 1882 angefertigt hätte, nämlich nachdem er nach achtmonatiger Abwesenheit Anfang des Monats nach London zurückgekehrt war.Marx war am 9. Februar 1882 zur Rekonvaleszenz nach dem Süden gereist, zunächst zu seiner Tochter Jenny nach Argenteuil und dann über Marseille nach Algier, wo er bis Anfang Mai geblieben war. Danach hatte er sich bis Ende Mai in Monte Carlo aufgehalten, von wo er sich Anfang Juni erneut nach Argenteuil begeben hatte. Von dort war er am 22. August mit seiner Tochter Laura in die Schweiz gefahren. Ende September hatte er die Rückreise nach London angetreten, die er noch einmal in Argenteuil unterbrochen hatte. Schließen [1] Auch dass die Seiten 9–11 des Hefts leer geblieben sind, könnte dafürsprechen, dass Marx die zweiten Exzerpte zu einem Zeitpunkt begann, an dem das Exzerpt aus Lubbock noch nicht abgeschlossen war.

John Lubbock: The Origin of Civilisation and the Primitive Condition of Man

2John Lubbock: The Origin of Civilisation and the Primitive Condition of Man. Mental and Social Condition of Savages. London 1870. (S. 1–8.)

3(Seit 1865: Sir) John Lubbock (1834–1913; seit 1900: 1st Baron Avebury) war der Sohn eines Londoner Bankiers, der sich auch als Mathematiker und Astronom hervortat und eng mit Charles Darwin befreundet war. Der letztere war für den Sohn so etwas wie ein Tutor in Naturgeschichte. Die formale Ausbildung von Lubbock beschränkte sich auf den Besuch von Eton College in den Jahren 1845–1849. Danach musste er seinem Vater, der damals die Leitung der Bank der Familie übernommen hatte, assistieren. 1856 machte ihn der Vater zu seinem Partner. Nach dem Tod des Vaters 1865, bei dem er auch dessen Titel eines Baronet erbte, übernahm er seinerseits die Leitung der Bank. Seit 1870 gehörte er als Liberaler auch dem Parlament an, zunächst für Maidstone, Kent, dann für die Universität London, deren Vizekanzler er vorher gewesen war. Bekannter wurde er indessen durch seine ausgedehnten archäologischen, entomologischen und botanischen Studien. 1865 publizierte er sein erstes größeres Werk, „Pre-historic times as illustrated by ancient remains“, worin er, als Beleg für die „antiquity of man“, einen Überblick über den Stand der Urgeschichtsforschung gab. Sein nächstes und bekannteres anthropologisches Werk „The origin of civilisation and the primitive condition of man“ erschien 1870.Siehe Timothy L. Alborn: Lubbock, John, first Baron Avebury (1834–1913). In: Oxford Dictionary of National Biography. Vol. 34. S. 651/652. Schließen [2]

4Während er, wie er im Vorwort dazu schrieb, in „Pre-historic times“ seinen Bericht über die urgeschichtlichen Funde in Europa durch eine Beschreibung von „modern savages“ ergänzt hatte, „because the knowledge of modern savages and their modes of life enables us more accurately to picture, and more vividly to conceive, the manners and customs of our ancestors in bygone ages“, war seine Absicht jetzt, „to describe the social and mental conditions of savages, their art, their systems of marriage and relationship, their religions, language, moral character, and laws“ (Lubbock, S. V). Doch wolle er dabei nicht, wie verschiedentlich geschehen, die „various races of man“ eine nach der anderen behandeln – „a system which has its advantages, but which doesn’t well bring out the general stages of progress in civilisation“ (S. VII).

5Lubbock war Marx spätestens seit 1868 zunächst als Bankier bekannt (siehe MEGA² IV/19). Sein Buch „The origin of civilisation“ wird im Sommer 1871 in einem Briefwechsel von Engels mit Lavrov erwähnt. Auf dessen Bitte hatte Engels damals u. a. auch dieses Buch in London für Lavrov erworben.Lavrov, der damals in Paris wohnte, bat Engels, ihm in London nebst verschiedenen anderen Büchern (William Edward Hartpole Lecky: History of the rise and influence of the spirit of rationalism in Europe. In 2 vol. 4. ed. London 1870; derselbe: History of European morals from Augustus to Charlemagne. In 2 vol. London 1869; Edward B[urnett] Tylor: Primitive culture: researches into the development of mythology, philosophy, religion, art, and custom. In 2 vol. London 1871; Henry Sumner Maine: Ancient law: its connection with the early history of society, and its relation to modern ideas. 4. ed. London 1870; derselbe: Village-communities in the East and West. Six lectures delivered at Oxford. London 1871) auch dieses Werk von Lubbock zu besorgen. (Siehe: Ferdinand Wohlauer an Engels, 5. August; Lavrov an Engels, 7. August; Engels an Lavrov, 9. August; Lavrov an Engels, 12./13. August; Engels an Lavrov, 3. September; Lavrov an Engels, 5. September; Engels an Lavrov, 12. September; Lavrov an Engels, 29. September 1871. RGASPI, Sign. f. 1, op. 1, d. 2944, 5605, 2948, 5607, 2968, 5609, 2981, 3009.) Schließen [3] Marx hatte 1880 in seinem Notizbuch aus den Jahren 1880/1881 bei den in dieses eingetragenen bibliographischen Notizen aus Dawkins„Early man in Britain“ zweimal Lubbocks „Pre-historic times“ notiert und danach in der „In Mudie’s Library“ betitelten Liste „Lubbock (Sir John) see Catalogue“ aufgeführt (RGASPI, Sign. f. 1, op. 1, d. 4099). Lubbock war der drittletzte der Autoren, deren Werke Marx in dieser Liste angekreuzt hatte. Es scheint, dass er im Anschluss an die Bücher von Morgan, Money, Phear, Sohm und Maine auch eines der Bücher Lubbocks – vermutlich „The origin of civilisation“ – bereits im Sommer 1881 hatte lesen wollen. Mit einem Brief vom 7. August 1881 sandte Eleanor ihrem Vater, der sich auch damals noch mit seiner Frau drei Wochen, von Ende Juli bis Mitte August, in Argenteuil aufhielt, „for mama’s benefit“ eine Besprechung eines Gedichtbands von Mathilde Blind. Den Band, meinte sie, würde sie später „get […] from Mudie’s“, wobei sie hinzufügte: „by the way I can’t find Lubbock’s book anywhere“ (siehe RGASPI, Sign. f. 8 op. 1 d. 37). Offenbar hatte Marx sie gebeten, das Buch für ihn auszuleihen und ihm nach Argenteuil zu schicken. Zurück in London, wo er es in der Bibliothek des British Museum hätte benutzen können, scheint er die Lektüre dann aber zurückgestellt zu haben. Hätte er das Buch noch vor der Reise nach dem Süden, zu der er im Februar 1882 aufbrach, exzerpiert, hätte er dafür vermutlich das Heft 1880/1881 mit den Exzerpten aus den Büchern von Morgan etc. benutzt, in dem nach den Auszügen aus den „Lectures“ von Maine noch reichlich Platz war. Mit anderen Worten: auch dass er dafür ein neues Heft begann, spricht für die Annahme, dass er „The origin of civilisation“ erst nach seiner Rückkehr nach London im Oktober 1882 exzerpierte.

6Wie aus seinen Seitenangaben im Exzerpt ersichtlich ist, benutzte Marx die erste Ausgabe von 1870. Doch scheint er gelegentlich auch zur dritten Ausgabe von 1875 oder zur vierten von 1882 gegriffen zu haben (deren Seitenzählung von der der ersten abweicht). So fügte er, wo er die von Lubbock unterschiedenen „stages in religion“ referierte, bei dem dritten Stadium „Nature-worship, or Totemism,“ nach der Aufzählung der in ihm verehrten natürlichen Objekte – „trees, lakes, stones, animals etc“ – in Klammern noch „celestial bodies etc“ hinzu (siehe S. 3). Bei Lubbock kommt der Ausdruck „celestial bodies“ erst in jenen beiden Ausgaben vor: jeweils im Inhaltsverzeichnis zu „Chapter VI. Religion (continued)“ (Lubbock: The origin of civilisation. 3. ed. S. XI; 4. ed. S. XI) sowie in der dritten Ausgabe auch in der Kopfzeile der betreffenden Seite (S. 272).

7Ob Marx das Buch erst ganz las und dann exzerpierte oder gleich exzerpierte, ist nicht feststellbar. Vermutlich erst beim Exzerpieren notierte er auf der Innenseite des vorderen Vorsatzblatts (S. [0]) daraus zwei Titel. Für seine Auszüge benutzte er die Seiten 1–8 des Hefts. Gleich zu Beginn vermerkte er vier in Lubbocks „Preface“ besonders erwähnte Werke. Aus der „Introduction“ hielt er nur eine kritische Bemerkung Lubbocks zu der von Maine gegebenen Begründung seiner Zweifel daran fest, dass „men [could have] called themselves relatives of their mother’s relatives“, sowie den Hinweis: „relationship through females is a common custom of savage communities all over the world.“ (S. 1. Vgl. Lubbock, S. 2/3.) Das zweite Kapitel „Art and Ornaments“ überging er. Längere Auszüge machte er aus dem dritten Kapitel „Marriage and Relationship“: über den Übergang von „communal marriage“ zu „individual marriage“, über „that form of polyandry in which brothers had their wives in common“, über „endogamy“ und „exogamy“ sowie über „marriage by capture“ und dann besonders über „the relationship through females“. Am intensivsten exzerpierte er die drei folgenden Kapitel über „Religion“. Die Kapitel 7 „Character and Moral“ und 8 „Language“ wieder übergehend, machte er noch einmal längere Auszüge aus dem neunten Kapitel „Laws“ über frühe Eigentumsformen und die Ahndung von Verbrechen.

8In seinen Auszügen äußert Marx einige Kommentare, in denen er explizit oder implizit auf früher, in den Jahren 1880/1881 studierte Quellen, insbesondere der Ethnologie, Frühgeschichte und Kolonialgeschichte, verweist. An dem Kapitel zu den Ehebeziehungen kritisiert er Lubbocks Projektion der patriarchalischen und monogamen Familienform auf die Urformationen (S. 1).Siehe dazu Andreas Arndt: Karl Marx. Versuch über den Zusammenhang seiner Theorie. Berlin 2012. S. 98/99. Schließen [4] Zu der Ansicht von Lubbock, „that exogamy arose from the marriage by capture“, merkt Marx an: „Lubb. weiss also nichts v. der Basis – der gens“ (S. 1/2). Diese Bemerkung bezieht sich stillschweigend auf die Thesen von Morgans „Ancient Society“, das Marx ausführlich in Heft 1880/1881 exzerpierte (Siehe auch Entstehung und Überlieferung zu Heft 1880 bis 1881). In seinen Exzerpten aus dem Kapitel über Religion, in dem Lubbock vom „worship of idols“ berichtet, fügt Marx einen Hinweis auf eine Passage aus J. B. Phears „The Aryan village in India and Ceylon“ (London 1880) hinzu, in der Phear das gleiche Thema der Ahnenverehrung „im modernen Bengala“ behandelt (vgl. S. 4 mit Heft 1880/1881, S. 138).

9Engels zog auch das vorliegende Heft 1884 bei der Abfassung von „Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats“ heran und übernahm dort aus Marx’ Exzerpten aus dem Buch von Lubbock eine Passage (MEGA² I/29. S. 26.6–10).

Exzerpte zu Ägypten

10M[ichael] G[eorge] Mulhall: Egyptian finance. In: The Contemporary Review. London. Vol. 42. July–December, 1882. October. S. 525–535. (S. 12–19.)

11Sheldon Amos: “Spoiling the Egyptians:” revised version. In: The Contemporary Review. London. Vol. 42. July–December, 1882. October. S. 509–524. (S. 19.)

12Die Seiten 12–19 benutzte Marx unter der Überschrift „Egypt“ für Exzerpte im Zusammenhang mit der ägyptischen Krise von 1882, die ihren Ursprung in der hohen Verschuldung Ismail Paschas hatte, der die osmanische Provinz Ägypten seit 1863, zunächst als Gouverneur, dann als Khedive (Vizekönig), regiert hatte.Ísmail Pascha war ein Enkel von Muhammad Ali Pascha, dem Begründer der Dynastie, die seit 1805 die osmanische Provinz Ägypten regierte. Als Nachfolger seines Onkels Muhammad Said Pascha wurde er 1863 deren Gouverneur. 1866 verlieh ihm Sultan Abdülaziz den erblichen Titel Khedive (Vizekönig). Siehe Dominic Green: Three empires on the Nile. The Victorian Jihad, 1869–1899. New York u. a. 2007. S. 1–73. Schließen [5] Bestrebt, Ägypten von der Pforte unabhängig und zu einem modernen Staat zu machen, hatte er das Land durch seine verschwenderische Hofhaltung, teure Investitionen und eine verfehlte Finanzpolitik 1876 an den Rand des Staatsbankrotts gebracht, woraufhin die ausländischen Gläubiger und die hinter ihnen stehenden europäischen Regierungen, namentlich die britische und die französische, immer massiver intervenierten.Ismail Pasha musste der Kontrolle der ägyptischen Finanzen durch eine von den europäischen Gläubigern unter dem Druck der Regierungen eingesetzter Kommission zustimmen und 1878 auch noch einen der britischen und einen der französischen Kontrolleure als Finanzminister bzw. Minister für öffentliche Arbeiten in seine Regierung aufnehmen. Siehe ebenda. Schließen [6] Als sich Ismail Pascha dagegen zur Wehr setzte, setzten die Westmächte beim Sultan seine Ablösung durch seinen Sohn Tawfiq (Tawfik, Tewfik) durch. Zugleich hatte sich aber, unter der Führung eines ägyptischen Offiziers, Ahmed Urabi, eine oppositionelle nationale Bewegung gebildet, die sich einerseits gegen das absolutistische Regime des Khedive, andererseits gegen den ausländischen Einfluss richtete. Die sich zuspitzenden Konflikte kulminierten in der Beschießung Alexandrias durch britische Kriegsschiffe am 11. Juli 1882 und dem folgenden anglo-ägyptischen Krieg, der am 13. September mit dem Sieg der Briten über die Truppen Urabis endete. Ägypten wurde durch britische Truppen besetzt und der britische Generalkonsul, als Berater des Khedive, übernahm de facto die Herrschaft. Marx hatte die Ereignisse von Argenteuil aus verfolgt und erwähnt die Bombardierung von Alexandria auf Geheiß von „old saintly Gladstone“ auch in seinen Exzerpten (siehe S. 16)Wie er am 3. August 1882 in einem Brief an Engels feststellte, war ein Großteil der Pariser Presse „unvergleichbar unabhängiger als die Londoner“. Nach seiner Meinung hatte sie entscheidend dazu beigetragen, dass die französische Regierung von einer Beteiligung an der Intervention in Ägypten abgesehen hatte. Der „Citoyen“ habe mit seinen Aufrufen offenbar Erfolg (IISG, Marx-Engels-Nachlass, Sign. L 4754). U. a. rief das sozialistische Pariser Blatt am 27., 28. und 29. Juli 1882 zu einem „grand meeting public“ am 29. Juli – „Ordre du jour: La vérité sur la guerre d’Egypte“ – auf. Schadenfroh bemerkte Marx in seinem Brief an Engels vom 4. September 1882, dass die Engländer in Ägypten nicht so rasch vorankamen, wie sie erwartet hatten. (Ebenda, Sign. L 4758.) Schließen [7]

13Unter der Überschrift „Egypt“ versammelte Marx verschiedene Exzerpte und Notizen. Zunächst notierte er unter der Nummer „1)“ Angaben zu einem Artikel von Wilfrid Scawen Blunt, einem Kritiker des britischen „Imperialismus“, der in der September-Nummer von „The Nineteenth Century“ publiziert worden war (S. 12).Wilfrid Scawen Blunt: The Egyptian revolution: a personal narrative. In: The Nineteenth Century. London. Vol. 12. Nr. 67. September 1882. S. 324–346. Schließen [8] Marx wurde auf diesen Artikel aufmerksam, als er vermutlich im Oktober 1882 von Collet Dobson Collet ein Heft der von diesem herausgegebenen „Diplomatic fly-sheets“ erhielt, das dessen Besprechung der im Juli 1882 erschienenen Broschüre „Spoiling the Egyptians“ von John Seymour KeaySiehe John Seymour Keay: Spoiling the Egyptians. A tale of shame. Told from the blue books. London 1882. Schließen [9] sowie gleich im Anschluss eine vermutlich ebenfalls von ihm verfasste Besprechung des Artikels von Blunt enthielt.[Collet Dobson Collet:] (From VANITY FAIR, September 2.) “Spoiling the Egyptians.” Materials for an indictment against the British government and the British people. In: Diplomatic fly-sheets. London. Vol. 3. Nr. 150, 12. September 1882. S. 323–326; [Collet Dobson Collet:] (From VANITY FAIR, September 9.) A witness to the truth as it is in Egypt. Ebenda. S. 326/327. Collet hatte beide Besprechungen vorher in „Vanity Fair“ (London. September 2, 1882. S. 134–136; September 9, 1882. S. 150) veröffentlicht. Schließen [10]

14Danach exzerpierte Marx unter der Nummer „2)“ zwei in der Oktober-Ausgabe 1882 der „Contemporary Review“ publizierte Artikel: zunächst ausführlich den Artikel „Egyptian finance“ von Michael George Mulhall (S. 12–19), danach kurz eine weitere Besprechung der Broschüre Keays, die von Sheldon Amos stammt und die in der „Contemporary Review“ dem Artikel Mulhalls voranging (S. 19).

15Michael George Mulhall (1836–1900) wurde als Sohn eines Rechtsanwalts in Dublin geboren, absolvierte das Irish College in Rom und ging 1858 nach Südamerika. Gemeinsam mit seinem Bruder gründete er in Buenos Aires einen Verlag und eine danach von ihm redigierte Tageszeitung. Ebenfalls mit seinem Bruder publizierte er jährlich in englischer und spanischer Sprache das „Handbook of the River Plate“. Seinerseits veröffentlichte er zudem Reiseberichte und, besonders nach seiner Rückkehr nach Irland 1878, Sammlungen statistischer Daten. Seit 1880 schrieb er zahlreiche Artikel für die „Contemporary Review“.Siehe Thomas Secombe, rev. Philipp A. Hunt: Mulhall, Michael George (1866–1900). In: Oxford Dictionary of National Biography. Vol. 39. S. 699/700. Schließen [11]

16Über den Zweck des von Marx exzerpierten Artikels schrieb Mulhall einleitend (S. 525):

„Notwithstanding the repeated commissions of inquiry and official reports on Egyptian finance in the past five or six years, mostly in the interests of bondholders, the English public have a confused idea of the subject. […] No fewer than 835 despatches and six voluminous reports, on this subject, are to be found in the Blue-books of Great Britain, France, Austria and Italy, attesting the interest that European Governments felt in the matter […] The following précis may be useful to those who want time or patience for examining the copious details.“

17Der Artikel ist in drei Teile gegliedert: „The Egyptian Debt“ (S. 525–529), „What became of the Money“ (S. 529–531) und „Financial System under Tewfik“ (S. 531–535). Marx exzerpierte ausführlich alle drei Teile.

18Nach seinen Auszügen aus Mulhalls Beitrag exzerpierte Marx eine Passage aus Sheldon Amos’ Artikel über die Broschüre „Spoiling the Egyptians“ von John Seymour Keay.

19Der Jurist Sheldon Amos (1835–1886) war Professor an der Universität London gewesen, bevor er 1879 aus gesundheitlichen Gründen zunächst nach Australien und im Jahr darauf nach Ägypten ging, wo er seitdem als Anwalt tätig war.Siehe Thomas S. Legg: Amos, Sheldon (1835–1886). In: Oxford Dictionary of National Biography. Vol. 2. S. 5/6. Schließen [12]

20Amos wies in seiner Besprechung Keays Vorwurf zurück, „that the policy of the British Government in Egypt […] has been mainly dictated by concern for the safety of the principal and interests of the debts incurred by Ismail to British speculators“, und das ohne Rücksicht auf „the well-being of the Egyptian people“ (Amos, S. 511). An der Besprechung fand Marx, wie er selbst bemerkt, lediglich bemerkenswert, was Amos, sich auf Edward Diceys Buch „England and Egypt“ stützend, „über grosse eviction der Bauern“ (S. 19) im Zusammenhang mit Ismails skrupelloser Vermehrung seines privaten Landbesitzes schrieb (Amos, S. 511).Siehe Edward Dicey: England and Egypt. London 1881. S. 110–120. Dort: S. 112/113 (von Amos wörtlich zitiert): „According to the common calculation as to the proportion between land and population in Egypt, I am not beyond the mark in saying that, as the immediate result of this huge transfer of property, little short of a million persons have had their homes destroyed, their lands taken from them, their position in life altered, in their own persons or in those of their families, from that of peasant proprietors to that of day labourers. In a country such as Egypt, where there is no trade but that of agriculture, the peasant clings to the soil with a tenacity like that of the mussel to the rock; and without being a sentimentalist, it is impossible not to deplore the wide-spread misery caused by these wholesale evictions.“ Schließen [13] Davon abgesehen verwirft Marx den Beitrag von Amos als „schlechte[n] Artikel“.

21Marx fertigte die Exzerpte und Notizen vermutlich noch im Oktober 1882 in London an. Ende Oktober begab er sich nach Ventnor, wo er bis zum 12. Januar 1883 blieb. Auf den Artikel von Amos bezog er sich in seinem Brief an Engels vom 22. November 1882, als er – offenbar am gleichen Tag – die Erwiderung von Keay in der November-Nummer der „Contemporary Review“J[ohn] Seymour Keay: “Spoiling the Egyptians.” A rejoinder. In: The Contemporary Review. London. Vol. 42. July–December, 1882. November. S. 764–785. Schließen [14] gelesen hatte:

„Der Esel Amos, – das Sprechrohr der englischen Beamten in Aegypten – hat den casus seiner Clienten unendlich verschlechtert, indem er dem Keay, dem Verfasser des Pamphlet ‚Spoiling the Egyptians‘, den Anlaß zu ‚A Rejoinder‘ in ‚Contemporary Review‘ gab. Namentlich die Rivers Wilson, Rowsell und Goschen hat Keay tiefer in den mud hineingestampft und mit ihnen das englische Ministerium.“ (Marx an Engels, 22. November 1882. IISG, Marx-Engels-Nachlass, Sign. L 4765).

22Marx’ Kritik im Brief an Engels spiegelt auch seine im vorliegenden Exzerpt geäußerten negativen Urteile wider: nicht nur über den Beitrag von Amos, sondern ebenfalls sowohl über die verschwenderische Politik des Khedives (S. 15) als auch die Finanzspekulation der Briten (siehe insbesondere den zusammenfassenden Kommentar auf S. 12 über den „usurious interest“ der britischen Kreditgeber und seine Charakterisierung englischer Politiker als „crocodile“ auf S. 13).

23Noch einmal äußerte sich Marx zu Ägypten am 9. Januar 1883 in einem Brief an seine Tochter Eleanor (RGASPI Sign. f. 1., op. 1., d. 6081), in dem er meinte, „eine schamlosere hypokritisch-christlichere ‚Erobrung‘ als die Aegypten’s – Eroberung im tiefen Frieden!“ sei schwer vorstellbar.

Anmerkungen

Zeugenbeschreibung

    • H Originalhandschrift: IISG, Marx-Engels-Nachlass, Sign. B 168/B 150.
    • Beschreibstoff: Notizheft, kartoniert. Außenseiten des Einbands und Rücken mit schwarzem Wachstuch bezogen, Innenseiten mit hellbraunem Papier beklebt. Format: 184 × 225 mm. Auf vorderem Einbanddeckel von Engels Etikett von vergilbtem weißem Papier im Format 108 × 55 mm aufgeklebt. Vorsatzblätter aus gleichem Papier wie das, mit dem die Innenseiten der Einbanddeckel beklebt sind; innen mit gleichem Papier beklebt, wie für die Blätter benutzt wurde. Eingeheftet 12 Blatt (= 24 Seiten) mittelstarken, gerippten, linierten weißen Papiers im Format des Einbands. Wasserzeichen: Helle Linien im Abstand von 26 mm. Einband und Blätter an den Außenkanten abgerundet.
    • Zustand: Gut erhalten, Papier leicht vergilbt, hinterer Einbanddeckel samt Vorsatzblatt lose. Keine Textverluste.
    • Schreiber: Karl Marx, Etikett Friedrich Engels.
    • Schreibmaterial: Schwarze Tinte, leicht bräunlich verfärbt. Eine Anstreichung mit Bleistift (S. 8).
    • Beschriftung: Außenseite des vorderen Einbanddeckels, Innenseite des vorderen Vorsatzblattes, S. 1–19 (Innenseite des vorderen Vorsatzblattes, S. 8 und S. 19 nur teilweise beschrieben, S. 9–11 nur paginiert). Lateinische Schrift
    • Paginierung: Marx paginierte die S. 1–19 mit Tinte 1–19. Einige Seitenzahlen später von fremder Hand mit Bleistift verdeutlicht.
    • Vermerke fremder Hand: Archivstempel IISG; Sign. B 150 (auf Etikett und S. 1). Fotosign., mit Bleistift, auf dem Etikett: GE 0, auf der Innenseite des vorderen Vorsatzblattes: GE 1a, auf S. 1–5 und S. 12–19: GE (jeweils bei Marx’ Seitenzahl), auf S. 6–8: GE 6–GE 8.

Zitiervorschlag

Rojahn, Jürgen: Entstehung und Überlieferung zu Heft 1882. Exzerpte aus „The Origin of Civilisation“ von John Lubbock und aus der „Contemporary Review“ unter Mitarbeit von Emanuela Conversano. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital, hg. v. der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://megadigital.bbaw.de/exzerpte/intro.xql?id=M7404965. Abgerufen am 05.03.2024.