| Engelsk. 15 Octbr 1866

Lieber Friedrich

Eigentlich hatte ich viel früher die Nachricht von Deiner glücklichen Ankunft in Manchester erwartet u. da das Wetter so stürmisch war hättest Du besonders gleich schreiben müssen. Ich machte mir etwas Sorge u. wenn ich nicht etwas daran gewöhnt war daß Du saumseelig im schreiben bist würde ich mich sehr beunruhigt haben. Also Anton ist mit seinem Strubbelkopf nach Deutschland gereißt, es scheint also das Gottfrieds Reise nicht sehr nothwendig war. Ich bin seid 14 Tagen wieder hier u. werde so lange hier bleiben bis meine Küche wieder in Ordnung ist, sie hatte eine Erneuerung sehr nöthig. Das Wetter ist auch hier jetzt schön u. trocken aber schon recht kalt u. die Nächte reift es tüchtig.

| Das junge Ehepaar ist zuerst in die Schweitz gereißt u. da sie da auch kein gutes Wetter fanden sind sie an den Comer See u. von da nach Mailand gegangen. Ihre weitere Reise habe ich nicht verfolgt, da Marie senr. so beschäftigt mit der Einrichtung der Wohnung für das junge Paar war, daß sie keine Zeit hatte mir zu schreiben, von Hedwig hörte ich daß die Reisenden in diesen Tagen zurück erwartet würden.

Die Cholera ist denn doch noch nach Barmen gekommen doch Gott sei Dank nur in einem sehr geringen Grade es kommen täglich 1 bis 2 Fälle vor u. zuweilen auch einmal in 24 Stunden gar keiner. Wir wollen hoffen daß es nicht schlimmer wird. In Elberfeld ist sie etwas stärker 10 bis 12 Personen jeden Tag. Mit Rudolfs Gesundheit bessert es auch.

| Hier geht es im Geschäft auch gut, wir wollen doch nicht hoffen daß das, was jetzt verdient wird, im Frühjahr wieder flöten geht. Emil ist augenblicklich tüchtig erkältet, sonst sind wir Gott sei Dank gesund, Hebchen ist zuweilen ausgelassen, sie hat hier aber leider Keinen der sie den Abend keilt, was ihr glaube ich, zuweilen angenehm wäre. Bevor Griesheims von Barmen fortgingen haben sie die Kinder noch photographiren lassen, was sehr nette Bilder geworden sind, wenn schon welche davon hier sind will ich Dir gleich welche beilegen.

Alle lassen Dich herzlich grüßen. Vorgestern hatten wir hier ein großes Fest, die zurückgekommenen Krieger wurden festlich bewirthet, Abends war Ilumination mit Bengalischem Feuer u. Fackelzug u. Ball, es war ein rechter Hallo im Dorf.

| Nun leb wohl lieber Friedrich u. laß mich nicht wieder so lange auf einen Brief warten.

Mit treuer Liebe
Deine Mutter E.

Ich habe dem Hermann den Auftrag gegeben Dir den Wein zu schicken.

 

Zitiervorschlag

Elisabeth Engels an Friedrich Engels in Manchester. Engelskirchen, Montag, 15. Oktober 1866. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital. Hg. von der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: http://megadigital.bbaw.de/briefe/detail.xql?id=M0000186. Abgerufen am 28.01.2023.