| Mein lieber Herr Engels,

Der arme Mohr hat wieder einen großen, sehr schmerzhaften Karbunkel. Er muß dabei liegen u. das Schreiben fällt ihm sehr schwer. Ich hoffe, daß wir in ein paar Tagen Herr über diesen ersten Ausbruch werden. Wie schrecklich, daß das jetzt wieder kommt. Sie glauben nicht, wie herrlich er im Zuge mit dem wirklichen Abschreiben des Buchs war. Es liegt schon ein ganzer schwerer Haufen zum Druck parat. Das zu anhaltende Sitzen u. Schreiben bis tief, tief | in die Nacht hinein u. die damit verbundene Aufregung sind sicher Schuld an dem neuen Ausbruch der Krankheit. Karl hofft, daß die Unterbrechung nicht lange dauern wird. Er will selbst versuchen heute etwas zu schreiben. Er schickt Ihnen hierbei einen Brief von Wilhelmchen, ebenso einen an Weydemeyer, dessen Addresse wir nicht wissen u. den ich Sie bitte besorgen zu wollen. Die Karten für die „International Society“ kosten 1 Sh. 1 ₰ Der Mohr meint aber daß Niemand Gentelmen | hindern würde 5–10 Sh. zu geben.

Sein Sie, lieber Herr Engels, tausendmal von uns Allen gegrüßt.

Ihre Jenny Marx.


Apropos. Endlich kamen ein paar Zeilen von unserm alten „Öhmchen“ Edgar an. Die Berliner scheinen sich anständig gegen ihn zu benehmen. Das Baby schreibt man habe ihm Röcke, Hosen, Westen, Handschuhe, Cigarren u. ein „Gesangbuch“ zu Weihnachten „bescheert“. | Der Doctor, den sie consultirt haben, erklärte seine Krankheit für eine Herzkrankheit. Wenn die Ärzte nicht wissen was sagen, muß immer die „allgemeine“ Herzkrankheit herhalten. Ich glaube sein Leiden liegt vielmehr in Lunge u. Hirn.

 

Zitiervorschlag

Jenny Marx an Friedrich Engels in Manchester. London, Ende Januar 1866. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital. Hg. von der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: http://megadigital.bbaw.de/briefe/detail.xql?id=M0000027. Abgerufen am 29.01.2023.