| Mchr 29 Novbr 1868.

Lieber Mohr

Überlege Dir die Antwort auf inl. Fragen ganz genau & beantworte sie mir umgehend, so daß ich Dienstag Morgen Deine Antwort habe.

  • 1) Wie viel Geld brauchst Du um alle Deine Schulden zu bezahlen so as to have a clear start?
  • 2) Kannst Du mit £ 350.– für die gewöhnlichen regelmäßigen Bedürfnisse im Jahr auskommen (wobei ich Extrakosten durch Krankheit & unvorhergesehene Ereignisse ausschließe) d. h. so daß Du dabei keine Schulden zu machen brauchst. Wo nicht, so gib mir die Summe an die dazu erforderlich ist. Alles vorausgesetzt daß alle alten Schulden vorher abgezahlt sind. Diese Frage ist natürlich die Hauptfrage.

 Siehe Engels an Marx. 23.11.1868.
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Meine Unterhandlungen mit Gottfried Ermen
nehmen nämlich die Wendung daß er mich am Ende meines Contracts – 30 Juni abkaufen will d. h. er bietet mir eine Summe Geldes wenn ich mich verpflichte auf 5 Jahre in kein Concurrenz Geschäft zu gehn & ihm erlaube die Firma weiter zu führen. Das ist grade wohin ich den Mann haben wollte. Da aber in den letzten Jahren die Bilanzen schlecht gewesen sind, so ist es mir fraglich ob diese Offerte uns in den Stand setzen wird, auf eine Reihe von Jahren & ohne Geldsorgen zu leben, | selbst den wahrscheinlichen Fall vorausgesetzt daß wir durch allerhand Ereignisse wieder in Umzug nach dem Continent resp. Extrakosten versetzt werden. Die von G. E. mir offerirte Summe (von der bei mir, schon lange ehe er sie mir offerirte, feststand daß sie eventuell ausschließlich dafür verwandt werde, den Dir nöthigen Zuschuß zu decken) würde mich in den Stand setzen Dir £ 350.– jährlich sicher für 5–6 Jahre zuzuweisen & bei außergewöhnlichen Fällen auch selbst noch etwas mehr. Aber Du begreifst daß alle meine Arrangements umgeworfen würden wenn sich von Zeit zu Zeit wieder eine Summe von Schulden anhäufte, die aus weiterem Kapital abgetragen werden müßte. Eben weil meine Rechnung darauf beruhen muß, daß unsre Unterhaltungskosten nicht allein aus Revenüe sondern auch – von vorn herein – zum Theil aus Kapital bestritten werden, eben deßwegen ist sie etwas komplicirt & muß streng eingehalten werden oder wir kommen in die Brüche.

Von Deiner Antwort, in der ich Dich bitte mir gradaus die Sachen darzustellen wie sie wirklich sind, wird es abhängen wie ich G. E. gegenüber weiter verfahre. Also bestimme die Summe selbst die Du regelmäßig jährlich brauchst & wir werden sehn was zu machen ist.

Was nach obigen 5–6 Jahren geschehen wird, ist | mir freilich selbst noch nicht klar. Wenn alles so bleibt wie ich es jetzt ist, würde ich dann allerdings nicht mehr im Stande sein Dir jährlich £ 350.– oder gar mehr zu überweisen, aber immer noch mindestens £ 150.– Bis dahin kann sich aber Manches ändern & wird Deine literar. Thätigkeit auch im Stande sein Dir etwas einzubringen.

Beste Grüße an Deine Frau & die Mädchen.  Gemeint sind vermutlich zwei Photophien von Engels aus dem Jahr 1868. Siehe RGASPI, f. 389, op. 1, d. 32 und 33.
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Von inl. Photogrammen
schick eins an Laura.

Dein
F. E.

Zeugenbeschreibung und Überlieferung

Absender

Briefkontext

Zeugenbeschreibung

Der Brief besteht aus einem Bogen mittelstarkem, weißem Papier im Format 228 × 180 mm. Prägung: Wappen mit Löwe. Die ersten zwei Seiten hat Engels vollständig, die dritte zu einem Drittel beschrieben, die vierte Seite ist leer. Schreibmaterial: schwarze Tinte.

Von Eduard Bernsteins Hand: Nummerierung des Briefes bzw. der beschriebenen Seiten: „414“ und „121,1“ bis „121,3“ (korrigiert aus: „120,1“ bis „120,3“); redaktionelle Vermerke mit Bleistift.

Von Heinrich Dietz’ Hand: Nummerierung des Briefes: „1057“.

Anmerkungen zum Brief

Marx beantwortet den Brief am 30. November 1868 (Marx an Engels, 30.11.1868).

 

Zitiervorschlag

Friedrich Engels an Karl Marx in London. Manchester, Sonntag, 29. November 1868. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital. Hg. von der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: http://megadigital.bbaw.de/briefe/detail.xql?id=M0000853. Abgerufen am 21.02.2024.