| Barmen 14 Febr. 1870

Lieber Friedrich

 Nicht überlieferter Brief von Engels an E. Engels, 9.2.1870.
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Deinen Brief vom 9. d.
habe ich erhalten u. freue mich daß Du gesund bist u. in Deinem warmen Schlafrock sitzen kannst. Wir haben hier recht böses Wetter, vor 14 Tagen fror es angenehm so daß die Kinder u. auch Hebchen, (die einige Zeit bei mir bleibt), schön Schlitschuh laufen konnten, seid 8 Tagen haben wir aber einen so heftigen kalten Nord-Ost-Wind, daß Jeder gern zu Hause bleibt u. die Straßen ordentlich leer sind, die Wupper ist zu gefroren. Dabei haben wir aber keinen Schnee u. der Staub wirbelt immer auf. Du solltest unsern kleinen Teich im Garten sehn, es ist eine Eiskruste darüber wenichstens ½ Fuß dick u. nur in der Mitte eine kleine runde Oeffnung, worin sich das Wasser bewegt, ich habe ihn so noch nicht gesehn. 

| Morgen oder Uebermorgen schicke ich für Dich noch vier Paar Socken ab, ich bin eben damit fertig geworden, Du brauchst also nicht so sparsam damit um zu gehn. Wenn Du nächsten Sommer nach Engelskirchen kommst, dann bringe sie mit, ich mache sie Dir dann wieder in Ordnung wenn etwas daran fehlt.

Die Geschichte mit Gottfried u. Charles ist doch wirklich lächerlich, sie zanken sich u. schließlich kann doch Einer den Andern nicht entbehren, Charls weiß wirklich nicht was er will. Du kannst die Sache jetzt ruhig mit ansehn, es ist wol möglich daß er noch heirathet, wenn sich eine schlaue Dame findet die es darauf anlegt u. seine schwachen Seiten zu benutzen weis, man hat solche Beispiele.

Mit meiner Gesundheit geht es ziemlich, mein Bein ist wieder | in Ordnung, dafür habe ich jetzt einen tüchtigen Schnupfen, es kommt nur von dem Ostwind, der dringt durch alle Fenster u. man kann sich nicht dagegen schützen.

Ich weiß nicht ob schon wie Du hier warst die Rede von dem Theaterbau in Barmen war, es sollte auf Actien für 150 000 Thl. gebaut werden. E. Blank interessirte sich sehr dafür u. meinte es werde jedenfalls zu Stande kommen, er selbst zeichnete 10 000 Thl. u. machte dann so seinen Ueberschlag für Jeden, ich war gar nicht dafür u. er wurde etwas verstimmt als ich keine 2000 reichstaler zeichnen wollte u. ihm aus einander setzte daß das Geld jedenfalls verloren sei. Hermann sagte mir später ich solle mich nicht so sträuben u. sagen ich wolle später zeichnen, wenn sie am Schluß noch was bedürften, denn es käme doch nicht zu stande. | Er hat damit ganz recht gehabt, sie haben es mit großer Mühe bis zu 60 000 Thl. gebracht u. damit ist die Sache für spätere Zeiten hinaus geschoben, jetzt ist keine Rede mehr davon. Rudolf hatte aber schon 1000 Thl. gezeichnet u. ging eifrig herum die Actien zu sammeln.

In der Familie sind viele kl. Erkältungen u. der Familientag war gestern sehr klein, E. u. Marie Blank waren nicht hier auch Herm. u. Rudolf nicht doch waren die Krankheiten unbedeutend u. wenn mein Kutscher Carl nicht auch ein geschwollenes Gesicht gehabt hätte, wären einige noch gekommen aber man kann es jetzt Niemand zumuthen durch den Wind zu gehn u. das Gesicht nebst Augen voll Staub zu bekommen.

Nun leb wohl lieber Friedrich, Gott behüte Dich u. erhalte Dich gesund. Hebchen läßt herzlich grüßen.

Mit treuer Liebe
Deine Mutter E

Zeugenbeschreibung und Überlieferung

Dieser Brief wird hier erstmals veröffentlicht.

Absender

Zeugenbeschreibung

Veröffentlichung nach einer Ersttranskription des RGASPI. Die Originalhandschrift konnte nicht eingesehen werden.

 

Zitiervorschlag

Elisabeth Engels an Friedrich Engels in Manchester. Barmen, Montag, 14. Februar 1870. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital. Hg. von der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: http://megadigital.bbaw.de/briefe/detail.xql?id=M4655115. Abgerufen am 17.04.2024.