| Barmen 23 August 66

Lieber Friedrich

Ich will Dir heute nur mittheilen daß es noch etwas zweifelhaft ist, wann die Hochzeit der Marie Blank sein wird. Der Bruder des Bräutigams ist wie der Krieg beinah zu Ende war noch einberufen u. steht seid dem in Münster, er kann nur selten u. auch sehr kurze Zeit Urlaub bekommen u. weiß natürlich gar nicht wann er entlassen wird. Blanks denken aber daß dies geschieht sobald der Friede abgeschlossen ist, was ja jeden Tag kommen kann. R. Bartels kann aber nicht hier fort kommen wenn sein Bruder nicht zurück ist da er allein im Geschäft ist. Sie wollen gern eine Hochzeitsreise machen u. deshalb warten sie auf den Bruder. So bald ich etwas bestimmtes darüber höre schreibe ich Dir gleich u. | hoffe Du wirst dann kommen. Am nächsten Montag erwarte ich Adolf mit Familie hier, er kommt hierher weil Rudolfs Krankheit doch nicht so rasch vorüber gegangen ist wie wir hofften, seine Nerwen waren so angegriffen daß er keinen Besuch ertragen konnte, der Doctor hat ihn nach Lorch an den Rhein geschickt wo es ganz still ist. Hermann geht am Sammstag mit Familie nach Gladbach u. deshalb kommt Adolf auf 14 Tage hierher.

So eben erhalte ich Deinen Brief u. es freut mich daraus zu sehn daß Du kommst, wenn Du nun Deine Abreise um einige Tage verschieben willst, so wäre das ganz gut doch hoffe ich, wenn Du am 31t abreist u. Du 14 Tage hierbleibst oder wie Du es nennst, „herumbummelst“ Du doch zur Hochzeit hier bist. Bei Blanks ist Alles darauf eingerichtet daß sie in der ersten Woche des Septbr sein kann.

| Hedwig reist morgen mit 2 Kindern u. einer Freundin nach Ostende weil sich der Gesundheitszustand dort gebessert hat. Ich gehe nicht mit, weil ich möglicher Weise über 12 oder 14 Tage zur Hochzeit wieder abreisen müßte. Es geht mir Gott sei Dank gut u. ich freue mich daß ich auch hier mal das Haus wieder etwas voll haben werde.

Nun leb wohl bis auf baldiges Wiedersehn.

Mit treuer Liebe
Deine Mutter E.

Zeugenbeschreibung und Überlieferung

Dieser Brief wird hier erstmals veröffentlicht.

Zeugenbeschreibung

Der Standort der Originalhandschrift ist gegenwärtig nicht bekannt. Die Veröffentlichung erfolgt nach einer Fotokopie.

Soweit aus der Kopie zu ersehen ist, besteht der Brief aus einem Bogen. Die ersten zwei Seiten hat Elisabeth Engels vollständig beschrieben, die dritte zur Hälfte.

Das Papier wurde gelocht, die dadurch entstandenen Textverluste konnten rekonstruiert werden.

Von unbekannter Hand: Nummerierung des Briefes: „784“.

Anmerkungen zum Brief

Elisabeth Engels beantwortet einen nicht überlieferten Brief (Engels an E. Engels, vor 23.8.1866) von Engels, geschrieben vor dem 23. August 1866 („So eben erhalte ich ...“).

 

Zitiervorschlag

Elisabeth Engels an Friedrich Engels in Manchester. Barmen, Donnerstag, 23. August 1866. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital. Hg. von der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: http://megadigital.bbaw.de/briefe/detail.xql?id=M0000160. Abgerufen am 18.04.2024.