| Lieber Herr Engels,

Selten ist wohl ein hamper so à-propos gekommen als der gestrige. Die Kiste war eben ausgepackt und die 50 schlanken Männer standen in Reih u. Glied in der Küche, als Dr Allen u. sein Partner, ein junger Schottischer Doktor kamen um den armen Mohr zu operiren, so daß gleich nach der Operation der Mohr mit seinen 2 Aesculapen sich an dem köstlichen  Brauneberger Wein, aus Brauneberg an der Mosel.
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Braunenberger
stärken konnten. Die Geschichte war diesesmal wieder sehr schlimm. Seit 8 Tagen hatten wir alle Mittel, Umschläge, basilicum etc etc, die schon so oft geholfen hatten, angewendet; allein ganz umsonst. Das Geschwür wuchs beständig, die Schmerzen wurden unerträglich u. es war keine Öffnung u. Ausfluß | hervorzubringen. Geschnitten mußte werden u. so entschloß der Mohr sich denn endlich zu dem unvermeidlichen Schritt einen Doktor zuzuziehen. Er spürte gleich nach dem sehr tiefen Einschnitt große Erleichterung u. obgleich er heute Morgen noch nicht schmerzfrei ist, so ist er doch im Ganzen viel viel besser u. wird hoffentlich in ein paar Tagen genesen sein. Nun muß ich aber mit einem förmlichen Sündenregister gegen ihn hervorrücken. Seit er von Deutschland zurück ist, u. namentlich nach der Hannoverschen Campagne war er unwohl, hustete beständig u. statt sich zu hegen u. pflegen fing er an auf Mord u. Brand Russisch zu studiren, ging wenig mehr aus | aß unregelmäßig u. zeigte den Carbuncle unter dem Arm erst, nachdem er schon bedeutend angeschwollen u. verhärtet war. Wie oft habe ich Sie, lieber Herr Engels, seit Jahren im Stillen hierher gewünscht!! Manches wäre anders. Ich hoffe nun, daß er sich diese letzte Erfahrung zur Warnung nehmen wird. Bitte, lieber Herr Engels, machen Sie ihm in Ihren Briefen jetzt keine Bemerkungen hierüber. Er ist in diesem Augenblick so leicht irritirt u. würde sich über mich sehr ärgern. Mir war es aber eine solche Erleichterung mein Herz bei Ihnen auszuschütten, da ich ganz ohnmächtig bin irgend etwas in seiner | Lebensweise zu ändern. Vielleicht ließe sich durch Gumpert einmal erstlich mit ihm reden, wenn er wieder nach Manchester kommt. Der ist noch der einzige Arzt in den er Vertrauen hat. In unserm Hause herrscht jetzt eine so allgemeine Verachtung gegen alle Medicin u. alle Ärzte; u. doch sind sie noch immer nothwendige Übel, ohne die man nicht durchkommt. Was haben Sie zu dem  Das zweite Kind von Laura und Paul Lafargue, Jeanne Lafargue, wurde am 1. Januar 1870 geboren.
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zweiten Neujahrsgeschenk
gesagt, das Laura uns gemacht hat! Ich hoffe daß das rasche Tempo ein Ende nimmt; sonst könnte man ja bald singen

1, 2, 3, 4, 5–6 – –
10 little niggers-boys!

| Hier hat sich eine Bande von Humbugs zusammengethan um unter Baxter Langleys Präsidentschaft, eine „church of progress“ zu bilden und dem „Sunday evenings for the people“ mit Vorträgen über „science“ und heulenden Chören und einer entrée von 6 d bis zu 2½ Sh. zu geben. Bowring, Carpenter and tutti frutti geben dem „people“ lectures. Auch Huxley hat schon Vorträge gehalten. Nun rathen Sie einmal wer am vorverflossenen Sonntag einen „dis course“ hielt u. in Riesenlettern placardirt war? – Miss Matilda Blind!! | Wir gingen alle in die Halle, wo denn die sehr interessant aussehende „young lady“ als die Tochter des berühmten Patrioten Karl Blind dem Publicum vorgestellt wurde. Der alte Jude Cohen wird ganz verleugnet und doch blieb einem bei dem ersten Ton der aus der heiseren Kehle kam nichts übrig als auszurufen! „Wie heißt!“ Sie sprach über Shelley, – aber solchen Tratsch, solchen Bombast, solch höheres  Anspielung auf Wilhelm Pieper?
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„Pipersches Blech“
, daß man sich wirklich ob der Landsmännin schämen mußte. Dabei ein solches Judenenglisch | solch ein gutturales Gemauschele, daß man einen alten heisern Rabiner zu hören glaubte. Eine größere Unverschämtheit ist wohl nie dagewesen, als wenn sie sagten sie wolle nun eine  bird's eye view.
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„bürrrds eye“ view
of modern litterature nehmen! Nur die schrecklichste failure kam der Anmaßung gleich. Kate Freiligrath als Dichterin und Matilde Blind als Redner!! Das sind Früchte des Exils! daß Gott erbarm!

Es hat uns gefreut zu hören daß | Mrs. Engels wohler ist u. sich über das Kissen gefreut hat. Grüssen Sie sie freundlichst von mir.

Toute à vous
Jenny Marx.

Zeugenbeschreibung und Überlieferung

Absender

Zeugenbeschreibung

Soweit aus der Fotokopie zu ersehen ist, besteht der Brief aus zwei Bogen weißem Papier. Jenny Marx hat die ersten sieben Seiten vollständig, die achte Seite zur Hälfte beschrieben. Schreibmaterial: schwarze Tinte.

Von unbekannter Hand: Nummerierung des Briefes mit Bleistift: „14“ (auf der ersten Seite oben links).

Anmerkungen zum Brief

Datierung in der Erstveröffentlichung: ca. 17. Januar 1870.

Zur Datierung: Die Datierung folgt der Erstveröffentlichung.

 

Zitiervorschlag

Jenny Marx an Friedrich Engels in Manchester. London, um Montag, 17. Januar 1870. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital. Hg. von der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: http://megadigital.bbaw.de/briefe/detail.xql?id=M6942305. Abgerufen am 17.04.2024.