Inhaltsbeschreibung und Datierung

1Das vorliegende von Marx mit „1868“ datierte und betitelte Heft enthält die Fortsetzung der Auszüge aus den Jahrgängen 1866/1867 der „Money Market Review“ (S. 1a–78), die Marx in dem Heft „London. 1868“ begonnen hat. Das Heft enthält außerdem zwei Notizen (S. [0]), kurze Auszüge aus dem „Kurzen Lehrbuch der Chemie“ von Henry Enfield Roscoe (S. 1–3) sowie einen eingeklebten Ausschnitt aus der Zeitung „The Standard“ vom 4. Dezember 1868 (S. 79). Zu den Auszügen aus der „Money Market Review“ erstellt Marx am Ende des Hefts ein Inhaltsregister (S. 84–86), in dem er seine Exzerpte thematisch unter fünf Gliederungspunkten stichpunktartig ordnet. Das Heft hat Marx angefertigt, als er nach der Veröffentlichung des ersten Bandes des „Kapital“ (MEGA² II/5) in Vorbereitung einer Überarbeitung des Kapitels über das zinstragende Kapital für das dritte Buch des „Kapital“ aktuelles Material zu Geldmarkt und Kreditsystem studierte (siehe Einführung).

2Die Exzerpte aus den Jahrgängen 1866/1867 der „Money Market Review“ begann Marx im Heft „London. 1868“, wo er die beiden Jahrgänge einmal vollständig durchging und die Exzerpte aus dem Jahrgang 1866 weitestgehend abschloss. Zum Teil fertigt Marx in beiden Heften aus denselben Ausgaben der Wochenzeitung Auszüge an. Im vorliegenden Heft exzerpiert er neben den Angaben zum Geldmarkt des Jahres 1866 allerdings nur aus sechs Artikeln des Jahrgangs 1866. Er nimmt sich nun insbesondere den Jahrgang 1867 vor und greift dabei auch auf solche Ausgaben der „Money Market Review“ zurück, aus denen er im Heft „London. 1868“ noch nicht exzerpierte: Es handelt sich um die Ausgaben vom 18. Mai 1867, vom 1. Juni, 27. Juli, 24. August, 2. und 30. November und 14. Dezember 1867.

3Der Hauptteil des vorliegenden Hefts, die Exzerpte aus den Jahrgängen 1866/1867 der „Money Market Review“, ist wahrscheinlich zwischen Mitte November und Mitte Dezember 1868 entstanden. Marx erhielt diese Zeitungen – möglicherweise schon in einer zu einem Buch gebundenen Form – von Sigismund Borkheim am 13. Oktober 1868: „Überbringer dieses wird Ihnen Money Market Review und Economist – beide für 1866 & 1867 übergeben; auch Slades Buch. Dieses bitte ich mir recht bald wiederzugeben.“ (MEGAdigital.) Marx sollte die Zeitungen wieder an Borkheim zurückschicken (siehe Borkheim an Marx, 28. Dezember 1868), weshalb er sie zuvor ausgiebig exzerpierte. Die Exzerpte aus Roscoe zu Beginn des Hefts entstanden wahrscheinlich zwischen Januar und Juli 1868. In den Notizen auf S. [0] vermerkt Marx zudem einen Termin am 9. September 1868; diese Notizen könnten somit im August/September 1868 zwischen den Exzerpten aus Roscoe und der „Money Market Review“ entstanden sein. Die unterschiedliche Entstehungszeit der Auszüge aus Roscoe und der „Money Market Review“ hat sich auch in Marx’ Paginierung des Hefts niedergeschlagen. Die Roscoe-Exzerpte befinden sich auf den von Marx mit 1 bis 3 paginierten Seiten; die auf die Exzerpte aus Roscoe folgenden ersten drei Seiten der Auszüge aus der „Money Market Review“ paginiert er mit 1a, 2a und 3a. Das Heft war also schon begonnen worden, ehe Marx es ab wahrscheinlich Mitte November für die Auszüge aus der „Money Market Review“ verwendete. Die weiteren Auszüge aus der „Money Market Review“ befinden sich auf den mit 4 bis 78 paginierten Seiten, wobei Marx eine zwischen S. 46 und S. 47 liegende S. 46a sowie keine S. 55 paginiert hat, so dass auf S. 54 die S. 56 folgt. Auf S. 79 befindet sich der eingeklebte Zeitungsausschnitt aus dem „Standard“, S. 80 bis 83 sind leer und auf S. 84 bis 86 erstellt Marx das Inhaltsregister zu den Exzerpten aus der „Money Market Review“.

4Obwohl die ersten Einträge in das vorliegende Heft bereits zwischen Januar und Juli 1868 vorgenommen wurden, folgt das Heft in der Anordnung der Exzerpthefte in der vorliegenden Edition auf das Heft „London. 1868“, da sein Hauptinhalt die Fortsetzung der dort begonnenen Exzerpte ist. Marx beendete das Heft „London. 1868“ ungefähr Mitte November, und es ist davon auszugehen, dass er seine Auszüge unmittelbar im Anschluss im vorliegenden Heft weiterführte. Für diese Reihenfolge spricht auch, dass bereits auf der Titelseite des Hefts „London. 1868“ beide Jahrgänge der „Money Market Review“ genannt werden. Dort notierte Marx: „‚Economist‘ (1866 und 1867) ‚Money Market Review‘ (1866 und 1867)“. Möglich wäre auch, dass Marx eine Zeit lang parallel an den beiden Heften „London. 1868“ und „1868“ gearbeitet hat. Zudem spricht auch der eingeklebte Ausschnitt aus dem „Standard“ vom 4. Dezember 1868 am Ende des vorliegenden Hefts (S. 79) für eine Benutzung des Hefts im Dezember 1868, also nach Abschluss von „London. 1868“. Am 30. Dezember 1868 ließ Borkheim Marx die Jahrgänge 1868 des „Economist“ und der „Money Market Review“ zukommen und Marx setzte seine Auszüge aus den Zeitschriften in der Folge ab Januar 1869 in „1869 I Heft“ fort. Da das umfangreiche Heft „London. 1868“ etwa drei Wochen nach Erhalt der Zeitungen von Borkheim schon zu rund 80% fertiggestellt war (siehe Entstehung und Überlieferung zu „London. 1868“), dürfte Marx an dem vorliegenden Heft kaum länger als einen Monat, eher weniger gearbeitet haben. Die gesamten Exzerpte aus den Jahrgängen 1866/1867 des „Economist“ und der „Money Market Review“ in den Heften „London. 1868“ und „1868“ hat Marx demnach innerhalb von rund zwei Monaten zwischen dem 13. Oktober und Mitte Dezember 1868 erstellt.

Henry Enfield Roscoe: Kurzes Lehrbuch der Chemie

5H[enry] E[nfield] Roscoe: Kurzes Lehrbuch der Chemie. Nach den neuesten Ansichten der Wissenschaft. Deutsche Ausgabe, unter Mitwirkung des Verfassers bearbeitet von Carl Schorlemmer. Braunschweig 1867. (S. 1–3.)

6Marx notiert aus der ersten Auflage des 400-seitigen Lehrbuchs von Henry Enfield Roscoes unter der Überschrift „Chemie“ ohne Angabe der Quelle einige Charakteristika von Sauerstoff, Wasserstoff und Gasen im Allgemeinen. Roscoe (1833–1915) war englischer Chemiker, der in Manchester mit Carl Schorlemmer (1834–1892) zusammenarbeitete, einem deutschen Chemiker, der Mitglied der Internationalen Arbeiterassoziation war und in enger freundschaftlicher Beziehung zu Engels stand. Schorlemmer war an der Herausgabe des vorliegenden Standardwerks zur Chemie beteiligt und in späteren Auflagen werden Roscoe und Schorlemmer als gleichberechtigte Autoren des Werks geführt. Die beiden gaben gemeinsam weitere Bücher zur Chemie heraus. In seinen Verweisen auf das Buch in Briefen und in den Zitaten daraus in Manuskript II zum zweiten Buch des „Kapital“ gab Marx stets Schorlemmer, nie Roscoe als den Autoren des Buchs an.

7In seinem vorliegenden Exzerpt teilt Marx den Titel seiner Quelle nicht mit. Diese Verfahrensweise kennzeichnet auch seine späteren, zwischen 1877 und 1883 entstandenen Exzerpte zur Chemie (MEGA² IV/31. S. 658). Bis 1868 erschienen zwei Auflagen von dem „Kurzen Lehrbuch der Chemie“ und es lässt sich anhand der Varianten zwischen ihnen nachweisen, dass Marx für das vorliegende Exzerpt nicht die zweite, 1868 erschienene Auflage, sondern die erste Auflage von 1867 heranzog. In der ersten Auflage steht „Verbindungsgewicht“ (Roscoe: Kurzes Lehrbuch der Chemie … Braunschweig 1867. S. 10), wo es in der zweiten Auflage „Atomgewicht“ heißt (H[enry] E[nfield] Roscoe: Kurzes Lehrbuch der Chemie nach den neuesten Ansichten der Wissenschaft. Deutsche Ausg., unter Mitwirkung des Verf. bearb. von Carl Schorlemmer. 2., nach den neuesten Forschungen verm. und verb. Auflage. Braunschweig 1868. S. 11). Außerdem wurde aus „Alle Gase, welche an der Erdoberfläche existiren […]“ (Roscoe: Kurzes Lehrbuch der Chemie … Braunschweig 1867. S. 22) in der zweiten Auflage: „Alle Gase, welche auf unserm Planeten existiren […]“ (Roscoe: Kurzes Lehrbuch der Chemie … 2. Aufl. Braunschweig 1868. S. 22). Im Marx’schen Exzerpt befinden sich mit „Verbindungsgewicht“ (S. 1) und „Erdoberfläche“ (S. 2) die Begriffe aus der ersten Auflage.

8Dass Marx die erste Auflage benutzt, wird durch einen anderen Hinweis gestützt. In einem Brief vom 20. März 1869 schreibt er an Engels: „Meinen besten Dank an Schorlemmer für die 2nd edition der Chemie. Morgen werde ich mit Wiederdurchlesung des 2 Theils, der organischen Chemie (u. ich unterstelle, daß hier die Veränderungen zu suchen sind) als Sonntagsvergnügen beginnen.“ (Marx an Engels, 20. März 1869.) Bei der Schrift, die Marx hier ansprach, handelt es sich eindeutig um die zweite Auflage des „Kurzen Lehrbuchs der Chemie“. Dass Marx von einer „Wiederdurchlesung“ sprach, bestätigt, dass er die erste Ausgabe bereits rezipiert hatte und die vorliegenden Exzerpte aus der ersten Auflage früher entstanden sind. Obwohl Marx mit „Sonntagsvergnügen“ andeutete, zu dieser Zeit keine systematischen Studien zur Chemie beabsichtigt zu haben, verwendete er diese zweite Ausgabe mehrmals in Manuskript II zum zweiten Buch des „Kapital“ (MEGA² II/11. S. 192.6–14, 193.7–10 u. 193.17–194.8), was seine hohe Meinung von dem Buch bekundet.

9Die erste Auflage erhielt Marx Ende November 1867 von Engels. Er fragte diesen erstmals am 2. November und dann am 27. November 1867 nach dem Buch: „Wie steht es mit des Herrn Schorlemer Chemie, die ich erhalten sollte?“ (Marx an Engels, 27. November 1867.) Er bestätigte den Erhalt am 30. November: „Ich habe heute Morgen copy Schorlemmers erhalten and send him my thanks for it.“ (Marx an Engels, 30. November 1867.) Eine Woche später gab er gegenüber Engels eine erste Einschätzung: „Schorlemmer’s Compendium gefällt mir ausserordentlich.“ (Marx an Engels, 7. Dezember 1867.) Dass Marx die vorliegenden Exzerpte bereits Ende des Jahres 1867 angefertigt hat, ist allerdings unwahrscheinlich, da die Marx’sche Datierung des Hefts „1868“ direkt über der Überschrift „Chemie“ steht, weshalb davon auszugehen ist, dass die Exzerpte erst 1868 entstanden sind. Zwischen Januar und März 1868 beschäftigte sich Marx auch in den drei „Heften zur Agrikultur“ (siehe MEGA² IV/18) mit naturwissenschaftlichen Themen. Da Marx auch ungefähr Anfang Juli 1868 zwei weitere Werke Schorlemmers von Engels erhielt und sich bei diesem am 4. Juli 1868 „for the two Büchelchen v. Schorlemmer“ (Marx an Engels, 4. Juli 1868) bedankte, könnte das vorliegende Exzerpt somit zwischen Januar und Juli 1868 entstanden sein. Das Heft hat Marx damit ebenfalls in diesem Zeitraum begonnen.

10Möglicherweise plante Marx beim Erstellen der vorliegenden Auszüge, weitere Exzerpte aus dem Buch oder zu anderen Werken der Chemie anzufertigen. Dafür spricht, dass das Exzerpt abrupt auf S. 3 des Hefts endet, auf der sich lediglich die letzten Worte eines Satzes befinden, für die, wenn Marx das Exzerpt an dieser Stelle hätte beenden wollen, auf S. 2 noch Platz gewesen wäre. Es ist daher wahrscheinlich, dass Marx das vorliegende Heft nach diesen ersten Einträgen lange unbenutzt ließ und sich erst im November 1868 entschloss, es für die Fortsetzung der Auszüge aus der „Money Market Review“ zu verwenden.

11Marx widmete sich später Roscoe und Schorlemmer erneut und exzerpierte zwischen Mitte 1877 und Anfang 1883 aus der vierten Auflage des „Kurzen Lehrbuchs der Chemie“ (Braunschweig 1873) und weiteren Werken der beiden (MEGA² IV/31. S. 3–463). Ein Handexemplar der vierten Auflage mit Marginalien von Marx befand sich in seiner persönlichen Bibliothek (MEGA² IV/32. Nr. 1139).

The Money Market Review

12The Money Market Review. A Weekly Record of Trade and Finance; also of Railway, Banking, Insurance, Mining, Steam, & Other Public Companies. Vol. 12–14. (S. 1a–78.)

13Der Hauptinhalt des vorliegenden Hefts sind Marx’ Exzerpte aus 74, zwischen dem 19. Mai 1866 und dem 28. Dezember 1867 erschienenen Ausgaben der Wochenzeitung „The Money Market Review“. Diese Auszüge bilden die Fortsetzung der im Heft „London. 1868“ begonnenen Exzerpte. Aus vielen der vorliegend herangezogenen Ausgaben hat Marx bereits im Heft „London. 1868“ Auszüge angefertigt. Aus den vorliegend exzerpierten Ausgaben vom 18. Mai 1867, vom 1. Juni, 27. Juli, 24. August, 2. und 30. November und 14. Dezember 1867 hingegen befinden sich keine Auszüge im Heft „London. 1868“. In beiden Heften gibt es keine Exzerpte aus den sechs Ausgaben zwischen dem 9. Juni 1866 und dem 14. Juli 1866 sowie der Ausgabe vom 3. November 1866. Auch wenn die Formulierungen in Borkheims Brief nahelegen, dass Marx die kompletten Jahrgänge der „Money Market Review“ erhalten hat (siehe Borkheim an Marx, 13. Oktober 1868), standen ihm diese Ausgaben möglicherweise nicht zur Verfügung.

14Die vorliegenden Auszüge lassen sich in zwei Arbeiten unterscheiden. Marx fertigt erstens nicht immer unmittelbar miteinander zusammenhängende Exzerpte aus 82 Artikeln an und setzt damit seine im Heft „London. 1868“ begonnene Arbeit fort. Eine Besonderheit gegenüber dem Heft „London. 1868“ besteht allerdings darin, dass Marx, zweitens, unter den Titeln „Money Market. 1866. Von 16 May an (Bank of England)“ (S. 1a) und dann „Bank of England and Moneymarket. 1867“ (S. 19–20) sowie „London Bullion Market, during December 1867“ (S. 76) unter 98 Überschriften zusätzlich weitere Exzerpte aus mehreren Rubriken und Artikeln der Zeitschrift speziell zum englischen Geldmarkt und zur Bank of England erstellt. Zwar fertigte er schon im Heft „London. 1868“ viele Auszüge aus dem „Economist“ zum Geldmarkt zwischen Januar und Mai 1866 an, aber im vorliegenden Heft sammelt er noch systematischer umfassende Daten und Einschätzungen zu den Vorgängen auf dem englischen Geldmarkt für fast jede Woche zwischen 16. Mai 1866 und 28. Dezember 1867 (mit einer größeren Unterbrechung im Juni 1866). Marx arbeitet abwechselnd an den Auszügen aus den Artikeln und an der Zusammenstellung von Informationen und Notizen zum Geldmarkt. Die zusammenhängende Materialsammlung zur Bewegung des Geldmarkts erstreckt sich über sechs Blöcke und befindet sich im Heft auf den Seiten 1a–22, 43–45, 46a–50, 69–71, 71/72 und 76/77. Dazwischen liegen jeweils die Auszüge aus den 82 Artikeln. Der unterschiedliche Charakter der beiden Arbeiten zeigt sich auch darin, dass Marx in der Materialsammlung zum Geldmarkt auf Quellenangaben fast vollständig verzichtet, während er die meisten Exzerpte aus den Artikeln mit einem Quellennachweis versieht. Der erste Artikel, für den Marx die Quelle nachweist, stammt aus der „Money Market Review“ vom 5. Januar 1867 und die Exzerpte daraus befinden sich auf S. 23.

Die Materialsammlung zum Geldmarkt der Jahre 1866/1867

15In der Materialsammlung zur Bewegung des Geldmarkts ab der ersten Woche nach der Krise von 1866 bis Jahresende 1867, die Marx unter den Titeln „Money Market. 1866. Von 16 May an (Bank of England)“, „Bank of England and Moneymarket. 1867“ und „London Bullion Market, during December 1867“ führt, exzerpiert er einige Artikel über die Bank of England und kompiliert vor allem verschiedene Angaben, Beschreibungen und Analysen zur Entwicklung von Aktienkursen, Bankrotten, britischen Goldeinfuhren und -ausfuhren und den Bilanzen der Bank of England. Er ordnet das Material wochenweise an. Diese Materialsammlung enthält zwar ebenfalls Exzerpte aus einigen wenigen Artikeln, weist aber darüber hinaus auch einen im Vergleich zu den Exzerpten aus den Artikeln höheren Grad an eigenständiger Bearbeitung durch Marx auf. Zwar lassen sich fast alle versammelten Angaben in der „Money Market Review“ finden, aber Marx fasst sie (ohne Angabe der Quelle) zu selbsterstellten Tabellen und unter selbstgewählte Überschriften zusammen. Er entnimmt also nicht einfach fertige Tabellen der Zeitschrift, sondern erstellt sie selbst, zum Teil über Doppelseiten hinweg, und füllt sie mit Angaben aus den 74 Ausgaben der Zeitschrift. Auch übernimmt Marx nicht alle Angaben, sondern wählt Informationen gezielt aus. Schließlich kompiliert er häufig Informationen und Materialien aus mehreren Rubriken der „Money Market Review“, die sich an verschiedenen Stellen der Ausgabe befinden, wie „The Money Market“, „The Stock Markets“ und „City Article“. „The Money Market“ bot zumeist am Beginn der Ausgabe einen kurzen Überblick über wichtige Ereignisse der Woche auf dem Geldmarkt; „The Stock Markets“ hieß eine Rubrik in der Mitte des Hefts über die Bewegungen an der Börse; der „City Article“ schließlich war eine in der Regel ungefähr vierseitige Rubrik mit ausführlichen Angaben und Einschätzungen über die wöchentlichen Vorgänge bei der Bank of England, der Banque de France, dem Clearing House, auf dem Geld- und Edelmetallmarkt („Money Market“, „Bullion Market“) und bei den Wechselkursen („Exchanges“), mit verschiedenen Wirtschaftsnachrichten über zum Beispiel Bankrotte („Mercantile Embarassments“), Eisenbahnen („Railways“), Banken („Banks“), Anleihen („Bonds“) wie ausländische Staatsanleihen, den Aktienmarkt („Stock and Share Market“), Wertpapiere („Securities“) sowie die Versicherungs- und öffentlichen Gesellschaften („Assurance Companies“, „Public Companies“). In jeder Ausgabe wurde auch unter dem Titel „The London Official Stock and Share List“ eine Übersicht über die an der Londoner Börse gehandelten Aktien und ihre Kursnotierung abgedruckt. Aus diesen exzerpiert Marx nicht.

16In seiner Zusammenstellung unter den Titeln „Money Market. 1866. Von 16 May an (Bank of England)“, „Bank of England and Moneymarket. 1867“ und „London Bullion Market, during December 1867“ führt Marx neben wenigen Exzerpten aus Artikeln über die Bank of England (ihre Profite, ihre Diskontraten im historischen Vergleich) im Wesentlichen zwei Arbeiten durch: zum einen die Zusammenführung verschiedener ausgewählter Angaben zu eigenen Tabellen und zum anderen die sich an die Tabellen anschließenden Exzerpte der Einschätzungen der wöchentlichen Vorgänge unter der Überschrift „Notices to Money Market“.

17Zunächst zu den Tabellen: Marx erfasst für den Zeitraum vom 16. Mai 1866 bis zum 28. Dezember 1867 (1) die wöchentlichen Berichte („Returns“) der Bank of England, (2) das Volumen der Transaktionen im Clearing House sowie (3) Angaben aus den Wochenberichten der Banque de France.

18Für die (1) Bank of England wählt Marx einzelne Posten ihrer Wochenberichte aus wie: zirkulierende Noten, Edelmetalle („Bullion“) in ihrer Emissionsabteilung („Issue Department“), Banknoten und Münzen im Reservefond, die bei der Bank hinterlegten öffentlichen und privaten Depositen, die von der Bank diskontierten Staatsanleihen und privaten Sicherheiten sowie den Gesamtvorrat an Edelmetallen und Münzen in beiden Abteilungen der Bank. Seit dem „Bank Act“ von 1844 war die Bank of England in zwei Abteilungen geteilt: Die Emissionsabteilung („Issue Department“) kümmerte sich um die Notenausgabe, die Bankabteilung („Banking Department“) um das Diskontgeschäft. Marx hält nicht nur die jeweiligen Angaben wochenweise fest, sondern auch die Veränderungen („Increase“, „Incr.“, „I.“ beziehungsweise „Decrease“, „Decr.“, „D.“) zur Vorwoche.

19Das (2) Clearing House war eine Interbankenverrechnungsstelle in der Londoner Lombard Street, in der die gegenseitigen Verbindlichkeiten von Banken gegeneinander aufgerechnet wurden. Es entstand 1775, aber erst mit dem Beitritt der großen Londoner Aktienbanken im Jahr 1854 weitete sich der Clearingverkehr aus. Die täglichen Abrechnungen erfolgten durch Überweisungen auf die Konten, die die verschiedenen Banken im Clearing House führten. Infolge der Einführung dieses Systems verschwanden in Großbritannien zunehmend die großen Banknoten aus dem Geldumlauf, welche die Banken früher zur Saldierung ihrer Konten benutzten, wie Marx im „Großheft 1865/1866“ der „Hefte zur Agrikultur“ aus dem Parlamentsbericht von 1858 über die Wirkungsweise des „Bank Act“ exzerpierte (MEGA² IV/18. S. 256). Im Manuskript zum dritten Buch des „Kapital“ bestimmte Marx das Clearing House als eine Technik des bargeldlosen Zahlungsverkehrs: „Das blose Oekonomisiren erscheint in der highest Form im clearing House, dem blossen Austausch von Wechseln, oder der vorwiegenden Function des Geldes als Zahlungsmittel.“ (MEGA² II/4.2. S. 534.) In dem gleichen Manuskript heißt es: „Die Wechsel z.B. und checks, die in banker- und clearing houses gegen einander ausgetauscht werden, stellen von diesen houses selbst durchaus unabhängige Geschäfte dar, sind Resultate von gegebnen Operationen und es handelt sich nur um bessere technische Ausgleichung dieser Resultate.“ (Ebenda. S. 393.) Über das Clearing House exzerpierte Marx auch im April/Mai 1868 im „Heft zum fixen Kapital und Kredit 1868“ aus Robert Hogarth Pattersons „The Science of Finance“ (MEGA² IV/18. S. 755 u. 762) und aus John Laings „The Theory of Business for Busy Men“ (Ebenda. S. 779 u. 786). Laing schätzte in seiner 1868 erschienenen Schrift, dass damals 50 Banken und Aktienbanken am Clearing House teilnahmen. Im vorliegenden Heft exzerpiert Marx den in Pfund Sterling bemessenen Umfang der täglichen Verrechnungen für jeden Tag zwischen 2. Mai 1867 und 25. Dezember 1867 mit Ausnahme der Sonntage, an denen das Clearing House geschlossen blieb. Das Clearing House veröffentlichte diese Statistiken erstmals am 9. Mai 1867 (The Money Market Review, 11. Mai 1867. S. 563) und ab dann wöchentlich (siehe „London. 1868“, S. 122 u. 131); Marx exzerpiert also die Angaben ab dem ersten Tag ihrer Veröffentlichung. Er notiert außerdem die Erklärungen der „Money Market Review“ für Tage mit besonders hohen oder geringen Verrechnungsumfängen. Marx hält mehrmals fest, dass ein hoher Clearingumfang wegen des „Stock Exchange settlement“ (S. 43/44) zustande kam, also an den Abrechnungstagen der Börse, an denen zuvor vereinbarte Wertpapiergeschäfte tatsächlich abgewickelt wurden. Über den niedrigen Umfang der Verrechnungen in der am 28. August endenden Woche hingegen exzerpiert er: „Shows that business flat.“ (S. 46a/47.)

20Zur (3) Banque de France notiert sich Marx meistens die aktuellen Zahlen zu fünf Posten: den Gesamtvorrat an Münzen und Edelmetallen („Coin and Bullion“) sowie dessen Veränderungen zur Vorwoche, die Veränderungen der vom Publikum gehaltenen Noten und der Diskontierungen („loans“) zur Vorwoche sowie schließlich die Diskontrate und ihren Unterschied zur Diskontrate der Bank of England.

21Im Anschluss an die Tabellen mit den Angaben zur Bank of England, dem Clearing House und der Banque de France versammelt Marx unter Überschriften wie „Notices to Money Market“ oder „Money Market“ Einschätzungen und Analysen zu den Wochenberichten der Bank of England, den Ereignissen auf dem Geldmarkt, den Bewegungen auf dem „London Bullion Market“ (S. 76/77) und über die Besonderheiten der Woche wie etwa über Bankrotte („failures“, „mercantile embarassments“). Diese Exzerpte erfasst Marx ebenfalls wochenweise und ohne Angabe der Quelle. Auch die Notizen zum Geldmarkt entnimmt er häufig nicht einer Stelle der Zeitschrift, sondern stellt sie aus den genannten Rubriken „The Money Market“, „The Stock Markets“ und „City Article“ zusammen.

22Marx notiert viele Bankrotte in Großbritannien von Banken und Finanzgesellschaften sowie von Schiffbauern, Eisenproduzenten und Metallhändlern und darüber hinaus auch Bankrotte in Australien, Indien und Ostasien. Bereits in „Heft 3. 1868“ der „Hefte zur Agrikultur“ interessierte er sich für die Auswirkungen der von ihm dort in eigenen Worten „Engl. crisis of 1866“ (MEGA² IV/18. S. 654) genannten Krise von 1866 auf zum Beispiel China.

23Einen wichtigen Wendepunkt auf dem englischen Geldmarkt im Marx’schen Untersuchungszeitraum markierte die Reduktion der Diskontrate der Bank of England am 16. August 1866 von 10% auf 8%, die von einem Nachlassen der Geldkrise zeugte. Marx notiert mit Randanstreichung: „The decrease in the rate of Discount (B.o.E.) from 10 to 7% (to 8% on 16 Aug. and to 7% on 23 Aug.) accompanied by large import of precious metals, steady Continental exchanges, decrease in the note circulation, large influx of specie and bullion into the B.o.E.“ (S. 6.) Marx beobachtet anschließend eine schrittweise Rücknahme der Diskontrate der Bank of England und eine Angleichung an die Diskontrate der Banque de France. Nach der Krise von 1866 bestand lange Zeit eine große Diskrepanz zwischen beiden Diskontraten: Während die Bank of England in der Krise ihre Diskontrate auf 10% hochschraubte und sie dort für vierzehn Wochen hielt, konnte die Banque de France ihre während dieser Zeit bei 4% und niedriger lassen. Diese Tatsache war ein Anzeichen dafür, dass Frankreich kaum von der Geldkrise getroffen wurde, und sorgte für reichlich Diskussion in der britischen Öffentlichkeit. In vielen Theorien des Außenhandels und der Wechselkurse herrschte die Auffassung vor, dass die Zinsunterschiede zwischen London und Paris zum Ausgleich tendieren und niemals besonders groß sein könnten. Marx notierte diese Auffassung auch in seinen Exzerpten aus George Joachim Goschen „The Theory of the Foreign Exchanges“ im ab Januar 1869 entstandenen Exzerptheft „1869 I Heft“ und machte dazu kurze kritische Bemerkungen („1869 I Heft“, S. 106 u. 108).

24Im vorliegenden Heft erfasst Marx das schrittweise Konvergieren der Diskontraten der beiden wichtigsten europäischen Staatsbanken in großen Tabellen, in denen er die Bilanzen und Diskontraten von Bank of England und Banque de France wochenweise über Monate hinweg vergleicht. Sie trafen sich am 8. Februar 1867 bei 3%. Mit der Reduktion auf dieses damals vergleichsweise niedrige Niveau befand sich die Diskontrate der Bank of England auf dem tiefsten Stand seit 15. Juni 1865. Am 25. Juli 1867 erfolgte eine weitere Reduktion auf 2% und Marx exzerpiert mit Randanstreichung: „A 2% Minimum Rate of Discount früher only 22nd April 1852 (lasted 37 weeks) und 24 July 1862 (lasted 14 weeks.)“ (S. 48/49.) Eine Diskontrate von 2% hatte es in der jüngeren Vergangenheit nur zwei Mal gegeben: Im Jahr 1852 nach den Goldfunden in Kalifornien (1848) und Australien (1851) sowie im Jahr 1862 während der Baumwollhungersnot (1861–1865). Im Jahr 1867 verfügte die Bank of England zugleich über historisch hohe Goldbestände: „On 22nd April 1852 stock of bullion held about 31/4 Mill. £ less than at present, and the reserve was about 1 Mill. St. less. On 24 July 1862 the bullion was nearly 5 mill. less and Reserve 3 mill. less.“ (S. 48/49.) Im Manuskript zum dritten Buch des „Kapital“ begriff Marx Niedrigzinsen und einen großen Schatz als einen typischen Ausdruck des periodischen Wechselfalls der wirtschaftlichen Stagnation: „[O]bgleich a full Bullion Reserve meist in der Prosperity Zeit da, bildet sich dieser Schatz immer in der quiescent und stagnant Zeit, die auf den Sturm folgt.“ (MEGA² II/4.2. S. 514.) So notiert sich Marx auch im vorliegenden Heft, dass die Niedrigzinsen im Jahr 1867 nicht mit einer Phase der Prosperität zusammenfielen, sondern „[d]ieß 2% Minimum Rate of Discount occurs at a period of widespread discredit“ (S. 54). Verleihbares Kapital sammelte sich in den Banken.

25In seinem Inhaltsregister zum vorliegenden Heft hält Marx seine Materialsammlung „Money Market. 1866. Von 16 May an (Bank of England)“ und andere Exzerpte als ersten Gliederungspunkt „1) Bank of England. (resp. France) und Moneymarket“ (S. 84) fest. Unter diesem Gliederungspunkt indiziert er ferner einige der im vorliegenden Heft erstellten Exzerpte aus den 82 Artikeln: Auszüge aus Artikeln über die „[u]nprecedented Accumulation of Gold“ in der Bank of England im Jahr 1867 (S. 37) sowie zur historischen Entwicklung des Clearing House (S. 42) und der Aktienbanken (S. 59).

26Diese Arbeit einer gründlichen Untersuchung der jüngsten Bewegungen und Ereignisse auf dem Geldmarkt führte Marx ab Januar 1869 in „1869 I Heft“ für das Jahr 1868 weiter. In den drei Heften „London. 1868“, „1868“ und „1869 I Heft“ sammelte er damit umfangreiche Daten für die drei Jahre 1866 bis 1868. Er erfasste damit die Bewegung des Geldmarkts, die in die Krise von 1866 mündete und dokumentierte die Krise selbst, die Stagnation und den langsamen Wiederaufschwung. Bereits in der Weltwirtschaftskrise von 1857/1858 führte er in den „Krisenheften“ eine ähnliche Beobachtung des Londoner Geldmarkts durch, wenngleich für einen deutlich kürzeren Zeitraum (siehe MEGA² IV/14).

27Marx hat diese Materialsammlung nicht weiterverwendet. Mehr als fünf Jahre nach Erstellen des vorliegenden Hefts schrieb er Engels am 31. Mai 1873: „Du kennst die Tabellen, worin Preise, Discountrate, etc., in ihrer Bewegung während des Jahrs etc in auf- und absteigenden Zickzacks dargestellt sind. Ich habe verschiednemal versucht – zur Analyse der Krisen –, diese ups and downs als unregelmäßige Curven zu berechnen und geglaubt (ich glaube noch, dass es mit hinreichendgesichtetem Material möglich ist), daraus die Hauptgesetze der Krisen mathematisch zu bestimmen.“ (Marx an Engels, 31. Mai 1873.) Die vorliegende Materialsammlung könnte die Datengrundlage für solche mathematischen Bestimmungen bereitgestellt haben. Allerdings führt Marx im vorliegenden Heft keinerlei Berechnungen durch.

Die Exzerpte aus den Artikeln

28Wie erwähnt, hat Marx die Exzerpte zum Geldmarkt mehrmals durch Auszüge aus 82 Artikeln der „Money Market Review“ unterbrochen und auf diese Weise abwechselnd gearbeitet. Die nach „1) Bank of England. (resp. France) und Moneymarket“, worunter Marx unter anderem seine Exzerptsammlung zum Geldmarkt indiziert, vier weiteren Gliederungspunkte seines Inhaltsregisters auf S. 84–86 lauten: „2) Stock und Share Market. Investments etc“, „3) Cos.“ (Unternehmen), „4) Trade“ (Handel) sowie „5) Railways“ (Eisenbahnen). Über das Inhaltsregister lassen sich die thematischen Schwerpunkte des Hefts feststellen.

29Zwischen dem Register zum vorliegenden Heft und dem Register zu den Auszügen aus denselben Jahrgängen der „Money Market Review“ im Heft „London. 1868“ bestehen einige Überschneidungen. Zwar steht im Heft „London. 1868“ die Krise von 1866 deutlicher im Mittelpunkt und Marx untersucht im vorliegenden Heft eher die Überwindung der Krise und die Phase der Stagnation; daher gibt es hier keinen eigenen Punkt zur Krise mehr. Aber die im vorliegenden Register als Einzelpunkte geführten Gliederungsbegriffe Bank of England, Eisenbahnen und Unternehmen wurden auch im Heft „London. 1868“ erfasst, und zwar noch als Unterpunkte der Krise von 1866. In beiden Heften exzerpiert Marx außerdem Handelsstatistiken und Berichte über den Bauwollhandel. Allerdings gibt es, im Unterschied zum Inhaltsregister für die vorliegenden Auszüge, im Inhaltsregister für die Auszüge aus denselben Jahrgängen der „Money Market Review“ im Heft „London. 1868“ keinen eigenen Gliederungspunkt zur Bewegung des Geldmarkts.

30Auch wenn Marx in dem Inhaltsregister die allermeisten Exzerpte unter Gliederungspunkten erfasst, nimmt er – wahrscheinlich unbeabsichtigt – nicht alle im vorliegenden Heft exzerpierten Artikel in sein Register auf. Ausgenommen ist etwa der auf S. 5 unter der Überschrift „Privileges of the B. o. England, and its Reserves“ exzerpierte Artikel, in dem die Tendenz identifiziert wird, dass die Bank of England immer mehr zu einer Staatsbank wird: „Tendency of Legislation to make B.o.E. more and more a Gvt Bank; its notes are legal tender, its stock is alone put on the same footing as Gvt. funds with regard to the investment of trust moneys, and, from time to time, it has received assistance from the State when the money in its till insufficient for the wants of the day.“ (S. 5.) Die Bank of England war damals formell eine Privatbank, aber die Auffassung, dass ihr de facto eine wichtige Funktion bei der Regulierung des Geldmarkts zufällt und sie daher als ein öffentliches Institut behandelt werden müsse, vertraten politische Ökonomen wie John Fullarton, Thomas Tooke und Walter Bagehot.

31Unter „2) Stock und Share Market. Investments etc“ sammelt Marx seine Exzerpte zum Aktienmarkt und zur Anlage von überflüssigem Kapital vor und nach der Krise von 1866. Unter anderem notiert er unter diesem Registerpunkt auch seine umfangreichen Exzerpte auf S. 55–57, die zwei Seiten füllen und von ihm mit mehreren Randanstreichungen versehen sind. Es handelt sich um Auszüge aus einem Artikel der „Money Market Review“ vom 3. August 1867, der anlässlich der Reduktion der Diskontrate der Bank of England auf 2% diejenigen drei Zeiträume der jüngeren Geschichte miteinander vergleicht, in denen die Bank of England ihre Diskontrate auf 2% senkte. Das war neben 1867 erstens der Fall im Jahr 1852, als nach den Goldfunden in Kalifornien und Australien die Diskontrate bei allgemeiner Prosperität für 37 Wochen auf 2% stand; zweitens trat dies im Jahr 1862 ein, in welchem die Bank ihre Diskontrate für vierzehn Wochen auf dieses Niveau senken konnte, als es wegen der Krise in der englischen Baumwollindustrie durch die Baumwollhungersnot zu einer großen Goldeinfuhr aus den Vereinigten Staaten kam, da die dortigen Importe von britischen Industriewaren nicht mehr mit Rohbaumwolle bezahlt werden konnten: „The fall of value of money in 1862 chiefly to be attributed to the fact that we received gold instead of cotton from America in payment for the large exports of our manufactures.“ (S. 56.) Womöglich vermerkt Marx diesen Artikel unter „Investments“, da es aus seiner Sicht dieser monetäre Überfluss war, der zu der finanziellen Expansion in Großbritannien in den 1860er Jahren beigetragen hat (siehe Einführung). Aus dem Artikel exzerpiert Marx folgenden Satz in Bezug auf die Ähnlichkeiten in den Bilanzen der Bank of England der Jahre 1852 und 1867: „In both occasions Private deposits have exceeded Private securities, in 1852 by £2,821,000 und this week by £3,272,000. I.e., the B.o.E. received more money from the commercial classes who lend, than it advanced to its discounting customers.“ (S. 55.) Die niedrige Zinsrate drückte also 1852 die Höhe der Prosperität, 1867 die Stagnation nach der Krise aus. Die „Money Market Review“ zeigte sich pessimistisch, dass eine Überwindung der damaligen, durch extreme Erleichterung des Geldmarkts angezeigten Depression bald bevorstehe (S. 56/57).

32Damit rückt die Frage nach den Auswirkungen der Übermenge („Plethora“) an verleihbarem Kapital im Jahr 1867 in den Marx’schen Fokus. Die „Money Market Review“ registrierte einen anhaltenden Rückgang der „private securities“ in der Bank of England zwischen Juni 1866 und Dezember 1867 (S. 16). Die geringere Nachfrage für Kredite und Diskontierungen durch die Bank of England drückte das geschrumpfte Geschäftsleben in Großbritannien aus. Da die Eisenbahnen noch eineinhalb Jahre nach der Panik vom Mai 1866 nicht als vertrauenswürdiges Anlagefeld galten (S. 25), warf sich das Kapital zu dieser Zeit auch auf britische und ausländische Staatsanleihen sowie auf Kolonialsicherheiten, und Marx exzerpiert für die am 9. Februar 1867 endende Woche: „Improvement in Foreign Stocks: Brazilian, Russian, and Egyptian all quoted higher. Colonial bonds continue favourite medium for investment.“ (S. 21.) Diese Tendenz sollte sich im Jahr 1868 noch verstärken (siehe Entstehung und Überlieferung zu „1869 I Heft“). Einen überblickenden Artikel über das „Money employment“ exzerpiert Marx auf S. 58/59. Zu einer vorläufigen Erholung der britischen Aktienkurse kam es im Juni 1867: Im Registereintrag zu dem entsprechenden Exzerpt unterstreicht Marx das „June“ in „Rebound June ’67“ doppelt, was darauf hinweisen könnte, dass er in dieser Angabe einen wichtigen Indikator für das Überwinden der Geldkrise erkannt hat.

33Ein weiteres Exzerpt, das Marx unter „2) Stock und Share Market. Investments etc“ vermerkt, behandelt die Theorie der Verschuldung. Der Autor dieses Artikels hielt die Schulden für die Quelle des britischen Reichtums, worüber sich Marx in seinen Exzerpten belustigt: „Debt ist nach diesem writer das wahre Geheimniß des Reichthums, Civilisation, and so forth!“ (S. 35.) Schließlich informiert sich Marx über Börsenbegriffe wie Contango und Backwardation (S. 46). Heutzutage wird von Contango gesprochen, wenn der erwartete Future-Preis eines an der Börse gehandelten Wertpapiers über dem gegenwärtigen Kassakurs liegt. Eine Backwardation bezeichnet die umgekehrte Marktlage, wenn der Future-Preis unter dem Kassakurs erwartet wird. Marx notiert aus der „Money Market Review“ ähnliche Definitionen. Diesen zufolge zahlt ein Käufer von Wertpapieren Contango an einen Verkäufer, der sich bereit erklärt, die Lieferung auf einen bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft zu verzögern. Ein Käufer zahlt einem Verkäufer Backwardation, wenn er nicht in der Lage ist, Aktien oder Anteile zu beziehen, außer durch eine Zahlung als Gegenleistung dafür, dass sie ihm für einen bestimmten Zeitraum geliehen werden.

34Unter dem Gliederungspunkt „3) Cos.“ sammelt Marx Exzerpte aus Artikeln über „Zahl und Kapital“ der Gesellschaften mit beschränkter Haftung („limited liability“) (S. 25/26), zu erfolgreichen Aktienbanken (S. 28/29) sowie zu einzelnen Unternehmen wie der „Aberaman Iron Works Co.“ (S. 24/25), der „City Building Co.“ (S. 41) und der „Accidental and Marine Insurrance Co.“ (S. 73/74). Er erfasst unter diesem Stichpunkt auch seine unter einer Überschrift zusammengefassten Exzerpte aus zwei Artikeln über den Ende Mai 1867 gedruckten Parlamentsbericht über die Wirkungsweise der „Limited Liability Acts“ (Report from the Select Committee on Limited Liability Acts; together with the Proceedings of the Committee, Minutes of Evidence, Appendix, and Index. Ordered, by the House of Commons, to be Printed 28 May 1867. [London 1867.]) Marx hatte im Allgemeinen eine hohe Meinung von den britischen Parlamentsberichten, exzerpierte solche mehrmals und zog sie im ersten Band des „Kapital“ ausgiebig als Quelle heran. Allerdings gab es, anders als nach den Krisen von 1847 und 1857, keine Berichte des Parlaments zur Krise von 1866, worüber Marx schon im Heft „London. 1868“ exzerpierte („London. 1868“, S. 198 u. 200). Den Bericht über die „Limited Liability Acts“ bezeichnet Marx hingegen in eigenen Worten als ein „[m]iserable thing“ (S. 37), was der Einschätzung der „Money Market Review“ nahekommt, die von einem „insufficient report“ (The Money Market Review, 8. Juni 1867. S. 661) sprach. Auch der „Economist“ kritisierte die im Bericht unterbreiteten Reformvorschläge: „no steps have been taken to secure publicity to the circurmstances under which the company is started.“ (The Economist, 15. Juni 1867. S. 672.) Marx notiert, dass mit Edward Watkin ausgerechnet ein Vorsitzender mehrerer Eisenbahngesellschaften zum Vorsitzenden des Untersuchungskomitees ernannt wurde. Entgegen seiner früheren Gewohnheit (siehe MEGA² IV/8. S. 247–271 und MEGA² IV/18. S. 109–117 u. 255–261) hat Marx diesen Bericht allem Anschein nach nicht exzerpiert, wozu möglicherweise auch die Einschätzung der „Money Market Review“ beigetragen hat.

35Unter „4) Trade“ trägt Marx seine Exzerpte über den internationalen Handel ein. Er erfasst im vorliegenden Heft zum Beispiel die Berichte des „Board of Trade“ über die britischen Im- und Exporte der Jahre 1864 bis 1866 (S. 29/30), Statistiken über den britischen Außenhandel des Jahres 1867 (S. 53, 57/58, 62, 67/68 u. 75) sowie einen Vergleich des Außenhandels der Jahre 1854 und 1866 (S. 46), der eine ungefähre Verdopplung des Volumens der Im- und Exporte zeigt, obwohl 1854 ein Jahr der Prosperität und 1866 eins der Krise war. Ein weiteres Thema ist der britische Baumwollhandel: die Exporte von Baumwollerzeugnissen nach Indien (S. 53/54 u. 59–61) sowie der Preis für Rohbaumwolle, der sich für einige Sorten zwischen 1866 und 1867 trotz abnehmender Vorräte in Liverpool halbierte, was die „Money Market Review“ mit einer Überproduktion in diesem Sektor erklärte: „Consumer is becoming choked mit cotton manufacture.“ (S. 76.) Weitere Themen sind der Eisenhandel in Schottland (S. 77/78), der Handel mit Indien („Indian Exchanges“) (S. 30/31 u. 64) und der Goldhandel in Australien und Neuseeland (S. 15 u. 78). Marx vermerkt unter „4) Trade“ außerdem einen gegen die Londoner Tageszeitung „The Times“ gerichteten Artikel der „Money Market Review“ über den wirtschaftlichen Zustand Großbritanniens. In der „Times“ wurde die Zunahme von Gold und verleihbarem Kapital im Jahr 1867, anders als in der „Money Market Review“, als Ausdruck nicht der Stagnation, sondern steigender Profite gedeutet. Marx exzerpiert aus der „Money Market Review“ vom 12. Oktober 1867: „Also der enormous amount of gold in B.o.E. not capital withdrawn from trade, but the rapidly accumulating profits now actually to be derived from trade!“ (S. 68.) Die „Money Market Review“ erwiderte die Analyse der „Times“ unter anderem mit einem Verweis auf aktuelle Handelsberichte, die einen deutlichen Rückgang der Ex- und Importe für das Jahr 1867 anzeigten. Marx hatte diese Übersichten schon in sein Heft eingetragen (S. 67/68) und verweist auf sie in seinem Exzerpt.

36Unter dem letzten Gliederungspunkt „5) Railways“ sind Exzerpte rund um das britische Eisenbahnsystem zusammengetragen. Marx interessiert sich für die Entwicklung der Kurse von Eisenbahnaktien und die Spekulation mit ihnen, Informationen zu Dividendenzahlungen, die Berichte von Untersuchungskommittees, die Regulierung durch den „Railway Companies Act“ von 1867 (30 and 31 Vict., Cap. 127), Vorgänge bei einzelnen englischen Eisenbahngesellschaften (wie der Brighton Railway, der London, Chatham and Dover Railway und der Caledonian Railway) sowie das französische Eisenbahnsystem. Ein Vergleich der Kapitalbilanzen britischer und amerikanischer Eisenbahngesellschaften zwischen 1860 und 1866 unter der Überschrift „Railway Collapse“ zeigt, dass der Anstieg beim Verkehr in den Vereinigten Staaten größer als in Großbritannien war, obwohl sich die Kapitalbilanzen der Eisenbahngesellschaften in Großbritannien ungefähr verdoppelten, während sie in den Vereinigten Staaten fast konstant blieben (S. 32/33). Die „Money Market Review“ bezeichnete die Eisenbahnbilanzen und die Entstehung der in ihren verbuchten Summen als Mysterium („mystery“) (S. 74) und Marx exzerpiert: „It is this tendency to exaggerated railway investment which induced the troubles which afflicted the railway interest 1866, and still continues to some extent, the growth of capital accounts having outstripped the progress of traffic receipts.“ (S. 45.)

37Marx interessiert sich außerdem für Konflikte zwischen den Aktionären und der Direktion von Eisenbahngesellschaften, den die „Money Market Review“ als Krieg („war“) bezeichnete (S. 37). Ein Beispiel für diesen Konflikt war der Streit um die Finanzierung der Eisenbahnen durch neue Aktienformen wie die „pre-preference shares“, deren Emission bestehende Vorzugsaktien („preference shares“) ungültig werden ließ. Über die „pre-preference shares“ exzerpierte Marx bereits knapp aus John Laings „The Theory of Business for Busy Men“ im April/Mai 1868 im „Heft zum fixen Kapital und Kredit 1868“ (MEGA² IV/18. S. 805). Die Eisenbahngesellschaft North British Railway Company bat im Mai 1867 das House of Commons um eine Konzession, als Maßnahme zur Kapitalisierung „pre-preference shares“ in Höhe von 1,8 Millionen Pfund Sterling ausgeben zu dürfen, welche die bisherigen Prioritäten schon emittierter Vorzugsaktien einfach überschrieben und diese Vorzugsaktien damit entwertet hätten (S. 35/36). Diese Eisenbahngesellschaft befand sich nach der Krise von 1866, in deren Folge ihre Aktienkurse eingebrochen waren, in großen Schwierigkeiten und suchte nach neuen Möglichkeiten der Finanzierung und der Begleichung ihrer Verbindlichkeiten. Das House of Commons gestattete den Antrag durch Verabschiedung einer in der Presse genannten „North British Railway Bill“. Die „Money Market Review“ kritisierte dieses Vorgehen als eine Konfiskation bestehenden Eigentums und Marx exzerpiert: „The Expiring H.o.C., of course, ready for every infamy. That House passed the ‚North British (Carlisle Deviation) Railway Bill‘, by which it is empowered to create ‚Pre-Preference Stock‘ of £1,800,000. The H.o.C. condones past misconduct and grants a premium upon it in future.“ (S. 37.) Das House of Lords hingegen lehnte das Prinzip der „pre-preference shares“ ab und ließ durch eine Intervention solche Klauseln aus dem „Railway Companies Act 1867“ streichen, die eine Versteigerung von Eisenbahnen bei Auktionen an den Meistbietenden gestattet hätten. Marx bemerkt zu diesen Vorgängen in einem der wenigen längeren Kommentare im vorliegenden Exzerptheft: „Es war also Bande im H.o.C., die durch Confiscation sich zu Spottpreis in Besitz der Railways setzen und die existirenden Proprietors expropriiren wollte und diese Bande powerful enough to carry clauses to this effect, ohne House of Lords, in Railway Cos. Act, 1867. Die Geschichte wegen der Pre-Preference Shares kam vor das Haus of Lords nicht mit dem Railway Act, 1867, sondern mit Bill der North British Railway Co., zu diesem Behuf.“ (S. 54.) Wie Marx kommentiert, widersetzte sich das House of Lords zwar solchen Expropriationsklauseln im Gesetz von 1867, verabschiedete allerdings die „North British Railway Bill“ und erteilte damit die Befugnis, „pre-preference shares“ zu emittieren und somit die bestehenden Vorzugsaktien zu entwerten. Marx exzerpiert aus der „Money Market Review“: „In diesem Akt (durch die Lords) die Pre-Preferences ausgeschlossen, aber on August 8 ließ das H. o. Lords sie durch a sidewind zu, North British Railway Bill.“

38In den Auszügen aus den Artikeln zu Eisenbahnen gibt es weitere längere Kommentare von Marx. Als Marx aus der „Money Market Review“ exzerpiert, dass die Krise zur Überraschung vieler die Unsolidität der Eisenbahnbilanzen offenbarte, merkt er an: „In diesen Fällen der gewöhnliche Philister Indignation und Verwunderung, moralisches Geschrei, Committees of Investigation and so forth!“ (S. 54.) Doch sobald die Geschäfte sich erholten und wieder Dividenden gezahlt werden, vergesse die Öffentlichkeit auch die Krisenvorgänge wieder, woraufhin Marx festhält: „So jedoch ist der moderne Geldphilister und wird sein in seculum seculorum!“ (S. 54.)

39Schließlich stellt Marx in einer längeren Bemerkung mithilfe von Angaben aus der „Money Market Review“ Berechnungen über das Verhältnis von Kapitalerhöhung und erzielten Revenuen der Eisenbahngesellschaften an. Er kommt zu dem Schluss, dass „net profits are smaller after the outlay of 17 millions than they were without it“ (S. 62).

Charakter und Verwendung der Exzerpte

40Neben der Auswahl der Artikel aus der Zeitschrift und der Auswahl aus den Artikeln, seinen Kommentaren, der Zusammenstellung der Exzerpte sowie ihrer Indizierung im Inhaltsregister unter fünf Gliederungspunkte gibt es weitere Spuren einer eingehenderen Verarbeitung der Exzerpte durch Marx. Das Heft enthält viele Hervorhebungen, die Marx zum Teil aus der Quelle übernimmt, zum Teil aber auch zur Unterstreichung eines inhaltlichen Zusammenhangs selbst setzt. Sie werden im Edierten Text als Unterstreichung dargeboten. Eine weitere Marx’sche Hervorhebung des exzerpierten Texts sind die Randanstreichungen. Mit einer Randanstreichung versieht er beispielsweise eine exzerpierte Bemerkung über die Diskrepanz zwischen der Straflosigkeit, in der größere Unternehmenskriminalität verbleibt, und der Bestrafung kleiner Diebe: „As the matter stands, a director of a Joint St. Company or an Auditor has imagined that he may indorse with impunity almost any swindle whereby honest investors may be robbed of all they possess, to the amount of millions, while a poor clerk who steals a £5 note is transported.“ (S. 26.)

41Des Weiteren übernimmt Marx zwar in einigen Fällen die Überschrift aus der „Money Market Review“, aber er wandelt sie oftmals auch ab oder wählt einen eigenen Titel für ein Exzerpt. Etwa exzerpiert er die Überschrift „The Remedy for our Railway Collapse“ (The Money Market Review, 20. April 1867. S. 473) als „Railway Collapse“ (S. 32); aus „The Brighton Railway Committee“ (The Money Market Review, 4. Mai 1867. S. 524) wird bei ihm „Week ending 4 May 1867, Railway Collapse“ (S. 34), „The Railway Crisis“ (The Money Market Review, 21. Dezember 1867. S. 643) wird zu „Railway. Wear and Tear“ (S. 76) – unter dem Stichwort „Wear and Tear“ notiert Marx auch in „1869 I Heft“ viele Exzerpte (siehe Entstehung und Überlieferung zu „1869 I Heft“) – und aus „Monetary Panics and the Bank Act of 1844“ (The Money Market Review, 26. Oktober 1867. S. 427) macht er „Monetary Panics und Lord Overstone“ (S. 71), da Overstone einer der intellektuellen Architekten des „Bank Act“ von 1844 war. Aus dem Artikel „The Channels for Employing Our Surplus Money“ (The Money Market Review, 22. Juni 1867. S. 718/719) exzerpiert Marx kurz unter der Überschrift „City Buildings Cos. (22 June ’67. Money Market Review) (Colonial Loans)“ (S. 41). Auch fasst er zwei Artikel mit den Titeln „The Influence of an Improved Trade and Increase of Confidence“ und „Words to Investors“ (The Money Market Review, 24. August 1867. S. 197/198 u. 199/200) zu einem Exzerpt unter der Überschrift „Money employment“ (S. 58/59) zusammen.

42Außerdem notiert Marx hinter einige Überschriften in Klammern weitere Stichworte, die auf sein Interesse an dem jeweiligen Exzerpt hindeuten. Solche Stichworte sind zum Beispiel: „(Shares) (Panic) (Limited Liability Cos)“ (S. 25), „(Demand und Entdeckung neuer nützlicher Anwendbarkeit einer Waare.)“ (S. 27), „(Colonial Loans)“ (S. 41), „(H.o.C. Private Interests)“ (S. 54), „(Railway Speculations) (Gvt. Securities) Der Philister“ (S. 66), „(Revelations)“ (S. 73) und „(Internecine War)“ (S. 75).

43Marx setzt in seinen Exzerpten zudem einige Ausrufezeichen. Sofern die Ausrufezeichen nicht aus der Quelle stammen – die „Money Market Review“ verwendete dieses Satzzeichen vergleichsweise häufig –, sondern genuin von Marx eingefügt wurden, wird dies in den Erläuterungen mitgeteilt. Mit seinen Ausrufezeichen scheint Marx verschiedene Haltungen gegenüber dem Exzerpierten ausgedrückt zu haben. Beispielsweise nimmt er an der folgenden Stelle die „Money Market Review“ offensichtlich aufs Korn: „Friday, 10 May 1867 has been the very antithesis of Friday, 11 May 1866. The turn for the ‚speculators for the rise‘ seems (!) to have begun, railways, of course, excepted.“ (S. 34.) Der Zusatz von Marx verweist auf die mutmaßende, orakelhafte Ausdrucksweise der „Money Market Review“. An einer anderen Stelle belustigt er sich mit den Ausrufezeichen ersichtlich über den exzerpierten Text: „Joint Stock Enterprise has done wonders for this country! But! The facility with which men of wealth utterly unacquainted with business – ladies, officers, clergymen, lawyers, individuals of every conceivable class – can become bankers, brewers, carriers, steamboat proprietors, and financiers has engendered chaos.“ (S. 68.) In der Quelle lautet der Satz: „Joint-stock enterprise has done wonders for this country, but it has opened the door to not a few abuses. The facility with which men of wealth but utterly unacquainted with business – with which ladies, officers, clergymen, lawyers, indeed individuals of every conceivable class – can become bankers, brewers, carriers, steamboat proprietors, and financiers, has doubtless gone far to develop the resources of the empire. But it has generated, as was inevitable, a system of blind confidence, and an impatience of salutary control, which is really dangerous.“ (The Money Market Review, 14. September 1867. S. 281.)

44Andere Ausrufezeichen können auch als Erstaunen über ein bemerkenswertes Faktum interpretiert werden: „The directors of the Brighton Co being at that moment the promoters and directors of that Co. and the subscribers of the whole of its capital!“ (S. 42.)

45An einer anderen Stelle könnte ein Ausrufezeichen auch Zustimmung zum Ausdruck gebracht haben. In den Exzerpten aus der Besprechung der „Money Market Review“ des Buchs „A Sketch of the History of French Railways; with Suggestions in Favour of Thorough Railway Reform at Home“ (Dublin 1867) von Samuel Haughton notiert Marx Haughtons Vorschlag einer Überführung der privat betriebenen britischen Eisenbahnen in öffentliches Eigentum: „Author proposes, that railways public property!, and that fares and rates should not be so calculated as to pay interest or principal on the cost of the permanent way, stations etc, but that the permanent way and its belonging should be kept in full efficiency by taxes levied upon the public.“ (S. 66.) An einer nach dem vorliegenden Heft entstandenen Stelle in Manuskript II zum zweiten Buch des „Kapital“ stellte Marx eigene Überlegungen darüber an, wie Eisenbahnen in einer „kommunistischen“ Gesellschaft ohne Geldkapital errichtet werden könnten: „Die Sache reducirt sich einfach darauf, daß die Gesellschaft im voraus berechnen muß, wie viel Arbeit, Productionsmittel u. Lebensmittel sie ohne irgend welchen Abbruch in Geschäftszweigen (z.B. Bau v. Eisenbahnen etc) verwenden kann, die für längre Zeit […] weder Productionsmittel, noch Lebensmittel, noch irgend einen Nutzeffekt liefern, aber wohl Arbeit, Productionsmittel u. Lebensmittel der jährlichen Gesammtproduktion entziehn. In der kapitalistischen Gesellschaft dagegen, wo der gesellschaftliche Verstand sich immer erst post festum geltend macht, können u. werden so beständig grosse Störungen eintreten. Erstens): Pressure on the Money Market […]“ (MEGA² II/11. S. 304–307). Die „Money Market Review“ indes schlug zur Finanzierung des Eisenbahnbaus die Besteuerung von Grundbesitzern vor, was Marx ebenfalls exzerpiert (S. 66).

46Marx hat die Exzerpte des vorliegenden Hefts kaum weiterverwendet. Er übertrug den Titel von Samuel Haughtons „A Sketch of the History of French Railways“ in andere Exzerpthefte (siehe S. 65). Und die in der „Money Market Review“ geäußerte Auffassung, dass Schulden die Quelle des Reichtums seien (S. 35), greift er in der französischen Ausgabe des „Kapital“ auf, solche Vorstellungen auf die Bedeutung der Staatsschulden für die Entstehung und Entwicklung des Kapitalismus zurückführend: „Il n’y a donc pas à étonner de la doctrine moderne que plus un peuple s’endette, plus il s’enrichit.“ (MEGA² II/7. S. 671.)

47Außerdem übernahm Marx die Exzerpte „Railway. Wear and Tear“ aus der „Money Market Review“ vom 21. Dezember 1867 zwei Mal in Manuskript II zum zweiten Buch des „Kapital“ (MEGA² II/11. S. 106.36–107.14 u. S. 126.15–27). Marx notierte dort „the average cost per mile p. a. for maintenance of way, and works, and station“ (ebenda. S. 106/107) für einige Eisenbahngesellschaften. Er interessierte sich für die Verschiedenheit der Durchschnittskosten dieser Eisenbahngesellschaften, da, wie er übertrug, „[t]he smaller charge is adopted because its adoption is necessary for a good dividend“ (ebenda. S. 107). Die im Apparat zum Band II/11 (S. 918) geäußerte Vermutung, dass Marx diese Zitate bereits im Januar/Februar 1868 notiert haben könnte, hat sich nicht bestätigt. Marx hat zuerst im November/Dezember 1868 die vorliegenden Exzerpte erstellt und sie anschließend in Manuskript II zum zweiten Buch des „Kapital“ übernommen.

Zeugenbeschreibung

    • H Originalhandschrift: IISG, Marx-Engels-Nachlass, Sign. B 108/B 102.
    • Beschreibstoff: Schreibheft aus weißem Papier, 88 Seiten.
    • Zustand: Gut erhalten.
    • Schreiber: Marx.
    • Schreibmaterial: Schwarze Tinte.
    • Paginierung: S. 1 bis 3, 1a bis 3a, 4 bis 86 und 46a von Marx paginiert. Keine S. 55 und 81 paginiert. S. 83 zwei Mal paginiert.
    • Vermerke fremder Hand: Archivstempel IISG, Sign. B 102; Signaturvermerk mit Bleistift: DF und DF0.

Zitiervorschlag

Graßmann, Timm: Entstehung und Überlieferung zum Heft „1868“. Exzerpte aus den Jahrgängen 1866/1867 der „Money Market Review“ und aus einem Werk von Henry Enfield Roscoe sowie Notizen. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital, hg. v. der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://megadigital.bbaw.de/B102_Entstehung. Abgerufen am 24.10.2021.