Copie

| Hannover 27. Novbr. 1867.

Sr. Hochwohlgeboren

Herrn Oberstlieut. Seubert in Ludwigsburg.

Hochgeehrter Herr Oberstlieutenant!

Vor etwa 2 Monaten hat ein Werk von Karl Marx in London „Das Kapital“ die Presse verlassen, welches geeignet ist eine epochemachende Bedeutung auf dem Gebiete der politischen Oeconomie zu gewinnen. (Eine in der Berliner „Zukunft“ erschienene Kritik erlaube ich mir beizulegen.) Der Verfasser ist mein Freund und das Studium seines Buches, das Resultat 30jähriger gediegenster Forschungen, flößt mir den Wunsch ein, alles in meinen Kräften, zu dessen Erfolge beizutragen. – Die Flachköpfe der „Vulgäroekonomie“ werden, wie bei frühern Arbeiten von Marx, das Bestreben haben auch diese todtzuschweigen. – Um dies zu verhindern muß das Buch in möglichst vielen Journalen, Zeitungen, belletristischen und halbbelletristischen Blättern besprochen werden. – Hierzu beizutragen, halte ich mich im Interesse der Wissenschaft und im Interesse von Marx, der einer der bedeutendsten Männer dieses Jahrhunderts ist, verpflichtet. – Leider habe ich wenige Beziehungen zur Tagespresse. – Sie, Herr Oberstlieutenant, glaube ich für einen Mann halten zu dürfen, der die Größe und Schwierigkeit eines Unternehmens zu begreifen versteht, wie das von Marx und das in der Revolutionirung der politischen Oeconomie besteht.

Verzeihen Sie daher die Anfrage ob es Ihnen | möglich ist und ob Sie geneigt sind, wissenschaftlichen Besprechungen des fraglichen Werkes in die Tagespreße Eingang zu verschaffen? Die politische Farbe des Blattes kommt nicht in Betracht, nur, daß die Kritiken, welche Ihnen, oder den betreffenden Blättern einzusenden ich mir erlauben würde, so bald wie möglich gedruckt werden. –

Im günstigen Falle würde es mir lieb sein, wenn Sie die Güte hätten, das Blatt, oder noch lieber die Blätter und deren Tendenz mir zu nennen, damit bei der Abfassung der Artikel darauf Rücksicht genommen werden könnte. – Der Zweck dieser Zeilen läßt mich hoffen auf die Nachricht Ihrerseits rechnen zu dürfen, deren ich, wegen dieser Belästigung so sehr bedarf. Seien Sie aber meiner steten Dankbarkeit versichert. –

In der Erwartung geneigter Antwort und mit der Bitte um freundlichen Grüße an Frau Gemahlin und Fräulein Anna.

Ihr

hochachtungsvoll ergebener

L. Kugelmann

Dr.

 

Zitiervorschlag

Louis Kugelmann an Adolf Friedrich Seubert, 27. November 1867. In der Handschrift von Gertrud Kugelmann. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital. Hg. von der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: http://megadigital.bbaw.de/briefe/detail.xql?id=mega_sfv_5zx_4gb. Abgerufen am 06.12.2021.