| Bruxelles 8/9 68.

Dein Brief habe ich heute mitag erhalten, nach 12 Uhr. und wie Du aus den beiliegenden sehen wirst, zu spät. –

Waß den Kongreß anbetrift, so scheint es bis jetzt, daß die Leute eher schlimmer werden als besser. Bis jetzt ist noch weiter nichts gemacht, als fürchterliche lange Reden gehalten. Natürlich in Französisch. Daß wichtigste bis jetzt, war die Vorlesung des Generalberichts, welches sehr gut ging, daßelbe gescha in den großen flämischen Theader, wo sich ein sehr aufmerksames Bublikum zahlreich eingefunden. Schaw lies den Englischen zuerst vor, welches ziemlich gut von statten ging. Dupont folgte darauf, und derselbe hat es vorzüglich gut gemacht, sehr oft durch großen Beifalssturm unterbrochen.

Hierauf kam an mich die reihe, und ich denke, nach der ruhe die während meines vorlesens herrschte, und unterbrechente Beifalsbezeichnung, daß auch ich meine sache ordentlich gemacht habe.

| Waß nun die Fragen anbedrift, so ist es ganz ähnlich wie in Lausane, alles durcheinander; die 7. Frage wegen Krieg, ist als die erste durchgegangen, und die anderen sind durcheinander geworfen, und frischen unsin dazu gebraut. bis jetzt bin ich selbst noch nicht klar, wie es damit steht, nur soviel kann ich Dir sagen, daß man die erste und wichtigste Frage garnicht auf daß program bringen wolde; wir haben es jedoch mit einigen guten aus Bruxelles zulätzt durchgesetzt, daß dieselbe allein zur Diskußion kömmt.

Wir Deutsche sind schrecklich schwach. Auser Klein aus Solingen, und Schröpleraus Mainz, (natürlich Becker) sind wir ganz allein, mit den Engländern steht es beina noch Schlimmer. Lukraft, hat bis jetzt noch nichts als langen unsin gemacht, und es ist gut daß derselbe nicht Französisch versteht.

Wäre es nicht für Jung, so stände die sache Ecklig; und ich fürchte daß es noch zu großen plamaschen kommen wird, wenn Jung fort ist: und derselbe scheint auch schon genuch davon zu haben, denn er sprach gestern | schon von wegreißen; ich weis bis jetzt noch nicht was derselbe thun wird. Vieleicht ist er eher in London als diese Zeilen.

Was bis Heute mitag noch geschen von Intresse, ist die Geschichte mit Vessigner, worüber Dir Dupont oder Jung berichten wird, da es alles in französischer sprache geführt wurde. so viel kan ich jedoch mittheilen, daß er so zusagen beina einstimig hinausgeworfen aus der I.A.A.

Der Hess aus Paris ist auch da, als reporter für die Reinische Zeitung, so sagte er, Frieburg ist als Berichterstatter da, habe denselben jedoch noch nicht in den morgensitzungen gesehen, daß Tolan da ist, hast Du vieleicht schon aus Zeitungsberichten gesehen.

Von der Tayle News ist ein reporter anwesent, derselbe sagte uns, daß er weniger wegen berichterstattung da sei, sondern Hauptsächlich Leidartikel darüber zu schreiben.

Vorläufig kann ich Dir weiter nichts von Intresse mitheilen, nur noch so vil, daß wenn aus diesen Kongressen etwas werden soll in zukunft, dieselben nur unter der Bedinung abgehalten werden müssen, wenn wir im voraus wissen, daß | eine bessere deutsche sowohl wie englische vertretung haben.

Es sollte mir sehr Leid thun, wenn Du Dich under diesen Leuten Langweilen müstest. Die Sitzung sind.

Von 9–1 und auch bis 2 Morgens, dann Nachmittag von 4–6 und 7. und von 7 bis 11 Uhr und später im Großen Theader.

Wenn jemand von Deiner Familie nach meiner Frau kommen solde, viele grüße an die selbe und ich hoffe daß sie sich besser befindet. auch das Kind nicht zu vergessen.

Es grüßt freundlichst Euch Alle

Fried. Leßner
4 Uhr Nachmittags.
 

Zitiervorschlag

Friedrich Leßner an Karl Marx in London. Brüssel, Dienstag, 8. September 1868. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital. Hg. von der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: http://megadigital.bbaw.de/briefe/detail.xql?id=B00734. Abgerufen am 06.12.2021.