| Sehr geehrter Herr!

Ich wende mich an Sie in Ihrer Eigenschaft als Secretär der Internationalen. Der Allg. deutsche Arb. Verein,  Siehe W. Liebknecht an Marx, frühestens 16.9.1868 und Erl.
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zwar momentan aufgelöst
, aber in den nächsten Tagen wieder ins Leben tretend, hat sich  Die siebte Generalversammlung des ADAV (22. bis 26. August 1868 in Hamburg). Siehe MEGA2 I/21. S. 1360.
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zu Hamburg auf seiner Generalvers.
thatsächlich, so weit möglich, der Internationalen angeschlossen. Mein Brief konnte darüber keinen Zweifel lassen und die ganze politische Welt hat es auch so betrachtet.

| Die geringste Forderung, die wir stellen können, ist wohl diese: daß andere Theile der Internationalen unseren Bestrebungen nicht gehässig entgegenarbeiten. Sie werden in  Social-Demokrat. Berlin.
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unserm Blatt
niemals eine gehässige Bemerkung gegen Liebknecht, Bebel etc. finden, wohl aber im  Demokratisches Wochenblatt. Leipzig.
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Organ der Genannten
fortwährend gegen uns.

Ich wiederhole: wir haben uns angeschlossen, soweit das Gesetz es erlaubt, und sind auch gesonnen, demgemäß zu handeln. Wir müssen aber bitten, daß dafür gesorgt werde, daß man | uns nicht bekämpft. Andernfalls würden wir den offenen, ausgesprochenen Kriegszustand vorziehen. Nicht wir wären es dann, die eine so traurige Erscheinung zu verantworten hätten.

 Der „Social-Demokrat“ vom 4. Oktober 1868, in dessen Beilage die auf dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterkongress in Berlin beschlossenen Statuten des Verbandes Deutscher Arbeiterschaften und Musterstatuten für die Arbeiterschaften abgedruckt waren (Social-Demokrat. Berlin. Nr. 116, 4. Oktober 1868. Beil. S. 1). Siehe Marx an Engels, 10.10.1868 („Einliegend Brief v. Schweitzer, nebst Nummer des Social Democraten ...“).
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Ein Statut des neu gegründeten Gewerkschaftsverbandes lege ich bei
. Leider war es nicht möglich, Ihnen die Vorlage zu schicken, die da die Vorberatungen gar nicht zu Ende zu bringen waren. Ich bin mir bewusst, daß in diesem Statut keine ungehörige Dictatur, sondern nur kräftige Direction eingeführt ist.

Um rasche Antwort bittend

Hochachtungsvoll
Ihr ergebener Schweitzer
(Hollweg 7)

Berlin, 8. Okt 68.

verte.

| P. S. Um jedem Mißverständniß vorzubeugen, will ich bemerken, daß wenn auch  Siehe Erl. zu Marx an Engels, 26.9.1868.
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die Herren von der Nürnberger Majorität Gewerkschaften gründen wollen
, wir dies zwar bedauern können, ihnen das Recht dazu aber natürlich nicht absprechen. Zwei Organisationen schaden einander, allein, wie gesagt, dagegen etwas einzuwenden sind wir nicht berechtigt. Mein Schreiben bezieht sich nur darauf, daß man uns direct bekämpft, daß man unser Werk schlecht macht u.s.w. Nur dies scheint uns unzulässig, wenn man sich gemeinsam den Bestrebungen der Internationalen angeschlossen hat.

Schweitzer

Zeugenbeschreibung und Überlieferung

Zeugenbeschreibung

Der Brief besteht aus einem Bogen mittelstarkem, weißem Papier im Format 285 × 220 mm. Von Schweitzer hat alle vier Seiten vollständig beschrieben.

Von unbekannter Hand: Nummerierung des Briefes bzw. der beschriebenen Seiten: „14a“ bis „14d“.

Anmerkungen zum Brief

Marx beantwortet den Brief am 13. Oktober 1868 (Marx an J. B. v. Schweitzer, 13.10.1868).

Marx übersendet den Brief an Engels am 10. Oktober 1868 (Marx an Engels, 10.10.1868: „Einliegend Brief v. Schweitzer nebst Nummer des Social Democraten …“). Engels schickt ihn am 12. Oktober 1868 zurück (Engels an Marx, 12.10.1868: „Inl. die Schweitzeriana zurück mit Dank.”).

Über die Beilage („Ein Statut des neu gegründeten Gewerkschaftsverbandes lege ich bei.“) siehe Erl.

 

Zitiervorschlag

Johann Baptist von Schweitzer an Karl Marx in London. Berlin, Donnerstag, 8. Oktober 1868. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital. Hg. von der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: http://megadigital.bbaw.de/briefe/detail.xql?id=M0000781. Abgerufen am 18.04.2024.