Inhaltsbeschreibung und Datierung

1Das vorliegende Heft ist das erste von drei Exzerptheften, in denen Marx zwischen 13. Oktober 1868 und Ende Januar 1869 umfangreiche Auszüge aus den drei Jahrgängen 1866, 1867 und 1868 der beiden englischen Wirtschaftszeitschriften „The Economist“ und „The Money Market Review“ angefertigt hat. Es ist mit 290 paginierten Manuskriptseiten das umfangreichste dieser drei Hefte und enthält Exzerpte aus den Jahrgängen 1866/1867 des „Economist“ und den ersten Teil der Auszüge aus den Jahrgängen 1866/1867 der „Money Market Review“, die Marx im Folgeheft „1868“ fortsetzte. Marx’ Auszüge aus dem Jahrgang 1868 der beiden Wochenzeitschriften befinden sich in dem Exzerptheft „1869 I Heft“. Die Auszüge in den drei Heften stehen in Zusammenhang mit Marx’ Vorbereitungen zu einer geplanten Überarbeitung und Fertigstellung des dritten Buchs des „Kapital“, insbesondere des Kapitels über das zinstragende Kapital. Die Hauptthemen des vorliegenden Hefts sind die Wirtschaftskrise von 1866 und die mit ihr verbundenen Entwicklungen auf dem englischen Geldmarkt (Börse, Banken, Finanz), aber darüber hinaus auch Agrikultur, Arbeitskämpfe sowie die politische und wirtschaftliche Entwicklung in Irland, Indien, Frankreich und vor allem in den Vereinigten Staaten während und nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg.

2Auf dem Umschlag betitelt Marx das Heft mit „London. 1868“ und notiert darunter die Heftinhalte: „‚Economist‘ (1866 und 1867) ‚Money Market Review‘ (1866 und 1867)“. Den „Economist“ las Marx regelmäßig seit seiner Exilierung nach London im Jahr 1849. Gerade in den „Londoner Heften 1850–1853“ sind sehr viele Exzerpte aus dieser 1843 von James Wilson gegründeten Wirtschaftszeitschrift überliefert (siehe MEGA² IV/7 bis IV/11). Auch in den „Krisenheften“ zog Marx zur Dokumentation der Weltwirtschaftskrise von 1857/1858 den „Economist“ als die häufigste Quelle heran (siehe MEGA² IV/14). Zwischen 1861 und 1877 war Walter Bagehot Chefredakteur des „Economist“, so dass Marx in den vorliegenden Heften häufig die anonym erschienenen Leitartikel Bagehots exzerpiert, ohne dessen Namen zu erwähnen und möglicherweise ohne diesen zu kennen. Die „Money Market Review“ wurde 1860 gegründet und die vorliegenden Exzerpte sind die erste überlieferte Auseinandersetzung von Marx mit dieser Zeitschrift, die ausführlich über den Geldmarkt in der Londoner City berichtete (siehe Einführung). In Manuskript II zum zweiten Buch des „Kapital“ hat beide Periodika als „Fachautoritäten“ (MEGA² II/11. S. 33.33) bezeichnet und an anderer Stelle, allerdings ohne die beiden Zeitschriften explizit zu nennen, auch von den „Organen des Geldmarkts“ (ebenda. S. 17.10.11) gesprochen. Gleichwohl hat Marx insbesondere den „Economist“ im vorliegenden Heft auch für aus seiner Sicht apologetische Auffassungen scharf kritisiert.

3Das vorliegende Heft enthält Exzerpte aus rund 530 Artikeln dieser beiden Wochenzeitschriften. Marx exzerpiert zunächst fortlaufend aus 102 Ausgaben des „Economist“, mit Ausnahme der Ausgaben vom 7. September 1867 und 14. Dezember 1867 also aus allen Nummern der Jahre 1866/1867. Kurz unterbrochen sind die Auszüge aus dem „Economist“ auf S. 21/22 durch einen thematisch zu den Exzerpten an dieser Stelle passenden eingeklebten Zeitungsausschnitt aus „The Social Economist“ vom 1. Oktober 1868, der einzigen Quelle im vorliegenden Heft, die nicht „The Economist“ oder „The Money Market Review“ ist. Auch setzt Marx später im Heft am Ende eines Exzerpts aus einem „Economist“-Artikel zu einem längeren Kommentar über die Geldsysteme seiner Zeit an (S. 79/80).

4Nach dem Abschluss der Auszüge aus dem „Economist“ fertigt Marx Auszüge aus 70 Ausgaben der „Money Market Review“ an. Anders als bei den Exzerpten aus dem „Economist“ beginnt er diese Auszüge aus der „Money Market Review“ nicht mit der ersten Nummer des Jahres 1866, sondern erst mit der Ausgabe vom 19. Mai 1866, die eine Woche nach der Panik auf dem Londoner Geldmarkt vom 11./12. Mai 1866 erschien. Die zwischen dem 6. Januar und dem 12. Mai 1866 erschienenen Ausgaben zieht er also nicht heran. Marx geht im vorliegenden Heft die zwischen dem 19. Mai 1866 und dem 29. Dezember 1867 erschienenen Ausgaben der „Money Market Review“ einmal vollständig durch und exzerpiert darüber hinaus im Folgeheft „1868“ ein weiteres Mal aus ihnen, wobei er dort den Fokus zum einen auf den Jahrgang 1867 legt und zum anderen auf systematische Weise Material zum Geldmarkt der Jahre 1866/1867 sammelt (siehe Entstehung und Überlieferung zu Heft „1868“).

5Zu den vorliegenden Exzerpten aus den beiden Periodika legt Marx zwei nach Themen geordnete Inhaltsregister an: eins für die Auszüge aus dem „Economist“ (S. 183–186) und eins für die aus der „Money Market Review“ (S. 285–287). Marx erfasst seine Exzerpte im Inhaltsregister als stichwortartige Einträge, die er unter Gliederungspunkten (Oberbegriffen) ordnet und mit den Seitenzahlen des vorliegenden Hefts versieht, auf denen sich die vermerkten Exzerpte befinden.

6Marx hat das Heft selbst fortlaufend paginiert. Er paginierte bis S. 290, wobei S. 288–290 unbeschriftet geblieben sind und keine S. 164, 205–207 und 222 paginiert wurden.

7Das Heft ist zwischen dem 13. Oktober und ungefähr Mitte November 1868 entstanden. Marx selbst datiert es mit „London. 1868“. Er erhielt die Jahrgänge der beiden Wochenzeitschriften – möglicherweise schon in einer zu einem Buch gebundenen Form – von Sigismund Borkheim am 13. Oktober 1868: „Überbringer dieses wird Ihnen Money Market Review und Economist – beide für 1866 & 1867 übergeben; auch Slades Buch. Dieses bitte ich mir recht bald wiederzugeben.“ (Borkheim an Marx, 13. Oktober 1868.) Zur Anfertigung der Exzerpte musste Marx also nicht die Bibliothek des Britischen Museums aufsuchen, sondern konnte dies von zu Hause aus erledigen. Etwaige Briefe von Marx an Borkheim, aus denen hervorgehen könnte, zu welchem Zweck Marx die Zeitschriften durchsehen wollte, sind nicht überliefert. Die Jahrgänge 1868 der beiden Zeitschriften erhielt Marx von Borkheim am 30. Dezember 1868; die Auszüge daraus setzte er in „1869 I Heft“ fort. In diesem Brief bat Borkheim, ihm „Econ, u. M.M. Review u. was sonst zurückzuschicken“ (Borkheim an Marx, 30. Dezember 1868), weshalb davon auszugehen ist, dass Marx die Exzerpte zügig erstellt hat, da er nur für kurze Zeit über die Zeitschriften verfügt hat.

8Der Auszug aus „The Social Economist“ vom 1. Oktober 1868 auf S. 21/22 des vorliegenden Hefts, den Marx aus inhaltlichen Gründen dorthin klebt, da er das gleiche Thema wie im vorangehenden Exzerpt aus dem „Economist“ behandelt, ist ein weiteres Indiz für die Entstehung des Hefts im Oktober 1868.

9Schließlich lässt sich im Marx’schen Briefwechsel von Anfang/Mitte November 1868 eine ausgiebige Verwendung der Exzerpte nachweisen. Die vielen Verweise in kurzer Zeit lassen auf eine intensive Arbeit an den Materialien bis Mitte November 1868 schließen.

10Umfangreichen Gebrauch von den Exzerpten machte Marx in den drei Briefen an Collet Dobson Collet vom 2., 13. und 19. November 1868. Im Brief vom 2. November 1868 entwickelte Marx eine Argumentation, aus der später sein Artikel „How Mr. Gladstone’s Bank Letter of 1866 Procured a Loan of Six Millions for Russia“ hervorging, der in der „Diplomatic Review“ vom 2. Dezember 1868 erschienen ist (MEGA² I/21. S. 101–103). Er erklärte in diesem Brief, dass die Aufnahme einer großen bis dato unverkäuflichen russischen Anleihe auf dem Londoner Geldmarkt im Zusammenhang mit der Erhöhung des Diskontsatzes der Bank of England während der Panik vom Mai 1866 und seiner anschließenden Herabsetzung steht. Zwar erwähnte Marx diese russische Anleihe schon im Januar 1867 im „Draft for a Speech at the Polish Meeting in London, January 22, 1867“ (MEGA² I/20. S. 244), aber in einen Zusammenhang mit der Krise von 1866 und ihrem Ausgang – als anlagesuchendes Kapital in Großbritannien in ausländischen Staatsanleihen investiert wurde – brachte er sie erst im Brief an Collet vom 2. November 1868. Die Marx’schen Ausführungen beziehen sich daher wahrscheinlich auf Artikel aus der „Money Market Review“ vom 24. November 1866, 1. Dezember 1866 und 26. Januar 1867, die allesamt diesen Zusammenhang behandeln und die im vorliegenden Heft auf S. 234/235 und 251 exzerpiert sind. Dies lässt es als wahrscheinlich erscheinen, dass Marx’ Arbeit am vorliegenden Heft am 2. November 1868 bereits bis mindestens S. 234, vielleicht sogar S. 251 vorangekommen war. In diesem Fall wären Anfang November 1868 bereits mehr als 80% des gesamten Hefts entstanden. Aus diesem Arbeitstempo lässt sich folgern, dass Marx den restlichen Teil der Exzerpte bis ungefähr Mitte November des Jahres fertiggestellt haben könnte.

11Auch im Brief an Collet Dobson Collet vom 13. November 1868 hat Marx eine Stelle nach dem Exzerpt übernommen, die sich auf S. 188 des vorliegenden Hefts befindet. Der Text im Brief ist mit dem des Exzerpts beinahe identisch. In demselben Brief referierte Marx ebenfalls eine Chronik über die Berichterstattung der Tageszeitung „The Times“ über die Krise von 1866, die sich auf S. 189 des vorliegenden Hefts befindet. Sechs Tage später schließlich übersandte Marx Collet vier Auszüge aus der „Money Market Review“: „I send you now extracts relating to the Russian Loan hinted at in a former letter. The ‘Money Market Review’ simply reflects the mind of the Money Market.“ (Marx an Collet Dobson Collet, 19. November 1868.) Diese Auszüge sind nicht alle den Exzerpten, sondern zum Teil direkt der Zeitschrift entnommen: Zwei der im Brief wiedergegebenen Extrakte hat Marx nicht exzerpiert (siehe Erl. zu S. 233 u. 236), die anderen beiden zum Teil exzerpiert, aber im Brief mit Zusätzen aus der Quelle versehen (S. 234 u. 235).

12Von einer intensiven Arbeit an den im vorliegenden Heft versammelten Materialien Anfang November 1868 zeugen auch die beiden Briefe an Engels vom 14. November, in denen Marx auf zwei Exzerpte und einen nicht exzerpierten „Economist“-Artikel zurückkam. Im ersten Brief zitierte Marx nach seinem Exzerpt auf S. 105 die Kritik des „Economist“ vom 3. November 1866 an der Auffassung des Ökonomen William Thomas Thornton: „Apropos des ‚Economist‘, so wird es Dich wohl wunderlich sein zu hören, daß – nach Vorgang des Thornton in Fortnightly Review der Economist verbatim erklärt hat: ‚No ‚law‘ of demand and supply, in any sense which has yet been assigned to these words, exists; neither in fact, nor in tendency, do market prices conform to the rule commonly supposed to govern them.‘“ (Marx an Engels, 14. November 1868.) In demselben Brief erwähnte Marx auch eine im „Economist“ abgedruckte kritische Besprechung des Werks von J.-E. Horn: La liberté des banques (Paris 1866). Horn habe, so Marx, „ein Buch, some time since, über die Banken veröffentlicht, wovon selbst der Economist sagte (obgleich die Times das Zeug feierlich besprach), daß es offenbar nur für Kinder geschrieben sei.“ (Marx an Engels, 14. November 1868.) Marx rekurrierte hier auf den „Economist“ vom 1. September 1866, wo es über Horn unter anderem heißt: „The object of the author appears to have been to what the French call ‘vulgarise’ the question – that is, treat it with an exhaustive comprehensiveness, which shall enable it to be understood by those persons to whom economic studies are not familiar.“ (The Economist, 1. September 1866. S. 1029.) Zwar exzerpiert Marx diese Besprechung nicht, jedoch befinden sich andere Auszüge aus dieser Nummer auf S. 97/98 des vorliegenden Hefts. Marx schrieb Engels am 14. November einen zweiten, kurzen Brief, in dem er auf sein Vorhaben für das dritte Buch des „Kapital“ einging: „Da der 2nd volume grossentheils zu sehr theoretisch, werde ich das chapter über Credit benutzen zu actuel denunciation des Schwindels u. der commercial morals.“ (Marx an Engels, 14. November 1868.) Der Begriff „Commercial Morality“ wurde in der „Money Market Review“ häufig gebraucht. Er taucht zum ersten Mal auf S. 237 des vorliegenden Hefts auf und wird von Marx in der Folge häufiger in den Überschriften seiner Exzerpte verwendet.

13Seine vielen Referenzen in den insgesamt fünf Briefen an Collet Dobson Collet und Engels vom 2., 13., 14. und 19. November auf verschiedene Materialien, die sich an unterschiedlichen Stellen des vorliegenden Hefts befinden und sich beinahe über das ganze Heft erstrecken (S. 97/98, 115, 188/189, 234/235, 237 u. 251), zeugen davon, dass Marx diese Exzerpte in vergleichsweise kurzer Zeit erstellt hat. (Auf die weitere Verwendung der Exzerpte wird am Ende der vorliegenden Textgeschichte eingegangen.)

14Wie die Äußerung im zweiten Brief an Engels vom 14. November 1868 zeigt, stehen die vorliegenden Exzerpte im Zusammenhang mit der von Marx geplanten Überarbeitung und Fertigstellung des dritten Buchs des „Kapital“, insbesondere mit dem Kapitel über das zinstragende Kapitel, für das Marx einen im Oktober 1865 Entwurf beendet hatte (siehe MEGA² II/4.2). Im Jahr 1868 begann Marx allerdings mit der Abfassung eines neuen Manuskripts für das zweite Buch des „Kapital“ (siehe MEGA² II/11). Laut eigener Aussage nahm er die Arbeit am zweiten Buch im Februar 1869 wieder auf (siehe Marx an Engels, 13. Februar 1869). Die Auszüge aus den drei Jahrgängen der beiden Periodika hatte er kurz davor, ungefähr Ende Januar in dem Exzerptheft „1869 I Heft“ abgeschlossen (siehe Entstehung und Überlieferung zu „1869 I Heft“).

The Economist

15The Economist, Weekly Commercial Times, Banker’s Gazette, and Railway Monitor: A Political, Literary, and General Newspaper. Vol. 24/25. (S. 1–186.)

16Marx exzerpiert im vorliegenden Heft aus 102 Ausgaben der wöchentlich erscheinenden englischen Wirtschaftszeitschrift „The Economist“, mit Ausnahme der Ausgaben vom 7. September 1867 und 14. Dezember 1867 also aus allen Nummern der Jahre 1866/1867. In diesen Auszügen befindet sich ein eingeklebter Ausschnitt eines Artikels der Zeitung „The Social Economist“ (S. 21/22) sowie eine längere Notiz von Marx (S. 79/80).

17Die Exzerpte hat Marx unmittelbar im Anschluss in dem Inhaltsregister „Register der obigen Auszüge aus dem Economist für 1866 und 1867“ (S. 183–186) geordnet. Bei diesem Register handelt es sich nicht um ein einfaches Inhaltsverzeichnis, in dem bloß der Inhalt der Heftseiten in chronologischer Abfolge reproduziert wäre, sondern Marx erfasst seine Exzerpte in thematischen Schlagworten und ordnet sie unter siebzehn Gliederungspunkten ein. Die Gliederungspunkte lauten: „1) Money Market. (1866)“, „2) Crisis of 1866“, „3) Banking and Currency“, „4) Money Market (1867)“, „5) Railways“, „6) Ireland“, „7) Land in England and Agriculture“, „8) India“, „9) Miscellaneous“, „10) Cotton“, „11) Manufacturing Markets“, „12) Labour, Poor, Conflicts“, „13) United States“, „14) Russia“, „15) France“, „16) Austria“ und „17) Sweden“. Marx hat auf diese Weise fast alle Exzerpte mit großem Aufwand in einer selbstgewählten inhaltlichen Ordnung zusammengefasst. Über das Inhaltsregister lassen sich somit auch die von Marx gesetzten thematischen Schwerpunkte des Hefts nachvollziehen.

Geldmarkt, Krise von 1866, Bank- und Kreditsystem, Eisenbahn- und Finanzgesellschaften

18Unter dem ersten Gliederungspunkt „1) Money Market. (1866)“ indiziert Marx seine Exzerpte zum Geldmarkt des Jahres 1866, der durch die im Mai beginnende Krise geprägt war. Er notiert sich die Zinsraten in Europa vor (S. 31) und nach der Panik am „Black Friday“ vom 11. Mai 1866 (S. 68, 75 u. 89) sowie in großen Übersichten die Entwicklung der Aktienkurse im Jahr 1865 (S. 5/6) und der jüngsten Dividendenzahlungen der großen englischen Aktienbanken (S. 9/10). Der „Economist“ stellte bereits am 20. Januar 1866 fest, dass 72% der Aktien von Gesellschaften mit beschränkter Haftung einen Verlust für die ursprünglichen Zeichner des Aktienkapitals darstellten, ging aber dennoch davon aus, dass ein so großer Anteil an Wertpapieren nicht wertlos oder unsolide sein könnte, was Marx spöttisch kommentiert: „So 72% dieser limited liability cos’ shares entailed loss of principal upon the original subscribers at par, or their representatives, the succeeding proprietors. Aber dennoch nicht so large proportion ‚valueless or even unsound!‘ By no means, dear me!“ (S. 6.) Zu Beginn des Jahres 1866 stand der Diskontsatz der Bank of England bei 8%; am Ende des im Oktober 1865 abgeschlossenen fünften Kapitels über das zinstragende Kapital des Manuskripts zum dritten Buch des „Kapital“ hatte Marx die ruckartige Erhöhung der Diskontrate im Oktober 1865 auf 7% notiert (MEGA² II/4.2. S. 664). Wie er vorliegend exzerpiert, zog diese hohe Zinsrate im ersten Quartal 1866 viel ausländisches Kapital für kurzfristige Wechsel in London an: „Durch den hohen Zinsfuß (höher als in Frankreich) französisches money wurde attracted to London. […] So long as the value of the money continues dear, this French money will stay; so soon as it becomes cheap, that money will go from us.“ (S. 11.) Ende Februar 1866 wurde die Diskontrate der Bank of England auf 7% (S. 23) und Mitte März auf 6% (S. 34) herabgesetzt und tatsächlich berichtete der „Economist“ am 5. Mai über einen Goldabfluss nach Italien, wo sich die Regierung auf einen Krieg vorbereitete (S. 52). Anfang Februar fielen die Aktienkurse von britischen Finanzgesellschaften wie der London Financial Association, der Imperial Mercantile Credit und der Joint Stock Discount Company (S. 11), die im März in Schwierigkeiten geriet (S. 32). Aus dem „Economist“ vom 24. März 1866 notiert Marx: „Heavy decline in the value of the shares of financial cos this week has carried alarm amongst holders.“ (S. 38.) Im April stellte die Barned’s Banking Company die Zahlung ein (S. 46), was weitere Einbrüche der Aktienkurse von Finanzgesellschaften nach sich zog (S. 47). Mit einer Randanstreichung und jeweils einem Kommentar in Klammern und als Nachschub exzerpiert Marx die optimistische Prophezeiung des „Economist“ vom 21. April 1866, das solche Unternehmenspleiten keine größere Ansteckung nach sich ziehen würden: „The main doctrine for the times is (d.h. die ruling Dummheit im head des Economist) … that the failures of those who have done bad business will in the present state of credit hurt no one but themselves; that what we now have is a gradual and successive weeding out of unsound speculators, whereas in old times they all failed at once in a mercantile crash and national disaster. Weiser Salomon!“ (S. 46.) Bereits in seinen Exzerpten aus der Nummer vom 10. Februar 1866 wendet Marx in einem in Klammern gesetzten Einschub in seinen Exzerpttext ein: „Even if 4 or 5 years afterwards the limited compagny gets into difficulties, no one cares; it affects no one (And Overend et Gurney, wiseacre!) but the company itself.“ (S. 14.)

19Marx sammelt eine ganze Reihe von solchen vor der Krise von 1866 getroffenen Fehleinschätzungen des von ihm in diesem Zusammenhang mehrmals als „wiseacre“ (S. 1, 14, 28 u. 43) bezeichneten „Economist“ über den weiteren Verlauf des Wirtschaftsjahres 1866. Noch angesichts erster Pleiten zu Beginn des Jahres hielt die Zeitschrift optimistisch an der Prognose fest, dass es 1866 zu keiner Krise kommen werde (S. 6). Seine Überschrift zu den Exzerpten aus der Ausgabe vom 14. April 1866, in welcher der „Economist“ die über die Jahre verbesserte Geldpolitik der Bank of England lobt, die mittlerweile verstanden habe, wie ein Abfluss ihrer Reserve zu verhindern sei, und nahelegt, dass es daher zu Krisen kaum mehr kommen könne („Formerly great disasters occurred together. A fancied cycle of 10 years has been laid down for their recurrence.“), ergänzt Marx mit dem Zusatz „Prophezeiungen“ und seine Exzerpte leitet er mit dem Zusatz ein: „Folgende köstliche Klugscheisserei à l’envers“ (S. 43). Als der Katzenjammer beim Wirtschaftsblatt angesichts der Panik in seiner Ausgabe vom 12. Mai groß war, erinnert Marx in seinen Exzerpten an die vielen unerfüllt gebliebenen Prophezeiungen: „[…] on the whole we doubt (trotz seiner beständigen Prophezeiung des Gegentheils!) if there ever was a collapse of credit more diffused and more complete.“ (S. 53.)

20Unter dem zweiten Gliederungspunkt seines Inhaltsregisters „2) Crisis of 1866“ vermerkt Marx seine umfangreichen Exzerpte zu den Ursachen, der Entstehung, den Charakteristika und dem Verlauf der Krise von 1866. Teilweise gibt es Überschneidungen zu dem ersten Gliederungspunkt „1) Money Market. (1866)“: Ein Exzerpt von S. 73 über die Krisen-Diskontrate der Bank of England von 10%, über die Marx einen eigenen Eintrag „Ten P. C.“ anlegt, sortiert er unter beiden Punkten ein. Auch Informationen zum Krisenverlauf auf dem Geldmarkt befinden sich unter beiden Punkten. Der „Black Friday“ – dieser Ausdruck findet sich auch in den Marx’schen Exzerpten (S. 219) – am 11. Mai 1866 wurde ausgelöst durch den Bankrott der Bank Overend, Gurney and Company einen Tag zuvor. Dass dies die erste Krise des 19. Jahrhunderts war, die im Frühjahr statt im Herbst ausbrach, ließ, wie Marx kommentiert, den „Economist“ annehmen, dass die nach der Krise zu erwartende wirtschaftliche Stagnation milder ausfallen würde, da in der Regel in Stagnationsphasen die Zinsrate niedrig, im Herbst aber üblicherweise hoch sei: „Er (Economist) gratulirt England, daß Overends die Mine im Frühling, statt Herbst 1866 sprengte.“ (S. 101.) In Folge der Overend-Pleite bankrottierten unter anderem die English Joint Stock Bank, die Imperial Mercantile Credit Company, die European Bank, die Bank of London, die Consolidated Bank und die Agra and Masterman’s Bank. Anders als die beiden vorangegangenen Krisen von 1847 und 1857 fasste Marx die Ereignisse von 1866 nicht als Überproduktionskrise auf, da wegen der partiellen Unterbrechung des Produktionsprozesses in der englischen Baumwollindustrie infolge der Baumwollhungersnot „Cotton Famine“ (1861–1865) der britische Handel bereits seit 1861/1862 gelähmt war, wohingegen zwischen 1864 und 1865 die Kapitalauslage bei Eisenbahngesellschaften erheblich gewachsen war: „Der cotton famine verminderte das Geschäft. Aber zugleich setzte er Kapital frei, welches zu den Finanz etc schwindeleien im Innern führte.“ (S. 91.) Diesen Zusammenhang beschrieb Marx bereits 1867 im ersten Band des „Kapital“ (MEGA² II/5. S. 540; siehe Einführung). So zeigte die niedrige Zinsrate von 2% während der „Cotton Famine“ im Jahr 1862 einen Überfluss an verleihbarem Kapital an: „The bad business goes back to 1862 and 1863. Rate of interest for a long period very small, therefore difficulty in employing the loanable capital in the money market. […] John Bull, it has been said, ‚can stand many things, but he cannot stand 2%‘.“ (S. 82.) In dieser Zeit wurden viele neue Banken und Finanzgesellschaften in London gegründet (S. 32) und gerade diese Finanzgesellschaften wurden von der Krise stark getroffen (S. 55).

21In seinen Exzerpten fertigt Marx einen umfangreichen Vergleich der Geldkrisen von 1847, 1857 und 1866 anhand der Bilanzen der Bank of England an (S. 57/58). In der Krise von 1866 bestand eine große Diskrepanz zwischen den kaum verminderten Edelmetallen („bullion“) in der Bank und den erheblich geschrumpften Banknoten in Reserve. In der Krise von 1847 war, anders als 1857 und 1866, noch kein Anstieg in der Rubrik der „Other Securities“ beziehungsweise „Private Securities“ der Bank zu verzeichnen. Den großen Anstieg in dieser Rubrik während der ersten Woche der Krise vermerkt Marx auch in seiner systematischen Untersuchung des Geldmarkts „Money Market. 1866. Von 16 May an (Bank of England)“ im Heft „1868“ (dort S. 1a). Dieser Anstieg zeigt, dass die Bank of England in der Krise von 1866, anders als noch 1847, Banknoten gegen Sicherheiten ausgab. Aus diesem Grund schrumpfte am zweiten Mai-Wochenende 1866 ihre Reserve auf das vom „Economist“ als „childish“ (S. 61) bezeichnete Niveau von 800 000 Pfund Sterling, so dass die Bank of England für einen Moment selbst das Leihen gegen britische Staatsanleihen einstellte (S. 56). Nach der Panik stieg somit die aktive Banknotenzirkulation an: „Overends failed on Friday Evening […], and by the next Friday the active circulation had increased by 3,776,000l.“ (S. 98.) Wie Marx exzerpiert, wurden vorwiegend Noten mit Beträgen von über 20 Pfund Sterling verlangt, was anzeigt, dass diese Noten vornehmlich für Depositen anderer Großbanken und nicht etwa für die Zirkulation in der englischen Provinz nachgefragt worden waren (S. 98). Ein Vergleich der Münz- und Edelmetallbestände in den großen Wirtschaftskrisen von 1837 bis 1866 führt zutage, dass diese 1866 außergewöhnlich groß waren (S. 61), was bedeutet, dass es in dieser Krise kaum Nachfrage nach Gold, sondern in erster Linie nach Noten der Bank of England gab. Der „Economist“ charakterisierte die Krise daher als „credit panic“, die von einer „capital panic“ wie 1847 und einer „bullion panic“ wie 1857 zu unterscheiden sei (S. 56). Auch Marx nennt die Krise an einer Stelle in eigenen Worten eine „banking crisis“ (S. 67), wo es in der Quelle „credit crisis“ heißt.

22Unter den Exzerpten zur Krise von 1866 nehmen die Vorgänge bei der Diskontbank Overend, Gurney and Company großen Raum ein. Dieses alte Finanzunternehmen war Mitte 1865 in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung („limited liability“) umgewandelt worden und schon bald nach seiner Pleite am 10. Mai 1866 kam ans Tageslicht, dass bei der Umwandlung der Firma alte Schulden in Höhe von vier Millionen Pfund Sterling in dem Prospekt des neuen Unternehmens verschwiegen worden waren (S. 71), was Marx an einer Stelle des vorliegenden Hefts in eigenen Worten als „deliberate fraud upon the public“ (S. 74) bezeichnet. Nach der Pleite von Overend, Gurney and Company weigerten sich einige Aktionäre, für die Verluste des Unternehmens aufzukommen, weil sie sich durch den bei der Firmenumwandlung ausgelegten Prospekt betrogen sahen (S. 100). Der „Economist“ vertrat dagegen die Auffassung, dass die Aktionäre trotz des Betrugs die Verbindlichkeiten der Bank zu tilgen hätten (S. 109). Diese Parteinahme muss wahrscheinlich zu den Gründen gezählt werden, aus denen Marx ebenfalls ausführlich auf die „Money Market Review“ zurückgreift, die sich deutlich auf der Seite der Aktionäre positionierte (siehe Einführung).

23Marx erstellt des Weiteren umfangreiche Listen mit in der Krise bankrottierten Unternehmen („Failures“) (S. 60, 61, 82, 107, 108 u. 153), darunter die Pleiten der Finanzgesellschaften wie der Imperial Mercantile Credit Association und der European Bank. Er überträgt bei Weitem nicht alle mitgeteilten Pleiten, sondern wählt eine Reihe von Fällen aus. Zu den spektakulärsten Pleiten des Jahres 1866 zählte diejenige der vom „Economist“ als wichtigsten bis zweitwichtigsten indischen Bank vorgestellten Agra and Masterman’s Bank am 7. Juni 1866, die auch in London eine Hauptniederlassung und Zweigstellen in Paris, China und Australien hatte und im britisch-indischen Handel engagiert war. Sie wurde durch Leerverkäufe („bearing“) zu Fall gebracht: Vor der Krise zogen die Zweigstellen Wechsel vor allem auf die Londoner Niederlassung, welche wiederum durch Geschäftsbeziehungen mit den englischen Finanzgesellschaften verwickelt war. Als die Londoner Hauptniederlassung in der Panik nach einem schweren Abfluss ihrer Depositen ihre Türen schließen musste, wurde diese Nachricht per Telegraph nach Kalkutta and Bombay überbracht, wo es ebenfalls sofort zu Depositenabzügen kam, wie Marx mit Randanstreichung exzerpiert. Weil der Kredit der indischen Zweigstellen vor allem in Akzeptscheinen auf die Londoner Niederlassung bestand, konnte sie diesem „drain“ kaum entgegenwirken. Ihr Bankrott hatte große Auswirkungen auf Indien: „Its collapse almost a national misfortune. It will carry poverty and sorrow to hearts of 100nds of men and women, who […] had entrusted all to this institution.“ (S. 70.) In Kalkutta, notiert Marx, „a panic followed paralysing business of every kind in a manner wholly unprecedented in the presidency“ (S. 89).

24Zwei der Krisenbranchen waren 1866 die englischen Eisenbahn- und Finanzgesellschaften („finance companies“), in denen das Geldkapital in den 1860er Jahren angelegt wurde (S. 91). Marx schrieb daher im ersten Band des „Kapital“, dass die Krise einen „vorwiegend finanziellen Charakter“ (MEGA² II/5. S. 540) annahm, und informiert sich im vorliegenden Heft ausführlich über die Finanzgesellschaften und ihre Rolle beim Eisenbahnausbau der 1860er Jahre. Im Eisenbahnboom der 1840er Jahre hätten die Aktionäre ihre Anteile noch durch eigene Ersparnisse erworben (S. 48), aber in den 1860er Jahren sei der Boom wesentlich durch das „financing“ ermöglicht worden: mithilfe von Leihtechniken wie „finance paper“ (S. 49), „financial securities“ (S. 49, 226) oder „Accommodation bills of the very worst character“ (S. 177), durch die das verleihbare Kapital vermehrt wurde. Mit ihren Finanzierungsgeschäften vermittelten die Finanzgesellschaften ein kompliziertes Geschäftsnetzwerk zwischen verschiedenen Akteuren wie den Direktoren der Eisenbahngesellschaft, Ingenieuren und Bauunternehmern („contractors“). Details zum „Financing“ exzerpiert Marx auf S. 177 anhand der Ende Juli in Turbulenzen geratenen Eisenbahngesellschaft London, Chatham and Dover Railway Company (S. 85), wo mithilfe von fiktiven Sicherheiten wie einem nicht-existenten Grundstück und erdachten Bezogenen in Europa Liquidität geschöpft wurde (S. 177). Zur Kontrolle notiert sich Marx auch die „Rechnungsablage oder ‚Interior‘“ des Credit Foncier of England, einer „(relatively guten) Finance Co.“ (S. 158).

25Ein weiterer von Marx unter „2) Crisis of 1866“ vermerkter Punkt betrifft die Börsenoperation des „bearing“ und seine mögliche Regulierung. Als „Bären“ („bears“) wurden Börsenspekulanten bezeichnet, die in großem Umfang Aktien verkaufen, die sie zum Verkaufszeitpunkt nicht besitzen, sondern erst später zu liefern sich verpflichten, und die in der Zwischenzeit versuchen, die Kursnotierung der Aktien zu drücken, indem sie etwa schlechte Gerüchte über die entsprechenden Aktiengesellschaften streuen. Sind sie erfolgreich, gewinnen sie die Differenz zwischen dem hohen Preis, zu dem sie die Aktien zuerst verkauften, und dem vergleichsweise niedrigen Preis, zu dem sie sie in der Zwischenzeit kauften und den sie teilweise durch ihre eigenen Machenschaften selbst herbeiführten (S. 76). Die „Bären“ versuchen also, Gewinne mittels Spekulationen auf Aktienkurseinbrüche oder den Bankrott einer Bank zu erzielen. Das „bearing“ war für den Ausbruch der Krise von 1866 nicht unwichtig: Der Fachpresse war zu entnehmen, dass solche ungedeckten Leerverkäufe an den Bankrotten der Agra and Masterman’s Bank (siehe S. 215 u. 254) und von Overend, Gurney and Company (S. 76) beteiligt waren. Nach der Krise von 1866 unterbreitete George Leeman, Mitglied des britischen Unterhauses, einen Vorschlag zur Regulierung der Leerverkäufe: „He proposes in substance that no one shall sell Bank or other shares unless he already possesses them, and as a test of his already possessing them, he requires that they shall be described, if possible, by the number of the shares in the register“ (S. 76). Leemans Gesetzesentwurf sah vor, den Verkauf von nichtbesessenen Aktien zu untersagen und den Aktienbesitz in Registern zu erfassen (S. 123). Der „Economist“ indes verteidigte das „bearing“; eine Ursache der Krise lag für ihn eher darin, dass viele arme Menschen Aktieninhaber gewesen seien (S. 61/62). Marx kritisiert die Verteidigung des „Economist“ in eigenen Worten und auf Formulierungen des Gedichts „Anno 1829“ von Heinrich Heine zurückgreifend: „Sehr charakteristisch! Eine Infamie stets checked by a still worse infamy! Dieß ist satte Tugend und zahlungsfähige Moral.“ (S. 76.) Wegen der mangelnden Distanz des „Economist“ zu den Praktiken auf dem englischen Geldmarkt in der Londoner City spricht Marx an anderer Stelle von der Zeitschrift als einem „Cityschweinhund, a City sycophant“ (S. 128).

26Die Hauptthemen der unter dem dritten Gliederungspunkt „3) Banking and Currency“ erfassten Auszüge sind Banken- und Währungssystem. Marx behandelt ausführlich die Wirkungsweise des Peel’schen „Bank Act“ von 1844 in der Krise von 1866, der auf dem Höhepunkt der Panik am 11. Mai 1866 nach den Krisen von 1847 und 1857 zum dritten Mal suspendiert werden musste, wie er notiert: „11 May (suspension der Bankacte). Danach interest heraufgesezt zu 10%“ (S. 56). Allerdings kam es dieses Mal, anders als 1857, zu keiner Mehremission von Banknoten über die durch den „Bank Act“ gesetzlich vorgeschriebene Grenze hinaus; der „Bank Act“ wurde zwar suspendiert, aber nicht verletzt („infringed“). Die hohe Diskontrate von 10% indes zog den Unmut der Handelswelt und des „Economist“ auf sich und ließ Stimmen nach einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss laut werden: „For 3 months we have been living in the worst of all states, that of contemplated illegality. A rate of discount is prescribed for the permission to break the law.“ (S. 87.) Allerdings konnte die Erhöhung der Zinsen keine unmittelbare Goldeinfuhr vom europäischen Kontinent erreichen: „this time no such magnetism.“ (S. 89.) Im Gegenteil floss sogar Gold auf den europäischen Kontinent ab – wenngleich aus den Vereinigten Staaten Gold eintraf (S. 67, 69 u. 73) –, und es ereignete sich, wie Marx die von dem konservativen Abgeordneten Stafford Northcote (S. 87) geprägte Formulierung aufgreift, ein „run on England“ (S. 67). Die Suspension des „Bank Act“ und die hohe Zinsrate von 10% wirkten laut Marx auf das Ausland wie ein Alarmsignal, dass es um Englands wirtschaftliche Lage schlecht bestellt sei. Ein missverständlicher Brief des Außenministers George Villiers, dem Earl of Clarendon, der dem Ausland versichern wollte, dass die Suspension des „Bank Act“ nicht die Aufhebung der Konvertibilität der Pfundnote in Gold bedeute und in Großbritannien generell kein Grund zur Panik bestünde, verschärfte noch das Stigma. Marx sah den Goldabfluss nach der Krise von 1866 Richtung Kontinent durch den Brief Clarendons verursacht: „the withdrawal of gold was no regular ‘commercial’ transaction. It was simply the effect of Lord Clarendon’s letter.“ (Marx an Collet Dobson Collet, 2. November 1868.)

27Die abermalige Suspension des „Bank Act“ stieß in der englischen Öffentlichkeit neue Diskussionen um dieses Gesetz an. Marx informiert sich über viele Positionen in der aktuellen Debatte. Es stand die Frage im Raum, ob die nationale Reserve in einer staatsnahen Bank mit öffentlichem Auftrag konzentriert oder auf mehrere Banken verteilt werden sollte. Der „Economist“ bezog sich positiv auf die Staatsnähe der Bank of England: „A single predominant bank is always the banker of the Gvt. It is connected with it by relations the most intimate. It receives its taxes, advances its loans, gets to be called the national bank. The credit of the nation and the stability of Gvt. come to be borne up with its reputation, and in a time of difficulty the State must come to the aid of the bank.“ (S. 96.) Einen Artikel, in dem der „Economist“ betont, dass die Bank of England im gegenwärtigen Geldsystem „the ‚Bankers Bank‘; the holder of the sole unused store of money of the nation“ (S. 36) sei, vermerkt Marx in seinem Inhaltsregister schon unter dem ersten Gliederungspunkt „1) Money Market. (1866)“. George Guthrie dagegen hielt umgekehrt gerade das Monopol der Bank of England für die Ursache der wiederkehrenden Wirtschaftskrisen (S. 68) und auch eine Assoziation von Liverpooler Händlern kritisierte den „Act von 1844 und Bank of England monopoly“ (S. 7) und forderte ein Bankensystem nach dem Vorbild der Vereinigten Staaten von vor dem Amerikanischen Bürgerkrieg, in dem jede Bank die Macht hat, durch Gold oder gute Wechsel gedeckte Banknoten nach Belieben auszugeben.

28Verteidigt wurde der „Bank Act“ dagegen von Bonamy Price, der die Vorzüge einer mechanischen gegenüber einer diskreten Geldpolitik der Bank of England mit dem Argument pries, dass es gerade die Suspension des Gesetzes sei, die eine Krise erleichtere: „The Bank Act of 1844 neither made nor healed the crisis; it had nothing to do with the matter; but the application of a delusion respecting it did do good, and so far the mechanical has an advantage over the discretionary issue of banknotes. It makes it possible to use its abolition, and the substitution of the discretionary method in its place, as an instrument supposed to be capable of working miracles in a panic.“ (S. 57.) Marx exzerpiert auch die Auffassung des „Economist“-Herausgebers Walter Bagehot, der einerseits den „Bank Act“ als krisenverschärfend kritisierte (S. 53), ihm andererseits aber auch zu Gute halten wollte, den in der Bank of England konzentrierten nationalen Goldschatz Englands durch Restriktionsmaßnahmen (wie das Heraufsetzen der Diskontrate) bei einem Goldabfluss zu verteidigen (S. 84). (Siehe Einführung.) Marx entgegnet in seinen Exzerpten aus Bagehots „Economist“-Artikeln, dass nach Bagehots eigener Darstellung in den Krisen von 1847 und 1857 die Reserve der Bank of England trotz des Gesetzes leer gewesen war (S. 62).

29Schließlich notiert sich Marx technische Aspekte des Bankwesens wie die Unterschiede zwischen Akzeptscheinen und Depositen (S. 117) und die Praxis der Rediskontierung von Wechseln (S. 131) sowie den Bedeutungswandel von Wechselmaklern und Banken zwischen den Wirtschaftskrisen von 1857 und 1866: „The bill brokers were in 1857 very much what the bankers were lately; the borrowers who wanted sudden and incalculable advances. But the bill brokers were told not to expect the like again.“ (S. 100.) Marx interessiert sich auch für eine Neuigkeit beim Clearing House, der Interbankenverrechnungsstelle (zum Clearing House siehe Entstehung und Überlieferung zum Heft „1868“), das seit dem 9. Mai 1867 auf Vorschlag von John Lubbock (S. 122 u. 131) seine Statistiken über die täglichen Clearingumfänge veröffentlichte (The Money Market Review, 11. Mai 1867. S. 563). In den Heften „1868“ und „1869 I Heft“ exzerpierte Marx den in Pfund Sterling bemessenen Umfang der täglichen Verrechnungen für jeden Tag zwischen dem 2. Mai 1867 und dem 23. Dezember 1868 mit Ausnahme der Sonntage, an denen das Clearing House geschlossen blieb. Im vorliegenden Heft notiert er auch einen Leserbrief von William Stanley Jevons mit einer kritischen Bemerkung zur Einordnung der Zahlen (S. 132/133). Schließlich interessiert sich Marx auch für Reformvorschläge für das Bankwesen: Die Vorschläge, dass das House of Commons die Menge an Banknoten, die gegen andere Wertpapiere als Goldmünzen oder ungeprägtes Gold auszugeben wären, bestimmen können sollte, und dass diese Menge Banknoten ohne die Zustimmung des Unterhauses nicht veränderbar sein sollte, bezeichnet er als „Blödsinn!“ (S. 171).

30Ein weiteres Thema, das Marx in mehreren Gliederungspunkten verfolgt, ist der wirtschaftliche Zustand Englands nach der Panik vom Mai 1866. Während Marx unter dem ersten Gliederungspunkt seines Inhaltsregisters zu den Exzerpten aus den Jahrgängen 1866/1867 des „Economist“ den Geldmarkt des Jahres 1866 behandelt, indiziert er unter „4) Money Market (1867)“ seine Exzerpte zum Geldmarkt des Jahres 1867, zwei Themen, die er vor allem im Heft „1868“ mit Exzerpten aus der „Money Market Review“ weiter ausführlich in seiner unter den Überschriften „Money Market. 1866. Von 16 May an (Bank of England)“ und „Bank of England and Moneymarket. 1867“ geführten Materialsammlung untersuchte. Der englische Geldmarkt war im Jahr 1867 durch die kommerzielle und industrielle Stagnation geprägt, die sich durch gegenüber den Werten von 1866 gesunkenen Export- und Importzahlen und einen Überfluss an verleihbarem Kapital bemerkbar machte: „a long experience shows that an augmenting trade is necessary to a stable money market, and that whenever trade goes down, even ever so little, the value of money is sure to be low. The reason is that the savings of the country accumulate day by day, and unless some new outlet is found for them, an accumulation of loanable capital and a reduction in the rate of interest is inevitable.“ (S. 130.) Marx exzerpiert mehrere Artikel zu den „Causes of Depression“ (S. 131/132, 133 u. 140). Der „Economist“ führte drei Gründe für die Stagnation von 1867 an. Unter anderem sei durch die enorme Anzahl von in der Phase der „Extension Mania“ von 1863 bis 1865 gegründeten Unternehmungen, vor allem im Eisenbahnsektor, ein Großteil des ausgelegten Kapitals fixiert („locked up“) und werfe nun keinerlei Einkommen mehr ab. Neun Zehntel aller zwischen 1861 und 1865 errichteten und mit enormen Summen gespeisten Aktiengesellschaften „have failed to make any profit, and, too, incurred losses so great as to extinguish most of the capital“ (S. 132). Eine weitere Ursache sei im Zustand der Baumwollindustrie zu suchen, die in den Jahren 1866/1867 überproduziert habe: „It is now ascertained that a large part of the activity of the cotton trade last year was premature and speculative. Goods were sent to India, Australia, and elsewhere, on manufacturers’ account, and have not been sold, if sold at all, at remunerative prices.“ (S. 133.) In seinem Inhaltsregister notiert Marx auch unter dem Gliederungspunkt „10) Cotton“ Angaben zum Baumwollmarkt in Liverpool, und zwar nur für den Monat Mai 1866 (S. 56, 61 u. 66), wahrscheinlich um sich zu vergewissern, ob auch die Baumwollindustrie zum Krisenherd geworden war. Sie wurde allerdings kaum direkt von der Krise getroffen, weil sie schon vorher, wegen der „Cotton Famine“, paralysiert war: „The cotton market, which had previously declined to a comparatively low point, has not been so much affected by the monetary crisis as might have been expected.“ (S. 61.) Zu einer manifesten Überproduktion in der Baumwollindustrie kam es erst nach der Krise von 1866, als die gewöhnliche Baumwollzufuhr aus den Vereinigten Staaten nach dem Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs wiederhergestellt war, wie Marx aus dem „Economist“ vom 6. Oktober 1866 exzerpiert: „Four years ago our cottonsupply in jeopardy. This year larger than ever before. Already the aggregate importations during the first 9 months of the year exceed the average of the 2 years before the war, and we have still large quantities to receive“ (S. 110). Im Inhaltsregister zum „Economist“ indiziert Marx als elften Gliederungspunkt seine Exzerpte zu den Industriemärkten („Manufacturing Markets“), in denen er sich einen Überblick über die Geschehnisse in den englischen Industriebezirken verschafft. Dass nur eines dieser Exzerpte das Jahr 1866, ihr Großteil aber die erste Jahreshälfte 1867 behandelt, ist ein weiteres Indiz dafür, dass es zu einer industriellen Stagnation erst Monate nach der Krise kam. Ausführlich hat Marx die noch bis Ende 1869 andauernde Stagnationsphase in „1869 I Heft“ untersucht.

31Marx’ unter dem Gliederungspunkt „5) Railways“ indizierte Auszüge behandeln vor allem die Rolle der britischen Eisenbahngesellschaften in der Krise von 1866, die ebenfalls ein Krisenherd waren. Die Kreditbeschaffung der Eisenbahngesellschaften wurde häufig als „Kapitalisierung“, ihre Bilanzen als „Kapitalbilanzen“ („capital account“) bezeichnet. Marx wendet sich gegen diese Begrifflichkeit in einem kritischen Kommentar: „Unter capital account verstehn die Railway Accounts cookers Anleihn, Pump, aus dem sie […] Theil der Dividenden zahlen.“ (S. 34.) Marx notiert sich für diese These viele Beispiele der Kreditbeschaffung und des „account cooking“, für das die Krise von 1866 viele zutage beförderte: „There seems no end of the railway scandals which this crisis will detect.“ (S. 106.) Etwa wurden bei der Eisenbahngesellschaft London, Chatham and Dover „debenture“-Aktien über die gesetzlich vorgeschriebene Grenze hinaus emittiert (S. 99). Seit 1860 habe der von der London, Chatham and Dover beauftragte Kontraktor Samuel Morton Peto das gesamte emittierte Aktienkapital der Eisenbahngesellschaft selbst gezeichnet – und zwar mit eigenen Akzeptscheinen, die er bei den Finanzgesellschaften in der Londoner City zu Geld machen konnte. Der „Economist“ bezeichnete dies als „the mode of dealing with share capital upon which advances could be procured upon the market“ (S. 102). Ein Gesetz schrieb vor, dass eine Aktiengesellschaft „debenture“-Aktien erst ausgeben durfte, wenn die Hälfte ihrer Stammaktien gezeichnet war. Um diese Beschränkung zu umgehen und „debentures“ emittieren zu können, wurde ein System fingierter Einzahlungen entwickelt (S. 102/103), für das sich Marx besonders interessiert. Auch bei der North British Railway Company wurde den Aktionären und der Öffentlichkeit eine Reihe falscher Konten vorgelegt und durch ausgeschüttete Dividenden der Schein von Solidität bestätigt, so dass Stamm- und Vorzugsaktionäre glaubten, über ein profitables Eigentum zu verfügen und dem Konzern weitere Kredite zur Verfügung stellten. Doch mittels eines Systems von Falschbuchungen veröffentlichte diese Gesellschaft systematisch falsche Zahlen. Bestimmte Ausgaben wurden auf verschiedenen „Aufschubkonten“ oder „Zwischenkonten“ verbucht und dort verborgen. Der Zweck dieser Falschbuchungen bestand darin, die beabsichtigte Dividende erzielen zu können: „Und daher North British pumpte sein Geld on preference stock and debentures, because the accounts of the Co. looked well.“ (S. 107.)

32Auch wenn der „Economist“ selbst davon ausging, dass es sich bei der „Railway Finance“ um ein kompliziertes System handle – aus der Ausgabe vom 3. November 1868 exzerpiert Marx: „‚Life‘, half the brokers of England think, in regard to railway accounts, ‚is not long enough to understand such things.‘“ (S. 107) –, wurden als die Hauptschuldigen häufig die Rechnungsprüfer angegriffen: „The Persons most to blame are the Auditors. Hätten sie ordentlich zugesehn, so discovered daß die dividend paid out of borrowed money.“ (S. 107.) In diesem Kontext der Unternehmensspekulation, die teilweise betrügerische Züge annahm, lässt sich in den Marx’schen Exzerpten mehrmals das Thema der Staatseinmischung finden. Zum einen kam die Forderung nach einer Regulierung der „capital accounts“ der Eisenbahngesellschaften auf: „Lord Redesdale has induced the H. o. Lords to pass a standing order reviving the old system of subscription contracts, and requiring the promoters of a railway to show that they are real people, with actual money, in fact intending to make it.“ (S. 98.) Durch den „Railways Companies Act“ von 1867 erhielten die Rechnungsprüfer eine neue Verantwortlichkeit und unter einer Überschrift mit dem Zusatz „(Auditors)“ exzerpiert Marx mit Randanstreichung: „It is a striking fact that the auditors have never discovered, or at any rate disclosed, any one of the numerous cases of forgery of stock, false returns to the Board of Trade, payment of unearned dividends, charging of revenue expenses to capital, or any other of the various forms of ‚cooking‘ accounts by which shareholders have been lured to ruin by their directors.“ (S. 176.) Ein weiteres Beispiel für die Staatseinmischung exzerpiert Marx aus dem Artikel „The Panic in the Railway Market and the Sole Remedy“ (The Economist, 21. Dezember 1867. S. 1438/1439), in dem von dem Vorschlag berichtet wurde, einen unabhängigen Audit und eine Verifizierung der Zahlen durch den Staat zu etablieren: „Staat soll official Accounts machen.“ (S. 180.) Schließlich dokumentiert Marx auch Fälle direkter Staatsunterstützung für in Schwierigkeiten geratene Eisenbahngesellschaften. Zu einer Besprechung des „Economist“ von einem Vortrag Robert Dudley Baxters notiert Marx seine Einschätzung zu Baxter: „Es scheint, der eigentliche Zweck dieses paper war, in any way den Eisenbahnen – häklich gestellt und damals sehr in Verlegenheit ihre debentures etc zu zahlen – durch den Staat zu helfen.“ (S. 110.)

Agrikultur, politische Ökonomie, Arbeitskämpfe und Pauperismus

33Im Mittelpunkt der Marx’schen Exzerpte aus dem „Economist“ im vorliegenden Heft stehen viele andere, nicht unmittelbar mit der Krise von 1866 oder der Entwicklung des englischen Kreditsystems und Geldmarkts der 1860er Jahre verbundene Themen.

34Marx exzerpiert im vorliegenden Heft auch zu Sujets, mit denen er sich schon in den zwischen 1865 und 1868 entstandenen „Heften zur Agrikultur“ (siehe MEGA² IV/18) ausgiebig beschäftigt hat. Er fertigt Auszüge zum Beispiel über die Kultivierung von Nutzpflanzen wie Weizen (S. 99/100), Bodenerschöpfung sowie Eigentumsverhältnisse, Arbeitsbedingungen, Löhne und Streiks in der britischen Landwirtschaft an und sammelt diese unter dem Gliederungspunkt „7) Land in England and Agriculture“. Aus dem „Economist“ vom 12. Oktober 1867 exzerpiert Marx etwa eine Besprechung des Artikels „The Wheat Crop of 1867“, den John Bennet Lawes in der „Times“ vom 5. Oktober 1867 veröffentlichte und den Marx bereits im Januar/Februar 1868 in „Heft I. 1868“ der „Hefte zur Agrikultur“ exzerpierte (MEGA² IV/18. S. 360). Lawes berichtete hier von den Resultaten seines Experiments in Rothamsted zur Wirkung von Kunstdünger. Lawes galt seit den 1840er Jahren als Kritiker der von Justus von Liebig vertretenen Mineraltheorie und betonte gemeinsam mit Joseph Henry Gilbert die Bedeutung des Stickstoffgehalts für die Zunahme der Bodenerträge. Laut Lawes sei die Ernte seines Experimentalfeldes zwischen 1860 und 1863 stetig gestiegen, aber zwischen 1863 und 1867 hingegen gesunken. Da die Behandlung jedes Ackers jährlich dieselbe geblieben sei, schrieb er den Unterschied in den Erträgen dem Einfluss des Klimas zu (S. 170). In den „Heften zur Agrikultur“ bezeichnete Marx Lawes als einen „Humbug“ (MEGA² IV/18. S. 360.2).

35Ein weiteres Thema der unter der Rubrik „7) Land in England and Agriculture“ zusammengestellten Exzerpte ist der ökologische Komplex um Bodenerschöpfung, Verunreinigung der Flüsse und städtischem Wasser- und Abwassersystem. Justus von Liebig kritisierte damals, dass die in der Stadt verbrauchten Bodenbestandteile nicht in die Böden zurückkehrten, sondern als Abwasser in den verunreinigten Flüssen der Metropolen landeten, und Marx exzerpiert über diese Verschwendung von Nährstoffen im vorliegenden Heft: „It is well to bear in mind that lands cultivated by some of the early American settlers became barren after two generations, while the soil of China unceasingly fertile for upwards of 3,000 years. The waste of the ash constituents of bread and meat in London alone is said to amount to 602,676 tons.“ (S. 111.) Marx fertigt auch Auszüge aus einer „Economist“-Besprechung des 1866 veröffentlichten Untersuchungsberichts über die Verschmutzung der Themse an (First Report of the Commissioners Appointed to Inquire into the Best Means of Preventing the Pollution of Rivers (River Thames.) Vol. 1. London 1866). Dort wurde von Erfolgen in der Stadt Croydon berichtet, wo nach der Einführungs eines Wasser- und Abwassersystems nicht nur die Krankheits- und Mortalitätsraten gesunken, sondern die Bewässerung der umliegenden Wiesen mit Abwässern auch den Bodenpreis erhöht hatte. Über ein Experiment in Manchester zur Trennung des Abfalls vom Abwasser notiert Marx indes, dass die Entfernung des Mülls aus dem Abwasser teurer sei als die Waren selbst: „In Manchester the system of taking away the refuse without entering the sewers is tried, but the removal of refuse costs a good deal more than the sale of its produces.“ (S. 111.) Marx erstellt außerdem ein großes Exzerpt über die Verschmutzung des Flusses Lee, eines Nebenflusses der Themse. Ein großer Cholera-Ausbruch im Osten Londons im Jahr 1866 wurde auf den schlechten Zustand des Lee-Wassers zurückgeführt: „The systematic way in which the sewage of the towns on the banks of the Lee, and the refuse of an agricultural and industrial district are poured into the river, schlimmer als die pollution der Thames selbst.“ (S. 147.) Die Kommissare eines Untersuchungsberichts über die Verschmutzung der Lee schlugen die Einführung eines staatlichen „Conservancy Board“ vor, das für das gesamte Wassereinzugsgebiet verpflichtet wäre, für ein Ende der Abwasserzufuhr in den Fluss sowie für dessen allgemeine Instandhaltung Sorge zu tragen.

36Die Exzerpte behandeln ferner die industrielle Tierhaltung und ihre Konsequenzen, etwa den Ausbruch der Rinderpest („Cattle Plague“), einer in den meisten Fällen tödlich verlaufenden Virusinfektion bei Rindern. Der damals jüngste Ausbruch der Rinderpest ging auf kranke Rinder zurück, die im Mai 1865 aus dem Ostseeraum per Schiff nach Hull importiert wurden (siehe Arvel B. Erickson: The Cattle Plague in England, 1865–1867. In: Agricultural History. Vol. 35. April 1961. Nr. 2. S. 94–103; Stephen Matthews: The Cattle Plague in Cheshire, 1865–1866. In: Northern History. Vol. 43. 2006. Nr. 1. S. 117–135). Wie Marx exzerpiert, wurde Großbritannien zu dieser Zeit immer abhängiger von importiertem Schlachtvieh: „We cannot feed the country on homegrown cattle. Year by year the amount of meat consumed in the country augments.“ (S. 15.) Von Hull aus verbreitete sich die Seuche schnell; in Chesire, dem Zentrum, kam es zu einem Verlust von mehr als zwei Dritteln der Viehbestände. Marx exzerpiert, dass zu den Ursachen der schnellen Verbreitung der Krankheit die Schwäche der Tiere, bedingt durch die für die Milchviehbetriebe typischerweise entweder erbärmliche oder sogar gänzlich fehlende Unterbringung sowie das schlechte Fütterungssystem während der Wintermonate, zu zählen seien. Die Regierung berief im September 1865 die „Cattle Plague Commission“ ein und gründete eine staatliche Veterinärbehörde („State Veterinary Department“). Marx exzerpiert einen Artikel unter der Überschrift „Cattle Plague. Government Relief“ (S. 8) über mögliche Abhilfe durch den Staat: Während der „Cotton Famine“ wurden freigesetzte Arbeiter in Lancashire über öffentliche, mit Staatskrediten („relief loan“) durchgeführte Drainage-Arbeiten beschäftigt und der „Economist“, so notiert Marx, „[s]chlӓgt Eine einzige cattle insurance Compagny für ganz England vor“ (S. 8). Sowohl die Forderung nach dem „Conservancy Board“ zur Wiederherstellung der Wasserqualität der englischen Flüsse als auch die gegen die Rinderpest zu ergreifenden Maßnahmen dürften Marx an seine an anderer Stelle des Hefts geäußerte Notiz erinnert haben, wonach „[u]eberall Centralisation und centralised Gvt. action unvermeidliches Schicksal der modernen Gesellschaft“ (S. 34) sei.

37Unter dem Oberbegriff „7) Land in England and Agriculture“ sind auch Exzerpte zu Arbeiterorganisation, Protesten und Streiks auf dem Land versammelt: „The agricultural mind is disturbed. The Mark Lane Express is unhappy. Cattle plague und nun obendrein: the helpless labourers are becoming less patient and less helpless in the matter of wages.“ (S. 40.) Marx dokumentiert neben Kämpfen um die Arbeitsbedingungen außerdem Konflikte um das Jagdrecht. Damals waren ein bestimmter gesellschaftlicher Stand oder der Besitz einer bestimmten Eigentumsgröße Voraussetzungen, um das Recht zu erhalten, Wild zu verfolgen und zu töten. Wildgesetze wie der „Game Act“ von 1831 (1 and 2 Will. IV, Cap. 32) sahen drakonische Strafen für illegale Jagd und Wilderei („poaching“) vor. Im Jahr 1862 wurde der „Poaching Prevention Act“ (25 and 26 Vict., Cap. 114) verabschiedet, worüber Marx aus dem „Economist“ exzerpiert: „Schamlosester Act 1862: ‚An Act for the Prevention of Poaching.‘ […] Polizei dadurch in Wildfänger der landlords verwandelt.“ (S. 122.) In eigenen Worten fasst Marx die vom „Economist“ in Auszügen wiedergegebenen Paragraphen des Gesetzes zusammen: „voll der most arbitrary Clauses gegen individual liberty etc.“ (S. 122.) Marx scheint die Abneigung gegen die Wildgesetze mit dem „Economist“ zu teilen, der die Haltung von Wäldern für die Jagd als aristokratisches Privileg (S. 43) und Verschwendung landwirtschaftlicher Nutzflächen (S. 67) kritisierte und hoffte, dass die Rinderpest diesem Jagdsystem ein Ende bereiten würde: „The potato blight in Ireland formed the last argument which condemned the Corn Laws; the cattle plague may prove the death-blow of that economical crime so widely perpetrated in this country, the appropriation of useful land to deer forests or game preserves.“ (S. 43.) Die Zeitschrift berichtete regelmäßig über Bankrotte von Landwirten wegen des ihnen auferlegten Wildschutzes (S. 18) und von Protesten der Bauern (S. 76) gegen die Wildgesetze und andere Erlasse einzelner Großgrundbesitzer (S. 58/59).

38Exzerpte zur Problematik der Grundrente wie zum Einfluss der Eisenbahnlinien auf den Bodenpreis (S. 39) und auch zur Ressourcenerschöpfung erfasst Marx nicht nur unter „7) Land in England and Agriculture“. Auch unter dem Gliederungspunkt „9) Miscellaneous“ (Verschiedenes) versammelt er neben seinen Exzerpten mit Informationen über die Sterblichkeitsraten, Staatsschulden und einigen Berichten des Handelsministeriums („Board of Trade Returns“) aus den Jahren 1866/1867 (S. 29/30, 33, 123 u. 125) und zum Außenhandel (S. 115) unter anderem seine Exzerpte zu aktuellen Diskussionen in der politischen Ökonomie, darunter die ausführliche „Economist“-Besprechung des Buchs „The Coal Question“ (London, Cambridge 1865) von William Stanley Jevons, der vor dem Aufbrauchen der englischen Kohlevorkommen warnte. Jevons berechnete, dass diese angesichts der damaligen Wachstumsrate des Kohleverbrauchs vor dem Jahr 1960 erschöpft sein würden (S. 2). Marx exzerpiert die Einschätzungen weiterer Autoren zu dieser Frage (S. 15) und umfangreich über die Kohleerzeugung in anderen Ländern. Eine andere aktuelle politökonomische Debatte drehte sich um die damals von William Thomas Thornton ins Gespräch gebrachte Tendenz, dass sich das Angebot eines Produkts und die Nachfrage danach durch den Wettbewerb ausgleichen würden. Als der „Economist“ John Stuart Mill als den Urheber dieser Auffassung ausweist, kommentiert Marx: „als wenn dieser Esel diese platitude erfunden hätte“ (S. 105). Der „Economist“ indes kritisierte Thorntons Ausführungen, was, wie eingangs erwähnt, Marx, aus den vorliegenden Exzerpten zitierend, im Brief an Engels vom 14. November 1868 aufgriff. In seinen Exzerpten notiert Marx außerdem: „What a theory of market prices ought to give us is a statement of the conditions which determine them.“ (S. 106.) An einer solchen Bestimmung der Marktpreise hatte sich Marx selbst im 1865 beendeten Manuskript zum dritten Buch des „Kapital“ versucht (siehe MEGA² II/4.2). In dieser Frage informiert sich Marx auch über die Auffassung des irischen Ökonomen Thomas Edward Cliffe Leslie, aus dessen Leserbrief an den „Economist“ Marx herausschreibt: „Grade durch das Gefasel von der supply und demand ‚political economy itself becomes practically little better than the logic of established abuses‘.“ (S. 110.)

39Auch unter „9) Miscellaneous“ verfolgt Marx unter dem Stichwort „Frauds of Shopkeepers“ Betrugsfälle im Einzelhandel (S. 110) und die staatliche Regulierung von Aktiengesellschaften, in diesem Fall die dreizehn Aktiengesellschaften, die London mit Gas versorgten. Der „Metropolitan Gas Act“ von 1860 teilte die Stadt in Bezirke auf, die jeweils durch eine Gasgesellschaft versorgt werden sollten. Der „Economist“ bezeichnete dieses System als Monopol und kritisierte dieses System als funktionsuntüchtig (The Economist, 4. Mai 1867. S. 495). Ein parlamentarischer Untersuchungsbericht dokumentierte erhebliche Problem bei der Qualität des Gases, aber Marx gingen die Erkenntnisse des Berichts offenbar nicht weit genug, denn er kommentiert in eigenen Worten: „The Parliamentary Committee hat diese Spitzbuben wie immer sehr zimperlich behandelt.“ (S. 94.) Trotz der schlechten Qualität des Gases und der vielen Folgeschäden, die es verursachte, stiegen, wie Marx notiert, die Dividenden der Gasgesellschaften. Er notiert die Auffassung des „Economist“, dass der Staat die Gasversorgung selbst bewerkstelligen soll: „Every monopoly must, as such, be under public regulation, or it may hurt the public. Incomparably the best system in such a case where it can be applied, is that the State should be itself the producer.“ (S. 130.)

40Weitere Themen des vorliegenden Hefts sind Gewerkschaften, Streiks, Arbeitshäuser und Wohnverhältnisse. Marx sammelt seine Exzerpte dazu unter dem Gliederungspunkt „12) Labour, Poor, Conflicts“. Angesichts endemischen Typhus und weil viele Häuser der Metropole London wegen des Eisenbahnausbaus abgerissen wurden, dokumentiert er erste Versuche sozialen Wohnungsbaus. In diesem Kontext steht auch der Zeitungsartikel „Dwellings for Working Classes.―Mr. Torrens’ Act.―“ aus „The Social Economist“ vom 1. Oktober 1868 – der einzigen Quelle im vorliegenden Heft, die nicht „The Economist“ oder „The Money Market Review“ ist –, den Marx auf S. 21/22 zwischen seine handschriftlichen Exzerpte aus dem 1866er Jahrgang des „Economist“ klebt und den er ebenfalls in seinem Inhaltsregister zum „Economist“ unter dem Gliederungspunkt „12) Labour, Poor, Conflicts“ (S. 185) indiziert. Mit dem „Act to Provide Better Dwellings for Artizans and Labourers“ (31 and 32 Vict., Cap. 130) von 1868 (auch bekannt als „The Artizans and Labourers Dwellings Act, 1868“ oder eben als „Torrens’ Act, 1868“, benannt nach William McCullagh Torrens, einem Mitglied der Unterhauses) wurde ein Gesetz verabschiedet, durch das die Wohnverhältnisse von Arbeitern und Handwerkern verbessert werden sollten, indem Hausbesitzer dazu verpflichtet wurden, ihre Häuser in einem bewohnbaren Zustand zu halten. Das Gesetz sah dazu unter anderem die Ernennung von Gesundheitsbeamten vor, die mit dem Recht ausgestattet wurden, Räumlichkeiten auf ihren Zustand hin zu überprüfen; sollte der Eigentümer die vom Gesundheitsbeamten gemeldeten Mängel nicht beseitigen, hätten die örtlichen Behörden Maßnahmen gegen den Eigentümer zu ergreifen.

41Mehreren Artikeln entnimmt Marx Informationen über die katastrophalen Zustände in den englischen Arbeitshäusern: „These things are gross abuses, public cruelties in short.“ (S. 33.) In seinen Exzerpten über eine Versammlung in einem Londoner Gesellschaftsklub am 3. März 1866, auf der Resolutionen eingebracht wurden, die vorschlugen, dass die Armenspitäler konsolidiert, durch einen allgemeinen Stadttarif unterstützt und unter eine einheitliche Leitung gestellt werden sollten, kommentiert Marx diese Tendenz zu staatlicher Zentralisierung wie folgt: „Ueberall Centralisation und centralised Gvt. action unvermeidliches Schicksal der modernen Gesellschaft!“ (S. 34.) In anderen Exzerpten zu diesem Thema aus einem Artikel, der zwei aktuelle Parlamentsberichte vorstellt, welche die in vielerlei Hinsicht menschenunwürdigen Bedingungen in den Arbeitshäusern dokumentieren, bemerkt Marx ähnlich: „Diese Scheisse wichtig, weil sie wieder zeigt, wie impossible local Gvt. in our state of things.“ (S. 152). Ähnlich stellte auch der „Economist“ angesichts der Skandale in den Arbeitshäusern fest: „The main source and reason of all the barbarities now exciting so much just indignation has been the desire to save expense, to keep the rates as far as possible ‚down‘. Das management der workhouses is mean, aber zugleich viel waste, peculation etc. Local boards are not good managers of money […] and local boards working through contracts are peculiarly liable to imposition and jobbery.“ (S. 176.) Viele weitere Fälle dieser Art dokumentierte Jenny Marx für ihren Vater in dem Heft „Social cases. 1869“, in das sie selbstausgewählte und dann ausgeschnittene Artikel zur sozialen Frage aus verschiedenen englischen Zeitungen einklebte.

42Schließlich liest Marx zu neuen Formen der Vermittlung des Antagonismus von Kapital und Arbeit, ein Thema, das er im Exzerptheft „1869 I Heft“ weiterverfolgt. Unter der Überschrift „Conciliation versus Strike“ exzerpiert er über in einem Nottinghamer Betrieb von Anthony John Mundella etablierte innerbetriebliche Schiedsgerichte, das heißt einen gemeinsamen Rat von Arbeitern und Kapitalisten, die in diesem Organ die Lohnzahlung regeln. Der „Economist“ begrüßte das Vorhaben, bezweifelte aber, dass den Arbeitern wirklich Mitspracherecht über ihre Entlohnung eingeräumt würde. Mundella selbst gab an, die Arbeiter bei zu hohen Lohnforderungen mit ausländischen Konkurrenzprodukten zu konfrontieren, um so ihr Einverständnis zu einer Mäßigung zu erreichen (S. 181). Andere Exzerpte, die Marx unter dem Stichwort „Industrial Partnership“ (S. 185) indiziert, behandeln unter anderem Vorschläge, Unternehmensprofite von mehr als 10% zwischen Arbeitern und Kapitalisten zu teilen und die Arbeiter im Gegenzug zu einem Verzicht auf gewerkschaftliche Organisation zu bewegen (S. 103/104 u. 115).

Irland, Indien, Vereinigte Staaten, Frankreich und Marx’ Notiz zu Geldsystemen

43Andere Exzerpte des vorliegenden Hefts gliedert Marx in seinem Inhaltsregister nach Ländern. Weil die Berichterstattung des „Economist“ die Geschehnisse außerhalb Großbritanniens gezielter als die „Money Market Review“ abdeckte, enthält auch Marx’ Inhaltsregister zum „Economist“ mehr Länder als das zur „Money Market Review“ im vorliegenden Heft, in dem nur zwei Länder, die Vereinigten Staaten und Indien, mit einem eigenen Gliederungspunkt erfasst sind. Aus dem „Economist“ fertigt Marx zu Österreich und Schweden jeweils ein Exzerpt, zu Russland zwei Exzerpte an und folglich vermerkt er unter den Gliederungspunkten „16) Austria“ und „17) Sweden“ jeweils einen Eintrag, unter „14) Russia“ zwei Einträge in seinem Inhaltsregister. Diese Exzerpte behandeln englisch-russische Handelsbeziehungen und russische Staatsfinanzen sowie die Eisenproduktion in Schweden und Österreich. Zu Irland, Indien, den Vereinigten Staaten von Amerika und Frankreich hingegen erstellt Marx umfassende Auszüge, die ebenfalls zu den zentralen Inhalten des Hefts gezählt werden müssen. Marx gab sein Interesse an „gewisse[n] officielle[n] Enquêtes“, die „während des vergangnen Jahres (u. 1866) in Frankreich, United States u. England angestellt, beendigt oder publicirt sind“ (Marx an Nikolaj Francevič Daniel’son, 7. Oktober 1868) bereits eine Woche, bevor er die beiden Periodika von Borkheim erhielt, zu erkennen.

44Unter dem Gliederungspunkt „6) Ireland“ indiziert Marx unter anderem seine Exzerpte aus vier mit „Emigration from Ireland“ überschriebenen Leserbriefen an den „Economist“ von Thomas Edward Cliffe Leslie über das Verhältnis von Auswanderung und Lohnentwicklung in diesem Land (S. 121, 124, 127 u. 137). Leslie bestritt mit einer Vielzahl an Argumenten und statistischen Angaben, dass die Auswanderung der irischen Bevölkerung für die Entwicklung Irlands von Vorteil sei. Zu diesem Thema hat Marx in den Exzerptheften „1869 I Heft“ und „Heft II. 1869“ weitere Quellen herangezogen. Leslies Leserbriefe verwendete er bereits 1867 in seinem „Draft of a Speech on the ‚Fenian Question‘ for the Meeting of the General Council of the International Working Men’s Association, November 26, 1867“, wo er auch schon eine Stelle aus dem „Economist“ vom 9. Februar 1867 zitierte (MEGA² I/21. S. 19.9–11), die er im vorliegenden Heft abermals exzerpiert (S. 121).

45Unter „8) India“ vermerkt Marx seine Auszüge zu Handelsstatistiken (S. 130), dem Geldmarkt (S. 100) und der Entwicklung des Eisenbahnsystems in Indien (S. 50, 87/88). Der „Economist“ bezeichnete die indischen Eisenbahnen als „in fact state railways“ (S. 50) und gestand: „As to the outline of arterial lines of railways, the plan more coherent and useful in proportion to the outlay than in England.“ (S. 87.) Marx exzerpiert außerdem eine Rezension des Parlamentsberichts zur Hungersnot von 1866 im indischen Orissa (East India (Bengal and Orissa Famine). Papers and Correspondence Relative to the Famine in Bengal and Orissa, Including the Report of the Famine Commission and the Minutes of the Lieutenant Governor of Bengal and the Governor General of India. (Presented to Parliament by Her Majesty’s Command.) Ordered, by the House of Commons, to be Printed, 31 May 1867. Pt. 1–3.) Diesen Bericht hatte er bereits im Sommer 1868 in „Heft 3. 1868“ der „Hefte zur Agrikultur“ exzerpiert (MEGA² IV/18. S. 670–673 u. 1132–1136). Bei der Entstehung und Ausbreitung der Hungersnot spielte das Fehlen von effektiven Bewässerungsanlagen eine Rolle. Dass die fortschreitende Entwaldung der Region das Problem der Bewässerung erschwerte, unterstreicht Marx sowohl im vorliegenden Exzerpt (S. 151) als auch mit einer Randanstreichung in seinen früheren Exzerpten (MEGA² IV/18. S. 672.17–19). Die Hungersnot verfolgt er im Januar 1869 in „1869 I Heft“ weiter.

46Im vorliegenden Heft interessiert sich Marx ebenfalls für den Wechselhandel zwischen England und Indien, genauer die damals diskutierte Verkürzung der Laufzeit von Wechseln auf Indien von sechs auf vier Monate (S. 72, 76/77 u. 80). Er hat Passagen aus allen fünf Exzerpten zu diesem Thema in Manuskript II zum zweiten Buch des „Kapital“ übernommen (MEGA² II/11. S. 212.1–30) und das Beispiel im Kontext der Verkürzung der „Kaufzeit“, das heißt „der Rückverwandlung des Geldes in die Elemente des productiven Kapitals“ (ebenda. S. 211), diskutiert. Dort bezeichnete Marx die „Verschiedenheiten im Umschlag“ als „eine der materiellen Grundlagen der verschiednen Kredittermine“ (ebenda. S. 211.39–40). In seinen Exzerpten notiert er auch die Kritik eines Lesers an der geplanten Verkürzung der Wechselfrist („usance“) von sechs auf vier Monate, da indische Produkte wegen ihrer Lieferung, Lagerung und Verkaufszeit in der Regel kaum schneller als zehn Monate nach ihrem Kauf in Indien in London verkauft werden könnten. Der Leser kritisierte die geplante Verkürzung als Mittel zur Konzentration des Kapitals (S. 77). Eine Reihe von im Ostasienhandel engagierten Banken beschloss 1866, ab 1. Januar 1867 nur noch Wechsel mit einer Laufzeit von höchstens vier Monaten auf Sicht anzunehmen (S. 80). In Manuskript II zum zweiten Buch des „Kapital“ fügte Marx hinzu, dass „diese Herabsetzung mißglückt, mußte wieder aufgegeben werden“ (MEGA² II/11. S. 212.29–30). Diese Information exzerpiert er auf S. 277 des vorliegenden Hefts, vermerkt sie aber nicht in seinem Inhaltsregister (siehe S. 185).

47Unter dem Gliederungspunkt „13) United States“ ordnet Marx Exzerpte ein, die unter anderem die Herausbildung eines amerikanischen Zentralstaats behandeln. Neben Handelsstatistiken (S. 4, 7 u. 15) und Artikeln zur Streikbewegung nach dem Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs und den Kämpfen um die Verkürzung des Arbeitstags (S. 133–136) behandelt Marx auch Bildungspolitik. In einem langen Exzerpt über die Neuordnung des amerikanischen Schulwesens informiert er sich darüber, wie die einzelnen Bundesstaaten ein steuerfinanziertes öffentliches Schulwesen installierten: „State of Massachusetts. By its laws every township is bound to keep up common schools for the instruction of all the children of the township in the rudiments of education.“ (S. 162.) Zwar sahen entsprechende Gesetze Strafen für die Missachtung der Vorschriften für die Schulöffnung vor und selbst im Bürgerkriegsjahr 1864 wurde, wie Marx notiert, die Schulpflicht weitestgehend eingehalten, aber wegen regionaler Unterschiede zeigte sich auch im Schulwesen eine „growing demand in the U. States for a central bureau of education, or a Ministry of Public Instruction“ (S. 163). Wie als Kontrast notiert Marx unmittelbar im Anschluss an dieses lange Exzerpt eine beißende Kritik des „Economist“ an dem verschwenderischen Umgang der englischen Universitäten Oxford und Cambridge mit ihren hohen Studiengebühren (S. 163–165; Marx paginiert keine Seite 164). Dass allerdings zu den alltäglichen Unterrichtsmaterialien in den Vereinigten Staaten auch die Bibel zählen sollte, inspiriert ihn zu einem kurzen Ausruf in Klammern: „As to the books to be used, the school committee bound to take care that ‚no book calculated to favour the tenets of any particular sect of Christians be purchased or used, and (Holla!) to require the daily reading of some portion of the Bible in the common English version.‘“ (S. 163.)

48Die drei Hauptthemen unter „13) United States“ sind Staatsfinanzen, Geld- und Bankensystem. Sie nehmen im vorliegenden Heft eine zentrale Rolle ein.

49Marx exzerpiert eine Reihe von Artikeln über fiskalpolitische Entwicklungen in den Vereinigten Staaten während und nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg, der aus heutiger Sicht einen Wendepunkt in der Steuergeschichte des Landes markierte. Zur Finanzierung des Kriegs durch die Union wurde zum ersten Mal in der Geschichte der Vereinigten Staaten ein effektives Steuersystem installiert: Unter der Präsidentschaft Abraham Lincolns wurde mit dem „Revenue Act“ von 1861 erstmalig eine Einkommenssteuer („Income Tax“) erhoben. Der „Internal Revenue Act“ von 1864 führte des Weiteren unter anderem eine Steuer von 6% auf Industrieprodukte ein (siehe „1869 I Heft“, S. 66). In der Steuerfrage wurde die dreiköpfige „National Revenue Commission“ unter dem Vorsitz von David Ames Wells einberufen (die anderen beiden Mitglieder waren Stephen Colwell und Samuel S. Hayes). Im Jahr 1866 legte die „National Revenue Commission“ den „Report of a Commission Appointed for a Revision of the Revenue System of the United States 1865–’66“ (Washington 1866) vor, den Marx durch eine ausführliche Besprechung des „Economist“ rezipiert (S. 19–21). Die Kommission machte darauf aufmerksam, dass es während des Amerikanischen Bürgerkriegs zu einer großen Inflation der Warenpreise kam: umgerechnet 60 Pfund Sterling vor dem Bürgerkrieg würden in den Vereinigten Staaten im Jahr 1866 100 Pfund Sterling entsprechen. Die Inflation belastete vor allem die Arbeiterklasse, die gleichzeitig unter der Verminderung ihres effektiven Einkommens durch die Inflation und einer immensen Erhöhung der Steuern zu leiden hätte. Auch das industrielle Kapital klagte über die 6%-Steuer auf Industrieprodukte, die mit dem „Internal Revenue Act“ von 1864 eingeführt worden war: Marx exzerpiert ausführlich über die arbeitsteilige Herstellung von Regenschirmen, deren einzelne Bestandteile durch die 6%-Steuer mehrmals besteuert wurden und die sich auf diese Weise so sehr verteuerten, dass im Ausland produzierte Regenschirme in New York günstiger als in den Vereinigten Staaten hergestellte erhältlich waren (S. 20). Obwohl sich die durchschnittliche Steuerrate seit 1860 verdreifachte (S. 160) und die Staatseinkünfte sich ungefähr versechsfachten (S. 180), nahm gleichzeitig auch die Staatsverschuldung rasant zu. Die Lincoln-Administration gab etwa die „5–20 bonds“ aus, bei denen sich die Bundesregierung entscheiden konnte, sie nach fünf Jahren zu tilgen oder die Tilgung um bis zu zwanzig Jahre hinauszögern. Die Verschuldung der 36 zur Union gehörenden Staaten stieg innerhalb der sechs Bürgerkriegsjahre um beinahe 40% (S. 113) und die gesamte öffentliche Verschuldung der Vereinigten Staaten („local“, „state“ und „federal“) wurde in offiziellen Zahlen auf rund 3,1 Milliarden US-Dollar beziffert, während inoffizielle Schätzungen von fünf Milliarden ausgingen (S. 155). Marx exzerpiert mehrere Berichte des US-amerikanischen Finanzministers Hugh McCulloch über die Haushaltslage des Zentralstaats (S. 41/42, 113, 159 u. 180). Auch die „National Revenue Commission“ forderte einen Abbau der Schulden und schlug dazu eine Reihe neuer Steuern vor, worüber Marx aus dem „Economist“ exzerpiert: „This is taxing the working classes more certainly than any despot would dare to tax them; and it is interfering with trade more than an ‚old world‘ Gvt. dared to interfere with.“ (S. 42.) Die Kommission selbst ging davon aus, dass ihre Vorschläge zu großen politischen Veränderungen führen müssten: „The great revenue now to be raised will necessarily bring about in America a great political change.“ (S. 21.) Über den weiteren Verlauf des Streits um den Schuldenabbau informierte sich Marx im Exzerptheft „1869 I Heft“. Er erwähnt die aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg resultierende Staatsverschuldung in der französischen Ausgabe des „Kapital“ (MEGA² II/7. S. 721).

50Wie bemerkt, verfolgt Marx neben fiskal- auch geldpolitische Entwicklungen in den Vereinigten Staaten. Während des Bürgerkriegs emittierten die Nordstaaten seit der Verabschiedung des „Legal Tender Act“ von 1862 sogenannte „Greenbacks“, das heißt inkonvertibles, nicht durch Gold oder Silber gedecktes Papiergeld (bedruckt zum Teil mit grüner Tinte), das von der Zentralregierung zum gesetzlichen Zahlungsmittel („legal tender“) für wirtschaftliche Transaktionen und für die Schuldentilgung erklärt wurde. Aus dem „Economist“ notiert Marx einen Vergleich der Greenbacks mit der von 1797 bis 1821 reichenden Periode der Suspension der Barzahlung in Großbritannien: „‚The Un. States Government stands in America in the same monetary position (vis-à-vis den banks) in which the B.o.E. stood here.‘ (vis-à-vis den country banks während der suspension of cash payments.) It has issued inconvertible paper, 90 Mill. l. St. in round numbers, for the present much depreciated as compared with gold. They are ‚legal tender‘.“ (S. 26.) Marx informiert sich im vorliegenden Heft über die in der Nachkriegszeit unternommenen Versuche, die Greenbacks wieder einzuziehen: „McCulloch hat greatly reduced the currency. […] Reduction in 2 years of $172,040,669 oder nearly 26 mill £ St. Much discussion has arisen why this great diminution has not brought the value of paper nearer to the value of gold.“ (S. 180.)

51Viele englische Kommentatoren vermuteten angesichts der in den Vereinigten Staaten gestiegenen Quantität des inkonvertiblen Papiergelds im Umlauf, dass eine kommende Wirtschaftskrise in den Vereinigten Staaten ausbrechen würde. Beispielsweise hieß es im „Economist“ vom 13. Januar 1866, dass nicht in der Expansion der britischen (Finanz-)Gesellschaften mit beschränkter Haftung („limited liability“), sondern in der Entwertung der US-amerikanischen Währung die Hauptursache der gegenwärtigen Wirtschaftsprobleme zu suchen sei (S. 5). Marx beginnt seine Exzerpte aus dem Artikel „The Apprehended mercantile convulsion in America“, in dem diese quantitätstheoretische Position vertreten wird, mit dem Kommentar: „Der English clown, der diesen Artikel schreibt, heißt Bonamy Price. (Bon ami Price!)“ (S. 38.) Marx bezeichnet Price an anderen Stellen des vorliegenden Hefts auch als „Vieh“ (S. 213) und als „blockhead“ (S. 216). Mit Randanstreichung und einem Kommentar in Klammern exzerpiert er: „‚A commercial convulsion is apprehended in America. (nicht in England, where it came to pass in a week’s time!) Whether it comes to pass, or whether it is averted, in either case alike it furnishes a striking illustration of the mischievousness of that form of tax which consists in levying money by means of an inconvertible paper currency.‘“ (S. 38.) Dagegen versicherte der „Economist“-Chefredakteur Walter Bagehot dem englischen Publikum die Solidität der US-amerikanischen Banken, was Marx exzerpiert und wie folgt kommentiert: „‚It is very generally believed, or feared, that there will be a sudden crisis – some collapse of credit in America.‘ Dieser englische Aberglauben sehr schön! Die Krise war unter ihren Füssen, zu London – sie sahen sie aber nur jenseits des Atlantic. Und der friendly ‚Economist‘ sucht sie zu beschwichtigen durch Darstellung der Solidität des jetzigen amerikanischen Bankwesens!“ (S. 26.)

52Aber anders als 1857 kam es im Jahr 1866 in den Vereinigten Staaten zu keiner Wirtschaftskrise. Als dies offensichtlich wurde, führte der „Economist“ dafür drei Gründe an, die Marx unter der Überschrift „Why the Panic in England has not caused a Panic in America“ (S. 78) exzerpiert: erstens waren wegen des Amerikanischen Bürgerkriegs die Handels- und Kreditbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien, wo die Krise ihren Ursprung hatte, nicht so eng gewesen; da, zweitens, nicht mehr das Gold, sondern die Greenbacks die Grundlage der US-Währung bildete, entstanden durch den Goldabfluss in der Krise von 1866 aus den Vereinigten Staaten nach England keine Schwierigkeiten für das US-Finanzsystem; drittens konnte die US-amerikanische Regierung sogar Gold verkaufen, als in Europa der Goldpreis stieg, um zusätzliche Gewinne zu erzielen. Der „Economist“ wollte in den letzten beiden Faktoren einen besonderen Vorzug inkonvertibler Währungssysteme erkennen, sah gleichwohl die Nachteile solcher Währungssysteme – größere und häufigere Schwankungen in den Warenpreisen, größere staatliche Willkür in der Geldpolitik, eine größere Schwierigkeit der Aufnahme langfristiger Kredite (da das Risiko langer Verträge steige, wenn sich der Wert einer Währung während der Vertragslaufzeit vollständig verändern kann) – überwiegen.

53Unmittelbar im Anschluss an die Exzerpte unter der Überschrift „Why the Panic in England has not caused a Panic in America“ verfasst Marx eine mehr als eine Manuskriptseite lange Notiz zu den verschiedenen Geldsystemen seiner Zeit. Er verleiht diesem Kommentar keine separate Überschrift, sondern setzt ihn unmittelbar hinter das Exzerpt in eckige Klammern. Obwohl deutlich erkennbar ist, dass der Kommentar von dem Exzerpt veranlasst wurde, ist er nicht ausschließlich als direkter Zusatz zu ihm zu lesen, da er allgemeinere Fragen behandelt. Der erste Satz lautet: „Under the present system bleibt Gold und Silber Weltgeld. Es bleibt mit der Warenproduktion überhaupt die Notwendigkeit des Geldes und zwar bleiben gold und silver das Material dieses Geldes, das measure of value, weil sie als Weltgeld functioniren. Die zu lösende Frage die: Erstens die Noten (Papiergeld überhaupt) equivalent mit dem Gold und Silber zu halten, dessen Werth sie repräsentiren. Zweitens a treasure of gold und silver für die Weltmarktsbedürfnisse zu haben.“ (S. 79.)

54In dieser längeren Notiz diskutiert Marx in Antwort auf die erste formulierte Frage nach den Möglichkeiten der Äquivalenthaltung von Papiergeld mit Edelmetallen zwei Währungsregime: „1) Inconvertibles Staatgeld, wie in Preussen“ und „2) Inconvertibles Staats-Bankgeld, ausgegeben auf bills und Handelssecurities“, wie es in England und Frankreich vorherrschend sei. Unter dem dritten Punkt diskutiert er in Antwort auf die zweite Frage verschiedene Möglichkeiten der Sicherung eines Reservefonds zur Abwicklung des internationalen Handels und kommt zu dem Schluss: „Perfect ist diese Sauce nicht zu machen.“ (S. 80.)

55In dem Kommentar hält Marx neben den Antwortversuchen auf diese beiden Fragen ganz unterschiedliche Punkte fest. Er behauptet etwa eine Tendenz zu größerer Staatsaktivität und schreibt, dass der Staat „in immer grössrem Umfang“ „selbst Geschäft treibt, Eisenbahnen, Minen, Telegraphe etc“. Auf die finanzpolitische Situation in den Vereinigten Staaten anspielend, macht er die inflationstheoretische Bemerkung, dass die „Depreciation des Geldes und Fluctuation besonders der Arbeiterklasse schädlich“ sei: „Beweis: U. States und England während der suspension of cash payments.“ Bei einer Diskussion des Verhältnisses von Staat und Staatsbank stellt er fest, dass die Bank of England immer mehr zu einer Staatsbank wird: „Staatsbank (ausschließlich) mit Zweigbanken, wie in Frankreich und mehr und mehr in England.“ Über die Verfasstheit einer solchen Staatsbank bemerkt er: „Das Personal der Staatsbank muß ebenso unabhängig von der jedesmaligen Regierung sein wie die Gerichte.“ Wie das Bankgeschäft im Allgemeinen „Handel mit other people’s money“ und „das Kapital der Banks nur security für das Publicum gegen Privatpersons“ ist, verfüge auch eine Staatsbank über kein Kapital: „Die Banks of England und France haben jezt in der That kein disponibles Kapital. Es ist ganz dem Staat gepumpt. Ihr Kapital ist also bloßer Credit, den das Publicum dem Staat giebt, und hat nichts mit ihrem Geschäft zu thun. Sie haben Schuldscheine auf den Staat.“ (S. 79.) Marx denkt die Staatsbanken somit zwar als formal unabhängig, aber zugleich als abhängig vom Staat und seinen Finanzen: Der Staat „kann daher nur soweit bei der Staatsbank discontiren lassen oder leihen, soweit er ihr Sicherheit giebt, ihr seine Einnahmen überweist (wie bei der B. o. England) etc. Die Regierung darf nicht vermittelst der Staatsbank Geld ins Publicum werfen, außer soweit sie es ihm entzieht.“ Marx verweist in dieser Notiz außerdem auf Werke von David Ricardo und John Fullarton und diskutiert die Rolle des Staats bei der Münzprägung.

56Inflationstheoretisch äußert sich Marx noch in anderen Exzerpten über die Vereinigten Staaten, in denen es um die Entstehung eines nationalen Bankwesens geht: „Before the civil war no national system. Each state had its own banking law.“ (S. 26.) In den Jahren 1863 und 1864 wurden „National Bank Acts“ mit dem Ziel der Etablierung einer nationalen Währung verabschiedet. Bis dahin gaben die vielen US-amerikanischen Banken jeweils eigene Banknoten aus, so dass mehrere tausend verschiedene Banknoten im Land zirkulierten. Marx exzerpiert, dass der Finanzminister Salmon Portland Chase überzeugt war, dass, um die Finanzierungsschwierigkeiten des Zentralstaats zu überwinden und alle lokalen Emissionen der bestehenden Banken zu unterdrücken, ein System von Nationalbanken zu etablieren sei, in dem jede Nationalbank einen beträchtlichen Teil ihres eingezahlten Kapitals in Staatsanleihen des Zentralstaats investieren soll. Indem die neuen Nationalbanken Staatsanleihen kaufen würden, wären sowohl das Banksystem vereinheitlicht als auch die Finanzierungsschwierigkeiten des Zentralstaats bewältigt. Marx notiert sich dreizehn Vorschriften des „National Bank Act“ vom 25. März 1863 (S. 137–140), der, weil er die Währung unter Aufsicht eines in Washington ansässigen „Comptroller of the Currency“ stellte, heutzutage als ein Vorläufer des „Federal Reserve Act“ von 1913 gilt. Der „Economist“ kritisierte das amerikanische National Bank System. Als die Zeitschrift diesem zuschrieb, eine Expansion der Notenzirkulation bewirkt zu haben und damit „sicher Schuld an increase in the price of articles of food, and in the wages of ordinary manual labour which has occurred during the 2 last year“ (S. 144) zu sein, kommentiert Marx inflationstheoretisch: „Aber mon Cher, warum nicht umgekehrt die increase of prices Ursache der increased circulation? Prices mußten increase 1) weil die lawful currency (legal tenders) depreciated und die Banknotes stellen nur diese depreciated currency dar; 2) In Folge der taxation; 3) Mißernte und 4) Mangel an Händen während des Kriegs. Ist das nicht sufficient? In derselben Art hatte Overstone, damals Lloyd Jones den englischen countrybanks vorgeworfen, daß ihre Circulation 1836–8 (oder 9?) expanded, während die der B.o.E. contracted und, umgekehrt, nach der Panic 1866, Gladstone, daß die Circulation der country notes contracted, während die der B.o.E. expanded. Stets derselbe Kohl.“ (S. 144.)

57Schließlich legt Marx in seinem Inhaltsregister einen umfangreichen Gliederungspunkt „15) France“ an. Auch hier notiert er sich Betrugsfälle etwa in der Verfälschung von Cognac (S. 68) und im Fall eines Bankiers aus Roubaix, der zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden war, nachdem sich zeigte, dass seine Bank viele Wechsel in Umlauf brachte, die unter anderem von Angestellten seiner Bank selbst gezogen worden waren (S. 153). Zudem hält er fest, dass die Krise von 1866 zwar auch Frankreich nicht besonders schwer traf (S. 64), dort gleichwohl für kleinere Schwierigkeiten sorgte (S. 68). Marx exzerpiert eine Statistik über die französischen Im- und Exporte für die Jahre 1860 bis 1865 (S. 120) und eine tabellarische Übersicht über das französische Handelsvolumen mit ausgewählten Ländern (S. 122).

58Marx interessiert sich insbesondere für die Aktien- und Finanzgesellschaften in Frankreich und exzerpiert unter der Überschrift „Failures in Building Speculation“ über verschiedene Baugesellschaften, die infolge des groß angelegten Programms zum Umbau von Paris unter Georges-Eugène Hausmann ins Straucheln geraten waren (S. 156). Unter den Exzerpten zu Frankreich stellen aktuelle Entwicklungen rund um die Aktienbank Crédit Mobilier, die 1851 gegründet, von Napoleon III. unterstützt (S. 169) und im Oktober 1867 zwangsliquidiert wurde, einen wichtigen Punkt dar. Aus der „Money Market Review“ entnimmt Marx, dass der Niedergang dieser Finanzgesellschaft in Verbindung mit ihren Verwicklungen mit Immobiliengesellschaften stand: „Immediate Cause of Breakdown des Credit Mobilier arises from its large advances to Compagnie Immobilière, one of the many affiliations sprung up from the original present establishment. The Co’s funds locked up in ‚inconvertible securities‘ or ‚inoperative accounts‘. This was always the weak point in the constitution of the concern.“ (S. 273.) Über die Gerichtsprozesse gegen den Crédit Mobilier nach dessen Zwangsliquidierung im Oktober 1867 informiert sich Marx im vorliegenden Heft (S. 169) wie auch in „1869 I Heft“ (siehe Entstehung und Überlieferung zu „1869 I Heft“). Nachdem bereits im September 1867 die Péreire-Brüder, zwei seiner Gründer und Direktoren, den Crédit Mobilier verlassen mussten, notiert Marx aus dem „Economist“ vom 28. September 1867: „Abtritt der Pereire vom Credit Mobilier. Vermögen von 4 to 6 Mill. £ St. gemacht. ‚In success the Pereires were worshipped.‘ Jezt fällt alles über sie her. Sie haben railways in Frankreich established, a service of no small magnitude, considering the lack of enterprise in this revolution-tossed country. They have, too, had no inconsiderable part in promoting the remarkable extension of material prosperity in France after the Coup d’état.“ (S. 168.) Diese Passage erinnert an Marx’ frühere Aussage aus dem Manuskript zum dritten Buch des „Kapital“, dass sich die „Hauptverkünder[]“ des Kreditsystems „von Law bis Isaac Péreire“ durch einen „angenehmen Mischcharakter von Schwindlern und Propheten“ auszeichneten, weil sie einerseits die kapitalistische Produktionsweise „zum reinsten und kolossalsten Schwindelsystem und Spielsystem“ entwickeln und andererseits mit den großen Kreditgesellschaften die gesellschaftlichen Produktivkräfte steigern und somit an der Ausbildung einer „Übergangsform“ in eine postkapitalistische Gesellschaft beteiligt sind (MEGA² II/4.2. S. 505).

59Einen weiteren Schwerpunkt der Auszüge zu Frankreich bilden die neun Artikel über das „Bank Enquête Committee“. Angesichts der kleinen französischen Finanzkrise von 1863/1864 übte Émile Péreire heftige Kritik an der restriktiven Geldpolitik der Banque de France, auf die in seinen Augen die Krise zurückzuführen war (S. 34). Wegen der Kontroversen genehmigte Napoleon III. 1865 eine Untersuchung der Ursachen der Finanzkrise in Frankreich, in der auch die Banque de France einer Überprüfung unterzogen werden sollte: „1865 veranstaltete\verursachte der französische Credit Mobilier die Bank enquête, um die policy der B. o. France umzuwerfen.“ (S. 11.) Der Frankreich-Korrespondent des „Economist“ berichtete über mehrere Ausgaben hinweg von den Sitzungen des Untersuchungskommittees und die Zeitschrift übersetzte Auszüge aus den Diskussionen ins Englische. Marx exzerpiert auf diese Weise die englischen Übersetzungen vieler Originalaussagen von zentralen Persönlichkeiten des Finanzsystems des Zweiten Kaiserreichs wie James Rothschild, Michel Chevalier, Émile und Isaac Péreire und Adolphe d’Eichthal, die etwa die Rolle der Bank of England und des englischen Wechselmarkts für den europäischen Geldmarkt, die Banque de France und ihren Zusammenhang mit der Bank of England, den französischen Außenhandel und die Entwicklung der französischen Wirtschaft im Zweiten Kaiserreich behandeln (S. 22, 23, 30/31, 34–36, 36–38, 45, 114, 124 u. 127). Der Bericht der Bank enquête teilte nicht Émile Péreires Kritik an der Banque de France: „Decides (der Report) für Monopol der Bank o. France, no essential changes in its organisation to be introduced.“ (S. 114.) Zugleich bestätigte die Mehrheit der gehörten Zeugen, dass es 1863/1864 überhaupt eine Krise gegeben hatte, was zuvor von einigen Behörden bestritten worden war; sie sei durch den Abfluss von Münzgeld („specie“) für den Einkauf von Baumwoll- und Seidengarn sowie durch die großen Investitionen in Industrieunternehmen und durch ausländische Kredite verursacht worden. Die Mehrheit der Zeugen vertrat die Auffassung, dass die Flexibilität der Banque de France bei der Ausgabe von Banknoten, den unflexiblen Verordnungen, die der Bank of England durch den „Bank Act“ auferlegt wurden, vorzuziehen sei (S. 114).

60Schon bevor Marx den „Economist“ und die „Money Market Review“ von Borkheim am 13. Oktober 1868 erhalten hat, befand er sich offensichtlich auf der Suche nach den Protokollen des französischen „Bank Enquête Committee“ und dem Bericht der amerikanischen „National Revenue Commission“ unter dem Vorsitz von David Ames Wells. Dies geht aus seinem Brief an Nikolaj Francevič Daniel’son vom 7. Oktober 1868 hervor, in dem er schrieb: „Sie können nicht auf den zweiten Band warten, dessen Erscheinung vielleicht noch 6 Monate sich verzögern wird. Ich kann ihn nicht fertig machen bis gewisse officielle Enquêtes, während des vergangnen Jahres (u. 1866) in Frankreich, United States u. England angestellt, beendigt oder publicirt sind.“ Durch die Auszüge aus dem „Economist“ konnte sich Marx einen zum Teil detaillierten Überblick über viele Untersuchungsberichte verschaffen. Der Überschrift zu seinen Exzerpten aus dem „Economist“-Bericht über die „National Revenue Commission“ setzt er „(Blue Book.)“ (S. 19) hinzu.

The Money Market Review

61The Money Market Review. A Weekly Record of Trade and Finance; also of Railway, Banking, Insurance, Mining, Steam, & Other Public Companies. Vol. 12–14. (S. 187–287.)

62Unmittelbar im Anschluss an die Exzerpte aus dem „Economist“ und dem dazu erstellten Inhaltsregister fertigt Marx Auszüge aus den Jahrgängen 1866/1867 der „Money Market Review“ an, die ungefähr ein Drittel des vorliegenden Exzerpthefts ausmachen. Marx führt diese Exzerpte anschließend im Heft „1868“ weiter, in dem er unter anderem eine systematische Materialsammlung zum Geldmarkt der Jahre 1866/1867 anlegte (siehe Entstehung und Überlieferung zu Heft „1868“). Zum Teil zieht er im vorliegenden und im Heft „1868“ aus denselben Ausgaben der „Money Market Review“ aus. In Heft „1868“ exzerpiert er abgesehen von den Angaben zum Geldmarkt des Jahres 1866 allerdings nur aus sechs Artikeln des Jahrgangs 1866. In beiden Heften gibt es keine Exzerpte aus den sechs Ausgaben, die zwischen dem 9. Juni 1866 und dem 14. Juli 1866 erschienen sind, sowie der Ausgabe vom 3. November 1866. In Heft „1868“ exzerpiert Marx insbesondere den Jahrgang 1867 und greift dabei auch auf solche Ausgaben zurück, aus denen er im vorliegenden Heft noch nicht exzerpiert: die Ausgaben vom 18. Mai, 1. Juni, 27. Juli, 24. August, 2. und 30. November und 14. Dezember 1867.

63Unter der Überschrift „Register Money Market Review Jahrgänge 1866 und 1867“ erstellt Marx auch für die Auszüge aus der „Money Market Review“ ein Inhaltsregister (S. 285–287). Es ist in vierzehn Punkte gegliedert: sieben Oberpunkte, von denen der zweite in sieben Unterpunkte unterteilt ist. Die Gliederungspunkte in der ersten Ordnungsebene lauten: „1) Banking et Currency“, „2) Crisis of 1866“, „3) Board of Trade Returns“, „4) Cotton Trade“, „5) India“, „6) U. States“ und „7) Miscellaneous“. Den Punkt „2) Crisis of 1866“ differenziert Marx in die sieben Unterpunkte: „A) Bank o. England und Act of 44“, „B.) Theory of Panic“, „C) Securities (Investments) und Panic“, „D) Joint Stock Banking und other Cos. Schwindel seit 1865 etc. (respective seit 62)“, „E.) Railways“, „F) Plethora of Money“, und „G.) Limited Liability Act of 1862“.

64Das Inhaltsregister zeigt, dass Marx aus der „Money Market Review“ im Wesentlichen zu denselben Themen wie aus dem „Economist“ exzerpiert. Das ist nicht überraschend, da beide Zeitschriften ähnliche Schwerpunkte setzten, wöchentlich erschienen und Marx die gleichen Jahrgängen heranzieht. Allerdings beginnt er seine Exzerpte aus der „Money Market Review“ nicht mit der ersten Nummer des Jahres 1866, sondern erst mit der Ausgabe vom 19. Mai 1866, die eine Woche nach der Panik auf dem Londoner Geldmarkt vom 11./12. Mai 1866 erschien. Marx war es offensichtlich wichtig, eine zweite Quelle mit einer anderen Sicht auf die Ereignisse zu konsultieren. Denn trotz der ähnlichen Ausrichtung der beiden Wirtschaftswochenzeitschriften bestanden einige Unterschiede in ihrer Berichterstattung und Marx kritisiert in den vorliegenden Exzerptheften des Öfteren die Auffassungen des „Economist“ (siehe Einführung).

65Die „Money Market Review“ war dagegen weniger international als der „Economist“ ausgerichtet und stärker auf den englischen Geldmarkt konzentriert, was sich auch im Marx’schen Inhaltsregister zu seinen Auszügen aus der „Money Market Review“ widerspiegelt, in dem nur zwei Punkte – „5) India“ und „6) U. States“ – Länder behandeln. Ein Eintrag unter „7) Miscellaneous“ verweist darüber hinaus auf ein Exzerpt über die öffentliche Verschuldung in Russland – ein Thema, über das Marx sich schon im „Economist“ informiert (S. 23/24 u. 160/161) –, ein anderer auf Auszüge aus der Rezension eines Buchs über die Goldminen im australischen Victoria (S. 274). Zu Indien erstellt Marx Auszüge aus zwei Artikeln, die sich mit den Folgen der Baumwollhungersnot für das Land befassen, darunter ein langes Exzerpt über die rasche Entwicklung der indischen Banken und des indischen Banksystems in den 1860er Jahren: „Joint Stock Banking in India more than quadrupled its original value since the sudden impetus it received from the cotton famine.“ (S. 221.) Insbesondere Mumbai wurde als wichtiger Umschlagplatz für Baumwolle Ziel des Kapitalzuflusses, was zu Gentrifizierungsprozessen und großen Landgewinnungsunternehmungen in der Stadt führte (S. 223/224). Seine Materialien zu den Vereinigten Staaten ergänzt Marx mit Angaben über Handel (S. 196/197 u. 197), Fiskalpolitik sowie Geld- und Bankensystem (S. 193, 214/215 u. 282/283). Die Stichworte in Klammern, mit denen Marx seine Überschriften der Exzerpte ergänzt, mögen Aufschluss über sein näheres Interesse an diesen Themen geben. Sie lauten etwa: „What is a Five-Twenty Bond? (Neue Art Convertibility for paper currency)“ (S. 193) und „President’s (Andrew Johnson’s) Message on American Currency and Finance. (Ursprüngliche Accumulation at Publick Expense.)“ (S. 282).

66Unter den Gliederungpunkten „3) Board of Trade Returns“ und „4) Cotton Trade“ versammelt Marx seine Exzerpte zum damals aktuellen Handelsgeschehen. Nach der Panik vom Mai 1866 war eine Besonderheit zu verzeichnen, wie Marx aus der „Money Market Review“ vom 2. Juni 1866 exzerpiert: „The anomaly is that, while we are receiving enormous quantities of cotton from America, we are also drawing heavy amounts of gold from her.“ (S. 196.) Bei seiner Beobachtung des Baumwollhandels konzentriert sich Marx auf die Monate September und Dezember 1866 sowie Januar 1867 und dokumentiert dabei fallende Preise von Rohbaumwolle und Kurzarbeit in Manchester. Aus seinen Exzerpten aus einem Artikel vom 12. Januar 1867 über den Baumwollhandel verwendet Marx im Anschluss Angaben über die importierte Rohbaumwolle der Jahre 1860 und 1861 in Manuskript II zum zweiten Buch des „Kapital“ (MEGA² II/11. S. 67.38–39) zur Illustration der Beobachtung, dass „[d]as Jahr 1860 und Theil des Jahrs 1861 […] die Zenithjahre der englischen Baumwollindustrie [waren]“ (ebenda. S. 67.30–32).

67Unter „1) Banking et Currency“ indiziert Marx Exzerpte über einige technische Aspekte von Geldsystem und Bankwesen: Banknoten (S. 191), Wechselmakler (S. 252), Clearing House (S. 209/210), Depositen (S. 216/217) und, wie bereits aus dem „Economist“ (S. 117), einen Artikel über die Frage der Trennung von Akzeptscheinen und Depositen (S. 247). Er exzerpiert außerdem über die Untersuchungen des Statistikers Leone Levi zur Entwicklung der Zinsrate in England (S. 212/213) und über den Einfluss des Wetters auf den Geldmarkt (S. 230). Marx vermerkt hier auch einige Exzerpte zur Bank of England und zum „Bank Act“ von 1844, zwei Hauptthemen des vorliegenden Hefts, die er auch unter dem Gliederungspunkt „A) Bank o. England und Act of 44“, einem Unterpunkt von „2) Crisis of 1866“, explizit behandelt.

Die Krise von 1866

68Der Gliederungspunkt „2) Crisis of 1866“ ist, wie erwähnt, in sieben weitere Punkte unterteilt. Sie lauten: „A) Bank o. England und Act of 44“, „B.) Theory of Panic“, „C) Securities (Investments) und Panic“, „D) Joint Stock Banking und other Cos. Schwindel seit 1865 etc. (respective seit 62)“, „E.) Railways“, „F) Plethora of Money“, und „G.) Limited Liability Act of 1862“. Diese Gliederung ist ein Hinweis darauf, dass Marx in Aktien-, Finanz- und Eisenbahngesellschaften die hauptsächlich von der Krise getroffenen Branchen sah. Das Register zu seinem Exzerptheft „1868“ mit der Fortsetzung der Auszüge aus den Jahrgängen 1866/1867 der „Money Market Review“ strukturierte er ähnlich, ohne allerdings die Punkte explizit mit der Krise von 1866 in Verbindung zu bringen. Die fünf Gliederungspunkte dort lauten: „1) Bank of England. (resp. France) und Moneymarket“, „2) Stock und Share Market. Investments etc“, „3) Cos.“, „4) Trade“ und „5) Railways“ (Heft „1868“, S. 84–86).

69Neben den Krisenbranchen behandeln die unter „2) Crisis of 1866“ vermerkten Exzerpte die Bank of England, Theorie der Krise und staatliche Regulierung durch den „Companies Act“ von 1862.

70Unter „A) Bank o. England und Act of 44“ sammelt Marx Berichte über die Panik vom 11. Mai 1866, die Suspension des „Bank Act“ und den weiteren Verlauf der Krise. Die „Money Market Review“ vermutete, dass die Bank of England ohne Suspension des „Bank Act“ die Zahlung hätte einstellen müssen (S. 188), und kritisierte das Gesetz in Worten, die Marx in seinen Brief an Collet Dobson Collet vom 13. November 1868 übernahm: „the law, as it stands, may entail a catastrophe thus momentous for a cause so insignificant“ (S. 188). Auch wenn die „Money Market Review“ die Krise selbst nicht auf den „Bank Act“ zurückführte, gab sie zu bedenken, dass dieser die Geldzufuhr in genau dem Moment verknappe, in dem die Nachfrage nach Geld am größten sei (S. 189). Marx notiert sich Details über den Moment der Suspension des „Bank Act“ (S. 192), in dessen Folge die Bank of England viele Diskontierungen vornahm: „The demand for loans, after removal of Bank Act ⦗a few hours more of intense panic would have absorbed this reserve altogether⦘ during the week more than 10 millions, greater than ever known in any previous week of the Bank’s history.“ (S. 187.) Wie erwähnt, versandte der Außenminister Lord Clarendon am Tag nach der Suspension einen Rundbrief an die britischen Botschaften und Gesandtschaften in Europa, in dem er versicherte, dass die auf dem Kontinent herrschenden Sorgen über die britische Zahlungsfähigkeit unangemessen seien. Sowohl die „Money Market Review“ als auch der „Economist“ kritisierten diese Aktion als unnötige Verschärfung der Panik, da ob der erstmaligen Verfassung eines solchen Briefs das Stigma nur umso mehr an England haftete und die Sorgen im europäischen Ausland um die englische Finanzlage erst recht wuchsen (S. 87, 91 u. 192). Wie bemerkt, übernahm Marx diese Kritik in seinen Brief an Collet Dobson Collet vom 2. November 1868 (MEGAdigital).

71Marx selbst begriff seit 1851 den „Bank Act“ als eine solche Krisenverschärfung (siehe Marx an Engels, 3. Februar 1851. In: MEGA² III/4. S. 27). Hierin traf er sich mit der „Money Market Review“, die nicht nur dieses Gesetz, sondern auch die jüngsten Überlegungen zu seiner Reform heftig kritisierte. Walter Bagehot im „Economist“, John Mills, John Peter Gassiot und William Fowler forderten, in den „Bank Act“ eine Krisenklausel („expansive clause“ oder „crisis clause“) aufzunehmen, durch welche die Regierung per Gesetz befugt sein würde, den „Bank Act“ selbst in kommerziellen Ausnahmezuständen zu suspendieren. Ein Gesetz, das ursprünglich mit der Absicht verabschiedet wurde, die Krisen zu verhindern, auf eine Weise zu reformieren, in der es in den Krisen suspendiert würde, schien der „Money Market Review“ absurd und Marx übernimmt in seinen Exzerpten aus den Ausführungen der Wochenzeitschrift viele Ausrufezeichen, die sich schon in der Quelle befinden (S. 247/248). Eine Gegenposition zu den Reformern nahm Thomson Hankey ein, der an der gegenwärtigen Verfassung des „Bank Act“ festhalten wollte. Marx exzerpiert kurz aus einer Rezension von Hankeys Buchs „The Principles of Banking, its Utility and Economy; with Remarks on the Working and Management of the Bank of England“ (London 1867), das er abgesehen von Hankeys Darstellung der inneren Organisation der Bank of England als unbrauchbar verwirft, mit Sicherheit auch deshalb, weil Hankey den „Bank Act“ für „perfectly successful“ (S. 249) hielt. Auch John G. Hubbard musste sich Kritik der „Money Market Review“ gefallen lassen (S. 195).

72In den Exzerpten identifiziert Marx im „Bank Act“ und dem Brief Clarendons nicht die einzigen Momente der Verschärfung einer Panik durch eine falsche Handhabung der Ereignisse. Aus mehreren Ausgaben der „Money Market Review“ exzerpiert er unter der Überschrift „The Times and the Panic“ verschiedene Berichte über die irreführende Berichterstattung der Tageszeitung „The Times“ während der Krise von 1866, die der „Money Market Review“ zufolge unter anderem die falsche Behauptung aufgestellt hatte, dass auch die Suspension des „Bank Act“ die Panik in der Londoner City nicht beruhigen konnte. Der erste Satz dieser Exzerptsammlung lautet: „Influence that Journal can exercise in bringing about a panic.“ (S. 189.) Dieser Satz befindet sich in der „Money Market Review“ vom 19. Mai 1866 und Marx überträgt ihn, wie große Teile seiner Chronik zur Berichterstattung der „Times“, leicht abgewandelt in einen Brief an Collet, wo es heißt: „I have not yet touched upon a most important point, – the influence which […] a paper like the Times would be able to exercise in bringing about the catastrophe.“ (Marx an Collet Dobson Collet, 13. November 1868.) Wie bemerkt, enthält Marx’ Exzerptsammlung „The Times and the Panic“ Auszüge aus mehreren Ausgaben der „Money Market Review“; möglicherweise erstellt Marx zuerst nur das Exzerpt aus der Ausgabe vom 19. Mai 1866, ehe er dies im Laufe seiner Exzerpte aus den späteren Nummern um neue Informationen ergänzt, denn die Zusätze passen nicht ganz auf die Seite, so dass Marx sie zum Teil auf eine noch nicht beschriebene Stelle der Seite schreiben und mit einem Einfügungszeichen arbeiten muss. Möglich wäre ebenfalls, dass Marx zumindest einige Artikel aus späteren Ausgaben der „Money Market Review“ schon vor dem Exzerpieren gelesen hatte und sich an dieser Stelle der Exzerpte daran erinnert und vorgreifend exzerpiert, um eine Chronik über das, wie Marx es in eigenen Worten nennt, ‚Hochschreiben der Panik‘ („‚write up‘ the Panic“) (S. 189) der „Times“ zu verfügen. Schon aus dem „Economist“ exzerpiert Marx im vorliegenden Heft, dass die „Times“ eine Falschmeldung abdruckte, die ihr per Telegramm zugespielt worden sei: „Telegrams ferner (falsche) of outbreak of war to Times, next day all over the world that a great Bank had failed.“ (S. 70.) Über das Kommunikationsmedium des Telegraphen exzerpiert Marx kritisch: „when a stranger sends off a telegram, the telegraph clerks have no interest in verifying it, or in taking note of its identity. … Der Telegraph the most enormous machine for the diffusion for rumour für all the agencies at work in the panic.“ (S. 70.)

73Marx exzerpiert außerdem aus einigen Besprechungen der speziell die Krise von 1866 behandelnden Literatur, die er in seinem Index in dem Unterpunkt „B) Theory of Panic“ erfasst. Bei den besprochenen Titeln handelt es sich um John Benjamin Smith: An Inquiry into the Causes of Money Panics and of the Frequent Fluctuations in the Rate of Discount. London 1866 (S. 236); William Fowler: The Crisis of 1866. London 1867 (S. 238–240); The Financial Lessons of 1866. A Letter, Addressed, by Permission, to W. E. Gladstone. By a City Manager. London 1867 (S. 266/267 u. 267); John P. Gassiot: Monetary Panics and Their Remedy. With Special Reference to the Panic of 11 May, 1866. London 1867 (S. 278); außerdem exzerpiert Marx den Artikel „The Theory of Panic etc.“ (S. 195/196) sowie Einschätzungen der Handelskammern von Liverpool, Manchester und Rouen (S. 243 u. 276/277). In diesen Exzerpten lassen sich einige Marx’sche Bewertungen der Literatur zur Krise finden. Über Smith, der die Krise darauf zurückführte, dass die Londoner Aktienbanken keine ausreichend große Geldreserve gehalten hätten, schreibt er etwa: „Smith is evidently a damned and solemn and presumptuous ass!“ (S. 236.) Die Vorschläge der Manchester Handelskammer ergänzt Marx unter anderem durch einen Ausspruch aus Goethes „Faust“: „Motion was put into the recent crisis and the working of Act of 1844. President (Malcolm Ross) declared […] that he had received 72 pamphlets and communications on the subject (one pamphlet proposing to allow banks to issue notes, taking pig iron as a basis) and daß ihm ward von all dem so dumm, als ging ihm ein Mühlrad im Kopf herum.“ (S. 243.) Viele dieser Titel hat Marx im Anschluss an anderer Stelle in bibliographischen Zusammenstellungen aufgelistet, etwa in „Heft 3. 1868“ der „Hefte zur Agrikultur“ (siehe MEGA² IV/18. S. 1123) sowie in 1878/1879 erstellten Exzerptheften (erscheinen in MEGA² IV/25). Das Buch von Gassiot exzerpierte er in einem nach bisherigen Erkenntnissen zwischen Dezember 1878 und Januar 1879 geführten Heft (IISG, Marx-Engels-Nachlass, Sign. B 151). Das Buch von Smith befand sich wahrscheinlich in seinem Besitz, denn es ist verzeichnet im Katalog der SPD-Bibliothek (Nr. 41745).

74Unter „C) Securities (Investments) und Panic“ erfasst Marx seine Exzerpte zu mit dem Aktienwesen verbundenen Phänomenen wie der Börse als Institution (S. 256) und der Entwicklung des Aktienmarkts am 19. Mai, 26. Mai (S. 193) und 29. September 1866. Unmittelbar am 19. Mai stiegen Staatsanleihen und Eisenbahnaktien im Kurs (S. 190), aber bereits eine Woche später fielen die Aktienkurse der Eisenbahngesellschaften erheblich (S. 193) und in der am 29. September endenden Woche verschärfte sich diese Tendenz erneut (S. 218/219). Die „Money Market Review“ schätzte am 26. Mai den Gesamtverlust im Wertbelauf der Aktienanlagen seit Jahresbeginn auf 130 Millionen Pfund Sterling (S. 193). Sie berichtete deutlich kritischer als der „Economist“ über die Leerverkäufe („bearing“) und machte auf die, wie Marx in seinem Index vermerkt, „Investor Losses from ‚Bear‘ Frights“ (S. 285) aufmerksam (siehe S. 190 u. 197). Marx scheint einen ähnlichen Kritikpunkt formuliert zu haben, als er bereits in seinen Exzerpten aus dem „Economist“ schreibt: „Uebrigens, wenn der Economist sagt, daß no good concerns ruined durch die bears, so massenhaft private possessors of good securities frenzied into selling them.“ (S. 76.) Über die Spekulationstechnik des „bearing“ las Marx wahrscheinlich 1868/1869 auch in den beiden Büchern von Malcolm Ronald Laing Meason „The Bubbles of Finance“ (London 1865) und „The Profits of Panics“ (London 1866), die sich in seiner Handbibliothek befinden und viele Randanstreichungen von Marx aufweisen (MEGA² IV/32. Nr. 885 u. 886). Marx exzerpiert das Urteil der „Money Market Review“ vom 21. Juli 1866 über Measons 1866 erschienenes Buch „The Profits of Panics“ (London 1866): „The writer of ‚Profits of Panics‘ has substantially written the truth ... there is no doubt whatever.“ (S. 199.) Marx informiert sich auch umfassend über die Versuche einer Regulierung der „bears“ durch die bereits erwähnte „Leeman’s Bill“, die Leerverkäufe von Aktien einschränken wollte. Über die „Money Market Review“ exzerpiert Marx die Auffassung der „Daily News“, dass „Leeman’s bill will probably break up entirely the trade of panic-mongering so far as this particular branch is concerned“ (S. 263).

75Schließlich bemerkt Marx einen Bedeutungsgewinn ausländischer Staats- und Kolonialanleihen im Jahr 1867/1868 (siehe Entstehung und Überlieferung zu „1869 I Heft“), die für das aus der Krise resultierende Surpluskapital interessant wurden: „Now that money is getting plentiful, rumours of foreign loans, due to the leviathans of the money market and the whole fry of premium hunters.“ (S. 229.) Dies ist auch Thema der im Unterpunkt „F) Plethora of Money“ vermerkten Exzerpte. Die „Money Market Review“ erklärte am 27. Oktober 1866 die Krise von 1866 für beendet (S. 230) und Marx notiert sich über die Anlagemöglichkeiten nach der Krise: „There is little field for speculation except Indian and Colonial Railway Shares, and U. States Stock.“ (S. 230.) In der Ausgabe vom 26. Januar 1867 wird über die Annahme eines russischen Kredits berichtet: „Russia applied to the money market the other day for a loan of 6 Mill. £. St., and immediately capitalists were to be found ready to supply Russia with the amount several times told. Chili demanded 2 millions; 17 were offered in the course of a few days.“ (S. 251.) Darüber schreibt Marx ausführlich in seinen Briefen an Collet Dobson Collet vom 2. und 13. November 1868 (MEGAdigital).

76Unter„G.) Limited Liability Act of 1862“ widmet Marx einigen Bestimmungen des „Companies Act“ (25 and 26 Vict., Cap. 89) von 1862 Aufmerksamkeit. Dieses gestattete es den Aktiengesellschaften, Aktien auszugeben, die nur zu einem Teil ihres Nominalwerts gezeichnet wären. So war in vielen Fällen nur ein Teil des nominell vorhandenen Aktienkapitals wirklich eingezahlt („capital paid up“); die Differenz zwischen dem nominellen und dem tatsächlich eingezahlten Aktienkapital konnte eine Aktiengesellschaft jederzeit von ihren Aktionären durch einen Aufruf („call“) einfordern. Durch dieses System sollten, wie Marx in einem Exzerpt festhält, das er unter „1) Banking et Currency“ unter dem Stichwort „Limited Liability applied to banking“ vermerkt, einerseits Aktionäre angezogen und in der Erwartung bestärkt werden, mit einer geringen Investition große Anteile zu erwerben, und andererseits die nicht eingezahlte Reserve auf weitere potenzielle Kreditgeber wie ein Vertrauensvorschuss wirken (S. 224). Prägnant notiert sich Marx über das „Large uncalled capital in limited liability Cos.“: „With a large uncalled capital you buy or sell not an asset, but a liability“ (S. 232). In der Tat hatten solche Aufrufe meist einen Aktienverkauf und -kursverfall zur Folge, da die Aktionäre befürchteten, der Aufruf würde auf eine Unsolidität der Aktiengesellschaft hinweisen. Tatsächlich wurden in der Krise von 1866 viele „calls“ getätigt, um die entstandenen Verbindlichkeiten zu decken (S. 263). Eine Übersicht über die Summen, die die Aktionäre während der Liquidierung ihrer Gesellschaften zu zahlen hatten, hat Marx in seinem Inhaltsregister auch unter „D) Joint Stock Banking und other Cos. Schwindel seit 1865 etc. (respective seit 62)“ indiziert: „Here is an absolute loss to shareholders of nearly 8 millions, and they have still much more to pay.“ (S. 218.) Die Exzerpte aus dem Artikel „The Panic about ‚Calls‘“ (S. 263) indiziert Marx zwei Mal: einmal unter „C) Securities (Investments) und Panic“ und einmal unter „G.) Limited Liability Act of 1862“.

77Die „Money Market Review“ kritisierte den Companies Act von 1862 darüber hinaus auch deshalb, weil dieses Gesetz nicht die Nominierung der Abwickler („liquidators“) von Unternehmen regulierte und sich die Abwickler somit häufig aus dem Personal des Unternehmens selbst rekrutierten (S. 263). In Exzerpten, die Marx im Inhaltsregister mit dem Stichwort „English Capacity und Blundering“ (S. 287) erfasst, heißt es auch wegen des Gesetzes von 1862: „English Gvt the most costly in the world, and the worst. If we look to our legislation and administration, as affecting national defense, national finance, army and navy, Bk.o.E., railways etc, in all we shall see the same lamentable indications of utter incapacity.“ (S. 214.) Die „Money Market Review“ erkannte einen Zusammenhang zwischen der Hungersnot in Indien von 1866 und den ökologischen Problemen in den englischen Metropolen: „We have a deficient watersupply in India, and a defective water supply in London; both urgent evils for years, remain urgent evils, and in consequence we have at this moment 100dns of 1000ds dying of starvation in India, and of 1000nds either dying or subject to disease from the foul and pestilent water supplied by unscrupulous water Cos. in London.“ (S. 214.)

78Der Unterpunkt „D) Joint Stock Banking und other Cos. Schwindel seit 1865 etc. (respective seit 62)“ enthält die meisten Einträge im gesamten Inhaltsregister zu den Jahrgängen 1866/1867 der „Money Market Review“. Den Begriff „Schwindel“ verwendete Marx ebenso im Brief an Engels vom 14. November 1868, als er davon sprach, das für das dritte Buch des „Kapital“ zu überarbeitende Kapitel über den Kredit auch „zu actuel denunciation des Schwindels u. der commercial morals“ (MEGAdigital) verwenden zu wollen. Es ist also anzunehmen, dass Marx unter „D) Joint Stock Banking und other Cos. Schwindel seit 1865 etc. (respective seit 62)“ solche aktuellen, zu „denunzierenden“ Fälle sammelt.

79Zu nennen sind zum einen Diskrepanzen („misrepresentations“) zwischen entweder der Satzung oder der wirklichen Situation eines Unternehmens einerseits und der im der Öffentlichkeit zugänglichen Prospekt dargestellten tatsächlichen Lage des Unternehmens andererseits (S. 197). Diese Diskrepanz kann sich auf finanzielle Bilanzen beziehen, wie es etwa bei den Unternehmen Overend, Gurney and Company und Smith, Knight and Company der Fall war, die in Gesellschaften mit beschränkter Haftung umgewandelt wurden, weil sie eigentlich insolvent waren, so dass sich die Firmeninhaber auf diese Weise finanziell befreien und ihre Kreditgeber auszahlen wollten. Marx sammelt solche Fälle in seinem Inhaltsregister unter dem Stichwort „Bankrupt Private Concerns converted into Limited Liability Cos.“ (S. 285). In einem anderen Fall übertrieb ein Unternehmen in seinem Prospekt auch die von ihm förderbaren Kohlevorkommen (S. 211). Andere unter dem Unterpunkt „D)“ versammelten Beispiele behandeln den Einfluss der für Aktiengesellschaften spezifischen Trennung von Eigentum und Verwaltung des Unternehmens auf das Risikoverhalten der Unternehmen. Die Unternehmens-Direktoren würden dazu tendieren, die Kapitalauslage gegen die Interessen der Aktionäre zu maximieren: „In all cases excessive expenditure of capital beyond the growth of revenue. Railway directors, from one cause or other, are eager beyond all reason for an unlimited expenditure of capital, in utter disregard of the interests of shareholders. Manifest antagonism between the administrative body and the proprietary.“ (S. 261.) Dass das britische Unterhaus voll besetzt mit Direktoren von Eisenbahngesellschaften war – „179 railway Directors in H.o.C., about 27% of the whole House.“ (S. 263) –, mag dazu beigetragen haben, dass in der Öffentlichkeit zumeist die leitenden Angestellten („manager“) als Sündenböcke an den Pranger gestellt wurden, wohingegen die Direktoren auch einer Strafverfolgung entkamen. Mit Zusatz in Klammern exzerpiert Marx: „There is always something very curious to be observed in the (so zu sagen criminal Revelation) pages of commercial panic in the remarkable cleverness and facility with which some of the chief delinquents manage to escape, and the fatality with which some one or more of their comparatively innocent colleagues or instruments are made to ‚stand committed‘.“ (S. 252.) So bezeichnete die „Money Market Review“ James Freeling Wilkinson, den Manager der Joint Stock Discount Company, der Eigentum der Firma zur Begleichung seiner Privatschulden verwendete, als „the scapegoat of public virtue“ (S. 250). Die Einwände der „Money Market Review“ gegen Versuche, die Probleme auf wenige Sündenböcke zu reduzieren, notiert Marx noch an anderer Stelle (S. 252 u. 255).

80Gleichwohl interessiert sich Marx für die genauen Unternehmenspraktiken und erstellt viele Exzerpte zu den einzelnen Aktien- und Finanzgesellschaften, die er unter „D)“ sammelt. Er exzerpiert über Gesellschaften wie die International Financial Society, die als Pionier der modernen Finanzgesellschaften und als der erste ‚Imitator des Pariser Modells‘ des Crédit Mobilier vorgestellt wurde (S. 253); die Consolidated Bank (S. 192 u. 196); die Asiatic Banking Company (lim.) (S. 191); die English Joint Stock Bank (S. 219, 220, 226 u. 227); die Agra and Masterman’s Bank (S. 215); die Joint Stock Discount Company und ihren Manager Wilkinson (S. 232 u. 250/251); die Barned’s Banking Company (S. 245/246, 265/266 u. 267), bei der, wie Marx mit Randanstreichung exzerpiert, die Hälfte der emittierten Aktien mittels einer geheimen Vereinbarung von den beiden Finanzgesellschaften Contract Corporation und Joint Stock Discount Company gezeichnet wurde, die keine rechtliche Befugnis zur Zeichnung von Aktien hatten, dann zahlungsunfähig wurden und ihre Verpflichtungen nicht erfüllen konnten (S. 266); die Leeds Banking Company und ihrem Manager Edward Greenland, der einer Reihe von Personen mit schlechtem Ruf großzügige Kredite gewährte, indem er für diese Personen Wechsel fälschte und diese vor den Direktoren verheimlichte und in geheimen Büchern verbuchte (S. 268, siehe auch S. 253/254 u. 267–269); die Royal Bank of Liverpool (S. 277 u. 279); die London und Mediterranean Bank (S. 280); die European Bank (S. 281/282) und auch den französischen Crédit Mobilier (S. 273).

81Das Finanzunternehmen, das die größte Aufmerksamkeit von Marx erheischt, ist Overend, Gurney and Company, dessen Bankrott am 10. Mai 1866 die Krise auslöste. Sinnbildlich unterstreicht Marx „Overend et Gurney“ in seinem Inhaltsregister doppelt (S. 286). Die „Money Market Review“ bezeichnete die Vorgänge um diese Firma als „one of the most gigantic and unmitigated frauds ever recorded in our mercantile history“ (S. 259) und Marx notiert sich sogar die Namen aller Direktoren „dieses swindling Concern“ (S. 286) auf S. 263. Die Defizite der alten Gesellschaft mit unbeschränkter Haftung wurden bei ihrer Umwandlung in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung in der Bilanz des neuen Unternehmens einfach zu den Aktiva gerechnet, wie Marx exzerpiert: „Alle faulen Schulden figurirten as assets ‚to pay the liabilities transferred to the limited Co.‘ Den faulen Schulden unter denselben Rubriken noch zugefügt durch die limited liability Co.“ (S. 224.) Auch die auf den Garantiekonten des Unternehmens verbuchten Beträge stammten zum Teil von zahlungsunfähigen Firmen, die bereits vor der Umwandlung von Overend, Gurney and Company Bankrott waren. Neben diesen faulen Schulden, die als Aktiva auf die neue Firma übergingen, bestanden bei der alten Firma Verbindlichkeiten aus rediskontierten Wechseln, gewährten Krediten und Bürgschaften in Höhe von fast neun Millionen Pfund Sterling, darunter viele Liquiditätswechsel („accommodation bills“), die zum Teil unter Einsatz von Strohmännern entstanden waren (S. 225 u. 233).

82Weil sie ohne Kenntnis der betrügerischen Vorgänge geblieben waren, weigerten sich einige Aktionäre von Overend, für die Verbindlichkeiten der Firma aufzukommen und die Gläubiger der Firma zu bedienen. Es kam zu einem Gerichtsprozess, den Marx ausführlich und über mehrere Exzerpthefte hinweg verfolgt (siehe Einführung). Marx exzerpiert im vorliegenden Heft ausgiebig die Berichterstattung der „Money Market Review“ und eine Reihe von Leserbriefen eines Insiders mit dem Pseudonym „1915“ an die „Money Market Review“, die er im Inhaltsregister unter den Stichworten „Commercial Morality“, „Evidence of J. H. Gurney“ und „H. o. Lords“ (S. 286) sammelt. Inspiriert von der Berichterstattung der „Money Market Review“ und den Leserbriefen von „1915“ gibt Marx einen eigenen Kommentar zum Prozess ab: „Der Case war sehr simple. Nach dem Limited Liability Act of 1862 hat der creditor no hold on the personal shareholder, sondern nur auf den corporate body, die Co. Nun sagten die shareholders – dieß war die question – sie seien nicht members dieser fraudulenten Co, die ursprünglich nur aus den 7 Directoren bestand. Die shareholders hatten keinen Ertrag erhalten, die creditors ihr eingezahltes Kapital bereits gefressen. Die Co. war bankrott, bei ihrem Beginn (eh shareholders drin waren) July 1865 so gut wie May 1866. Mit ganz wenigen Ausnahmen alle Creditors waren die identical creditors der old firm. Sie wurden also durch den fraud – nach dem Judgment erst des Malins, dann der Lords, bezahlt, und steckten vielleicht mit in dem Hokus Pokus! Die Presse war fast ganz gekauft, Times und Economist an der Spitze, durch die creditors. Dieß Urtheil zugleich gegen die durch die Lords selbst anerkannten Precedents!“ (S. 271.) Dieser Kommentar basiert unter anderem auf vorangegangenen Exzerpten zu dem Thema auf S. 260, 263 und 270. Marx’ Kritik an der Berichterstattung des „Economist“ und der „Times“ bezieht sich zum Beispiel auf die Angaben der „Money Market Review“, dass die „Times“ die Insolvenz der alten Firma bestritt (S. 245), auf die Exzerpte auf S. 259/260 und auf die folgende aus der „Money Market Review“ exzerpierte Aussage: „Fraudulent concealment and wilful and deliberate misrepresentation, for the purpose of taking the public in, if the public could not be taken in without them, are, according to the Times, neither legal crimes nor moral offences, but fair and allowable mercantile transactions. That is the orthodox commercial morality of the Times.“ (S. 242/243.) Wie Marx registriert, räumte auch der „Economist“ zwar ein, dass die Aktionäre durch den Prospekt der Direktoren betrogen worden waren, schlug allerdings zugleich vor, dass die Aktionäre zunächst die Gläubiger bezahlen und anschließend die Direktoren der Firma verklagen sollten (S. 100).

83Unter „E.) Railways“ versammelt Marx Exzerpte zum Eisenbahnboom der 1860er Jahre. Der Eisenbahnbau wurde durch verschiedene Kredittechniken mobilisiert: „For many years past subscribers for new railways could not be found. There were, however, lawyers, contractors, and promoters. Devices invented whereby, by ‚Lloyd’s Bonds‘ and Finance Cos., and the issue of railway securities at enormous discounts, and the payment to contractors of prices for their work and materials far in excess of the value, some railways have been made, or partly made. But, as Lord Redesdale said in the H. o. Lords last Monday, the system has fairly broken down.“ (S. 191.) Marx informiert sich über verschiedene Finanzpapiere wie „debenture“-Aktien (S. 211/212) und „Lloyd’s Bonds“ (S. 241), mit denen meist Kontraktoren bezahlt wurden (S. 232). Durch die Krise erlitten viele Inhaber dieser mit dem Eisenbahnwesen verbundenen Papiere große Verluste. In dem Exzerpt, das im Inhaltsregister unter dem Eintrag „Don’t pay“ vermerkt ist, heißt es: „Sicher the securities which represent about 450 millions of Railway properties would not realise at the existing market rate their original cost. The investors in British railway property are losers.“ (S. 191.) Im Folgeheft „1868“ untersucht Marx weiter ausführlich das Eisenbahnwesen.

84Ähnlich wie unter „D“ interessiert sich Marx auch für einzelne Eisenbahngesellschaften. Bei der „North British Railway“ unter dem Eisenbahnmagnaten George Hudson (Spitzname „The Railway King“) wurden Dividenden nicht aus Profiten, sondern „eingezahltem Kapital“, das heißt Krediten, bezahlt (S. 230/231). Marx notiert auch verschiedene Überlegungen zu einer Reform des Eisenbahnwesens wie etwa die Vorschläge zu einer überarbeiteten Regulierung der Finanzpapiere im Eisenbahnwesen (S. 241) und zu einer Zusammenlegung aller Eisenbahnen unter eine einzige Verwaltung (S. 251/252).

Charakter und Verwendung

85Neben der Auswahl der Artikel aus den Zeitschriften, der Auswahl aus den Artikeln, seinen zum Teil ausführlichen Kommentaren und den vielen Zusätzen sowie der schlagwortartigen Einordnung der Exzerpte im Register unter selbst gewählte Gliederungspunkte gibt es weitere Spuren einer besonderen Aneignung und einer eingehenderen Verarbeitung der Materialien durch Marx. Das Heft enthält viele Hervorhebungen, die Marx nicht aus der Quelle übernommen, sondern zur Unterstreichung eines inhaltlichen Zusammenhangs selbst gesetzt hat. Alle Hervorhebungen werden als Unterstreichung dargeboten. Alle Kommentare und Zusätze von Marx werden durch eine Sacherläuterung kenntlich gemacht. Eine weitere Hervorhebung des exzerpierten Texts durch Marx sind die Randanstreichungen.

86Eine weitere Besonderheit der Exzerpte betrifft ihre Zusammenstellung durch Marx. In der Regel exzerpiert Marx die Jahrgänge in chronologischer Reihenfolge und strukturiert seine Exzerpte, indem er zunächst die Überschrift einer Ausgabe, dann die eines Artikels aus dieser Ausgabe notiert. In vielen Fällen fertigt er allerdings nicht einfach Auszüge aus einem Artikel an, sondern kompiliert Auszüge aus mehreren Artikeln unter einer Überschrift. Etwa stammen die Exzerpte unter der Überschrift „Ministerial Opposition to any Change in the Bank Act“ (S. 208/209) aus zwei Artikeln (The Ministerial Opposition to Any Change in the Currency Laws. In: The Money Market Review, 11. August 1866. S. 169; The Defects of the Bank Act of 1844 – Impolicy of Separating the Issue and Banking Departments. In: Ebenda. S. 169/170), ebenso wie die Exzerpte zur European Bank (S. 281/282). Auch in zwei Exzerpten über die russische Anleihe von 1867 stellt Marx jeweils Auszüge aus einem Artikel und einem Leserbrief unter einer Überschrift zusammen (S. 234 u. 235). Ebenso hat Marx unter der selbst gewählten Überschrift „Commercial Morality“ drei Mal jeweils Exzerpte erst aus einem Artikel der „Money Market Review“, dann aus einem Leserbrief des Insiders mit dem Pseudonym „1915“ erstellt (S. 258, 259/260 u. 260), und auf diese Weise Material zu den Vorgängen bei Overend, Gurney and Company kompiliert. Unter der Überschrift „The Judgment of the Lords in the Overends Case (für die Creditors) (Money Market Review Aug. 31, 1867)“ exzerpiert Marx zuerst zwei Absätze aus einem Artikel der „Money Market Review“ vom 31. August 1867, gibt dann den eben zitierten eigenen Kommentar zum Prozess ab, exzerpiert dann einen Absatz aus einem anderen Artikel der „Money Market Review“ vom 31. August 1867 und schließlich einen Absatz aus der „Money Market Review“ vom 7. September 1867. Auch die Chronologie „The Times and the Panic“ über die Berichterstattung der „Times“ während der Krise von 1866 (S. 189) besteht aus Auszügen aus fünf Artikeln aus drei Ausgaben der „Money Market Review“.

87In einigen dieser Fälle, in denen Marx unter einer Überschrift aus zwei oder mehreren Artikeln exzerpiert, springt er sogar zwischen verschiedenen Ausgaben der Zeitschriften hin und her. In seinen Exzerpten aus der „Money Market Review“ vom 13. April 1867 beginnt Marx die Auszüge unter der Überschrift „Humber Iron Works Co. (Limit.) (E. Watkin, M.P.)“ zunächst mit einem Artikel der Ausgabe vom 30. März 1867, ehe er mit einem Leserbrief vom 13. April 1867 zu dem gleichen Thema fortfährt (S. 262/263). Der Leserbrief, auf den Marx während seiner Exzerpte aus der Nummer vom 13. April stößt, ermutigt ihn also dazu, auf eine frühere Ausgabe zurückzugreifen, um den Artikel, auf den der Leser reagiert, zu exzerpieren. Ebenso trägt er in seinen Exzerpten aus der „Economist“-Ausgabe vom 12. Oktober 1867 ein Exzerpt aus der Ausgabe der Vorwoche über die Folgen der Kriegswirtschaft von Napoleon III. ein: „Der Economist sagt in einer frühren Nummer, daß L. B. Europa, on average, 40 Mill. l. St. gekostet hat in Rüstungen, Armies, Krieg etc.“ (S. 169.)

88In zwei Fällen ist Marx auch umgekehrt vorgegangen und hat aus einem Artikel separate Exzerpte unter mehreren Überschriften angefertigt. Aus dem Artikel „The Transfer of the Business of the Bank of London to the Consolidated Bank“ (The Money Market Review, 26. Mai 1866. S. 690/691) exzerpiert er unter einer ähnlich lautenden Überschrift sowie unter der zusätzlichen Überschrift „Loss in Investments since beginning of 1866 – May 26“ (S. 192/193), offensichtlich, weil ihn die letzteren Angaben besonders interessieren. Auch aus dem Artikel „Words to Investors“ (The Money Market Review, 8. September 1866. S. 281/282) exzerpiert er unter den drei Überschriften „U. States Bonds“, „Agra and Masterman’s Bank“ und „Paying amongst new limited Cos“ (S. 214/215).

89Zwei Mal hat Marx nur eine Überschrift festgehalten. Aus dem Artikel über die Royal Bank of Liverpool aus dem „Economist“ vom 26. Oktober 1867 notiert er: „Liverpool Bank Scandal (In Money Market Review zu sehn).“ (S. 172.) Und aus dem „Economist“ vom 19. Januar 1867: „Letters of Creed and Williams on the danger of foreign competition in the iron trade and the subsidiary branches of industry.“ (S. 117.)

90Eine weitere Aneignungsweise der Materialien besteht darin, dass Marx zwar in einigen Fällen die Überschrift aus der Quelle übernimmt, sie häufig aber auch abwandelt oder sogar einen eigenen Titel für ein Exzerpt wählt. Um nur einige Beispiele anzuführen: Aus „What a Panic Is and How It Might Be Mitigated“ (The Economist, 12. Mai 1866. S. 554) macht Marx „What a Panic is etc.“ (S. 53); aus dem Artikel „The Decline of American Shipping and Its Effect on Ours“ (The Economist, 20. April 1867. S. 437) exzerpiert er unter der Überschrift „Report of the Directors of the Bureau of Statistics on Shipbuilding in the Un. States“ (S. 126); die Exzerpte unter der Überschrift „English Capacity“ (S. 214) über das Missmanagement des britischen Staats stammen aus dem Artikel „What Shall We Come to Next?“ (The Money Market Review, 8. September 1866. S. 280). Auch die Sammlungen zu Overend, Gurney and Company erstellt Marx unter der selbst gewählten Überschrift „Commercial Morality. (Overends)“ (S. 258) und fortführend unter Überschriften wie „Commercial Morality. (Continued) (Overends)“ (S. 258/259, 259, 260 u. 263).

91Außerdem notiert Marx hinter einige Überschriften in Klammern weitere Stichworte, die auf sein näheres Interesse an dem jeweiligen Exzerpt hindeuten. Solche Stichworte sind zum Beispiel: „(Prophezeiungen)“ (S. 43), „(‚Bearing‘)“ (S. 76), „(Land Improvement Cos.)“ (S. 88), „(Interest and Profit)“ (S. 88), „(Selling of Securities after a Crisis)“ (S. 104), „(Der sich selbst vermehrende Wert, le système du capital.)“ (S. 112), „(The Savings and Trade)“ (S. 130), „(Working of means of transport)“ (S. 148), „(Communal (self) Government)“ (S. 152), „(Interest Bearing Currency)“ (S. 168), „(Auditors)“ (S. 176), „(Neue Art Convertibility for paper currency)“ (S. 193), „(Bankrupt private Concerns converted into Cos. Losses upon them.)“ (S. 217), „Disclosures“ (S. 219/220), „(Frachtbriefe) (Handelsschwindel)“ (S. 241), „(Swindlers)“ (S. 251), „(Zusammensetzung des Investigation Committee) (Solicitors) (Scapegoats)“ (S. 255), „(Gerichtssporteln)“ (S. 255), „(faux frais)“ (S. 255), „(Stock Exchange)“ (S. 256), „(Directors)“ (S. 261, 264 u. 265), „(English Legislation gegen grosse Schwindler)“ (S. 272), „(Conversion of productive Capital in Bankers Capital)“ (S. 276) und „(Ursprüngliche Accumulation at Publick Expense.)“ (S. 282).

92Marx setzt in seinen Exzerpten zudem einige Ausrufezeichen. Sofern die Ausrufezeichen nicht aus der Quelle stammen – die „Money Market Review“ verwendete dieses Satzzeichen vergleichsweise häufig –, sondern genuin von Marx eingefügt wurden, wird dies in den Erläuterungen mitgeteilt. Teilweise drücken sie kritische Distanznahme aus wie in den folgenden Sätzen: „English commerce was hardly ever sounder!“ (S. 56); „If bears can be taught the exact limit where cleverness ceases, and dishonesty begins (!), there may be panics in the money market, but they will not be such as that of 1866.“ (S. 70); „The money (!) has been sunk in earthworks, bridges, stations, locomotives, rails, sleepers, carriages, trucks, and land, and the people who found the money have now to go without any income from it.“ (S. 132); „The idea that in any civilised (!) country there could be wretches so abandoned as to trade in fire, to contrive and design the letting loose of an agent so uncontrollable and so destructive in its ravages for the infamous purpose of making a profit by it, is a fearful idea to contemplate; yet considerable number of such wretches amongst us.“ (S. 278). Manchmal setzt Marx ein Ausrufezeichen aber auch deshalb, um ein Erstaunen der Zeitschrift selbst zu übernehmen: „10% and 15 Mill. l. St. in the till!“ (S. 75.) Mit einem Fragezeichen hingegen drückt er in der Regel Zweifel an einem postulierten Sachverhalt aus, etwa an Angaben in Tabellen (S. 97 u. 144) oder dem folgenden Satz: „England gives credit to the whole world, and takes little or none. (?)“ (S. 90.)

93Schließlich hat Marx von der vorliegenden Materialsammlung verschiedentlich Gebrauch gemacht, obwohl er sie vornehmlich für die Überarbeitung des dritten Buchs des „Kapital“ angelegt und diese nicht mehr durchgeführt hat. Er verwendete Exzerpte im November/Dezember 1868 in mehreren Briefen, die zum Teil bereits eingangs bei der Datierung des vorliegenden Hefts aufgeführt wurden. Es handelt sich um die drei Briefe an Collet Dobson Collet vom 2., 13. und 19. November 1868, in denen Marx auf mehrere Angaben, die sich in den vorliegenden Exzerpten befinden, zu sprechen kam, den Verlauf der Krise von 1866 diskutierte und darüber hinaus auf mehrere nicht-exzerpierte Artikel der „Money Market Review“ zurückgriff. Der erste dieser Briefe führte zu dem Artikel in der „Diplomatic Review“ vom 2. Dezember 1868 (MEGA² I/21. S. 101–103). (Siehe Einführung.) Daneben sind die beiden Briefe an Engels vom 14. November 1868 zu nennen, in denen Marx von den „commercial morals“ sprach, die „Economist“-Kritik an William Thomas Thornton erwähnte und auf die nicht exzerpierte kritische Besprechung des Werks von J.-E. Horn: La liberté des banques (The Economist, 1. September 1866. S. 1029/1030) einging. Schließlich diskutierte Marx in den Briefen an Engels vom 9., 12. und 14. Dezember im vorliegenden Heft exzerpierte Baumwollstatistiken aus dem „Economist“ vom 14. April 1866. Engels kritisierte die Statistik in den Briefen an Marx vom 11. und 13. Dezember 1868. (Alle Briefe in MEGAdigital.)

94Diese Exzerpte aus dem „Economist“ vom 14. April 1866 sowie Exzerpte aus einem Artikel der „Money Market Review“ vom 12. Januar 1867 über den Baumwollhandel verwendete Marx auch in Manuskript II zum zweiten Buch des „Kapital“ (MEGA² II/11. S. 67/68), das zwischen 1868 und 1870 entstanden ist. Dort hat Marx aus dem vorliegenden Heft auch Passagen über den Wechselhandel zwischen England und Indien und die damals diskutierte Verkürzung der Laufzeit von Wechseln auf Indien von sechs auf vier Monate übernommen (MEGA² II/11. S. 212.1–30).

95In Manuskript II zum zweiten Buch des „Kapital“ finden sich auch viele allgemeinere Aussagen von Marx zu Aktienwesen, Kredit, Geldmarkt und Eisenbahnwesen, die nach den vorliegenden Exzerpten getroffen wurden.

96Des Weiteren lassen sich einige Passagen der vorliegenden Exzerpte mit Äußerungen in Verbindung bringen, die Marx nach 1868 tätigte. Über die Besteuerungspläne in den Vereinigten Staaten exzerpiert Marx mit Hervorhebung: „This is taxing the working classes more certainly than any despot would dare to tax them“ (S. 42). In der französischen Ausgabe des „Kapital“ stellte Marx eine ähnliche Tendenz der modernen Gesellschaft zur Überbesteuerung fest: „La fiscalité moderne, dont les impôts sur les objets de première nécessité – et partant l’enchérissement de ceux-ci, formaient de prime abord le pivot, renferme donc en soi un germe de progression automatique. La surcharge des taxes n’en est pas un incident, mais le principe.“ (MEGA² II/7. S. 673.21–24.) Auch der mit Hervorhebung exzerpierte Satz „Der Telegraph the most enormous machine for the diffusion for rumour“ (S. 70) klingt in Marx’ Äußerung im Brief an Kugelmann vom 27. Juli 1871 an: „Die Tagespresse und der Telegraph, der ihre Erfindungen im Nu über den ganzen Erdboden ausstreut, fabriciren mehr Mythen (und d. bourgeois mind glaubt u. verbreitet sie) in einem Tag, als früher in einem Jahrhundert fertig gebracht werden konnten“ (IISG, Marx-Engels-Nachlass, Sign. C 133). Schließlich verneinte Marx auch die Behauptung, dass das Verb „to finance“ erst 1864 erfunden worden sei. Aus dem „Economist“ exzerpiert er im vorliegenden Heft: „The year 1864 was remarkable for several things, and one of the most characteristic was the invention of a new verb. ‚Finance‘ used to be a substantive only in English, but it then became a verb also …“ (S. 32.). Nachdem er dieses Verb bereits im Parlamentsbericht von 1857 zur Wirkungsweise des „Bank Act“ nachweisen konnte, schrieb er in Manuskript II zum zweiten Buch des „Kapital“: „Also dieß Wort schon völliges Bürgerrecht 1857!“ (MEGA² II/11. S. 185.20 u. Erl.)

97Schließlich hat sich Marx mit im vorliegenden Heft rezipierter Literatur später auseinandergesetzt. Wie erwähnt, exzerpierte er Gassiots „Monetary Panics and Their Remedy“ in einem nach bisherigen Erkenntnissen zwischen Dezember 1878 und Januar 1879 geführten Heft (IISG, Marx-Engels-Nachlass, Sign. B 151). Auch befand sich das Buch „The Profits of Panics“ von Meason in seiner Handbibliothek (MEGA² IV/32. Nr. 886) und das Buch „An Inquiry into the Causes of Money Panics“ von Smith wahrscheinlich in seinem Besitz, denn es ist im Katalog der SPD-Bibliothek verzeichnet (Nr. 41745). Zahlreiche Titel hat Marx im Anschluss an anderer Stelle in bibliographischen Notizen aufgelistet, etwa in „Heft 3. 1868“ der „Hefte zur Agrikultur“ (siehe MEGA² IV/18. S. 1123) sowie in 1878/1879 erstellten Exzerptheften (erscheinen in MEGA² IV/25): Jevons: The Coal Question (S. 1); die Artikelserie von Victor Bonnet in der „Revue des Deux Mondes“ (S. 11); Guthrie: Bank Monopoly the Cause of Commercial Crises (S. 68); Baxter: Railway Extension and its Results (S. 110); Lubbock: On the „Country Clearing“ (S. 209); Smith: An Inquiry into the Causes of Money Panics … (S. 236); Fowler: The Crisis of 1866 (S. 238); Hankey: The Principles of Banking (S. 249); The Financial Lessons of 1866 (S. 266/267, 267); Knight: Letter to the Right Hon. Sir Stafford Northcote (S. 275); King: Smith, Knight, and Co. (S. 277); Gassiot: Monetary Panics and Their Remedy (S. 278). Über die weitere Verwendung dieser Titel informieren die Sacherläuterungen.

Zeugenbeschreibung

    • H Originalhandschrift: IISG, Marx-Engels-Nachlass, Sign. B 109/B 101.
    • Beschreibstoff: Schreibheft aus weißem Papier, 284 Seiten.
    • Zustand: Gut erhalten.
    • Schreiber: Marx.
    • Schreibmaterial: Schwarze Tinte.
    • Paginierung: S. 1 bis 290 von Marx paginiert. Keine S. 164, 205, 206, 207 und 222 paginiert.
    • Vermerke fremder Hand: Archivstempel IISG, Sign. B 101; Signaturvermerk mit Bleistift: DG und DG0.

Zitiervorschlag

Graßmann, Timm: Entstehung und Überlieferung zu „London. 1868“. Exzerpte aus den Jahrgängen 1866 und 1867 von „The Economist“ und „The Money Market Review“ sowie ein Zeitungsausschnitt. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital, hg. v. der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://megadigital.bbaw.de/B101_Entstehung. Abgerufen am 24.10.2021.