| Viel verehrter Freund!

Bitte tausendmal um Entschuldigung für das Mißgeschick, welches mir gestern an Ihnen passirt ist. Durch eine russische Dummheit ist das Manuscript, welches ich Ihnen zusandte, unvollständig frankirt worden. Als ich davon erfuhr, war es bereits zu spät, der Brief war abgegangen. In meiner Qual darüber bleibt mir nichts anderes, als das Ungeschick durch eine zweite Unschicklichkeit wieder gut zu machen. So ungefähr komme ich mir vor, wenn ich Ihnen hiermit einen Rubel übersende, mit der flehentlichen Bitte, denselben zur Tilgung meiner Schuld zu benutzen. Ich bitte, wenn es Ihnen auch sonderbar erscheinen muß, thun Sie den Gefallen, mir zu erlauben, derart mein Gewissen zu beruhigen. Ich fühle es wohl, | ich bin ein Sonderling. Doch alle Menschen sind Sonderlinge. So bitte ich denn, in Erinnerung an das alte kölnische Sprüchwort: „Jeck loß Jeck älangs“ nochmals tausendmal um Verzeihung.

Ihr ergebener:
Jos. Dietzgen


Eine baldige Antwort auf die gestrige Zusendung erwarte ich unter der Adresse.
: J. Dietzgen in Siegburg
bei Cöln a/Rh.

 

Zitiervorschlag

Joseph Dietzgen an Karl Marx in London. Sankt Petersburg, Freitag, 25. September 1868. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital. Hg. von der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: http://megadigital.bbaw.de/briefe/detail.xql?id=B00761. Abgerufen am 28.11.2021.