| Barmen 23 Novbr 68

Lieber Friedrich

Ich bin am 13ten dieses Monats glücklich wieder hier angekommen, wo ich Deinen Brief vorfand. Ich hoffe die gute Laune die Gottfried mit von der Reise gebracht hat wird so lange vorhalten bis Du mit ihm Deine Sache in’s Klare gebracht hast, ich würde sie an Deiner Stelle benutzen, hoffentlich bekomme ich recht bald von Dir darüber beruhigende Nachricht. Was nun Dein Reumatismus in dem Arm betrifft, so rathe ich Dir an, den Arm an der Stelle wo die Schmerzen sind mit verdünntem Croton Oehl einzureiben. Das Croton öhl allein auf den Arm einzureiben würde zu stark sein u. die Haut zu sehr angreifen u. Blasen machen. Ich habe | vor zwei Jahren lange Schmerzen in der linken Schulter, bis mir das Mittel angerathen wurde. Ich goß von diesem verdünnten Oehl, was ich in der Appotheke holen ließ etwas auf ein Läppchen u. rieb es auf den Arm, doch nicht zu viel, nur ein Paar Tropfen, da man vorher nicht wissen kann wie stark es wirkt, war der Arm am andern Morgen roth u. voll kleiner Pöckchen dann wartete ich 1 oder 2 Tage, bis ich sah, daß es heilen wollte, dann rieb ich wieder etwas darüber u. so fort, bis sich am Ende die Schmerzen ganz verloren hatten. Ich muß aber dabei bemerken daß die Schmerzen im Arm schienen erst etwas zuzunehmen, wenn ich das Oehl darauf gerieben hatte, aber es dauerte nicht lange u. hat mir in ein Paar Wochen | gründlich geholfen, Du kannst ja einmal Deinen Arzt darum fragen.

Bei meiner Ankunft hier fand ich Gott sei Dank Alle gesund, Hebchen war mit hierher gekommen, um sich für Christtag einige Arbeiten zu kaufen, sie ist diesen Morgen wieder abgereißt, der Stickhusten war in Engelskirchen nun ganz verschwunden, der kleine Knabe von Emil ist denn auch in der vorigen Woche operiert worden u. wie ich höre die Operation sehr gut gelungen.

Ich weiß nicht ob Du noch in Ostende warst, wie wir die Nachricht erhielten, daß der Onkel Snethlage einen Schlaganfall bekommen hatte. In den ersten 8 Tagen erwartete man täglich sein Ende, die Sache hat sich indessen in die Länge gezogen u. obgleich gelähmt u. nur selten bei | vollem Bewußtsein, lebt er doch noch, wie wir hören hat er aber in der letzten Zeit den Appetit verloren u. dadurch die Schwäche sehr zugenommen, so daß wir doch bald wol die Todesnachricht bekommen werden. Die Kinder waren Alle im Septbr 4 Wochen da, sind dann aber wieder abgereißt. Wie es scheint hat mir doch Ostende gut gethan, ich meine ich fühlte mich kräftiger wie sonst wol u. könnte etwas mehr aushalten. Bertha Lipka ist auch verheirathet, ich hatte vor einigen Wochen einen Brief von ihr, worin sie sehr vergnügt schreibt.

Dann theile ich Dir noch mit, daß Hermann in diesem Frühjahr anfangen wird sich hier am neuen Weg ein Haus zu bauen, das Nähere theile ich Dir mal nächstens mit. Leb wohl u. gieb mir recht bald Nachricht wie es mit Gottfried steht.

Mit treuer Liebe Deine Mutter E.
 

Zitiervorschlag

Elisabeth Engels an Friedrich Engels in Manchester. Barmen Montag, 23. November 1868. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital. Hg. von der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: http://megadigital.bbaw.de/briefe/detail.xql?id=B00853. Abgerufen am 29.11.2021.