| 15 Oct. 1867.

Lieber Kugelmann,

Sie müssen nicht an Borkheim schreiben. Ausserdem wäre es umsonst, da das Werk bereits im Buchhändlerbörsenblatte angezeigt u. bereits fertig bei Schabelitz erschienen ist. Ausserdem ist Borkheim selbst jezt in Bordeaux. Ein solcher Brief Ihrerseits hätte überhaupt keinen Effect haben können ausser den B. mir zu verfeinden.

Ce qui est fait est fait. Never mind! Ich habe, da ich grade von Nachtarbeiten sehr aufgeregt war, nur at first die Bösartigkeit des événement übertrieben. In der That: Je suis puni par où j’ai peché! Nämlich die Idee des Skandals, den unser Freund unter den respektablen Philistern zu Genf anrichten würde, amüsirte mich au premier abord . Allerdings sah ich die buchhändlerischen Früchte nicht voraus. Ausserdem hätte ich bedenken sollen, daß B. bei der Ausarbeitung seines Plans die weisen Schranken, worauf ihn mein Brief anwies, naturgemäß verletzen würde. Die einzig jezt zu befolgende Politik ist die: Schweigen, so lang unsre Feinde nicht sprechen; sobald sie sprechen u. mich verantwortlich machen wollen, schlechte Witze darüber machen, daß sie gezwungen sind mir die Schwänke Borkheims aufzubürden, um mein Buch nicht beantworten zu müssen . Zudem müßte B. in solchem Fall noch wohlwollend behandelt werden, denn after all, seine literarische Eitelkeit abgerechnet, ist er ein tüchtiger u. wohlmeinender Mann u. als homme d’action gut, so oft ihm nicht der Schalk in den Nacken schlägt.

Sie werden Engels’ Recepte jezt wohl erhalten haben. Mit Liebknecht u. bin ich in Correspondenz.

Unter „Erfolg des Buchs“ verstehe ich nichts als raschen Absatz, von wegen der Rückwirkungung auf England.

| Der Courrier Français (jezt das Tages Blatt in Paris, welches das meiste Aufsehn macht) und die Liberté in Bruxelles haben fzsische Uebersetzung meiner Vorrede nebst complimentary preambles veröffentlicht.

Ein gewisser Nahmer in New York hat sich für dort als englischer Uebersetzer angeboten. Quod non.

Liebknecht’s Auftreten in Berlin macht mir grosse Freude. Ich habe ihm von hier einige Instruktionen überschickt.

Der arme Becker ist so weit, daß er auf dem Sprung steht, seine ganze politische u. schriftstellerische Thätigkeit einzustellen. Wie bedauert man unter solchen Umständen, daß man nicht helfen kann!

Gruß an Ihre liebe Frau u. meine kleine Freundin, für deren Porträt ich Ihnen noch zu danken habe.

Ihr
KM

Zeugenbeschreibung und Überlieferung

Zeugenbeschreibung

Der Brief besteht aus einem Bogen dünnem, weißem Papier im Format 273 × 211 mm. Die erste Seite hat Marx vollständig, die zweite zur Hälfte beschrieben, die dritte und die vierte Seite sind leer. Schreibmaterial: schwarze Tinte.

Von Louis Kugelmanns Hand: auf der vierten Seite oben mit schwarzer Tinte der Vermerk: „a. 6/11 cop.

Von unbekannter Hand: auf der ersten Seite am rechten Rand und auf der zweiten Seite am linken Rand („Gruß an Ihre liebe Frau u. meine kleine Freundin, für deren Porträt ich Ihnen noch zu danken habe.“) Anstreichungen mit Blaustift.

Anmerkungen zum Brief

Marx beantwortet Kugelmanns Brief vom 13. Oktober 1867 (siehe L. Kugelmann an Marx, 13.10.1867). Kugelmann antwortete Marx am 6. November 1867 (siehe L. Kugelmann an Marx, 6.11.1867).

 

Zitiervorschlag

Karl Marx an Louis Kugelmann in Hannover. London, Dienstag, 15. Oktober 1867. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital. Hg. von der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: http://megadigital.bbaw.de/briefe/detail.xql?id=M0000394. Abgerufen am 23.04.2024.