Statuten
des
Kommunisten-Klubs
in
New-York.

§ 1.

Die Mitglieder des Kommunisten-Klubs verwerfen jeden religiösen Glauben, in welcher Art und Weise er sich auch gestalten möge, sowie jede nicht auf unmittelbarer Sinnenwahrnehmung beruhende Anschauung. Sie anerkennen vollkommene Gleichberechtigung aller Menschen – gleichviel welcher Farbe oder welchen Geschlechtes – und streben deshalb zuvörderst danach, das s. g. bürgerliche Eigenthum, sei es ein ererbtes oder erworbenes, aufzuheben, um an dessen Stelle eine vernunftgemäße, jedem zugängliche, seinen Bedürfnissen möglichst entsprechende Betheiligung an den materiellen und geistigen Genüssen der Erde zu setzen. Sie verpflichten sich durch ihre Namensunterschrift auch in dem gegenwärtigen Zustande der Gesellschaft diese Ansichten möglichst auszuführen und sich gegenseitig moralisch und materiell zu unterstützen.

§ 2.

Der Verein sucht auf jede ihm passend dünkende Weise, durch private Besprechungen, öffentliche Versammlungen, Korrespondenzen mit amerikanischen und europäischen Kommunisten, Cirkuliren angemessener Zeitschriften und Bücher, u.s.w. für seine Zwecke Propaganda zu machen. Zur Bestreitung der Kosten wird von jedem Mitglied ein monatlicher Beitrag von 25 Cents erhoben. Krankheit oder Arbeitslosigkeit entbinden von der Zahlung.

§ 3.

Fremde haben keinen Zutritt zu den Vereinssitzungen. Jedem Mitgliede steht es aber frei, Kandidaten zur Aufnahme vorzuschlagen. Wenn nicht noch eine vorherige Kenntnißnahme der socialen Ansichten des Vorgeschlagenen durch einzelne Mitglieder zweckdienlich erscheint, müssen wenigstens zwei drittel der Anwesenden ihre Zustimmung zu der Aufnahme ertheilen. Nur eine Anzahl von wenigstens 5 Mitgliedern kann die Ausschließung eines Vereinsgenossen beantragen. Zum Beschluß erhoben wird der Antrag erst dann, wenn zwei drittel der Anwesenden in 2 auf einander folgenden Sitzungen sich durch Stimmzettel für denselben aussprechen.

§ 4.

Es wird alle drei Monate – vom Oktober 1857 an gerechnet – ein Präsident, ein Vice-Präsident, – zugleich als Kassirer, – ein Sekretär – zugleich als Bibliothekar, nach einfacher Stimmenmehrheit durch Stimmzettel gewählt. Der Vorstand ist dem Verein für alle Vereinshandlungen verantwortlich und jederzeit absetzbar.

§ 5.

Sobald 30 Mitglieder dem Hauptvereine beigetreten sind, ist letzterer ermächtigt, zur Gründung eines Zweigvereins zu schreiten und kann diesem nach bestem Ermessen auch ältere Mitglieder einreihen. Jeder, aus wenigstens 10 Mitgliedern bestehende, von dem Hauptvereine nicht ausgegangene, andere Verein kann, nach vollständiger Annahme dieser Statuten, seine Anerkennung als gleichberechtigter Zweigverein bei dem Hauptverein beantragen. Jedes Mitglied des einen Vereins ist ebenfalls Mitglied jedes Mitvereins.

§ 6.

Sobald mindestens drei Vereine in New-York oder überhaupt in Amerika gemäß diesen Statuten bestehen, wird von sämmtlichen New-Yorker Mitgliedern ein aus 3 Personen bestehender Central-Vorstand in New-York zur Leitung der allgemeinen Angelegenheiten aller Vereine gewählt, dessen Befugnisse und Pflichten seiner Zeit festzustellen sind.

§ 7.

Der § 1 dieser Statuten kann niemals, die übrigen §§ aber, nach in vorhergegangener Sitzung gemachten Anzeige des Antrags, nur durch Zustimmung von zwei-drittel der Anwesenden geändert werden.

§ 8.

Der Kommunisten Club kann, so lang auch nur ein einziges Mitglied sich für den Fortbestand ausspricht, nie aufgelöset werden.

New York, Oktober 1857.

Der Vorstand:

Fr. Kamm, Präsident.

A. Komp, Vice-Präsident.

Fr. Jacobi, Secretär.

 

Zitiervorschlag

Statuten des Kommunisten-Klubs in New York. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital. Hg. von der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: http://megadigital.bbaw.de/briefe/detail.xql?id=M0005024. Abgerufen am 04.07.2022.