| 5 Juli, 1870.

Dear Fred,

Du mußt die Unterbrechung der Korrespondenz  Marx hielt sich ca. vom 22. Mai bis 22. Juni in Manchester auf.
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seit meiner Rückkehr nach London entschuldigen
. There was so much international and other business pressing upon me.

Dupont, dessen eines Kind (baby) vorläufig bei seinem Schwager, zweites bei Serraillier untergebracht ist,  Vermutlich Marie Dupont gemeint. Siehe Dupont an Marx, 13.7.1870.
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drittes bei ihm selbst
— alle kleine Mädchen — hatte unterdeß zwei offers als Art manager od. Hauptoverlooker erhalten (in Blasmusik-Instrumentfabriken), eine von Paris, andre von Manchester. Ich rieth ab gegen N. I, weil er dort nicht nur bald verhaftet, sondern auch ganz in quarrels mit den verschiednen Cliquen dort absorbirt werden würde. Ich rieth dagegen sehr für N. II, trotz seiner Abneigung dagegen. Er hat also acceptirt bei J. Higham, 131, Strangeways Manchester (Brass Musical Instruments).

Die Schwierigkeit ist, daß er das eine Kind,  Job offer N. II gemeint (s.o.).
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N. II
, gleich mitbringen muß u. die beiden andern in wenigen Wochen nachkommen lassen will. Er braucht daher kleines Häuschen in Manchester und irgendeine zuverlässige weibliche Person für Wartung der Kinder u. domestic management. Sein Ge(?) Einkommen zunächst 3 £ weekly. Könnte Lizzy nicht für letztres direkt oder indirekt etwas thun?

Dupont ist politisch ein Charakter, aber privatim enorm schwach. D’abord, kann er // (?) verträgt er nur sehr wenig Spirituöses, ohne gleich sehr excited zu werden. Secondly, läßt er sich leicht von seiner Umgebung beherrschen u. ausbeuten.

Er wird vielleicht noch im Lauf dieser Woche nach Manchester kommen. Jedenfalls schreibe ich Dir über den Tag seiner Ankunft vorher.

Aus einliegendem  Siehe O. Meißner an Marx, 25.6.1870.
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Brief von Meißner
wirst Du sehn, wie die Sache dort steht. Auf die Trittbriefe von Kugelmann, der 12. August abreist nach Karlsbad u. mit Hausmiethe auf meine Ant(?)wort Erklärung wartet, | 2 habe ich geantwortet mit Meißner’s Brief. Ich erinnerte ihn, daß Meißner in seiner Gegenwart mir bestimmte Aussicht auf  Die zweite, verbesserte Auflage des „Kapital“ erschien 1872 bei Otto Meißner in Hamburg (MEGA2 II/6).
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zweite Auflage
u. Zahlung für Ostermesse gemacht, u. setzte hinzu, daß, under present circumstances, ich nicht sagen könnte, weder wann, noch ob ich überhaupt nach Karlsbad gehn würde. Hence  Siehe den nicht überlieferten Brief von L. Kugelmann an Jenny Marx (Tochter), erwähnt in J. Marx (Tochter) an Engels, 30.6.1870 oder L. u. G. Kugelmann an Marx, 29.6.1870.
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sein einliegender Brief
. Ich habe noch nicht geantwortet, weil wir noch warten auf Antwort von Dublin von wegen OD. Rossa’s Photogramm.

 Siehe P. Lafargue an Marx, 13.6.1870.
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Lafargue hatte mir angezeigt
, daß ein junger Russe, Lopatine, von ihm ein Empfehlungsschreiben bringen würde. L. besuchte mich Sonnabend, ich lud ihn für Sonntag ein (war bei uns von 1 o’clock bis Abends 12) u. retournirte Montag nach Brighton, wo er wohnt.

Er ist noch sehr jung, war 2 Jahre im Carcer, nachher 8 Monate Festungsgefangener im Kaukasus, von wo er entfloh. Er ist Sohn armen Adligens u. hatte sein Brod auf der Universität von St. Petersburg sich durch Stundengeben zu verdienen. Lebt jetzt sehr dürftig von Uebersetzungen für Rußld. Wohnt in Brighton, weil er dort 2–3mal täglich gratis, in gewisser Entfernung von officiellem Badeplatz, sich im Meer baden kann.

Ein sehr aufgeweckter, kritischer Kopf, heitrer Charakter, stoisch wie ein russischer Bauer, der mit allem vorlieb nimmt, was er findet. Schwacher Punkt: Polen. Hier spricht er ganz wie ein Engländer — say an English chartist of the old school — von Irland.

Er erzählte mir, daß die ganze Geschichte von Нечаевъ (23 Jahre) erstunken u. erlogen. Н. hat nie in einem russischen Gefängniß gesessen, die russische Regierung hat nie ein Assassinat auf ihn unternommen etc

Die Sache ist die. Н. (einer der wenigen Agenten Bakunin’s in Rußld) gehörte einer geheimen Gesellschaft an. Ein andrer junger Mann Х, reich u. enthusiastisch, unterstüzte diese Gesellschaft via Н. mit Geld. One fine morning erklärte X dem Н., er werde keinen Kopeken | 3weiter geben, da er nicht wisse, was mit dem Geld geschehe. Herr Н. schlug darauf (vielleicht, weil er keine Rechenschaft über das Geld ablegen konnte) seinen Geheimbündlern vor den X zu ermorden, weil er künftig einmal seine Ansichten wechseln u. Verräther werden könne. Er hat ihn wirklich ermordet. Er ist also von der Regierung einfach als Mörder vulgaris verfolgt.

Lopatine in Genf stellte d’abord den Н. persönlich zur Rede (wegen seiner Lügen), der sich mit der politischen Sensationswichtigkeit Sensationsnützlichkeit für die Sache sog. Sache entschuldigte. Lop. erzählte dann die Geschichte dem Bakunin, der ihm sagte, als „bon vieillard“ habe er alles geglaubt. B. forderte dann den Lop. auf, dieß in Gegenwart des Н. zu wiederhohlen. Lop. ging sofort mit B. zu Н., wo sich die Scene wiederholte. Н. schwieg. So lange Lop. in Genf war, hielt sich Н. sehr bescheiden, muckste nicht mehr. Kaum war Lop. nach Paris abgereist, als die Affenkomödie von neuem begann. Kurz nachher erhielt Lop. einen insultirenden Brief von Bakunin über diese Affaire. Er antwortete ihm noch insultirender. Resultat: Bakunin schrieb einen  Vater, ich habe gesündigt! (Lukas 15, 18).
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Pater peccavi
Brief (in Lop. Besitz hier), aber — il est un bon vieillard crédule!

(En passant: L. sagt, daß ganze Sätze von Borkheim absolut unverständlich u. absoluter Blödsinn im Russischen sind, nicht nur grammatisch falsch, sondern „gar nisch“! Und der Narr Borkheim hat untereß, wie er mir vor meiner Zusammenkunft mit Lop. mittheilte, durch Freund Eichhoff in Berlin einem dortigen Deutschen — der als russischer Interpret von der Berliner Polizei angewandt wird, sein Machwerk zukommen lassen, um von ihm ein officielles Attestat zu erhalten, daß er russisch schreiben kann. Das Talent unsres  Spitzname für Sigismund Ludwig Borkheim in Anspielung auf Balzacs Kurzgeschichte „L'illustre Gaudissart“.
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Gaudissart
fürs unbewußt Komische ist denn doch unrivalled!)

| 4Чернышевскій, erfuhr ich von L. wurde 1864 zu 8 J. travaux forcés in den sibirischen Minen verurtheilt, hat also noch zwei Jahre zu schanzen. Das erste Gericht war anständig genug zu erklären, daß absolut Nichts gegen ihn vorliege, u. die angeblichen umtrieberischen Complott-Geheimbriefe evidente forgeries seien (was sie waren). Aber der Senat, auf kaiserlichen Befehl, warf dieß Urtheil allerhöchst um u. sandte den listigen Mann, der so „geschickt sei“, hieß es im Urtheil, „daß er seine Schriften in einer gesetzlich unantastbaren Form halte u. dennoch darin öffentlich Gift ausschenke“ — nach Sibirien. Voilà la justice russe.

Flerowski ist in besserer Lage. Er ist nur in administrativer Verbannung in einem kleinen Nest zwischen Moskau u. Petersburg!

Du hattest richtig gerochen, daß Flerowski ein Pseudonym ist. Doch sagt Lopatine, daß der Name, obgleich nicht ursprünglich russisch, häufig unter russischen Pfaffen vorkommt. (namentlich monks, die ihn für die russische Uebersetzung von Fleury halten u. eben so grosse Leidenschaft für wohlriechende Namen haben wie die deutschen Juden.) Lopatine ist von Haus Naturalist. Dieß war sein Fachstudium. Er hat aber auch commercielle Geschäfte getrieben u. es wäre ein Glück, wenn man ihm etwas derart auftreiben könnte. Ich werde darüber mit Borkheim u. Pohl sprechen. Ueber Paris etc nächstens

Dein
Mohr.

À Propos. Jennychen will wissen, ob sie Dich nicht als Verfasser der  Engels hatte auf Bitte von Marx’ Tochter Jenny ein Vorwort für die von J. Rissé herausgegebene Liedersammlung „Erins-Harfe“ (1870) verfasst, welches aber aus unbekannten Gründen keine Verwendung fand. (Siehe Friedrich Engels: Vorwort zu einer Sammlung irischer Lieder. In: MEGA2 I/21. S. 235/236.)
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Note
nennen soll?

Dann — sie ist sehr eigensinnig — will sie mir nicht ohne Deine Specialerlaubniß erlauben, einige Worte im Mscpt zu ändern!

My best compliments to Mrs. Lizzy.

Folgender Abschnitt geschrieben von Jenny Marx (Tochter)

/ 5 Juli 1870

Dear Engels,

Thank you very much for  Nicht überlieferter Brief von Engels an J. Marx (Tochter) , vor 5.7.1870.
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your letter
an the most interesting notes. I only hope Mr Risse  Unsichere Lesart: entweder handelt es sich um eine Schreibung von „won't“ , oder es steht „would“ geschrieben, oder es wurde von „w'ont“ zu „would“ korrigiert.
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w’ont(?)
interlard them with the Judenkirschen of which he seems to have a plentiful stock on hand. For O. D. Rossa’s portrait I have written to Pigott. In case a good photograph is not to be had, of course I can as you say, send Kugelmann the print which appeared in the Irishman.

With many thanks, I remain
Affectionately yours
Jenny. /

Zeugenbeschreibung und Überlieferung

Zeugenbeschreibung

Soweit aus der Fotokopie zu ersehen ist, besteht der Brief aus einem Bogen weißem Papier. Marx hat alle vier Seiten vollständig beschrieben, die dritte Seite quer. Die Nachschrift von Jenny Marx befindet sich oben auf der ersten Seite. Schreibmaterial: schwarze Tinte.

Von Eduard Bernsteins Hand: Nummerierung der beschriebenen Seiten mit Bleistift: „44,1“ bis „44,4“ (korrigiert aus: „45,1“ bis „45,4“).

Von unbekannter Hand: Nummerierung des Briefes mit Bleistift: „785“.

 

Zitiervorschlag

Karl Marx und Jenny Marx (Tochter) an Friedrich Engels in Machester. London, Dienstag, 5. Juli 1870. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital. Hg. von der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: http://megadigital.bbaw.de/briefe/detail.xql?id=M0858786. Abgerufen am 13.04.2024.