| 19. April.
71. London Wall.

werther Dr. Marx.

Ich kann mir das Erstaunen denken, mit welchem Sie die Nachricht von der Veränderung in bezug auf Redaktion: Eigenthumsrecht des „Hermann“ gelesen haben. Der jetzige Eigenthümer ist ein gewisser „Heinemann“, der schon seit längerer Zeit mit der preußischen Gesandtschaft in Verbindung gestanden hat. Der Verkauf ging ohne mein Wissen voran, da ich das Eigenthumsrecht dem Herrn Wertheimer verpfändet hatte, als mein Freund Heintzmann gestorben war. Ich sah das Subjekt erst am Tage, als er mit seiner Adresse heraustrat, u ich kann Ihnen versichern, werthester Herr Marx, daß ich, nach dem zehnjährigen Ringen, an diesem einen Tage mehr gelitten habe, als in meinem ganzen Leben. Ohne Mittel ziehe ich aus dem wohlbegründeten Geschäfte, u ein Schleppenträger des Grafen Bismarck gewinnt den Segen. In wenigen Tagen erwarte ich mein sechstes Kind, u heute weiss ich noch nicht, wie ich die | muntere Schaar, nachdem ich mein ganzes Vermögen verloren habe, ernähren soll. Ich war gewiss stets bereit, Jedem die helfende Hand zu bieten: Freiligrath kennt es u. er, der Patriot, dankt nur mir die glücklich gestaltete Zukunft, – doch nie fand ich eine energische Seele, die einen Schritt für mich getan hätte.

Ich würde mich freuen, wenn ich einige Augenblicke mit Ihnen über die Lage sprechen könnte.

Mit freundlichstem Gruß

Ihr Juch
 

Zitiervorschlag

Ernst Juch an Karl Marx in London. London, Montag, 19. April 1869. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital. Hg. von der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: http://megadigital.bbaw.de/briefe/detail.xql?id=M0001010. Abgerufen am 08.02.2023.